Kategorie: Indien

  • Cultural Caleidoskope Kolkata

    13.02.2018, 22.09, Kalkutta

    Wir sind früh um 6.15 ohne die Kids gestartet und haben echt was erlebt. Eine Tour durch das Kalkutta der Kulturen. Waren in der Altstadt, der Builder Area, dem Gebiet der Tagelöhner, Zuwanderer, dem ältesten Straßen von Kalkutta, das ursprünglich nur aus ein paar Dörfern im Sumpfgebiet bestand, bis die East India Company hier 1690 einen Stützpunkt errichteten. Daraus wurde bis 1911 die Hauptstadt Britisch-Indiens.

    Es war toll. Wir waren in Tempeln vieler Religionen, von den Buddhisten, den Christen, den Hindus, den Moslems, den Juden, den Zoroastriern und Chinesen und sahen Bäcker, Hühnerhändler, Bügler, Teeköche, Erdnussröster, Konditoren, Rikschafahrer zu Fuß, Wasserträger und zig andere Berufe bei der Arbeit.

    Hier der Bestatter mit seinen offenen Wagen:

    In den roten Backsteinhäusern lebten mal die Soldaten.

    Nach so vielen Eindrücken holten wir die tollen Kinder ab, die den Vormittag allein verbracht hatten (Danke, Lysi!) und es ging in den versprochenen Aquapark, sehr indisch.

    Zurück vom Stadtrand

    mit den neuen Hochhausvierteln ins Zentrum zur St. Paul’s Cathedral und in das Birla-Planetarium.

    18.30 auf Englisch: Cosmic Collisions. Alle waren begeistert. Und wir, als wir gegen 20.15 wieder daheim waren erschöpft aber erfüllt und glücklich. What a day!

  • Science City Kolkata and New Alipore Market

    Kolkata, 11.Februar 2018, 20.31 Uhr

    Morgens schien die Sonne, und wir packten die Schwimmsachen ein.

    Vor unserem Haus das vertraute Bild von Kühen, die morgens gefüttert wurden. Dann mit dem Uber ganz bequem zum Victoria Memorial, zu Ehren der 1901 verstorbenen Königin errichtet. Ein schöner Bau in einem großen Park, leider aber Montag geschlossen. So fuhren wir weiter zur Science City.

    Das war herrlich dort, eine Welt für Kinder mit vielen vielen Experimenten zum anfassen und ausprobieren.Die Kinder waren sofort begeistert und nach kurzer Zeit war klar: hier bleiben wir den ganzen Tag! Es gab so viele spannende Abteilungen und so viel auszuprobieren.

    Im Spiegelkabinett wurden wir zu einer ganz großen Familie.In der „Geisterbahn“ fuhren wir durch 3.5 Mio. Jahre Naturgeschichte und im 360 Grad Kino erlebten wir die Entwicklung der Menschen hautnah auf Hindi. Die Urmenschen sahen Goa-Gil und seinen Anhängern verdächtig ähnlich.

    Das Essen schmeckte, und im Park und Labyrinth gab es unzählige Experimente, alle in Deutschland aus Sicherheitsgründen undenkbar. Eine Art umgekehrtes Jo-Jo das einen hochzog begeisterte alle. am meisten erstaunte uns wie die Kinder bis zum Ende durchhielten und weiter wild und freudig herumsprangen. Das war wirklich Weltreiseschule as it’s best!

    Die Heimreise würde dann abenteuerlich. Man merkt ja erst was einem wichtig ist wenn man es nicht mehr hat. Mit einem funktionierenden Handy mit Datenvolumen ist Reisen vom A nach B auch für unsere Gruppe kinderleicht. Uber-App aufrufen, Ziel eingeben, Wagen-Preisklasse aussuchen und auf Start drücken. Das Taxi wird minutengenau angezeigt, man sieht Fahrer und Autonummer. Dann steigt man ein, sagt Hello und steigt entspannt am Ziel wieder aus. Kein verhandeln, kein Problem mit dem Wechselgeld. Absolut easy. Uber ist der größte Unterschied beim Reisen seit ich unterwegs bin.

    Jetzt die Erfahrung als das Datenvolumen von 2GB am Tag (kostet in Indien mit Vodacom 5 € im Monat) aus ist.

    5 Taxifahrer stehen am Ausgang bereit. Jeder behaupten sofort zu wissen wo wir hinwollen: New Alipore Market. Schon beim einsteigen gibt es fast eine Prügelei: gilt nun wer uns zu erst anspricht oder wer weiter vorne in der Schlange steht? Wir folgen dem vorderen, mit ungutem Gefühl. Als wir dann mit einem rasenden Fahrer im Ambassador das Victoria Memorial südlich hinter uns lassen wissen wir, das dieser Fahrer nicht weiß wo wir hinwollen. Dann bremst er mitten an einer 6spurigen Straße an einem Zaun und meint: Money. Da hinten auf der anderen Seite sei der New Market. Ich zücke einen 500 Rupien Schein. 300 waren vereinbart, mit Über waren es 197, ok. Natürlich hat er kein Wechselgeld. Dennoch sollen wir jetzt aussteigen. Ich mache klar, dass dies seine Aufgabe sei meinen Schein zu tauschen, nicht meine. Schließlich finden er jemand. Wir müssen aber dennoch erst einmal über den Zaun klettern und landen im Chaos irgendwo. Die Straße zu überqueren ist die erste Herausforderung, der Markt gegenüber die zweite. Wo sind wir? Und wie kommen wir hier weg und dorthin, wo wir hinwollen? Die Menschen sind freundlich und wollen eines von uns: ein Selfie.

