Kategorie: Indien

  • Abschied von Agonda

    Abschied von Agonda

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    Dienstag, 2. Januar 2018, 8.17 Uhr, auf der Veranda in Sami Beach Huts, Agonda, Goa, India

    Ein letzter heißer Milchkaffee morgens auf vom netten Owner auf die Veranda gebracht. Und bei den ersten Sonnenstrahlen über der Brandung und dem Blick auf den friedlichen Strand und das blaue Meer noch einmal diesen wunderbaren Ort genossen. Über zwei Wochen waren wir an diesem Idyll, und ich habe Agonda definitiv in die Liste der Orte aufgenommen, an die ich gerne zurückdenken werde und die ich noch einmal besuchen will.

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    Wie entspannt es hier war merkt man sogar daran, wie wenig ich im Blog geschrieben habe. Es war sozusagen Urlaub auf der Weltreise. Und eine Weihnachtszeit mit Freunden und Familie. Wir hatten das große Glück, hier in der Ferne uns mit unseren Freunden aus Berlin zu treffen. Der Familie meines Vetters und gemeinsamer Freunde, die Agonda schon seit langer Zeit kennen und deren Vorschlag, uns hier auf der Reise zu treffen wir gerne angenommen haben. Schließlich stieß auch noch meine Schwester mit Familie hinzu, die mit uns jetzt Sylvester verbracht haben und heute mit uns die 80 Kilometer nach Anjuna zurück fahren werden.

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    So waren wir eine große Gruppe, und bis zu 9 Kinder von 2 bis 12 bildeten eine ideale Gemeinschaft, um abends am Strand vor dem Restaurant Bannemann zu spielen und sich in der Dunkelheit im Sand zum Lager anzuschleichen und die Gefangenen zu befreien.

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    Oder in den „Badewannen“, den flachen Uferstellen herum zu plantschen, mit den beiden Surfboards in den Wellen sich treiben zu lassen.

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    Ganz vorne dabei Tara mit Schwimmflügeln und Morpheus mit seinem Weihnachtsgeschenk, der Schwimmweste, mit der er sich selbst in die größten Wellen traut.

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    Die Erwachsenen verbringen den Tag mit morgendlichem Joggen oder einfach auf der Veranda sitzen, im Meer baden, manche machen Yoga am Strand, andere einen Spaziergang die Bucht entlang.

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    Abends vor Sonnenuntergang machte die größere Kinderschar mit beim Pilates, welches unser freundlicher Nachbar, ein Hamburger, der als  Life Coach in Cape Town arbeitet am Strand immer auf Spendenbasis anbot. So gab es oft drei Gruppen: Rechts Pilates, in der Mitte Yoga, und Links Meditierende. Und manche einfach ganz entspannt auf der Decke bei einem Bier.

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    Das Leben so einfach wie es nur sein kann: kein Wohnmobil zu bewegen, keine Fahrt zur Schule, einfach nur morgens aus der Hütte treten und im Sand stehen. Lysander schlief wieder die meiste Zeit in der Hängematte draußen, auch Velis legte die noch im Nachbarort Chaudi erworbene indische Matratze meist nach draußen, um bei seinem Bruder auf der Veranda mit Wellenrauschen zu schlafen.

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    Am Strand kommen immer die weißen Pferde vorbei, zur besonderen Freude der Kinder. Und wenn einem langweilig ist geht man einfach auf die kleine Dorfstraße hinter den Hütten und kann dort in den Buden fehlende Weihnachtsgeschenke, Laternen oder ein Kleid kaufen.

    Es ist ruhig, wenig Musik wird gespielt, abends ist meist Stromausfall und so ist der Kerzenschein mit seinem gemütlichen Licht Teil der Inszenierung. Dazu steigen immer wieder Laternen auf, die man auf der Straße für einen Euro kaufen kann. Auch wir lassen an Weihnachten und Sylvester diese Lampions steigen, was gar nicht so einfach ist – viele schaffen es nicht hoch oder brennen schon beim Start ab.

