Kategorie: Allgemein

  • Stell dir vor, alles ist gut

    Stell dir vor, alles ist gut

    Dienstag, 28. August 2018, daheim

    Stell dir vor, alles ist gut.

    Unsere Gedanken beeinflussen die Wirklichkeit. Das ist eine einfache Wahrheit, an die ich mich immer wieder neu erinnern lasse. Heute durch den Artikel im New Scientist vom 27. August 2018: „Mind over matter: You really can think yourself healthier and happier“. Und schon das zu lesen gibt mir neuen Schwung.

    Warum können wir mit dem gleichen Körper an einem Tag voller Energie sein, großartige Leistungen vollbringen und uns blendend fühlen – und am nächsten Tag nicht? Viele suchen nach den materiellen Ursachen – Ernährung, Schlaf, physikalische Ursachen. Aber – den größten Einfluss hat, was wir glauben!

    In der Medizin kennt man ihn seit langem, den Placebo-Effekt. Dennoch wird über ihn bisher viel zu wenig geforscht. Denn es bleibt rätselhaft, warum wir in fast allen Dimensionen unsere körperlichen und geistigen Zustände messbar verbessern können, allein weil wir glauben wir hätten ein Medikament eingenommen das uns hilft. Häufig sind die wirksamen Medikamente in ihrer Wirksamkeit kaum vom Placebo-Effekt zu unterscheiden. Bei Kopfschmerzen hilft Aspirin – aber auch fast genauso häufig das Placebo.

    Operationen können Schmerzen nehmen – aber auch unwirksame Operationen, sie sind bei vielen Krankheiten ähnlich wirksam wie ein Eingriff der funktioniert. Es gibt praktisch keinen Bereich, bei der der Glaube an die Wirksamkeit nicht auch schon Effekte gezeigt hat.

    Wie das funktioniert ist für die Medizin ein Rätsel. Aber wir können diese Erkenntnisse nutzen. Denn es handelt sich hier um eine Art Selbsthypnose. Wir machen uns selbst klar, dass etwas wirkt, und dann wirkt es auch.

     

    Im Artikel des New Scientist wird von einer Forscherin berichtet, die die letzten 10 Jahre mit dem Thema Placebo geforscht hat. Es gibt viele erstaunliche Erkenntnisse dabei. So ist es für die Gesundheit wirksamer, zu glauben man sei körperlich fit als tatsächlich Sport zu treiben. Nicht dass der Sport nicht wirksam ist – zu glauben man sei fit ist nur noch wirksamer. Getestet an über 60.000 Menschen mit harten Daten wie Überlebensrate und körperlichen Messwerten.

    Auch zum Thema Stress gibt es erstaunliche Erkenntnisse. Teilt man Reinigungspersonal bei ihrer Einarbeitung mit, dass ihre Arbeit nach wissenschaftlichen Empfehlungen gesundheitsförderlich sei, so verbessert sich trotz der harten Arbeitsbedingungen ihre Gesundheit. Aber nur bei denen, die vorab entsprechend informiert wurden.

    Und wer ist besonders erfolgreich als Unternehmer? Der, der die Dinge realistisch sieht und einschätzt, oder der mit der „rosaroten Brille“, der seine eigenen Fähigkeiten überschätzt und die Herausforderungen unterschätzt? Natürlich der, der seine eigenen Fähigkeiten zu hoch einschätzt.

    Oder das Thema Schlaf: Es kommt weniger darauf an, ob man schlecht oder wenig schläft, solange man selbst glaubt gut zu schlafen. Der gefühlt oder geglaubt schlechte Schlaf dagegen verschlechtert die Gesundheit – unabhängig davon ob man tatsächlich messbar weniger oder unruhiger geschlafen hat.

    Und dann die Ernährung: kaum hört man, ein Essen sei besonders kalorienarm und somit besonders gesund, so stellt sich weniger Sättigung ein – obwohl sich die Kalorienzahl gar nicht geändert hat.

    Es sind erstaunliche Studienergebnisse. Harte, belastbare Ergebnisse von renommierten Autoren, keine Infos aus dem Netz. Sie unterstützen die vielen Studien, die ich bereits gelesen habe, bestärken und erinnern mich.

    Und ich denke mir gleich: Stimmt, was denke ich denn gerade? Wo habe ich einen einschränkenden Glaubenssatz? Was glaube ich ist nicht optimal?

    Als Erstes fällt mir wieder ein, dass ich die bestärkenden Sätze aufschreiben sollte. So oft wie möglich, täglich am Besten. Denn auch das sagt die Forschung – ein großer Teil des sich schlecht Fühlens kommt aus dem Vergleichen und den schlechten Botschaften, dem Einfluss von außen.

    Ich kenne das ganz genau. Es war eine entscheidende Erkenntnis im Studium, warum ich nicht mehr zu Vorlesungen und Lerngruppen gegangen bin. Die Umgebung hat mich immer gestresst. Es war unmöglich dort zu sein und nicht von irgendjemandem angesteckt zu werden, der sich Sorgen macht oder jemand zu sehen oder von ihm zu hören der es gründlicher, ordentlicher, besser macht. Ich habe es körperlich gefühlt, ich fühlte mich nicht wohl. Daheim oder allein in der Bibliothek dagegen habe ich gut lernen können – ohne mich gestresst zu fühlen.

     

    Und was hat mich frei und stark gemacht? Ich habe es mir selbst erlaubt freundlich, positiv und unterstützend zu mir zu sprechen, indem ich schreibe. Ich habe mir die Übung gestellt, alles so positiv zu beschreiben dass es gerade noch glaubhaft ist. Wo die Grenze liegt kennt jeder ganz genau. Aber ich habe mich eben getraut, mich und die Welt positiver zu sehen als man es üblicherweise aussprechen oder lesen kann. Und ich habe mich meist auch davor gehütet, darüber zu sprechen.

    Denn ich weiß – da draußen ist immer jemand, dessen „kritischer Geist“ einen Einwand finden würde. Vor allem mein eigener kritischer Geist würde dann sich gestärkt fühlen

    Und dann ist mein schönes, friedliches Gefühl mit mir im Einklang zu sein vorbei und ich befinde mich im anstrengenden Diskussions – und Rechtfertigungsmodus. Unterstützt vom allgemeinen Negativton, der von so vielen Zeitschriften wie Spiegel und Zeit typischerweise verwendet wird, wenn es um das „positive Denken“ geht. Gefährlich, oberflächlich, amerikanisch etc…

    Denn – ich bin kein geborener Optimist, ich kann sehr gut auch alles negativ sehen. Ich kenne den Zustand, und ich weiß wie es sich anfühlt. Ich habe mich nur irgendwann dagegen entschieden und entschlossen, diesen Weg nicht einzuschlagen. Weil er mir nicht guttut.

    Aber selbst der Spiegel schreibt heute in einem Artikel: „stell dir vor, alles wird gut“ – um darauf hinzuweisen, dass die vielen Probleme vor denen wir in der Politik stehen gelöst werden können. Ja, dass dies gar nicht unwahrscheinlicher ist als das Negativszenario.

    Am Ende zählt aber das Ergebnis. Sportler, die sich für unfehlbar halten, machen nicht mehr Fehler als ihre realistischeren, kritischen Zeitgenossen. Sie machen weniger Fehler. Allein die Vorstellung perfekt zu sein hilft dabei. Und so fahre ich seit 40 Jahren mit Fahrrad, Motorrad und Auto durch den Verkehr – immer mit dem Glaubenssatz: „Ich mache keinen Unfall, ich fahre fehlerfrei und hochkonzentriert.“. Auch jetzt wieder um die Welt. Es hilft. Ich habe noch nie einen Unfall gemacht und habe es auch nicht vor.

    Am Ende geht es nicht um richtig oder falsch. Auch das ist wieder eine Entscheidung, die man eingeführt hat weil sie praktisch ist, aber nicht weil sie immer passt. Natürlich sind wir keine Magier und können alles bestimmen, so sehr wir daran glauben. Aber vor allem sind wir keine passiven Opfer der materiellen Wirklichkeit, wir haben einen großen Einfluss. Es kommt darauf an ihn so weit wie möglich zu nutzen.

    Aus meiner Erfahrung ist es am Wirksamsten, tatsächlich alles einmal aufzuschreiben was wir denken. Viele ist bereits positiv, es wird dadurch verstärkt. Es ist aber auch manches dabei was nicht positiv oder unterstützend ist. Diese behindernden Glaubenssätze gilt es mit besseren Sätzen zu ersetzen. Das ist ganz einfach. Man schreibt einfach eine bessere Version auf, eine besser Version die glaubhaft ist. Ich glaube nicht, dass die Umwelt nicht in Gefahr ist, das wäre Unsinn. Ich glaube, dass wir noch mehr Lösungen finden werden, sie wirksam zu schützen.

    Die erstaunliche Kraft der Glaubenssätze überrascht mich immer wieder von Neuem. Ich bin immer noch dabei, ihr Potenzial ganz zu nutzen. Ich weiß aber aus 30 Jahren Tagebuchschreiben, dass ein Großteil der Dinge, die ich in diesen Jahren als positivem Glaubenssatz, als Ziel, als Wunsch, als Plan aufgeschrieben habe, tatsächlich Wirklichkeit geworden sind. Oft ist die Genauigkeit kaum zu glauben. Aber in dem ich das Ergebnis überprüfen kann, ist mein persönliches Experiment eine wunderbare Bestätigung der Forschungsergebnisse.

    Und es geht damit weiter. Ich glaube, dass es sich lohnt dieses Wissen auch weiter zu nutzen und zu verbreiten. Es gibt immer noch viel zu tun. Ich freue mich darauf.

  • Wieder im Alltag angekommen

    Wieder im Alltag angekommen

    Sonntag, 26. August 2018, 21,47, daheim

    Die erste Woche in der Schule ist also geschafft. Jetzt sind wir wieder im Alltag angekommen. Und es ist ein guter Start gewesen. Heute auf der Heimfahrt mit den Rädern aus Kreuzberg meinte Velis dann: Können wir nicht wieder auf Weltreise fahren? Morpheus stimmt ein. Aber Lysander findet es gut, wieder hier zu sein. Sein erster Satz, als er am ersten Schultag wieder nach Hause kam: „Endlich wieder normal!“

    Bei Velis war die erste Woche noch Projektwoche und er konnte sich so langsam wieder an die Regeln des deutschen Schulalltags gewöhnen. Und Lysander, der jetzt aufs Gymnasium, geht hat  festgestellt, dass auch da nicht jeder im letzten Jahr nur den optimalen Mathe-Unterricht hatte. Bei manchen war er aus Lehrermangel ausgefallen, andere kommen von freien Schulen und müssen auch Stoff wiederholen.