    Wir versuchen einen Handyladen in dem Basar zu finden und dabei kein Kind zu verlieren. Zwei Läden sind da, aber sie verkaufen keine Vodacom-Pakete. Die Dämmerung bricht ein. Es hat keinen Zweck, wir müssen es mit einem weiteren Taxi versuchen.

    Der Fahrer ist freundlich und versteht Alipore. Mittlerweile können auch Tara und Morpheus fließend „New Alipore Market“ aufsagen. Er fährt auch nach Alipore. In der Dunkelheit können wir ihn überzeugen dass wir jemand fragen müssen. Einfach herumfahren hilft uns nicht weiter. Am Ende hilft jemand der alles versteht: Englisch, Hindi und wo der Market ist.

    Aber das Einkaufszentrum sieht verdächtig dunkel aus. Eine security-Frau lässt uns hinein. Darin ist es leer und schwarz verspiegelt. Stockwerk für Stockwerk. Ich komme mir wie in einem Film vor. Es ist offensichtlich noch nicht fertig, das Einkaufszentrum. Und es gibt nur ein paar Boutiquen mit Unterwäsche oder Kinderspielzeug. Wir wollten Essen und eine Telefonkarte kaufen. Fehlanzeige.

    Dann, im Erdgeschoss gibt es doch einen Markt. Mit sehr leckeren Kokosnüssen und Obst und Gemüse.

    Jetzt geht es durch die Dunkelheit weiter. Hinter der Tankstelle gibt es einen Telefonladen. Mit Vodafone. Während ich die Karte kaufe warten alle draußen. Bis auf Tara, die läuft einfach weiter und freundliche Inder helfen uns.

    Kaum sind die Daten wieder da, sehen wir auch dass es nur noch 500 Meter nach Hause ist. Herrlich! Wir schaffen das noch. Ein langer Tag voller Erlebnisse ist geschafft. Als wir alle zum Hauseingang hereinkommen rufen wir alle: GESCHAFFT!!!

    Daheim gibt es leckeres Essen von unserer Lady und alle Jungs gehen mit mir unter die Dusche. Es lohnt sich.

  • Ankunft in Kalkutta

    Ankunft in Kalkutta

    18.54 Uhr, Station Road, Alipore, Kalkutta, Indien

    24 Stunden sind wir jetzt in Kalkutta. Es ist anders als erwartet. Der Flughafen modern, alles sehr entspannt und ruhig. Im Taxi dann fahren wir beim Einbruch der Dunkelheit über Autobahnen, mit lila, weiß und blau mit endlosen LED-Lichterketten geschmückten Masten und Geländern, vorbei an Hochhäusern und leuchtenden Parks am Wasser. Wir stehen lange im Stau und sehen Fahrradrikschas, Hütten und Menschen unter den Brücken lebend. Aber irgendwie ist es alles vertraut und der erwartete Kulturschock setzt nicht ein. Wir wohnen in Alipore, werden von einer netten Frau begrüßt die auch dem Taxifahrer am Handy die Strecke erklärte und landen in einer schönen Wohnung im 3. Stock. Es gefällt uns gleich.

    Die Betten sind hart wie für Yogis, alles ist schön eingerichtet und natürlich etwas original indisch mit liebevollen Details und wilden Konstruktionen.

    Vom vergitterten Balkon aus sieht man in den vollgeparkten Hof. Am Eingang steht eine Schale mit vielen Autoschlüssel, und jemand steht dort und hilft.

    Nachdem die Kinder Spaghetti gegessen haben ziehen Nadine und ich noch mal um den Block, vorbei an gewaltigen Baustellen und bunten Straßenszenen zu einem Restaurant.

    Am nächsten Morgen nach einer guten Nacht und einen Kaffee auf dem Balkon

    geht es los in den Trubel da draußen.

    Wir wollen zu Fuß zum Kalighat Kali Tempel. Das ist ein Abenteuer.

    Da heute ein Feiertag ist, schaffen wir es nicht in den Tempel ganz hinein, die Schlange ist zu lang. Aber die Gegend davor und herum, wo man Blumen und Tiere kaufen kann als Opfergabe ist schon eindrucksvoll genug.

    Wir werden überall freundlich begrüßt, und als wir es schließlich mit dem Taxi bis zum Zoo geschafft haben geht es erst richtig los. Velis meinte nur: „Wir sind die Beatles“; weil alle von und mit uns ein Foto machen wollen. Als wir nach vielen Tieren im eindrucksvollen Zoo von 1875 auf einer Decke eine Rast machen werden wir umkreist von Neugierigen. Aber alle sind sehr freundlich und so gibt es SEHR viele Selfies mit uns.

