Kategorie: Chile

  • Around the World (2017-2018)

    Around the World (2017-2018)

    Samstag, 28. Juli 2018, 21.52 Uhr, Hotel Manquehue, Aeropuerto Santiago de Chile

    Weltreisekarte

    Am Horizont der 7-Millionen- Metropole Santiago de Chile sind die schneebedeckten Andengipfel noch einmal in ihrer vollen Pracht in der Sonne zu sehen, als wir unseren letzten Tag in Südamerika verbringen. Eine nette Siedlung von Einfamilienhäusern bot einen Chinesen der leckeres Essen für uns bereitete und einen Spielplatz, an dem sich noch mal alle austoben konnten. Fußball, Volleyball, Faules Ei, Fangen spielen. Doch über uns sieht man schon die Flugzeuge starten. Es sind viele Langstreckenflugzeuge – wer von Santiago abfliegt hat meist lange Strecken vor sich. Nach Rom sind es 14 Stunden, nach Los Angeles 11 Stunden.

    Auch unserer Heimflug wartet, nach fast einem Jahr geht es morgen früh zurück in die Heimat, nach Berlin. Wir sind alle auf eine Art glücklich und aufgeregt. Glücklich, weil wir es geschafft haben. Und weil es daheim all das gibt, was jeder auf seine Art vermisst hat. Manche das Spielzeug, das Essen, andere die Freunde, ein paar Stunden für sich. Die eigene Wohnung. Und aufgeregt, weil alle gespannt sind, wie es sein wird wieder daheim zu sein.

    Wir haben etwas Einmaliges erlebt, das ist klar. Es war ganz vorne vor allem ein Familienjahr, ein Jahr gemeinsam, Tag und Nacht, 24h auf engstem Raum und in großartigen Weiten. Ein Jahr unterwegs, mit ständig neuen Orten, neuen Ländern, unterschiedlichen Kulturen. Wir haben viel, wirklich viel gesehen. Und wir haben einen kleinen Eindruck von der Welt gewonnen.

    Es stimmt, die Welt ist wirklich groß, und mit je drei Monaten für Afrika, Asien, Australien und Amerika haben wir natürlich nur kleine Ausschnitte gesehen. Von den 55 Ländern Afrikas waren wir mit Ägypten, Namibia und Südafrika nur in drei, von den 47 Ländern Asiens waren haben wir  gerade vier gesehen, vor allem Indien, waren nur kurz in Bangladesch, zwei Wochen in Indonesien und kurz in Japan. In Australien und Ozeanien haben wir in sechs Wochen nur die Ostküste Australiens abgefahren, und in zwei Wochen zwei der acht Inseln Hawaiis besucht.

    In Nordamerika waren wir in unseren fünf Wochen in Washington, Oregon, Kalifornien, Nevada, Colorado und Arizona. Und in sieben Wochen Lateinamerika war wir neben einem Stopover in Panama vor allem in Peru, für Bolivien, Chile und Argentinien hatten wir nur 3 Wochen.

    Doch für diese Reise ist es genug. Und wir haben einen guten Eindruck gewonnen. Die Welt, die wir gesehen haben ist friedlicher, wohlhabender und ungefährlicher, als wir es uns meist vorstellen. Sie ist vertrauter und näher, als es viele Berichte erscheinen lassen. Wenn es ein verbindendes Element gibt; dann dass überall die Menschen auf ihr Handy schauen.

    Wir wurden freundlich empfangen, überall. Man hat uns nichts geklaut, es ist auch bei all den Flügen kein Gepäck abhanden gekommen oder nur verspätet angekommen. Wir waren nie richtig krank, von gelegentlichen Erkältungen wie auch daheim mal abgesehen. Und auch unsere Liebsten daheim sind gesund geblieben – was für ein Glück!

    Es gab keine Probleme bei Grenzübertritten oder mit Polizeikontrollen, ein einziges „Ticket“ wegen zu schnell fahren in den USA wurde uns mit der Erläuterung überreicht, wir sollten dies doch bitte verschweigen und einfach wegschmeißen – niemand würde uns über die USA hinaus nachverfolgen.

    Und wir hatten auch mit insgesamt fünf Wohnmobilen in vier Monaten, mit vier Mietautos, vier Rollern und über 20.000 Km auf den Straßen der Welt die wir selbst gefahren sind keinen Unfall. Wir haben keinen Arzt aufsuchen müssen und unsere Auslandskrankenversicherung wurde nicht benötigt.

    Es ist fast schon erstaunlich, wie einfach und sicher die Welt geworden ist. Man braucht keine Papierausdrucke mehr von Flugtickets oder Hotelreservierungen, eigentlich alles lässt sich mit dem Handy erledigen. Geld bekommt man fast überall auf der Welt mit der Kreditkarte aus dem Geldautomat, vorbei sind die Zeiten der Bardollar und Travellercheques. Und man kann sich problemlos flexibel und kurzfristig eine Reiseroute überlegen und Flüge, Unterkünfte, Züge, etc. von unterwegs buchen.