    Irgendwie also ganz normal, und unsere Kinder fielen gar nicht so viel weiter auf. Erleichterung auch bei den Eltern, die sich darüber doch gelegentlich Gedanken gemacht hatten. Und so ist die erste Woche wie überall davon geprägt, die vielen Hefte zu beschriften, das ganze Material zu besorgen und das Leben so zu organisieren dass wieder alles funktioniert.

    In der Kita war es eine große Freude alle wiederzusehen und beim ersten Geburtstag und einer Einschulungsfeier durften wir die eine oder andere Geschichte erzählen. Ob wir schon wieder angekommen sind? Auf eine Art geht es erstaunlich schnell, wenn man erst mal wieder mit den vielen Dingen beschäftig ist die das Leben hier so ausmachen. Auf einer anderen Art auch nicht, weil sich Dinge geändert haben in der Perspektive und doch alles mit einer größeren Gelassenheit betrachtet wird – bei mir wie bei Nadine.

    Gerade im Rückblick stellen wir fest, man hat so viel erlebt, so viel hat funktioniert, warum sollte es jetzt nicht auch so gut weitergehen?  Und natürlich gibt es auch die Dinge die man unterwegs vermisst hat und die in Deutschland, Berlin und natürlich in unserem Kiez am Schönsten sind.

    Ich freue mich wieder dass ich mehr Gelegenheit zum Laufen habe. Und darüber, dass das Wetter und die Landschaft in Deutschland im Sommer einfach wunderbar sein können. An der Weser entlang zu laufen morgens und nur Schafen oder Kühen zu begegnen ist wunderbar. Es gibt in Deutschland eben auch viele Ecken wo wenig Menschen leben und viel Natur zu sehen ist.

    Die Kinder führen weiter gerne ihre kleinen „Theaterstücke“ auf, jetzt handeln diese oft von Pannen in der Wüste, wo man das Auto reparieren muss und einen Monster angreifen können. Auf dem Wesersand lässt sich sehr gut spielen.

    Diese „unbekannten“ Ecken in Deutschland, wie die Gegend der Unterweser sind für mich tatsächlich Orte, die ich mit nichts auf der Welt tauschen wollte. Irgendwie ist auch ein Ergebnis unserer großen Fahrt dass man merkt, wie schön es daheim sein kann.

    Nach der Rückkehr von der Weser am Sonntag dann nach dem Start in Berlin ging es bei mir schon wieder am Mittwoch nach Hamburg. Im Sonnenschein auch eine schöne Fahrt, und sehr vertraut dort wieder in Meetings und vor dem Rechner zu sitzen.

    Inspiriert von unserem Freunden in San Francisco, die begeistert im Triathlon unterwegs sind bin ich nach meinen morgigen Runden von 10 km durch den Friedrichshain Stadtpark heute dann mal noch auf das Fahrrad gestiegen und zum Orankesee gefahren – möglichst schnell. Und dort dann 500 Züge Kraul geschwommen. Das Erstaunliche, fand ich: Wie so oft ist es eine Einstellungssache – ich kann mich nicht erinnern wann ich zuletzt so viele Züge kraul geschafft habe. Normalerweise bin ich nach 30 Zügen außer Puste und schaffe die 100 Züge gerade so. Irgendwie war ich so motiviert, dass es ganz leicht war. Und es fühlt sich so gut an, dass ich dieses Programm unbedingt fortsetzen und ausbauen will. Wie schreibt der neueste New Scientist:

    Slimmer. Fitter. Less stressed: How a positive mind really can create a healthier body.

    Ich freue mich schon auf den Artikel. Denn ich weiß – diese Verbindung ist für mich entscheidend, und ich glaube „mind over matter“ – unser Geist, unsere Einstellung hat die Kraft, die Materie zu beeinflussen. Positiv zu beeinflussen.

    Und ich freue mich jeden Tag über die Freunde, die ich auf der Straße wieder treffe oder mit denen wir das erste Wiedersehen feiern. Es fehlen noch ganz viele – und das sind schöne Aussichten auf viele liebe Menschen, die wir in den nächsten Wochen wiedersehen werden.

  • Unsere Vision

    Unsere Vision

    Mittwoch, 22. August 2018, daheim zurück aus Hamburg

    Vor einem Jahr sind wir aufgebrochen, um mit den Kindern um die Welt zu reisen. Was hat uns angetrieben, diesen Schritt zu tun? Wir hatten eine gemeinsame Vision, die wir auch vor der Reise aufgeschrieben haben. Ich schaue sie mir jetzt noch einmal mit neuen Augen an. Und ich möchte sie teilen.

    August 2017

    Unsere Vision: 

    • Wir bauen unsere Beziehung weiter aus,  gebaut auf Vertrauen, Ehrlichkeit, Offenheit, Intensität und Wachstum;   und geben dafür alles – mit der Vision, in diesem Leben und darüber hinaus gemeinsam den Weg ganz zu gehen
    • Wir bauen unsere Familie weiter aus, und öffnen für die Kinder einen geborgenen, sicheren Raum in dem Wachstum, Liebe und die Welt entdecken möglich ist. In der diese stark, geliebt, selbständig und frei in der der Welt heranreifen und ihrer eigenen unvergleichlichen Persönlichkeit einen Ausdruck verleihen und ihren eigenen Weg gehen können.  
    • Wir bauen unseren Freundeskreis weiter aus – mit dem Ziel, zu teilen, Kraft, Liebe und Stärke zu geben und die Verbindung zum Großen, Ganzen und Wunderbaren spürbar zu lassen.  Uns zu verbinden und zu vernetzen – über das ganze globale Dorf, emotional wie technologisch. 
    • Wir bauen unsere Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit weiter aus: mit dem täglichen Fokus auf die Vision und die kleinen Schritte: durch die Projekte und Investitionen mit dem Ziel, nach unseren Vorstellungen und Interessen von überall  arbeiten zu können wie wir es wollen. Dazu bauen wir unsere Homebase für uns und unsere Kinder in Berlin aus und sind zugleich Teil der globalen „sharing economy“. 
    • Wir bauen den Weg der Befreiung weiter aus. Im Kleinen durch Selbsterfahrung und mutige Schritte, im Freundeskreis durch Teilen, mitteilen und einladen und im Großen durch schrittweisem Vernetzen, geben und aktiv den Weg gestalten, zusammen mit allen, die diese Leidenschaft teilen und darüber hinaus. 
    • Wir bleiben fasziniert und neugierig,  offen für Veränderungen, mit dem „Geist des Anfängers“ für neue Erfahrungen, Ideen, Möglichkeiten, nehmen diese an und nutzen sie und erforschen gemeinsam mit den Kindern neue Wege des Lernens, Wachsens und kreativ Gestaltens: Unseres eigenen Bewusstseins, unseres Lebens, der ganzen Welt. 
    • Wir sind Wegbereiter des universalen Bewusstseins auf seinem Weg durch die Evolution hin zu einem höheren Zustand, den wir gerade erst halb geschritten sind. 

    Dafür: 

    • Nehmen wir uns ein Jahr frei, um die Welt mit den Kindern zu bereisen und uns darin neu zu entdecken
    • Arbeiten wir kontinuierlich und mit hohem Einsatz an Energie, Liebe, Aufmerksamkeit und Intelligenz an unserer gemeinsamen Vision – täglich in den kleinen Schritten
    • Üben wir uns im Annehmen, Vertrauen, Öffnen, Geben, gemeinsam Wachsen und den anderen frei sein lassen zu können
    • Sind wir dankbar, dass wir dieses Geschenk des Lebens in seiner wunderbaren Vielfalt gemeinsam mit so viel Glück und Tiefe erleben dürfen

    Konkret:

    • Besprechen wir uns regelmäßig und unterstützen uns gegenseitig
    • Fokussieren wir uns auf die wesentlichen Dinge, um diese voranzutreiben
    • Nutzen wir Werkzeuge wie To-Do-Listen, gewaltfreie Kommunikation, Meditation, Getting Things Done, Checklisten, kurzes fokussiertes Schreiben  und all die Methoden, die uns auf diesem gemeinsamen Weg unterstützen können
  • Meine 10 Gebote

    Meine 10 Gebote

    Mittwoch, 16. August 2018, 23.50 Uhr an der Unterweser

    Meine 10 Gebote

    Es muss 20 Jahre her sein, da habe ich einen kleinen „Spickzettel“ für den Geldbeutel erstellt und in kleiner Schrift augedruckt. Wie bei jedem guten Spickzettel wirkt er meist am Besten, wenn man ihn nicht nutzt. Aber er hat doch gute Dienste geleistet, war immer dabei. Und über die Jahre habe ich ihn immer mal wieder durchgelesen. Wenn ich gerade nichts anderes zu tun hatte. Oder Inspiration gesucht habe. Auf eine Art stellt er aber sehr gut das zusammen, was ich mir auch heute noch inspiriert: Und bevor der Zettel unleserlich geworden ist, habe ich ihn einfach heute Abend noch mal abgeschrieben:

     

    1. Trust in existence

    You are truly at home in the universe. You have nothing to lose, but everything to win. Alles was du befürchtest sind bloß deine eigenen Projektionen. Die Wirklichkeit ist unendlich gut. Du bist bereits erlöst. Du bist bereits erleuchtet.

    1. You create your own reality

    Every morning you decide. Every moment is your choice. You have the power. Wer erkannt hat, dass er der Schöpfer seines eigenen Universums ist, dessen Leben wird nie wieder gewöhnlich sein. 90% aller Fehler entstehen nicht durch mangelnde Logik, sondern durch die falsche Wahrnehmung, Alles hängt von deiner Perspektive ab. Alles hängt von deinem Referenzsystem ab, nach dem du deine Wirklichkeit konstruierst. Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen. Alles ist möglich,  minus X. X muss durch deine Erfahrung bestimmt werden. Mein Glaube ist unglaublich. Buddha: Alles was du bist, sind deine Gedanken. NLP: Wir reagieren nicht auf die Außenwelt, sondern auf unsere Abbildung der Außenwelt. Die Karte ist nicht die Landschaft. Das Wort ist magisch. Fuller: Experiencing is the key.