    Glücklich dank wie von unser Lady empfohlen mit Uber nach Hause zurückgekehrt (herrlich die gelben alten Ambassadors, aber wie erklärt man einem Fahrer dass man zum Zoo will?) sind wir erschöpft und erfüllt von so viel Eindrücken.

    Morgen geht es wie den Kindern versprochen in den Aquapark.

  • Letzter Abend in Anjuna

    Freitag, 9. Februar 2018, 18.30 Café Artjuna, Anjuna, Goa, India

    Die Jungs haben sich noch mal einen Pfannenkuchen im Café Artjuna gewünscht.

    Die Sachen sind gepackt, das Haus leer geräumt. Das Taxi bestellt. Wir saßen gestern noch mit Michael und Carmin zusammen, haben uns verabschiedet und noch mal viel aus einer ganz anderen Welt gehört. In der Michaels Mutter, wie wir hörten starb als er 10 Monate alt war. Er der jüngsten von 4 Kindern war. Seine ältere Schwester an einem Schlangenbiss umkam. Michael wurde verheiratet, mit Carmin die er vor der Hochzeit nie gesehen hatte. Sie hatten Glück miteinander. Das Haus, in dem er auch geboren wurde steht hier schon 400 Jahre. Sie haben drei Söhne und eine Tochter wie wir, ein weiteres Kind starb ihnen früh. Michael ist mit 85 Jahren der älteste in seiner Familie. Er wirkt immer noch deutlich jünger. Sein Enkel war da und hat für uns gekocht, sehr lecker Salat und Garnelen. Lysander und Velis verstanden schon viel. Heute war ihr letzter Tag, es gab Zeugnisse und Verabschiedungen. Unsere Freunde aus Assagao, im Sommer auch im Prenzlauer Berg um die Ecke wohnend haben Gulasch gekocht, mit Rotkraut. Es war ein Stück Heimat, herrlich.

    Wir waren noch mal im Schwimmbad, haben Tarotkarten gezogen. Ich war noch mal auf einer richtig vollen Party am Strand, noch voller als auf dem Photo unten aus den 70er Jahren. Michael erinnert sich an die Hippies. Sie waren arm und meistens nackt. Und sie haben Anjuna berühmt gemacht.

    Auch die 84 jährige Lady aus München, die den Winter immer im Mango Shade wohnt hat uns herzlich verabschiedet.

    Es gab noch mal Eis für alle. Wir sind soweit. Mit den Jungs bin ich ein letztes Mal durch die Nacht unterwegs, eine Einladung von der Schule. Kindergeburtstag in Vagator. Vorbei an der Polizeikontrolle (ich fahre einfach vorbei), am Hilltop ( es ist der Party-Monat angebrochen, mit DJs aus aller Welt zu Besuch und den Traveller aus Europa, die jetzt alle im Februar kommen). Wir bleiben stehen, Benzin ist alle. Zu Fuß brechen wir auf, und finden an der Kreuzung einen Grill der passend auch Benzin verkauft. Ein Liter in der Plastikflasche mitgenommen und nachgefüllt, dann geht es weiter. Die Party ist richtig Goa, voller Leute aus der Schule und mit Livemusik und buntem Trubel für Jung und Alt. Morpheus wird aufgefordert auch zu bleiben, so komme ich noch mit hinein.

    Morgen brechen wir auf auf den Teil der Reise, wo keiner von uns schon war. Wir sind aufgeregt und freuen uns. Ein halbes Jahr liegt vor uns.

    Danke für diese tolle Zeit in Anjuna!

  • And now you can relax in your hammock

    And now you can relax in your hammock

    1.2.2018, Anjuna, Goa, India

    „And now you can relax in your hammock“ meinte der junge Mann recht lässig, als er von der vierten Kokospalme wieder herunter geklettert war. Mit nichts als einen Sisalseil um die Füße und einem Messer am Rücken. Wir schauten nur mit stockendem Atem zu. Was für ein Beruf. Er hat es vom Vater gelernt. Michael erzählte, es wollten immer weniger diesen Beruf ergreifen. „No mistakes“ meinte Michael und erzählte, als Kind habe er einmal gesehen was passiert, wenn das Palmblatt an dem sich der Kletter festhält nicht fest ist. „It was just blood flowing out of his head“, meinte Michael.

    Bei mir verbinden sich verschiedenste Gefühle und Gedanken miteinander: Respekt und Bewunderung vor einer Arbeit, einem Leben bei der jeder Schritt, jeder Griff fehlerfrei sein muss, ein Leben lang.

    Was für eine Achtsamkeit. Und was für eine Verbindung mit der Palme: die Füße mit dem Seil bilden die eine Stütze, die Arme um den Stamm geschränkt die Andere. Schritt für Schritt geht es hinauf und hinunter. Und oben angelangt muss man sich mit den Füßen festgeklammerten, und dann das Messer greifen und über Kopf arbeiten. Jedes Blatt das fällt, jede Nuss darf einen nicht mitnehmen. Das Messer ist nicht gesichert. Auch der Kletter nicht. Die Technik mit dem Seil um die Füße ist sicher 5000 Jahre alt. Keine Veränderung. Keine Sicherheit.

