Kategorie: Allgemein

  • Die globale Energiewende ist eingeleitet

    Freitag, 1. Dezember 2017, 10.14 Uhr, La Plage Restaurant, Ashwem, Goa, India

    China wird dieses Jahr 50 GW= Gigawatt, also 50 Milliarden Watt an Solarenergie montieren. Das sind 500 Millionen 100 Watt-Panels.

    Ich mag gute Nachrichten. Diese Nachricht löst bei mir Euphorie aus. China hat in den letzten 10 Jahren jedes Jahr doppelt so viele Solarpanels montiert wie im Vorjahr. 100% Wachstum im Jahr. Wer sich noch an das Schachbrett und die Reiskörner erinnert, weiß dass so ein exponentielles Wachstum in nur 10 Jahren zum 1000fachen des Ausgangswerts führt. In 20 Jahren zum Millionenfachen.

    2017 werden 50 GW an Solarpanel-Leistung neu montiert. Das ist mehr alle anderen konventionellem Stromerzeuger auf der ganzen Welt zusammen, sei es Kohle, Gas, Öl,

    Kernenergie.

    50 GW, das produziert so viel Strom wie 5 Kernkraftwerke. In einem Jahr montiert. Das passiert, weil der Preis pro kwh Solarstrom mittlerweile unter 2 Cent liegt. Auch Wind hat ähnlich günstige Kosten. Die letzten Versteigerungen in Saudi-Arabien und Mexiko bekamen Zuschläge für unter 2 Cent. Mit Sonnenenergie. Wind liegt knapp dahinter bei 2,2 Cent. Auch Saudi-Arabien setzt jetzt auf regenerative Energien.

    Mit keiner konventionellen Kraftwerkstechnik kann Energie so günstig erzeugt werden. Wenn man 10 bis 20 Jahre mit ähnlichen, auch abgeschwächten Wachstumsraten in die Zukunft schaut, dann kann die gesamte Weltenergieproduktion durch regenerative Energien gedeckt werden.

    Damit ist der Durchbruch geschafft. Die Energieprobleme, vor allem aber die Probleme der CO2-Erzeugung der Welt sind gelöst. Es wird auf Sonne und Wind umgestellt werden. Die Entwicklungen gehen so schnell, dass es die Meisten es nicht einmal mitbekommen. Einige Länder werden etwas länger brauchen. Aber die Technik entwickelt sich viel schneller als unsere Vorstellungskraft.

    Wer hätte vor 10 Jahren vorhergesehen, dass die Welt mit einem globalen Mobilfunk-Datennetz überzogen ist und Milliarden Menschen einen Computer in der Tasche tragen, der leistungsfähiger ist als ein Supercomputer vor 20 Jahren? Vor gerade 10 Jahren wurde das Iphone eingeführt.

    War es beim Iphone eine amerikanische Erfindung, die in China gebaut wird, waren es beim Solarpanel die Deutschen, die die „Software“ entwickelt haben. Hier war es ein gesteuerter Marktanreiz, eine Anschubfinanzierung. Es war eine intelligente Idee, eine gute Gesetzgebung. Auch hierfür sollte es eines Tages den Nobelpreis geben.

    Es war Deutschland mit der hohen Subvention der Solar-Stromerzeugung, die als Anschub für die Chinesen funktioniert hat. Erinnern wir uns noch? Fast 50 Cent pro kwh bekam man, wenn man sich ein Solarpanel aufs Dach stellte. Es schien absurd. Es hat den deutschen Stromverbrauchern Milliarden gekostet. Diese waren aber in die Zukunft investiert. Es hat funktioniert.

    Denn erst durch die hohen Stückzahlen durch die deutsche Nachfrage und den harten Wettbewerb der Produzenten sind die Preise für Solarpanels so stark gesunken, dass sie heute nur noch bei 600 Euro pro KW installierter Leistung liegen. Vor 10 Jahren war es das 10fache. Wir haben also die weltweite Energiewende entscheidend angetrieben.

    Die nächste Frage lautet also: Wer wird die Netze bauen und managen, um den Strom weltweit zu verteilen? Wer die Anwendungen entwickeln, die man mit dieser technologischen Revolution erzeugen kann? Es wird wieder um die guten Ideen und die technische Produktion gehen. Apple zeigt es, dass man die wertvollste Firma der Welt werden kann, ohne dass man selbst irgend etwas herstellt. Man muss die richtigen Ideen haben.

    Damit ist auch die Ausgangslage für Deutschland hervorragend. Es kommt jetzt darauf an sie zu nutzen. Und keinen Cent mehr in Kohle-Subventionen oder Siemens-Gas Turbinenproduktionen die keiner mehr braucht zu stecken. Sondern in die Energie-Zukunft. Von Deutschland und der Welt. Und den globalen Umweltschutz.

    Wir können Wetten abschließen, was als Nächstes in der Planung der Chinesen steht. Was macht man, wenn man Strom praktisch umsonst gewinnt? Man wird alles auf Strom umstellen. Es ist vollkommen klar, dass elektrische Fahrräder, Motorräder, Autos, Schiffe, Flugzeuge kommen werden. Manches langsamer, manches schneller. Das Fahrrad, das Motorrad und das Auto sind marktreif. Tesla versucht, hier der Apple zu sein. Wer ist Samsung? Was machen die Deutschen?

    Es geht einzig um die Frage, wann der „tipping point“ erreicht ist, wann bei den Batterien die Stückzahlen so hoch sind und der Preis so gefallen, dass es sich nicht mehr lohnt Verbrennungsmotoren einzubauen. Ich denke, wir stehen nur noch wenige Jahre davor. Bei den Kohle- und Gaskraftwerken ist der Punkt errreicht. China und Indien stornieren bereits hre geplanten konventionellen Kraftwerke und setzen auf Wind und Sonne.

    Die größte Herausforderung wird die intelligente Verteilung, Speicherung und flexible Steuerung von Erzeugung und Verbrauch sein. Das ist eine super spannende Aufgabe. Die Startups weltweit sitzen in den Startlöchern. Aber auch die Riesen, wie der staatliche Chinesische Netzbetreiber, die nicht umsonst neu Büros in Berlin und San Francisco eröffnen und versuchen, die besten Spezialisten abzuwerben.

    Optimismus und Aufbruchstimmung – das ist angemessen. Es liegen aufregende Jahre vor uns. Die sowohl die drängenden Umweltprobleme lösen werden als auch neue technische Revolutionen vorantreiben werden. Die Energieerzeugung ist nur ein Beispiel dafür. Es gibt viele. Ich freue mich auf die Zukunft und die Zukunft meine Kinder.

    Warum begeistert mich das so? Weil die Frage der nachhaltigen Energieproduktion einer der Fragen war, die mich seit meiner Jugend beschäftigen. Schon unsere Biolehrer hat uns die Kurve des C02-Anstiegs im Jahre 1982 aufgezeichnet. Und seit Tschernobyl im gleichen Jahr wusste ich sicher, die Kernenergie wird keine Lösung sein.

    Viele glaubten ja, es ginge langfristig nur als Menschheit zu überleben, wenn wir unser Verhalten radikal ändern.

    Doch ich glaube, das wird nicht geschehen. Es wird nicht funktionieren. Ich war selbst radikaler Umweltschützer in meiner Jugend. Aber ich habe dazugelernt dass dies nie eine Mehrheitsposition sein wird. Und eine Ökodiktatur ist keine Option. Ich habe einfach nur mich angeschaut. Bessere Technologien nutzen? Ja. Vieles ist besser und macht Spaß. Radfahren, vor 200 Jahren in Deutschland erfunden ist ein Wunder an Effizienz, es überbietet alles was die Natur sich in Milliarden Jahren hat einfallen lassen an Energieeffizienz. Aber wir wollen auch mehr. Und das wird sich nicht ändern.

    Spätestens seit ich das erste Mal den Winter im Süden verbracht habe wusste ich, man wird die Fernreisen den Menschen auch nicht abgewöhnen. Auch nicht tausend andere Errungenschaften der Moderne. Noch weniger wird man es anderen verbieten können uns nachzueifern. Wir müssen also nachhaltige Lösungen finden. Daran habe ich immer geglaubt. Und auch daran, dass die Fähigkeiten des Menschen erstaunlich sind.

    Ich war in den 80er Jahren pessimistisch. Habe Global 2000, den Umweltbericht an die Regierung Carter gelesen, die großen negativen Utopien von Orwell, Huxley, Samjatin. Es schien alles aussichtslos. Doch irgendwie kam alles anders. Plötzlich kollabierte die Sowjetunion, die Mauer fiel. Die Apartheid auch. Es gab eine Aufbruchstimmung. Und auch ich brach auf, weg aus Schwaben und in die weite Welt. Und gewann neuen Optimismus.

    Aber die Energiewende war das Thema seit meiner Jugend. Wir werden es erleben, habe ich immer geglaubt. Es gibt genug Sonne und Wind, wir müssen nur lernen sie zu nutzen. Jetzt bin ich sicher. Es wird gelingen.

    Und das ist nur ein Beispiel. Der Mensch schafft durch sein Wachstum Probleme, aber er schafft es auch sie zu lösen. Und der Weg lohnt sich. Es ist nur ein Übergang, in dem wir lernen alles so zu verbessern dass es langfristig und nachhaltig funktioniert. Es kann auf der Erde nichts verloren gehen. Also gibt es auch keine Knappheit an Ressourcen. Die Sonne scheint noch Milliarden von Jahre und bietet Energie. Alles weitere ist eine interessante Aufgabe. Und Menschen lieben Herausforderungen.

  • Betrachtungen am Strand von Mandrem

    Betrachtungen am Strand von Mandrem

    Montag, 27. November 2017, 10.00 Uhr,  Am Strand in der Nähe des Surf Club, Mandrem, Goa, India

    Ich sitze im Schatten eines Baumes an den Dünen. Jetzt beginnt die ganz besondere Zeit dieser Reise. Neun Wochen haben wir, an denen alle Kinder den ganzen Tag in der Yellow School sind.  Das heißt, ich habe Zeit bis 15.30 Uhr, um mit der Enfield durch Goa zu fahren, mir einen schönen Platz auszusuchen. Mich auf ein Tuch zu setzen und zu schreiben. Man kann es auch meditieren nennen. Oder Klarheit gewinnen. Oder konzentrative Entspannung.

    Die Fahrt war schon wunderschön. Das langsame Geknatter der Enfield, die morgens noch leeren Straßen, die wunderschöne Landschaft und Goa mit seinen malerischen Ecken. Traumhaft.

     

    Was ist es, was mich an Indien so fasziniert? Ich weiß es ganz genau. Indem man auf längere Reisen geht, öffnet man sich für neue Eindrücke. Macht sich bereit, die Dinge anders zu sehen. Vielleicht beschreiben es die Begriffe Askese und Ekstase gut.

