Mumbai by train

Tag 14 und 15

Wir lassen allen Zeit in Indien anzukommen und haben heute morgen auch meine Schwester mit ihren Töchtern in Empfang genommen. Das neue Hotel ist jetzt echter Luxus, mit Swimmingpool und richtigen Appartements, Küche und Waschmaschine und im Bad ein Whirlpool. Ganz anders als unsere Absteige im Slum gestern. An der Rezeption lachen sie schon, als meine Schwester morgens ankommt und sagt, dass ihr Bruder schon für sie eingecheckt hat. So können sie gleich mit uns frühstücken. Sie sind über Riyadh, Saudi Arabien gekommen, gut gelaunt, aber etwas müde. Das Schöne ist, dass es in Indien niemanden stört, wenn Frühstückszeit von 7.00 bis 9.30 Uhr ist und um 11.00 Uhr immer noch Gäste kommen.

Die Gegend, Khar, haben wir schon erkundet, wir sind direkt am Bahnhof und die Vorortzüge ohne Türen rattern Tag und Nacht direkt am Pool vorbei. Alles sieht ein bisschen unfertig oder unvollkommen aus, und genau das entspannt und gibt einem das Gefühl, auch nicht so perfekt sein zu müssen. Es ist ungewöhnlich kühl, ideales Wetter sozusagen. Nur auf die Moskitos müssen wir noch mehr aufpassen, jetzt sind auch Taras Arme zerstochen. 

Indien ist für mich immer eine Reise in eine andere Welt, in eine andere Zeit. Und ich genieße es, Zeit zu haben, im Hotel am Pool zu sitzen und mich inmitten dieser fremden Welt in Literatur zu vertiefen. Mein eigentlicher Trick dabei – ich finde in jedem Buch Parallelen zu meinen eigenen Erfahrungen und erlebe so alles intensiv mit. Orhan Pamuks Istanbul-Autobiografie versetzt mich so in eine Kindheit und Jugend in einer fremden Großstadt. Ich denke an das Grau von Lima in meiner Kindheit, an meine ersten Erfahrungen als Traveller mit 17 in Istanbul, an den romantisch verklärten Blick, mit dem wir aus dem Westen Städte erleben, die uns an vergangene Zeiten erinnern, an die Schönheit des Unordentlichen, Veralteten, Chaotischen und noch nicht durchrationalisierten Lebens. Wie der schwarze Schleier, der in Indien immer über allen Häusern hängt, wegen des Schimmels, der sich in der feuchten, heißen Regenzeit auf jeder weiß getünchten Wand ausbreitet. 

Ich weiß, dass es ein Luxus ist, als Reisender die Welt außerhalb des Gewöhnlichen kennen zu lernen, und ich habe Arbeit immer als eine Möglichkeit betrachtet, Geld zu verdienen, um vor allem reisen zu können. Vor allem in meiner Jugend habe ich es geliebt, wie der junge Schriftsteller Pamuk in der Welt der Romane zu reisen und zu leben – da draußen gab es den Alltag zu bewältigen, aber was mich begeisterte, war das innere oder äußere Reisen.

Und jetzt kann ich das wieder, und zwar für mehr als vier Monate in Indien und durch ferne Länder – was für ein Geschenk!

Heute sind wir zu zehnt mit dem Nahverkehrszug Richtung Churchgate aufgebrochen. 10 mal hin und zurück macht 200 Rupien, 2,20€.

Zwei Mädchen spielen im Zug Akkordeon und singen. Wir werden freundlich empfangen und begleitet. Morpheus stellt sich an die offene Tür, bis wir alle Platz gefunden haben. Indien hat Breitspur, 1600 mm, die Züge haben Platz für 6 Personen nebeneinander. Das letzte Stück fahren wir mit dem Taxi, der Fahrer ist überzeugt, dass wir alle reinpassen. Meine Schwester macht in den Maker Towers ein Interview bei der India Chamber of Commerce, Morpheus entdeckt ein Restaurant und allen schmeckt es – Malai Kofta, Garlic Naan, Roti, Chicken Tika Masala, Lemon Soda, Lassi, Kingfisher – und wie versprochen für die Kinder 6 Magnum Mandeln. 

Zum Abschluss noch das Gateway of India mit Fotoshooting für Einheimische und eine lustige Taxifahrt zum Churchgate, bevor es in der Rushhour mit dem Zug zurückging. Der besondere Sport – im Sprint auf den fahrenden Zug aufspringen. Wir schauen lieber zu. 

Day 14 and 15

We are giving everyone time to arrive in India and this morning we also welcomed my sister and her daughters. The new hotel is now a real luxury, with a swimming pool and proper apartments, a kitchen and washing machine and a whirlpool in the bathroom. Quite different from our shack in the slum yesterday. They are already laughing at reception when my Sister arrives in the morning and says that her brother has already checked in for her. So they can have breakfast with us straight away. They have come via Riyadh, Saudi Arabia, in a good mood but a little tired. The nice thing is that nobody in India is bothered when breakfast time is from 7.00 to 9.30 and guests are still arriving at 11.00 am.

We have already explored the area, Khar, we are right next to the train station and the suburban trains without doors rattle past the pool day and night. Everything looks a little unfinished or imperfect, and that’s exactly what relaxes you and gives you the feeling that you don’t have to be so perfect. It is unusually cool, ideal weather so to speak. The only thing we have to watch out for is the mosquitoes, now Tara’s arms are also bitten. 

For me, India is always a journey to another world, another time. And I enjoy having time to sit by the pool in the hotel and immerse myself in literature in the midst of this foreign world. My real trick here is that I find parallels to my own experiences in every book and experience everything so intensely. Orhan Pamuk’s Istanbul autobiography transports me to a childhood and youth in a foreign city. I think of the grey of Lima in my childhood, of my first experiences as a 17-year-old traveller in Istanbul, of the romantically transfigured view with which we from the West experience cities that remind us of times gone by, of the beauty of the untidy, outdated, chaotic and not yet rationalized life. Like the black veil that always hangs over all houses in India because of the mold that spreads on every whitewashed wall in the hot, humid rainy season. 

I know that it is a luxury as a traveler to get to know the world outside of the ordinary, and I have always seen work as a way to earn money to be able to travel in particular. Especially in my youth, I loved to travel and live in the world of novels like the young writer Pamuk – there was everyday life to deal with out there, but what excited me was the inner or outer traveling.

And now I can do that again, for more than four months in India and through faraway countries – what a gift!

Today, ten of us set off on the local train towards Churchgate. 10 times there and back is 200 rupees, €2.20.

Two girls play the accordion and sing on the train. We are warmly welcomed and accompanied. Morpheus stands at the open door until we have all found a seat. India has broad gauge, 1600 mm, the trains have room for 6 people next to each other. We take a cab for the last stretch, the driver is convinced that we will all fit in. My sister does an interview at the India Chamber of Commerce in the Maker Towers, Morpheus discovers a restaurant and everyone enjoys it – Malai Kofta, Garlic Naan, Roti, Chicken Tika Masala, Lemon Soda, Lassi, Kingfisher – and, as promised, 6 Magnum Almonds for the children. 

Finally, the Gateway of India with a photo shoot for locals and a fun cab ride to Churchgate before returning by train during rush hour. The special sport – jumping on the moving train in a sprint. We prefer to watch. 


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