Kategorie: Hawaii

  • Goodbye Hawaii

    Goodbye Hawaii

    Tag 134 und 135

    Hawaii hat sich sehr entspannt angefühlt. Mit einer Wohnung von 80m2 direkt am Strand, einem Chevrolet Bus mit 12 Sitzen  vor der Tür fühle ich mich schnell wie ein Amerikaner- das Land mit diesem Easy-Going Gefühl. So haben alle noch mal aufgetankt und das größte Normalitätsgefühl genossen. Platz in der Wohnung, Essen kochen, Zeit für Schule, Entspannung, die Rückkehr vorbereiten, am Strand abhängen. Es war ein wilder Ritt, fast 5 Monate weg von daheim, so viele Länder, so viele Eindrücke, und meistens zu acht. Insgesamt ist es erstaunlich, wie gut alles gemeinsam funktioniert hat. Ich habe jeden Tag genossen und bin vor allem dankbar und habe auch richtig Energie in Deutschland wieder zu starten. Morgen in einer Woche sind wir wieder daheim. Aber zuvor geht es noch heute nach New York, und in vier Tagen nach Island. 

    Auf den Haleakala-Vulkan zum Sonnenaufgang haben wir es doch nicht mehr geschafft, das Wetter, die Reservierung und Nadines Zahn spielten nicht mit. Aber schon auf halber Strecke bei 1500 Meter war der Ausblick großartig. Auf der Wanderung trafen wir auf eine Gruppe an Disc-Golf-Spielern, die im Wald hier ihren Parcour hatten. Und abends am Hausstrand und gestern am Big Beach waren sehr schön.  Nadine besuchte noch eine Deutsche aus Bayern, die mit ihren Kindern in Haiku lebt. Das Leben ist sehr teuer geworden, meint sie- ein Vollkornbrot kostet 16 Euro- das muss man sich leisten können. 

    Morgens im Meer zu schwimmen ist aber wunderschön, die benachbarten Vulkaninsel sieht man am Horizont und gefühlt ist jeden Tag schönes Wetter. Nadine entdeckt beim Schnorcheln gleich mal zwei Meeresschildkröten. Und das Grün ist einfach erstaunlich. Ich trinke einen meiner seltenen Cappucinos im Jaws, einem Café und Restaurant am Straßenrand in Haiku, und es ist eine wunderbare Natur um mich herum. Die meisten Bedienungen und Arbeiter sprechen Spanisch, und so freue ich mich über ein kleinen Smalltalk- fühlt sich immer so vertraut an. Überhaupt hat es eben diese lässige Atmosphäre einer ganz besonderen Urlaubsdestination. 

    Tara freut sich mit Morpheus am meisten auf New York, für mich ist es der vierte Besuch und mich hat es jedes Mal fasziniert und begeistert. Es geht 6,5 Stunden von Kahalui nach Dallas, und von dort 3,5 Stunden nach New York. Die USA haben einfach enorme Ausmaße. Und es ist das erste Mal ein großer Zeitunterschied- von den 12 Stunden zu Berlin sind es zu New York schon mal 6. Wir werden uns daran gewöhnen früh aufzustehen. 

    Day 134 and 135
    Hawaii felt very relaxed. With an 80m2 apartment right on the beach, a Chevrolet bus with 12 seats outside the door, I quickly felt like an American – the country with that easy-going feeling. So everyone refueled and enjoyed the greatest sense of normality. Space in the apartment, cooking dinner, time for school, relaxing, preparing to return, hanging out on the beach. It was a wild ride, almost 5 months away from home, so many countries, so many impressions, and mostly eight of us. Overall, it’s amazing how well everything worked together. I’ve enjoyed every day and above all I’m grateful and have the energy to start again in Germany. We’ll be back home in a week’s time tomorrow. But before that, we’re off to New York today and Iceland in four days‘ time.
    We didn’t make it to the Haleakala volcano for sunrise after all, the weather, the reservation and Nadine’s tooth didn’t play ball. But halfway up, at 1500 meters, the view was magnificent. On the hike we met a group of disc golf players who had their course here in the forest. And the evenings at the Beach in front of us and yesterday at Big Beach were very nice. Nadine visited a German woman from Bavaria who lives in Haiku with her children. She says that life has become very expensive – a wholemeal loaf of bread costs 16 euros – you have to be able to afford that.
    But swimming in the sea in the morning is wonderful, you can see the neighboring volcanic island on the horizon and it feels like it’s nice weather every day. Nadine discovers two sea turtles while snorkeling. And the greenery is simply amazing. I have one of my rare cappuccinos at Jaws, a café and restaurant on the roadside in Haiku, and I’m surrounded by beautiful nature. Most of the waiters and workers speak Spanish, so I’m happy to have a little small talk – it always feels so familiar. In general, it has this relaxed atmosphere of a very special vacation destination.
    Tara is looking forward to New York the most with Morpheus, for me it’s my fourth visit and it has fascinated and inspired me every time. It’s a 6.5-hour drive from Kahalui to Dallas, and from there 3.5 hours to New York. The USA is simply enormous. And it’s the first time there’s a big time difference – from 12 hours in Berlin to 6 hours in New York. We’ll get used to getting up early.

