Kategorie: Ägypten
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Abschied von Ägypten
Donnerstag, 14. September 2017, 21.15. Giza, Kairo, Ägypten
Die Taschen sind gepackt. Um 2.35 Uhr morgens geht der Flieger nach Addis Abeba. Von dort weiter nach Johannesburg. Dann nach Windhoek. Alle sind etwas aufgeregt und erschöpft.
Heute morgen ist es uns erst aufgefallen. Wir fliegen ja 2.35 Uhr morgens, das heißt wir müssen bereits am Vortag aufbrechen. Also heute! Aber die Kinder freuen sich. Es geht weiter.
So wurde es ein intensiver Tag. Zuerst nach Kairo ins Ägyptische Museum. Danach noch mal zur Cheops-Pyramide, dieses Mal den engen und steilen Weg in das Zentrum der Pyramide. Unser netter Gastgeber lädt uns noch mal zum Sonnenuntergang auf die Terrasse zum Abschiedsessen mit Pyramidenblick ein. Und dann aufräumen und packen. Wir legen uns immer wieder abwechselnd für 30 min hin, es liegen 24 h Reise vor uns, wir kommen erst morgen gegen 21.30 in Windhoek, Namibia an.
Das Ägyptische Museum: Faszinierend, eine ganz besondere Erfahrung. Das Museum mit seinem historischen Gebäude und der antiquarischen Einrichtung allein ist schon eine Erfahrung, es sieht alles so aus wie aus einem alten Agatha Christie-Film und man erwartet eigentlich gleich, dass sich ein Sarkophag bewegt und etwas unheimliches passiert. Die Beschriftungen an den meisten Ausstellungsstücken sehen aus, als wären sie auch 100 Jahre alt wie das Museum.

Die Fülle aus Ausstellungsstücken ist atemberaubend. Särge, Statuen, Mumien, Grabkammern en masse. Das Museum ist eng vollgestellt, man merkt dass es viel zu zeigen gibt und der Platz kaum ausreicht. Wie an den Pyramiden sind die meisten Touristen Asiaten, aber insgesamt hat man viel Platz, alles zu bewundern.

Im Obergeschoss dann 27 Mumien aus den Königsfamilien. Und der ganze Schatz Tutanchamons, einfach erstaunliche Zeugnisse aus einer fernen Vergangenheit. Das Museum ist ein faszinierender Ort, den man mehrfach besuchen kann.

Im so kinderfreundlichen Ägypten nicht überraschend: Es gibt im Untergeschoss ein eigenes „Kindermuseum“. Darin findet man eine sehr schöne Kombination aus kindgerechten Ausstellungsstücken zum Anfassen und dem schönsten Legoland, das ich gesehen habe:
Auf der Rückfahrt dann frage ich den Fahrer: Was ist das für eine Großbaustelle zwischen Autobahn und Pyramide? Es sieht ähnlich groß wie ein Flughafen aus. Ich erfahre: Das ist das „Grand Egyptian Museum“, es wird einmal das größte archäologische Museum der Welt. Der Entwurf stammt von heneghan peng architects mit Sitz in Dublin und Berlin.

Drücken wir die Daumen, dass es bei jetzt schon über 1 Mrd. Euro Baukosten nach jetzt 15 Jahren Bauzeit tatsächlich irgendwann fertig wird.

Und dann geht es zum krönenden Abschluss tatsächlich noch mit der ganzen Familie hinein in die Cheops-Pyramide. Es fühlt sich eng und stickig wie in einem Bergwerk oder Höhlensystem an, und man muss einen langen, flachen und steilen Schacht ansteigen, um zur zentralen Grabkammer zu gelangen. Für alle ein tolles Abenteuer zum Abschluss.
Es war eine tolle Zeit in Ägypten und eine schöne erste Etappe unserer Reise.


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Betrachtungen beim Anblick der Cheops-Pyramide

