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  • Klimahaus Bremerhaven und Klimaretter Windenergie

    Klimahaus Bremerhaven und Klimaretter Windenergie

    1. Oktober 2018, 17.33 Uhr, Blick auf die Unterweser 

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    Ich liebe das platte Land im Norden. Es ist ein Ort wo man draußen in der Natur ist. Man lebt einfacher, auf weniger Platz, draußen mit Wasser, Wind, Sand und Natur. Und doch ist man nicht weit von der Zivilisation weg. In 20 Minuten in Bremerhaven, in 30 Minuten in Bremen. Es gibt viele solche Orte in Deutschland. Das Leben ist günstig, und man hat Platz. Dass trotzdem immer weniger Menschen auf dem Land leben zeigt, wie gut es uns geht. Denn statt zu fahren ist es noch bequemer gleich in der Stadt zu wohnen. Und wie die Ticketverkäuferin im „Klimahaus“ in Bremerhaven meinte: „In Berlin kann man viel besser shoppen“.

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    Das Klimahaus ist erstaunlich. Einmal die ganze Welt simuliert, eine Auswahl an Ländern, alle auf dem 8 Längengrad gelegen, eine Reise Richtung Süden zum Südpol und dann wieder über den Nordpol nach Hause. Mit Stopps in der Schweiz, Sardinien, Niger, Kamerun, der Neumayer-Station auf der Antarktis, auf der Südseeinsel Samoa, in Alaska bei den Eskimos und auf einer Nordsee-Hallig. Wie ein großer Wal ist sie elegant geschwungen, mit Glas verkleidet und simuliert hautnah Hitze und Kälte, Natur, Klima, hat Tiere und Fische und zeigt viel von den Menschen, die dort leben.

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    Wir können diese Reise für 36 Euro für die ganze Familie mit unseren 4 Kindern antreten. Es funktioniert gut, das Modell der Public Private Partnership. Mit öffentlichen Geldern gebaut, wird sie von einer privaten Firma betrieben. Die etwa innovativ rabattierte Tickets über Coupon-Webseiten wie Groupon anbietet. Dort fand ich das Angebot, statt über 50 Euro nur 36 Euro. Und am Ende gab es noch die Sonderaustellung über Windparks in der Nordsee, inclusive eines simulierten Hubschrauberflugs. Der war so echt in einem ausrangierten Hubschrauber, dass Tara lange Zeit davon überzeugt war dass wir wirklich fliegen. Gesponsort von Senvion, ehemals RePower, einer Windenergiefirma.

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    Ich kenne die Berichte vom echten Flug mit dem Hubschrauber hinaus auf die Landeplattform mitten im Meer, von dort das Übersetzen mit dem Boot zu den gewaltigen Türmen. Dort draußen weht fast immer Wind, 50 Km von der Nordseeküste entfernt sieht man am Ufer nichts davon, dass hier draußen die Zukunft der Energieerzeugung gebaut wird. 16 GW sind derzeit geplant. Vermutlich wird es mehr. Und das ist wichtig. Denn sie erzeugen an 363 Tagen im Jahr Strom, denn dort draußen weht es fast immer. Und wir brauchen den umweltfreundlichen Strom dringend.

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    Unverständlich deshalb, warum die Bundesregierung die bisherigen Planungen von bisher 25 auf 15 GW Leistung für das Jahr 2030 reduziert hat. Bisher sind 5 GW (Gigawatt, 1000 Megawatt) installiert, weitere 7 GW sind in Planung oder Bau. Aber das genügt nicht. In Deutschland sind 185 GW Kraftwerksleistung installiert. Da allein Braunkohle, Steinkohle und Gas je über 20 GW ausmachen, brauchen wir die Leistung auf dem Meer dringend, um die Energiewende zu realisieren.

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    Und: Wenn wir wirklich auch den Verkehr auf Strom umstellen wollen, brauchen wir zusätzliche Kapazitäten. Die vorhanden sind. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts IWES zeigt allein 57 GW auf, die auf der Nordsee unter wirtschaftlichen Bedingungen errichtet werden können.

    Und wie immer: Die Stückzahl macht es aus. Je mehr wir auf Windkraft auf dem Meer setzen, desto günstiger wird die Produktion werden. Desto größer werden die Anlagen werden, und mit jeder Generation noch leistungsfähiger. Und es wird im Norden Deutschlands damit neue Arbeitsplätze geschaffen, zukunftsfähige Arbeitsplätze.

    Wie kann es sein, dass wir weiter wegen 20.000 Arbeitsplätzen in der Braunkohleverstromung auf diese Energie von gestern setzen – in einer Technik, die sowieso aussterben wird? Wer klug ist denkt vor und investiert jetzt massiv in die Zukunft. Auf die lange Sicht werden so die Arbeitsplätze geschaffen, die wir in der Zukunft brauchen.

    Wie wir es bei den Solarzellen gesehen haben, mit der Anschubfinanzierung aus dem deutschen Einspeisungsgesetz fiel der Preis in bisher nicht vorstellbare Bereiche. Jetzt kosten Wind aus Sonne und Strom weniger als aus Gas oder Kohle. Einzig ist es derzeit noch günstiger, alte Anlagen weiter zu betreiben, wie Kohle und Gas. Auch wenn sie die Umwelt weiter mit Kohlendioxid belasten. Beim Wind ist Deutschland aber in einer noch günstigeren Ausgangslage. Wir sollten diesen Vorteil nicht verspielen. Denn überall auf der Welt gibt es Küsten, und die ganze Welt braucht umweltfreundlichen und günstigen Strom.

    Auch hier gilt wieder aus meiner Sicht: Wir denken zu klein, zu wenig ambitioniert. Es mangelt vor allem derzeit an den Leitungen auf dem Land, um den Strom vom Meer auch tatsächlich nach Süddeutschland zu transportieren. Hier muss mehr geschehen, dringend.

    Deswegen stört es mich auch nicht, das direkt vor uns, in Brake in den letzten Jahren ein neuer Hafenabschnitt entstanden ist und vor uns nun neben Wasser auch „Industrieromantik“ zu sehen ist, Kräne und nachts bunte Lichter. Denn dort werden die Flügel und Masten der Windkraftanlagen für die Nordsee verladen. Ich sehe diese Kräne als ein Zeichen für die richtige Entwicklung und freue mich, wie über die in jeder Richtung immer mehr zu sehenden Flügel der Windräder.

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    Für unsere Kinder war es spannend, nach der echten Weltreise hier einmal in 3 Stunden die Welt in einem Museum umrunden zu können. Auch hier zeigt sich wieder der Fortschritt. War Bremerhaven nach dem Rückgang des Schiffsbaus lange Jahre ein wenig attraktiver Ort, ist dort mit einer Reihe von Museen (Deutsches Auswanderhaus, einem Zoo, dem „Klimahaus“) und einem auf Tourismus und Yachten ausgerichteten Hafen, vielen neuen Häuser am Wasser zu einem interessanten Ausflugsziel geworden.  Und es gibt viel zu entdecken in diesem Museum, wir waren schon das zweite Mal da und werden wiederkommen.

     

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  • Strom des Bewusstseins

    Strom des Bewusstseins

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    Donnerstag, 25. Oktober 2018, 0.05 Uhr, an der Unterweser auf dem Sofa

     

    Ich sehe die Bilder meiner Kindheit, meiner Mutter, von deren Feier zum 80. Geburtstag wir gerade kommen noch einmal. 80 Jahre in wenigen Minuten, auf dem Bildschirm. Sehe was für ein Leben sie schon gelebt hat, ein Leben auch schon von viel Weite, Größe, und Freude. Und sehe, dass ich in dieser Welt aufgewachsen bin. Einer große Welt, mit vielen  Ferien und traumhaften Zeiten, beim Wandern, Skifahren, Tanzen, Singen., Reisen. Was auch schon für meine Eltern das Glück bedeutete, weil sie es beide so lieben.

    Was für eine Heimat. Und dort bin ich gestartet: und das hat mich so weit gebracht, so fühlt es sich an.  Ich habe das Glück, mit vielen Idealen gestartet, zu sein,  weil ich so viele Träume erlebt habe bereits als Kind. Bereits im Leben meiner Eltern. Meine Mama hat bereits ein so vielseitiges Leben führen dürfen, und wir sind ihre Kinder. Kein Wunder dass ich so positiv geworden bin.

    Alle Romantik, alle Klassik, alle Literatur, Künste, sie waren die Umgebung in denen ich meine Träume gestaltet habe: Es sind große Träume geworden. Ich habe es auf einer Weise so erwartet. Dort unten in Ulm habe ich gleich für die ganze Welt gedacht, gefühlt, gelebt. In großen Maßstäben.  Ich war von klein auf oft euphorisch, habe die Zukunft in strahlenden Farben gesehen. Das Lila des „Neuen Universums“, das Orange des „Durch die Weite Welt“,  der Jahrbücher meiner Jugend.  Aber auch mir viele Sorgen um die Zukunft gemacht, in den eher düsteren 80er Jahren, mit Waldsterben, Nachrüstung und Tschernobyl und „No future“.

    Ich bin habe viel gelesen und viel geschrieben, bin aber weniger vom Ergebnis fasziniert als von der Erfahrung, dem Bewusstseinsstrom, dem „Stream of Consciousness“.  Ich hatte die Chance, mich stark auf diese innere Welt zu konzentrieren, die Erlebnisse die in mir entstehen wenn ich lese, Musik höre, reise und mir Sätze im Kopf bilde. Ich habe es gelernt mich zu konzentrieren. Und ich liebe den Techno-Beat, wie er antreibt, schwingt, motiviert. Mich auf eine überirdische Weise fasziniert. Hier kam noch der Tanz dazu, der auf besondere Weise Gefühle erzeugen kann.

    Und an der Begeisterungsgrenze schreibe ich am liebsten, dort reizt es ich mich am Meisten, mich aufzuhalten.. Es ist die Welle die ich liebe, die Welle die ich versuche zu reiten, mein Leben lang. Wie ein Surfer weiß ich dass es guter Vorbereitung bedarf, viel Übung, oft langem Warten und viel Glück. Und dass man sich auf den Weg machen muss um die ideale Stelle zu finden.  Wenn es dann aber gelingt diese Welle zu reiten dann hat sich alles gelohnt.

    Heute wieder fuhr ich durch den deutschen Herbst, die Kinder im Auto, die Freude im Blut, ich hörte Musik und  noch Blinkist dazu und es faszinierte mich sehr. Es ist eine geniale Idee, diese Kurzusammenfassungen von Büchern in 15 Minuten, zum Anhören.

    Ich erfahre, dass es Jahrzehnte gedauert hat bis die Uhr funktioniert hat mit der man beim Segeln den Längengrad genau bestimmen kann. Dass dies zugleich eine der großen Herausforderungen in der Schifffahrt war.  Den Breitengrad, den kann man am Himmel sehen. Den Längengrad zu bestimmen ist unendlich viel komplizierter. Man braucht einen klaren Himmel und aufwändige Sternkarten.  Aber mit einem Preis von 20.000 Pfund der Royal Society war das Wettrennen in Gang gesetzt, 1761 gewann der Engländer John Harrison nach über 20 Jahre Tüftelei mit der H4, der ersten genau gehenden transportablen Uhr den Preis. In fünf Monaten auf See auf der Überfahrt nach Jamaika und zurück hatte der erste Marine-Chronometer eine Abweichung von ganzen fünf Sekunden. Es dauerte 200 Jahre, bis die Quartzuhr in der Schifffahrt diese Technik ablöste.

    Ich erfahre dies in 15 Minuten, während ich durch Deutschland fahre. Man kann gleichzeitig viele Sinne stimulieren. Es funktioniert. Ich erfahre vom Gottesbild der Juden, Christen, Moslems. In weiteren 15 Minuten. Vom Urknall und den ersten Sekunden, in dem aus nichts alles entstand.

    Was also will ich? Mir gefällt das Bild der vielen Samen, der vielen Startups die ich zugleich großziehe. Ich bin ein Inkubator meiner Selbst. Ich schaffe mir selbst einen Raum,  den ich beschützte, hege und pflege, eine innere Aufzuchtstation für Ideen. Diese dürfen Wachsen und ihren Raum bekommen. Weil sie mir wertvoll sind. Künstliche Intelligenz wird die Welt übernehmen? Ich bin an dafür an etwas anderes angeschlossen. An Bedeutung. Ich habe deshalb keine Angst vor den Computern. Denn es ist eine Sache, Rechnungen zu perfektionieren oder große Datenmengen zu durchforsten. Aber all das erkennt noch keine Bedeutung.  Und ich liebe die Assoziationen. Und das Erstaunen.

    Ich vermute, weil das Denken in Netzen unserer Anatomie des Gehirns entspricht. Je mehr diese Verbindungen zwischen den Nerven ausgebaut und genutzt werden, um so mehr hat alles mit allem etwas zu tun. Wir erkennen mehr Muster aus dem Rauschen und können genauer einen Sinn erzeugen. Das erzeugt Sicherheit. Nicht immer ist alles was wir sehen auch das was es ist: wir ahnen heute, dass die Sternzeichen mit ihren Bildern nicht wirklich im Zusammenhang stehen, es sieht nur aus unserer Perspektive so aus als würde sich ein großer Wagen am Himmel zeigen. Aber Bedeutung ist die Essenz, die uns antreibt.

    Und ich liebe mein Leben. Ich bin in der Lage, es zu führen wie ich es mir wünsche. Ich sitze hier wieder, nach der Weltreise, mit den Kindern. Nutze die Möglichkeiten. Alles wächst. Ich gehe abwechselnd ganz nach innen und schaue was mir gefällt und ganz nach außen und nehme die allgemeine Perspektive ein und die Herausforderung an. . Was wird benötigt, was wird gewünscht? Ich pendle zwischen den beiden Betrachtungsweisen. Es macht Freude.

    Und es macht Freude die Kinder wachsen zu sehen. Es macht Freude Tara zu spüren, Morpheus zu erleben, Velis zu erfahren, Lysander zu sehen. Ich freue mich an Nadine und liebe sie. Was für eine wunderbare Welt habe ich mir da geschaffen, mit so vielen lieben inspirierenden Wesen um mich herum! Und es funktioniert. Die Investitionen zahlen sich aus, die Optionen auf die Zukunft werden Ertrag bringen. Ich setze darauf, und es ist wahrscheinlich, dass ich Rückenwind spüren werde.

    Hier an der Unterweser zu sein ist genial. Es ist ein Ort der Natur, der Freiheit und der Möglichkeiten. Was kann ich? Musik im Ohr, Techno, da geht es ab. Ich freue mich an der Mensch-Maschine-Interaktion, daran dass ich das 10-Finger System beherrsche, es hat mir so viel schon geholfen. Es war einer der wichtigsten Dinge die ich in meinem Leben freiwillig gelernt habe.

    Die wesentlichen Elemente entstehen bei mir im Flow. Und ich kann diesen kanalisieren, kann diesen begleiten. Es ist ein herrliches Gefühl. . Wir sind mitten drin und ich schreibe wie es mir gefällt. Das gefällt mir sehr gut sogar. Und es gehört die Bewegung dazu. Heute morgen die Stunde den Deich entlang  zu joggen war wieder wesentlich.