    Die Kinder geben den Hunden neue Namen und freunden sich mit ihnen an; deren Aufgabe oft einfach darin besteht die heiligen Kühe am Strand zu vertreiben. Abends sieht man die Fischer aufs Meer hinausfahren, und wenn man Glück hat kann man eine Gruppen Delfinen beobachten, wie sie in Strandnähe aus dem Wasser springen. Die Kinder fuhren mit den Frauen eine Bootstour den Fluss hinauf ins Land hinein.

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    Agonda ist ein Idyll, ein Indien für die Postkarte. Der Strand ist blitzsauber, und noch ist vom Massentourismus wenig zu spüren. Seit ich vor 15 Jahren hier war, hat sich allerdings schon viel geändert, aus ein paar Häusern und Hütten am Strand sind viele geworden. Und hinter dem Ort, keine 5 Kilometer weg, ist die Baustelle der NH 66. Auch Indien kommt in der Moderne an und baut Autobahnen – auf 60 Meter Breite soll sie von Bangalore bis Mumbai die 1000 Kilometer zwischen den beiden Millionenstädten verbinden. Goa liegt genau in der Mitte. Die Verkehrsprognose sieht hier bis 2030 den Bedarf für eine sechsspurige Autobahn. Und Agonda hat dann die eigene Autobahnabfahrt.

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    Es ist immer noch das Ziel der Überlandfahrer  – auch bei uns im Resort trafen wir einen Deutschen, der 16.000 Kilometer mit dem Motorrad hinter sich hatte, die klassische Strecke über Iran und Pakistan. Er konnte viele Abenteuer berichten.

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    Wir hatten nur mit allen drei Familien einen Roller, und ich habe die wenigen Ausflüge wie zum Feuerwerk kaufen mit den Kindern mit einer Rikscha gemacht. Immer noch für die Kinder die größte Freude.

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    Es ist eine besondere Situation, so weit weg und so lange schon unterwegs zu sein. Über vier Monate liegen hinter uns, über 7 Monate noch vor uns. Und wo die meisten nach Neujahr wieder nach Hause müssen, liegt bei uns noch ein großer Teil der Welt vor uns. Es ist ein Glücksfall, ein Privileg, für das ich sehr dankbar bin. Aber es ist auch kein Zufall – ich wollte seit ich Kind war immer reisen, lange reisen, und ich wusste immer, ich werde weiter reisen, was auch immer im Leben kommt. Und entsprechend habe ich mein Leben immer eingerichtet und war vorbereitet, wenn sich die nächste Möglichkeit geboten hat.

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    Und so waren diese Tage in Agonda auch eine Chance, aus dem Abstand heraus das eigene Leben neu zu betrachten. Was kann man sich noch wünschen, wenn man so viel schon bekommen hat? Was ist wichtig, wenn man so im Überfluss leben darf, von so vielen Seiten so beschenkt wird?

    Wir hatten eine Hütte mit Doppelbett zu sechst, das war noch mal eine Reduktion auf das Wesentliche. Die Kinder haben es am Besten gemeistert, sie fanden sich mit einem Platz auf dem Boden zurecht und der auf dem Markt gekauften rollbaren Zusatzmatratze für 10 Euro. Auch daran kann man sich gewöhnen, und für mich bleibt das morgendliche Aufwachen mit dem immerwährenden Sonnenschein und dem Strand vor der Tür ein Genuss, der kaum zu überbieten ist.

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    Was ist wichtig, was ist wesentlich? Klar, für jemand wie mich der es seit langem gewohnt ist sich konkrete Ziele zu setzen und die Ruhe und den Schwung der Tage zwischen den Jahren zu nutzen, auf das vergangene Jahr dankbar zurückzublicken und mich auf das Neue zu freuen – für mich ist es klar dass ich auch das neue Jahr mir viel vornehmen werde. Schließlich haben wir die einmalige Chance die Welt zu sehen und das werden wir auch tun. So werden die nächsten Reiseziele konkreter, erste Flüge gecheckt und es schärft sich langsam das Bild, was wir mit den kommenden 7 Monaten anfangen wollen. Bangladesch, Thailand, Kambodia, Vietnam, Bali, Australien, Hawaii, USA und Südamerika mit Peru und Kolumbien liegen derzeit hoch im Kurs. Am Ende müssen die Flüge bezahlbar sein und das Wetter mitspielen. Aber zu lange werden wir auch nicht mehr warten, weil es für die supergünstigen Flüge nach denen wir einfach ausschauen müssen auch einen richtigen Zeitpunkt gibt.