    Ich denke, wir einfach ein Haken wäre, eine Klettersicherung wie in Deutschland beim Baumklettern üblich. Es wird hier keine Vorschriften geben, aber auch kein Bewusstsein dass man Gefahren verringern könnte. Es ist eine Art Urvertrauen mit der gearbeitet wird. Faszinierend. Und zugleich etwas, was verschwinden wird. Es ist wie ein historischer Blick. Der zweite Arbeiter meinte schon: „Die Maschinen kommen“ Mit der Hebebühne geht es schneller und sicherer.

    Wir sind erst einmal dankbar. Die letzten Tage fielen immer wieder Kokosnüsse in den Garten, eine an Morpheus vorbei der in der Hängematte hing. Sieht man was für ein Abdruck im Rasen entsteht bekommt man Respekt. Wir haben die Hängematte die letzten Tage gemieden. Jetzt, dank Michaels Hilfe und dem Kletterer, können wir die letzten Tage den Garten noch mal genießen und den Kindern schmecken die Kokosnüsse aus dem eigenen Garten besonders lecker.

    Und zum Sonnenuntergang lassen wir die Kinder noch mal im Haus und gehen zum Curlies an den Strand. Es ist herrlich. Auf einem alten Buch sah ich, dass Strandabschnitt schon in den 70er Jahren der Ort war, an dem die Hippies ihre Parties feierten. Anjuna damals die Final Destination auf der „Morgenlandfahrt“ über Iran, Afghanistan und Indien.

    Ich las auch, das Anjuna und der Hafen in Chapora schon im 6. Jahrhundert Handelsplatz war, Anlaufstelle der Araber und deren Tor nach Indien. Man spürt es, dieser Ort war schon immer ein Treffpunkt der Kulturen.

    Jetzt sieht man junge indische Frauengruppen in Shorts und T-Shirt beim Selfie am Strand die mit den Händen Love schreiben. Ich freue mich und denke mir, was für ein Unterschied zu vor 20 Jahren als ich das erste Mal hier war. Unvorstellbar damals. Goa ist voller indischer Touristen diese Tage, und in Anjuna sind es eher die mit Tattoo und der Einstellung wie auf der Reklame am Straßenrand: „make memories you can’t tell mom and dad!“

  • German Bakery

    31. Januar 2018, 21.08. Uhr, German Bakery, Anjuna, Goa, India

    Wir brechen auf, zur German Bakery. Es ist Konzertabend, wir haben einen Tisch reserviert. Fleemarket day. Mit den drei Jungs auf der Enfield geht es wieder das Labyrinth durch die Nacht. Vorbei an den Steinen auf dem Weg, in engen Slalom um die Palmen, immer eine Gleichgewichtsübung. Es ist schwer das Bike aufrecht zu halten wenn ich in der Kurve mit Schrittgeschwindigkeit einen Kuhfladen oder einer Kokosnuss ausweichen muss. Dann an der kleinen Kapelle vorbei, es riecht nach verbranntem Müll, wie immer abends. Zeit des Einrräucherns der einen oder anderen Art. Daheim mit Kohle und Weihrauch von Carmin in der Tonschale, einmal durch die Wohnung und auf den Balkon um die Moskitos zu vertreiben.

    Draußen der Müll. Blätter und Plastik, alles was brennbar ist. Unverwechselbar indisch.

    Zwischen den hockenden Frauen durch auf den Fleemarket. Dort wird abgebaut. Ein gewaltiges Chaos. Ein indischer Kleinlaster auf Tata-Nano-Chassis, eher Tuktuk als Auto nach dem anderen versucht durch die eine Straße durchzukommen, auf der auch noch Händler, Fußgänger und Tiere unterwegs sind. Mit Vertrauen und Erfahrung kommt man da gut durch. Für Unerfahrene ist es unvorstellbar da durchzukommen. Dann die Abkürzung durchs „Gemüse“ wie es Nadine nennt, ein Trampelpfad auf und ab durch Wildnis und an Häusern vorbei, die Abseits liegen. Man muss mit Gegenverkehr und Tieren rechnen. Immer mit Hunden, die gerne bellen. Und mit Kühen, meistens mehrere. Wir kommen gut durch.

    Über uns ein erstaunlicher Anblick, Morpheus sieht es zuerst: eine Mondfinsternis. Ganz langsam schiebt sich die Erde wieder am Mond vorbei und der Mond wird wieder sichtbar. Als wir ankommen in der German Bakery an unserem Stammplatz mit Krishna (Velis: ich mag ihn nicht, ich mag lieber Shiva!)

    ist die Sichel schon viel größer geworden. Es ist Konzert mit Zauberkünstler und Akrobat Jyoti mit dem Ensemble Tetouze (Elektro Worldwide Groove) und Tänzerin Roksana.