Betrachtungen beim Anblick der Cheops-Pyramide, nachts aus meinem Zimmerfenster.
Wir liegen auf unserem Bett. Die Kinder schlafen. Jetzt ist es kühler, man kann die Fenster wieder öffnen. Wir haben einer der schönsten Ausblicke vor uns, die man sich vorstellen kann. Genau in unserem Fenster ragt die CheopsPyramide in den Nachthimmel.
Rein ästhetisch ist sie mit ihrer strengen geometrischen Form ein zeitloses, mathematisch exaktes Symbol. Von einer schnörkellosen Modernität. Ich frage mich: Wie kommt es, dass genau zu Beginn der ersten Hochkulturen ein so gewaltiges und abstraktes Bauwerk errichtet wurde?
Vor 5000 Jahren, mit dem Beginn der ersten Hochkulturen in der Bronzezeit begann etwas, das sich deutlich von den Milliarden und Millionen Jahren der Erdgeschichte unterscheidet.
Vorher gab es Lebewesen, in Millionen Spielarten, über Milliarden von Jahren optimiert, adaptiert, in ein gewaltiges, erst die Ozeane, dann die Erdoberfläche und schließlich die Lüfte umfassendes interaktives Netzwerk integriert.
Das System ist so komplex, dass wir immer noch in den Anfängen sind die einzelnen Prozesse zu verstehen, die etwa innerhalb einer Zelle ablaufen, der Blaupause für alles Leben.
Die Zelle trägt das Wasser in sich, und so tragen alle Zellen, die höchstwahrscheinlich alle von der ersten Zelle abstammen müssen, das Wasser des Urozeans in sich, in dem sie entstanden ist.
Da es unmöglich erscheint, eine einzige Zelle mit ihren hochkomplexe, differenzierten spezialisierten Systemen einfach so neu entstehen zu lassen, müssen sie alle durch Teilung aus der ersten Zelle entstanden sein.
Das erkennt man auch am exakt definierten Salzgehalt der Zelle, die Mischung an Natrium, Kalium, Chlorid und anderen Mineralien die wir heute in uns tragen.
Diese ist sozusagen der transportabel gemachte Urozean. Es ist also das Wasser, das wir höher entwickelte Lebewesen transportabel und beherrschbar gemacht haben, in der Zelle.
Jede Zellwand hat ein komplexes System an Pumpen und Kanälen, um den Spiegel an Elementen und Wasser exakt aufrechtzuerhalten.
Die Biospähre, „Gaia“, wie sie Lovelock genannt hat, der globale Organismus interagiert hocheffizient, bis schließlich durch Photosynthese in Milliarden Zellkraftwerken über Milliarden Jahren genug energiereicher Sauerstoff in der Atmosphäre angereichert wurde, damit Lebewesen mit höherem Energieverbrauch wie Reptilien, Säugetiere, und Vögel außerhalb des Wassers leben können.
Dabei wurde das C02, das in der Uratmosphäre in viel größerer Konzentration vorhanden war genutzt und der Kohlenstoff in Form von Pflanzen und Tieren gebunden, bis er schließlich als Öl, Kohle und Gas in der Erde abgelagert wurde.
Jetzt dauert es weitere hunderte von Millionen von Jahren, bis sich eine Spezies herausbildet, die von früh an beschlossen zu haben scheint, die Welt noch einmal komplett zu verändern, der Mensch.
Er bricht aus den Urwäldern Zentralafrikas in die Savannen auf, und erobert von dort in kürzesten Zeiten zu Fuß die ganze Welt.
Es geht, in einer Sichweise betrachtet hierbei immer um eine optimale Nutzung der Ressourcen, um den bessern Umgang mit den Elementen.
Je mehr gespeicherter Sonnenenergie in Form von Nahrung zur Verfügung steht, umso besser kann der energiesaugende Hochleistungsrechner, unser Gehirn, wachsen. Und je leistungsfähiger der Rechner ist, umso intelligenter seine Lösungen.
So werden Steine, das Feuer, die ersten Metalle, das Wasser nutzbar gemacht, es werden Tiere domestiziert, Pflanzen gezüchtet. Und sozusagen vor ganz kurzem, weniger als 10.000 Jahren, entsteht daraus weltweit scheinbar aus dem Nichts explodierend eine neue Welt, die Welt der ersten Hochkulturen.
Alle Elemente, die sie ausmachen kommen uns sehr bekannt vor:
- geplante und organisierte Landwirtschaft
- Städte
- organisierte Verwaltung und ein Regierungs- und Rechtssystem, Militär
- Arbeitsteilung in der Gesellschaft
- Schrift
- differenzierte Religionen
- gemeinsames Denken und Fühlen durch Sprache, Religion und Kultur
- einheitliches Kalendersystem
Und gleichzeitig, das ist offensichtlich, ist mit der magischen Erfahrung, die Welt deuten, verstehen, vorhersehen, beeinflussen zu können eine ungeheuere Euphorie, aber zugleich ein ungeheueres Schwindegefühl verbunden : Was werden die Götter dazu sagen, dass wir in ihr Werk eingreifen?
Ich bin mir sicher, dass mit den ersten Hochkulturen auch die ersten apokalyptischen Warnungen entstanden sind. Alle Religionen haben dieses warnende Element, vermute ich. Die Sintflut, die Apokalypse, im Christentum ist uns diese Symbolik wohl bekannt.
Wir, die „kleinen“ Menschen, verstoßen (mit jeder neuen Erfindung, mit jeder neuen „Sozialtechnik“) gegen das Althergebrachte, Bisherige, von den höheren Mächten schon immer so bestimmte.
Die Rache muss folgen, das ist eine logische Konsequenz. Um dem entgegenzuwirken muss nach der archaischen Logik ein Opfer erbracht werden. Ein Denkmal errichtet werden. Eine Großtat vollbracht werden.
Psychologisch kann ich bei mir diesen Mechanismus sehr gut heute noch nachvollziehen. Habe ich nicht auch besonders gut im Studium gelernt, wenn ich zuvor am wildesten um die Welt gereist oder Party gemacht habe?
Ist es nun Eitelkeit („ich, Cheops, bin der Allergrößte, und das werde ich der Nachwelt zeigen“), Stabilisierung des Systems der Herrschaft: „ich bin von den Göttern eingesetzt oder selbst ein Gott, seht was ich und mein System kann und seit ehrfürchtig und gehorsam“ oder Zeugnis der technischen Möglichkeiten? Wahrscheinlich von allem etwas und noch viel mehr.
Überall auf der Welt beginnt man vor etwa 5000 Jahren Pyramiden zu bauen, etwa auch in Caral in Peru. Ist die Zeit für einen Entwicklungsschritt gekommen, ist dieser unaufhaltsam und entsteht, ohne dass man darüber miteinander kommunizieren muss, quasi von selbst. Die Logik des Systems bringt den Schritt hervor, so sehe ich es.
Auf jeden Fall ist es wie ein superdeutliches, markantes Zeichen. Jetzt beginnt ein neues Zeitalter. Die Pharaonen haben sicherlich auf eine lange Geschichte der Entwicklung zurückgeblickt, und zeigen mit den Pyramiden (und anderen hochkomplexe Bauten und Tempeln): Seht, wir sind die Zukunft, der Rest ist nur Vergangenheit.
Es gibt Berge, aber es gab bis dahin keine exakte Pyramide, deren Umfang „zufällig“ im Verhältnis von 3,141 (der Zahl Pi) zur doppelten Höhe steht. Deren Seiten nur wenige Millimeter vom Idealmaß abweichen. Für die man 3,3 Millionen tonnenschwere Steinquader mit einer Millimeter-Fuge aufeinanderstapeln musste, das heißt 20 Jahre lang 12 Stunden am Tag alle 2 Minuten einen neuen Stein.
Es ist gelungen. Jetzt, fast 5000 Jahre später steht die Pyramide dort, praktisch unverändert. Der Putz ist ab, aber die schöne Kalksteinverkleidung wurde eben von den nachfolgenden Kulturen genutzt, auch um die Moscheen des Islam zu errichten.
Aber die Pyramide steht. Auch der Sohn, der es beweisen will hat sein Zeichen gesetzt, ein auch uraltes und hochaktuelles Motiv, die Chephren-Pyramide, nur unwesentlich kleiner, zeigt: das ist reproduzierbar. „Ich kann das auch“. Dann wird es wahrscheinlich langweilig, wen interessiert schon die „dritte Mondlandung mit Apollo 14?“
Wird man in 5000 Jahren weiter auf die Pyramide schauen? Ich bin überzeugt, natürlich. Wahrscheinlich hat man dann eine der Beiden originalgetreu restauriert, während die andere von den Zeichen der Zeit gezeichnet dasteht.
Das ganze Areal wird eine von hunderten von Millionen Menschen besuchte Stätte des Weltkulturerbes sein. Als letzte noch existentes der sieben Weltwunder der Antike wird jeder Mensch, der es sich leisten kann (und das werden dann die allermeisten sein) dort in ihrem Leben einmal gewesen sein wollen. Nicht nur wie vor 100 Jahren aristokratische Engländer oder heute das Bildungsbürgertum des Westens. Auch der Handwerker aus Bangladesch, der Lehrer aus Burundi und der Rentner aus Belize.