    1. Follow your nature

    Tu was du willst. Wenn du deiner persönlichen Legende folgst, wenn du deinen Traum verwirklichst, wenn du dich selbst entfaltest, wenn du dir bei deiner eigenen Entfaltung nicht in Wege stehst, wenn du dich traust du selbst zu sein, wenn du dir bei der Realisierung deines höheren Selbst hilfst, dann verschwört sich das Universum dir dabei zu helfen. Try it. Feel it. See it. Believe it.

    1. Take control and let it flow

    Handel. Übernimmt die Kontrolle über dein Leben. Fokussiere dich. Konzentriere dich. Stehe im Mittelpunkt. Sei ein Kraftzentrum. Steh im Mittelpunkt deines Lebens. Entwerfe dein Leben, deine Zukunft, dich. Trau dich. Nie waren die Chancen größer als heute. Practice life-design. Wenn du realisierst, dass du die Kontrolle, die Kraft, die Macht hast, dann kannst du sie loslassen. Dich fallen lassen. Den Fluss fließen lassen. Durchs Loslassen ans Ziel kommen. Die Geheimnisse des Tao nutzen. Zen praktizieren. Im Moment sein. Jeden Moment vollständig spüren. Realisieren wie alles wunderbar ist.

    1. Keep it simple

    Suche den einfachen, besseren Weg. Einfach für Dich oder einfach für die anderen. Einfach ist elegant. Einfach ist prägnant. Einfach ist ansteckend. Einfach hat Erfolg. Einfach ist besser. Einfach funktioniert einfacher. Einfachheit ist ein Ziel, das nicht immer leicht zu erreichen ist. Sich aber immer lohnt. Einfach spart Zeit. Einfachheit produziert mehr Energie als es verbraucht. Einfach denken bedeutet, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Einfach zu sein heißt Entscheidungen treffen können. Das Gehirn sucht nach einfachen Mustern. Einfachheit macht ruhig, sicher, frei, glücklich.

    1. Keep moving.

    Motion is emotion. Du steigst nicht zwei mal in den selben Fluss. Alles ist in Verwandlung,. Alles ist in Bewegung. In dir lebt alles. Um dich lebt alles. Alles lebt unglaublich schnell. Je mehr du dich bewegst, desto flexibler wirst du. Desto schneller wirst du. Desto flexibler bist du. Ein System wird von dem flexibelsten Element bestimmt. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Leben ist Bewegung. Dein Körper liebt elegante Bewegungen. Dein Gehirn liebt elegante Gedankengänge. Denken bedeutet, den Standpunkt ändern zu können. Bewegen hält jung. Bewegung hält offen.

    1. Don´t let another day go by without the magic touch

    Mach aus jedem Tag dein Meisterwerk. Erlaube dir das Besondere zu suchen. Spüre den Wind. Halt für einen Moment inne und schau den Sternenhimmel an. Sieh das Lächeln des Mädchens. Sieh das Kind rennen. Sieh das Wunder der Natur. Spüre die eigenen Glückgefühle. Höre den Zauber der Musik. Spüre die Liebe, die Freundschaft. Halt inne und genieße. Genieße den Schluck kaltes Wasser, den Wein, das Bier, das Stück Fleisch, den Kaffee am Morgen, die heiße Dusche, das warme Bett. Die Freuden des Körpers. Die Schönheit des Mädchens, der Frau. Danke dem Universum. Tanze. Lache. Tob dich aus. Feiere. Sei bescheiden. Sei übermütig. Sei frei.

    1. Set up your own standards and live according to them

    If you don´t have a plan, you´re just part of somebody elses plan.  Define your standards. Be proud to live according to them. Feel strong when you overachieve. Setze Dir hohe Standards und übererfülle sie. Trainiere. Hilf deinen Freunden. Werde reich, erfolgreich, erfahren, spirituell. Vielseitig. Sei besser. Sammle Erfahrungen. Lebe international. Spreche viele Sprachen. Lebe nichtlokal,. Entwickle ein höheres Bewusstsein. Schreibe Tagebuch. Schreibe Bücher. Trainiere Vorträge. Denk einfach. Schreibe, spreche mehr. Sei vorbildlich. Erlaube dir mehr und erwarte mehr von dir. Sei ehrgeizig. Sei nobel. Sei stolz. Sei weise.

    1. Creativity. Consciousness. Compassion.

    Du stehst ganz am Anfang. Versuche mit 75 die Kreativität eines Vierjährigen zu haben. Sei überraschend. Sei liebevoll. Gebe. Tausche aus. Arbeite mit an der Evolution des Bewusstseins. Sei Zukunftsagent. Suche dir große Vorbilder. Sei wählerisch und suche dir deine Information genau aus. Stell dich auf dein Gegenüber ein. Lies die Werke großer Leute. Sei mutig. Erkenne deine Fehler und verbessere dich. Wechsel den Standpunkt. Sei nachgiebig und hole nach. Spüre die kosmische Energie. Mache Meditation, autogenes Training, kreative Visualisierung. Öffne dich. Versuche mehr zu geben. Erlaube dir mehr zu nehmen. Steh zu deiner wahren Größe.

    1. Everything can be made better

    Verbessere dich täglich. Erfinde neue Werte, neue Ideen, neue Konzepte. Nimm als Motto “Das kann es noch nicht gewesen sein”. Sei maßlos. Constant and never ending improvement. Erfinde Verbesserungen, die Spaß machen. Erwarte das Paradies auf Erden. Arbeite an seiner Verwirklichung. Sei großzügig. Erkenne täglich neue beschränkende Glaubensmuster und befreie dich von ihnen. Lebe high. Lebe virtuos. Be yourself. Be better. You´re not good being anybody else. Dreh dir den Film deines Lebens. Erreiche höhere Sphären, als du zu träumen gewagt hast. Lerne zu fliegen. Beginne jetzt.

  • Sommerfreuden

    Sommerfreuden

    Sonntag, 12. August 2018, um Mitternacht an der Unterweser bei Bremen.

    Schon Montag Abend saß ich im Anzug im Zug nach Bayern, Dienstag spät beschleunigte der ICE schon wieder hinter Erfurt auf 300 Km/h. und brachte mich wieder vom Kunden heim. Mit der Neubaustrecke von Berlin nach München ist Deutschland wieder ein Stückchen kleiner geworden. Mein Laptop wollte nun partout nicht mehr, und so war ich bis Donnerstag damit beschäftigt, parallel zu arbeiten und den neuen Rechner einzurichten. Gutes Training zum ankommen. Nun also am Freitag den Wohnwagen wieder an der Dahme abgeholt, die Solarbatterie und das Steuergerät wieder ans Kabel angeschlossen und siehe da: auch zwei Jahre später liefern die beiden 70 Watt-Solarpanels auf dem Wohnwagendach wieder Strom. In der warmen Dahme herrlich erfrischend geschwommen und dann das ganze Gespann zurück nach Hause, die Kinder eingeladen und raus ins Grüne. Als Tara den Wohnwagen sieht leuchten ihre Augen auf und man merkt, sie denkt es geht wieder los.

    Hinter Nauen schon wird es ländlich, Kopfsteinpflaster, über alte Alleen. Schon eine Stunde von daheim ist das Umland grün und einsam.

    Das Navi führt ins Nirgendwo, bis ein Bagger vor uns erkennt das wir uns verfahren haben. Ein junger Mann steigt aus: Wollt ihr zum Festival? Ich zeige euch den Weg! Über Waldwege und Wiesen kommen wir dann gut ab, nur nicht den offiziellen Weg.

    Schön ist es hier, schön ist es in Deutschland. Auf dem kleinen kinderfreundlichen Fest sind schon viele liebe Freunde und bald ziehen unsere Jungs und Mädels in Gruppen von 10 oder mehr übers Gelände. Ich hole Nadine vom Bahnhof Nauen ab, wieder geht es über alte Betonplatten-Wege durch malerische Alleen. Als Nadine da ist will Tara schon vor mit ihr: „ich zeig Dir die Disko“meint sie.

    Und abends ist die ganze Gruppe unserer großen Kinder und deren Freunde vorne mit dabei und tanzen wild, die Kleinen schlafen im Wohnwagen. Wir freuen uns wie es allen gefällt und dass sich hier liebe kreative Menschen die Arbeit machen, so ein Fest für die ganze Familie zu organisieren.

    Und ich liebe sie weiter, die Open Airs im Sommer um Berlin, auch nach über 20 Jahren.

    Nach zwei Nächten mit Lagerfeuer und in der Natur ging es dann heute Mittag alleine mit 6 Kindern Richtung Bremen. Mit Percy Jackson und den griechischen Sagen als Hörspiel und Velis als DJ vorne der die Lieblingshits auf Zuruf spielte („wie heißt die Mutter von Nikki Lauda: Mama Lauda!‘) waren wir auch trotz Wohnwagen gefühlt schnell die 400 km bis an die Unterweser, meinem Lieblingsurlaubsort und dem Ort in Deutschland wo ich jedes Jahr immer war. Wir kamen bei Hochwasser an, und es gab ein großes Wiedersehen mit meinen Eltern, die wir vor 2 Monaten in Las Vegas verabschiedet hatten. Wir gingen noch schwimmen und die Kinder danach noch alle in den Schlick. Bis dann alle wieder sauber, satt und im Bett waren war es spät.

  • Leben ist Bewegung

    Leben ist Bewegung

    Leben ist Bewegung

    Samstag, 4. August, 2018, 19.52, eine Kleingartenanlage im Norden Berlins.

    Mit einem Jahr Abstand sieht man viele Dinge in einem neuen Licht. Der über viele Jahre bearbeitete, häufig besuchte und dann etwas in Vergessenheit geratene Kleingarten mit der Laube darauf hat wieder einen ganz besonderen Reiz.

    Ok, es war eine von meinen schwungvollen Ideen, hier mit den Kindern und den Fahrrädern die 10 km durch Prenzlauer Berg und Pankow zu fahren. Bis dann alle drei Fahrräder aufgepumpt, die Sättel neu eingestellt und der Fahrradanhänger mit Tara und Morpheus beladen waren und wir aufbrechen konnten, bei Gefühlt 35 Grad im Schatten dauerte es ein wenig.

    Als dann aber schließlich alle vergnügt mit Sack und Pack die sommerlichen Straßen und Wege ins Grüne rollten, kam bei mir richtig Freude auf.