    Tara kommt von Nadine geschoben mit dem Kinderwagen nach. Sie wollte doch noch mit, das Fieber lässt nach und sie kommt wieder zu Kräfte . Langsam. Aber spürbar. Fast zwei Wochen war sie richtig krank. Eine böse Virusgrippe, mit Fieber über 41. Tara brauch Mama und macht es sonst tapfer. Nach 5 Monaten so viele Länder, Eindrücke und Menschen mit 2 1/2 Monate Kita von 9 bis 4 in fremder Sprache nimmt sie sich die Zeit sich ganz zurückzuziehen. Und nur mit Mama und Papa zu liegen, malen, spielen, schlafen. Ich habe vollstes Verständnis für sie und erinnere mich an meine Kindheit in Peru und wie ich auch lange Krankheitsphasen hatte, wo gewöhnliche Virusinfekte ewig dauerten. Das Wichtigste ist es für mich den Kindern die Zeit zu geben und Geduld zu haben. Ihr geht es jeden Tag besser, aber sie möchte bestimmt noch nicht wieder in die Kita. Wir werden sie daheim lassen bis wir wieder losfahren.

    Lysander schließt neue Freundschaften. Ein Junge aus Deutschland dessen Eltern in Assagao leben lädt ihn ein. Er durfte sogar ein Moto-Cross Bike im Garten fahren. Abenteuer.

    Ich gehe sogar mal wegen meiner Hüfte zur Osteopathin Haeather. Eine Kanadierin, die mit ihrem Mann aus London mit ihrem zwei Kindern vor zwei Jahren nach Goa gezogen sind. Ein schönes Haus in Assagao im Grünen. Eine tolle Behandlung. Wo bekommt man für 20 Euro in Berlin oder London eine Stunde beim Osteopathen? Ich werde die letzten Tage noch nutzen. Bekomme Übungen um die Muskeln zu stärken.

    Und morgens weiter Yoga. Werde erleichtert und stolz sein wenn ich da fertig bin, jeden Morgen dort gewesen die letzten Monate.

    Schule steht an. Recherche, Zeugnisse, Anmeldung. Lysander ist ja nach der Heimkehr 7. Klasse. Wir erfahren von den Freunden daheim das es auch ein Thema daheim ist. Es ist fern und nah zugleich ein Thema. Ich bin stolz auf die Kinder, wie sie es alle hier in der Yellow School gemeistert haben.

    Im Hintergrund hört man wieder den Bass. Wir sind in Anjuna, hier hört man eigentlich immer Techno jede Nacht. Dazwischen das Gebell der Hunde. Und die Grillen zirpen.

    Es wird auch heißer. Mehrfach am Tag duschen hilft. Auf dem Bike ist es angenehm.

    Der Aufbruch kommt näher. Bei jedem Sonnenuntergang auf der Veranda denke ich es. Abschied. Eigentlich will man nicht weg. Aber das Visum läuft aus, und die Welt wartet darauf weiter entdeckt zu werden. Und Nadine und ich lieben Aufbrüche.

  • Genesung

    Anjuna,28.01.2018

    Langsam kommt Tara wieder zu Kräften. Nach über einer Woche hohem Fieber geht es ihr langsam wieder besser. Hat wohl eine Virusgrippe erwischt.

    Nadine hat ihren Geburtstag gefeiert und wir hatten ein langes Wochenende dank Republic Day am Freitag.

    Ich war mit den Jungs im indischen Spaßbad Splashdown . Alles sehr abenteuerlich und echt indisch, die meisten Rutschen führten. zu Schmerzen, aber machten auch viel Spaß!

    In der Schule war Sportfest.

    Zu Nadines Geburtstag holten wir frische Krabben vom Fischmarkt in Chapora, direkt am Hafen. 1 Kg für 3 Euro. Mit Butter und Knoblauch sehr lecker!

    Draußen viel los und oft Stau, es ist ein verlängertes Wochenende und Goa voller indischer Touristen.

  • Tage in Anjuna

    Tage in Anjuna

    Freitag, 12. Januar 2018, 21.30 Uhr, Lysanders 12. Geburtstag, Anjuna, Goa, India

    12 Jahre ist es her, das wir unseren ersten Sohn bekommen haben, und was für ein Geschenk ist unser Leben seit dem gewesen.

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    Abends in der German Bakery mit den großen Jungs,  mit dem Motorrad gefahren durch die Nacht und einfach toll zu hören wie gut es den beiden jetzt geht, sie sind glücklich in der Yellow School, haben dort Freunde gefunden und fühlen sich wohl. Spielen Spiele, erfahren Sachen, machen Erlebnisse.

    Aber auch wir sind abends als alle Kinder schliefen noch losgezogen und haben wild getanzt unten beim Curlies bei der Party vor unserer Tür am Strand.

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    Samstag, 13. Januar 2017, 22.49 Uhr, zurück vom Arambol Lake

    Morpheus hat schwimmen gelernt heute.

    IMG_0626Wir haben ihm mal die Schwimmweste ausgezogen, und siehe da, er schafft bis zu 40 Züge im See zu schwimmen. Und davor hat er immer auf dem Rücken sich treiben lassen geübt und dazu gemeint: „Da kann man sich so gut hinlegen und genießen“. Und jetzt freut er sich schon auf daheim um dann das Seepferdchen zu machen.

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    Wir blieben noch bis abends und probierten ein kleines Restaurant am Weg aus. Es hat allen gut geschmeckt.

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    Sonntag, 14. Januar 2017, 18.51, zurück von Change your Mind in Ashwem mit den Bikes und den Kindern

    Information is a difference that makes a difference.