Es steht da, als Zeichen unseres Anspruchs. Wir können die Weltgesetze verstehen, und wir können die Welt gestalteten. Wir werden die Evolution weiterentwickeln, wir sind erst bei der Halbzeit angelangt.
Und so wie der erste Quastenflosser auf Landwegen ein ungeheuer Fortschritt war, und das Ökosystem an Land mächtig durcheinandergewirbelt hat; aber nicht deren Ende eingeleitet hat, so sind die Menschen erst am Anfang.
Die Ägpyter haben den Nil bezwungen, mit Bewässerungstechnik, Schrift, Arbeitsteilung, einem stabilen Staatsystem eine neue Stufe der Entwicklung eingeleitet. Ich vermute, es gab auch damals eine hohe Verunsicherung, wie lange dies noch so weitergehen kann, wann der „Untergang“ kommen wird. Die Hochkultur Ägyptens wurde nach Jahrtausenden von anderen Kulturen abgelöst. Wir stehen alle auf den Schultern unserer Vorgänger.
Droht wirklich der „Weltuntergang“ durch globale Erwärmung, Plastik in den Ozeanen und Bevölkerungswachstum, neuen Kriegen etc.? Glaubt man der vorherrschenden Stimmung da draußen, so ist dies hochwahrscheinlich.
Ich dagegen glaube: Wir sind erst ganz am Anfang eine neuen Epoche. Das Windrad, die Solarzelle, das Iphone: sie werden aus der Zukunft einmal als die Pyramiden unserer Zeit erscheinen. Sie haben eine neue Zeit eingeleitet, nie wieder wird es so sein wie vorher.
Hochkulturen wurden möglich, weil es das erste Mal Überfluss gab. Genügend Glucose und Wasser für den Betrieb vieler Gehirne in optimalem Betriebszustand. Diese produzieren dann Wunder wie Pyramiden oder die erste Schrift.
Für die 12 Millarden Menschen, die es voraussichtlich zukünftig auf unserem Planeten haben wird, braucht es ausreichend Energie und gute Ernährung.
Für beides haben wir bereits die wesentlichen Erfindungen getätigt. Wind und Sonne wird es für alle Zeiten ausreichend geben, und der Wechsel zur regenerativen Energieerzeugung ist bereits vollzogen. Peak Oil ist erreicht. Weltweit wird jährlich mehr regenerative Kraftwerkskapazität errichtet als mit fossiler Verbrennung.
Wie so häufig ist es am Ende die Ökonomie, die „Economy of Scale“. Wind und Sonne ist einfach billiger geworden als Kohlekraft, und so haben Indien und China dieses Jahr offiziell hunderte von geplanten Kohlekraftwerken gestrichen. Sie wählen Wind und Sonne, weil sie mit jedem installierten Megawatt günstiger geworden sind. Und das geht weiter.
Das Perpetuum mobile ist erfunden. Ein Windkraftwerk erzeugt das Mehrfache an Energie, als es selbst zu seiner Herstellung verbraucht. Kein Rohstoff kann auf diesem Planeten verlorengehen, also kann es auch keine Knappheit geben. Man braucht nur die richtigen Technologien und intelligenten Systeme, um sie vernünftig zu nutzen. Das ist alles kein Hexenwerk.
Der Philosoph Kant schrieb schon vor Jahrhunderten, ohne seine Heimat Königsberg je weitreichend verlassen zu haben: Handle so, dass die Maxime deines Handelns zum allgemeinen Gesetz erhoben werden könnte.
Das ist ganz einfach und einleuchtend, und dazu braucht es auch keine religiösen Gebote. Wenn du das tust, was du von allen erwartend würdest dass sie es tun dann wird sich alles ordnen.
Dazu muss man aber erst mal verstehen, dass es eine globale Zivilgesellschaft gibt. Dass wir auf einem Planeten leben, auf dem alles verbunden ist. Und auf dem jeder Mensch dein Nachbar ist. Kant war der erste, der das vorausgedacht hat.
Manche Nachbarn mag man, manche nicht. Aber man weiß, dass es Menschen wie Du und Ich sind. Und dass man schlecht um 3 Uhr morgens Krach machen kann und dann sich ärgern, wenn der Nachbar Sonntags den Bohrhammer herausholt.
Und hier kommt das Iphone ins Spiel. Ich glaube, man wird einmal Steve Jobs genauso erinnern wie den Pharao Cheops. Steve wollte, wie er es selbst sagte, eine „Delle in der Welt hinterlassen“ Man sieht es am angebissenen Apfel. Vielleicht auch das Symbol des Sündenfalls. Auf jeden Fall hat seine Erfindung die Welt mehr verändert in kürzerer Zeit wie je eine Erfindung zuvor, glaube ich.
Gestern wurde das Iphone X vorgestellt, zum zehnjährigen Geburtstag. Es hat nur eine Dekade gebraucht, bis die ganze Welt in Echtzeit verbunden ist und auf den globalen Wissensschatz Zugriff hat.
Wie auch auf den heutigen Gemüsepreis auf dem Nachbarmarkt in jeden Dorf in Afrika. Es ist ein Supercomputer, der das Mehrfache leistet als alle Computer die zur Mondlandung benötigt wurden. Es verbindet alle. Bald gibt es alles, überall, jederzeit, sofort.
Und es ermöglicht neue Erfindungen, Geschäftsmodelle, Spiele, Verhaltensweisen, Arten des Zusammenlebens, Arbeitens. Verändert das Bewusstsein unwiderruflich von jedem Menschen, der damit in Kontakt gekommen ist.
Wikipedia ist ein wunderbares Beispiel einer erfolgreichen digitalen Zusammenarbeit, die ein gemeinsames, sich ständig selbst verbesserndes Wissenssystem erschafft.
Aber natürlich, der Fortschritt, darunter verstehe ich vor allem dass Aberglaube und Unwissenheit, aber auch ineffiziente Systeme und Techniken durch bessere ersetzt werden; dieser Fortschritt, man kann ihn auch Wachstum nennen, geht nicht linear und ohne Hindernisse von statten.
Bei unseren Kindern lasen wir ein interessantes Erziehungsratgeberbuch, das so ungefähr lautete: Hilfe, ich wachse! Es beschreibt, wie es vor jedem Entwicklungsschub des Kindes eine Vorphase in die umgekehrte Richtung gibt, zurück zur Mama.
Der Philospoph Hegel, dessen Grab in der Berliner Chausseestraße ich als Student immer gerne besucht habe, hat es schon richtig erkannt: Auf eine Synthese erfolgt eine Antithese. Natürlich wird mit dem Smartphone jetzt in einer Welt, die weitgehend abgeschottet noch in ihren eigenen oft historischen Ritualen lebt, nicht jeder automatisch begeistert auf den Einstrom von so viel Andersartigkeit reagieren. Es wird natürlich genutzt, zugleich erzeugt es Ängste, verständliche Ängste.
Da draußen ist eine Welt, die so ganz anderen Regeln zu gehorchen scheint, Regeln die man nicht versteht. Der Zulauf, den der traditionelle Islam hat ist verständlich: Er bietet eine klare Einordnung von Gut und Böse, Reinheit und Schmutz. Und Ablehnung, Rebellion auch gegenüber der Öffnung gegenüber dem Westen, der Moderne ist eine normale Reaktion.
Doch auf These und Antithese wird die Synthese folgen, davon bin ich überzeugt. Wir werden sehen wie sie aussehen wird. Toleranz, Vielseitigkeit und Zusammenarbeit werden grundlegende Elemente sein, davon bin ich überzeugt. Aber die Zukunft lässt sich nicht aufhalten, sowenig wie die benachbarten Wüstenstämme den Aufstieg Ägyptens verhindern konnten.
Und so sehe ich die Pyramiden als ein Symbol der Aufklärung und des Fortschritts, wie ihn auch die frühen Amerikaner gesehen haben, so dass sie ihn auf ihre Dollarnoten druckten.
Sie symbolisiert eine klare, hierarchische Ordnung und natürlich noch viel mehr. Das globale Netz, dass derzeit im Aufbau ist, ein Netz an Verknüpfungen, Möglichkeiten und Interaktionen, dieses Netz hat eine andere frühe Hochkultur, die Indische als „Indras Netz“ auch schon früh symbolisch beschrieben.
Auch Ägypten kann eine strahlende Zukunft vor sich haben, davon bin ich überzeugt. Hier gibt es Sonne und Wind satt, und mit dem Nil Wasser in alle Ewigkeit. Es gibt eine Tradition, sich diese Kräfte nutzbar zu machen, die Jahrtausende alt ist.
Es kommt darauf an, hier wieder anzuknüpfen. Würde man die Wüste mit effizienterer wassersparender Technologie und modernen Anbaumethoden nutzen, kann man hier deutlich mehr und besseres Gemüse herstellen als im sonnenarmen Holland. Mit dem Wind und der Sonne gemeinsam vermutlich problemlos auch 200 Millionen oder 500 Millionen Menschen ernähren. Es wird kommen. Schritt für Schritt.
Ich bin beeindruckt und begeistert von der größeren Perspektive und freue mich auf die nächsten 5000 Jahre.
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Pyramiden
Dienstag, 12. September 2017, an den Pyramiden von Gizeh, 21.08 Uhr