  • On the Road to Hana on Maui

    On the Road to Hana on Maui

    Tag 129 bis 131

    Bei Hawaiian Airlines gab es freies WLAN, Velis hatte einen Platz frei neben sich, und der doppelte 12 April begann mit der Einreise in die USA. 

    Wir waren etwas aufgeregt, aber am Ende wurden wir freundlich in den Vereinigten Staaten empfangen. Ein Umstieg in Honolulu, und weiter nach Maui. Dort wartete schon der weiße Chevrolet Bus mit 12 Plätzen auf uns. Erster Stop Raising Cane’s auf besonderen Wunsch von Tara – und eine große Portion Hähnchen mit der besonderen Soße war ausreichend für uns alle. 

    Danach Walmart- immer wieder überwältigend. Aber wir fanden genug zu essen für die nächsten Tage. Die Packungsgrößen sind erstaunlich, die Preise für Brot, Gemüse und Eier auch -alles mindestens doppelt so teuer wie daheim. Aber freundlich und offen sind alle – hilfsbereit auch. Der erste Cybertruck am Flughafen und die vielen Pickups mit Monster-Reifen beeindruckend. Unser Appartement im Strandnähe der Hammer- eine richtige amerikanische Wohnung, wir fühlen uns sofort wie Amerikaner, wie in einem Movie. Aber auch die teuerste Bleibe der Reise, für 5 Tage mehr als für 12 Tage Wohnmobil.

    Aber was für ein Genuss- jeder hat Platz und kann sich frei bewegen. 

    Es ist warm, windig und der Strand nur über die Straße. 

    Am Morgen gehe ich mit Nadine an der Küste entlang joggen. Den Tag lassen wir uns es gemütlich angehen und genießen den Sonnenuntergang am Strand. Und abends Netflix mit allen 8, die angesagte Miniserie: „Adolescence“. Heftig aber gut gemacht, ohne Cut jede Folge.

    Heute dann „The Road to Hana“ – Nadine ruht sich aus und wir machen zu siebt um 7:30 früh los für große Tour einmal rund um die Insel. Es wird ein großartiger Tag mit schwimmen in Wasserfällen, einer der Traumstraßen der Welt mit 100 Kurven und Brücken, alle einspurig. 

    Im Wasser zu schwimmen und nach oben zu schauen wie das Wasser aus 50 Meter Höhe herabstürzt aus dem Bergurwald- einfach magisch . Maui ist wunderschön.

    Morgen soll es zum Vulkankrater auf 3000 Meter Höhe gehen. 

    Day 129 to 131
    Hawaiian Airlines had free Wi-Fi, Velis had a free seat next to him, and the double April 12 began with our entry into the United States.
    We were a little nervous, but in the end we received a friendly welcome in the United States. A change of planes in Honolulu, and on to Maui. The white Chevrolet bus with 12 seats was already waiting for us there. First stop Raising Cane’s at Tara’s special request – and a large portion of chicken with the special sauce was enough for us all.
    Then Walmart – always overwhelming. But we found enough to eat for the next few days. The pack sizes are astonishing, as are the prices for bread, vegetables and eggs – all at least twice as expensive as at home. But everyone is friendly and open – and helpful too. The first Cybertruck at the airport and the many pickups with monster tires are impressive. Our apartment near the beach is amazing – a real American apartment, we immediately feel like Americans, like in a movie. But also the most expensive place to stay on the trip, more for 5 days than for 12 days in a motorhome.
    But what a pleasure – everyone has space and can move around freely.
    It’s warm, windy and the beach is just across the road.
    In the morning, I go jogging along the coast with Nadine. We take it easy during the day and enjoy the sunset on the beach. And in the evening, Netflix with all 8 of us, the latest mini-series: „Adolescence“. Fierce but well made, every episode without a cut.
    Then today „The Road to Hana“ – Nadine rests and the seven of us set off at 7:30 in the morning for a big tour around the island. It’s going to be a great day with swimming in waterfalls, one of the world’s dream roads with 100 bends and bridges, all single-lane.
    Swimming in the water and looking upwards as the water cascades down from a height of 50 meters out of the mountain jungle – simply magical. Maui is beautiful.
    Tomorrow we are going to the volcanic crater at an altitude of 3000 meters.