    Ich liebe das. Und ich werde das fortführen. Ausbauen. Es zeigt einen Weg. Ein Weg der Selbstentdeckung. Ich gehe ihn weiter. ich lebe in einem neuen Zeitalter, im Zeitalter von fast unbegrenzten Möglichkeiten. Die Erfahrungen die ich damit mache sind meine Berichte. Es ist eine spannende, aufregende Welt in der ich mich aufhalte.

    Die Spannbreite ist zwischen dem Großen Ganzen, dem unfassbaren Universum um mich und der Vielfalt der inneren Möglichkeiten, Bilder, Assoziationen, Geschichten in mir. In jeder Sekunde erscheinen viele. Ich sehe sie, ich erfahre sie. Ich höre sie. Gerade höre ich die das Wellenrauschen im Song „Yellow Submarine“ , die Band beginnt zu spielen. Wir leben alle immer mehr in einem gelben U-Boot, einer virtuellen Welt.  Wie faszinierend ich es finde, das Englisch die Universalsprache geworden ist.

    „We all live in a yellow submarine“. Wir lebe alle in diesem schönen gelben Unterseeboot und erforschen die unendlichen Weiten der Weltmeere. „Life is very short. There is no time for fussing and fighting my friend. We can work it out.”  Die Beatles haben einfach so viele schöne Zeilen gesungen. Voller Bedeutung.

    An der Fensterscheibe fließen die Wassertropfen herab, draußen ist der Herbst zu spüren. Sanft verschwommen sehe ich die Lichter des neuen Piers des Hafens, der hier in den letzten Jahren entstanden ist. Wir leben in einer Welt im Wandel. Die gelben und weißen Lichter bilden eine Lichterkette, die rote Fahrwassermarkierung blinkt freudig. Die Beatles singen Lucy in the Sky with Diamonds auf Spotify, meiner Musikapp auf meinem Iphone X, ich höre sie durch meinen neuen Begleiter, den AirPods im Ohr. Und ich spüre Dankbarkeit und Freude.

    Was für ein Wunder, dass ich lebe. Was für ein Wunder, dass ich in diesem Wunderland lebe. Meinen Körper weich, warm und gemütlich spüren kann, hier auf dem Sofa im Warmen. Die 360 Grad Illusion der Musik in meinem Ohr, digitally remastered höre ich die Beatles als säße ich mitten im Aufnahmeraum. Die Dreifach-Isolierverglasung lässt die Kälte draußen. Ich sehe die roten Blitzmuster, die Windkraftanlagen die den Strom für die wohlige Wärme erzeugen, die mich hier Ende Oktober im T-Shirt sitzen lassen, nach einer heißen Dusche mit Blick auf die Weser. Was für ein Glück, auf genau 40 Grad temperiertes Wasser über sich fließen lassen zu können.

    Ich lebe in unglaublichen Zeiten. Wir sind die Glückspilze des Universums, so erscheint es mir, wir, haben das Bewusstsein erfunden und erleben eine Zeit mit, die kaum beschreibbar ist in ihrer Dynamik. Ich spüre den Beat und die Nächte im E-Werk, wenn ich die Techno-Klänge im Ohr höre. In Berlin, wo der Elektromotor zum ersten Mal in der Straßenbahn zum Einsatz kam, wo die ersten Gaslichter den nächtlichen Himmel erleuchteten nach Milliarden Jahren nächtlicher Dunkelheit. Meine Mutter, meine Großmutter: Jede Generation hat eine neue Sensation erlebt. Strom. Fernsehen. Ich habe die 1,5 kg Technologie auf dem Schoß, die bei mir und in der Welt so viel verändert hat, den tragbaren Computer. Bevor er weiter schrumpfte auf Händegröße.

    Wie hätte ich gelebt, was wäre aus mir geworden, damals, früher? Schon die Hepatitis meiner Kindheit hätte ich nicht überlebt, noch weniger die Tuberkulose im Medizinstudium, die ich mir von einem Patienten geholt hatte. Die meisten Romantiker hatten eine kurze Blütephase und ein längeres Leide,  bevor sie die Tuberkulose in jungen Jahren hinweggerafft hatte. Ich habe sie erlebt, die romantische Weltsicht ist mir geblieben. Als ich selbst nachts im Labor bei Techno-Musik meine Mäuse sezierte und den Erfolg der neuer experimenteller Antibiotika untersuchte war ich meist selbst euphorisch. Ich wusste um das Leiden der Mäuse und wusste um mein Glück, dass ich dank der Forscher vor mir am Leben war – und ich hatte mich bewusst für die Menschen entschieden und für die, die noch an atypischen Tuberkulosebakterien starben.

    Mein Professor meinte zu mir: Es sind die Interleukine und Interferone, die Botenstoffe die der Körper im Abwehrkampf des Immunsystems erzeugt, die wiederum im Gehirn die Romantisierung der Welt fördern. Wenn man an Schiller, Novalis,, Chopin, Kafka  und die zahllosen anderen zu früh gestorbenen Künstler denkt, halte ich das für gut möglich. Thomas Mann blieb nüchterner, weil er nur das Leiden seiner Frau Katia im Zauberberg verarbeitete, jener Zeit der nutzlosen Heilungsversuche in Sanatorien bei frischer Luft, Sonne, Ruhe und gesunder Ernährung. Bei der 75% nach 5 Jahren gestorben waren. Ich las den Zauberberg auf der Isolierstation des Uniklinikums Steglitz, wurde geheilt und lebte von da an anders, weil ich angesichts des möglichen Todes und der Heilung nur durch die Wunder der Forschung beschloss, von nun an mein Leben so zu leben als hätte ich es neu geschenkt bekommen, Ohne faule Kompromisse und ohne ein Verschieben auf morgen.

    Und als ich den mich behandelnden Professor fragte, als er wie so oft morgens sich aufs Bett setzte und schaute wir es mir geht, ein Professor der alten Schule, ganz ohne den kühlen Abstand; ob ich nach meiner Genesung ein halbes Jahr durch Afrika reisen könnte da sagte der: „Wenn sie gesund sind, können Sie alles machen!“

    Und  ich unterbrach das Studium noch ein weiteres halbes Jahr, fuhr los auf, auf eine lebensgefährliche und lebensverändernde Reise – meinem Traum folgend. Auf dem Landweg von Berlin per Anhalter, nach Kamerun, von dort nach Kenia. Durch Länder, die man heute noch schlecht bereist. Algerien, Mali, Niger. Zentralafrikanische Republik, Kongo, Uganda. Und ich wurde nicht krank dabei. Daheim hatten mir mein Leben mein Immunsystem so geschwächt, dass ich erkrankte. Dort, wo die meisten Keime herkamen blieb ich gesund. Und ich entschied mir das Recht herauszunehmen so zu leben als wäre ich ein Künstler. Ohne dabei etwas draußen produzieren zu müssen. Mein Leben ist das Kunstwerk, so habe ich es gesehen, wie es Joseph Beuys formuliert hatte: „Jeder Mensch ein Künstler“.  Und ich nahm mir das Recht heraus zu experimentieren. Zu erforschen, wie das Leben aussehen kann. Neue Optionen zu testen. Zu schauen, was noch funktionieren kann.. Und die Welt auf meine ganz persönliche Weise zu betrachten.

    Ich habe Wachstumsbedingungen erfahren, die optimal sind. Technische Hilfsmittel, die mein Leben in eine einzige magische Performance verwandelt haben. Eine Liebe, die meine Eltern, die ihre Kindheit im schlimmsten Weltkrieg verbrachten mit solcher Überzeugung auf mich ausgestrahlt haben. „Wir werden es besser machen“.  Ich glaube, keine Generation hat je so viel bekommen. An Liebe, Aufmerksamkeit, Energie, unbedingtem Willen eine bessere Welt zu ermöglichen. War es nicht schon immer so? Die Jahrmillionen des Überlebenskampfes und die Jahrtausende der Kriege haben immer genau das erzeugt: Den aus einem tiefen Gefühl genährten Wunsch, den Kindern mehr zu geben, eine bessere Welt zu ermöglichen.

    Doch erst die letzten Generationen erfahren die Explosion, Kettenreaktion, es fehlen die Worte, jene plötzliche Vervielfältigung von allem in allen Dimensionen zu beschreiben. Wir sind mitten drin und sehen staunend sprachlos zu: Wie kann so viel so schnell geschehen? Ist das nicht verrückt? Was wird passieren? Nach Milliarden Jahren Weltgeschichte, nach Millionen von Generationen des Lebens auf einmal das: In wenigen Generationen wird alles anders. Werden aus ein paar Millionen Menschen Milliarden Menschen. Auf einmal werden 50 Millionen Autos im Jahr gebaut. Milliarden an Minicomputern. Verstehen wir auf einmal was die Welt im innersten zusammenhält.

    Bekommen wir Menschen auf einmal Zugriff auf alles Wissen in Echtzeit, einen Mausklick entfernt. Auf alle Musik die je gespielt wurde. Auf alle Fotos die wir je gemacht haben. Unsere Helfer, die Computer machen es auf einmal möglich. Aber es sind Millionen kleiner Schritte, die alle zusammen wirken und jeden Tag in allen Systemen die Evolution beschleunigen. Nach Mutation und Selektion jetzt die bewusste Entscheidung für die optimale Option. Und unser Anspruch wächst mit – Perfektion wird zur Normalität, Unmögliches wird vor dem Frühstück erledigt. Wunder dauern etwas länger. Natürlich erwarten wir die optimale Nutzer-Experience. Und sie wird uns jeden Tag mehr geboten.

    Statt das Verhungern zu vermeiden ist jetzt die optimale Ernährung gefragt, optimiert in allen Dimensionen. Wir haben tausende von Optionen schon im Aldi zur Auswahl – zu einem Preis der unglaublich günstig ist. Wir wollen mehr. Wir bekommen mehr.

    Die Verfeinerung ist erst ganz am Anfang. Es wird immer die Gegenbewegung geben. Tausende von Startups bieten neue Produkte an – Rohkost, die radikale Steigerung des Veganen ist genauso angesagt wie zahllose andere Trends.

    Statt vielleicht 30 Jahre wird auf einmal 80, bald 100 Jahre der neue Standard. Die „Hochbetagten“ über 80jährigen sind das am schnellsten wachsende Segment der Bevölkerungs“pyramide“.  Wenn ich meine Eltern sehe, weiß ich, dass es eine gute Zeit sein kann.

    Aber das größte Rätsel bleibt für mich: Was sind wir wirklich, was ist es, das Bewusstsein? Und warum gibt es sie, diese unbeschreibliche Existenz und warum dürfen wir sie in all dieser Intensität und Vielfalt erfahren?

    Morgen geht die Sonne wieder auf, die Kinder werden sich an der Natur und dem Haus erfreuen. (2.29)

  • Aufbruchsstimmung

    Aufbruchsstimmung

    Samstag, 13. Oktober 2018, 15.21 Uhr, in Mitte auf dem Spielplatz an der Burgstraße im Heinrich-Zille-Park

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    Was für ein Traumwetter. Ich kann mich nicht an einen so warmen Herbst erinnern. Es ist so heiß dass man mit dem kurzärmligen T-Shirt Schatten suchen muss. Und wie schön Berlin ist: Nie hätte ich mir vorstellen können dass Mitte einmal so aussieht. Ich wohnte hier in den 90er Jahren, es war an vielen Enden einfach total grau und heruntergekommen. Die Höfe waren triste und zerfallen. Die Straßen armselig. Es gab dazwischen ein paar coole Kneipen und Clubs. Und viel morbiden Verfall.

    Ich hole mir einen Kaffee in einem echt Berliner Allround-Laden. Kaffee mit Milch gibt es da. Groß oder klein. Man stellt mir die H-Milch neben den Filterkaffee. Der große Kaffee kostet 1,50 Euro. Das ist Berlin.  Draußen vor der Tür laufen zwei junge Frauen vorbei, vielleicht gerade 20 Jahre. „Ich habe mir bei Amazon Hermann Hesse: „Steppenwolf“ bestellt. Hast Du das auch mal in der Schule gelesen? Es handelt vom Zwiespalt zwischen….“ sagt die eine Frau zu ihrer Freundin.  Backstein-Lofts für Gewerbe werden von Design-Neubauten unterbrochen. Dazwischen DDR-Plattenbauten, die Schule. Ein Café ist szeniger als das andere.  Eine Welt der Schönheit. Renovierte Stadtviertel,  in der die jungen Leute wieder Hesse lesen. Oder immer noch Hesse lesen.

    Velis spielt derweil Fußball bei Viktoria Mitte auf einem Hartplatz an der Schule in der Burgstraße. Wir sind mit dem Fahrrad hergefahren, Morpheus und Tara im Anhänger. Alte, bekannte Strecken über die Fehrbelliner Straße und den Volkspark am Weinberg. Ich habe in den neunziger Jahren mal hier um die Ecke gewohnt, 10115 Berlin. Es war meine erste Wohnung im Osten. Kohleofen. Keine Dusche. Warmwasser nur aus dem 5-Liter Boiler in der Küche. Ich habe mich damals daran gewöhnt, mich am Waschbecken zu waschen. Und ich war immer glücklich über die niedrige Miete. 200 Mark. Aber es war auch eine Wohnung auf Zeit, das Haus wurde irgendwann abgerissen um Platz zu machen für einen Neubau.

    Ich war der letzte Mieter im Haus und blieb so lange ich konnte. Eines Tages kam der Borhammer durch die Wand, ich saß direkt darunter auf dem Bett als der Bohrer über mir durchschlug. Häufig brannte der Müllcontainer im Hof vor dem Fenster.  Irgendwann war ich so weit und zog aus und weiter in den Prenzlauer Berg. Merkt man daran, dass man älter geworden ist dass man immer denkt: früher hat das alles ganz anders ausgesehen?

    Ein blondes Mädchen im Vorschul-Alter balanciert über eine schön aus alten Ziegeln gestaltete Ruinen-Wand zum Klettern. Die Ruinen von früher sind jetzt auf den Spielplätzen wunderschön nachgebaut. Die Mutter lässt das Kind frei balancieren, obwohl es 1,5 Meter herunter geht. Die Spielplätze sind abenteuerlicher geworden, die Bauaufsicht und die Eltern trauen den Kindern mehr zu als früher.

    Die Mutter spricht Englisch, eine weitere Frau Chinesisch. Vorher hörte ich Französisch. Wir sind in der Mitte Berlins, der Hauptstadt einer der reichsten Länder der Welt. Es ist Herbst, ein strahlender Herbst. Ich kann mich nicht an solch einen lange Sonnenzeit erinnern. Seit wir wieder in Deutschland sind scheint fast unaufhörlich die Sonne. Es ist ein endloser Sommer, so kommt es mir vor. 23 Grad um 16.00 Uhr Mitte Oktober.

    Es ist viel los in Berlin. Die Stadt zieht Menschen aus aller Welt an, das sieht man auch. Ich finde das eine wunderbare Entwicklung. Die Studien zeigen – Gründungen finden überdurchschnittlich häufig von Menschen statt, die nicht in ihrer Heimat leben.

    Der junge Israeli, der in unserer Wohnung gewohnt hat öffnet mir die Augen: Er hat in Paris, Singapur und London studiert. Sein Freund hat eine Enfield in Anjuna, in Goa stehen. So klein ist die Welt. Doch sie sind in Berlin um junge Firmen zu finden. Tel Aviv, das ist die Startup-Hauptstadt der Welt. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Gründungen pro Kopf wie in Israel. Aber das Leben ist extrem teuer dort. Wohnungen sind unbezahlbar. Hier in Berlin ist vieles noch am Anfang, aus ihrer Perspektive. Und so suchen sie junge Startups, die groß herauskommen werden. Und sprechen mit Investoren aus aller Welt, die auch in Berlin Firmen investieren wollen.