    Und in jedem Land in dem wir waren war es kein Problem für wenig Geld und schnell eine Telefonkarte zu bekommen – meist schon am Flughafen. Mit Whatsapp oder Facetime kann man dann auch länger mit daheim telefonieren und sich dabei sehen. Mit dem Blick auf die heimische Tageszeitung, Facebook oder die Mails ist man überall immer auch mit daheim verbunden.

    Zu sechst zu reisen ist meist unpraktischer als mit zwei Kindern. Ein normales Zimmer mit zwei breiten Betten hätte mit zwei Kindern genügt, wir waren so oft auf zwei Zimmer oder eine ganze Wohnung angewiesen. Auch mit dem normalen Taxi kamen wir nicht immer voran, haben oft zwei genommen oder nach einem Minibus Ausschau gehalten, und wir brauchten die extra große Ausführung an Wohnmobilen und den 7-Sitzer als Auto. Aber etwa mit Uber gibt es meist die Option Uber XL- und damit hatten wir in vielen Ländern der Welt leicht und günstig ein passendes Transportmittel in der Stadt.

    Wir sind meist selbst gefahren oder geflogen und haben uns die langen Bus- oder Zugfahrten erspart, die mit den Kindern eher eine Tortur gewesen wäre. Auch das macht das Reisen einfacher – keine morgendlichen Ankünfte am Busbahnhof, übermüdet, mit dem vielen Gepäck und umwimmelt von Taxifahrern. Das habe ich nie am Reisen geliebt und dank Uber ist es meist auch nicht mehr nötig.

    Denn – wir hatten viel Gepäck dabei, und nichts davon war unnötig. Von der Schwimmweste über Fußball und Volleyball, den zwei Legokisten und den zahlreichen Kuscheltieren bis zu den Bastelsachen, Ausmalbüchern und der Festplatte mit Kinderfilmen – alles kam immer wieder zum Einsatz. Genauso wie die Espresso-Kaffeemaschine, unsere Camping-Weingläser und auch die Hängematten, Schlafsäcke, Isomatten und Kissen. Einzig das Moskitonetz haben wir nicht gebraucht. Aber den Trolley dafür täglich. Eigentlich gab es immer etwas zu transportieren damit  – von der dreckigen Wäsche zum Waschsalon bis zum Einkauf oder einfach nur Tara, die keine Lust mehr hatte zu laufen.

    Die paar Bücher waren bald ausgelesen, aber manche Kinderbücher kamen immer und immer wieder zum Einsatz. Sonst wurde vor allem auf dem Kindle oder dem Handy mit der Kindle-App gelesen. Lysander beneidete Velis immer um die Mathe-Übungshefte; hatten wir für ihn doch nur ein Mathe-Lehrbuch dabei.

    Mein Macbook leistete wertvolle Dienste – als Backup für die Photos auf dem Iphone, zum Filme anschauen und auch zum Arbeiten. Es hat sich ausgezahlt, alle wichtigen Dokumente der letzten Jahre eingescannt und in der Cloud zu haben, vor allem für die Steuer. Denn natürlich kam die Steuerprüfung genau dann, als wir gerade unterwegs waren. Aber auch das lies sich von unterwegs lösen, wie die andere kleine oder größere Herausforderung daheim. Zwischendrin zeigte es auch Macken und stürzte immer unvermittelt ab. Aber auch das hat sich zuletzt wieder gebessert. Und da ich alle Daten immer in der Cloud und per Festplatte sichere, war es auch nie bedrohlich.

    Immer wieder wurden die Displays unserer Handys repariert, das geht ja mittlerweile auch beim Iphone 6 für 60 Euro; für Tara ist es machmal einfach schwer Conny oder Petterson und Findus zu schauen und auf das Gerät zu achten… Viel Musik dabei zu haben war auch wertvoll wie auch die Boom zum Hören – und das Spotify-Abo für Hörspiele und neue Musik.

    Am Spannendsten war sicher die Frage der Plätze für die Kinder nach der Rückkehr in Schule und Kita. Gestern schließlich kam auch die letzte Zusage, und die Kleinen können wieder zurück in die alte Kita am Kollwitzplatz, wo schon Velis und Lysander gewesen waren. Das ist ein großes Glück und wir sind sehr dankbar, dass man sich hier Mühe gegeben hat für uns noch zwei Plätze zu finden. Die Zusagen für Lysander und Velis für deren Schulen hatten wir ja schon vor ein paar Wochen und Monaten bekommen.

    Somit kann es daheim in geordneten Bahnen weiter gehen. Wir können wieder wie gewohnt den Großeinkauf beim Aldi machen, morgens Milchreis für die ganze Bande kochen und am Wochenende Tiefkühlbrezeln aufbacken. Die Kinder können im  Garten auf dem Trampolin springen, auf der Marie Fußballspielen und die Freunde um die Ecke treffen.

    Und wir leben dann nicht mehr aus den Koffern, haben eigene Zimmer und den unglaublichen Luxus, uns einen großen Teil des Tages einmal einer Aufgabe zuwenden zu können, die nichts mit Kindern zu tun hat.

    Und dennoch – es war die größte Herausforderung, aber auch das größte Geschenk so viel Zeit gemeinsam mit den Kindern gehabt zu haben. Wir werden dieses Jahr nie vergessen.