  • Update: Rechtzeitig aufgebrochen – Lava nur noch 2 km vom ehemaliger Bleibe weg

    Update: Rechtzeitig aufgebrochen – Lava nur noch 2 km vom ehemaliger Bleibe weg

    Sonntag, 6. Mai 2018, Kona, Hawaii, 12.55 Uhr

    Wenn es so weiter geht,  ist die Lava in 24 Stunden an unserer ehemaligen Bleibe.

    Wir sind rechtzeitig aufgebrochen. Die letzten 24 Stunden haben sich für das schöne Haus Pele´s Breath von Marc und Ishika dramatisch entwickelt. Die neuen Eruptionen 7 bis 10 sind genau in einer Linie in Richtung auf das Haus aufgetreten und sind jetzt nur noch 2 Km weg, Stand heute morgen 6. Uhr.  Und sie sind bis zu 70 Meter hoch.

    Auf der Karte sieht man mit dem schwarzen Pfeil die neuen Vulkanöffnungen der letzten 24 Stunden, Nummer 7 bis Nummer 10, nach unserer Abreise bis heute morgen.  Leider sieht man auch, dass die Entwicklung genau auf das Haus zusteuert. Wenn es so weiter geht können die Ausbrüche in 24 h am Haus sein (Oranger Pfeil).  Wir hoffen auf das Beste für das schöne Haus und sind zugleich dankbar, nicht mehr dort zu sein.

    180506-Prognose_LF.png

    Hier die detaillierten Karten:

    https://volcanoes.usgs.gov/volcanoes/kilauea/multimedia_maps.html

    Und hier das letzt Update mit der aktuellen Warnung der Behörde

     

  • „Get out of here now!“

    „Get out of here now!“

    Sonntag, 6. Mai 2018, 9.00 Uhr, Waikoloa, Kona, Big Island Hawaii

    Und auf einmal war unser Aufenthalt im magischen Pele’s Breath vorbei. Gegen 14.00 erschien ein Einsatzfahrzeug mit der Behörden mit Blaulicht bei uns. Sie fuhren Haus für Haus ab, um die verbliebenen Bewohner zum Verlassen aufzufordern. „Get out here now, the situation is getting worse!“ sagten die beiden Männer freundlich, aber bestimmt.

    Wir hatten uns schon ganz gut in die Ausnahmesituation eingerichtet. Ich war abends noch in der Dampfsauna. Bei aufgehendem Mond und den vielen Tiergeräuschen der Nacht war der Weg vom Haus herunter durch die atemberaubende Natur noch magischer. Alles sah friedlich, aber zugleich etwas unheimlich aus. Irgendwo da unter uns brodelt die Magma. Und sie sucht sich überraschend neue Wege heraus, hier ganz in der Nähe. Zugleich fühlten wir uns weiter sicher. Die reale Gefahr für uns war minimal.

    Morgens stellten wir fest, das Nachts wieder der Strom ausgefallen war. Er tat jetzt wieder, nicht aber das Internet. So fehlte das beruhigende Gefühl gut informiert zu sein. Wir haben ja beide keine funktionierende Telefonkarte, und Handyempfang gab es am Haus eh nicht.

    Erst einmal gab es Frühstück.

    Und die Kinder malten weiter Vulkanbilder. hier das von Tara: man sieht deutlich, sie versteht dass die Lava unter der schwarzen Oberfläche fließt.

    Bei Velis ist der ganze Berg aktiv:

    Nadine setzte sich um 13.00 ins Auto, um das „Civil Defence Update“ zu hören. Es sprach von zwei neuen Öffnungen und „increased activity“.

    Ich lief die Straße entlang. Es war kein Auto weit und breit zu sehen, nur die grandiose Natur. Am Ende sah ich wieder die Einsatzkräfte, die Einfahrt von der Küste hinein blieb gesperrt.

    Wir waren allein, die letzten anderen Gäste weg und Marc und Ishika auch nicht daheim. Als dann ein Pickup mit Blaulicht bei uns auf das Grundstück kam, wusste ich dass es jetzt Zeit war aufzubrechen.

    Wir verließen Pele’s Atem wehmütig und zugleich dankbar, so ein Abenteuer so hautnah erlebt zu haben.

    Mir kam das Hotel California in den Sinn: etwas erinnere mich dieses große, einsame Haus daran. War das hier das Hotel Hawaii: „such a lovely place“

    „this might be heaven or this might be hell“?