    Der erste Schritt einer Reise ist, dass man sein Gepäck packt. Man kann nicht alles mitnehmen. Im Gegenteil, will man flexibel bleiben und leicht reisen, nimmt man wenig Gepäck mit. Konzentration auf das Wesentliche. Wenn es gut funktioniert, ist das wenige was man mitgenommen hat immer noch viel zu viel.

    Ich bin viel mit dem Rucksack gereist, schon bevor ich in Indien war. Über ein Jahr durch Südamerika, Afrika und den Nahen Osten. Und ich habe diese Erlebnisse zutiefst genossen. Aber es gibt etwas, was Indien für mich einzigartig macht. Es geht los mit dem Wetter. In den Wintermonaten von Oktober bis April kann man die Kleidung, wenn man es ganz auf die Spitze treiben will, auf  Shorts und ein Lungi reduzieren.

    Jenes Tuch, welches man für ein bis zwei Euro überall bekommt. Um die Hüfte geschwungen, hat man etwas an. Auf den Sand gelegt, kann man darauf schlafen. Um die Schulter geschwungen, wärmt es in der Nacht. Über den Kopf, schützt es vor der Sonne. Kommt man aus dem Wasser, kann man sich damit abtrocknen. Knotet man es zusammen, dient es als Tasche für die Habseligkeiten. Man kann es dann an einen Stock binden und hat so die komplette Ausstattung bei sich. Es ist sozusagen „reduce to he max“.

    Aber mir geht es nicht darum, Askese zu leben. Es ist aber erstaunlich, wie sehr es erleichtert wenn man die Suche um und das kümmern um die alltäglichen Dinge reduzieren kann. So habe ich das erste halbe Jahr in Indien mit dem Eimer Wasser aus dem Brunnen und einer Toilette unter freiem Himmel,  bei der die Schweine die Klospülung waren gelernt zu leben. Es war eine befreiende Erfahrung.

    Eine kurze Hose mit einer verschließbaren Tasche und ein T-Shirt, eine Badehose und eine Sonnenbrille sind natürlich auch gut. Taschenmesser, Feuerzeug und Kerzen und ein kleiner Rucksack, ein Notizheft und ein Stift. Ohrenstöpsel und Schlafbrille und ein kleines Kopfkissen. Ein Zahlenschloss für das Zimmer ist ideal, schon kann man keinen Schlüssel verlieren.

    Und so geht es mit dem Essen und trinken weiter. Was geht immer? Kokosnüsse zum Trinken und Essen, überall zu bekommen, gesund und lecker. Meine besondere Vorliebe auch: Lemon Soda plain. Wasser mit Kohlensäure mit frischem Limonensaft. Enthält keinen Zucker, kein Salz, kein Koffein, keine Kalorien und schmeckt dennoch herrlich erfrischend. Und kostet wenig. Ideal wenn man einen schattigen Platz sucht und dafür etwa am Strand etwas in einem Beach Shack bestellen möchte.

    Zum Essen: Der Standard Dhal Fry, gelbe Linsen mit Reis oder Chapati. Kann man auch überall bekommen, und ist immer lecker. Oder Vegetable Thali, Reis mit verschiedenen Gemüsen und Soßen. Herrlich indisch. Vor allem aber natürlich all die leckeren Früchte, die es an jeder Ecke zu kaufen gibt und von denen Maracujas meine ganz besonderen Favoriten sind. Aber auch der Papayasalat mit den kleinen Bananen und Limonensaft. Oder Mangos, Ananas, Weintrauben, Guaven, Litschis und so weiter.

    Und Bewegung an der frischen Luft draußen. Ob Yoga, Schwimmen oder einfach nur spazieren gehen. Idealerweise auf einer Party tanzen.  Es wird nie kalt und der Wind ist immer lau, auch abends oder Nachts. Und das Meer immer warm.

    Aber worum geht es mir? Dem Westen zu entsagen? Auszusteigen? Fortschritt und Technik den Rücken zu kehren? Die Leidenschaften zu bekämpfen? Nein. Das Ziel ist eher die Ekstase. Denn Entsagung ist ja nur wieder eine Freiheit, gegen, nicht eine Freiheit für. Ich will mir selbst aussuchen, was mich begeistert.

    Aussteigen. Das klingt verlockend.  Wäre für mich ja nur wieder eine neue Unfreiheit. Ich bin in Südamerika aufgewachsen und weiß, dass Armut, Krankheit, Unwissenheit und Unfreiheit in großen Teilen der Welt real ist und wir uns im Westen, ganz besonders in Deutschland glücklich schätzen können. Wir leben in einer der besten Systeme der Welt. Ich will nicht dauerhaft woanders leben. Aber immer wieder Reisen. Und den Winter dort zubringen, wo es mir gefällt.

    Ich glaube: Es ist gerade die zu große Sicherheit in unserer Welt, die uns Probleme macht. Wenn man schon weiß, dass für alles gesorgt werden wird, von der Wiege bis zu Bahre, dass wir uns alles kaufen können, dass Bildung frei und es alles in fast unbegrenztem Überfluss gibt, dann wächst eine neue Abhängigkeit heran. Wir haben Angst, all das verlieren zu können was wir so sicher zu haben glauben. Und wir glauben, es gäbe bei uns einen Mangel.

    Wir glauben dann wirklich, dass Armut und unüberwindbare Probleme drohen, wenn die Bevölkerung durch Flüchtlinge um 1% wächst. Dass wir wirklich durch Umweltgifte, Terror, Arbeitslosigkeit, Kriminalität bedroht sind. Dass wir uns Angst um die Zukunft unserer Kinder machen müssen und uns Kinder nicht mehr leisten können. Das wir zu wenig von dem haben, was wir brauchen.

    Es genügt, eine beliebige philosophische oder spirituelle Weisheit zu nehmen, die man hier in Indien an jeder Ecke verkündet bekommt, um das Bild zurecht zu rücken. Die Botschaften sind im Kern immer die gleichen, ob im Westen oder Osten, gleich in welche Religion oder Philosophie.

    Der Flyer über Vipassana-Meditation, auf den mich der freundliche grauhaarige Mann Gründer des Mango-Shade Cafés hinwies, schreibt etwa dass man Buddhas Lehre oder die Grundregeln der Meditation auf drei Dinge vereinfachen kann: Vermeidung von

    1. craving
    2. denial
    3. ignorance

    Fangen wir mit dem craving an, dem Bedürfnis etwas unbedingt haben zu müssen. Dahinter versteckt liegt ja oft die Angst, nicht genug zu bekommen. Wovon auch immer. Besitz, Anerkennung, Geld, Liebe, Schönheit, Wissen, Zeit, Gesundheit, Urlaub, Entspannung, Sicherheit, Süßigkeiten etc….

    Der Coach Tony Robbins hat es auf zwei Dinge reduziert. Wir glauben alle entweder nicht geliebt zu werden oder nicht gut genug zu sein. Bei mir ist es sicherlich das Zweite.

    Die erste einfache Auflösung lautet: Wir suchen etwas von außen zu bekommen, was nur in uns zu finden ist. Und die zweite Erfahrung lautet: Wenn wir es in uns gefunden haben, dann kommt es auch von außen auf uns zu.

     

    Auch hier ist es wieder unbedeutend, woran wir glauben,  um das zu verstehen.

    Ob wir Marketing studieren und uns als „Produkt“ attraktiv machen wollen, um anziehender zu sein; es wird funktionieren. Denn wir sind nur dann wirklich überzeugend, wenn wir selbst von uns überzeugt sind. Und das sind wir wieder nur dann, wenn wir die Erfahrung gemacht haben dass wir uns auf uns verlassen können.

    Oder wir verstehen es medizinisch als das System in optimaler Balance, bei der alle Regelkreise ausgeglichen arbeiten. Und zugleich die notwendigen Abwehrkräfte haben, uns zu gesund zu erhalten.

    Oder psychologisch als Resilienz, der Fähigkeit mit den „Widrigkeiten“ des Lebens positiv umzugehen und daran zu wachsen.

    Oder im Sinne eines Survival-Trainings als die Erfahrung eines 70jährigen Rüdiger Nehberg, mit einem Messer und einem Lendenschurz in der Mitte des Amazonas-Urwalds allein seinen Weg zurück in die Zivilisation zu finden.

    Oder spirituell als Kontakt mit unserem höheren Selbst.

     

    Etwas in sich selbst finden. Was aber soll das heißen? Das ist alles schön gesagt, aber wie ich selbst weiß liegt der größte Unterschied darin, etwas zu denken und etwas zu erfahren. Man kann es lange lesen und auswendig lernen, logisch verstehen und für richtig halten.

    Den Unterschied macht erst die eigene Erfahrung. Und die braucht Zeit und Abstand. Ich habe erst nach mehreren Monaten in Asien, in Indien die klare Einsicht bekommen, es gefühlt und verstanden dass ich so sein darf wie ich bin. Dass es keine „Schuld“ zum Abarbeiten gibt, keine „Aufgabe zu lösen“ etc., bis ich mich frei und entspannt und glücklich fühlen darf.  Und ich weiß auch: Es ist eine konstante Herausforderung, dieses Bewusstsein zu erhalten.

    Was bedeutet das?

    Die noch so perfekt geplante Luxusreise wird das Gefühl der Sicherheit nicht erzeugen. Denn irgendwo wird etwas nicht wie vorgesehen funktionieren, und das wird uns verunsichern. Das Zimmer ist nicht sauber, nicht leise, irgend etwas passt nicht. Wissen wir aber überhaupt nicht, wo wir schlafen werden in einem fremden Land und finden dann doch noch etwas zur rechten Zeit, auch ohne Lonely Planet oder Internet,  sind wir positiv überrascht. Und wir lernen im Idealzustand, unsere eigene Perfektion herzustellen  – überall und jederzeit. Weil wir sie erzeugen können. Wir lernen es über Wochen, Monate, Jahre. Auch von anderen, die das auch gelernt haben.

    Das zu lernen ist ein schrittweiser Prozess. Aus meiner Erfahrung heraus dauert es länger, bis man versteht wovor man typischerweise Angst hat und was man deshalb glaubt brauchen zu müssen, um sich sicher zu fühlen. Und nicht immer wird man bereit sein darauf zu verzichten. Man muss es auch gar nicht. Es ist aber ein Lernprozess zu erkennen, dass man auf der Suche nach einem Gefühl ist.

    Wir suchen ein Gefühl. Denn auch das ist klar: man kann das Gehirn oder den Geist von vielen Aspekten her betrachten. Aber es besteht kein Zweifel daran, dass in uns biochemische und elektrische Reaktionen ablaufen, die wir als Gedanken und Gefühle wahrnehmen. Und dass das, was wir vor allem suchen ist ein Gefühl. Das wird durch Botenstoffe im Gehirn ausgelöst wird, die an Rezeptoren andocken.