    Gründungen sind ein schwieriges Geschäft. 9 von 10 scheitern. Doch ein paar setzen sich durch. Wie ein Baum viele Früchte tragen muss, von denen nur ein paar es zu einem großen Baum schaffen, so ist das in der Wirtschaft vollkommen normal. Doch die hartnäckigen Gründer versuchen es weiter, bis es klappt.

    In unserem Haus leben drei erfolgreiche Gründer. Das inspiriert. Ich treffe mich mit einem zum Mittagessen und wir überlegen gemeinsam, was „the next big thing“ sein könnte. Für Lysander, den ich heute morgen zum Sportplatz in Weißensee mit dem Fahrrad begleite sind die „Frechen Freunde“ von „Erdbaer“ der erstaunlichste Erfolg. Als Lysander und Velis noch  klein waren bekamen wir viele Packungen an Quetschmus zum Probieren, und Nadine wurde als Vielfachmama interviewt. Jetzt findet man sie in jedem Laden.

    „Berlin denkt noch viel zu klein“ sagen die erfolgreichen Gründer, die bereits ihre Firma in Berlin großgezogen haben.  Für den Ethereum-Mitgründer Joseph Lubin, einem Kanadier der in New York lebt ist Berlin die wichtigste Stadt im Blockchain-Kosmos. „Berlin hat die Infrastruktur, Berlin hat die Talente, die wirklich guten Programmierer sind hier“, wird er in der Süddeutschen Zeitung zitiert.

    Und auch das Weltwirtschaftsforum WEF attestiert Deutschland jetzt einen Spitzenplatz für seine Wettbewerbsfähigkeit, auf Platz 3 nach den USA und Singapur. In Innovationsfähigkeit liegen wir sogar im Globalen Wettbewerbsbericht 2018 auf Platz 1. Das sind gute Aussichten.

     

     

    Montag, 15. Oktober 2018, 10.40 Uhr

    Woher habe ich meinen Optimismus, dass das Bewusstsein des Menschen sich weiter entwickeln kann? Ich bin von der Idee fasziniert, dass es „Tricks“, „Abkürzungen“ gibt, die schwere Dinge leicht machen. Die Welt ist davon geprägt. Im Bereich der Software nennt man sie „Hacks“. Ein „hack“ ist ein Trick, ein System auszulisten. Oder in eine Software einzudringen und über sie zu bestimmen.

    Und es gibt den neuen Begriff der „life hacks“. Die meinen das, was ich vor allem suche. Praktische Tricks, die einen Unterschied machen.

     

    Hier ein Beispiel.

    Ich verwende das System der 7 Bereiche. Das hilft mir um den Tag zu gestalten. Ich fange an mit Bereich

    1. Selbstbewusstsein und Lebensfreude.

    Bevor ich also mit der Arbeit anfange und Dinge erledige, stelle ich mir die Frage: Was würde mein Selbstbewusstsein und meine Lebensfreude am meisten unterstützen? Die Antwort lautet bei mir: Morgens erst einmal Laufen gehen, eine Stunde. Durch den Park und den herrlichen Herbstmorgen. Und dabei höre ich die Blinks, die Hacks für Bücher: Ein ganzes Buch in 15 Minuten. So bin ich schon in einer Stunde über vier aktuelle Trends informiert. Und fühle mich inspiriert. Das Laufen ist unterschiedlich anstrengend, loszulaufen habe ich meist keine Lust. Aber danach ist es immer gut. Ich habe noch kein einziges Mal erlebt, dass ich mich nach dem Laufen und Duschen – am Ende kalt abduschen –  nicht selbstbewusster und mit mehr Lebensfreude gefühlt habe.

    Kommt Bereich 2. Familie und Freunde. Wo kann ich heute am meisten bei meiner Familie und meinen Freunden bewirken? Es ist klar. Es ist eine anstrengende Zeit, die Kinder schreiben mehrere Klassenarbeiten, sind noch nicht genug vorbereitet. Ich werde mir heute Zeit nehmen, um wirklich dabei zu sein und sie zu unterstützen. Auch wenn es mich anstrengt und fordert, so weiß ich,  dass es nutzt. Genauso wichtig: Meiner Frau zuhören. Wo sie sich gerade befindet.

    Dann Bereich 3. Ordnung, Planung und Verbesserung. Was kann ich heute tun, um mich besser zu organisieren? Der wesentliche Schritt ist es mir einen Plan und eine To-Do-Liste zu machen und zu schauen, was ich diese Woche auf jeden Fall erledigt haben will.  Und auch dieses Tagebuch hier zu schreiben, das Journal.

    Bereich 4: Leben, Wohnen, Dinge, Geld.  Wo gilt es „auszumisten“? Wo gilt es zu investieren? Was muss aufgeräumt werden?

    Bereich 5. Die Arbeit und Karriere. Was will ich heute lesen und lernen? Wo kann ich am meisten Wert schaffen? Was unterstützt meine Entwicklung am meisten?

    Bereich 6. Erholung, Sport, Urlaub: Welche Termine sind zu planen? Was ist mit dem nächsten Lauf, wann melde ich mich an? Was will ich die nächsten Wochenenden gerne machen, was gibt es zu planen?
    Bereich 7: Wachstum: Welches gute Buch will ich lesen? Wie sieht es mit Meditation aus, mit einer spirituellen Praxis?

    Das waren jetzt 10 Minuten. Jetzt kann ich weiter machen. Es hilft enorm. Auch diese 10 Minuten schreiben sind wieder ein „Hack“, ein „Trick“, eine „Abkürzung“. Und davon gibt es viele. Ich werde davon berichten.

  • Fünf Schritte in einer erstaunlichen Welt

    Fünf Schritte in einer erstaunlichen Welt

     

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    Freitag, 12. Oktober 2018, 9.03 Uhr, daheim am Schreibtisch

    Wir leben in einer erstaunlichen Welt. Mindestens fünf Schritte sind für mich absolut erstaunlich:

    Der erste Schritt: Das Universum

    Der zweite Schritt: Das Leben

    Der dritte Schritt: Der Mensch

    Der vierte Schritt: die Technologie

    Der fünfte Schritt: Das Bewusstsein

     

    Fangen wir einmal von vorne an:

    Der erste Schritt: Das Universum

    Es existiert ein Universum, 78 Milliarden Lichtjahre im Durchmesser, dass sich vor über 13 Milliarden Jahren aus einem Nichts plötzlich entwickelt hat. Wir leben in Laniakea (Hawaianisch: „unermesslicher Himmel“), dem lokalen Supergalaxienhaufen. Laniakea hat eine Ausdehnung von ca. 500 Millionen Lichtjahren. Mit Lichtgeschwindigkeit bräuchte man also eine halbe Milliarde Jahre von einem Ende zum anderen von Laniakea.

    Darin ist unsere Milchstraße eine von über 100.000 Galaxien. Jede Galaxis enthält sehr viele Sterne. Einer der über 100 Milliarden Sterne der Milchstraße ist unsere Sonne.

    Wie viele weitere Supergalaxienhaufen es neben Laniakea noch gibt, ist nicht bekannt. In der Umgebung bis 1,5 Milliarden Lichtjahre hat man bisher 130 weitere entdeckt. Es werden noch einmal eine Million weiterer Supergalaxienhaufen neben unserem vermutet.

    Somit gibt es etwa 100 Milliarden Galaxien, die jeder 100 Milliarden Sterne enthält.

    Dieses Universum wird von einer Familie von wundersamen Konstanten bestimmt, die Mathematikern und Physikern weiterhin Rätsel aufgeben, wie die Zahl alpha:  1/137, die sogenannte Feinstrukturkonstante. Jede der 20 bis 50 Konstanten muss exakt genau so sein wie sie ist, sonst würde das Universum nicht existieren können. Ich liebe ja 13 und 7, es sind meine Glückszahlen.

    Das dieses Universum existiert ist das erste, erstaunliche Rätsel. Eine unendlich große Welt. Vielleicht nur eines von unendlich vielen gleichzeitig existierenden Multiversen? Die Wissenschaft ist sich hier noch nicht im klaren. Doch überall die gleichen Bausteine, etwa 100 verschiedene Elemente.

    Aber es geht weiter. In einer der 100 Milliarden Galaxien gibt es rund um einen der 100 Milliarden Sonnen darin einen Planeten, die Erde. Hier beginnt vor dreieinhalb Milliarden Jahren etwas, was bis heute unerklärlich erscheint:

     

    Der zweite Schritt: Das Leben

    Eine Maschine, die sich selbst reproduzieren kann wird erfunden. Sie verwendet dafür nur sechs Elemente als Bausteine, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Phosphor und Schwefel. Und 12 weitere werden für den Betrieb benötigt.

    Das ist keine einfache Aufgabe. Bei weitem nicht. Aber der Mechanismus, auf komplexe chemische Verbindungen basierend funktioniert,  und wird über die Jahrmilliarden weiterentwickelt und verfeinert.

    Mindestens eine Milliarde Jahre gibt es nur Einzeller. In einer Zelle werden tausende von Milliarden von Atomen nach einem exakten Bauplan angeordnet. Dort arbeiten sie in Millionen von kleinen Maschinen exakt nach einem vorgegebenen Programm. Und hundert Milliarden Atome dienen für das Herzstück, den Bauplan als Material. Um sich selbst erfolgreich reproduzieren zu können, muss es gelingen diese 100 Milliarden Atome und deren Anordnung zu kopieren. Fehlerfrei. Wirklich fehlerfrei? Nicht ganz. Kleinste Abweichungen, Mutationen genannt können das System zum Absturz bringen. Oder sie haben keine Auswirkung. In ein paar ganz seltenen Fällen führen sie zu einer Verbesserung. Mutation und Selektion. Die Evolution arbeitet sich voran. Unendlich langsam, mit Zufall und Auswahl.

    Nach mehr als einer Milliarde Jahren ist das System so ausgereift, dass größere Strukturen in Angriff genommen werden können. Am Ende nicht mehr aus einer Zelle, sondern aus 100 Milliarden Zellen. Tiere. Dinosaurier. Säugetiere. Es dauert weitere 2 bis 2,5 Milliarden Jahre Entwicklung, bis diese all die Eigenschaften und Fähigkeiten haben die wir kennen. Bis sie nicht nur schwimmen, sondern auch laufen, fliegen können. Jeden noch so versteckten und fernen Ort der Erde besiedelt haben.

    An unserem Beispiel, dem Menschen: Wir können uns nicht nur reproduzieren, wir können dafür die Gene zweier Menschen als Ausgangspunkt verwenden und es entsteht eine neue Variation, noch nie dagewesen. Mit der Vereinigung von Samenzelle und Eizelle wird eine neue Variation des Milliarden Abschnitte langen Bauplans entworfen. Und dieser wieder milliardenfach gebaut, Milliarden Zellen die genau wissen wo sie sich dreidimensional in der Galaxis Mensch anzuordnen haben. Und eine Frau kann ein Kind in sich wachsen lassen, auf die Welt bringen und großziehen. Die Natur hat dieses Wunder möglich gemacht. Eine Galaxis erzeugt eine neue Galaxis.

    Grob gerundet sind das 100 Milliarden Galaxien. 100 Milliarden Sterne. Auf einem Planeten 100 Milliarden große Lebewesen, jedes besteht aus 100 Milliarden Zellen. Jede Zelle hat 100 Milliarden Moleküle als Bauanleitung und orchestriert damit ein Vielfaches an Milliarden Molekülen. Wir stehen in der Mitte: In uns Galaxien und um uns Galaxien.

     

    Der dritte Schritt: Der Mensch

    Diese komplexen Strukturen, Lebewesen genannt,  werden in einer besonderen Form, beim Menschen so differenziert, dass ihr Nervensystem sich weiter entwickelt. Nicht nur „automatisch“, wie die Milliarden Jahre zuvor das Nervensystem das ausführt was ihm durch die Programme vorgegeben ist, nein es entwickelt sich ein Bewusstsein. Und das entwirft Szenarien über die Zukunft. Es sind neue Welten, die da entstehen, die Welten der Phantasie. Und aus diesen Optionswelten entstehen neue reale Möglichkeiten. Wenn ich das tun würde, dann würde das passieren. Die komplexeste bekannte Struktur im Universum, unser Gehirn verfügt über mehr Gedankenoptionen, als es Quarks, die kleinsten Elementarteilchen im Universum gibt. Das zeigt die Perspektive auf.

    Vor 10.000 Jahren etwa beginnt der Mensch diese Optionen immer mehr umzusetzen, da draußen in der materiellen Wirklichkeit. Nach Milliarden von Jahren jetzt in einem winzigen Zeitabschnitt, sozusagen der letzten Sekunde des Jahres  wird wieder ein neues Betriebssystem freigeschaltet. Nach dem Wunder des Universums und des Lebens nun das Wunder des Menschen und seiner Fähigkeiten. Schon vor 2000 Jahren schon gab es auf einmal die großen Gedanken zur Welt in erstaunlicher Klarheit. Vor 500 Jahren wuchs auf einmal das Verständnis, dass alle Menschen diese Fähigkeiten haben frei zu sein, denken zu können. Dass sie die Fähigkeit haben sich selbst ihres Verstandes und ihrer Intuition zu bedienen und „sich selbst ein Licht“ sein können. Und diese Welt verstehen können.

    Millionen von Büchern, Millionen von Entdeckungen, Erfindungen zeigen auf, wie weitreichend diese Fähigkeiten sind. Doch die meisten großen Entdeckungen sind erst ganz jung. Erst die letzten 100 Jahre zeigten auf, wie groß das Universum wirklich ist und aus was für Bausteinen es aufgebaut ist. Erst vor 50 Jahren wurde die DNA entdeckt und damit zum ersten Mal verstanden, wie die Natur im innersten funktioniert. Das wir die DNA eines Menschen das erste Mal vollständig lesen konnten ist erst 15 Jahre her.

     

    Der vierte Schritt: die Technologie

    Doch wir haben es geschafft. Was unendlich komplex erschien, ist jetzt Aufgabe von Maschinen geworden. Mit rasender Geschwindigkeit verbessern sich unsere Fähigkeiten, Gene zu lesen. Und wir beginnen damit, diese auch schreiben und verändern zu können.

    Und wir haben Rechenmaschinen erfunden. Die Ideen von genialen Pionieren der letzten Jahrhunderte ist Alltag geworden. Ein nicht vorstellbarer Fortschritt der Miniaturisierung und der Softwareentwicklung hat Wunderwerke geschaffen, die weniger als 100 Euro kosten und in die Hand passen. Und deren Rechenleistung sich weiter alle 2 Jahre verdoppelt. Und ein globales Netz, das alles Wissen und alle Maschinen und Menschen verbindet.

    Es hat damit ein weiteres Wunder begonnen. Das Zeitalter des Anthropozän, das Zeitalter des Menschen hat begonnen. Unsere Fähigkeiten wachsen in kaum nachvollziehbarer Geschwindigkeit. Jetzt sind 10 Jahre schon eine Dimension geworden, die alles verändert. Vor 10 Jahren wurde das Iphone, das erste Smartphone erfunden. Das Internet wurde 1989 erfunden, vor gerade 25 Jahren startete es mit dem Webbrowser durch.