    Es hatte seine besten Tage hinter sich, so sieht es aus. Aber es hat einen magischen Charme. Natur, Ausblick, der verwunschene Garten, die aus Lavafelsen gebauten zwei Saunas, die Löcher aus denen kontinuierlich Damf aufsteigt. Blick auf das Meer, ein feuchtes Klima mit tagelang Regen. Ständige Erdbeben. Die freundlichen „Herbergseltern“ Marc und Ishika, die aber zugleich etwas abwesend erscheinen. Fühlen sie sich hier Zuhause? Dann kommt die Sonne heraus, und der Vulkan bricht nebenan aus und es gibt schwere Erdbeben.

    Wir sind zwei Nächte danach noch geblieben. Hatten eine tolle Zeit, haben uns gemeinsam der Aufgabe gestellt Ruhe zu bewahren.

    Zwei Momente waren besonders aufregend: nach dem ersten Sirenen zu lesen, dass tatsächlich ein Ausbruch stattfindet, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft! Was für eine Synchronizität, dass wir hier gerade jetzt sind!

    Und dann das Gefühl, bei wackelndem Untergrund im Bett zu liegen und einschlafen zu wollen. Und sich dabei vorzustellen, was auch hier passieren könnte wenn es doch nicht nur ein kleiner Ausbruch des unberechenbaren Kilaue ist.

    Aber alles ging gut, und Grenzerfahrung erweitern den Horizont und schweißen zusammen.

    Als wir dann in Pahoa unsere Pizza aßen und danach auf der Straße standen, fühlten wir uns etwas lost. Wohin jetzt?

    Doch dann: mit dem ersten WLAN gab es wieder Infos. Wir fanden eine neue Bleibe in einem schicken Resort in der Nähe des Traumstrands Hapuna Beach.

    Und fuhren die Nacht hinein durch Nebel über die Insel.

    Heute morgen eine ganz andere Welt. Alle sind sehr glücklich.

    Und in den Nachrichten wie in der FAZ ein seh guter Bericht über das, was wir hautnah miterlebt haben.

    http://m.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/nach-vulkanausbruch-und-beben-lava-auf-hawaii-15577001.html

    Ich nutze auch das erste Mal den Facebook Crisis Response:

    Heute morgen das Civil Defense Update:

    Jetzt sind es neun Öffnungen. Es ist gut, das wir aufgebrochen sind.

  • Im Katastrophengebiet: Die Erde bebt, die Lava fließt

    Im Katastrophengebiet: Die Erde bebt, die Lava fließt

    Freitag, 4. Mai 2018, 18.25, Pele´s Breath, Pahoa, Big Island, Hawaii

    Es ist eine seltene Erfahrung, mitten in einem Naturphänomen zu befinden. Wir sind ja zur „Big Island“ auch genau deswegen gekommen, um einen Vulkan zu erleben. Aber was jetzt geschieht übertrifft doch alle Erwartungen. Zugleich sind Berichte im Internet und Fernsehen immer darauf fokussiert, die dramatischsten Bilder zu wiederholen. Und damit zu übertreiben.

    Fakt ist: Wir hatten ein erstaunlich gutes Timing, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Fuhren wir doch am Tag nach unserer Ankunft zur Lava Viewing Area, um die Mondlandschaft des letzten Ausbruchs und Lavaflusses zu sehen. Am nächsten Tag bereits war dieses Gebiet gesperrt. An diesem Tag waren wir oben am Vulkankrater des Kilauea, beim Aussichtspunkt am Jaggar Museum. Es war unüblich gute Sicht, und wir sahen einen sehr aktiven Vulkan mit bloßen Augen. Gestern wurde der ganze National Vulcano Park gesperrt.

    Zwei Tage später fuhren wir an den Schwarzsand-Strand hier am östlichen Rand der Insel, ein „Geheimtip“ der Locals. Es war ein herrlicher Tag mit Sonne, selten hier. Kurz vor Sonnenuntergang dort Begann der Ausbruch in der Leilani Estate Subdivision in Pahoa, direkt nördlich von uns. Das war gestern Abend. Ich denke: Das ist doch direkt bei uns! Tatsächlich, es ist weniger als 4 km weg. Auf der Karte sieht man mit dem Stern markiert unser Haus, an den drei roten Punkten tritt die Lava aus.

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    Wir sahen im Internet Bilder von einer Drohne aus aufgenommen, die zeigen wie die Straße auf einem Abschnitt von mehreren hundert Meter aufgerissen ist und Lava austritt. Es sieht dramatisch aus.