    Fahrradfahrer nimmt schließlich in meiner Lebensphilosophie einen zentralen Baustein ein. Gerne würde ich hierfür auch bei meinen Kindern die Leidenschaft wecken. Mit Stop beim Aldi fürs Eis auf halber Strecke an der großen Fußgängerbrücke über die Bahngleise haben es alle gut gemeistert – natürlich mit den üblichen kleinen und größeren Herausforderungen und Trainingssituationen zum Ruhe bewahren.

    Es hat mich schon seit klein auf begeistert, wie hier der Mensch die Evolution überboten hat. Kein Lebewesen schafft es sich mit weniger Energieaufwand pro Kg fortzubewegen als der Mensch auf dem Fahrrad. Es ist die Technik die es möglich macht.

    Seit der genialen Idee eines Deutschen vor 200 Jahren ein Laufrad aus Holz zu bauen- weiter entwickelt wurde es immer leichter zu fahren. Übrigens auch damals aus einer Klimakatastrophe entstanden: durch einen Vulkanausbruch in Indonesien kam es zur globalen Verdunklung der Erde, die Temperatur sanken und der Sommer und die Ernten fielen aus. Da es nicht einmal mehr genug Futter für Pferde gab, überlegte sich einer wie der Mensch selbst so schnell wie ein Pferd sein kann. Und das erste Laufrad entstand. Der Rest ist Fortschritt und Geschichte.

    Aber das Fahrrad fasziniert mich auch als eine Maschine, die man als Jugendlicher noch selbst verstehen und beherrschen kann. Als ich schließlich mein erstes Fahrrad vollständig aus einem Hercules- Sperrmüll- Rad und weiteren Ersatzteilen selbst neu zusammengebastelt hatte kannte ich jede Schraube. Selbst die 3-Gang Nabe von Fichtel und Sachs hatte ich bis zur letzten Feder zerlegt und wieder zusammengesetzt.

    Mit dieser Technik also kann der Mensch mit eigener Kraft sich bewegen. Gepäck transportieren, reisen. Mit Kosten von vielleicht 5 Euro pro Monat. Und schließlich wurde, als der Walkman erfunden war mit Musik im Ohr die Welt mit Gefühl „erfahrbar“.

    Und da es Sport ist, erzeugt es eine Verbindung mit dem Körper, mit den Gegensätzen der Anstrengung beim Bergauf fahren und der Freude wenn es herab rollt. Es sind Gefühle, man spürt den Körper.

    Da ich erst mit 30 den Führerschein gemacht habe war davor alles mit dem Fahrrad oder der Eisenbahn zu machen mein Credo. Und ich habe viele intensive Erfahrungen der Jugend und Studentenzeit mit dem Fahrrad erlebt oder auch beim Radfahrern verarbeitet.

    Ja, und so ganz nebenbei löst es noch ein paar weitere Grundprobleme der Moderne, so habe ich dabei immer gedacht: In einer Welt, wo wir uns zu wenig bewegen, zu viel sitzen, zu wenig unsere aufgestauten Energien ausarbeiten können, zu viel im „Kopf“ uns aufhalten und den Körper vergessen ist das Fahrrad ein ideales tägliches Training – praktisch umsonst und in den ganz normalen Alltag zu integrieren.

    Ein Großteil unserer täglichen Wegstrecken sind unter 10 Km. Statt mehr zu arbeiten um das für Auto für den Weg zur Arbeit zu bezahlen und dann abends mit dem Auto zum Fitnessstudio fahren zu können, wo man dann auf dem Fahrradtrainer Fernsehen kann, könnte man doch einfach – mit dem Fahrrad fahren.

    Und- mittlerweile ist klar und die Wissenschaftler sind sich einig: täglicher Sport verlängert nicht nur das Leben und beugt vielen Leiden vor, es schütz auch vor Depression und wirkt stimmungsaufhellend.

    Und dann ist da ja noch die Umwelt…

    Es ist also billiger, gesünder, effizienter und umweltfreundlicher. Und macht Spaß.

    Da habe ich auch die Idee her: „Effizient ist Schönheit“. Es gibt bessere Lösungen. Diese können eine innere Eleganz haben, die ausstrahlt.

    Und ich glaube auch daran: wenn wir die gesammelte Effizienz von Millionen von Jahren Evolution in uns tragen, dann sind wir auch auf das Laufen trainiert. Aufs Rennen, springen, fangen, tragen.

    Wir sollten uns über jede Gelegenheit freuen uns körperlich bewegen, anstrengen, verausgaben zu können. Die Natur ist effizient. Ich rätsle immer noch jeden Morgen warum 95% der Menschen die Rolltreppe am Bahnhof nehmen, den Aufzug im Büro oder das Förderband am Flughafen. Sie sind langsamer als ich zu Fuß. Und nutzen die Chance nicht, sich zu bewegen.

    Aber auch noch eine andere Form der Bewegung scheint mir eine ganz wesentliche Bedeutung für uns Menschen zu haben. Es ist der Tanz.

    Ich muss zugeben, ich habe dazu ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Das, was ich als „Tanzkurs“ mit 16 gemacht habe fand ich furchtbar. Nach Vorschrift Bewegungen auswendig lernen, nein, nichts für mich. Und – ich war darin miserabel.

    Aber dann kamen die ersten Abende in der Disko. Mit dem gefälschten Schülerausweis, damit ich als 16jähriger mit dabei sein durfte, wo Einlass ab 18 war. Das war eine ganz neue Welt. Dazu Bier. Und Nachts mit dem Fahrrad gerade irgendwie wieder nach Hause geschafft.

    Mein Eltern vertrauten mir und es gab keine Verbote oder Sperrstunden, und so war die Party bei einem Schulfreund aus einer höheren Klasse bald der gefühlte Höhepunkt des Jahres.

    Und dann, in Ost-Berlin Anfang der 90er Jahre angekommen gab es dann diese ganz neue Erfahrung. Da spielte man Musik, die wie aus dem Weltraum oder der Zukunft klang. In unterirdischen Katakomben im Niemandsland des Mauerstreifens. Da gab es Happenings, bei denen eine MiG der Russen in Flammen aufging, unter martialischem und elektronischen Klängen. Es war Techno, was ich da hörte. Und für mich war es klar: das ist der Klang meiner Zeit. Was Rockmusik in den 60er Jahren war, das war für mich Techno. Nicht nur Musik, ein Lebensgefühl. Unbeschreiblich und unglaublich intensiv.

    In den Nächten im Stroboskop des E-Werks und so vieler anderer wunderbarer und wieder vergessener Orte und Rauminstallationen wurde etwas zelebriert, was mit der Vergangenheit nichts mehr zu tun hatte.

    Und da kam auch meine Begeisterung her: es ist diese Musik, die aus der Zukunft zu kommen scheint, mit ihren düsteren, euphorischen und einpeitschenden rhythmischen Tönen, die mir in so mancher bis zur völligen Erschöpfung und Ekstase durchgetanzten Nacht klarmachte, dass der Tanz eine Verbindung herstellt.

    In der Dunkelheit, Nebel und Blitzgewittern, Laserstrahl und den ohrenbetäubenden Bass, der den ganzen Körper durchdringt war mein Platz ganz vorne, wo es am lautesten war. Give yourself over. Übergebe dich einer größeren Macht. Und zwischen Anstrengung, Euphorie und dem unbedingten Willen alles, aber auch alles zu geben, ganz, vollständig in jedes Gefühl zu gehen habe ich mich verändert, befreit.

    Habe durchgearbeitet und durchgestanden, den ganzen Film im Kopf den wir alle kennen. Wie soll es werden, wie werde ich es schaffen, wo ist mein Platz, warum muss ich das alles machen, was ist die Lösung?

    Und irgendwann, irgendwie war immer die Einsicht da, das Gefühl erreicht wo ich fühlte, wusste, es im Körper spürte: es wird alles werden. Es ist schon alles gut.

    Ich brauche nicht das Leben eines anderen zu führen, ich werde das machen was ich will. Ich werde mich trauen, ich selbst zu sein. Ich werde nicht mein ganzes Leben mich fühlen als müsste ich eine Schuld abarbeiten.

    War es ein Rennen, ein Kämpfen? Ein großer Teil der Kraft von Techno liegt in diesem heftigen, treibenden Bass und in diesem kämpferischen Ton: wir sind die Kinder dieser Industrie-Großstädte, das ist unsere Welt und wir werden sie uns erobern.

    „We’re not dropping our here, we are infiltrating and taking over“- so hieß in einem Stück ein Slogan – genau das war auch mein Gefühl.

    Und die Zukunft die ich dort spürte ist noch viel heftiger, moderner und futuristischer als wir es uns vorstellen können.

    Aber: und das ist entscheidend: sie ist positiv, optimistisch. Es gibt die, die sie meistern werden. Die, die in den Ruinen der Vergangenheit tanzen und wissen, es gibt einen Weg. Statt „No Future“ der 80er war sie jetzt da, die neue Zeit im Aufbruch. Bald auch immer mehr draußen, in stillgelegten Tagebaugruben, in Hangars russischer Flugplätze die jetzt verwaist waren. Wie auch immer die Zukunft aussehen mag: es gibt sie.

    Und dann, nach der dunklen Nacht gab es die Sonnenaufgangsmusik- sphärische Klänge, wunderbare Klangteppiche voller Erlösung für alle die, welche die Nacht gemeinsam durchgetanzt haben. Beglückende Momente der Gemeinsamkeit und Auflösung in Musik, Gefühl und Freude.

    Ich habe alle wesentlichen Entscheidungen in meinem Leben dort getroffen – in diesem Raum des Tanzes und der Musik, seit ich ihn kennengelernt habe. Es gibt den Moment, in dem es klar wird, wohin die Reise geht. Dann muss man es nur noch machen. So habe ich es erfahren.

    Und auch hier wieder: Rhythmus, Bewegung, Musik. Ist es ein Wunder, dass Kinder schon tanzen können, bevor sie sprechen lernen? Dass in jeder Kultur es Tänze gibt, aus den unterschiedlichsten Motiven?

    Um sich mit dem größeren Ganzen zu verbinden oder auch um die Begegnung zu ermöglichen, die unser Ursprung ist, die Begegnung von zwei Wesen die sich kennenlernen, ein Spiel spielen bevor sie möglicherweise ihre Gene austauschen. Wenn die Anziehungskraft so stark wird, wir neues Leben erzeugen können, indem sich die zwei Stränge der Desoxiribonukleinsäuren, unsere DNA in einer kunstvollen Doppelhelix umeinander winden – in einer einmaligen, noch nie dagewesenen Kombination beider Partner.