     

    Der fünfte Schritt: Das Bewusstsein, selbst Schöpfer zu sein

    Ich postuliere: Mit dem technologischen Fortschritt muss unser Bewusstsein auch eine neue Stufe erreichen. Wir müssen realisieren, dass wir größere Fähigkeiten haben als wir uns je vorgestellt haben. Dass unsere bisherigen Modelle der Wirklichkeit dafür längst nicht mehr ausreichen. Wir sind die neuen Schöpfer, und wir sind aktiver Teil der Evolution. Über die Materie, das Leben, die Technologie, das Bewusstsein sind wir, zumindest für unseren kleinen Planeten die neuen Schöpfer geworden.

    Das bedeutet viel Verantwortung, aber auch ein neues Hochgefühl der Freiheit und der Möglichkeiten. Es gilt die Spielregeln zu definieren und weiterzuentwickeln für diesen neuen Abschnitt der Evolution. Noch sind die Gedanken der meisten Menschen zu 95 % des Tages von der Wiederholung unbedeutender, meist negativer Gedanken geprägt, die wir scheinbar nicht beeinflussen können. Programmzeilen veralteter Betriebssysteme. Die beiden wichtigsten veralteten Botschaften lauten: „Ich bin nicht gut genug“ oder „ich werde nicht geliebt“. Oder irgend ein anderes „Problem“, mit dem unsere als „Problemsuchmaschine“ reduzierte Software unseren kleinen Aufmerksamkeitsspeicher füllt. Das Gefühl eines Mangels in einer Welt des Überflusses. Das Gefühl der Angst in einer Welt der Sicherheit.

    Wir sind Teil der Natur, Teil des Planeten, Teil des Universums. Aber wir sind ein aktiver, entscheidender Teil. Dies ist keine Anmaßung oder Drohung, es ist die einfache Realität. Und wir sind gut, und wir werden geliebt. Kein Lebewesen außer dem Menschen würde daran je zweifeln.

    Vielleicht sogar ist in uns ein Echo, eine Resonanz des großen Ganzen zu finden. Vielleicht spüren, ahnen, fühlen, sehen wir in uns, wenn wir genau hineinschauen die gleiche Kraft, die gleichen Gesetze, die gleiche Elemente die das ganze Wunder in seinen Schritten erzeugt hat, in Gang gebracht hat. Es ist eine extrem schöpferische, gewaltige, positive, erzeugende Kraft, eine Kraft erstaunlichen Wachstums, erstaunlicher Ausdehnung, erstaunlicher Möglichkeiten. Erstaunlicher Verbindungen und erstaunlichem Mitgefühls. Die Mystiker aller Religionen haben davon gesprochen.

    Es sind aufregende Zeiten. Es ist klar, die Geschwindigkeit der Veränderungen ist eine Herausforderung. Aber wir können sie meistern. Wir reifen sozusagen innerhalb einer Generation aus einem passiven Bewusstsein, in dem wir nur Spielball größerer Kräfte, von anderen Menschen, vorherrschenden Glaubenssystemen sind zur Erkenntnis heran, dass wir frei sind.

    Dass wir entscheiden und bestimmen. Das unser Leben vor allem von uns selbst bestimmt wird. Nicht von jemandem da draußen. Unsere ganze Wirklichkeit ist eine Produktion unseres Bewusstseins, wir leben in dieser „Simulation“. Unser neuronales Netzwerk erzeugt das, was wir wahrnehmen, fühlen, sehen, denken. Und wir sind es, die diese Programme erzeugen und steuern, verändern und verbessern können. Wir entscheiden. Und unser Geist bestimmt über die Wirklichkeit mit.

    Die alten Zeiten sind vorbei. In rasender Geschwindigkeit wird auf der Welt Armut, Krankheit, Kriegen, Gewalt verringert. Wachsen die Aussichten auf ein gesundes, langes Leben. Wachsen Wissen, Wohlstand und Optionen. Eine nie dagewesene Sicherheit. Und eine noch nie dagewesene Vielfalt an Möglichkeiten. Wir können lernen, sie zu nutzen.

  • Back to basics

    Back to basics

    Was wissen wir über die Welt? Hans Rosling, ein schwedischer Mediziner und Mitgründer der Ärzte ohne Grenzen hat sich diese Frage gestellt und eine Reihe einfacher Fragen entworfen. Wie ist die Lebenserwartung auf der Welt? 50, 60 oder 70 Jahre?

    Kaum einer kommt auf die richtige Antwort von 70 Jahren. Wie hat sich die Armut in den letzten 20 Jahren weltweit entwickelt? Niemand glaubt, dass sie sich halbiert hat.

    Dieses Unwissen ist global verbreitet, und es betrifft alle gleich. Auch Experten wissen wesentliche Fakten der Welt nicht besser. Sie sind nur mehr davon überzeugt, recht zu haben.

    Woher komm das? Zum einen, weil wir irgendwann mal etwas gelernt haben, etwa in der Schule. Das mag damals schon falsch gewesen sein, aber es war das Wissen des Lehrers. Wir glauben es heute noch.

    Zum anderen hören wir täglich negative Nachrichten. Sie prägen unser Bild der Wirklichkeit. Die erstaunliche Diskrepanz ist dann immer – fährt man heraus in die Welt und schaut sie sich wirklich an, ist sie anders als vorgestellt. Und selten so dramatisch wie wir es uns ausmalen.

    Rosberg hat mit dem Gapminder Institut (www.gapminder.org) den Versuch gestartet, wesentliches Wissen grafisch aufzuarbeiten und so darzustellen, dass es verständlich ist. Es ist eine erhellende Seite. Eine wichtige Seite. Denn wir erleben es derzeit wieder: wenige trauen sich noch dem „Zeitgeist“ zu widersprechen, der immer neue Variationen des Bedrohlichen schildert. Ein einfacher Test mit 14 Fragen lässt einen selbst überraschen. Ich habe ihn nicht bestanden.

    Die Gewalt nimmt zu, die Armut verschärft sich. Das gesellschaftliche Klima wird rauer. Die Erde steht vor dem Kollaps, das unbegrenzte Wachstum droht die Lebensgrundlage zu vernichten. Die Uhr steht auf 5 vor 12. Die Ursache ist die Gier des Menschen, der Kapitalismus, die Überbevölkerung, der Verlust des Kontakts zur Natur. Die schönen Orte der Welt werden gentrifiziert, wir werden immer mehr überwacht, manipuliert, unsere Freiheiten sind in Gefahr. Am Horizont drohen Kriege, Umweltkatastrophen, Millionen Menschen auf der Flucht werden die reichen Länder überrollen. Wirklich?

    Hier genau ist Rosberg großartig. Die beste Information finde ich das Projekt Dollar Street: Dort sieht man 50 typische Familien aus 50 Ländern der Welt. Monatseinkommen von 20 Dollar in Afrika bis 10.000 in New York. Und man sieht: Alle sind ganz normale Familien, mit meist strahlenden Kindern und freundlich aussehenden Eltern. Manche leben in Armut, andere im Reichtum. Die meisten irgendwo in der Mitte.

    Aber klar, das widerspricht unserem Wissen und unserer Intuition. Es ist doch Allgemeinwissen, dass wir „auf Kosten der armen Länder und der Natur“ immer reicher werden. Weil die Menschen an das „Null-Summen-Spiel“ glauben. Hat einer mehr, muss der andere weniger haben. Es ist die Logik, die Trump und seine Wähler auch glauben. Es stimmt nur nicht. Mit jeder Erfindung, jedem neuen internationalen Vertrag, jeder kulturellen Entwicklung entsteht etwas Neues. Es ist mehr da. Es geht nicht automatisch auf Kosten von irgendjemand.

    Es war anders. Und das ist die erstaunliche Wahrheit. Es gab sie, die große weltweite Armut. Sie war sogar immer schon da. Es war das ganz normale Leben vor der Moderne, vor der Industrialisierung. Alle waren arm, bis auf ganz Wenige. Und auch die Naturvölker leben in Armut. Haben eine Lebenserwartung von 20 bis 30 Jahren gehabt. Wurden von Parasiten, Bakterien und Würmern heimgesucht. Aberglaube und Missbrauch war der Alltag.

    Es gab sie nur in unserer Vorstellung. Die heile Zeit des Paradieses, damals, als alles noch in Ordnung war. Sie liegt immer irgendwo in der Vergangenheit. Während heute alles verdorben ist. Auch zu Zeit der alten Griechen wurde das schon gesagt.

    Zur Zeit ist wieder die Kritik des Kapitalismus in Mode. Besonders der Neoliberalismus ist als Wurzel allen Übels erkannt. Man kann es sich schon fast nicht mehr trauen hier eine andere Sichtweise öffentlich zu vertreten.

    Was war, bevor der Neoliberalismus und die Globalisierung an Fahrt aufnahm? Die Sozialdemokratie in Deutschland und Labour in England, Carter in den USA und Breschnew in der UDSSR: waren es bessere Zeiten? Es gab viele wichtige soziale Reformen, die angestoßen wurden in diesen Zeiten, gar keine Frage. Aber hat die Wirtschaft besser funktioniert? Gab es weniger Arbeitslose? Waren die Betriebe wettbewerbsfähiger? Gab es bessere Produkte? Gab es weniger Gewalt, öffentlich oder privat? War das Land sicherer? Ging es der Umwelt besser, waren Wasser und Luft sauberer?

    Und um nur auf Berlin zu schauen: War das Berlin im Westen vor der „Gentrifizierung“ mit dem abgeschotteten Subventionswelten, den zerfallenden und leerstehenden Wohnraum weil niemand dort leben wollte der Geld hatte oder es verdiente besser? Wo man nach Berlin kam weil man anders leben wollte, aber manchmal auch „auf Kosten anderer“? Wo die wahre Kunst zum guten Leben zu kommen darin bestand, zur Antragstellung so arm zu sein dass man den WBS, den „Wohnberechtigungsschein“ bekam und damit die supergünstige Wohnung? In der man dann den Rest seines Lebens günstig wohnen konnte, egal ob man nachher Doppelverdiener in Akademikerberufen war? Auf Kosten des Steuerzahlers, der ja irgendwo anders zu finden war, dort im spießigen Süden in Bayern oder Baden-Württemberg?

    War das Leben im Prenzlauer Berg besser? Als es noch Außenklo, Kohleofen, keinen einzigen Baum und zerfallen Fassaden hatte, ein graues Einerlei und den HO an der Ecke, dahinter die Plattenbauten mit Trabis und Wartburgs davor. Und an jeder Ecke der Abschnittsbevollmächtigte und die besseren Wohngegenden der Neubauten für Partei, Armee und verdiente Werktätige reserviert – war es da besser? Gerechter? Durchmischter?

    Als die Wohnungen noch spottbillig waren, hat sie da jemand gekauft? Es gab Zeiten, da bekam man das eigene Haus in Kreuzberg oder im Prenzlauer Berg praktisch geschenkt und dazu noch einen Kredit und eine Förderung, von der Stadt wenn man nur bereit war selbst Arbeit hineinzustecken. Wie viele haben das gemacht? Eine Handvoll. Die meisten sind lieber kein Risiko eingegangen und öfters mal in den Urlaub oder die Datsche gefahren. Verständlich.

    Und woher hätte das Geld denn kommen sollen, um hunderttausende maroder Altbauwohnungen zu sanieren? Vom Staat etwa? Und woher hätte Berlin dieses Geld nehmen sollen, mit den bereits höchsten Ausgaben für seine städtischen Angestellten in ganz Deutschland? Es gab Zeiten, da zahlte Berlin mit seinen kompletten Steuereinahmen gerade seine eigenen Angestellten. War das die bessere Zeit?

    Würde man die Fakten anschauen, wäre die Antwort klar. Die Globalisierung ist ein Erfolg, für die ganze Welt. Sie ist Teil des Fortschritts, den die Welt zurücklegt. Natürlich kann man gegen Webstühle, Computersetztechnik und jede neue Erfindung sein. Aber das ist keine Lösung. Es ist auch kein Weg der Nachhaltigkeit.

    Die Armut hat sich auf der Welt halbiert, in den letzten 20 Jahren.  Die Lebenserwartung liegt bei 70 Jahren weltweit. Die Gewalt ist so niedrig wie sie es je war auf dem Planeten. Es gibt weniger Kriege als je zuvor. Und das hat seine Gründe. Wir haben vieles richtig gemacht Und wir können noch viel verbessern. Und natürlich gibt es noch Elend, Ungerechtigkeit, Krankheiten auf dieser Welt. Benachteiligungen, schwere Schicksale. Natürlich gibt es Vieles, was angegangen werden muss. Aber um das zu können muss die Welt funktionieren. Muss die Wirtschaft funktionieren.

    Der Glaube, es müsse erst etwas zerstört werden um etwas Besseres aufzubauen ist voller Gewalt. Es kann nur in kleinen Schritten der Verbesserung vorangehen. Aufbauend auf dem, was funktioniert. Und die Themen angehend, die noch nicht funktionieren.

    Und wir haben auch noch große Aufgaben vor uns. Die Energiewende und eine Kreislaufwirtschaft ist eine globale Aufgabe der nächsten 100 Jahre. Wir werden sie schaffen, davon bin ich überzeugt. Und das ist kein „Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern eine realistische Einschätzung.

    Und was habe ich mir heute vorgenommen? Gestern, im Zug zurück von Hamburg habe ich mir kurz für alle sieben Bereichen je ein Ziele notiert, dass mich aktuell am meisten motivieren. Und ich bin weiter dabei, sie anzugehen. Ich werde den Blog weiterführen. Weiter für die Kinder nach der Schule da sein, denn das Wiederankommen ist für sie gerade die größte Aufgabe. In der Klasse haben sie gleich Freunde gefunden. Aber in Mathe und Deutsch gibt es Nachholbedarfe, gar keine Frage. Und auch Frust. Wir sind dabei und tun unseren Teil, damit es vorangeht.

    Morpheus und Velis haben Probestunden im Fußballverein. Es gefällt ihnen. Wir haben einen Verein im Wedding ausgesucht – es ist gut, wenn die Kinder mal unseren Prenzlberg verlassen. So bin ich mehr beim Kinderabholen eingespannt, denn die Termine sind nachmittags.

    Es tut gut, dass wir uns für die Wochenenden mehr aufteilen – so kann jeder einmal ein Wochenende sich selbst weiterentwickeln, Workshops besuchen, Freunde treffen – wenn der andere die Kinder hat.

    Wir sind noch dabei die Freunde wiederzutreffen. Es ist jedes Mal eine große Freude und die Tage sind so oft lang.

    Für die Arbeit gibt es meine „digitale Identität“ zu verbessern. Ich arbeite meine alten Projekte durch, um meine Erfahrung besser darzustellen und vernetze mich neu, um hier besser aufgestellt zu sein.

    Langsam ist die Wohnung, die Geräte, der Keller, wieder in Ordnung gebracht. Holz ist da für den kommenden Winter für den Kamin. Ich bin mit meinem Triathlon-Training weiter gekommen, heute 10 km Laufen, Radfahren zur Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark an der Landsberger Allee. Ich liebe diese Architektur. Etwas Futurismus und Größenwahn aus den 90er Jahren ist dort zu spüren. Die größte Schwimmhalle Europas, daneben ein Velodrom. Alles in die Erde eingegraben so dass man es nur aus der Luft wirklich sehen kann.