Steinig und heiß ist, er der Aufstieg zu den Pyramiden. Wir sind fast allein, denn die wenigen Touristen lassen sich per Bus, Kamel oder Pferdekutsche zu den Pyramiden bringen. Wir laufen lieber selbst. Velis schiebt begeistert den Kinderwagen von Tara, Lysander ist trotz Fieber vorneweg, zu seiner Rechten die Cheops-Pyramide.

Gestern Nacht war er noch im Fiebertraum schlafwandeln und stieg aus seinem Fenster hinaus, zum Glück war davor ein Balkon. Heute will er mit dabei sein. Der Weg ist so uneben, dass wir den Kinderwagen und den Trolley immer wieder tragen müssen.
Zuerst geht es durch mächtige Steinsäulen, dem Taltempel der Chephren-Pyramide und dann an der Sphinx vorbei.

Anschließen geht es knapp 500 Meter hinauf zur der etwas kleineren mittleren Pyramide des Chephren, Sohn des Cheops. Auch die Steinplatten auf denen wir laufen sind aus der Zeit des Baus, in der 4. Dynastie um 2550 v. Chr. Sie ist heute noch 136 Meter noch, ursprünglich waren es einmal 143,5 Meter. Man sieht an ihr stark, wie sie jahrhundertelang als Steinbruch verwendet wurde.
Oben angekommen finden Lysander und Velis einen Schattenplatz, es ist die Beleuchtungsanlage für die nächtliche Show.