    „Creation is a dance“

    Und so führte mich die Bewegung der Rückkehr zurück nach Deutschland, gleich wieder im Chaos der Wohnung zwei Tage an den Laptop um bis zur Deadline meinen Arbeitsanteil fertig zu stellen und dann direkt loszufahren- den 40 Jahre alten Wohnwagen nach einem Jahr unter Bäumen mit Hilfe eines Freundes wieder anzuhängen und gegen Mitternacht in Polen wieder auf dem kleinen feinen Festival zu landen, dessen Bändchen ich ein Jahr am linken Arm um die Welt getragen habe. Darauf steht: Alles ist gut.

    Und es war gut, sehr gut sogar. Ein freudiges Wiedersehen von vielen lieben Menschen, herrliches Wetter und kühle Augenblicke im See. Und natürlich die Nacht vorne, links an den Boxen.

    Wir haben uns die freie Zeit geteilt: ich die ersten beiden Nächte, Nadine die zweiten. Und so war ich heute um 14.00 wieder in Berlin, übernahm die Kinder, und Nadine fuhr wieder los. Und ich brach direkt mit den Kindern in den Garten auf. Auch da noch mal viel Bewegung, zu fünft auf dem Trampolin: Kinder brauchen nicht darüber nachdenken, dass Bewegung Lebensfreude ist. Jetzt schlafen alle im Gartenhäuschen und ich gleich auch. (23.52)

  • In Berlin sprechen alle Deutsch

      31. Juli 2018, 23.03 Uhr, Berlin, wieder daheim!

    „In Berlin sprechen alle Deutsch“

    Kurz: Es ist großartig wieder daheim zu sein! An der Gepäckausgabe auf die Taschen zu warten, während draußen schon Familie und Freunde standen war gefühlt die längste Zeit, die ich je auf das Gepäck gewartet habe.

    Am Ende war alles da und wir waren alle erstaunt wie heiß es hier ist. Irgendwie schien alles in einem besonderen Glanz zu strahlen in Deutschland, aber das muss sicher an meinen Augen liegen..

    Auch in unserer Wohnung war alles wiederzuerkennen, man kann also seine Wohnung an einen jungen Israeli vermieten und ihm auch Untervermietung erlauben, ohne dass alles nachher nicht wiederzuerkennen ist.

    Zuerst wollte Velis aber einmal im die Ecke zur Schule rennen, so fehlt er auf dem Foto, dafür durfte Tara’s Kusine mit drauf!

    Selbst Lysander, der schon tagelang sauer war dass jemand in seinem Bett geschlafen hat schlief abends glücklich auf seinem Hochbett wieder ein – nachdem er das große Beatles-Buch wieder aus dem Abstellraum herausgezogen hat.

    Vor allem stürzten sich die Kinder auf das eine Zimmer, in dem alle Schätze versteckt waren. Wir hatten ja all unser Zeug in einem Raum der Wohnung aufgetürmt und diesen abgeschlossen. Jetzt musste man erst mal gut darin lüften. Und alle zogen alle Kisten wieder heraus und waren einfach nur begeistert. Velis hatte sein Riesen-Glubschi wieder, baute Türme aus Kapla und Tara spielte stundenlang still mit Holzklötzen. Morpheus baute gleich die Lego-Eisenbahn auf, so dass es nach wenigen Stunden in der Wohnung nur noch ein Chaos von Taschen, Spielzeug und vielen vielen Sachen war. Und da nach kurzem auch eine Überraschungsgruppe an Freunden vor der Tür stand, waren wir mehr als baff und freuten uns, übermüdet von wenig Schlaf und 18 Stunden Reisen alle sehr. Jetzt sind wir also wieder da. Und fahren so schnell erst einmal nicht wieder um die Welt.

    Tara erkundete den Hof mit dem Laufrad, sah dort einen Laster bei dem Baumaterial abgeladen wurde und meinte nach kurzer Zeit zu mir: „In Berlin sprechen alle Deutsch. Auch die Bauarbeiter und die Autofahrer. Nur manche sprechen Englisch.“ Als wir dann Tara und Morpheus schon gleich zur Kita mitnehmen wollten, gab es erst einmal Protest. Ein Eis an der beliebten Eisdiele an der Ecke half dann als Motivation. Dabei ging es ja nur darum, den heißbegehrten Vertrag zu unterzeichnen und einmal die Gruppen anzuschauen. Doch wir wurden sehr freundlich empfangen und in der Gruppe von Tara wusste man gleich Bescheid: Auch schon Lysander war dort vor 10 Jahren gestartet, und der Erzieher erinnerte sehr gut an ihn. Auch gibt es schon eine Tara in der Gruppe, bei ihr sind wir mit dem Namen mal im Trend gelegen…

    Nur Morpheus schaute sich sehr cool die Kinder an und wollte gleich wieder gehen. Es wird für ihn eine Umstellung nicht mehr mit den „großen Jungs“ den ganzen Tag zusammen zu sein. Aber da er Anfang Oktober geboren ist, ist er nach der neuen alten Regelung wieder erst nächstes Jahr mit der Schule dran. Und wir gönnen ihm noch das eine Jahr Spielkind sein.

    Wir sind gleich wieder im normalen Rhythmus drin, gehen kurz vor 12 ins Bett und stehen um 7 Uhr auf – als wäre es nichts gewesen. Nur nachmittags kommt dann eine Müdigkeit auf, aber die mag auch an der Hitze liegen: und daran dass so viel zu tun ist. Ich fahre gleich mit Fahrradanhänger zum Großeinkauf zu Aldi und verzichte auf beim Kauf auf Fleischprodukte – schließlich ist Sport und Ökologie kein Gegensatz und ich habe noch einiges zu tun, um den Klimawandel nicht noch weiter zu beschleunigen…

    Aber nachdem das Klettergerüst wieder aufgebaut ist im „Spielzimmer“, war ein entscheidender Schritt geschafft. Das, so meinte alle Kinder während der Reise, sei das beste Geschenk dass sie je bekommen hätten. Ich kann es auch uneingeschränkt empfehlen. Das KletterDschungel Turnset ist ein Berliner Produkt, lässt sich zwischen Fußboden und Decke einspannen und man kann daran alles machen was Kinder liebt: Klettern, Schaukeln, an Ringen hängen, Klimmzüge machen, rutschen… Ganz großes Kino, besonders mit den Hartschaummatten aus gepressten Schaumgummiresten mit denen wir das ganze Zimmer immer auslegen. Sicher ist sicher. Der beste Freund von Lysi und Velis durfte gleich über Nacht bleiben, was alle sehr glücklich machte.

    Berlin ist erstaunlich leer in der Schulferienzeit, und auch wir fuhren abends noch mit Freunden an den See heraus um den Abend gemeinsam zu genießen. Sozusagen der letzte Abend, morgen geht es auch schon bei mir wieder los mit der Arbeit. Und wie Nadine schon meinte, „Wir werden hier auch wieder gebraucht“ – auf einmal erscheint ein aufgeregter junger Mann und fragt: Ist hier ein Arzt oder Rettungssanitäter? Und siehe da, ein junger Mann mit offensichtlichen Problemen liegt da und windet sich am Boden. Er sieht bewusstlos aus, ist aber wohl doch ansprechbar als ich mich als Arzt vorstelle und versuche herauszubekommen was mit ihm los ist. Er reagiert nur mit dem Zeigefinger zwischen krampfartigen Windungen und kann mir nach und nach erläutern, er hätte vor Jahren einmal einen Pneumothorax (ein Riss in der Lunge, bei dem plötzlich Luft in den Pleuraspalt eindringt und die Atmung lebensgefährlich behindern kann) gehabt. Wie ich es schon oft in solchen Situationen erfahren habe hilft es enorm, wenn jemand dabei ist der als Arzt Ruhe ausstrahlen kann und beruhigend einwirken kann, viel mehr konnte ich auch nicht tun. So konnten wir die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken (was für ein Glück in Deutschland zu sein wo der Rettungswagen nach maximal 15 Min vor Ort ist!), und der junge Patient konnte ins nächste Krankenhaus gebracht werden. Ich dachte dann nur zurück, wie lange es wohl in Patagonien dauert, wo man stundenlang keine Menschenseele sieht bis Hilfe kommt…

    Und so fahren wir mit dem Gefühl großer Dankbarkeit nach Hause, dass wir so gesund und beschützt um die Welt reisen konnten, ohne dass wir auch nur daran denken mussten Hilfe zu suchen..

    Und was für ein Geschenk wieder daheim zu sein, in der Wohnung und auf dem Balkon noch mal die warme Sommernacht eines so langen Tages zu genießen.

    Danke an alle für den tollen Empfang wieder daheim!

  • Around the World (2017-2018)

    Around the World (2017-2018)

    Samstag, 28. Juli 2018, 21.52 Uhr, Hotel Manquehue, Aeropuerto Santiago de Chile

    Weltreisekarte

    Am Horizont der 7-Millionen- Metropole Santiago de Chile sind die schneebedeckten Andengipfel noch einmal in ihrer vollen Pracht in der Sonne zu sehen, als wir unseren letzten Tag in Südamerika verbringen. Eine nette Siedlung von Einfamilienhäusern bot einen Chinesen der leckeres Essen für uns bereitete und einen Spielplatz, an dem sich noch mal alle austoben konnten. Fußball, Volleyball, Faules Ei, Fangen spielen. Doch über uns sieht man schon die Flugzeuge starten. Es sind viele Langstreckenflugzeuge – wer von Santiago abfliegt hat meist lange Strecken vor sich. Nach Rom sind es 14 Stunden, nach Los Angeles 11 Stunden.

    Auch unserer Heimflug wartet, nach fast einem Jahr geht es morgen früh zurück in die Heimat, nach Berlin. Wir sind alle auf eine Art glücklich und aufgeregt. Glücklich, weil wir es geschafft haben. Und weil es daheim all das gibt, was jeder auf seine Art vermisst hat. Manche das Spielzeug, das Essen, andere die Freunde, ein paar Stunden für sich. Die eigene Wohnung. Und aufgeregt, weil alle gespannt sind, wie es sein wird wieder daheim zu sein.

    Wir haben etwas Einmaliges erlebt, das ist klar. Es war ganz vorne vor allem ein Familienjahr, ein Jahr gemeinsam, Tag und Nacht, 24h auf engstem Raum und in großartigen Weiten. Ein Jahr unterwegs, mit ständig neuen Orten, neuen Ländern, unterschiedlichen Kulturen. Wir haben viel, wirklich viel gesehen. Und wir haben einen kleinen Eindruck von der Welt gewonnen.