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    Die Nacht rüttelte es weiter heftig. Insgesamt gab es über 500 Erdbeben in den letzten 24 Stunden, derzeit ist dies der geologisch aktivste Ort gerade auf der Welt. Eigentlich wackelt es alle paar Minuten. Dies ist wirklich merkwürdig, das habe ich auch noch nicht erlebt. Ich kenne ja Erdbeben aus meiner Kindheit in Peru. Aber so viele hintereinander dann doch nicht. Wir sind ziemlich genau in der Mitte all dieser Bubbles rechts unten. Rot sind die Erdbeben der letzten 2 Stunden.

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    Morgens fahren wir dann nach Pahoa, um Essen einzukaufen und Pizza essen zu gehen, wie es den Kindern versprochen wurde. Wir fahren dabei an dem gesperrten Gebiet vorbei. Man sieht schwere Laster des Militärs, Straßensperren und die Pickups mit Sachen darauf, die Leute verlassen das Gebiet. Hubschrauber kreisen über uns. Man hört Sirenen.

    Am Straßenrand stehen zwei Kinder mit einem Hund und halten den Daumen hoch. Wir nehmen sie mit, sie erzählen dass sie heute nicht in die Schule gegangen sind. Gestern sei ständig im Unterricht der Boden gewackelt und keine hätte sich mehr konzentrieren können. Jetzt würden sie sich Sorgen um den Hund machen, weil vor Schwefeldioxid gewarnt wird, das aus der Erde austritt.

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    Pahoa ist ein süßer Ort mit alternativem Lifestyle. Der größte Markt ist ein Biomarkt, es gibt viele bärtige, Dreadlocks, Shops mit Kristallen, Batiktüchern und guten Vibes. Es gefällt uns dort sofort. Aber alle reden natürlich über den Vulkan. Die Besitzerin des Thai-Restaurants erzählt, dass sie in Leilani Estates wohnt und die Nacht in ihrem Restaurant verbracht hat.

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    Wir gehen in die Pizzeria, sehr lecker dort. Als die große Margarita auf dem Tisch steht, wackelt der Boden so heftig, dass draußen die Autos vor der Tür hin und herschwingen und ich vorschlage, vor die Tür zu gehen. Es fühlt sich an wie auf einer schwingenden Platte zu stehen, die Strommasten wackeln, der ganze Boden schwingt hin und her. Ich schätze sofort, das ist mehr als Stärke 6.  Das war 12.31. Wir hören nachher: Es war Stärke 6,9, das stärkste Erdbeben in Hawaii seit 1975.

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    Unser nächstes Ziel ist ein Ort mit heißen Quellen, wo wir baden gehen wollen. Dazu müssen wir einmal das Zentrum des Ausbruchs umrunden. Wir sehen viele Einsatzfahrzeuge, aber man lässt uns durchfahren. So gelangen wir bis zum Meer. Dort sieht man ein altes Lavafeld und dahinter drei Rauchsäulen am Horizont, ca. 5 km weg. Wir halten an und steigen aus. Im Radio hören wir die Durchsage, dass Leilani evakuiert wird und zugleich, dass vom Erdbeben keine Tsunami-Gefahr ausgeht.

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    Das Naturbad ist leider geschlossen. Auch am schwarzen Strand 5 km weiter ist niemand. Wir nehmen zwei Tramper mit, die uns erzählen dass Felsen am Strand herabgefallen seien und dass auch ihre Häuser beschädigt seien. Sie wollen nach Pahoa, um sich mit Essen einzudecken. Einer kommt aus Florida und erzählt, er baue sich hier ein Haus um auf lange Sicht „It is a dream“ nach Hawaii ziehen zu können.

    Auch hier wieder ein Glück – waren wir doch gestern am Strand und haben es so genossen. Jetzt ist es dort zu gefährlich – ein weiteres Beben könnte einen Tsunami auslösen oder Felsen herabstürzen lassen.

    Wir haben jetzt das Lava-Gebiet einmal umrundet. Doch jetzt gibt es auch auf der Straße von Süden eine Straßensperre. Man will uns nicht weiter hineinfahren lassen. Wir können mit einem Hinweis auf unser Zuhause die Soldaten doch überzeugen. Wir wollen die Tramper noch bis zur Kreuzung bringen. Doch hinter unserem Haus ist eine weitere Kontrolle, es wird niemand mehr hereingelassen. Wir sind froh es noch bis zum Haus geschafft zu haben.

    Jetzt gerade (20.11) wackelt es wieder heftig. Das ganze Haus schwingt hin und her.