Die Inspiration der Gegend lockt aus unseren Kindern den Steinmetz heraus, sie klopfen alle auf Steinen herum.
Für heute ist es genug, wir laufen noch an der etwas größeren Cheops-Pyramide mit ihren heute noch 138 Meter, ursprünglich 146 Meter vorbei. Wir werden sie morgen weiter erkunden. Velis schiebt tapfer Morpheus im Trolley den Berg herunter, während Tara im Kinderwagen sitzt.

Danach ruhen sich alle aus. Lysander schreibt weiter in sein Tagebuch, leider hat er weiter Fieber. Velis macht Deutsch und Mathe mit dem Sofatutor und Nadine bastelt mit allen Kindern Postkarten.

Wir gehen noch mal einkaufen, das erste Mal jetzt ganz ohne Begleitung. Wir suchen uns zwei Tuktuks, mit Hilfe der Plastiktüte vom letzten Einkauf können wir dem Fahrer unser Reiseziel klarmachen und so gibt es frisches Wasser und Essen.
Mir gefallen die alten VW-Bus T2, die hier noch massenhaft als Minibusse im Nahverkehr im Einsatz sind. Heckklappe offen, damit der luftgekühlte Motor nicht überhitzt, Schiebetür offen, damit man schnell ein- und aussteigen kann. Sie erinnern mich an meine Kindheit, so einen Bus hatten wir in den 70er Jahren in Peru.

Morgen geht es noch mal zu den Pyramiden, wir wollen in die Cheops-Pyramide hinein.

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Ein Tag in einer arabischen Wohnung

Montag, 11. September 2017, 23.07, Nazlat Al Batran, Kairo
Vielleicht ist es ja das Datum. Jedenfalls wache ich erschöpft mit Kopfschmerzen auf, und spüre eine leichte Erkältung. Bei Lysander messen wir nach dem Frühstück schon 38.5°C. Also heute wird es nichts mit den Pyramiden.
Morgens kommt sogar ein angenehm kühler Wind von draußen herein, und wir konnten die Klimaanlage Nachts abstellen. Es ist tagsüber immer noch 37 Grad, aber morgens um 6 sinkt das Thermometer auf 21 Grad herab.
Ich gehe morgens früh vor die Tür, um meine Telefonkarte aufzuladen. Unser Vermieter steht schon vor draußen, vor seinem Souvenirladen und begleitet mich. Er hat schon recht, der Kioskverkäufer versteht mich nicht, er kann kein Wort Englisch. Aber zugleich sehne ich mich danach wieder mal ohne Begleitung durch die Straßen zu laufen. Doch ich glaube ihm, mit Begleitung ist es leichter: Wir wohnen ja direkt am Eingang zu den Pyramiden. Wahrscheinlich gibt es in ganz Ägypten keinen Ort mit mehr Leuten, die versuchen etwas Geld mit den spärlichen Touristen zu verdienen. Kamele, Kutschen, Pferde, Tourgides, Öle, Papyrus, Parfüme, Souvenirs, das ganze Programm.
Wir machen mit den Kindern Krankenlager und Homeshooling, Bastelstunde und es gibt „Cars“ auf Englisch zur Entspannung für alle. Es ist schon merkwürdig in diesen arabischen Wohnungen, wo alles verdunkelt ist und dann mit Neonlicht wieder erhellt, während es draußen superhell ist. Aber klar, es hat seine Logik: Fensterläden halten die Sonne ab, die die Zimmer erhitzt und natürlich, es darf ja auch niemand etwas sehen, sonst müssten die Frauen ja auch noch zuhause verschleiert herumlaufen. Für uns ist und bleibt es dennoch merkwürdig, ein Wohnzimmer etwa ohne Fenster. Nadine sagt, das ist einer der schrägsten Orte an denen ich je gewohnt habe.
Ich schlafe nachmittags noch mal und versuche mich zu erholen. Ich denke auch gelegentlich: Die Schulpflicht ist schon eine gute Erfindung. Wie so vieles in unserer Welt der Arbeitsteilung, führt die Spezialisierung und Professionalisierung, mit der wir unserer Welt organisieren zu höher Effizienz. Und Kinder können schon erstaunlich kreativ sein, wenn sie zu etwas keine Lust haben…
Aber zugleich reizt es mich weiter, das Muster zu unterbrechen und mal alles selbst zu machen. Auch in der Fremde sind wir gut ausgestattet und vorbereitet, und so entsteht ein neuer Alltag in einer ganz anderen Situation. Und die kleinen Freuden, wenn es funktioniert. Die Kleinen sind eh immer erstaunlich kreativ und bauen zwischen den Betten mit Decken und Isomatten ein Haus und spielen Mama und Papa mit den Kuscheltieren.
Lysi ruht sich aus, und Velis lernt weiter mit dem Sofatutor. Es hat mich überzeugt, wir haben das lebenslange Premium-Abo für 999 € für mit einem Monat Probezeit abgeschlossen. Wir haben noch vier Kinder durch die Schulzeit zu bringen, und ich gebe es ehrlich zu, schon die einfachsten Dinge wie halbschriftliches Dividieren oder Wortarten in der Grammatik bekomme ich nicht hin.
Aber es macht Spaß, wenn sich die ganze Familie vor einen didaktisch super gemachten Clip setzt und wir danach online die Testfragen gemeinsam lösen. Ich glaube, das Online-Lernen in Kombination mit einem Lehrer vor Ort hat eine große Zukunft vor sich. Und Berliner Startups unterstütze ich gerne, wenn sie eine gute Idee haben.