    Es gibt zahllose Studien, die zeigen wie ähnlich beispielhaft die Gefühle der Vorfreude sind, und dass es sich hierbei oft um eine mit Dopamin verknüpfte Reaktion handelt. Vorfreude erzeugt eine gewisse als angenehm empfundene Aufregung. Die lieben wir.

    Andere Gefühle wieder sind mit anderen Botenstoffen verbunden. Nach einer Anspannung sich entspannen zu können. Aber ob ich mir eine 100-Millionen-Euro-Yacht oder ein Matchboxauto kaufe, es geht um die gleichen Gefühle. Und es werden im Gehirn die gleichen Reaktionen ablaufen.

     

    Die Schattenseite von etwas zu haben ist aber die Angst, es zu verlieren. Wir machen uns Sorgen. Und ganz viele Sorgen drehen sich um die Dinge. Wir kaufen Versicherungen (rein mathematisch Wetten darauf, etwas zu verlieren), weil sich das gut anfühlt. Wir würden vieles gerne machen, machen es aber nicht weil es „leider nicht geht“. Wie sollen wir die Ausbildung, die Arbeit, die Wohnung, die Dinge, die Sicherheiten des Alltags verlassen? Das fühlt sich zu gefährlich an.

    So gibt es dann gefühlt zwei Optionen: In der Extremform kann man es als Karriere machen und Aussteigen bezeichnen. Das sind die beiden Möglichkeiten, so erscheint es uns. Und so wird es uns auch häufig suggeriert. Die einen wollen es weit bringen, die anderen eine Gemeinschaft mit Gleichgesinnten auf dem Land gründen. Oder Reisende bleiben. Für beide Lebensformen gibt es ausgeklügelte Anleitungen. Die einen setzen auf gute Schulen, gute Abschlüsse, gute Jobs, gute Anlageformen. Die anderen auf alternative Lebenskonzepte, biologisches und veganes Essen, Selbsterfahrung,  freie Schulen und spirituelle Lehren.

    Ist die erste Form mehr auf das „craving“ ausgerichtet, so sehe ich bei der zweiten Lebensform das „denial“ im Vordergrund.

    Denn auch in der „alternativen Lebensweise“ kann man es sehr weit treiben. Es sterben junge Mütter unnötig, nur weil sie glauben dass sich ihr Krebs mit alternativen Methoden heilen lässt. Es fällt leicht zu verneinen, dass es Kräfte gibt die man nicht mag und auch nicht beherrscht. Es vermehren sich mache Infektionskrankheiten wieder, nur weil viele Menschen glauben dass Dinge die sie nicht verstehen wie Impfungen und Antibiotika gefährlich sind, während die gefährlichen Krankheiten als natürlich angesehen werden, auch wenn sie Leid, Behinderung und Tod bedeuten können.

    Weil es sich schöner anfühlt zu glauben, dass es Krankheit und Tod gar nicht gibt, wenn man sich nur gesund verhält.

    Oder dass es einem die Freiheit raubt, wenn man eine anstrengende Sache anfängt und sich dieser länger verpflichtet, sei es eine Ausbildung, eine längere Berufserfahrung oder eine enge Beziehung.

    Manche verneinen auch, dass alles seinen Preis hat, und man ihn manchmal zuvor, manchmal aber auch erst danach zu bezahlen hat, ob man das will oder nicht. Dass ein Schenkkreis auch nichts anderes ist als ein esoterisch verpacktes Schneeballsystem.

    Man kann überhaupt wunderbar darüber philosophieren, wie gefährlich und schlecht die Erfindungen der Moderne sind, vom Transport über das Handy, von der Krankenversicherung die man bezahlen muss bis zum Internet das gefährlich ist, wenn man all die Vorzüge täglich nutzt.

    Die größte Verleugnung derzeit ist es zu behaupten, dass wir nicht alle von der Globalisierung profitieren und nicht erkennen, dass diese erst all das erzeugt hat was wir schätzen und lieben – ein Leben für immer mehr Menschen im Wohlstand, ja Überfluss mit  Frieden, Freiheit, Menschenrechten, frei von Krieg, Armut, Aberglaube, vielem Leid und schrecklichen Ungerechtigkeiten.

    Wie viele Einwohner gäbe es in Preußen noch ohne die peruanische Kartoffel? Wie sähe das Leben und die Freiheit in einem Afrika aus, in dem noch die afrikanischen und arabischen Despoten den traditionellen Sklavenhandel betreiben würden? In Nordafrika, in dem man den kleinen Mädchen traditionell die Klitoris mit einem Messer herausschneidet und die überlebenden Frauen verstümmelt ihr Leben lang mit Schmerzen leben?

    In einem Indien mit brutalem Kastenwesen und einer Lebenserwartung von 30 Jahren? In einem Peru, in dem man noch zum Gebet Menschen auf dem Altar opfern würde? In der weiten Prärie Nordamerikas, in der man den Skalp des Nachbarstammes als Trophäe für besondere Tapferkeit sammelte?  Oder in Mitteleuropa mit brutaler Armut, Hungersnöten und furchtbaren Kriegen?

    Und dass es das Wachstum an Wissen, der Handel und die Industrialisierung, die freie Marktwirtschaft und die Liberalisierung sind, die all den Wohlstand und die Sicherheit heute ermöglicht. Cuba, Nordkorea, Venezuela, Zimbabwe – die Beispiele der so gepriesenen „Alternativen“ kann man auch nur anpreisen, wenn man aktiv die Wirklichkeit verdrängt.

    Erstaunlich, wie stark auch die Verleugnung, das „denial“ Kraft über uns hat. Verleugnung begegnet einem aber auch im Glaube, wir könnten den Tod durch bessere Medizin besiegen. Die diffuse Angst vor Anschlägen, Unfällen etc. ist auch die verdrängte Tatsache, dass alle Menschen weiter krank werden und sterben werden. Wenn alles gut läuft allerdings weniger und später.

    Es bleibt aber genauso unverständlich, dass ein Drittel der Bevölkerung freiwillig und ohne konkreten Nutzen 10 Jahre seines Lebens verschenkt und sich für fast alle so gefürchteten Krankheiten mehr „Lose in der Lotterie des Lebens kauft“, nur weil man ignoriert dass Rauchen giftig und tödlich ist.

     

    Der Sinn der Meditation ist nach vielen Lehren eben genau das herauszubekommen: Wo gibt es Dinge, an die ich anhafte? Wo gibt es Dinge, die ich verleugne?

    Und in einem dritten Schritt die Einsicht zu gewinnen und die Unwissenheit zu überwinden: Ignorance.

    Man kann sich den Lauf der Dinge von allen Seiten anschauen, aber klar ist: Die Dinge verändern sich. Nichts bleibt so wie es ist. Das Universum ist in einem Veränderungsprozess, die Erde ist es, wir selbst sind es Zeit unseres Lebens. Es gibt eine Evolution des Lebens, eine Entwicklung der Kultur, eine Veränderung der Wirtschaft. Und auch unser eigenes Leben ist eine Reise.

    Manches kann man beeinflussen, manches kann man nur akzeptieren. Am Ende ist es vermutlich leichter, wenn man die Wirklichkeit in einem ersten Schritt akzeptiert. Und sie dann nach eigenen Wünschen verändert. Aber am Ende gilt es selbst herauszufinden, wie der eigene Plan aussieht.

    Es gibt kein Pauschalrezept und keine „wahre Lehre“ an die man sich halten muss oder soll, das glaube ich zumindest. Und ich glaube auch, durch kritisches Hinterfragen der alten Wahrheiten und Experimente lässt sich die Sicherheit vertiefen und das Wissen vergrößern. Das gilt ganz besonders für das eigene Leben.

    Am Ende muss es gar nicht bis zu der Einsicht kommen, dass es ein gemeinsames Verbindendes, das Bewusstsein gibt. Das ist vielleicht viel zu weit gesprungen. Es genügt schon zu sehen, dass alles miteinander etwas zu tun hat. Dass es kleine Welten in uns gibt und große Welten um uns herum. Das wir mit ihr in Austausch stehen und hier etwas machen können.

    Wenn wir wollen, können wir etwas lernen. Und vielleicht, wenn wir Glück haben auch verstehen, dass wir glücklich und ohne Angst leben können. Liebe erfahren. Und wenn wir es wollen, unsere Existenz wie die ganze Existenz als ein Geschenk annehmen für das wir dankbar sein können. In dem wir wachsen können. In dem wir zuhause sind.

    Und bleiben werden.

     

     

     

     

     

     

     

  • Betrachtungen über den Wolken

    Mittwoch, 15. November 2017, 10.50 Uhr, im Emirates Flieger nach Dubai

    Emirates ist eine besondere Flugerfahrung. Die Kinder bekommen nicht nur Geschenke, es wird auch ein Foto mit der Sofortbildkamera gemacht und ihnen in einer Grußkarte übereicht.  Überraschung! Tara bekommt ihr Menü persönlich zuerst serviert: „Miss Tara“. Das Unterhaltungsprogramm ist außerordentlich umfangreich. Und der Flieger ist halbleer, weil Emirates als einzige Fluggesellschaft der Welt nur auf Großraumjets setzt. Sie fliegen 100 Airbus A 380 und 150 Boeing 777, und sonst nichts. Und die Freundlichkeit der Crew ist nicht mehr zu überbieten.

    Ein ehrgeiziges Konzept für die nächste Stufe der Globalisierung. Noch ist nicht sicher, ob sich der Plan durchsetzt – keine andere Fluggesellschaft kauft den europäischen Super-Jumbo in großer Stückzahl, und so wird bei Airbus diskutiert, die Produktion einzustellen.

    Aber Emirates setzt darauf, dass es von Dubai aus die ganze Welt nonstop bedienen kann, und der Flughafen Dubai soll eines der größten Drehkreuze der Welt werden, mit geplanten 90 Millionen Passagieren im Jahr 2020. Und natürlich lassen sich mit größeren Flugzeugen mehr Passagiere über die enger werdenden Startslots transportieren. Südafrika-Dubai mit der Boeing 777 mit bis zu 428 Passagieren ist aber jedenfalls noch nicht ausgelastet, ich bin gespannt wie es mit dem Airbus A380 mit 615 Sitzplätzen aussehen wird, den wir nachher von Dubai nach Mumbai fliegen.