    Vor allem aber hatte ich eine Einsicht, eine Einsicht was für mich für meine zweite Lebenshälfte, die ja auch dieses Jahr beginnen wird wichtig ist. Ich will den Kontakt zu den Menschen intensivieren, denn nichts macht am Ende die Würze des Lebens mehr aus als mit Menschen die einem wichtig sind nah zu sein und Beziehungen auf- und auszubauen und zu pflegen.

    Wir leben in einer großen Welt mit großen Möglichkeiten, und können ein weltweites Netz an Beziehungen aufbauen. Es wird immer darauf ankommen, dass sie mit Bedeutung und Aufmerksamkeit gepflegt werden. Und es ist auch das Gebiet, das sehe ich klar, wo ich noch am meisten lernen kann. Es scheint ja gerade das Geschenk dieser Zeit zu sein, dass sich die Fragen des Alltags lösen lassen und dadurch eine Freiheit entsteht, die aktiv genutzt werden kann.

    Ich freue mich auf das kommende Jahr und auf die kommenden 50 Jahre meines Lebens – und intensive Momente, Tage und Zeiten mit den Menschen, die bei mir eine Resonanz auslösen und für die ich so viel empfinde und mit denen ich viel teilen möchte.

    Wie bei den Nerven in unserem Gehirn sind es die Verbindungen und der Austausch, der an den Verbindungen stattfindet, wodurch alles entsteht was für uns wichtig ist. Dies gilt im Kleinen wie im Großen, und ich glaube daran dass auch hier die Möglichkeiten unbegrenzt sind.

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    Am Ende aber ist es immer der eine Mensch, auf den man sich gerade fokussiert der wichtig und wesentlich ist. Und die Kunst liegt darin, hier vollen Einsatz zu zeigen und sein Bestes zu geben. Ich freue mich weiter darauf.

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    2.1.2018, 14.33, im Taxi unterwegs nach Anjuna

    Ein Moment voller Glück und Dankbarkeit. Wir alle im Taxi, ich mit Morpheus hinten. Das Gefühl der großen Freiheit. Wir fahren nicht nach Hause, wir ziehen weiter um die Welt. Jetzt wieder nach Anjuna. Alle dabei. So herrlich hier hinten auf der Matratze in der dritten Sitzreihe zu liegen.

  • Anjuna, Agonda, Gokarna

    Anjuna, Agonda, Gokarna

    20. Dezember 2017, 14.50, Gokarna, Karnataka, India

    Die Tage vergehen. Die Kinder sind auf der Yellow School, Nadine und ich machen morgens Yogastunden bei Ian. Alle freuen sich auf die Freunde. Kaum sind sie da, geht es auf den Flohmarkt los. Velis entdeckt sein Verhandlungstalent, und bekommt rekordhaft niedrige Preise. „Ich bin einfach weggegangen, dann hat er 150 Rupien für alles gesagt!“ meint er mit seinen Steinen sichtlich zufrieden. Auf dem Fleemarket wird es langsam voller, auch wenn wohl der Saturday Night Market attraktiver geworden ist.

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    Wir essen den traditionellen Fish Thali bei Scarlet in Vagator, der kostet immer noch 100 Rupien (1,30 Euro) und schmeckt sehr lecker.

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    Am Abend treffen wir uns mit den Freunden beim Curlies in South Anjuna.

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    Und dann geht es auch schon los nach South Goa, nach Agonda. Da wollen wir die Weihnachtsfeier und Neujahr verbringen. Es sind gut 3 Stunden Fahrt dorthin, durch herrliche Landschaft.

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    In Agonda war ich das letzte Mal vor 15 Jahren. Es ist mehr los, aber es ist immer noch ein ruhiger, relaxter Ort mit einem traumhaften Strand. Ideal für einen kleinen „Urlaub“ vom trubeligen Anjuna. Ich komme morgens zum Joggen, auch die Kinder kommen manchmal mit.

    Am Ende des 5 km langen Strandes stehen immer noch die Overland-Reisenden mit ihren Bussen und Geländewagen, die aus Europa selbst nach Indien gefahren sind.