    Tägliche Routinen machen den Unterschied

    Heute morgen war es ein guter Start. Wir haben Vokabeln mit den Kindern gelernt, jeder hat sein neues Vokabelheft angefangen. Danach gab es Papayasalat mit Bananen und Limonen, und dann sind wir mit den Bikes zum Strand gefahren. Schön langsam mit Pausen. Unterwegs gab es Kokosnüsse zum Trinken.

    Mit Nadine hatte ich einen langen Spaziergang am Strand entlang nach Süden, wo wir die nächsten Monate besprochen haben.

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    Wir sind Halbzeit der Reise bald, und werden noch einen Monat in Indien bleiben. Die nächsten Wochen werden wir noch alles Wichtige erledigen, was auch an Arbeit und für daheim ansteht.

    Am 10. Februar geht es nach Kalkutta.  Am 15. Februar läuft unser Visum aus, und wir fliegen nach Dhaka, der Haupstadt von Bangladesh. Zu einem Freund, der dort arbeitet und uns für zwei Tage zu einem Ausflug auf den Brahmaputra mitnehmen will, den wasserreichsten Stromes in Asien, der durch Tibet, Indien und Bangladesh fließt.

    Am 21. Februar dann fliegen wir über Kuala Lumpur weiter nach Melbourne, Australien.

    Wir besuchen Freunde in Melbourne, und dann wollen wir uns wieder ein Wohnmobil holen um die Küste Richtung Nordosten zu fahren. Faszinierende Aussichten. Aber auch wieder alle auf engem Raum, Homeschooling und Abschied von unserer „Heimat“ in Indien mit Haus, Schule, Kita, Yoga, Freunden. Es bleibt spannend.

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    Mittwoch, 17. Januar 2018, 10.36, Cafe Artjuna, Anjuna, Goa, India, nach der Yoga-Stunde

    Habe ich die Freiheit, verbringe ich immer mehr Zeit damit mit dem Körper zu arbeiten und das Wachstum meiner Kinder zu unterstützen. Es scheint ein Zustand zu sein, zu dem ich hinstrebe.

    Hat nicht jeder immer etwas, was ihn einschränkt? Ein Symptom? Bei mir war es eigentlich immer so. Und ich stelle fest, an dieser Blockade, diesem Symptom, dieser Schwachstelle zu arbeiten bringt einen enormen Gewinn, scheint eine wichtige Aufgabe zu sein. Es ist das, was an die Oberfläche des Bewusstseins vordringt von diesem gewaltigen Universum an Atomen, Molekülen, Proteinen, Organellen, Zellen, Organen die in mir leben und die mich ausmachen.

    Interessant. Eine Information ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht. Die Arbeit mit dem „Symptom“ scheint für mich einen großen Unterschied zu machen. Es ist im ganzen Körper den ganzen Tag zu spüren. Und das morgendliche Yoga mit Ian, diese 90 Minuten intensives bedeuten eine ganz starke Übung, die Grenzen meiner Beweglichkeit zu erkennen und diese zu erweitern. Ausdehnung bis an die äußersten Grenzen. An der Grenze entsteht ein intensives Gefühl, ein Grenzgefühl.

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    Erst scheint es der Dehnungsschmerz zu sein, dann, wenn es mir mit zunehmender Übung gelingt mich in diese „Anspannung“ hinein zu entspannen, auszuatmen, den Zustand zu akzeptieren, dann werden Glückstoffe ausgeschüttet. Die den ganzen Tag eine wacheres, intensiveres Bewusstsein im Körper erzeugen.

    Es sind Veränderungen, die erprobt werden, Stellungen die ich teilweise noch nie in meinem Leben eingenommen habe, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Und die Veränderungen kosten Kraft, fordern, aber erzeugen auch eine neue Wachsamkeit. Und es fühlt sich nach einer umfassenderen Gesundheit an, der Zustand der sich danach einstellt.

    Mir kommt wieder die Gaia-Hypothese in den Sinn. Wenn wir unsere persönliche Gesundheit verbessern, näher an unser individuelles Optimum herankommen, sind wir als Individuen dann nicht auch Teil des Planeten Erde und wirken auf dessen Gesundheit? Ist dies nicht eine logische Verbindung?

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    Und mir kommt auch die Reise in den Sinn. Ist nicht diese „Schnapsidee“, mit vier Kindern ein Jahr einmal die Welt umrunden zu wollen, mit all den Herausforderungen von der Gesundheit und Sicherheit und den täglichen Unwägbarkeiten, die notwendige Beschränkung von Komfort, Sicherheit, die Herausforderung sich von Arbeit, Schule, Kita, Familie, Freunden zu lösen und den Sprung ins Unbekannte zu wagen eine Yoga-Übung, eine Dehnungsübung? Erzeugt sie nicht zugleich Schmerz wie die Herausforderung, sich in diesen Schmerz hinein zu entspannen und am Ende ein neues, tieferes Glücksgefühl? Wenn alles gutgeht, und das scheint es, lernen wir neue Routinen für bisher unbekannte Situationen, stärken einzeln und als System Familie unsere Flexibilität und unsere Resilienz, unsere Widerstandskraft.