    Ein entspannter Flug. Wir sind schon viel routinierter als bei den ersten Flügen, und auch die Kontrollen und das Einchecken liefen problemlos ab. Wir hatten ja die vorgeschriebenen Geburtsurkunden der Kinder noch einmal von der Cloud heruntergeladen und in besserer Auflösung im Hotel ausdrucken lassen, so gab es bei der Ausreise auch keine Probleme. Eine absurde Vorschrift, die ich aus keinem Land der Welt kenne. Für mich ein Zeichen, wie irrational die Regierung von Jacob Zuma handelt. Den Tourismus mit Kindern zu einer Bürokratie-Tortur werden zu lassen, kann keinen Sinn für ein Land wie Südafrika machen.

    Nur unser Gepäck hat weiter zugenommen, jetzt sind es neun Gepäckstücke. Es wird immer mehr, vor allem weil die Kinder Bälle, Styropor-Surfbretter und Sandspielzeug bekommen haben und wir auch unsere übriggebliebenen Nahrungsmittel mitgenommen haben.  So sind alle drei Ortlieb-Transportsäcke jetzt im Einsatz.

    7000 Kilometer mit dem Wohnmobil liegen hinter uns. Wir haben auch die letzten 600 Kilometer noch gut an einem Tag geschafft, und Johannesburg machte ganz anders als Kairo den Eindruck einer relativ modernen Großstadt auf uns. Die Kinder waren erstaunt, so viele Autos zu sehen und Stadtautobahnen mit 5 Spuren pro Richtung. Wir haben einen Tag gebraucht, das Wohnmobil auszuräumen, Ordnung in unser Gepäck zu bringen und den Wagen abzugeben.

    Mit unserer Vorgeschichte war klar, das ganze Thema lässt sich nicht vor Ort erledigen, ich bin gespannt ob wir wirklich wie versprochen überzeugt werden, dass wir noch einmal bei MAUI buchen. Der Manager müsse jetzt entscheiden, wer die Kosten aller Ersatzreifen, Reparaturen und der Ausfalltage für uns trägt, hieß es. Die Erklärung war einfach: Hier in Johannesburg wäre das niemals passiert, über die Station in   Windhoek/Namibia gäbe es leider viele, viele Beschwerden.

    Die letzte Nacht in Afrika blitzt und donnert es, und es regnet in Strömen, bis morgens am Flughafen noch. Wir freuen uns für Südafrika, dass ja die ganze Zeit mit Wasserknappheit zu kämpfen hatte, da es zu lange zu wenig geregnet hatte.  Und alle freuen sich auf Indien und darüber, dass wir die drei Monate in Afrika so gute Erfahrungen gemacht haben.

    Am Flughafen sehe ich einen Buchladen, ausgestellt sind Bestseller eines Richard Templar: The Rules of Management. Er deckt gleich mit weiteren Büchern alle Themen ab: Love, Parenting, Work, Life, Wealth. Ich mag ja solche Bücher, und lese mal kurz herein. Praktische, einfache Regeln, pro Seite eine. Ich bin ja überzeugt: Würden die meisten Menschen solches Grundlagenwissen lesen und anwenden, wären viele Probleme der Welt gelöst.

    Es geht voran auf der Welt, daran besteht kein Zweifel. Auch Südafrika hat einen guten Eindruck auf mich gemacht. Sicher, die Probleme sind gewiss noch groß, und manche erscheinen unüberwindbar. Aber Vieles ist bereits auf einem für Afrika erstaunlich hohem Niveau. Die Straßen sind gut, sie werden ausgebaut. Es liegt kein Müll herum wie etwa in Indien. Die Siedlungen der weniger Wohlhabenden sind meist schon ordentlich gebaut, nur um Johannesburg sieht man dann doch auch 30 km außerhalb Wellblechhütten, die ohne Plan, Wasser und Strom errichtet wurden. Das ist aber die Ausnahme.

    Sicher, die Kriminalität ist ein großes Problem, und wie überall in Afrika, aber auch in Lateinamerika ist die Mordrate viel höher als bei uns. Wie meistens werden es die jungen Männer sein, wie auch bei den Unfällen im Straßenverkehr, die zu viele Menschen vorzeitig sterben lassen. Aber würde man eine Statistik der Todesursachen aufführen, so belegen natürlich Krankheiten die vorderen Plätze, nicht unnatürliche Tode, und die Lebenserwartung steigt, wie überall auf der Welt.

    Vor allem seit es für Aids wirksame Medikamente gibt und sich zumindest ein gewisses Bewusstsein für die Ursache dieser Krankheit gebildet hat. Immerhin liegen wie auch in Namibia in allen öffentlichen Toiletten, an der Hotelrezeption etc. kostenlose Kondome aus. Wichtig, denn die ja schon aus der Wahrnehmung verdrängte größte Katastrophe Afrikas war und ist die Aids-Epidemie, die hier Millionen Menschen getötet und Kinder zu Waisen hat werden lassen.

    Im Economist dieser Woche ist ein Schwerpunkt Afrika und Technologie. Kaum zu glauben, aber über die Hälfte der Afrikaner hat immer noch keinen Zugang zu Elektrizität. Hier wird es durch den technologischen Fortschritt die größten Potentiale geben, denn es wird sich nie lohnen, die fernen Dörfer in den riesigen Ländern mit Stromleitungen zu versorgen. Ein Haushalt anzuschließen kostet etwa das Jahreseinkommen eines Afrikaners, um die 4000 Euro. Dagegen sind Solarpanels und Batterien schon für 100 Euro aufwärts zu bekommen, und beginnen bereits den Alltag zu verändern. Aber wir stehen hier ganz am Anfang.

    Neubausiedlungen für Arme haben bereits den Solarkollektor für Warmwasser auf dem Dach. Es ist bedauerlich, dass dies immer noch die Ausnahme ist und man in der Regel Strom oder Holz verwenden, um Warmwasser zu erzeugen, in Ländern wo schon eine schwarze Tonne genügt um das Wasser auf angenehme Temperatur zu erwärmen.

    Wir haben in Südafrika die ersten Windkraftwerke und Solaranlagen gesehen. Und in Südafrika wenden die Obstplantagen die wassersparende Tropfenbewässerung über verlegte Mini-Schläuche an, die nur die Wurzeln des Strauches mit Wasser versorgen, nicht aber das ganze Feld mit dem Unkraut dazu. Ich erinnere mich genau, wie ich vor über 30 Jahren beim Schüleraustausch in Israel mir die Schüler im Kibbuz Afikim diese dort bereits hergestellte Technik auf den Feldern zeigten, mit der man den Wasserverbrauch radikal reduzieren kann. Es ist nicht kompliziert, es sind nur zusammensteckbare Minischläuche mit Ventilen und Düsen. In Ägypten war davon nichts zu sehen, vermutlich auch in den meisten Ländern Afrikas noch nicht, auch wenn dort Wasserknappheit herrscht.

    Es sind die Chinesen, die groß in Afrika investieren. Sie haben sich die gewaltige Summe von 1000 Milliarden Dollar vorgenommen, um die Infrastruktur Afrikas zu modernisieren. Und man sieht das Ergebnis. In Namibia und Südafrika wurden die alten Kapspurgleise mit 1067 mm Spurbreite wieder hergerichtet, und gewaltige Güterzüge fahren auf dieser erstaunlich leistungsfähigen Schmalspur.

    Es wird funktionieren, davon bin ich überzeugt, denn natürlich schafft China sich so neue Absatzmärkte und sichert sich Rohstoffquellen, und die bald 1 Milliarde Afrikaner sind ja die einzige Region auf der Welt, deren Bevölkerung noch deutlich wachsen wird, mit noch vier statt zwei Kindern oder weniger pro Kopf wie im Rest der Welt.

    Der Kleinbus, der uns vom Hotel zum Flughafen brachte sah exakt aus wie ein VW oder Mercedes Sprinter, war aber ein SAIC Maxus. Ich habe noch nie etwas von dieser Firma gehört, der Shanghai Automotive Industry Corporation, aber sie verkaufen wohl schon 25 Millionen Fahrzeuge im Jahr.

    Platz gibt es auf jeden Fall, das ist klar. Auch in Südafrika fährt man stundenlang durch menschenleere Gegenden. Die Herausforderung wird sicher in der Ernährung und Versorgung mit Wasser, Strom, Verkehr und Internet liegen, sowie die Bildung sicherzustellen. Und natürlich darin, stabile politische Verhältnisse zu erzeugen. Aber, wie der Economist auch schreibt, es ist kein Wunder dass die Kriege noch immer dort stattfinden wo es an all dem mangelt  – Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Somalia. Ohne Strom und ohne Telefon ist man abgeschnitten von der Welt, aber empfänglich für gewaltsame Scheinlösungen. Den größten Unterschied wird der Zugang zum mobilen Internet machen, das zeigt sich bereits jetzt in den vielen neuen Möglichkeiten, etwa für Kleinbauern festzustellen, wo und wann man für ihre leicht verderbliche Ware einen Käufer findet.

    Es wird spannend auf der Welt, auch weil die neue Quelle der Information weltweit Google und vor allem Facebook ist. Facebook will ja besonders die bisher noch nicht mit Internet versorgten Menschen ansprechen – und das spürt man in Afrika. So ist etwa in Namibia Whatsapp noch verfügbar und kann sogar Videos weiterleiten, wenn das normale E-Netz zu nichts mehr in der Lage ist. Und das Datenvolumen einer Prepaid-Karte wird aufgeteilt in 1GB Internet und 500 MB Whatsapp – ist also das Internet aufgebraucht, funktioniert immer noch Whatsapp – das ja zu Facebook gehört.

    In Südafrika gibt es dann eine freie Variante von Facebook – diese enthält keine Fotos oder Videos, wird aber auch nicht auf das Datenvolumen angerechnet. Facebook verdient wie Google sein Geld damit, besser auf den Kunden zugeschnittene Werbung zu verkaufen. Das funktioniert. Facebooks Gewinne durch Werbung sind im letzten Jahr um 80% angestiegen. Und die Hälfte der Internet-Werbeeinnahmen weltweit machen Alphabet (Google) und Facebook.

    Die neue Währung ist Aufmerksamkeit. Diese Ökonomie der Aufmerksamkeit hat zwei Kennzahlen: Wird es angeklickt und wie lange bleibe ich dort, und wird es geteilt?

    All das wird natürlich gemessen, und kann in tausenden von Varianten getestet werden. So kann detailliert untersucht werden, welche Werbung oder welche Information am besten funktioniert.

    Zwei Elemente haben den höchsten Effekt: Humor und Empörung. Wir kennen das Ergebnis von den Katzenbilder und den AFD-wählenden Wutbürgern. Da die sozialen Netzwerke die Information häufiger bringen, die zu unseren Meinungen passt und die seltener, die uns nicht gefällt, entsteht der sogenannte „information bias“. Unser Realitätstunnel wird enger. Und Empörung stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Es gibt viele berechtige Gründe, sich zu empören, und so hat das Internet etwa in autoritären Ländern tatsächlich die Macht, die Machtgefüge real zu verändern. In China sind deshalb vermutlich mehr als eine Millionen Zensoren im Einsatz, um regimekritische Informationen zu unterbinden.