    Es stimmt, die Welt ist wirklich groß, und mit je drei Monaten für Afrika, Asien, Australien und Amerika haben wir natürlich nur kleine Ausschnitte gesehen. Von den 55 Ländern Afrikas waren wir mit Ägypten, Namibia und Südafrika nur in drei, von den 47 Ländern Asiens waren haben wir  gerade vier gesehen, vor allem Indien, waren nur kurz in Bangladesch, zwei Wochen in Indonesien und kurz in Japan. In Australien und Ozeanien haben wir in sechs Wochen nur die Ostküste Australiens abgefahren, und in zwei Wochen zwei der acht Inseln Hawaiis besucht.

    In Nordamerika waren wir in unseren fünf Wochen in Washington, Oregon, Kalifornien, Nevada, Colorado und Arizona. Und in sieben Wochen Lateinamerika war wir neben einem Stopover in Panama vor allem in Peru, für Bolivien, Chile und Argentinien hatten wir nur 3 Wochen.

    Doch für diese Reise ist es genug. Und wir haben einen guten Eindruck gewonnen. Die Welt, die wir gesehen haben ist friedlicher, wohlhabender und ungefährlicher, als wir es uns meist vorstellen. Sie ist vertrauter und näher, als es viele Berichte erscheinen lassen. Wenn es ein verbindendes Element gibt; dann dass überall die Menschen auf ihr Handy schauen.

    Wir wurden freundlich empfangen, überall. Man hat uns nichts geklaut, es ist auch bei all den Flügen kein Gepäck abhanden gekommen oder nur verspätet angekommen. Wir waren nie richtig krank, von gelegentlichen Erkältungen wie auch daheim mal abgesehen. Und auch unsere Liebsten daheim sind gesund geblieben – was für ein Glück!

    Es gab keine Probleme bei Grenzübertritten oder mit Polizeikontrollen, ein einziges „Ticket“ wegen zu schnell fahren in den USA wurde uns mit der Erläuterung überreicht, wir sollten dies doch bitte verschweigen und einfach wegschmeißen – niemand würde uns über die USA hinaus nachverfolgen.

    Und wir hatten auch mit insgesamt fünf Wohnmobilen in vier Monaten, mit vier Mietautos, vier Rollern und über 20.000 Km auf den Straßen der Welt die wir selbst gefahren sind keinen Unfall. Wir haben keinen Arzt aufsuchen müssen und unsere Auslandskrankenversicherung wurde nicht benötigt.

    Es ist fast schon erstaunlich, wie einfach und sicher die Welt geworden ist. Man braucht keine Papierausdrucke mehr von Flugtickets oder Hotelreservierungen, eigentlich alles lässt sich mit dem Handy erledigen. Geld bekommt man fast überall auf der Welt mit der Kreditkarte aus dem Geldautomat, vorbei sind die Zeiten der Bardollar und Travellercheques. Und man kann sich problemlos flexibel und kurzfristig eine Reiseroute überlegen und Flüge, Unterkünfte, Züge, etc. von unterwegs buchen.

    Und in jedem Land in dem wir waren war es kein Problem für wenig Geld und schnell eine Telefonkarte zu bekommen – meist schon am Flughafen. Mit Whatsapp oder Facetime kann man dann auch länger mit daheim telefonieren und sich dabei sehen. Mit dem Blick auf die heimische Tageszeitung, Facebook oder die Mails ist man überall immer auch mit daheim verbunden.

    Zu sechst zu reisen ist meist unpraktischer als mit zwei Kindern. Ein normales Zimmer mit zwei breiten Betten hätte mit zwei Kindern genügt, wir waren so oft auf zwei Zimmer oder eine ganze Wohnung angewiesen. Auch mit dem normalen Taxi kamen wir nicht immer voran, haben oft zwei genommen oder nach einem Minibus Ausschau gehalten, und wir brauchten die extra große Ausführung an Wohnmobilen und den 7-Sitzer als Auto. Aber etwa mit Uber gibt es meist die Option Uber XL- und damit hatten wir in vielen Ländern der Welt leicht und günstig ein passendes Transportmittel in der Stadt.

    Wir sind meist selbst gefahren oder geflogen und haben uns die langen Bus- oder Zugfahrten erspart, die mit den Kindern eher eine Tortur gewesen wäre. Auch das macht das Reisen einfacher – keine morgendlichen Ankünfte am Busbahnhof, übermüdet, mit dem vielen Gepäck und umwimmelt von Taxifahrern. Das habe ich nie am Reisen geliebt und dank Uber ist es meist auch nicht mehr nötig.

    Denn – wir hatten viel Gepäck dabei, und nichts davon war unnötig. Von der Schwimmweste über Fußball und Volleyball, den zwei Legokisten und den zahlreichen Kuscheltieren bis zu den Bastelsachen, Ausmalbüchern und der Festplatte mit Kinderfilmen – alles kam immer wieder zum Einsatz. Genauso wie die Espresso-Kaffeemaschine, unsere Camping-Weingläser und auch die Hängematten, Schlafsäcke, Isomatten und Kissen. Einzig das Moskitonetz haben wir nicht gebraucht. Aber den Trolley dafür täglich. Eigentlich gab es immer etwas zu transportieren damit  – von der dreckigen Wäsche zum Waschsalon bis zum Einkauf oder einfach nur Tara, die keine Lust mehr hatte zu laufen.

    Die paar Bücher waren bald ausgelesen, aber manche Kinderbücher kamen immer und immer wieder zum Einsatz. Sonst wurde vor allem auf dem Kindle oder dem Handy mit der Kindle-App gelesen. Lysander beneidete Velis immer um die Mathe-Übungshefte; hatten wir für ihn doch nur ein Mathe-Lehrbuch dabei.

    Mein Macbook leistete wertvolle Dienste – als Backup für die Photos auf dem Iphone, zum Filme anschauen und auch zum Arbeiten. Es hat sich ausgezahlt, alle wichtigen Dokumente der letzten Jahre eingescannt und in der Cloud zu haben, vor allem für die Steuer. Denn natürlich kam die Steuerprüfung genau dann, als wir gerade unterwegs waren. Aber auch das lies sich von unterwegs lösen, wie die andere kleine oder größere Herausforderung daheim. Zwischendrin zeigte es auch Macken und stürzte immer unvermittelt ab. Aber auch das hat sich zuletzt wieder gebessert. Und da ich alle Daten immer in der Cloud und per Festplatte sichere, war es auch nie bedrohlich.

    Immer wieder wurden die Displays unserer Handys repariert, das geht ja mittlerweile auch beim Iphone 6 für 60 Euro; für Tara ist es machmal einfach schwer Conny oder Petterson und Findus zu schauen und auf das Gerät zu achten… Viel Musik dabei zu haben war auch wertvoll wie auch die Boom zum Hören – und das Spotify-Abo für Hörspiele und neue Musik.

    Am Spannendsten war sicher die Frage der Plätze für die Kinder nach der Rückkehr in Schule und Kita. Gestern schließlich kam auch die letzte Zusage, und die Kleinen können wieder zurück in die alte Kita am Kollwitzplatz, wo schon Velis und Lysander gewesen waren. Das ist ein großes Glück und wir sind sehr dankbar, dass man sich hier Mühe gegeben hat für uns noch zwei Plätze zu finden. Die Zusagen für Lysander und Velis für deren Schulen hatten wir ja schon vor ein paar Wochen und Monaten bekommen.

    Somit kann es daheim in geordneten Bahnen weiter gehen. Wir können wieder wie gewohnt den Großeinkauf beim Aldi machen, morgens Milchreis für die ganze Bande kochen und am Wochenende Tiefkühlbrezeln aufbacken. Die Kinder können im  Garten auf dem Trampolin springen, auf der Marie Fußballspielen und die Freunde um die Ecke treffen.

    Und wir leben dann nicht mehr aus den Koffern, haben eigene Zimmer und den unglaublichen Luxus, uns einen großen Teil des Tages einmal einer Aufgabe zuwenden zu können, die nichts mit Kindern zu tun hat.

    Und dennoch – es war die größte Herausforderung, aber auch das größte Geschenk so viel Zeit gemeinsam mit den Kindern gehabt zu haben. Wir werden dieses Jahr nie vergessen.

    Morgen um 10.50 Uhr starten wir mit Alitalia von Santiago de Chile, nach 14 Stunden erreichen wir Rom. Von dort geht es weiter nach Berlin, wo wir am Montag, den 30.07.2018 um 11.15 Uhr landen werden.

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  • Eine 100% regenerative Weltwirtschaft ist möglich

    Eine 100% regenerative Weltwirtschaft ist möglich

    Montag, 16. Juli 2018, 10.10 Uhr, Uyuni, Bolivien

    Eine 100% regenerative Weltwirtschaft ist möglich

    Viele Menschen machen sich Sorgen um den weltweiten Anstieg des CO2-Spiegels in der Atmosphäre. Zu Recht. Wir können schlecht das in Jahrmillionen von Pflanzen aus der Atmosphäre entfernte Kohlendioxid in wenigen Jahrzehnten zurück in die Atmosphäre transportieren und erwarten, dass dies keinen Effekt hätte.

    Der Streitpunkt lautet aber: wie können wir den Anstieg stoppen? Es gibt viele die propagieren, wir müssten dazu unser Verhalten ändern. Uns einschränken. Weniger konsumieren, weniger reisen, mit weniger Komfort leben.

    Dies mag eine reizvolle Idee für viele sein. Es stimmt, „zurück zur Natur“ hat eine große Anziehung. Es gibt einen globalen Trend zu gesünderer Ernährung, alternativen Lebensweisen, einem Leben mehr im „Einklang mit der Natur“.

    Schauen wir uns aber die Zahlen an, wird klar: Es wird allein durch Verhaltensänderung nicht funktionieren. Denn in keinem Land der Welt entscheiden sich die Menschen freiwillig für weniger Wohnraum, kältere Wohnungen, weniger Besuche ihrer Freunde und Verwandten, weniger Autos, Flüge, Produkte. Ausnahmen bestätigen hier die Regel.

    Und die Idee einer guten Ökodiktatur“ halte ich für äußerst gefährlich. Auch Hitler war ein Vegetarier, der Vollkornbrot und alternative Heilmethoden gefördert hat. Und der gleiche Putin, der ohne Probleme über seinen Vasallen Assad eine halbe Million Menschen im sinnlosen Syrien-Krieg grausam töten lässt, verkündet gerne seine „alternativen“ Ideen von einem Leben ohne Pharmaindustrie, Impfungen und rein ökologischer Landwirtschaft.