Abends wagen wir uns noch mal heraus: Wir holen Pizza und essen alle gemeinsam auf der Dachterrasse auf Isomatten, mit dem Blick auf die Pyramiden. Danach beginnt wieder die große Multimedia-Show in verschiedenen Sprachen. Die Pyramiden leuchten schön angeleuchtet auf.
Als die Kinder schlafen, sitze ich mit Nadine noch mal oben und wir reden über die kommende Zeit. Freitag geht es ja schon frühmorgens nach Namibia. Dort ist es nachts viel kühler, und wir haben es auf eine Art ganz anders komfortabel, in einem Wohnmobil. Dafür sind wir viel näher an der Natur und unabhängiger. Ägypten und Namibia sind ähnlich groß, Ägypten hat 80 Mio, Namibia 2 Mio. Einwohner. Ich freue mich auf den Kontrast.
Mal sehen, vielleicht schaffen wir es morgen zu den Pyramiden hinein?
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Kairo
Sonntag, 10. September 2017, 20.43, Three bedroom Apartment at Gizeh, Cairo

Das ist also die Zukunft Afrikas. 16 Millionen Einwohner hat die Metropolregion Kairo, damit ist sie die größte in Afrika und Nr. 17 weltweit. In diese Megastädte ziehen die Menschen, und sie sind die Zukunft für die stark wachsenden Bevölkerungen Afrikas. Die Geburtenraten sind ja weltweit am sinken, aber Afrika startet eben von einem viel höheren Niveau. Hier wird sich die Bevölkerung noch verdoppeln. Platz ist ja da, es wird darauf ankommen die Ernährung und Wirtschaft zu verbessern. Ich bleibe da optimistisch, das wird gelingen.

In Luxor war es schön gemütlich, hier kommen nach 700 Km Fahrt durch die Wüste auf einmal altertümliche Stahlwerke, schwarze Rauchschwaden und Baustellen über Baustellen an Hochhaussiedlungen, dazwischen die typischen Stahlbetonsäulen die in den Himmel ragen, ein Stockwerk höher als das schon bewohnte Haus darunter. Es geht schon 60 km vor Kairo los.

Wir sind um 4 Uhr gestartet, die Fahrt macht Spaß, die Kinder genießen es dass in Ägypten Gurte nicht verwendet werden und so machen wir ihnen ein Lager auf dem Boden und auf den Sitzen.

In weniger als 9 Stunden sind wir da. Plötzlich sieht man auf der Ringautobahn zwischen den oft halbfertigen Hochhäusern die Pyramiden durch.
Wir haben dieses Mal eine Wohnung gewählt. Wir landen also richtig in Ägypten. Der Aufgang ist eine Baustelle, unter uns wohnen die Besitzer, sehr freundlich und hilfsbereit, über uns ist Baustelle, leider bis spät in die Nacht. Aber dafür sind wir direkt an den Pyramiden, auf der Dachterrasse und vom Schlafzimmer aus sind sie zum Greifen nah, sogar die Sphinx sieht man. Klein, mittel, groß, sind sie nebeneinander aufgereiht. Über 4500 Jahre alt, irgendwie gleichzeitig aus der Vergangenheit und durch ihre strenge geometrische Form aus der Zukunft. Zeitlos stehen sie da.
Ich kenne ja aus meiner Kindheit in Lima, Peru diese Megastädte in der Wüste. Ich fühle mich wohl in dieser heißen staubigen Welt zwischen einem Häusermeer, Baustellen, Müll, Kindern auf der Straße, Krach, Chaos, umgeben von grandioser Weite der Wüste.
Wir richten unsere große, aber eben landestypische Wohnung ein. Erst mal das weiße Neonlicht mit unseren Lichterketten ersetzen. Einen Eimer holen für die Stellen, wo das Wasser auf das Bett tropft. Den Dreck in der Küche übersehen, erst mal Essen organisieren (es gibt endlich Haferflocken für Velis!). Wir fahren mit dem Tuktuk und unserer freundlichen Begleitung, dann kochen wir eine Suppe und stärken uns. Ich breche noch mal auf um Bier zu holen, mit dem Bruder unseres Owners laufe ich durch wilde Gassen in der Dunkelheit voller Leben.

Ein guter Tag. Morgen sehen wir uns die Pyramiden an.
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Im Tal der Könige
Freitag, 8. September 2017, 13.37 Uhr

Stolz und zufrieden sind wir, dass wir alle im Tal der Könige waren. Wir fanden es eindrucksvoll und sehr schön, vor allem das Grab von Ramses VI war super detailliert geschmückt. Unter diesem pyramidenförmigen Berg und in mitten dieser heißen Wüste, eine verborgene Welt voller prachtvoller Gänge und Grabkammern. Eine erstaunliche Welt, in der man Jahrtausende so viel Aufwand betrieben hat um für eine Leiche eine Ruhestätte zu erschaffen. Es muss eine hohe Bedeutung gehabt haben, und ein stabiles System über so lange Zeiträume gewesen sein. Toll die kleinen Figuren, Vögel, Schlangen und Krüge zu sehen, die Frauen an der Decke mit ganz langem Oberkörper. All diese Hyroglyphen, die man nur von Bildern kennt, in echt.


Das tatsächlich die Mumie von Tutanchtamon dort ausgestellt war, ein kleiner Mann, war für alle faszinierend. 19 Jahre ist er nur alt geworden. „Aber er sah ein bißchen eklig aus, der Schwarze, der Goldene sah nicht eklig aus“, meint Morpheus.
Das wir es alle dorthin geschafft haben, freut mich riesig. Wir leben unseren Traum, das ist das Gefühl dass ich habe.
Samstag, 9. September 2017, 10.30 Uhr, Nile View Hotel, West Bank, Luxor, Egypt
Alles hat seinen Platz. Wir sind unterwegs in die Richtung, die wir uns vorgestellt haben. Ich sitze morgens mit Nadine auf dem Balkon, trinke den ersten Kaffee und wir reden wie wir gestartet sind. Ihr ging es vor allem um das Gemeinsam sein, mit den Kindern und der Familie sein, Space haben, gemeinsam wachsen. Es realisiert sich. Es sind viele Bälle in der Luft, wenn sechs Menschen mit ihren eigenen Ideen, Wünschen und ihrem eigenen Willen jongliert werden wollen. Es ist ein Haushalt den man führt, den man mit sich trägt. Es gilt, sich um Essen, Trinken, Schule, Spielen, Sport, Kultur, Reisen, Schreiben, Geld, Dinge daheim zu kümmern. Und es funktioniert. Jeden Tag gibt es Herausforderungen, doch wir finden gemeinsam Lösungen.