    Grundsätzlich aber polarisieren sich die Meinungen. Es gibt weniger Konsens, sondern stärkere Radikalisierung. Links wie rechts. In den USA sieht man es erfolgreich bei Breitbart News, der so wirksamen rechten Medienplattform des Steve Bannon, der es zeitweise bis in die Trump-Regierung geschafft hat. Nachdem er von Trump geschasst wurde, sagte er in einem Interview mit dem Economist, dass er sich freue wieder für Breitbart arbeiten zu können. Dort hätte er die wahre Macht.

    Und dieses System ist anfällig für Manipulation. Der Einfluss von Putin auf die Wahl in den USA, der Ausgang des Brexit  – es sind die ersten klaren Beispiele dafür, wie Abstimmungen durch das Internet gezielt durch Falschinformationen beeinflusst wurden. In den letzten Monaten vor der USA-Wahl überholten die Falschmeldungen bei Facebook die realen Nachrichten in der Zahl der Klicks und Weiterleitungen. Ganz vorne dabei: Gerüchte, dass Hillary Clinton an Epilepsie erkrankt sei, Wahrheitsgehalt: Null. Ich bin sicher, auch in Katalonien haben Gerüchte und Falschmeldungen den zentralen Anteil daran, dass die Loslösung von Spanien jetzt für rechts wie links so attraktiv geworden ist. War es bei den Briten die EU, so ist es bei den Katalanen eben Madrid, denen man leicht die Schuld an allen Problemen geben kann.

    Es gibt deswegen schon Überlegungen, ob man nicht vor jedem Weiterleiten die Warnung erscheinen müsste: Willst Du das wirklich teilen? Denn es ist gerade die Komplexität der Wirklichkeit, die dabei verloren geht und es erscheinen die einfachen, falschen Lösungen naheliegend.

    Ein Beispiel der letzten Zeit: Angeblich gibt es ein Wundermittel gegen Krebs, und die Pharmaindustrie will das verheimlichen. Dieses Mal war es Methadon, ein etabliertes Opiat.  Das behauptete zumindest eine typische, auf Empörung aufgebaute Story die im Internet kursierte. Auch meine Facebook-Freunde leiten solche Meldungen weiter – denn sie klingen so überzeugend.

    Darunter findet man meist zahllose Kommentare die sich alle einig sind. Es ist egal, dass die ganze Story unwahr ist. Es stärkt das eigene Weltbild derer, die sowieso schon wissen wie böse die Industrie ist, besonders die Pharmaindustrie. Wie komplex die Wahrheitsfindung in der Medizin wirklich ist, mit ihren prospektiven randomisierten doppeblind-placebokontrollierten Studien und Metaanalysen, wissen die meisten Menschen nicht. Es genügt schon, wenn irgend jemand irgend etwas behauptet, um es für wahr halten zu können. Hauptsache es passt zum eigenen Weltbild.

    Was aber gilt es zu tun? Zum einen gilt es, nur dann etwas weiter zu verbreiten, wenn man sicher ist dass es auch wahr ist. Und nichts, was nur durch Sensationsgier, Angst etc. wirkt. Man sollte deshalb auch über Terror, Anschläge etc. weder posten noch sprechen, weil die Verunsicherung und Empörung genau das Ziel ist und es genau solche Taten häufiger werden lässt.

    Und es ist auch nicht moralisch schlimmer, wenn ein Mensch durch eine Katastrophe stirbt, wie wenn er durch einen Unfall oder eine Krankheit ums Leben kommt. Wenn die ganze Welt darüber spricht, wurden meist Angst und Sensationsgier angestachelt. Wir sollten uns dem enthalten.

    Der Schlüssel ist die Aufmerksamkeit. Das stimmt nicht nur im Internet. Auch unsere wichtigste Entscheidung, die wir jeden Augenblick neu treffen können lautet: Was oder wem schenken wir unsere Aufmerksamkeit. Es wird sich vergrößern und wachsen, je häufiger wir es tun. Aufmerksamkeit ist unser wertvollstes Gut.

    Es ist eine wichtige Frage, womit ich meine Zeit verbringen möchte. Eines meiner Lieblingszitate ist: „If you don´t have a plan, you´re part of somebody elses plan“.  Hast Du keinen Plan, hat jemand anders einen für dich.

    Es lohnt sich zu fragen, was man möchte, und ob das was man tut, hilft dorthin zu gelangen. Dies gilt in jeden Augenblick neu.

    Für mich ist die Antwort klar: Was mir oder anderen hilft zu wachsen, ist wertvoll. Es ist die Schnittmenge von Spaß und Zweck, die ich idealerweise anstrebe. Wenn man etwas, was einen begeistert mit hoher Intensität tut, dann stellt sich häufig ein Zustand der entspannten Anspannung, des Flows ein, wie es in der Psychologie heißt. Ein Zustand, in dem man genau in der Mitte zwischen Langeweile und Überforderung nah an seinem persönlichen Optimum ist. Dann fällt es einem leicht, etwas gut zu tun, was einem zugleich mehr Energie gibt als es verbraucht. So entsteht Motivation und Energie.

    Der Schlüssel ist die Aufmerksamkeit.

    16.06, über der arabischen Halbinsel.

    Ich liebe Langstreckenflüge. Man gewinnt Abstand. Ist nicht mehr Bürger eines Landes, eines Kontinents, sondern der ganzen Erde. Kann, wenn man Glück hat atemberaubende Schönheit erblicken, weiße Wolkenmeere, schneebedeckte Bergketten, Wüsten, Ozeane und Sonnenuntergänge bei denen die ganze Welt in orange Farbtöne getaucht wird.

    Zugleich erlebt man eines der unglaublichsten technischen Errungenschaften. Eine Maschine, die hunderte von Tonnen schwer und 70 Meter lang und breit, eine unvorstellbare Geschwindigkeit von fast 1000 km/h erreichen kann. Wie schnell das ist, kann man nur wirklich erahnen, wenn man zufällig eine den Weg in einer anderen Flugbahn kreuzende Maschine erblickt. Und das Ganze funktioniert mit Millionen von Starts und Landungen mit nahezu absoluter Perfektion und einer Sicherheit, gegenüber der Spazierengehen lebensgefährlich ist. Weniger als 50 Jahre hat es gebraucht, von den ersten Hüpfern zum sicheren Transatlantik-Passagierflug. Heute, nochmal 50 Jahre später haben sich Qualität und Preis des Angebots um weitere Dimensionen verbessert.

    Fliegen hat auch etwas Unausweichliches. Einmal eingestiegen, gibt es kein Entrinnen. Man kann keine Notbremse ziehen, kein Fenster öffnen, man ist eingeschlossen mit hunderten weiterer Passagiere in einer Aluminiumröhre die unter Druck steht, in einer unwirtlichen, tödlichen Welt mit 20% Luftdruck und -50 Grad Außentemperatur.  Und man ist nicht erreichbar. Kein Anruf muss angenommen werden, keine Email erreicht uns. Es ist ein idealer Platz, um zu schreiben.

    Dort oben bekommen alle Gedanken einen größeren Rahmen. Sie werden eher weiter als enger, und so lassen sich gut größere Pläne schmieden, größere Perspektiven betrachten. Es war mein letzter Rückflug von Indien im Frühjahr diesen Jahres, als sich das Tor zu der Entscheidung bei mir öffnete, mit der Familie länger auf Reisen zu gehen.

    Und für mich ist Fliegen auch immer ein Stück Heimatgefühl. Es war das Flugzeug, dass mich in den Jahren 1975, 1977 und 1978 von Peru zurück nach Deutschland brachte. Lufthansa stellte die Verbindung her, zuerst noch mit der Boeing 707, jenem Pionier der Düsenjetzeit. Es war laut an Bord, viel lauter als heute. Und es gab nur einen Film, meist nicht für Kinder geeignet. Aber es gab schon damals freundliche Stewardessen und Geschenke für die Kinder. Ich bin immer gerne geflogen, zuletzt sogar als „unbegleiteter Minderjähriger“ mit 9 Jahren zusammen mit meinem 11 Jahre alten Vetter von Lima über New York und Frankfurt nach Stuttgart. Deutschland war ein fernes, unwirkliches Land, in dem ich nach der Ankunft auf der Straße das Gefühl hatte zu schweben, weil man so geräuschlos auf der Autobahn dahinglitt.

    Aber mit dem Flugzeug für uns Kinder alleine erreichbar.

  • Betrachtungen beim Anblick der Cheops-Pyramide

    IMG_5569

    Betrachtungen beim Anblick der Cheops-Pyramide, nachts aus meinem Zimmerfenster.

    Wir liegen auf unserem Bett. Die Kinder schlafen. Jetzt ist es kühler, man kann die Fenster wieder öffnen. Wir haben einer der schönsten Ausblicke vor uns, die man sich vorstellen kann. Genau in unserem Fenster ragt die CheopsPyramide in den Nachthimmel.

    Rein ästhetisch ist sie mit ihrer strengen geometrischen Form ein zeitloses, mathematisch exaktes Symbol. Von einer schnörkellosen Modernität. Ich frage mich: Wie kommt es, dass genau zu Beginn der ersten Hochkulturen ein so gewaltiges und abstraktes Bauwerk errichtet wurde?

    Vor 5000 Jahren, mit dem Beginn der ersten Hochkulturen in der Bronzezeit begann etwas, das sich deutlich von den Milliarden und Millionen Jahren der Erdgeschichte unterscheidet.

    Vorher gab es Lebewesen, in Millionen Spielarten, über Milliarden von Jahren optimiert, adaptiert, in ein gewaltiges, erst die Ozeane, dann die Erdoberfläche und schließlich die Lüfte umfassendes interaktives Netzwerk integriert.

    Das System ist so komplex, dass wir immer noch in den Anfängen sind die einzelnen Prozesse zu verstehen, die etwa innerhalb einer Zelle ablaufen, der Blaupause für alles Leben.

    Die Zelle trägt das Wasser in sich, und so tragen alle Zellen, die höchstwahrscheinlich alle von der ersten Zelle abstammen müssen, das Wasser des Urozeans in sich, in dem sie entstanden ist.

    Da es unmöglich erscheint, eine einzige Zelle mit ihren hochkomplexe, differenzierten spezialisierten Systemen einfach so neu entstehen zu lassen, müssen sie alle durch Teilung aus der ersten Zelle entstanden sein.

    Das erkennt man auch am exakt definierten Salzgehalt der Zelle, die Mischung an Natrium, Kalium, Chlorid und anderen Mineralien die wir heute in uns tragen.