    Dort bin ich 1000 Meter gekrault, das bin ich das letzte Mal vor 30 Jahren. Es ging. Mit den 10 km Radfahren darum herum war ich 2 ½ Stunden im Sport-Modus. Und das spüre ich jetzt. Aber es ist eine wohlige Erschöpfung. Ich werde früh schlafen gehen. Wir haben alle noch eine Osho Tarotkarte gezogen. Jeder hatte eine andere „Aufgabe“ gezogen, ich die „Erschöpfung“, nur Tara hatte eine leichte Karte. In einem Monat sind Herbstferien, die Kinder werden sie brauchen. Ich freue mich auch darauf.

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  • Die Zukunft ist bereits unter uns

    Die Zukunft ist bereits unter uns

    Mittwoch, 12. September 2018

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    Die Zukunft ist bereits unter uns

    „The future is already here — it’s just not very evenly distributed” sagte der Science-Fiction-Autor William Gibson im Jahre 1993.

    Wo ist die Zukunft bereits unter uns? Wo können wir sie erkennen?

    Generalist als Beruf:Es gibt tausende von Studiengängen und Ausbildungen. Aber noch fehlt die des Generalisten. Der, der die vielen Aspekte der Welt zusammenhängend betrachtet. In der Zukunft wird er eine viel größere Rolle spielen. Weil die Welt ein Ganzes ist, und nicht nur viele kleine Einzelteile. In der Zukunft wird es diese Berufsrichtung wieder häufiger geben – als anerkannten Ausbildungsberuf. Mit theoretischen und praktischen Elementen. Und vielleicht gehört auch wieder die „Waltz“, das Gebot zu reisen, mit wenig Gepäck und mit wenig Geld dazu – und das Verbot in der Zwischenzeit nach Hause zurückzukehren, in die alte Welt.

     

    Modulares Bauen.Bauen ist heute einer der am wenigsten entwickelten Industrien. Es ist hochgradig fehleranfällig, wird von Kleinstbetrieben mit wenigen Mitarbeitern vorangetrieben. Jede Lösung für ähnliche Probleme wird immer wieder neu entwickelt. Es ist wie zu Beginn der Automobilkonstruktion, als tausende von Werkstätten in Handarbeit einzelne Fahrzeuge in geringen Stückzahlten bauten. Wir wissen heute, dass die industrielle Massenfertigung erst die Qualität und den Preis der heutigen Autos möglich gemacht hat – oder aller anderer technischer Geräte.

    Dabei verbraucht Wohnen 40% der weltweiten Energie, bindet das meiste persönliche Geld und ist der größte Posten in den monatlichen Ausgaben. Wir verbringen die meiste Zeit unseres Lebens daheim und doch – Es scheint nichts als den „Charme der Altbauten“ von vor 100 Jahren, „Plattenbauten“ oder moderne Einzelbauten zu geben. Wo sind die „Steve Jobs“, die „Ingvar Kamprads“, die „Albrechts“ des Wohnungsbaus die zeigen, dass man

    • Aus ökologisch unbedenklichen und energiearmen Baustoffen
    • Räume mit hoher Wohnqualität und langer Haltbarkeit
    • Für einen günstigen Preis
    • In großer Stückzahl und Geschwindigkeit
    • Flexibel und veränderbar
    • Die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen

    bauen kann?

     

    Es gibt sie bereits, Vordenker wie Rolf Disch (www.rolfdisch.de), die als erste das Plusenergiehaus in Deutschland eingeführt haben.

     

    Einfache Tatsachen sind ja:

    Solarzellen kosten im m2 weniger als ein klassischer Dachaufbau aus Holz, Ziegeln etc. Warum sind sie noch nicht Standard als Dachmaterial? Wo sie doch 30 Jahre haltbar sind und gegen Hagel etc. geschützt sind?

    Holz ist nachwachsend und kann Jahrhunderte überdauern. Es bindet in seiner Produktion C02. Die Waldflächen weltweit sind am wachsen.

     

     

    „Light living“Wir verbringen viel Zeit damit, Dinge anzuhäufen die wir dann als unseren Besitz „bewachen“. Ein Trend aus der Zukunft ist: nicht mehr zu besitzen als man mit dem Flugzeug ohne Aufzahlung transportieren kann. Alle wichtigen Dinge sind Erinnerungen, und diese lassen sich digitalisieren, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Wenn wir erst einmal alle Ereignisse (mehr oder weniger) auf dem Handy festgehalten haben, mit Siri oder Google mitgeschnitten, alle Menschen bei Facebook wiederfindbar, dann verstehen wir das „weniger mehr“ ist und wir sowieso nichts gewinnen oder verlieren können.

    Dazu braucht man dann mobile Wohnformen in verschiedenen Stilen und Preisklassen, die man unproblematisch buchen und wieder verlassen kann. Das „Wesentliche“ ist digitalisiert, unsere Ideen, Aufschriebe, Musik, Bilder, Filme, Bücher, sind in der „Cloud“ gespeichert.

    Wir sind wieder frei für „echte Erfahrungen“ ohne Ballast. Zu Fuß draußen im Wald, in den Bergen, mit echtem Regen und echter Sonne, geschützt durch intelligente Kleidung und Technik wie Zelte, Schlafsäcke etc,). Wir leben irgendwann alle in den Großstädten, aber die Welt besteht zu 95% nicht aus Städtern, sondern aus viel, viel Raum. Überall.

    Selbsterfahrungen, in denen wir in Gruppen oder allein unseren echten Ängsten und Hoffnungen begegnen. Unseren Geschichten, denen wir bis dahin folgen ohne es zu wissen. Wo wir dann entscheiden können, selbst entscheiden? Wollen wir unser Leben damit zu bringen, einem imaginären inneren Bild eines Vaters oder Mutters es zu beweisen? Das Problem zu lösen, dass er oder sie nicht gelöst hat? Oder wollen wir selbst neu entscheiden? Und wo müssen wir lernen, die Realität anzunehmen, mit ihren kleinen und großen Aufgaben, die sie uns gestellt hat? Vor der „Erleuchtung“: Holz holen und Wasser tragen. Und nach der „Erleuchtung“? Holz holen und Wasser tragen.

    Wenn wir dann weniger an den „Dingen“ anhaften, dann können wir sie auch mehr genießen. Wenn sie verloren gehen ist es auch egal. In der Zukunft wird es keine große Bedeutung haben, ob alles was wir besitzen weg ist oder nicht. Weil es keine große Relevanz hat.

     

    Produkte, die sich in das Leben des Menschen einfügen – unauffällig.

    Kein Mensch braucht Passwörter, Kreditkarten, Reisepässe, Formulare, Schlüssel. Updates. Unterschriften. Wir haben uns an sie gewöhnt, aber wir wollen sie nicht. Freiheit ist mit dem Shorts am Strand herumzuspringen, gedankenlos. Oder in den Dschungel der Großstadt einzutauchen, mit nichts in der Tasche.

    Es ist vollkommen klar, wo die kommenden Innovationen liegen werden. Überhaupt keine Überraschung. Man kann lange dagegen anschreiben oder es ignorieren. Wir brauchen das alles nicht. Wir wollen uns identifizieren und Erlaubnisse erteilen. Geld ausgeben, überweisen. Wir brauchen funktionierende Geräte, Systeme. Lösungen.

    Ich erkenne immer wieder, wie genial hier beispielhaft Apple die Zukunft vorbereitet hat. Für mich war jedes Gerät von Apple eine Quantensprung in meiner eigenen Entwicklung. Mit dem Macintosh Powerbook 140 (Interner Codename bei Apple: Tim lite oder Leary) begann ich 1993 mit Computer zu reisen. Nie wieder lag der Laptop weniger als einen Handgriff von mir entfernt, und von dann an habe ich meine Gedanken mitgeschrieben – immer wenn eine gute Idee kam oder abends in der Zusammenfassung oder in ganz besonders intensiven Reisezeiten nach einer Woche hinterher. Von da an war mir klar. Das ist die Zukunft. Das ist die elektronische Schreibmaschine, von der alle immer geträumt haben. Und ich kann darauf alles mitführen, was ich je gedacht und aufgeschrieben hatte.

    Typischer Moment. Morgens in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Wo anderen schlafen, habe ich die 20 Minuten hochkonzentriert genutzt, mich auf dem Tag vorzubereiten. Die innere Meditation der Bewusstseinsarbeit auf Fragen, Ziele, Glaubenssätze, Affirmationen, Einsichten. Authentisch und optimistisch zugleich. Mit dem „Powerbook“ wurde das möglich. Weil ich schon in der Schulzeit blind 10 Finger schreiben gelernt hatte. Und ich das Ding jetzt aus der Tasche ziehen, aufklappen (in 10 Sekunden ist Word offen und ich kann weiter schreiben), und wenn man in den Zielbahnhof einfährt drückt man Apfel S, klappt den Bildschirm zu und wieder rein in den Rucksack damit.

    Es war mir klar. Der nächste Schritt wir es sein, dass alle Bilder und Filme des Lebens dort auch immer in Griffweite sind. Es erschien damals an Rechenleistung unvorstellbar. Hatte das Powerbook doch 80MB Festplatte. 10 hochauflösende Bilder von heute. Doch es kam anders. Und es kam das Internet. Es wurde alles möglich. Das erste Modem zum Reisen erzeugte in Indien den Anschluss an das globale Wissensnetz.

     

    Schon Anfang 2000 war mit dem Ipod die nächste Stufe erreicht. Alle Musik des Lebens, immer dabei. Mehr, als man je gehört hatte. Alle Lieblingsplatten aller intensiven Jahre. Auf Knopfdruck.

    Schon als ich im Jahre 1999, als late adopter, mein erstes Handy in der Hand hatte, da wurde mir auch klar. Irgendwann wird uns das Handy wie Gott erscheinen. Es ist immer bei uns, kann uns immer trösten, hat auf alles eine Antwort und wird irgendwann immer für uns da sein. Mir war auch klar. Der Bildschirm, das wird die Tastatur. Bis dann Apple 2007 mit dem IPhone soweit war. Es war vollbracht. Jetzt waren alle Bilder, Filme alle Musik, alle Texte etc. meines Lebens verfügbar. Nein, noch nicht ganz. Es begann. Aber schon hatten wir Anschluss an eine größere Welt. Für mich immer das Faszinierendste: Ich hatte Anschluss an meine eigene Welt. Konnte weiter lesen und schreiben. Bilder eigener Erlebnisse mit Freunden anschauen. Bald organisierte ich mir faltbare Tastaturen, reduzierte die Schreibmaschine auf Palm-Größe. Hatte bald dem Computer in wenigen hundert Gramm, immer im Rucksack griffbereit, immer bei mir, überall auf dem Globus.

     

    Und ich konnte Augenblicke und Gedanken festhalten, Einsichten und Erfahrungen.  Auf den Felsen in Hampi in Indien im Jahre 1996. In den Ruinen von Tikal in Guatemala im Jahre 1998. In San Franscisco auf dem Dach eines alternativen Warehouse im Jahre 2000.

     

    2007 kam dann das Iphone. Es ist die Revolution, von der ich 1993 noch geträumt hatte. Nun nicht mehr 3 Stunden Akkulaufzeit und 3 Kg an Gewicht, sondern 150 Gramm und 12 Stunden.  Ein vollständiger Computer für die Hosentasche. Und gleichzeitig noch mit allen anderen Geräten, der Taschenlampe, dem Taschenrechner, dem Kompass, der Landkarte, dem Tacho, dem Höhenmesser, dem Notizzettel, dem Diktiergerät, dem Musikabspielgerät, der Videokamera, dem Tagebuch, der Enzyklopädie, der Bibliothek….

    Und jetzt, ich arbeite mit dem Iphone X, 150 Gramm, 256 GB Speicher. Einer besseren Videokamera und Digitalkamera wie ich sie damals kaufen konnte, viele Kilogramm schwer. Ich habe sie auch durch Indien geschleift, in den aufregenden Jahren. Aber heute ist es leichter…

    Und ich schreibe immer noch auf dem aktuellen Macbook. Mittlerweile ist Apple mit Amazon die teuerste Firma der Welt und irgendwie kostet das Teil immer noch 2000 Einheiten der Standardwährung. In der besseren 3000. Aber es kann jetzt 12.000 mal mehr speichern, statt 80MB 1 TB. Ich speichere immer noch in Word. Es wiegt die Hälfte, der Bildschirm ist farbig. Und hochauflösend. Und habe mittlerweile natürlich alle Daten nichtlokal in der Cloud gespeichert.

    Jetzt sind vor zwei Jahren neu die AirPods, die drahtlosen In-Ohr-Kopfhörer herausgekommen. Ich kaufe mir die Sachen meist erst wenn sie etwas billiger geworden sind.  Ich habe dieses Wochenende getestet und weiß: Es ist ein weitere Schritt der Virtualisierung aller Lebensbereiche. Genial. Teuer. Und jeden Euro wert. Weil es wie ein Produkt aus der Zukunft ist. Wie Apple immer war. Man darf es nur noch nicht beim Duschen vergessen. Das kann erst die nächste Generation.

     

    In der Zukunft haben glauben wir nicht mehr an: „Big brother is watching you“ und „irgendwann werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann“. Wir Deutschen haben eine Obsession mit negativen Utopien und Indianerromantik. Verständlich. Hat man uns mit Kommunismus und Nationalsozialismus ja schon zwei Mal sehr einleuchtende Visionen als Wahrheit verkauft, die leider nichts als Enttäuschung waren.

    Haben sie deshalb recht, die großen Negativen Utopien von George Orwells (1984), ein leicht depressiver englischer Kolonialbeamter, vereinsamt in Burma, Aldous Huxley (Schöne neue Welt), nur leider ist alles nur Schein), oder Jewgeni Samjatin (WIR), enttäuscht von der Realität mit ihrer Gewalt, dem Primat der Ratio und der Leugnung des seelischen Lebens ?

    Oder spuken sie immer noch zu sehr in unseren Köpfen herum? Ich habe sie in meiner Jugend alle drei gelesen, mit 16 im Jahre 1984. Man sieht ihre Spuren im Kampf gegen die Volkszählung (1983 gescheitert, das letzte Mal 1987), oder der Idee einer zentralen Speicherung der Gesundheitsdaten (Elektronische Gesundheitskarte), ein paar Milliarden an Kosten, bisher keinerlei Erfolg. Ich spüre ihre Spuren auch noch bei mir im Kopf, diese diffuse Angst im Hintergrund, es könne doch alles so schrecklich kommen. Wenn nicht jetzt, dann sicher bald. Aber die Zukunft sieht anders aus. Heute schon.

     

    Qualitätssicherung im Gesundheitswesen

    Auch eine Vision, die noch unvorstellbar erscheint. Wir lassen lieber einzelne Menschen mit ihrem begrenzten Wissen und ihrer bekannten Fehleranfälligkeit über unser wertvollstes Gut entscheiden und vertrauen auf gut Glück unsere Gesundheit einzelnen Ärzten an, die vielleicht recht haben, vielleicht auch nicht – anstatt dass wir darüber nachdenken, dass man Qualität auch messen kann und Erfolge kein Zufall sind.

    Wer ist besser? Der, der jede Woche etwas anderes repariert, oder der, der sich auf ein Problem spezialisiert hat? Und wie können wir es herausbekommen? Es gibt die Pannenstatistik des ADAC. Und wir können sehen, welche Autos besonders anfällig sind. Wo ist die Transparenz bei den Ärzten?