    Ich glaube nicht daran, dass man Menschen zu einem Verhalten zwingen sollte. Wenn es ihnen einleuchtet, werden sie sich freiwillig dafür einsetzen, ihre Zukunft nicht zu zerstören. Viele haben ja geglaubt, es ist erst 40 Jahre her, wir müssten die chinesische Ein-Kind-Politik mit Zwang auf der ganzen Welt verbreiten, um die Welt vor der Überbevölkerung zu retten. Jetzt, 40 Jahre später sehen wir – auch in den Ländern die nicht auf Zwang gesetzt haben ist die Reproduktionsrate auf ungefähr 2 gefallen – Tendenz weiter sinkend. Weil sich die Menschen freiwillig dafür entschieden haben, weniger Kinder zu bekommen.

    In ZEIT, Süddeutsche und anderen Medien lese ich jetzt etwa –Flugreisen sind ein Verbrechen. Das ist wohlgemeint, aber ich halte auch diese Einstellung für gefährlich. Hier wird ein Graben aufgerissen, ein Graben der Intoleranz. Und es sind immer die anderen, über die dann „hergezogen“ werden kann. Am Liebsten über die Pauschaltouristen. Als wäre das nicht eben gerade die Mehrheit der Bevölkerung, hart arbeitend, die sich das ganze Jahr darauf freut ein paar Wochen „Sonne tanken“ zu können.

    Es heißt dann immer: Man kann auch vor Ort Urlaub machen. Regional. Mit dem Fahrrad. Zelten. Wandern. All das ist richtig, und – ich liebe diese Art Urlaub zu machen sehr. Ich habe meine halbe Jugend damit zugebracht, mit dem Zug und Fahrrad durch Europa zu fahren. Aber – es war meine freie Entscheidung. Ich hatte viel Zeit und wenig Geld. Ich hatte keine Kinder. Ich wollte etwas erleben. Ich glaube, der regionale Tourismus hat eine große Zukunft, und er sollte gefördert werden.

    Aber: die Welt ist groß, und es ist ein Unterschied, ob ich in Brandenburg in einem Café sitze oder in Italien. Es ist ein Unterschied, ob ich in Ägypten sicher 35 Grad Lufttemperatur habe und 28 Grad im Wasser, oder ob ich an der Ostsee bin – wo es auch mal eine Woche regnen kann, genau wenn ich dort bin. Beides ist schön. Und es ist sehr schön, die Wahl zu haben.

    Wir Deutsche sind Reiseweltmeister. Das macht diese Diskussion noch fragwürdiger. Wir sind überall auf der Welt zu finden. Was ist denn mit den Chinesen und Indern? In ein paar Jahrzehnten den Afrikanern? Sollen die dieses Recht auf Reisen nicht haben? Oder nur in ihrem Land reisen dürfen, wo doch jeder gerne einmal dieses legendäre „Paris“, „Berlin“ oder „Los Angeles“ kennenlernen würde?

    Man kann sich auch einfach die Zahlen anschauen. Die weltweit zurückgelegten Kilometer, ob mit Auto, Bus, Schiff, Zug, Flugzeug – sie steigen. Sie sind die letzten 100 Jahre angestiegen. Die Prognosen sind stabil, meist werden sie überboten. Es gibt keinen vernünftigen Grund zu glauben, dass dieser Trend schon sein Maximum erreicht hätte, nicht einmal im Reiseweltmeisterland Deutschland. Und die Welt wächst weiter zusammen. Distanzen schrumpfen. Für viele wichtige Aufgaben sucht man die besten Talente nicht nur vor Ort. Die Mobilität, ob privat oder beruflich wird weiter zunehmen.

    Neben dem Reisen gibt es weitere große Energieverbraucher. Heizung, Industrie, Nahrungsmittelproduktion. Hierzu auch nur ein paar Eckpunkte: Auch wenn die Bevölkerung in immer mehr Ländern nicht mehr wächst – die Quadratmeter pro Kopf an Wohnfläche nehmen weiter zu. Auch in Deutschland. Wir reden ja gerne davon, dass es an Wohnraum mangelt. Es mangelt aber deshalb an Wohnraum, weil immer mehr Menschen in den begehrten Städten leben wollen, und dort auf immer mehr Quadratmeter. Auch diese Wohnungen müssen gebaut werden, mit Energieverbrauch, und beheizt werden.

    Die Industrieproduktion wächst auch. Auch hier gilt – glauben wir wirklich wir könnten oder sollten das verhindern? Ist nicht der Wachstum an Wohlstand und Frieden, den wir seit dem 2. Weltkrieg weltweit erlebt haben unmittelbar miteinander verknüpft? Die steigende Lebenserwartung die Folge davon?

    Schließlich die Landwirtschaft. Wir werden eine wachsende Bevölkerung (die Prognosen gehen derzeit von einem Maximum von 12 Milliarden Menschen aus, bevor sie wieder sinken wird) ernähren müssen. Das wird nur gehen, wenn wir die Erträge pro Fläche deutlich erhöhen, wenn wir verhindern wollen dass noch mehr Urwald abgeholzt wird um es für Ackerbau und Viehzucht zu verwenden. Ich weiß, dies hören viele nicht gerne, aber auch das bedeutet dass wir nicht weniger, sondern noch mehr Fortschritt in der Landwirtschaft brauchen. Bessere, resistentere Sorten, weniger Verluste bei Anbau, Lagerung, Transport.

    All das benötigt mehr, nicht weniger Energie.

    Steuern wir also unaufhaltsam auf die Katastrophe zu? Dies glauben leider zu viele, und zu oft lesen wir von diesen Warnungen. Ich möchte hier eine andere, fundierte Meinung vertreten.

    1. Die Menschen werden nicht weniger, sondern mehr konsumieren.

    2. Appelle an „Konsumverzicht“ mögen punktuell Wirkung zeigen, in der globalen Perspektive sind sie unbedeutend

    3. Für Frieden und Wohlstand und eine gerechtere Welt ist ein weiteres Wachstum unverzichtbar, es sollte gefördert und nicht behindert werden

    4. Es gibt keine Knappheit an Energie oder Rohstoffen. Beide sind ausreichend vorhanden, auch auf lange Sicht.

    5. Was wir brauchen ist weiteren technischen und organisatorischen Fortschritt und besseres Management – und hier sind Marktwirtschaft und gute Politik der Schlüssel

    Was bedeutet das konkret? Ich möchte hier besonders auf die Punkte 4 und 5 eingehen, denn hier herrscht die größte „Verwirrung“ aus meiner Sicht.

    Es ist für mich klar, es gibt eine „Bedürfnispyramide“, wie sie etwa Maslow formuliert hat. In seiner späteren Version von 1970 sind hier nacheinander:

    Physiologische Bedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, Soziale Bedürfnisse, Kognitive Bedürfnisse, Ästhetische Bedürfnisse, Selbstverwirklichung und Transzendenz

    aufgeführt. Es ist klar – ist ein Bedürfnis erfüllt, dann verliert es an Bedeutung, und wir können uns intensiv mit dem nächsten Bedürfnis auseinandersetzen. Aber wir können keine Schritte überspringen. Und damit ist klar: Bis es uns allen so gut geht, dass wir uns alle mit dem „globalen Ganzen“, der Transzendenz beschäftigen werden ist es noch ein Weg. Es gibt keine Abkürzung. Vor allem nicht für die Länder, die erst gerade Hunger oder Krieg überwunden haben. Die Rettung des Globus oder die Lösung des Plastik-Problems wird bei ihnen nicht gleich ganz oben stehen.

    Schließlich bezweifle ich aber auch, dass die, die schon alles haben tatsächlich den Verzicht wählen werden. Sicher, ein Prince Charles setzt sich – aus der Perspektive seines Schlosses – für bessere Landwirtschaft und mehr Ökologie, für menschenfreundliche Architektur und viel gute Dinge ein. Ich habe aber nicht gehört, dass er deshalb in ein Reihenhaus gezogen ist, um den ökologischen Fußabdruck zu vermindern. Ich bezweifle sogar, dass dies wesentlich ist. Ich sehe eine Tendenz des Menschen, sich immer weiter entwickeln zu wollen – und halte diese auch für gut. Sie werden vielleicht andere Schwerpunkte wählen sich zu engagieren, wenn die Grundprobleme gelöst sind. Aber das Pendel wird weiter schwingen, zwischen Askese und Ekstase, zwischen Verzicht und der nächsten reizvollen Idee, die mit Konsum verbunden ist.

    Schließlich glaube ich auch, dass wir das Wachstum brauchen. Eine Welt ohne Wachstum wäre Stillstand, und Stillstand ist rein physikalisch ist der absolute Nullpunkt an Kälte, physiologisch ist es der Tod. Es ist eher ein falsches Verständnis von Wachstum, dass uns behindert. Es ist das Modell der Begrenzung. Sicher: immer mehr verbrannte fossile Ressourcen mit den Abgasen in der Luft, immer mehr Abfälle und Gifte im Meer, immer mehr Wälder abgeholzt- das wird irgendwann nicht mehr gutgehen. Es ist eine reale Gefahr.

    Aber – und das ist für mich zentral: es sind Zwischenstufen, es sind „primitive“ Technologien. Wir haben das Feuer nutzbar gemacht, und jetzt wird zu viel verbrannt. Aber die nächste Stufe der Entwicklung ist längst da. Vor 150 Jahren wurde der Strom nutzbar gemacht, was auf uns wartet ist das Zeitalter der zweiten Welle der Elektrizität. Hier war auch Lenin visionär: Es ist die Elektrifizierung, die den Globus verändern wird. Strom an sich erzeugt keine Abgase, verbraucht keine Ressourcen. Man muss ihn nur nachhaltig erzeugen. Und es gibt sie, diese unerschöpflichen Energiequellen. Seit Milliarden von Jahren scheint die Sonne und weht durch sie erwärmt der Wind. Sie wird weiter scheinen, der Wind wird weiter wehen, die nächsten Milliarden von Jahren.