    Diese ist sozusagen der transportabel gemachte Urozean. Es ist also das Wasser, das wir höher entwickelte Lebewesen transportabel und beherrschbar gemacht haben, in der Zelle.

    Jede Zellwand hat ein komplexes System an Pumpen und Kanälen, um den Spiegel an Elementen und Wasser exakt aufrechtzuerhalten.

    Die Biospähre, „Gaia“, wie sie Lovelock genannt hat, der globale Organismus interagiert hocheffizient, bis schließlich durch Photosynthese in Milliarden Zellkraftwerken über Milliarden Jahren genug energiereicher Sauerstoff in der Atmosphäre angereichert wurde, damit Lebewesen mit höherem Energieverbrauch wie Reptilien, Säugetiere, und Vögel außerhalb des Wassers leben können.

    Dabei wurde das C02, das in der Uratmosphäre in viel größerer Konzentration vorhanden war genutzt und der Kohlenstoff in Form von Pflanzen und Tieren gebunden, bis er schließlich als Öl, Kohle und Gas in der Erde abgelagert wurde.

    Jetzt dauert es weitere hunderte von Millionen von Jahren, bis sich eine Spezies herausbildet, die von früh an beschlossen zu haben scheint, die Welt noch einmal komplett zu verändern, der Mensch.

    Er bricht aus den Urwäldern Zentralafrikas in die Savannen auf, und erobert von dort in kürzesten Zeiten zu Fuß die ganze Welt.

    Es geht, in einer Sichweise betrachtet hierbei immer um eine optimale Nutzung der Ressourcen, um den bessern Umgang mit den Elementen.

    Je mehr gespeicherter Sonnenenergie in Form von Nahrung zur Verfügung steht, umso besser kann der energiesaugende Hochleistungsrechner, unser Gehirn, wachsen. Und je leistungsfähiger der Rechner ist, umso intelligenter seine Lösungen.

    So werden Steine, das Feuer, die ersten Metalle, das Wasser nutzbar gemacht, es werden Tiere domestiziert, Pflanzen gezüchtet. Und sozusagen vor ganz kurzem, weniger als 10.000 Jahren, entsteht daraus weltweit scheinbar aus dem Nichts explodierend eine neue Welt, die Welt der ersten Hochkulturen.

    Alle Elemente, die sie ausmachen kommen uns sehr bekannt vor:

    • geplante und organisierte Landwirtschaft
    • Städte
    • organisierte Verwaltung und ein Regierungs- und Rechtssystem, Militär
    • Arbeitsteilung in der Gesellschaft
    • Schrift
    • differenzierte Religionen
    • gemeinsames Denken und Fühlen durch Sprache, Religion und Kultur
    • einheitliches Kalendersystem

    Und gleichzeitig, das ist offensichtlich, ist mit der magischen Erfahrung, die Welt deuten, verstehen, vorhersehen, beeinflussen zu können eine ungeheuere Euphorie, aber zugleich ein ungeheueres Schwindegefühl verbunden : Was werden die Götter dazu sagen, dass wir in ihr Werk eingreifen?

    Ich bin mir sicher, dass mit den ersten Hochkulturen auch die ersten apokalyptischen Warnungen entstanden sind. Alle Religionen haben dieses warnende Element, vermute ich. Die Sintflut, die Apokalypse, im Christentum ist uns diese Symbolik wohl bekannt.

    Wir, die „kleinen“ Menschen, verstoßen (mit jeder neuen Erfindung, mit jeder neuen „Sozialtechnik“) gegen das Althergebrachte, Bisherige, von den höheren Mächten schon immer so bestimmte.

    Die Rache muss folgen, das ist eine logische Konsequenz. Um dem entgegenzuwirken muss nach der archaischen Logik ein Opfer erbracht werden. Ein Denkmal errichtet werden. Eine Großtat vollbracht werden.

    Psychologisch kann ich bei mir diesen Mechanismus sehr gut heute noch nachvollziehen. Habe ich nicht auch besonders gut im Studium gelernt, wenn ich zuvor am wildesten um die Welt gereist oder Party gemacht habe?

    Ist es nun Eitelkeit („ich, Cheops, bin der Allergrößte, und das werde ich der Nachwelt zeigen“), Stabilisierung des Systems der Herrschaft: „ich bin von den Göttern eingesetzt oder selbst ein Gott, seht was ich und mein System kann und seit ehrfürchtig und gehorsam“ oder Zeugnis der technischen Möglichkeiten? Wahrscheinlich von allem etwas und noch viel mehr.

    Überall auf der Welt beginnt man vor etwa 5000 Jahren Pyramiden zu bauen, etwa auch in Caral in Peru.  Ist die Zeit für einen Entwicklungsschritt gekommen, ist dieser unaufhaltsam und entsteht, ohne dass man darüber miteinander kommunizieren muss, quasi von selbst. Die Logik des Systems bringt den Schritt hervor, so sehe ich es.

    Auf jeden Fall ist es wie ein superdeutliches, markantes Zeichen. Jetzt beginnt ein neues Zeitalter. Die Pharaonen haben sicherlich auf eine lange Geschichte der Entwicklung zurückgeblickt, und zeigen mit den Pyramiden (und anderen hochkomplexe Bauten und Tempeln): Seht, wir sind die Zukunft, der Rest ist nur Vergangenheit.

    Es gibt Berge, aber es gab bis dahin keine exakte Pyramide, deren Umfang „zufällig“ im Verhältnis von 3,141 (der Zahl Pi) zur doppelten Höhe steht. Deren Seiten nur wenige Millimeter vom Idealmaß abweichen. Für die man 3,3 Millionen tonnenschwere Steinquader mit einer Millimeter-Fuge aufeinanderstapeln musste, das heißt 20 Jahre lang 12 Stunden am Tag alle 2 Minuten einen neuen Stein.

    Es ist gelungen. Jetzt, fast 5000 Jahre später steht die Pyramide dort, praktisch unverändert. Der Putz ist ab, aber die schöne Kalksteinverkleidung wurde eben von den nachfolgenden Kulturen genutzt, auch um die Moscheen des Islam zu errichten.

    Aber die Pyramide steht. Auch der Sohn, der es beweisen will hat sein Zeichen gesetzt, ein auch uraltes und hochaktuelles Motiv, die Chephren-Pyramide, nur unwesentlich kleiner, zeigt: das ist reproduzierbar. „Ich kann das auch“. Dann wird es wahrscheinlich langweilig, wen interessiert schon die „dritte Mondlandung mit Apollo 14?“

    Wird man in 5000 Jahren weiter auf die Pyramide schauen? Ich bin überzeugt, natürlich. Wahrscheinlich hat man dann eine der Beiden originalgetreu restauriert, während die andere von den Zeichen der Zeit gezeichnet dasteht.

    Das ganze Areal wird eine von hunderten von Millionen Menschen besuchte Stätte des Weltkulturerbes sein. Als letzte noch existentes der sieben Weltwunder der Antike wird jeder Mensch, der es sich leisten kann (und das werden dann die allermeisten sein) dort in ihrem Leben einmal gewesen sein wollen. Nicht nur wie vor 100 Jahren aristokratische Engländer oder heute das Bildungsbürgertum des Westens. Auch der Handwerker aus Bangladesch, der Lehrer aus Burundi und der Rentner aus Belize.

    Es steht da, als Zeichen unseres Anspruchs. Wir können die Weltgesetze verstehen, und wir können die Welt gestalteten. Wir werden die Evolution weiterentwickeln, wir sind erst bei der Halbzeit angelangt.

    Und so wie der erste Quastenflosser auf Landwegen ein ungeheuer Fortschritt war, und das Ökosystem an Land mächtig durcheinandergewirbelt hat; aber nicht deren Ende eingeleitet hat, so sind die Menschen erst am Anfang.

    Die Ägpyter haben den Nil bezwungen, mit Bewässerungstechnik, Schrift, Arbeitsteilung, einem stabilen Staatsystem eine neue Stufe der Entwicklung eingeleitet. Ich vermute, es gab auch damals eine hohe Verunsicherung, wie lange dies noch so weitergehen kann, wann der „Untergang“ kommen wird. Die Hochkultur Ägyptens wurde nach Jahrtausenden von anderen Kulturen abgelöst. Wir stehen alle auf den Schultern unserer Vorgänger.

    Droht wirklich der „Weltuntergang“ durch globale Erwärmung, Plastik in den Ozeanen und Bevölkerungswachstum, neuen Kriegen etc.? Glaubt man der vorherrschenden Stimmung da draußen, so ist dies hochwahrscheinlich.

    Ich dagegen glaube: Wir sind erst ganz am Anfang eine neuen Epoche. Das Windrad, die Solarzelle, das Iphone: sie werden aus der Zukunft einmal als die Pyramiden unserer Zeit erscheinen. Sie haben eine neue Zeit eingeleitet, nie wieder wird es so sein wie vorher.

    Hochkulturen wurden möglich, weil es das erste Mal Überfluss gab. Genügend Glucose und Wasser für den Betrieb vieler Gehirne in optimalem Betriebszustand. Diese produzieren dann Wunder wie Pyramiden oder die erste Schrift.

    Für die 12 Millarden Menschen, die es voraussichtlich zukünftig auf unserem Planeten haben wird, braucht es ausreichend Energie und gute Ernährung.

    Für beides haben wir bereits die wesentlichen Erfindungen getätigt. Wind und Sonne wird es für alle Zeiten ausreichend geben, und der Wechsel zur regenerativen Energieerzeugung ist bereits vollzogen. Peak Oil ist erreicht. Weltweit wird jährlich mehr regenerative Kraftwerkskapazität errichtet als mit fossiler Verbrennung.

    Wie so häufig ist es am Ende die Ökonomie, die „Economy of Scale“. Wind und Sonne ist einfach billiger geworden als Kohlekraft, und so haben Indien und China dieses Jahr  offiziell hunderte von geplanten Kohlekraftwerken gestrichen. Sie wählen Wind und Sonne, weil sie mit jedem  installierten Megawatt günstiger geworden sind. Und das geht weiter.

    Das Perpetuum mobile ist erfunden. Ein Windkraftwerk erzeugt das Mehrfache an Energie, als es selbst zu seiner Herstellung verbraucht. Kein Rohstoff kann auf diesem Planeten verlorengehen, also kann es auch keine Knappheit geben. Man braucht nur die richtigen Technologien und intelligenten Systeme, um sie vernünftig zu nutzen. Das ist alles kein Hexenwerk.

    Der Philosoph Kant schrieb schon vor Jahrhunderten, ohne seine Heimat Königsberg je weitreichend verlassen zu haben: Handle so, dass die Maxime deines Handelns zum allgemeinen Gesetz erhoben werden könnte.

    Das ist ganz einfach und einleuchtend, und dazu braucht es auch keine religiösen Gebote. Wenn du das tust, was du von allen erwartend würdest dass sie es tun dann wird sich alles ordnen.