    Noch schleppen wir Krankenakten von Arzt zu Arzt. Selbst wenn es um lebensgefährliche relevante Erkrankungen wie Krebs gibt, erlauben wir keine zentrale Datenspeicherung und Auswertung. Holen dann für die Forschung uns Daten aus Schweden, weil man nur dort diese Krankheiten überhaupt zentral erfassen darf. Dort, wo man mit einer Drittel der Krankenhausbetten auch erfolgreich Medizin machen kann. Weil die Verbleibenden besser spezialisiert sind.

    Wie kann es sein, dass nicht jede einzelne Krebserkrankung in Deutschland erfasst wird: Ihr Verlauf, ihre Therapie, ihr Ausgang. Im Dienste der einzelnen Gesundheit, oder vielleicht für die nachfolgenden Erkrankten?  Um nachher festzustellen was funktioniert hat und was nicht? Was hilfreich war, was Geldschneiderei, was unnötige Quälerei, was umgebracht hat?

    Nicht einmal Operationen werden in ihrem Erfolg, ihrem Ausgang statistisch erfasst. Woher wissen wir eigentlich, ob die laparoskopische Appendektomie besser ist als die klassische? Wir wissen es nicht. Wir lassen einfach ausprobieren. Und wenn es nicht gestimmt hat, haben wir ein paar tausend oder hunderttausend Menschen unnötig falsch operiert, einige umgebracht, einige nur kränker als nötig gemacht.

    In der Zukunft werden wir also unsere Gesundheit nicht dem Zufall überlassen, sondern die Daten nutzbar machen. Diese elektronisch erfassen und dem nächsten Arzt verfügbar machen. Und die richtige Therapie auf Algorithmen basieren, die dem aktuell besten verfügbaren Wissenstand, evidenzbasiert entspricht, und nicht der aktuellen Mode. Und in der Zukunft wird es sogar eine Verknüpfung geben mit unserem persönlichen Genom, weil wir uns trauen werden auch diesen Wissensschatz zu nutzen, zu unserem Wohl und der gemeinsamen Zukunft. Ist es Zufall, dass die neuen Weltmeister der Algorithmen, wie der Google Gründer Sergey Brin 8 Jahre mit Anne Wojcicki verheiratet war, der Gründerin von 23andMe, dem Pionier der persönlichen Genanalyse? Übrigens die jüngere Schwester der CEO von Youtube, Susan Wojcicki? Man kann viel über diese Pioniere und deren Firmen sagen. Nicht aber, dass die Analyse von Daten die Welt nicht verändert hat. Und verändern wird. Wir werden es erleben. In der Zukunft ist auch unser persönliches Genom Teil des Wissensschatzes, den wir für unsere Gesundheit und Heilung nutzen können.

    Dafür müssen wir sie individuell speicherbar und übertragbar machen (irgendwo da draußen in der Cloud, gut geschützt) und anonymisiert auswertbar – damit man die großen Muster überhaupt erkennen kann. Denn noch ist die Versorgungsforschung ganz in den Anfängen. Wir wissen einfach gar nicht, was eine Behandlung oder ein Euro für eine Gesundheitsinvestition an Jahren an Lebenszeit oder Tagen mit verbesserter Lebensqualität bringt. Es ist alles noch kein ganzheitliches Bild, bisher meist Einzelmeinungen.

    Wir haben weder die Daten noch den Konsens, dass wir sie auswerten müssten. Wie komme ich darauf? Auf unsere Reise um die Welt waren wir in den USA und Bangladesch. USA: die höchsten Gesundheitsausgaben der Welt. USA: Knapp 10.000 Dollar pro Kopf im Jahr, 78,8 Jahre Lebenserwartung. Bangladesch: 100 Dollar pro Kopf im Jahr, Lebenserwartung 73,2 Jahre.

    Das 100 fache an Kosten für 5 weitere Jahre Leben. Hier ist etwas nicht wirklich effizient. Funktioniert nicht wirklich gut. In der Zukunft wird das Vergangenheit sein. Weil es offensichtlich ist.

     

    Immer älter.In der Zukunft ist 100 Jahre Standard. Pro 10 Jahre steigt die Lebenserwartung um 2,5 Jahre. Unaufhaltsam. Jede Statistik, die immer wieder angekündigt hat, dass es damit bald ein Ende hat, hat sich wiederlegt. Wieder rechnen alle Prognosen damit, dass die Steigerung der Lebensdauer bald ein Ende haben muss. Ich glaube, es wird so weiter gehen. Wir haben dann die 100 Jahre als Durchschnitt schon bald erreicht – noch vor dem Jahre 2100 auf jeden Fall weltweit.

    Und entgegen allen Unkenrufen: Diese Alten sind nicht immer kränker, sondern immer gesünder. Immer fitter, intelligenter, sozialer engagiert. Wir haben kein Altenproblem, sondern eine große Chance. Sie wird unser Leben umgestalten. Wir werden es sehen. Mit 80 oder 90 etwas Neues im Leben anzufangen, wird immer häufiger Alltag.

     

    Forschungslabore für Bewusstseinsforschung.

    Was sind die Grundbausteine der mentalen Realitätsproduktion? Eine ganz einfache Frage, noch wenig erforscht? Gibt es dafür große Forschungszentren, wo Milliarden hinfließen? Ich habe davon noch nichts gehört. Wo kann man lernen, wie man den „Bewusstseinsstrom“, managed? Wir überlassen das wichtigste Feld unseres Lebens lieber dem Zufall und reden von der „Black Box“ in uns – oder überlassen sie der „Self-Help-Ecke in der Buchhandlung“, immer größer wachsend.

    Ein paar Mönche erforschen ihre Techniken weiter, geben sie weiter. Ein paar Abenteuer sitzen in den Bergen und erforschen in ihren Retreats neue Substanzen. Ein paar Steve Jobs der Zukunft haben ihren „Erleuchtungstrip“ auf einer chemischen Substanz.

    Wen interessiert es bisher? War es Zufall, dass es die gleichen Kreise waren, die parallel durch psychoaktive Substanzen die Grundzüge des menschlichen Realitätsprogramms erforscht haben und die ersten Schritte zu ihrer Simulation durch Software und PCs geleistet haben, in den gleichen Gegenden rund um San Francisco? Die Begründer der Firmen, die jetzt die Welt beherrschen?

    Nein. Wenn man dort einmal war und sich einmal ein bisschen bei den „Insidern“ umhört, ist dies nicht einmal mehr ein „offenes Geheimnis“. Und auf dem „burning man“ tummeln sich nicht nur deshalb die Milliardäre, weil es so „cool“ dort ist, sondern weil sie aus dem gleichen geistigen Hintergrund an Denken und Erfahrungen stammen. Einer Welt, in der mehr möglich ist. Weil man experimentiert. Mit sich, mit Chemie, mit Technologie. Erfolgreich. Weil ja nicht alles klar ist. Sondern ganz viel ganz spannend und neu. Und es Abläufe gibt, die man verstehen kann. Und beeinflussen kann. Es gibt mentale Programme, wie es Computerprogramme gibt. Hat man sie verstanden, kann man die Welt beherrschen. In der Zukunft wissen das nicht nur die Cracks aus dem Silicon Valley.

    Und wir nur eins wissen: Die Lösungen der Vergangenheit sind nicht optimal. Wir brauchen bessere Lösungen. Individuell, gemeinsam.

     

    In der Zukunft ist dies kein „Geheimwissen“, sondern selbstverständlich. Es ist nicht das Wissen von „Eingeweihten“, „Geheimlogen“ oder „Milliardärskreisen“, sondern Allgemeingut.

    Warum ist ein Anthony Robbins, der Motivationsguru der 90 Jahre, mittlerweile kaum noch auf seinen 10.000 Leuten-Shows anzutreffen? Weil seine Techniken nicht funktioniert haben? Oder weil er es sich mittlerweile leisten kann, vor allem von Milliardären privat gebucht zu werden?

    Warum ist „Achtsamkeit“ mittlerweile das Standardtraining für High Potentials, Schauspieler oder hochbezahlte Spezialisten? Weil das alles esoterisches Halbwissen ist, wie uns die Tagespresse gerne weismachen möchte?

    Bei uns glauben viele immer noch lieber an Karl Marx oder die Bibel als Referenz, und beschäftigt sich mit Theorien aus der Vergangenheit über die Wirklichkeit der Vergangenheit.

    Wir sind keine Schäfer oder Schafe mehr und keine Arbeiter im Frühkapitalismus. Wir sind vielmehr das, was wir schon immer waren. Geistige Wesen, für eine Weile auf diesem Planeten materiell manifestiert, mit erstaunlichen Potenzialen und erstaunlichen Aufgaben. Es gibt über alle Jahrtausende schon wirksame Bewusstseinstrainings. Jede spirituelle Tradition hat ihren Ursprung in Mystikern, die sich die Dinge einmal zu Herzen genommen haben und zu Ende gedacht haben. Sie kommen alle auf ähnliche Ergebnisse? Ist das Zufall, esoterischen Halbwissen, irrationale Unwissenheit oder ist da doch etwas daran?

    In der Zukunft ist dies offensichtlich. Wir glauben wieder an etwas. Weil es nicht eine Fertigreligion vom Fließband sein muss, mit der wir uns zufrieden geben müssen. Standardisiert und Normiert, nach einem großen Guru der für uns alles erkannt hat damit wir nicht mehr darüber nachdenken müssen.

     

    Nein, in der Zukunft ist die Religion wieder erlaubt, und sie ist Privatsache. Man darf wieder selbst entscheiden was man glaubt, und das auch ernsthaft. Nicht nur heimlich im Verschwiegenen, wie die führenden Wissenschaftler, die alle öffentlich verkünden müssen dass sie natürlich rationale Atheisten sind weil dies ja so logisch ist und privat, wenn man sie da schließlich mal erreicht von ihrem persönlichen Glauben erzählen, der natürlich der Antrieb ist warum sie überhaupt so weit gekommen sind in der Erforschung der „höheren, universellen Gesetze“.

    Und es gibt auch ein Anrecht auf das Verfechten von sich wiedersprechenden Ansichten zur gleichen Zeit. Auch das gehört zur Zukunft, das alberne Denken in richtig und falsch, der Dualismus den uns Platon; Sokrates und Aristoteles eingebrockt haben ist Vergangenheit. Wie eine einschüchternde Schulhof-Gang haben sie alle weiteren Denkarten zum Schweigen und als „unlogisch“ gebrandmarkt. Noch muss man muss ihnen folgen, sonst ist man „draußen“.

    An dieser Stelle habe ich beschlossen, die wissenschaftliche Laufbahn in der Medizin zu verlassen. Wollten mit doch die fähigsten Köpfe weismachen, dass unser Gehirn von Molekülen, Botenstoffen und elektrischen Impulsen gesteuert wird, die wiederum durch die DNA und die Umwelt determiniert sind. Und wer etwas anderes glaubt ist „unwissenschaftlich“. Naturwissenschaft glaubt an „matter over mind“. Für mich ist mindestens genauso umgekehrt möglich. Mein Credo ist. „mind over matter“.

    Weil die Welt größer ist. Und wir spätestens seit der Quantenphysik bei den Grundlagen wissen, dass sie zugleich Teilchen und Welle sein können, dass sie verschieden Zustandsoptionen zur gleichen Zeit haben können – bis man sich entscheidet sie zu beobachten. Wir sind die Beobachter, die über die Zustände der Quanten entscheiden, die die materielle Welt determinieren.

     

    Auch dieses Wissen wird in der Zukunft selbstverständlich sein

     

    Die Zukunft ist auch eine Zukunft der geistigen Gesundheit. Wir haben das Problem der körperlichen Gesundheit noch nicht vollständig gelöst, sind aber auf dem guten Wege dorthin. Die unveränderlich steigende Lebenserwartung zeigt es. Der Kampf gegen die Mikroben ist fast schon Vergangenheit, die Herz-Kreislauferkrankungen als nächste Haupttodesursache werden seltener. Wir leben immer länger.

    Die große Herausforderung ist die psychische Gesundheit. Und das ist keine Herausforderung der Medizin. Diese bietet auch keine Lösung, denn die Perspektive ist schon falsch. Statt noch mehr Unterkategorien für Diagnosen aus dem Handbuch, die sich nicht wirklich abgrenzen lassen brauchen wir ein Verständnis dafür, was der Normalzustand ist.

    Diese lebensfrohe Begeisterung, dieses „Ja“ zum Leben, zur Existenz, mit der wir alle geboren werden. Die in unserer Seele, unsere DNA, unseren Atomen schwingt. Die bis in der kosmischen Hintergrundstrahlung vom Urknall zu spüren ist.

    Normal ist: Ein Stern, der Milliarden Jahre leuchten kann, mit unbändiger Energie. Eine Zelle, die sich milliardenfach vermehrt um ein Mensch zu werden, jede mit ihrer speziellen Aufgabe auf den Weg geschickt, vorprogrammiert in einer einzigen Samenzelle und Eizelle.

    Normal ist: ein kosmischer Tanz an Molekülen und Bewusstseinsstufen durch Milliarden von Lebewesen hindurch, Milliarden von unterschiedlichen Spezies, alle interagierend auf diesem Planeten. Und ein Mensch, der als erster in dieser erstaunlichen Abfolge (zumindest erscheint es für ihn so) dieses kosmische Wunderwerk zu versehen lernt, die abzählbaren physikalischen Naturkonstanten enträtselt. Und dabei begeisternd feststellt, dass alle, aber auch alle zufällig genau richtig vom großen Schöpfungscomputer berechnet wurden. Denn nur mit geringster Abweichung gäbe es uns nicht, das real existierende Universum.

    Aber jede Variation ist anders, jedes Lebewesen einzigartig. Es gibt keine richtige oder falsche Variante. Alle gehören dazu, alle Anteile sind Teil des großen Spiels. Auch die, die wir vielleicht weniger mögen, unsere Sorgenkinder, die Anteile, die wir gerne ausgrenzen.

     

    Normal ist nicht: Ich kann arbeiten und lieben, wie es Freud, der große Pessimist uns verkündet hat. Für ihn war normal, dass wir gesund sind wenn wir nur erfolgreich arbeiten und lieben können – egal wie dreckig es uns dabei geht. Wir glauben das immer noch. Und so bilden wir Kategorien von denen, die nicht arbeiten oder lieben können. Wie immer hatte Freud auch recht. Aber es gibt etwas Größeres. Er gibt es ja selbst zu:  „Der Künstler heilt seine Neurose selbst“. Aber wir sind alle Künstler. Unser Leben ist unser Kunstwerk, unser Bewusstsein ist unsere Produktion.

     

    Normal ist auch nicht: Wie es früher einmal war. Unbewusst, automatisch vor sich her vegetierend, haben wir reagiert, in Halbbewusstsein als Sklaven gelebt: Über Jahrmillionen. Ein Stamm gegen den anderen, der Große Anführer und sein Priester werden es schon wissen.

    Nein, auch das ist nicht normal. Das ist Vergangenheit. Wir erleben erst das Bewusstwerden des Menschen, das frei werden. Es ist ein historisch sehr junges Phänomen, es breitet sich erst langsam aus. Aber es ist ein allgemeines Menschenrecht. Und glücklich sein funktioniert. Weil es logisch ist und weil es gefühlt wahr ist, wenn man Anschluss an die Liebe findet.