Abends nach der herrlichen Flussfahrt auf dem Nil im Segelboot zur Banana Island saßen wir noch lange vorne im Garten mit Blick auf den Nil, die Kleinen schliefen ein. Redeten auch darüber, wie wunderbar kinderfreundlich, aber auch fremdartig Ägypten auch für uns ist. Nadine meint:
„Fünf mal am Tag rufen die hier zum Gebet!
Ich möchte nicht leben wo fünf mal am Tag gerufen wird wohin ich mich richten soll
Das ist so alt alles hier, ich bin überrascht!
Wie in Indien, einzig die verschleierten Frauen erinnern daran das es ein arabisches Land ist.
Die Menschen ja sind durchweg freundlich. Jeder ist froh uns zu sehen. Ab und an wollen sie einen reinlegen, ok.
Ich spüre aber eine große Verunsicherung der Menschen der Männer, in welche Richtung soll es weiter gehen? Die Touristen bleiben weg, mehr Polizei überall, alles verfällt.
Der modernste Ort ist in der Grabkammer von Tutanchtamon.
Aber ein Café am heiligen Ort wo ich morgens mal kurz verschnaufen kann gibt es nicht, einzig die Alabaster-Verkäufer.
So muss es auf dem Land auch in Syrien ausgesehen haben bevor die IS kam und alles eingenommen hat
Verunsicherung, Stillstand, keine FreiheitEs gibt nicht mal einen Supermarkt.
Wir finden keine Haferflocken.
Alles ist klein klein über all Plastiktüten
Die Tomaten, die Gurken, alles wie vor 100 Jahren
Keine erneuerbaren Energien obwohl die Sonne scheint und scheint
Wie soll das hier weiter gehen?Aber auch hier gibt es Menschen mit dem Herz am rechten Fleck, aber wenn sie keine Chance haben dem zu folgen?
Gerade habe ich mich auf Facebook mit dem Manager des Hotels connected und gesagt das ich alles gute für sein Land wünsche und ich bete dafür, und da war es wieder, das Herz ❤Ich meine: auf jeden Fall gibt es hier viele Herausforderungen, und bei Vielem ist aus meiner Sicht auch einfach noch die schwierige Historie zu spüren. Dass Ägypten nach der Kolonialzeit lange auf Seiten der Sowjetunion war spürt man noch in vielen Dingen, eben auch darin dass Staat, Bürokratie und ein gewisser „Schlendrian“ leider auch dort zu spüren ist, wo man eigentlich mehr erwarten würde. Jeder BWL-Student würde hier den Auftritt, den Luxor mit seinen Weltkulturerbe bietet spürbar verbessern können.
Aber ich glaube auch, dass eben die vergangenen Jahre für Ägypten schwierig waren und dies sowohl in der Wirtschaft als auch im Tourismus eben deutlich zu spüren ist. Ich denke, dass Reformen und Fortschritt Schritt für Schritt auch hier wieder kommen und die Touristen auch. Mohsen, unser Hotelmanager erzählt, wie er dieses Hotel durch den Webauftritt bei Booking.com seit zwei Jahren nach vorne gebracht hat. Auch wir kamen durch diese Seite und die guten Bewertungen hier her. Er ist freundlich und kümmert sich um alles wunderbar.
Gerade klopft es, es ist der Einkauf. Es kostet immer 500 Pfund, das sind 25 Euro, dafür haben wir dann aber Wasser, Bier, Milch, Saft, Eier, Kartoffeln, Brot, Fetakäse, Spaghetti, Tomaten, Kaffee, Kekse, die uns gebracht werden, denn zu Fuß kommen wir hier zu keinem Laden. Damit kommen wir gut durch den Tag. Ein gutes Gefühl, den Kühlschrank zu füllen.
Morgens gab es schon Mango zum Frühstück und danach Spaghetti, auf der Isomatte. Ich habe jetzt beim Abspülen und Küche aufräumen weiter gemacht. Es freuen mich die Details, etwa dass wir die Lock-Lock-Dosen mitgenommen haben um die Oliven, den Käse und die Bratkartoffeln von gestern gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahren zu können. Kleinigkeiten, die aber in einem Land voller Ameisen, Trockenheit und Hitze wichtig sein können.

Dann überlegen wir weiter, wie wir Entspannung, Spiel und Lernen verbinden können. Es gibt immer neue Optionen: Nadine liest den Kindern ein Mittelalterbuch vor. Lysander danach Band 7 von Harry Potter auf dem Kindle. Velis läuft durch die Gegend und dreht mit Tara und Morpheus ein Zeitraffer-Video, wie sie auf dem Bett tanzen. Dann machen sie Kinderdisko an und üben die gleichen Songs und den Tanz dazu weiter, die sie im Resort gelernt haben. Auch Tara und Morpheus machen mit. Ich habe auch Spaß daran und mache mit. Ich denke an gestern Abend, wo Tara gestern auf dem Platz noch spontan zur arabischen Musikbeschallung getanzt hat, bis unser Taxi kam.
Lysi und Velis spielen gegen den Schachcomputer, nachher mit mir. Dann übt Velis Michael Jackson, Thriller: „It’s close to midnight, something evil is lurking in the dark“. Dabei tanzt er und schaut so böse wie Michael Jackson in dem Video. Dazwischen Baden. Lysander und Velis schwimmen mit mir um die Wette, sie dürfen sich am Beckenrand abstoßen, ich nicht. Ich stelle ihnen abwechselnd Matheaufgaben aus dem kleinen und großen Einmaleins zu. 16 mal 16 ist… Die Großen machen gerne mit, ich freue mich.
Gestern auch ein weiterer Test mit dem „Sofatutor“. Wir sind gleich begeistert, weil wir noch nie so eingängig etwa die Grundbegriffe der Geometrie gelernt haben. Schön verpackt in 10 Minuten Häppchen. Bei den Jungs schwankt es noch, mal haben sie Lust, mal nicht. Mal sind wir selbst auch flexibel, mal geben wir den Takt vor, auch gegen Widerstände. Dann finden sie plötzlich wieder alles spannend. Heute gab es gemeinsam Videos über die Pyramiden und Tutanchamon und Velis lernte Englisch: Pluralbildung, mit Online-Übungen. Und Lysander studierte berühmte Musikgruppen.
Morgen um 4 Uhr geht es los Richtung Kairo. Und in einer Woche schon sind wir in Namibia. Die Grillen zirpen, und über dem Nil leuchten Grün die Minarette. (21.11 Uhr)