    Der nette Owner Marc empfängt uns. Es sind ein paar Vasen und Gläser herabgefallen, sonst ist alles in Ordnung. Er hat bereits die Scherben aufgekehrt. Nur in die Sauna sollen wir nicht mehr, sie riecht nach Schwefel.

    Wir bekommen regelmäßig weitere Infos per Mail. Man hört Hubschrauber kreisen. Mittlerweile sind es 6 Stellen, an denen Lava austritt. Und der ganze Ort ist von Rissen durchzogen.

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    Wir ruhen uns aus, kochen etwas zu essen. Später kommt Marc mit Ishika nach Hause. Sie erzählen, dass man sie nicht mehr mit dem Auto hat hereinfahren lassen, sie mussten es 1 km außerhalb stehen lassen.

    Jetzt ist uns klar: Wir können jetzt auch nur noch heraus, aber nicht wieder hinein. Gemeinsam beschließen wir: Wir haben noch genug Essen für die nächsten Tage. Und in drei Tagen geht unser Flieger nach Honolulu, San Francisco weiter nach Seattle.

    Die Kinder sind gut drauf und spielen eifrig Lego. Velis erzählt ausführliche Geschichten, die er sich ausdenkt und wo er die Zuhörer zu einlädt. Nadine spielt Uno mit den Kindern, während ich schreibe. Es ist ein besonderes Abenteuer.

    20.19. Schon wieder wackelt es. Wir erleben ein Naturschauspiel. Die Situation ist ähnlich wie im Jahr 1955, so berichten die Experten auf der Webseite der US-Vulkanbehörde. Ungewöhnlich ist, dass die Lava nicht am Krater austritt. Denn der Kilauea ist ja seit 1953 aktiv. Aber besonders ist, dass die Lava sich einen unterirdischen Weg gesucht hat und über zwanzig Kilometer weiter aus dem Boden austritt.

    In den Nachrichten kommen ausführliche Berichte:

    https://www.youtube.com/watch?v=K7MsmbmrVFU&ab_channel=Star-Advertiser

    https://www.youtube.com/watch?v=GNLVKhKUmMw&ab_channel=BigIslandVideoNews

    Aber zugleich: Diese Insel ist genauso entstanden. Es gibt hier weniger Gefahr von Asche, vielmehr fließt hier typicherweise eine Schicht von Lava nach der anderen. Überall wo wir auf „Big Island“ waren sieht man diese riesigen Lavafelder. So geht es weiter. Es ist nur ein Haus bisher zerstört, niemand wurde verletzt. Anders als bei uns sind die Abstände zwischen den Häusern groß, es gibt vor allem viel Natur. Die ist aber so feucht, dass es nicht zu Bränden kommt. Und auch ein Erdbeben von Stärke 6.9 scheint hier keine größeren Schäden anzurichten, sieht man mal von heruntergefallenen Gläsern im Supermarkt oder in den Häusern ab. Die typischen Holzhäuser fallen nicht zusammen, wenn man sie wackelt. Es gab zwar einen Stromausfall nach dem Erbeben, der Strom kam aber schnell wieder. Und wir haben Internet, sind informiert. Können sogar per Facetime mit Eltern und Freunden daheim sprechen. Das beruhigt alle.

    Und wir genießen jetzt die besondere Stimmung. Wir können nicht herausfahren man würde uns nicht zurück in Haus lassen. Aber unser Haus steht auf einem Hügel 100 Meter oberhalb des Grabens, der offensichtlich die unterirdische potenzielle Lava-Strecke ist. Dort steht ja auch die Dampfsauna im Garten. Aber auch in Leilani 4 km weg ist die Lava nur einige Meter weit geflossen. Wir fühlen uns sicher. Und bleiben die nächsten zwei Tage hier. Die Stimmung ist gut. Und werden weiter berichten.

  • Ausbruch des Kilauea

    Ausbruch des Kilauea

    3. Mai 2018, Pahoa, pele’s Breath, Big Island, Hawaii

    Um 18.30 hörten wir die Sirenen, wir saßen gerade in der Dampfsauna. Im Internet steht es: nur 5 km von uns entfernt tritt die Lava aus. Mitten in einem Wohngebiet hat sich die Erde aufgetan. Das Gebiet Leilani Estates muss evakuiert werden.

    Wir packen sicherheitshalber unsere Sachen. Unser Haus steht einsam in der Landschaft, abseits. Aber wir müssen nicht weg. Unser Haus steht höher.