    Und weil jeder Mensch diesen Weg dorthin finden kann, er ist in ihm angelegt, davon bin ich überzeugt. Gesund sein heißt diese Verbindung zu spüren. Zu wissen, dass es eine Verbindung gibt. Zu etwas Zeitlosem, Höheren. Einer größeren Kraft, Macht. Die ein Teil von uns ist und von der wir ein Teil sind.

    Sonst ist alles nur Therapie. Problemlösung. Eine weitere Kategorie.

     

    In der Zukunft wird deshalb Glaube die Regel sein. Aber ein Glaube, den sich jeder selbst aussuchen durfte. Keine Vorgabe meiner Eltern, des örtlichen Priesters. Keine Indoktrination durch verpflichtende Glaubenssysteme, die Kleinkindern mit Behauptungen für ihr Leben prägen. Aber natürlich auch kein relativistischer Pessimismus, bei dem die eigenen Kindertraumas und nicht integrierte Enttäuschungen hinter großen Worte rationalisiert werden und auf die Welt projiziert, wie es in der Zeit in der wir Leben so häufig geschieht. Und in der alles anzuzweifeln und nichts zu vertrauen als erwachsen gilt. Weil man dann vor Enttäuschungen geschützt ist.

     

    Glaube ist dann selbstverständlich, wenn er auf persönliche Erfahrungen basiert. Ein Recht, das jeder Mensch hat, davon bin ich überzeugt. Luther hatte Recht, wir brauchen keinen Vermittler, der uns das Wort Gottes übersetzt. Aber er hatte unrecht, wir brauchen auch keine heilige Schrift, niemand der uns Gottes Wort in Sprache übersetzt. Wir haben selbst in uns die Empfänger und Sensoren für die Wahrheiten und die Wunder und die Sprache der Existenz.

     

    In der Zukunft werden wir mehr wieder gelernt haben, diese Verbindung herzustellen: Durch intelligente Rituale, selbst erprobt und erforscht. Verfeinert. Mit allen notwendigen Zutaten, wie Ort, innerer und äußerer Vorbereitung, Gemeinschaft, der Bereitschaft sich zu öffnen. Und Zutaten die dabei helfen. Mit allem was die Schöpfung uns offenbart und was wir selbst entdecken. Entdeckungen der Indianer aus uraltem Wissen oder Chemiker aus dem Labor.  Musik. Licht. Räumen in Natur oder Kunst.  Alles war man für eine perfektes Erlebnis braucht. Initiation. Offenbarung. Auch dieses Wissen ist Teil der Zukunft.

     

    Die Zukunft ist bereits unter uns: Es liegt an uns, unsere Fühler auszustrecken. Denn eines ist sicher: Sie wird kommen.

  • Capitana Fantastica

    Capitana Fantastica

    Liebe Freunde

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    Ich (Nadine) werde viel gefragt wie es war und wie es mir oder uns jetzt geht nach der Reise,  ob wir schon wieder angekommen sind. Ja ich bin angekommen ⭐

    Das ist schön! Ich freue mich über jede Frage auch über die wo es am schönsten war. :). Oft antworte ich dann „In Indien“ weil wir dort auch mal Zeit für uns hatten und die Großstädte weil das immer so abenteuerlich war. Natürlich hatte jedes Land seine ganz besonderen Momente und Geschichten zu erzählen.

    Meistens gehe ich kurz drauf ein was mich besonders geprägt hat, und das war dieser Reise Raum der „Travel Space“ als Familie diese:  kleine Gruppe von sechs Menschen reisend einmal um die Welt.

    Ich habe eine ständige Hingabe geübt, durch den dauernden Wechsel im außen und eine Hingabe ans Dauer Mutter sein. Ein Innerliches Ja zu dem jetzigen Moment als neue Lebensform.

     

    Während der Reise habe ich schon bemerkt das mein Widerstand schwächer wurde gegenüber den Anforderungen der Reise , des Lebens des Seins. Aber über den Raum, den Space den das mit sich brachte wurde ich mir erst bewusst  als ich wieder zu Hause war, und ein paar Wochen Zeit hatte in meiner alten Umgebung. Ich bin so froh darüber das ich das gern teilen möchte.

     

    Ourtravelspace hat seinen Namen alle Ehre gemacht:  mein Raum ist größer und weiter geworden unendlich groß. Und es hat mit uns zu tun.

     

    Diese Raumerweiterung wie ich sie nenne ist für mich ab jetzt die entscheidende Bewegung geworden. Unbewusst war sie das glaube ich schon immer.

    Der Weg der Raumerweiterung führt uns nach innen, wir wachsen in diesem Sinne durch das Leben.

    Das Ja zum Wachsen ist ein immer wieder neu gesprochenes, gedachtes, gefühltes Wort. Es ist wie ein Kompass : beweglich nicht starr, im Fluss des Lebens seiend.

    Leben bedeutet Wachstum und Wandel ´, dies führt zur Raumerweiterung welche zu mehr Verbindung führt, dadurch wächst das Bewusstsein. Dies ist ein Weg, wie wir Menschen uns entwickeln können.

    Was es dafür braucht ist ein Hinschauen und ein Annehmen. Es braucht nichts weiter als die Einfachheit des Seins, die Selbstliebe des sich Selbst Verzeihens und das Beenden der Trennung als tägliche Übung.

    Als ich mir dieses Raumes im Inneren noch nicht vollständig bewusst war, wunderte ich mich weshalb er immer wieder verschwindet in bestimmten Situationen. Ich dachte dann immer ich habe etwas falsch gemacht und begonnen im außen das Problem lösen zu wollen.

    Was ich nicht verstanden habe war das gerade die Situationen die mich fordern,  Eifersucht, Neid, Vergleichen, sich geschwächt fühlen etc. Anteile im Raum sind die zur Erweiterung nicht gelöst sondern integriert werden wollen, angenommen wie sie sind. Sie werden nicht verschwinden den sie gehören als Schatten zum Licht welches nicht voneinander getrennt ist.

    Die Raumerweiterung als Weg begrüßt in diesem Sinne alle Anteile des Menschen um sie zu nutzen um zu wachsen. „Ja wie geil ist das denn!“ Wenn jeder Mensch seinen Raum wachsen lässt gibt er anderen auch die Möglichkeit zu wachsen wir verbinden und entwickeln uns vom individuellen Bewusstsein ins kosmische Bewusstsein.

    Unsere Aufgabe ist die der Selbsterkenntnis welche im Inneren zu finden ist. wozu wir die Raumerweiterung brauchen.

    Wenn wir uns dem zuwenden was wir wollen anstatt uns dem zuzuwenden gegen was wir sind,  integrieren wir automatisch und bleiben transzendent. Dann wächst der innere Raum der Verbunden ist mit Allem und Jedem und dadurch entsteht Heilung.

    Dann hört das Leiden auf, das Leiden des „ich will es festhalten“ „ich will es nicht mehr verlieren“ das Leiden des „ich will es nicht sehen es gehört nicht zu mir“.

    Dann sind wir mutig und gehen weiter schauend hin, es ist ein so wundervoller Weg.

     

    Eure „Capitana Fantastica“ Nadine

  • Meine sieben Bereiche des Lebens

    Meine sieben Bereiche des Lebens

    Mittwoch, 5. September 2018, 10.21 Uhr

     

    Meine sieben Bereiche des Lebens

     

    Es ist ein großes Geschenk, wenn man einige Stunden des Tages zur freien Verfügung hat. Aber es ist auch eine große Aufgabe: Was fängt man mit der Zeit an?

    Ich habe mir oft mehr Zeit freigenommen als es üblich war. Und hatte dann öfters genau diese Frage zu beantworten. Es ist eine der spannendsten Fragen des Lebens. Weil wir in vieler Hinsicht es noch nicht gewohnt sind, frei zu sein.

    Jeder kennt es: es gibt Vorgaben, an die wir uns halten müssen, diese strukturieren unser Leben automatisch. Es ist unangenehm, in der Schule zu spät zu kommen oder die Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Es ist unangenehm, kein Geld oder keine Ausbildung zu haben, deswegen strengen wir uns für eine Arbeit an. Und dann – wenn wir frei haben ist der erste Reflex: Endlich nichts machen müssen! Keinen Wecker stellen, keine Aufgaben erledigen.

    Und irgendwann, nach dem „Feierabend“, Wochenende, den Ferien, dem Freisemester, dem Sabbatical –  geht es wieder los. Wir müssen Dinge tun. Es gibt viel zu tun. Aber was in welcher Reihenfolge? Was ist wichtig, was kann liegen bleiben? Und wie bleiben wir motiviert?

    Ich habe mir über die Jahre dazu viele Gedanken gemacht. Einfach weil ich den „Flow“ liebe, einen perfekten Ablauf bei dem man schnell vorankommt und die Zeit für die wesentlichen Dinge nutzt. Und das Ganze auch noch Spaß macht. Weil man am Ende noch viel Zeit übrig hat.

    Denn am Ende ist es ja so: vom Aufwachen bis zum Einschlafen haben wir einen langen Ablauf vor uns, der aus sehr vielen Optionen besteht. Es ist der „Film“, den wir uns selbst drehen, wir sind darin „Drehbuchautor“,  „Regisseur“, „Hauptdarsteller“, „Kameraman“, wir suchen die Drehorte aus, wir bestimmen den Text der gesprochen wird, die Musik, wir sind für das Budget verantwortlich und an uns liegt es, ob er uns gelingt und gefällt. Am Ende schaut niemand außer uns ihn an.

    Und ob es chaotisch oder elegant zugeht, ob wir hinterherhetzen oder freudig voraneilen, ob wir mit uns oder der Welt schimpfen oder uns gemeinsam freuen können, auch das ist unsere Entscheidung. Auf einer ganz praktischen Ebene.

    Die erste und wesentliche Frage ist für mich klar:  Wo wollen wir hin? Was wollen wir mit der Chance der Zeit machen? Wie auch immer wir uns entscheiden werden, alles ist nachher eine Investition von Zeit (unserer Zeit) und Aufmerksamkeit (unserer Aufmerksamkeit), von Energie (unserer Energie) und teilweise auch Geld.

    Natürlich – es kann sich sehr entspannt anfühlen sich das alles nicht zu fragen. Aber, davon bin ich überzeugt, dann werden viele der Fragen von anderen Leuten beantwortet. Denn da draußen gibt es einen gut funktionierenden Mechanismus, der uns Vorgaben macht und der uns beeinflusst, die Dinge zu tun, die sich für andere lohnen.

    Natürlich möchte der Arbeitgeber, für den wir arbeiten von uns etwas, und er arbeitet daran es auch zu bekommen. Und natürlich sind wir Teil einer gut geölten Marketingmaschinerie, die mit Milliardeneinsatz uns dazu bringt, bestimmte Dinge zu wollen, zu machen, zu kaufen. Zu glauben, wir wären davon außen vor ist naiv. Jeder glaubt persönlich, er ließe sich nicht beeinflussen von anderen, Werbung, Nachrichten, etc. Erstaunlicherweise funktionieren die Methoden der Beeinflussung aber dennoch.

    „If you don´t have a plan, you´re part of somebody elses plan“, heißt das schöne amerikanische Zitat dazu.

    Mein System sieht folgendermaßen aus. Ich habe das Leben in sieben Bereiche eingeteilt.

     

    1. Selbstbewusstsein und Lebensfreude
    2. Familie und Freunde
    3. Ordnung, Planung und Verbesserung
    4. Finanzen, Investitionen und Wohnen
    5. Beruf und Karriere
    6. Körper, Urlaub und Gesundheit
    7. Emotionales, geistiges und spirituelles Wachstum

     

     

    Jeder Bereich ist wichtig. Und alles was ich tue, wirkt sich auf einer der Bereiche aus.

     

    Und die Reihenfolge ist auch nicht zufällig.

    Ganz oben steht mein eigenes Wohlbefinden, denn wenn es mir nicht gut geht sind alle weiteren Bereiche nachrangig. Hier gilt es zuerst meine Aufmerksamkeit zu richten. Um beim Bild des Schauspielers zu bleiben – ist dieser nicht fit für seine Rolle, wird aus dem ganzen Film nichts.

    An zweiter Stelle kommen schon die sozialen Beziehungen. Wer seine engsten Beziehungen nicht pflegt, dem fehlt etwas. Und den anderen fehlt auch etwas. Wir sind soziale Wesen, und wir blühen durch andere auf.

    An Stelle drei sehe ich schon etwas, was andere „sharpening the saw“, „die Säge schärfen“ genannt haben. Statt etwas gleich zu tun zuerst zu schauen, wie man es verbessern kann. Das, so sehe ich, hat nach den ersten beiden „grundsätzlichen“ Bereichen den größten Einfluss auf unser Leben.

    Dazu gilt es herauszubekommen, welche Ordnung die Dinge für einen im Leben haben sollen. Es gilt Routinen herauszuarbeiten, die funktionieren. Es vergeudet enorm viel Zeit und Energie, jeden Tag Dinge ohne System zu tun. Der ganze Tag besteht aus erfolgreichen oder weniger erfolgreichen Routinen.

    Das, was ich gerade hier tue ist Teil von Bereich 3: Ich frage mich: Wo will ich hin, was ist mein Plan, wie kann ich ihn verbessern, wie kann ich eine größere Ordnung erzeugen? Und wie kann ich ihn mit den anderen Bereichen verbinden? Das ist eine der Gründe, warum ich mit dem Bloggen angefangen habe und es fortsetzen werde.

    Ich könnte mir die Gedanken auch nur für mich machen. Aber so decke ich mehrere Bereiche zugleich ab. Ich tue etwas, was mir gefällt (zu schreiben): Bereich 1. Ich teile es mit anderen, die vielleicht davon auch etwas haben (Bereich 2). Und ich arbeite an der Verbesserung (Bereich 3).

    Bereich 3 ist auch aus meiner Sicht der Bereich, der das moderne Leben am meisten bestimmt. Hier sind die Techniken zu finden, die unser Leben verbessern und erleichtern. Seit wir angefangen haben, darüber nachzudenken wie etwas besser laufen kann ist hier sehr viel passiert. Und wir sind immer noch ganz am Anfang, davon bin ich überzeugt. Noch läuft ein Großteil unseres Lebens schlecht organisiert und schlecht geplant ab, und es könnte verbessert werden. Und die Techniken hierzu, ob es geistige Techniken, Software oder handfeste Geräte sind, befinden sich in einem rasanten Wachstumsprozess. Ich werde dazu ein anderes Mal mehr schreiben

     

    Bereich 4 sind die „materiellen“ Dinge. Das Geld, die Frage wo wir unser Geld und unser Arbeitszeit investieren;  und was wir uns kaufen, wo und wie wir wohnen. Auf einer Art ist es für mich wichtig herauszubekommen wie wir uns weniger abhängig machen können von den „Dingen“. Von einer anderen Seite her betrachtet ist es aber so, dass wir hier oft zu wenig hinschauen und uns nachher wundern, warum die „materiellen“ Dinge unser Leben so stark prägen. Ob wir es wollen oder nicht. Denn was vernachlässigt wird, drängt sich gerne in den Vordergrund.

     

    Bereich 5 handelt von Schule, Ausbildung, Beruf, Arbeit. Ich trenne es vom Geld, weil es unterschiedliche Themen sind. Wir haben auch die „Berufung“, etwas zu tun, wenn wir genug Geld haben. Es überschneidet sich teilweise – wir tun Dinge um Geld zu bekommen. Aber meist haben wir höhere Ziele die uns motivieren uns anzustrengen.