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Leben in Luxor

Donnerstag, 7. September 2017, 19.50 Uhr, Hotel Nile View, Luxor, West Bank, Egypt.
So haben wir uns es vorgestellt. Jeder kann machen was er will, dazwischen gibt es
gemeinsame Aktionen: Morgens lesen, lernen und dazwischen spielen dann im Swimmingpool herumtoben, Essen kochen. Schließlich der Aufbruch wenn es kühler wird, auf die andere Seite zu den beeindruckenden Tempelanlagen und einer arabischen Stadt mit all ihrem bunten, teilweise herzlichem, teilweise fremdartigen Treiben. Wir lassen uns noch mal mit dem netten Kleinbusfahrer auf die andere Seite des Nils bringen, zum Karnak Tempel. Nicht viel los, wir sehen wenig andere Touristen, aber viele Fremdenführer und Händler möchten mit uns ins Geschäft kommen.
Ich lese vor der Abfahrt: die Tempelanlage stammt aus dem mittleren Reich, das heißt die Anfänge liegen mehr als 2000 Jahre vor Christus. Das ist so weit zurück, dass es kaum vorstellbar ist. So weit wie für uns der Beginn unserer Zeitrechnung zurückliegt, so alt war damals schon diese Tempelanlage. Erstaunlich auch die Genauigkeit, mit der die riesigen Steinquader aufeinanderpassen. Was für Höhen die Säulen erreicht haben. Und wie viele Bilder und Monumente dort zu entdecken sind. Fast alles ist ungeschützt, und wir müssen die Kinder davon abhalten, auf die vielen Sphinxe zu klettern. Tara fragt zu Recht: Wieso sieht man hier keine richtigen Löwen, warum sind die alle nur aus Stein? Ich frage mich, gab es hier früher Löwen?

Alle sind glücklich und spüren, dass dies wirklich ein besonderer Moment ist. Wir haben es geschafft, sind wirklich als Familie in der totalen Hitze in Ägypten an einem so eindrucksvollen Ort. Auf Weltreise in Afrika, und alle sind happy. Nur mehr Wasser hätten wir mitnehmen sollen, inmitten der riesigen Anlage geht es uns aus und alle kämpfen um den letzten Schluck Wasser.

Danach müssen wir uns stärken, und finden ein schönes Restaurant mit Garten. Das arabische Essen schmeckt erstaunlicherweise allen hervorragend, die Kinder wundern sich über die vielen Katzen die vom Fisch etwas abhaben wollen und dass wieder alle Kinder ihre Freunde werden wollen. Tara will auf keinen Fall mehr fotografiert werden, das müssen wir gelegentlich auch den begeisterten Familien klarmachen, die gerne ein Foto mit ihr hätten.

Am nächsten Tag wache ich das erste Mal schon früh auf, um 5.20 Uhr ist es schon hell, lege mich aber noch mal hin. Zum Glück haben wir in den Schlafzimmern eine Klimaanlage, sonst wäre es bei bis zu 39 Grad draußen kaum auszuhalten. So machen wir Unterricht im Schlafzimmer. Lysander bereitet seinen Vortrag über Jacky Chan weiter vor, Velis über Michael Jackson. Morpheus versucht seinen Namen zu schreiben und Tara malt Tara und die Eltern. Und am Swimmingpool üben wir das kleine und große Einmaleins, dazu gibt es Fladenbrot, Oliven und Fetakäse und Mango. Es wird weiter viel Lego gespielt und ständig rennen die Kinder die Treppe runter zum Swimmingpool. Ich würde sagen, für den Anfang können wir zufrieden sein.

Am Nachmittag lassen wir die Großen auf eigenen Wunsch zuhause und ziehen mit den Kleinen noch mal los. Mit einem kleinen Boot geht es über den Fluss, direkt zum Luxor Tempel. Wir ziehen mit unserem praktischen „Bollerwagen“ durch die Stadt, so dass sich Tara und Morpheus immer mal wieder hineinlegen können. Wir laufen bis zum Bahnhof. Wir würden gerne mit dem Zug nach Kairo. Es gibt nur den Nachtzug für Touristen, für 70 Euro pro Kopf, das macht keinen Sinn. Die anderen Züge kosten nur 9 Euro erste Klasse, aber alle Züge die wir finden fahren nur abends ab und Fahrkarten bekommen wir als Touristen auch nicht. Also geht es am Sonntag mit dem Bus weiter.

Der Luxor Tempel ist fast noch schöner. Wirklich eine tolle Erfahrung. Wir fahren in der Dämmerung zurück über den Fluss und bringen noch frisches Obst mit. Die Läden erinnern mich an Indien: Klein, chaotisch, herzlich. Abends wird es auf den Straßen belebter, Kinder auf Eseln und Jungs auf Mopeds. Die Großen fragen per Whatsapp wann wir nach Hause kommen und freuen sich sehr über die Mangos. Morgen geht es schon früh um 7.00 Uhr los zum Tal der Könige, und abends wollen wir mit einem Segelboot auf den Nil. Wir verlängern noch mal um eine Nacht. Schöne Aussichten.