    Aber die Erde bebt. Weiter. Es wird eine unruhige Nacht. Wir haben den Volcanic Eruption Update abonniert. Das letzte Update kam vor einer Stunde. Es wurden Notunterkünfte eingerichtet. Es wird vor Schwefeldioxid gewarnt, wir riechen aber hier nichts. Wer nicht reisen muss soll zuhause bleiben.

    Aufregend. Aber jetzt hört man nur das Gezwitscher des nächtlichen Urwalds um uns herum.

  • Die Erde bebt

    Die Erde bebt

    Donnerstag, 3. Mai 2018, 11.37 Mai, Pele´s Breath, Pahoa, Big Island, Hawaii, USA

    Die Spannung steigt. Gerade hat der Boden wieder gewackelt. Seit vorgestern gibt es immer neue Erschütterungen.

    Am Dienstag wurde auch das ganze Gebiet des „Lava Watching“ vom Vulkan bis zur Küste gesperrt, wo wir am Montag noch mit den Kindern am Eingang waren. Es droht die Öffnung eines neuen Lava-Ausgangs unterhalb des Pu’u O’o Kraters, der etwas unterhalb des Hauptkraters des Kilauea gelegen ist, wo wir unsere Fotos gemacht haben.

    Und schon wieder wackelt gerade die Erde, während ich diese Zeilen schreibe.

    Um 10.30 Uhr, vor eine Stunde war es ein Erdbeben der Stärke 5.0. Ich saß hier draußen vor der Tür, als es richtig wackelte. Ich kenne ja das Geräusch der rüttelnden Glas-Schiebefenster noch von meiner Kindheit in Peru.

    Hier in den USA ist alles extrem gut wissenschaftlich untersucht. Ich kann jetzt schon das Update im Internet lesen, die Karte mit dem derzeit betroffenen Gebiet anschauen und bleibe informiert. Wir sind ziemlich genau dort, wo die Straße 130 markiert ist – mitten in der Erdbebenzone.

    180503-Kilauae Volcano East Rift Zone

    Man kann aber Vulkane nicht vorhersagen. Zwar gleichen die Muster denen vor den letzten Ausbrüchen, aber es kann auch genauso gut anders verlaufen. Auf jeden Fall hat der obere Kratersee (an dem wir vorgestern waren)  seit gestern 30 Meter (!) an Höhe verloren. Bei 300 Meter Durchmesser des Kraters ist das eine große Menge Magma, die sich einen anderen Weg gesucht hat, über eine Million Kubikmeter.

    Die Welt ist in Bewegung und ändert sich. Oberhalb eines Magma-Schlots, der durch die Erdkruste tief bis zur heißen Magma im Erdinneren ragt ist dies deutlich zu spüren. Die Inseln Hawaiis sind wie auf einer Perlenkette aufgereiht. Man erkennt, die Bewegung der Kontinentalplatte geht Richtung Westen. Ganz im Westen gelegen war Kauai die erste Insel. Und jetzt ist der östlichste Teil der östlichsten Insel „Big Island“ der Ort, wo der unterirdische Schlot die Verbindung zum Erdinneren hat und das ist genau dort, wo wir jetzt sitzen.

    180503-Karte Hawaii

    Und schon wieder vibriert es.

    Dort, wo die Lava geflossen ist gibt es nach kurzer Zeit erste Pionierpflanzen, die den neuen Boden besiedeln. Und es gibt Pioniere die dort genau hinziehen. Es ist das günstigste Land das man erwerben kann. Schon für 5000 Dollar kann man ein Grundstück kaufen und ein Holzhaus daraufstellen. Am Besten eines, das sich mit dem Laster bewegen lässt, wenn der nächste Lavastrom doch wieder dort entlang gehen sollte. Wir haben zahlreiche Häuser gesehen.

    Hawaii wurde erst im ersten Jahrtausend nach Christi von den Polynesiern besiedelt, als deren Schiffe weit genug fahren konnten und um 1000 begann eine stärkere Besiedlung der Insel.

    1778 erreichte der Brite James Cook als erster Europäer Hawaii. Die mitgebrachten Infektionskrankheiten, vor allem Pocken reduzierten die Bevölkerung von 300.000 auf 20.000 im Jahre 1920. Gleichzeitig wuchs auch der Einfluss der USA, die aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen (Zuckerrohr und Ananasanbau) die Insel schließlich 1959 annektierten. Die militärische Bedeutung wurde deutlich, als am 7. Dezember 1941 der Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf O’ahu  (Honolulu liegt dort) durch einen Überraschungsangriff der Japaner zerstört wurde – der Beginn des Kriegseintritts der USA im 2. Weltkrieg.