    Morgen um 10.50 Uhr starten wir mit Alitalia von Santiago de Chile, nach 14 Stunden erreichen wir Rom. Von dort geht es weiter nach Berlin, wo wir am Montag, den 30.07.2018 um 11.15 Uhr landen werden.

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  • Torres de Paine

    Torres de Paine

    23. Juli 2018, 22.00 Uhr, Calafate, Argentinia

    Durch die ewige Weiten von Patagonien ging es zum Lago Grey im Torre de Paine Parque National.

    Die berüchtigten Stürme waren trotz Sonnenschein zu spüren und fegten mit über 100 km pro Stunde übers Land. Wir sahen viele Schafe, Guanacos und Pferde und erreichten noch vor Sonnenuntergang das Hotel Lago Grey, in der Einsamkeit am Gletscher gelegen. Ein Luxus mit Blick auf tiefblauen Eisschollen und den Gletscher und draußen Winde, die alles wegzuwehen schienen. Warm beheizt ein echtes Erlebnis, einmalig.

    Und heute weiter an türkisblauen Seen vorbei und mit unglaublichem Wind bis zur Grenze, ein Morast und Schlamm. Weiter durch die ewige Pampa bis Calafate in Argentinien. Rotwein und Spaghetti.

    Bald ist es soweit, wir haben die Welt umrundet, was für ein Erlebnis. Es geht, mit den Kindern. Ein einfacher Plan hat Halt gegeben, drei Monate pro Kontinent, Richtung Osten. Hier im tiefsten Winter träumen wir von daheim und wissen zugleich – es war für alle unvergesslich was wir gemeinsam erlebt haben. Danke.

  • Punta Arenas

    Punta Arenas

    22. Juli 2018, 8.37 Uhr, Puntas Arenas, Chile

    Es ist noch stockfinster draußen und die Straße ist vereist. Hier haben die Autos Spikes an den Rädern. Sonnenaufgang ist 9.41 Uhr. Um die Dunkelheit und Kälte zu vertreiben feiern die Menschen Karneval in der südlichsten Großstadt der Welt an der Magellanstraße gelegen, die Feuerland von Patagonien trennt. Morgens beim Anflug sieht man- das Meer ist vereist hier. Mit den Kleinen klettern wir unter dem Zaun durch in den Spielplatz.

    Wir haben uns alle sofort wohlgefühlt, vor allem beim Xuan aus Santiago de Compostela, der nach 10 Jahren Weltreise hier sein Hostal Tragaluz aufgemacht hat – wunderschön selbst renoviert und eingerichtet. Wir genießen Wärme und Kaminfeuer und dass wir gleich wie Freunde abends zur Runde chilenischen Rotwein am Kamin eingeladen werden. Die Chilenen erzählen: wenn es hier im Sommer 12 Grad wird, ist Strandttag! Aber, so fühlt es sich an, wenn man so weit weg vom Rest der Welt ist rückt man zusammen und Gäste werden gleich wie Freunde behandelt.

    Es erinnert an Heimat im Winter, und mit dem Toyota-Geländewagen fühlen wir uns gut gerüstet um gleich aufzubrechen Richtung Norden zum Torre de Paine Nationalpark, 250 Km Richtung Norden.

  • San Pedro de Atacama

    San Pedro de Atacama

    Samstag, 21. Juli 2018, 3.50 Uhr morgens, Santiago de Chile

    Unser Anschluss in Santiago war zu kurz. Mit der Verspätung von Calama aus gestartet, war der Anschluss nach Punta Arenas an der Südspitze des Kontinents schon weg – es hat nichts geholfen wie wir alle gerannt sind. Jetzt verbringen wir die Nacht auf den Flughafen, um 5.00 soll es weiter gehen.

    Chile ist ja eines der wenigen Länder auf der Welt, in den man 6 Stunden in einer Richtung fliegen kann und immer noch im gleichen Land ist.

    Vom ärmsten Land Südamerikas, Bolivien, ist es ein erstaunlicher Kontrast, es ist das reichste Land in Südamerika. Wie unser freundlicher Fahrer, ein Indio des „Likan Antay“, wie er sein Land in der Sprache der Vorfahren bezeichnete meinte: wäre damals Allende an der Macht geblieben, ginge es Chile jetzt eher wie Venezuela.

    Wir fuhren beim ungewöhnlichen Regenwetter an der Minenstadt Calama mit der größten Kupfermine der Welt Chucicamata ( ein Tagebau mit 1100 Meter Tiefe!) weiter durch Windparks und Solaranlagen zum kleinen Dorf San Pedro de Atacama, dem Touristenzentrum Chiles.

    Umgeben von weißen Andengipfeln und grandioser Natur sind die Straßen in Lehm gefüllt mit Touristen, die meisten aus Brasilien. Ein schöner Ort.

    Wir hatten nur einen Tag und nutzten ihn um ein paar der Highlights der Umgebung zu besuchen. Durch die Atacama, die trockenste Wüste der Welt ging es Richtung Norden. Unter anderem sahen wir 3500 Jahre alte Petroglyphen. Es war sehr schön.