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    Mit der Hütte am Strand ist ein „easy life“ für alle.

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    Und für Tara kommt Abends immer ein weißes Pferd vorbei.

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    Ich mache einen kleinen Ausflug nach Karnataka, nach Gokarna. Hier war ich über 20 Jahre nicht mehr. Es sind zwei Stunden Fahrt mit dem Taxi.

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    Gokarna hat immer noch den Charme eines Hindu-Wallfahrtsortes.

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    Und Om Beach lockt, immer noch ein Anziehungspunkt für viele Israelis, die man in Goa nur noch selten sieht. Jetzt gibt es auch eine Straße dorthin.

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    Ich finde sogar noch den Baum, unter dem ich vor 20 Jahren auf meinem Lungi am Strand schlief. IMG_0001

    Zum Sonnenuntergang geht es zurück nach Agonda, ich mache mich auf den Weg. Aber vorher geht es noch mal ins Meer!

  • Yoga in Goa

    Yoga in Goa

    Donnerstag, 7. Dezember 2017, 10.44 Uhr, Café Artjuna, Anjuna, Goa, India.

    Jetzt mache ich also Yoga. Neue Dinge ausprobieren. Ich beschließe immer wieder das zu machen, was ich nie machen wollte. Yoga gehört definitiv dazu. Nadine war die Inspiration.

    Meine ersten beiden Stunden waren gut. Ich bin so weit. Irgendwie bin ich an „Sex in the City“ erinnert. Erst macht man Yoga, dann wird im angesagten Café das MacBook Air ausgeklappt und dazu Café Latte getrunken.

    Es ist sicher 15 Jahre her, wenn nicht 20, dass ich zuletzt eine Brücke geschafft habe. Heute war ich ein paar Sekunden mit dem Kopf vom Boden weg. Jetzt gehe ich jeden Morgen um 9.00 Uhr mit Nadine zum Yoga, habe ich beschlossen. Und als vierfach-Eltern bekommen wir Vorschuss-Lorbeeren vom Yogalehrer. Vor allem natürlich Nadine. Aber auch bei mir heißt es von Ian, einem lustigen älteren Briten. „Hey, Nadines husband, relax your face! You are one of my heroes, with 4 kids! The other one is Mick Jagger“ – rief er plötzlich mitten in die Übung hinein.

    Yoga macht das Traveller-Dasein noch einen ganzen Schritt einfacher. Man strengt sich für etwas an, was gut tut und wo man überall auf der Welt Gleichgesinnte findet. Und schon hat man auch neue Freunde. Wie Tom und Marisol. Er kommt aus San Francisco, bärtig, lange Haare, sie aus dem Norden Mexicos. Haben sich in einer Fischfabrik in Alaska kennengelernt. Tom arbeitet da schon ewig, jetzt ist er der Boss. Aber immer nur den Sommer, 6 Monate. Danach etwa als Skilehrer in den Rocky Mountains.

    Und seit gut 10 Jahren im Winter in Indien. Marisol war 18, als sie das erste Mal nach Alaska kam. In eine große Fabrik, die Lachs verarbeitet. Tausende von Tonnen Lachs. Und sie werben Leute aus aller Welt an, um dort zu arbeiten. Wie Marisol, aus einer armen Gegend im Norden Mexicos, wo die Gangs alles beherrschen.

    Jetzt sind sie verheiratet und haben eine süße Tochter, bald ein Jahr alt. Wir haben uns gleich verstanden. Und ich freue mich auch, mal wieder Spanisch zu sprechen. Und von Tom zu hören, wie Lachs von den Norwegern beherrscht wird, die mit Fisch-Farmen und Robotern bei Lachs ganz vorne sind. Lachs zu züchten ist Alaska aber verboten. So ist die Firma Norwegisch, wurde jetzt aber von Kanadiern aufgekauft.