    Hawaii liegt so einsam im größten Meer der Welt, dass erst mit dem Jetzeitalter in den 60er Jahren erste wohlhabende Touristen das ferne Eiland in größerer Zahl erreichten.

    Und das ist nicht das Ende. Der wirtschaftliche Fortschritt macht das Fliegen billiger, und so erreichten 2017 das erste Mal mehr als 10 Millionen Menschen Hawaii, mehr als die Hälfte blieb aber nach der Landung in Honolulu dort auf der Insel O’ahu. Für unter 200 Euro  kann man von der Westküste hier herkommen, und selbst von Japan gibt es für 250 Euro Return-Tickets.

    Und es ist ein attraktives Ziel für Amerikaner auf der Suche nach einem anderen Leben mit mehr Natur, oder auch der Suche nach dem großen Glück. Wie so oft ziehen sie weiter Richtung Westen. Ich mag diese Einstellung. Und sehe für Hawaii eine große Zukunft. Was sind schon 10 Millionen Touristen, wo alleine nach Mallorca im Jahr 2017 fast 14 Millionen gereist sind?

    Wem Kalifornien bereits zu etabliert ist, findet hier was er sucht. Gestern die Fahrt einmal quer zwei Stunden über die Insel durch wunderbar grüne Hügel, aber auch Lava-Mondlanschaften, absolut menschenleer vorbei am 4200 Meter hohen Mouna Kea zur trockenen Westküste mit seinen hellen Traumstränden war wunderschön.

    Hapuna Beach war nicht untouristisch, aber die Kinder fanden die sanften Wellen und den tollen weißen Sand großartig und der kritische Lysander gab dem Strand 9 auf seiner Skala von 1 bis 10.  Ich setzte nur einmal die Taucherbrille auf und schwamm etwas hinaus, zu dem kleinen Riff um das sich einige Schnorchler gruppiert hatten.

    Als ich ein paar Korallen sah dachte ich schon – na ja, die machen ja sicher Geld damit den Touristen die Sachen auszuleihen, hier gibt es ja nichts zu sehen.  In diesem Augenblick sah ich vor mir auf einmal etwas sich bewegen. Es war eine große Schildkröte, die an der Koralle versuchte etwas abzubeißen. Sie war mindestens so lang wie Tara. Es kam noch eine zweite und eine dritte Schildkröte dazu. Ich hätte sie anfassen können, sie schwammen direkt vor mir. Erstaunlich.

    Jetzt brechen wir auf zu einem kleinen schwarzen Sandstrand 15 km von hier. Hier treffen sich vor allem die Einheimischen, und er hat einen alternativen Touch  – Kleidung ist freiwillig.

  • Lava

    Lava

    1. Mai 2018, Big Island, Hawaii

    Also: wir haben die Lava gesehen. Am Ende eines langen Tages war es soweit: Pele war uns gnädig, seit Tagen steigt der Lavasee an, es war gute Sicht und man konnte ab Einbruch der Dunkelheit wirklich aus dem Kaminschlot ständig neue Magma austreten sehen. Sie spritze heraus und füllte den See weiter an. Magisch. Dafür hat es sich gelohnt hier her zu kommen.

    Am Morgen starteten wir in Hilo im Tsunami-Museum, in einer alten Bank untergebracht. Im Tresor (erstaunlich wie dick die Tür ist) gab es einen Film, draußen waren Schulklassen beim Unterricht. Was ich mitnahm: Hawaii ist nicht nur die einsamste Siedlung von Menschen auf der Erde, auch die am meisten von Tsunamis bedroht. Der „Ring of Fire“ von dem wir schon in Osaka gehört hatten führt dazu, dass rings um Hawaii Erdbebenzonen sind: Japan, Alaska, Sibirien, Chile- von überall können Tsunamis kommen. Und am meisten ist Hilo gefährdet. Lebt man an der Ostküste von Big Island, hat man sozusagen den Vulkan im Nacken und den Tsunami vor der Tür. Ein wilder Fleck.

    Auf dem heutigen Lei-Fest in Hilo bekam Morpheus dann auch gleich sein erstes Enfield- Gewehr überreicht, von einem Soldaten. In historischer Uniform. Nach so viel anschaulichem Geschichtsunterricht waren wir bereit für das Feuer.

    Dieses wollten wir uns aber doch näher anschauen. Erst die Natur rund um den Krater, dann am Jaggar Museum den Blick hinein. Nachmittags gab es viele Infos von einem netten Ranger mit Teleskop- man sah dort schon die Lava fließen.

    Nachts dann aber das volle Schauspiel. Wir wohnen ja nur 45 min weg, wir kommen hier wieder her. Eine Erfahrung ohne Vergleich.