    Dazu muss man aber erst mal verstehen, dass es eine globale Zivilgesellschaft gibt. Dass wir auf einem Planeten leben, auf dem alles verbunden ist. Und auf dem jeder Mensch dein Nachbar ist. Kant war der erste, der das vorausgedacht hat.

    Manche Nachbarn mag man, manche nicht. Aber man weiß, dass es Menschen wie Du und Ich sind. Und dass man schlecht um 3 Uhr morgens Krach machen kann und dann sich ärgern, wenn der Nachbar Sonntags den Bohrhammer herausholt.

    Und hier kommt das Iphone ins Spiel. Ich glaube, man wird einmal Steve Jobs genauso erinnern wie den Pharao Cheops. Steve wollte, wie er es selbst sagte, eine „Delle in der Welt hinterlassen“ Man sieht es am angebissenen Apfel. Vielleicht auch das Symbol des Sündenfalls. Auf jeden Fall hat seine Erfindung die Welt mehr verändert in kürzerer Zeit wie je eine Erfindung zuvor, glaube ich.

    Gestern wurde das Iphone X vorgestellt, zum zehnjährigen Geburtstag. Es hat nur eine Dekade gebraucht, bis die ganze Welt in Echtzeit verbunden ist und auf den globalen Wissensschatz Zugriff hat.

    Wie auch auf den heutigen Gemüsepreis auf dem Nachbarmarkt in jeden Dorf in Afrika. Es ist ein Supercomputer, der das Mehrfache leistet als alle Computer die zur Mondlandung benötigt wurden. Es verbindet alle. Bald gibt es alles, überall, jederzeit, sofort.

    Und es ermöglicht neue Erfindungen, Geschäftsmodelle, Spiele, Verhaltensweisen, Arten des Zusammenlebens, Arbeitens. Verändert das Bewusstsein unwiderruflich von jedem Menschen, der damit in Kontakt gekommen ist.

    Wikipedia ist ein wunderbares Beispiel einer erfolgreichen digitalen Zusammenarbeit, die ein gemeinsames, sich ständig selbst verbesserndes Wissenssystem erschafft.

    Aber natürlich, der Fortschritt, darunter verstehe ich vor allem dass Aberglaube und Unwissenheit, aber auch ineffiziente Systeme und Techniken durch bessere ersetzt werden;  dieser Fortschritt, man kann ihn auch Wachstum nennen,  geht nicht linear und ohne Hindernisse von statten.

    Bei unseren Kindern lasen wir ein interessantes Erziehungsratgeberbuch, das so ungefähr lautete: Hilfe, ich wachse! Es beschreibt, wie es vor jedem Entwicklungsschub des Kindes eine Vorphase in die umgekehrte Richtung gibt, zurück zur Mama.

    Der Philospoph Hegel, dessen Grab in der Berliner Chausseestraße ich als Student immer gerne besucht habe, hat es schon richtig erkannt: Auf eine Synthese erfolgt eine Antithese. Natürlich wird mit dem Smartphone jetzt in einer Welt, die weitgehend abgeschottet noch in ihren eigenen oft historischen Ritualen lebt, nicht jeder automatisch begeistert auf den Einstrom von so viel Andersartigkeit reagieren. Es wird natürlich genutzt, zugleich erzeugt es Ängste, verständliche Ängste.

    Da draußen ist eine Welt, die so ganz anderen Regeln zu gehorchen scheint, Regeln die man nicht versteht. Der Zulauf, den der traditionelle Islam hat ist verständlich: Er bietet eine klare Einordnung von Gut und Böse, Reinheit und Schmutz. Und Ablehnung, Rebellion auch gegenüber der Öffnung gegenüber dem Westen, der Moderne ist eine normale Reaktion.

    Doch auf These und Antithese wird die Synthese folgen, davon bin ich überzeugt. Wir werden sehen wie sie aussehen wird. Toleranz, Vielseitigkeit und Zusammenarbeit werden grundlegende Elemente sein, davon bin ich überzeugt. Aber die Zukunft lässt sich nicht aufhalten, sowenig wie die benachbarten Wüstenstämme den Aufstieg Ägyptens verhindern konnten.

    Und so sehe ich die Pyramiden als ein Symbol der Aufklärung und des Fortschritts, wie ihn auch die frühen Amerikaner gesehen haben, so dass sie ihn auf ihre Dollarnoten druckten.

    Sie symbolisiert eine klare, hierarchische Ordnung und natürlich noch viel mehr. Das globale Netz, dass derzeit im Aufbau ist, ein Netz an Verknüpfungen, Möglichkeiten und Interaktionen, dieses Netz hat eine andere frühe Hochkultur, die Indische als „Indras Netz“ auch schon früh symbolisch beschrieben.

    Auch Ägypten kann eine strahlende Zukunft vor sich haben, davon bin ich überzeugt. Hier gibt es Sonne und Wind satt, und mit dem Nil Wasser in alle Ewigkeit. Es gibt eine Tradition, sich diese Kräfte nutzbar zu machen, die Jahrtausende alt ist.

    Es kommt darauf an, hier wieder anzuknüpfen. Würde man die Wüste mit effizienterer wassersparender Technologie und modernen Anbaumethoden nutzen, kann man hier deutlich mehr und besseres Gemüse herstellen als im sonnenarmen Holland. Mit dem Wind und der Sonne gemeinsam vermutlich problemlos auch 200 Millionen oder 500 Millionen Menschen ernähren. Es wird kommen. Schritt für Schritt.

    Ich bin beeindruckt und begeistert von der größeren Perspektive und freue mich auf die nächsten 5000 Jahre.

  • Weltreiseschule

    Montag, 4. September, 21.44 Uhr, Hurghada, Ägypten

    Jetzt beginnt die „Weltreiseschule“. So haben Velis und Lysander die Schule getauft, in die sie jetzt gehen. Es gibt 4 Stunden am Tag, wir haben heute als erstes gemeinsam den Lehrplan, den Stundenplan und die wichtigsten Regeln aufgestellt. Die Kleinen dürfen spielen und malen.

    Viele Vorträge, Fragestunden und Gruppenarbeit, so ihre Vorschläge. Zwischen 7 Uhr und 10 Uhr geht es los, man darf in jeder Position lernen die man mag und ein Kuscheltier darf dabei sein. Die Jungs haben Hefter beschriftet, jeder durfte sich Farben selbst aussuchen. Für die Großen gibt es Tests und Klassenarbeiten, aber keine Noten.

    Heute morgen sind schon alle früh aufgewacht, waren aufgeregt wie es werden wird. Am Ende der 3. Stunde habe auch ich auf das Handy geschaut und mich gefragt, wie lange es wohl noch ist. Ein interessanter, neuer Abschnitt hat begonnen. Der Pool danach fühlte sich für alle wie eine besondere Belohnung an.

    Gerade kommt Lysander noch mit einer Verbesserungsidee: Wir machen jeden Tag eine Stunde nur mit einem Schüler, dann hat der die volle Aufmerksamkeit. Ihm hat es heute Spaß gemacht mit mir den Rahmenlehrplan Mathe der vergangenen Jahrgangsstufen durch zu gehen und zu schauen was noch hängen geblieben ist.

    Ein letztes Mal Pool, Abendessen am Buffet, danach Minidisko und der traumhaft beleuchtete Anblick auf dem Weg zurück zu unserem Zimmer. Das wäre jetzt ein normaler Urlaub gewesen, 12 Tage all inclusive,  morgen könnte der Rückflug sein. Wie meinte der Hoteldirektor gestern bei seiner Rede: „Die Batterien aufladen“.  Wir waren noch nie in einem „Pauschalurlaub“, es war eine erstaunlich positive Erfahrung, ein echter Luxus. Doch zugleich freuen wir uns auf den Aufbruch nach draußen. Morgen um 12.00 fahren wir nach Luxor los, 320 km nach Süd-Westen.

    4kinder.jpg

  • Vertrauen

    Vertrauen

    Samstag, 2.09.2017, 12.34, im Poolrestaurant.

    Die Fragen: Wie viel ist zu tun? Gefühlt befinde ich mich, befinden wir uns im Übergang. Von viel und hoher Geschwindigkeit zu weniger und langsamer. Noch ist die Liste im Kopf lang, und alles erscheint dringend.

    Doch es scheinen auch schon die ersten Strahlen der Entspannung durch. Die da heißen. „Let it be“. Einfach mal alles sein lassen, und nur das Notwendigste tun. Im Pool-Restaurant braucht man ein T-Shirt, also ist es hier anzuziehen. Sonst geht es eigentlich auch mit Shorts oder Badehose.

    Weniger zu tun heißt erst einmal, einem Gefühl zu vertrauen. Vertrauen, dass es auch so wird wie man es sich wünschst, erhofft. Dass nichts Schlimmes passiert wenn man nicht vorsichtig war, sich nicht vorab Gedanken gemacht hat.

    Gefühlt haben wir uns über alles schon vorab Gedanken gemacht. Am Ende aber hat man es nicht alles in der Hand, kann es nicht alles vorab planen. Will es ja gar nicht, sonst wäre es ja keine neue Erfahrung, sondern nur die Ausführung eines Plans.

    Und da gibt es noch dieses kleine, doch wieder wachsende Gefühl, dass hinter dem Loslassen, nicht perfekt sein eine entspanntere, ja größere Perspektive wartet. Dass man sogar aus dieser Entspannung heraus besser entscheiden kann und mehr Lust hat die Dinge zu tun, die man tun möchte. Nicht tun muss, weil sie getan werden müssen.

    Eigentlich war es sogar sehr häufig so. Sind mir nicht die Dinge dann gut gelungen, hatte ich die richtigen Einsichten, Ideen und die meiste Energie, wenn es mir gelungen ist mal richtig loszulassen? Vielleicht bin ich ja nur einfach schon zu lange wieder in der „Hochleistungswelt“ unterwegs? Es fühlt sich nach einer ersten wichtigen Einsicht an.

    Noch zwei Tage im Luxus, dann beginnt ein neuer Abschnitt.

  • The Universal Traveller

    FullSizeRender

    Sunday, 27 August 2017, 8.27 a.m., on the terrace with the first coffee.

    „If there is a sense of reality, there must also be a sense of possibility,“ writes Robert Musil in „The Man Without Qualities“. That made sense to me and I have trained this sense over the years.

    A space of possibilities. This is the view I like. Every morning I have the opportunity to decide for myself where the journey should take me today. It is my decision. It depends on the questions I ask myself. Lysander wanted to know yesterday: What makes success? We will include the topic in the curriculum.

    I find this lifestyle fascinating: travelling and writing together with family and friends. It is our travel space.

    12.28, in the pool restaurant.