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    Die ideale Kombination ist abends zu tanzen und morgens Yoga zu machen. Und danach mit Nadine zu meditieren. Dienstag abend gehen wir noch mal zum Curlies und essen leckere Medium Prawns, oben mit Blick auf das Meer. Herrlich, nur wir zwei. Und sehen, es gibt eine Party.  Dann bringen wir aber die Kinder ins Bett, und ich brach kurz vor 22.00 Uhr noch mal auf, als alle Kinder schliefen. Es war voll, und viele indische Männer waren da. Aber auch das bunte Volk aus aller Welt. Ich habe eine 18jährige Litauerin beim Tanzen kennengelernt. Sie arbeitet als Flugbegleiterin und hatte in Delhi 4 Tage frei, und wusste von Trance-Parties in Goa.

    Auch mit Rasim und Anastasia aus Kasachstan haben wir uns gleich verstanden, als wir sie am Lake in Arambol das erste Mal gesehen haben. Das merkt man dann auch daran, dass man sich zufällig wiedertrifft, als wir bei der ersten Sturmflut in Ashwem beim La Plage am Strand ankamen. Beide sind weiter freundlich und entspannt. Und das französische Restaurant La Plage  sieht wieder sehr schön aus, Valentine hat sich alle Mühe bei der Dekoration gegeben.

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    Das Hochwasser ist durch den Sturm heftig – doch die Kinder haben ihren Spaß dabei.

    Und es regnet immer wieder – eine Seltenheit im Winter in Goa. Die Kinder finden es lustig.

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    Für die Händler auf dem Fleemarket und die Strandbuden ist es sicher nicht ganz so leicht.

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    Beim Kindergeburtstag von Ruth aus Israel, 5 Jahre alt in Vagator, am „Spaghetti Beach“ am Sonntag Nachmittag waren dann ganz viele Eltern mit Kindern da, die alle länger schon in Goa sind. Wie auch ein Paar aus Berlin, die bei uns in Berlin um die Ecke wohnen. Sie haben ein Haus in Assagao und sind auch jeden Winter hier. Die Tochter geht mit Morpheus und Tara jetzt in die Kita. Und weil die Welt so klein ist, hatten sie schon vor unserer Ankunft von uns gehört. „Da kommt eine Familie aus Berlin mit vier Kindern“, meinte die Mutter als wir uns an der Eisdiele trafen. „Ich sehe vier Kinder, seit ihr das vielleicht?

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    Der Sturm im Süden führte die letzten Tage zu starken Regenfällen, vor allem aber zu mehrfachen Hochwasser und starker Brandung. Ich höre sie die ganze Nacht laut auf der Veranda, wo ich mein Bett aufgestellt habe und gut an der frischen Luft schlafe.

    Leider hat dies große Mengen an Sand weggeschwemmt, und so sieht es vor dem Curlies auf einmal ganz anders aus. Ich fragte die Kokusnuss-Frau, ob sie es hier schon mal so gesehen hatte. Sie meinte: nein.  Ich frage mich, wie es wohl am Lake in Arambol aussehen wird.

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    Insgesamt ist die Stimmung bei allen gut. Lysander ist in der Schule angekommen, er freut sich jetzt jeden Morgen darauf und redet auch immer mehr. Natürlich sind wir überall immer die Ersten am morgen.

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    Velis ist noch auf aufholen, wir üben fleißig Englisch mit ihm.

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    Aber beide machen es großartig, wie auch die Kleinen in einem fremden Land in eine Schule und Kita zu gehen wo nur Englisch gesprochen wird. Ich weiß, das wird ihre Perspektive erweitern und sie wachsen dabei.

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  • Ausflug nach Maharashtra

    Ausflug nach Maharashtra

    Mittwoch, 29. November 2017, 10.55, Paradise Beach, Shiroda, Maharashtra, India

    Einfach herumreisen, neue Ecken erkunden. Jetzt wieder mit dem Motorrad durch Indien. Noch sind es nur Tagesausflüge, aber in diesen Stunden steckt so ein Freiheitsgefühl. Einfach drauflosknattern und schauen, wohin ein der Weg bringt. Ich bin über Arambol hinausgefahren nach Maharashtra, das erste Mal in über 20 Jahren.  Über eine der vielen großen Flüsse, die Indien durchziehen, über eine weitere Brücke die es früher sicher noch nicht gab. Und dann vorbei an malerischen Ausblicken über den mäandernden Fluss, an Reisfeldern die gerade frisch bepflanzt wurden.