     

    Bereich 6 beinhaltet viele der „schönen Dinge“ im Leben. Es geht um den Körper, die Erholung, die Gesundheit, den Urlaub. Um Sport und Entspannung. Um Feiern und Loslassen. Für mich ein wesentlicher Bereich, der oft die Motivation für vieles andere darstellt. Wer hat noch nicht einmal auf den „Urlaub“ oder nur auf das „Wochenende“ hingefiebert. Und sich danach wie „neu“ gefühlt. Ich habe die ganze Schulzeit gedacht, der Sinn der Schule sind die Schulpausen und die Ferien.

     

    Bereich 7 schließlich ist der Bereich, wo wir uns entwickeln wollen, den Horizont erweitern, wachsen. Ob es ein gutes Buch, faszinierende Musik, gemeinsame Erfahrungen sind. Ich habe diesen Bereich unter emotionalem, geistigem und spirituellen Wachstum zusammengefasst. Dort erfahren wir, dass wir nach Höherem streben, dass wir einen Sinn suchen und ihn erfahren können, dass wir fasziniert, begeistert, inspiriert, erfüllt und neugierig, dankbar und offen sein können.

    Es ist der Bereich, in dem wir uns oft aufhalten, wenn wir in allen anderen Bereichen bereits Zufriedenheit und Sicherheit erreicht haben. Und wo wir wissen oder ahnen können, dass es eine Verbindung gibt zwischen allem: den vielen Aspekten unseres Lebens, den anderen, der Erde, dem gesamten Universum.

    Was bringt das nun im Alltag? Mir hilft es täglich als Orientierung. Ich weiß, dass alle Bereiche Aufmerksamkeit brauchen, und ich kann erkennen, ob etwas was ich vorhabe oder mache für einen dieser Bereiche hilfreich ist. Das hilft dabei, Prioritäten zu setzen und mich richtig zu entscheiden, wofür ich ein paar Minuten meiner Zeit und Aufmerksamkeit nutzen will.  Ganz getreu des Bereichs 3 notiere ich mir deshalb häufig Anfangs- und Endzeitpunkt bei Dingen die ich tue um zu schauen, was habe ich wirklich an Zeit hereingesteckt? Was ist dabei herausgekommen? Auch das hilft um zu lernen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Oft brauchen wesentliche Dinge sehr wenig Zeit.

    Und in ruhigen Momenten, wenn ich mir einmal etwas mehr Zeit nehme, schreibe ich für alle sieben Bereiche auf was ich für Ziele habe und was ich jetzt konkret tun kann, um diesen Zielen näher zu kommen. Es hat eine erstaunliche Kraft.

    11.38. Das waren jetzt genau 90 Minuten. Sie fühlen sich wertvoll genutzt an. Jetzt kann es weiter gehen mit der Liste der Dinge, die erledigt werden wollen. Weil ich jetzt wieder einen größeren Rahmen habe.

     

  • Relax!

    Relax!

    Samstag, 1. September 2018

    Warum wir uns entspannen dürfen

    Auch wenn es anders aussehen mag, so ist die Geschichte der Menschheit eine Geschichte des Fortschritts und der Entwicklung. Ein Teil der Entwicklung sind bessere Lösungen für Probleme. Wie der Philosoph Raimund Popper so treffend bemerkte: „Leben ist Probleme lösen“. Dies ist aber auch kein linearer Prozess, es geht eher wie auch sonst oft im Leben zwei Schritte vor und dann wieder einen zurück.

    Generell aber ist mittlerweile den meisten Menschen klar, das Gewalt keine optimale Lösung darstellt, egal ob im privaten oder gesellschaftlichen Bereich. Das ist neu, denn noch das letzte Jahrhundert war stark vom Glauben an Gewalt geprägt. Gewalt als natürlicher Weg der Entwicklung, wie es in der Extremform im Nationalsozialismus zum grausamen Experiment führte, die Stellschraube ganz Richtung Gewalt einzustellen. Aber auch der Sozialismus war geprägt durch den Glauben an den durch revolutionäre Gewalt herbeigeführten Wandel, auch  mit dem Preis von Millionen unschuldiger Opfer.

    Grundsätzlich zeigen aber alle relevanten Forschungen, dass je „ursprünglicher“ eine Kultur war, auch Gewalt mehr Teil des Alltags war. Unter Steinzeitmenschen starb jeder siebte durch Gewalt, wenn man nur die sichtbaren Knochenschäden untersucht. Je mehr die Gewalt aber monopolisiert wurde, auf den Staat übertragen wurde, um so mehr nahm die Gewalt ab.

    Dieser Trend ist global. Ausnahmen bestätigen hier wie immer die Regel. Natürlich ist die Gewalt die derzeit im Jemen oder Südsudan ausgeübt wird grausam und erschreckend. Sie ist aber nur Teil einer älteren Geschichte, von der wir uns langsam aber sicher verabschieden.

    Denn spätestens nach dem 2. Golfkrieg, der nach 2000 Milliarden Kosten und vielen 100.000 Toten auch 15 Jahre später für die Region kein überzeugenden Verbesserung gebracht hat, sind auch die letzten Kriegsbefürworter leise geworden. Es mag noch die absoluten Ausnahmesituationen geben, wo kriegerische Gewalt sich lohnt – alternative Optionen werden auch all denen mittlerweile attraktiver erscheinen, die sich damals über den „revolutionären“ „arabischen Frühling“ zu früh gefreut haben. Manchmal, so erscheint es, ist ein Gadaffi (oder auch Assad?) immer noch das geringere Übel, wenn man die realen Alternativen der rivalisierenden Bürgerkriegsparteien oder auch nur „Warlords“ sieht, die etwa jetzt Libyen beherrschen.

    Aber: wir leben eben gerade nicht in einer Welt, die von immer mehr Gewalt bedroht wird, sondern in einer, in der die besseren Lösungen sich durchsetzen. Weil Transparenz und Aufklärung, die unveräußerlichen Menschenrechte und eine sich immer mehr differenzierende Kulturentwicklung bessere Lösungen bietet. Ein Startup ist besser geeignet, jungen Menschen die die Welt erobern wollen einen geeigneten Platz für ihre Ambitionen zu bieten als das Militär. Und Che Guevara mag weiter seinen festen Platz in der Heldenriege der bärtigen jungen Weltverbesserer neben Jesus und Marx behalten – er spielt mit seiner Idee des bewaffneten Bürgerkriegs heute nur noch in den Köpfen von Menschen eine Rolle, die fern der Segnungen der Moderne aufgewachsen sind oder ein großes Vaterthema zu bewältigen haben.

    Droht aber jetzt der rechtsradikale Mob die Städte der Welt zu erobern und müssen wir befürchten, zurück in die Barbarei zu stürzen? Ich glaube, es täte uns auch hier ein gutes Stück Gelassenheit und Entspannung gut. Angst ist kein guter Lehrmeister, und die meisten der Empörungen und Warnungen erscheinen mir gutgemeint, aber sie beunruhigen doch mehr und dienen damit denjenigen, die mit der Beunruhigung angefangen haben. Und deren Methode Angst zu schüren ist.

    Nein, es hat sich nicht über Nacht ein rechtextremes Weltbild ausgebreitet, so glaube ich. Viele Elemente wie etwa die Vorurteile gegenüber Fremden sind soziologische Phänomene, die es schon immer gab, und die ihre Wurzeln vermutlich in evolutionären Vorteilen haben. Es hilft eben für das Zusammengehörigkeitsgefühl, wenn man sich gegen den Nachbarort, die zugezogene Minderheit oder irgendeine andere „unnatürliche“ Menschengruppe verbindet – auch wenn die rationalen Gründe immer an den Haaren herbeigezogen sind. Aber – das ist kein neues Phänomen, spätestens seit der Aufklärung arbeiten die fortschrittlichen Akteure mit der Kraft der Rationalität hier gegen an. Mit erstaunlichen Erfolgen.

    Wer war „schwul“, als ich noch zur Schule ging? War es damals vorstellbar, dass der Chef der wertvollsten Firma der Welt homosexuell ist (Tim Cook von Apple)? Der Bürgermeister von Berlin? Der deutsche Außenminister? Aufklärung funktioniert, heute halten die Mehrheit der Deutschen dies für vollkommen normal. Die Forschung zeigt, dass sich hier in 30 Jahren ein fundamentaler Wandel in der Gesellschaft vollzogen hat.

    Und genau deswegen.- es gibt sie noch, die veralteten Überzeugungen. Wo die WASP, die weißen angelsächsischen  männlichen Protestanten die besseren Menschen sind, die naturgegeben auf den Rest der Welt herabschauen können. Natürlich wissen wir heute zumeist, dass dies Unsinn ist. Keine Firma von Weltruf, die nicht mittlerweile bei ihrer Talentsuche Diversity ganz oben stehen hat – einfach weil Talente normalverteilt sind und sich nicht durch Hautfarbe, Geburtsort oder sexuelle Preferenzen vorhersagen lassen.

    Das überrascht auch uns heute immer noch  – weil wir natürlich noch nicht in einer Welt leben, in der Frauen, Nicht-Weiße, Nicht-Christen, Homosexuelle etc. vor Benachteiligungen oder Vorurteilen geschützt sind. Aber – langsam aber sicher verbessert sich die Welt, die Wissenschaft und die besseren Methoden verbreiten sich und überall gibt es eine Tendenz, in die gleiche Richtung zu streben. Die Richtung, die Idealisten und Aufklärer vor einigen hunderten von Jahren in ihren aus der Zukunft kommenden Erklärungen aufgezeigt haben.  Es wird nicht überall gleichzeitig und in der gleichen Geschwindigkeit voranschreiten. Die Bewusstseinsentwicklung ist auch nicht, wie es sich einige vorgestellt haben, ein revolutionärer Prozess. Es ist die langsame Kraft der Evolution, die Verbesserung in kleinen Schritten in tausenden von Seitenästen, die auf die Dauer die Entwicklung bringt.

    Ist es also bedauerlich, dass wir noch nicht in der idealen Welt leben? Und es Menschen gibt, die aus ihrer individuellen Benachteiligung oder mangelnden Fähigkeiten heraus für sich eine schlechtere Option als Lösung wählen – ob es aus Unwissenheit, Unvernunft oder „bösem Willen“ sein mag? Ich glaube nein. Und ich glaube auch: Die Welt entwickelt sich in die richtige Richtung weiter, trotz eines Donald Trump oder Demonstrationen von Rechtsradikalen.

    Am Ende glaube ich vor allem an die individuelle psychologische Perspektive. Neueste Studien zeigen, dass sich bei den Attentätern der letzten Jahre praktisch immer ein individuelle Traumatisierung aufzeigen lässt, die zu so starker Beschädigung der Psyche geführt hat, die lange vor der intellektuellen Radikalisierung eine übertriebene Gewaltneigung zur Folge hatte. Die Ideologie war dann das Ventil, das der Gewalt auf einmal eine Erlaubnis gab – eine gefährliche Kombination. Aber was wir brauchen ist weniger Traumatisierung. Das auch dies eine große Aufgabe ist, zeigen nicht nur die „Spitze des Eisbergs“ der in so vielen katholischen Jugendorganisationen jetzt thematisierten Missbrauchsthematik, sondern vermutlich eine immer noch hohe Rate an verdeckter Gewalt dort, wo sie immer am häufigsten war: daheim.

    Daheim und in der Schule war Gewalt alltäglich. Unsere Kinder sind die erste Generation vermutlich seit es Menschen gibt, in der das uralte Ritual der Gewalt-Hackordnung auf der Straße oder dem Schulhof nicht mehr die Regel ist. Wo daheim nicht mehr geschlagen wird, und in der Schule mit Gewalt Ordnung durchgesetzt wird. Wir wissen heute, dass dies Kinderseelen Schaden zufügt. Und diese Traumas lebenslang ihre Folgen zeigen.

    Und keiner meiner Jungs hat mir je von einem Kampf auf dem Schulhof erzählt – als ich damals 1977 von Peru nach Deutschland kam, war eine der ersten Erfahrungen von mir dieses uralte klassische Ritual – ich im Ringkampf auf dem Schulhof, wie hätte es einem zugezogenen aus dem „Busch“ auch anders ergehen sollen…

    Gewalt nimmt ab, weil sie eine ineffiziente Lösung darstellt. Aber wo sich die körperliche Gewalt auf dem Rückzug befindet ist damit noch nicht ihre Schwester, die verbale Gewalt verschwunden. Es gibt ein wunderbares Training von Marshall Rosenberg über „Gewaltfreie Kommunikation“. Wer ihm zuhört wird klar, dass unsere Sprache noch aus der langen Tradition der Kriege geprägt ist und es zum üblichen Repertoire gehört zu verletzen, wenn wir nur glauben ganz normale Aussagen zu treffen. Jeder Streit zwischen Partnern besteht zu großem Teil aus genau diesen Fehlern – anstatt von den eigenen Gefühlen zu reden dem anderen Dinge zu unterstellen,. Wir haben es so gelernt, immer noch. Und leider sprechen wir dann auch mit uns so.

    Würden wir uns einmal in den inneren Dialoge eines Rechtsextremen hineinschalten können, würden wir sehr viele vernichtende Urteile hören – die dieser über sich selbst ausspricht. In dieser Sprache spricht er dann auch nach außen.

    Aber auch da: Es gibt eine unglaubliche Entwicklung die die Menschheit hier in den letzten Jahrzehnten zurückgelegt hat. Wir sind dabei, auch mit uns liebevoller umzugehen. Weil wir es können. Weil die Welt leichter geworden ist, und wir deshalb von dieser unerhörten Leichtigkeit etwas weitergeben können. An die Menschen um uns und an unsere Kinder.

    Aber – und da liegt, so glaube ich immer noch ein großes Problem: Auch wenn wir freundlicher, gewaltärmer geworden sind, so sind wir nicht weniger anfällig für Ängste geworden. Ängste sind evolutionär von Vorteil, weil sie uns vor Gefahren schützen. Aber, wie wir auch durch Nobelpreisträger wie den Wirtschaftspsychologen Daniel Kahneman wissen: Menschen überschätzen Risiken und unterschätzen Chancen. Dies macht sie manipulierbar und dadurch werden viele Chancen nicht genutzt.

    Und weil schlechte Nachrichten eine höhere „Klebrigkeit“ haben als gute Nachrichten – je schrecklicher oder bedrohlicher umso eindrücklicher bleiben sie haften – so erleben wir im Alltag eine einzige Abfolge von schlechten Nachrichten als Tagesschau, Tageszeitung oder Web-News-Feed. Und glauben am Ende tatsächlich daran, die Welt würde immer gefährlicher, gewalttätiger und wir sollten mehr und nicht weniger Angst haben. Dabei, so glaube ich wäre der wichtigste Schritt uns immer erst einmal aus dem allgemeinen „Alarmismus“ der Moderne zu distanzieren und uns zu entspannen. Und in Ruhe, mit einem guten Gefühl und dem nötigen Abstand zu schauen was wirklich dringend, wichtig und vorrangig ist. Und wohin sich die Welt entwickelt und was wir dafür tun können, damit es jeden Tag noch einen Schritt weiter in die richtige Richtung geht. Im Kleinen wie im Großen. Mit den richtigen Gedanken und Taten. Und immer schön entspannt.