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    Sicher, vieles ist eine permanente Herausforderung. Der Ort mag noch so schön sein, aber wo ist die Sicherheit in die ich mich hineinentspannen kann? Anders als im Urlaub, wo man von einer klaren Abgrenzung und einem strikten Ablauf daheim für einige Wochen sich die Freiheit erlaubt, loslassen zu können – auch weil man weiß dass daheim die Sicherheit wieder wartet, ist es hier anders.

    Wie wird es werden, das beschäftigt alle. Bei den Großen war es lange die Frage, ob sie sich in einem fremden Land in einer fremden Sprache in der Schule wohlfühlen können. Es hat gedauert, und beide waren tapfer sich diesen Sorgen zu stellen, tags wie nachts. Jetzt sind sie in der Schule angekommen – aber schon wartet geistig die Rückkehr. Wie wird es werden, nach der Rückkehr? Kommen die Kinder zurecht, mit der neuen Klasse, mit der neuen Schule bei Lysander. Wie werden sie mit dem Stoff mitkommen? Es sind Sorgen, die alle Eltern kennen und alle Kinder.

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    Lysander und Velis haben großen Spaß am Tonunterricht an der Schule. Lysander gestaltet einen „Denker“.  Und beide freuen sich, dass die Lehrerin aus Österreich kommt.

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    Montag, 22. Januar 2018, 10.40 Uhr, Café Artjuna, Anjuna, Goa, India

    Nadine hat ihr Yoga- Wochenende mit Arun gemacht.

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    Ich war das Wochenende mit den Kindern im Haus und Garten. Alle genießen es einmal keinen Ausflug zu machen. Und das Licht ist einfach faszinierend.

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    Wir kamen gut klar und wir hatten eine inspirierende Zeit zusammen.  Wir haben Volleyball gespielt, gekuschelt, Purzelbäume gemacht, Kopfstand geübt, Liegestützen und Situps und alle Jungs waren mit Begeisterung dabei.

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    Ich konnte sogar noch mal schwimmen gehen im Ozean, zum Sonnenuntergang.

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    Jetzt, nach 25 morgendliche 90 Minuten Yoga schaffe es mich weiter zu dehnen als die letzten 20 Jahre, schaffe wieder Handstand, Kopfstand, Brücke, Hände auf den Boden beim Stehen. Es lohnt sich. Ich werde noch jeden Tag bis zu unserer Abreise dabei zu sein versuchen. 23cf6728-3bf9-4fa6-8768-33c9ec18095f

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    Lysander flog auch viel seine Drohne, die er zu Weihnachten bekommen hat. Sie hat auch tolle Filmaufnahmen gemacht. Leider verschwand sie bei einem sehr hohen Flug über den Palmen hinter dem Haus und ward nie wieder gesehen…IMG_0605

    Dienstag, 23. Januar 2018, auf der Veranda, Anjuna, Goa, India

    Es ist ein traumhafter Ausblick hier. Diese Farben. So ein Leuchten. Und nach dem Yoga bin ich jetzt wieder in dem wunderbaren ruhigen Space, den ich so liebe. Fühle mich langsam und sanft. So war ich viel in Indien, ich erinnere mich. Es hat mir ungeheuer viel Kraft gegeben so sein zu können.

    Ich habe mich wieder mit großem Einsatz gedehnt. Heute war das Becken und die Beine ganz besonders dran.  Es ist schon erstaunlich, was diese wenigen Stunden Yoga schon für einen Unterschied gemacht haben für mich. Die rechte Hüfte tut mir immer noch weh.  Aber ich komme dennoch viel weiter in die Positionen, ich bin einfach beweglicher geworden. Und so freue ich mich schon auf den nächsten Tag. IMG_E0685IMG_0635

  • Worauf es mir ankommt

    Worauf es mir ankommt

    Mittwoch, 10. Januar 2018, Anjuna, Goa, India

    Worauf es mir ankommt

    Laufen. Yoga. Schwimmen. Schreiben. Weiter am großen Plan arbeiten. Klar ist, ich bin in einer idealen Situation. Klar ist, es hängt von mir ab, was ich daraus mache. Sicher ist, wenn ich morgens Yoga oder Sport mache fühle ich mich besser, mehr in meiner Mitte. Klar ist auch, meine ganze Lebensgeschichte hängt ganz stark davon ab was ich mir zutraue und was für eine Geschichte ich mir selbst erzähle.

    Es stimmt, die Herausforderungen bleiben. Ob ich hier bin oder daheim, ich muss mir erzählen woran ich glaube und es muss eine gute, spannende Geschichte sein. Je begeisterter ich von meiner Geschichte bin, um so mehr ich sie nicht nur glaube, sondern lebe, in jeder Faser spüre, umso mehr wird es zu meiner Wirklichkeit. Das ist meine Erfahrung.

    Und somit sind wieder zwei Dinge wichtig. Die Geschichte so zu erzählen, so an ihr dran zu bleiben, dass sie täglich maximal spannend und aufregend bleibt. Und die Erfahrungen wirklich zu machen, die dann die Gewissheit erzeugen.

    Ein Beispiel:  Ja, man kann viel über spirituelle Einsichten lesen. Aber es ist ein großer Unterschied, damit eine Erfahrung zu verknüpfen, in der diese Einsicht sich so wahr angefühlt hat, dass man sie im ganzen Körper gespürt hat.