    Und – wir können sie nutzbar machen. War das vor 50 Jahren eine Vision, eine kühne Vision, so ist es jetzt Wirklichkeit. Nicht nur etwas, das im Labor funktioniert, oder für ein paar alternative Bastler reizvoll ist. Es ist auch konkurrenzfähig. Ein einmaliges Beispiel, wie Ökonomie und Ökologie sich gegenseitig befruchten. Am Anfang standen viele Ideen, es kamen Jahre der Forschung und Entwicklung, der kleinen und großen Versuche dazu, der besten Idee zum „fliegen“ zu verhelfen. Jetzt haben wir die Beispiele, sie stehen nicht irgendwo, sie sind in Deutschland zu finden. Draußen in der Nordsee stehen die Windkraftanlagen, die Strom liefern, nicht nur etwas Strom, nein im Gigawattbereich. Die neuen Felder ersetzen ganze Atomkraftwerke und erzeugen günstigen Strom.

    Und durch die vielen Solarzellenpanels auf bayrischen Bauernhöfen, brandenburgischen Wiesen und schwäbischen Häuslebesitzern wurde auch für Solarzellen ein Preisverfall erreicht, der unvorstellbar war. Er hat, wie es die Ökonomie erwarten lässt, in eine harten Wettbewerb viele Anbieter aus dem Markt gedrängt. Die verbliebenen bauen aber in solchen Stückzahlen Solarpanels, so günstig, dass letztes Jahr bei der Neuinstallation weltweit mehr regenerative Energie installiert wurde als in konventionelle Kraftwerke. Kohle, Öl, Gas. All das, was so unerreichbar fern erschien, so visionär.

    Der weitere Weg ist deshalb klar, und wir müssen ihn energisch beschreiten. Er lautet als Ziel. 100% regenerativ. Weltweit. Nicht nur die Stromerzeugung muss und wird auf 100% regenerativ umgestellt werden, alle Energieerzeugung muss am Ende (bis auf kleine Nischen) durch regenerative Energien erfolgen. Ist das ein kühner Traum? Nein, überhaupt nicht. Wie es der ehemalige amerikanische Vizepräsident Al Gore mit großem Einsatz weltweit verkündet: Es ist das größte Geschäft der Neuzeit. Es wird tausende von Milliarden Euro Investitionen bedeuten, und Arbeitsplätze für die nächsten 50 Jahre erzeugen, weltweit.

    Die Analysen sind realistisch, es gibt sie jetzt schon, die Studien die zeigen wie man es machen muss. Es bedeutet vor allem ein starker Ausbau von Sonne und Wind. Weltweit. Es ist lächerlich zu behaupten es gäbe nicht die Flächen in Wüste und auch im Meer, die man dafür benötigt. Dort, wo es weniger Sonne gibt, gibt es meist mehr Wind. Und man braucht neue, bessere Netze, die intelligent auf Schwankungen reagieren können. Eine Art Internet des Stroms. Mit dezentralen Knoten, und großen Transatlantikkabeln, die die Kontinente verbinden. Denn es weht immer irgendwo der Wind und es scheint immer irgendwo die Sonne. Und man braucht Speicher, viel Speicher. Das können Wasserpumpkraftwerke sein oder Bleiakkus, Lithium-Batterien, Wasserstoff oder noch zu entwickelnde Technologien.

    Und Schritt für Schritt wird alles auf Strom umgestellt werden. Die Elektroflugzeug-Prototypen sind bei Airbus schon in der Entwicklung, das erste wird ein Regionalflugzeug sein. Für Schiffe wird es Lösungen geben. Für Autos sowieso, für Lastwagen auch. Bei Wohnungen kann über die richtige Bauweise ein minimaler Energieverbrauch erreicht werden, der Rest kann mit Strom und Wärmepumpen erzeugt werden. Es wird funktionieren. Und so können wir auch weiter reisen, fliegen, heizen, lange warm duschen, neue Produkte kaufen. Mit einem guten Gewissen.

    Man kann über die Chinesen viel Gutes oder Schlechtes sagen. Aber nicht, dass sie diesen Trend verschlafen. Nein, sie sind ganz vorne dabei. Sie propagieren und bauen die neuen Hochvolt-Gleichstromleitungen, die man dafür braucht. Sie investieren radikal in Sonnenenergie, mehr als die Welt zusammen. Sie bauen das größte Hochgeschwindigkeitszugnetz der Welt. Und sie wissen – auch ihre Bevölkerung wird sich den Smog und die Luftverschmutzung nicht mehr lange bieten lassen, die das schnelle Wachstum mit Kohlekraftwerken gekostet hat. Und sie bauen Batteriefabriken. Denn wohin am Besten mit dem Strom, der an manchen Stunden und Tagen im Überfluss anfällt. Man kann damit die Speicher der Elektroautos füllen, vielleicht eines Tages auch jedes Haushaltsgeräts, wenn es per „Vorschrift“ einen kleinen Speicher enthält, der Strom speichern und abgeben kann. 2 Milliarden Kühlschränke mit einer kWh an Speicher – schon wäre ein Großteil des Pufferbedarfs gelöst.

    Das ist nur eine Idee. Es werden viele Ideen entwickelt werden, und die besten sich durchsetzen. Wir in Deutschland haben mit dem Energieeinspeisungsgesetz schon einmal gezeigt, wie man es machen muss. Es muss entschlossen in diese Richtung weiter gehen. Bis die Welt 100% regenerativ ist.

    Und das CO2 in der Luft? Wie bekommen wir es heraus? Auch hier werden Technologien entwickelt werden. Diese brauchen aber selbst große Mengen an Energie. Viel einfacher erscheint mir eine andere Lösung. Pflanzen, Bäume. Wir müssen herausbekommen, welche Pflanzen wie am umweltfreundlichsten am meisten und am schnellsten CO2 aus der Luft holen. Und global Bäume pflanzen. Die Welt war einmal fast überall mit Bäumen bedeckt. Wir können den Planeten wieder begrünen. Dies findet bereits statt, seit dem 2. Weltkrieg wurden weltweit große Flächen aufgeforstet. Eine kurze Recherche zeigt aber – es gibt noch keine verlässlichen Daten dazu, wie man mit Pflanzen CO2 am besten aus der Luft holt. Auch das eine verlockende Aufgabe, wir bräuchten in Deutschland hierzu die besten Forscher. Es wird kommen.

    Wir können es schaffen. Global und lokal. Auch hier gibt es schon viele Initiativen in vielen Ländern. Auch das muss zur globalen Chefsache erklärt werden. Weil es so einfach und einleuchtend ist, denn es verbessert auch die Lebensqualität der Menschen. Und mit dem unvermeidlichen Anstieg an Temperatur umgehen lernen. Er mag ja auch Chancen für viele Länder bieten. Andere muss man unterstützen. Aber auch der Großteil von Holland liegt unter dem Meeresspiegel, warum sollte man nicht auch in Bangladesch für den Anstieg des Wassers eine Weg finden?

    Bleibt die Frage der Rohstoffe und Abfälle. Auch hier ist die Lösung offensichtlich. Es wird von diesem Planeten kein Atom verloren gehen. Kein Tropfen Wasser. Die Natur macht es vor, seit Milliarden von Jahren produziert sie im Überfluss und recycelt. Sie lässt die Kastanie tausende von Kastanien produzieren, nur eine wird zum Erhalt der Bäume benötigt, alle andere sind „Überfluss“. Das muss unser Vorbild sein. Wir können so viel wir wollen produzieren, mit Energie die von der Sonne kommt und mit Rohstoffen die wir in eine Kreislaufwirtschaft einbinden.

    Hier liegt noch ein längerer Weg vor uns, aber er ist technisch und organisatorisch lösbar. Wir müssen es nur anpacken. Es gibt auch keine Knappheit an Wasser auf diesem Planeten, wir müssen das Wasser nur effizient nutzen und besser verteilen. Selbst beim kritischen Thema Meerwasserentsalzung gibt es große Fortschritte zu verzeichnen. Bald wird auch hier der technische Fortschritt Wasser günstig ohne CO2-Belastung dort verfügbar machen, wo es jetzt noch knapp ist. Etwa, um das Bevölkerungswachstum von Afrika zu ernähren.

    Selbst beim kritischen Thema Plastik sehe ich nur diesen Weg. Eine Welt ohne Kunststoffe ist eine Illusion. Auch hier werden wir den Trend nicht umkehren, denn Kunststoffe haben die Welt verbessert. Was wir aber sicherstellen müssen – diese müssen entweder wiederverwendet, verbrannt oder biologisch abgebaut werden. Und es muss verhindert werden, dass Plastik erst in Flüssen, und dann im Meer landet. Für einen Zwischenzeitraum wird die „thermische“ Nutzung dieses Erdölprodukts eine vernünftige Lösung für die Situationen sein, wo wir noch nicht ganz auf Verbrennungskraftwerke verzichten können. Es gibt viele Techniken, wie man dies umweltfreundlich machen kann.

    Aber am Ende werden wir auch hier von der Natur lernen. Es gibt praktisch nichts, was sie nicht kann. Es gibt sie, die Bakterien und Würmer, die Kunststoffe verspeisen, und ich glaube sogar, sie werden ohne unser Zutun ein Großteil der Arbeit selbst erledigen. Denn wo eine Aufgabe ist, wo Nahrung ist, da findet die Natur auch durch gezielte Punktmutationen in wenig Generationen einen Lösung diese Nahrung nutzbar zu machen.

    Für die Kreislaufwirtschaft gibt es gewaltige Aufgaben, die vor uns liegen. Sie werden eine der zentralen Industrien neben Tourismus und Gesundheit sein, die weltweit die Arbeitsplätze der nächsten 50 und 100 Jahre schaffen werden. Denn die künstliche Intelligenz und die Roboter kommen, das ist klar. Und dennoch: Wir werden mehr als genug Arbeit haben, auch in Deutschland. Wir werden deswegen auch weiter Zuwanderung brauchen, denn sonst fehlen uns die Arbeitskräfte.

    Wir werden die Probleme lösen und können uns für unsere Kinder auf eine großartige Zukunft freuen können, davon bin ich überzeugt. Es gibt derzeit viele Probleme, viele Herausforderungen. Aber kein Grund zum Pessimismus. Und Verzicht ist keine Lösung, denn ohne Konsum funktioniert die Wirtschaft nicht, und dann fehlt das Geld und der Konsens, diese wichtigen Umweltfragen anzugehen.

    Vor allem gilt es jetzt, den Optimismus zu verbreiten dass es sich lohnt, und die Aufgaben anpacken, um den Menschen eine gute Zukunft zu bereiten und die Natur auf diesem wunderbaren Planeten zu erhalten.

    Ich freue mich darauf.