    The children have jumped back into the water. Nadine is having a massage. It is a constant exercise not to lose sight of the children and to make sure that the little ones only go into the water with swimming wings. And at the same time to control my own stream of thoughts. If it succeeds, it creates the „flow feeling“ that I love so much and that gives me so much energy. It is activity that generates more energy than it consumes.

    Now the waiter comes and asks for the order. I run to the children in the water, three times pizza, once chicken with chips for Tara. I myself stay with soup, salad, fruit and iced coffee.

    To solve problems creatively you need it:

    Attention (awareness),
    Passion and
    Self control.
    This is what Don Koberg and Jim Bagnall write in „The Universal Traveller“, a book from California in the 70s with the subtitle: „A Soft System Guide to Creativity, Problem-Solving & the Process of Reaching Goals“.

    A gift from our friend Andreas, who read this antiquarian work himself with enthusiasm and gave it to me before the journey. I scanned it with an app and loaded it into the dropbox and now read it on the Macbook and Iphone. My travels are always accompanied by books. They come to you. I pay attention when someone I appreciate recommends a book to me.

    2.30.p.m. Was out snorkeling in the sea. It’s amazing how nature produces such a colourful variety of fish. Everyone has eaten and is swimming in the pool again.

    Everything is a journey, and we are travelers. It is the difficulties on the journey that challenge us.

    As the philosopher Raimund Popper wrote so clearly: „Life is solving problems“.  We all dream of a beautiful life from childhood on. This is important and wonderful.

    But we must also find solutions for the difficulties that arise on the way there. If we become more experienced, we are better prepared.  Have more flexibility and strength to find appropriate solutions for all situations.

    I like what „The Universal Traveller“ writes so much that I copy it myself:

    …think positively; develop a creative viewpoint. Turn life´s challenges and problems into adventures. Seek enjoyment from the ’simple pleasures‘ of curiosity and experimentation by maintaining a positive attitude. Open new doors; look into new corners; question the fixed and stable; experience the ‚abnormal‘.

    Now is the time to set off into the desert. This also seems extremely unusual. Leaving the resort as a jogger: One looks at us curiously, but is friendly. Please note the room number here, they say. Outside across the street you can find the simple dwellings of the employees. Unmastered dogs roam around. We are waved over friendly. The Sahara is enormous. From here it goes on for thousands of kilometres, always only sand and stones. Are the rebels sitting here?  In the evening sun it is very nice out here.

    Today everything is much easier, we return enthusiastically and have a beer at the chilled hotel bar before we return to the children.

     

    Sonntag, 27. August 2017, 8.27 Uhr, auf der Terrasse beim ersten Kaffee.

    „Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch einen Möglichkeitssinn geben“, schreibt Robert Musil in „Der Mann ohne Eigenschaften“. Das hat mir sehr eingeleuchtet und ich habe diesen Sinn über die Jahre weiter trainiert.

    Ein Raum der Möglichkeiten. Das ist die Sichtweise die mir gefällt. Ich habe jeden Morgen neu die Möglichkeit, selbst zu entscheiden wohin die Reise heute gehen soll. Es ist meine Entscheidung. Es kommt auf die Fragen an, die ich mir stelle. Lysander wollte gestern wissen: Was macht Erfolg aus? Wir werden das Thema mit in den Lehrplan aufnehmen.

    Ich finde diesen Lebensstil faszinierend: gemeinsam mit Familie und Freunden zu reisen und zu schreiben. Es ist our travel space.

    12.28, im Poolrestaurant.

    Die Kinder sind wieder ins Wasser aufgebrochen. Nadine ist bei einer Massage. Es ist eine konstante Übung, die Kinder nicht aus den Augen zu verlieren und darauf zu achten, dass die Kleinen nur mit Schwimmflügeln ins Wasser gehen. Und zugleich den eigenen Gedankenstrom weiter zu steuern. Wenn es gelingt, erzeugt es das „Flow-Gefühl“, das ich so liebe und das mir so viel Energie gibt. Es ist Aktivität, die mehr Energie erzeugt als sie verbraucht.

    Jetzt kommt der Ober und fragt nach der Bestellung. Ich laufe zu den Kindern im Wasser vor, drei Mal Pizza, einmal Hühnchen mit Pommes für Tara. Ich selbst bleibe bei Suppe, Salat, Obst und Eiskaffee.

    Um Probleme kreativ zu lösen braucht es:

    1. Aufmerksamkeit (awareness),
    2. Leidenschaft (passion) und
    3. Selbstkontrolle (self control).

    Das schreiben Don Koberg und Jim Bagnall in „The Universal Traveller“ , ein Buch aus dem Californien der 70ger Jahre mit dem Untertitel: „A Soft System Guide to Creativity, Problem-Solving & the Process of Reaching Goals“.

    Ein Geschenk von unserem Freund Andreas, der dieses antiquarische Werk selbst mit Begeisterung gelesen hat und es mir vor der Reise geschenkt hat. Ich habe es mit einer App eingescannt und in die Dropbox geladen und lese es jetzt auf dem Macbook und Iphone. Reisen werden bei mir immer von Büchern begleitet. Diese kommen zu einem. Ich achte darauf, wenn mir jemand, den ich schätze ein Buch ans Herz legt.

    14.30 War draußen im Meer schnorcheln. Erstaunlich, wie die Natur so eine bunte Vielfalt an Fischen hervorbringt. Alle haben gegessen und sind wieder am Schwimmen im Pool.

    Alles ist eine Reise, und wir sind Reisende. Es sind die die Schwierigkeiten auf der Reise, die uns herausfordern.

    Wie schrieb es der Philosoph Raimund Popper so eindeutig: „Leben ist Probleme lösen„.  Wir alle träumen von klein auf von einem schönem Leben. Das ist wichtig und wundervoll.

    Aber wir müssen auch Lösungen finden für die Schwierigkeiten, die auf dem Weg dorthin auftauchen. Werden wir erfahrener, sind wir besser vorbereitet.  Haben mehr Flexibilität und Stärke, angemessene Lösungen für alle Situationen zu finden.

    Mir gefällt es so gut, was „The Universal Traveller“ schreibt, dass ich es selbst abschreibe:

    …think positively; develop a creative viewpoint. Turn life´s challenges and problems into adventures. Seek enjoyment from the ‚simple pleasures’ of curiosity and experimentation by maintaining a positive attitude. Open new doors; look into new corners; question the fixed and stable; experience the ‚abnormal’.

    Jetzt ist Zeit für den Aufbruch in die Wüste. Auch das erscheint äußerst ungewöhnlich. Das Resort zu verlassen, als Jogger: Man schaut uns neugierig an, aber ist freundlich. Bitte die Zimmernummer hier notieren, heißt es. Draußen über die Straße hinweg sind die einfachen Behausungen der Angestellten zu finden. Herrenlose Hunde streunen herum. Man winkt uns freundlich herüber. Die Sahara ist gewaltig. Von hier geht es tausende von Kilometer weiter, immer nur Sand und Steine. Sitzen hier die Rebellen?  In der Abendsonne ist es sehr schön hier draußen.

    Heute geht schon alles viel leichter, wir kehren begeistert zurück und trinken noch ein Bier an der gekühlten Hotelbar, bevor wir zu den Kindern zurückkehren.

     

  • The last night at home – Die letzte Nacht daheim

    The last night at home – Die letzte Nacht daheim

    Tuesday, 23 August 2017, 23.52 hrs, Berlin, at home on the sofa

    Nadine and the kids are asleep. Tomorrow it starts. We travel. It will change our world. It’s our biggest departure so far, I can feel it now. It is really a new way of looking at things. I see it very clearly. That is the initial spark. Because this feeling will accompany us. We practice concentrating on the essentials. And at the same time to open ourselves to the new. To try out new possibilities.  Following curiosity. And to express, to write down what touches us. We can digitally document and accompany our outer and inner journey. It is a test, a sample of how a mobile way of life feels today, in this time. With possibilities that have never existed before. We want to be there. We want to try it out. Growing together.

    It may be that it is not just a test, but a change. Change to another way of looking at things. We perceive ourselves as mobile, global. We are connected with our loved ones and on the way. Progress makes it possible. A net is formed that holds and carries us. A network of connections with those who are important to us. Connections that feel good are strengthened. And which are visible.

    We experiment in the possibility space of modernity. Much is possible, very much. And I am curious about that. I follow my curiosity, my instinct. It’s a big world, there’s a lot to discover. We are ready. And I also feel that this is a turning point. We go one step further. That will change us. The world looks different if we perceive it as a space of possibilities that enables many wonderful contacts, experiences and encounters. New options become visible. I am very grateful and happy.

     

    Dienstag, 23. August 2017, 23.52 Uhr, Berlin, daheim auf dem Sofa

    Nadine und die Kinder schlafen schon. Morgen geht es los. Wir reisen. Es wird unsere Welt verändern. Es ist unser bisher größter Aufbruch, das spüre ich jetzt genau. Es ist wirklich eine neue Sichtweise. Ich sehe es ganz klar. Das ist die Initialzündung. Denn dieses Gefühl wird uns begleiten. Wir üben darin, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und uns zugleich für das Neue zu öffnen. Neue Möglichkeiten zu erproben.  Der Neugierde folgen. Und das ausdrücken, aufschreiben was uns berührt. Digital können wir unsere äußere und innere Reise dokumentieren, begleiten. Es ist ein Test, eine Probe, wie sich eine mobile Lebensform heute anfühlt, in dieser Zeit. Mit Möglichkeiten, die es vorher noch nie gab. Wir wollen dabei sein. Wir wollen es ausprobieren. Gemeinsam wachsen.

    Es kann sein, dass es nicht nur ein Test ist, sondern ein Wechsel. Wechsel zu einer anderen Betrachtungsweise. Wir nehmen uns mobil, global wahr. Sind mit unseren Liebsten verbunden und dabei unterwegs. Der Fortschritt macht es möglich. Es bildet sich ein Netz, das einen hält und trägt. Ein Netz der Verbindungen mit denen, die uns wichtig sind. Es stärken sich Verbindungen, die sich gut anfühlen. Und die sichtbar sind.

    Wir experimentieren im Möglichkeitsraum der Moderne. Es ist viel möglich, sehr viel. Und darauf bin ich gespannt. Ich folge meiner Neugierde, meinem Instinkt. Es ist eine große Welt, es gibt viel zu entdecken. Wir sind bereit. Und ich spüre auch, dass das hier ein Wendepunkt ist. Wir gehen einen Schritt weiter. Das wird uns verändern. Die Welt sieht anders aus, wenn wir sie als ein Möglichkeitsraum wahrnehmen, der viele wunderbare Kontakte, Erfahrungen und Begegnungen ermöglicht. Neue Optionen werden sichtbar. Ich bin sehr dankbar und glücklich.