    Wie damals im Ashram von Osho in Poona, als ich im Koreagon Park zwischen den beiden Bereichen die Straße entlang lief und mir dachte: Wenn ich jeden Moment als das Optimum annehmen kann, das Nonplusultra, dann gibt es keine Differenz mehr zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Und genau das habe ich gedacht: Leibniz hat recht, ich lebe in der besten aller möglichen Welten, jeder Augenblick ist der höchste Moment. Und dann gilt auch: „Accept whatever is.“

    Von da an hat mich dieser Gedanke nie wieder ganz verlassen. Er ist immer noch präsent, und er sagt mir, dass die Lehren der Meister wie von Ramana Maharshi ganz einfacher Natur sind, wenn man sie einmal verstanden hat.

    Es gibt nicht zu erreichen. Es gibt nichts zu vermeiden. Es ist alles genau richtig so wie es ist. Es wird immer so bleiben. Es gibt keine Hoffnung auf einen besseren Zustand. Es gibt keine Befürchtung vor einem schlechteren Moment. All das ist nicht notwendig. Damit sind auch alle Probleme bereits gelöst. Alle Probleme sind Scheinprobleme.

    Jedes Ziel ist bereits erreicht. Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Es geht gar nicht darum, ohne Angst zu leben. Es geht gar nicht darum, ohne Probleme, ohne körperliche oder seelische Leiden zu leben. Man kann für jeden Augenblick dankbar sein.

    Und man muss nicht auf den Moment warten, der nie kommen mag an dem man frei von Angst, Leid, Krankheit etc. ist. All das sind Einbildungen, denen man hinterherrennt. Man wird nie sicher sein, nie ohne Sorgen. Aber zugleich ist man immer frei von allem. Es ist eine fixe Idee zu glauben man könne diese irdischen Probleme lösen.

    Aber, und das ist der Trick dabei: Indem man das alles annimmt, verliert es seine Schwere. Ob man arm oder reich, gesund oder krank, weise oder ahnungslos, allein oder bewundert ist, ob man gewinnt oder verliert, das wird weniger bedeutend.

    Wir sind alle schon erlöst, erleuchtet, befreit, wie man immer es auch bezeichnen will. Wir sind immer schon verbunden, waren nie getrennt. Und wenn man das begreift, erfühlt, versteht, dann passen auch die Worte am Ende von Faust 2: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“; alles ist nur ein Spiel. Es kommt nicht darauf an.

    Wir können und dürfen mitspielen. Wir sind frei. Das ist alles sehr sehr spannend. Und es ändert sich auch nichts. Vor der Erleuchtung Holz holen und Wasser tragen. Nach der Erleuchtung Holz holen und Wasser tragen. So geht es immer weiter.

    Selbst die Frage, ob man nach dem Tod weg ist, wiedergeboren wird, wieder eins mit dem Universum ist, aus dem Rad der Wiedergeburt ausscheidet, in Himmel oder Hölle landet – sind nichts als weitere irrelevante Spielfragen.

    Aber, und damit ist ja auch nur ein Schritt getan. Ich bin also frei und muss mir keine Sorgen machen. Egal wann und wie. Aber was mache ich nun?

    Da bin ich wieder zutiefst frei und erlaube mir, meinen Leidenschaften, meinen Einsichten und meiner Begeisterung zu folgen. Ich kann mich entscheiden. Ich glaube an Entwicklung, an Verbesserung, Wachstum.  „The universe is a university“

    Ich muss nicht entsagen. Ich muss nicht verneinen.  Vielmehr ist das Spiel des Lebens eines, das auch ausgekostet werden mag. Und so fühle ich mich frei, hier so viel ich mag zu machen, zu erreichen, zu gestalten, mitzuspielen. So viel Ekstase wie ich mag zu erzeugen. So wie ich es möchte.

    Natürlich immer im Rahmen des kategorischen Imperativs von Immanuel Kant:

    „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“.

    Und dem schönen Satz von Aldous Huxley in seinem Brief an Albert Hofmann:

    „Essentially that is what must be developed – the art of giving out in love and intelligence what is taken in from visions and the experience of self-transcendence and solidarity with the Universe.“

    Und das Spiel geht weiter. Ich weiß, dass ich immer neue Aufgaben gestellt bekomme und mir immer neue Aufgaben aussuchen kann. Ich weiß aber auch, dass mich jede Aufgabe wieder fordern wird. Nur wenn ich gefordert bin, komme ich auch an meinen optimalen Bereich, die „zone“, den „flow“, die wieder die Ekstase erzeugt, die ich kenne und liebe.

    Denke ich also an die Zeit nach unserer Heimkehr, weiß ich, dass genau die gleichen Fragen auch dann wieder gelten werden. Das Spiel geht weiter, und ich werde, wenn ich die Aufgaben die an mich gestellt werden diese annehmen. Und tun was zu tun ist.

    Im Zentrum liegt eine Begeisterung. An die komme ich mit den richtigen Techniken heran, die zu mir passen. Und mit einer Wendung nach innen. Auch die ist mit Techniken und guten Texten verbunden. Und der täglichen Praxis. Es sind gute Aussichten.