    Kaum ist man über die Grenze, ist es wie früher. Wie eine Zeitreise in das Goa, dass ich vor 20 Jahren kannte. Die Schilder sind alt und meist nur mit den unleserlichen Zeichen beschriftet. Häuser, Läden, Straßen, alles sieht so gar nicht aus wie die Moderne. Verrostete Laster stehen am Straßenrand, dieser allgegenwärtige Tata-Typ der ein Nachbau eines Mercedes-Lasters aus der Nachkriegszeit sein muss, mit der großen runden Motorhaube. Die Straßen werden kurvig und eng, und ich fahre noch langsamer als sonst schon, da hinter jeder Kurve eine Kuh stehen oder einem ein Bus entgegenkommen kann, dem man nicht ausweichen kann.

    Jetzt sitze ich an einem malerischen Sandstrand, lang und mit Fischerbooten, eine paar indischen Familien die im Meer baden und sonst über Kilometer niemand zu sehen.

    Bunte Flaggen wehen an Fischerbooten, die Ausleger haben, aber es sind nur Ruder zu sehen. Ich sehe ein Dutzend Boote vor mir, und daneben die Fischernetze liegen.

     

     

    Später, auf der Veranda.

    Das neue Bett für die Veranda ist da. Gestern wurde es vorbeigebracht. Es ist gleich begeistert in Empfang genommen worden. Ein schöner Platz.

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    Auch mit einem perfekten Ausblick:

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    Es ist kühler geworden. So kenne ich die Wintermonate eher. Der November war noch feuchter und wärmer, wie ich sonst den März hier kenne. Jetzt ist es die paar Grad kälter dass man den Fan Nachts auch auslassen kann und es morgens noch etwas frisch ist. Und man muss nicht mehr mehrfach am Tag duschen.

    An der Eisdiele stand eine Enfield mit Beiwagen. Die Kinder haben sie sich neugierig angeschaut.

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    Heute war wieder Fleemarket Day. Wir haben uns zu Michael dazugesetzt, er verkauft immer Getränke am Eingang. Wasser geht am Besten, meint er.

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    Jetzt sagt ja auch der Arzt, man solle 3 Liter Wasser am Tag trinken, sagte er. Und so kaufen jetzt auch die Inder Wasser, früher habe das keiner gemacht.

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    Ich mag den Flohmarkt ja immer noch. Und da wir ja direkt daneben wohnen, kann man auf dem Weg zum Wasser vor Sonnenuntergang noch eine Runde darüber gehen, wenn es nicht mehr so heiß ist.

     

  • Wochenende in Ashwem und Arambol

    Wochenende in Ashwem und Arambol

    Sonntag, 26. November 2017, 22.10 Uhr, Anjuna, Goa, India

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    Samstag morgen ist die erste Schulwoche geschafft. Und so brechen wir früh auf, um den  ersten ganzen Strandtag im Norden Goas zu verbringen. Frühstück gibt es wie immer im Mango Shade, wie Lysander meint, der beste Ort in ganz Indien. Wir lassen uns aber von einem Taxi abholen, um die langen Strände im Norden zu erkunden. Heute ist Ashwem dran.

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    Das „La Plage“, das wir suchen finden wir nicht gleich, denn es ist noch nicht wieder eröffnet. Aber man sieht das französische Paar schon eifrig beim Einrichten und dekorieren. Wie immer muss ja in der Monsun-Zeit eigentlich alles abgebaut werden, weil es dann zwischen Juli und September viel zu viel regnet und keine Touristen kommen. Und so sahen wir eifrige Maler mit Pinsel und viele Stoffe, die wieder aufgehängt werden sollen. Wir waren hier immer gern, weil es mit seinem französischen Flair etwas Besonderes ist und hervorragende Küche zu erträglichen Preisen bietet.

    Vielleicht gibt es ja auch bald eine Saison-Eröffnunsparty wie neulich im Café Artjuna?

    IMG_9413Am Strand finden wir auch bald die „Badwannen“ wieder, die die Kinder noch gut erinnern. Ein herrlicher Platz, wo die Wellen über die zerklüfteten roten Felsen brechen und in der Flut kleine „Whirlpools“ bilden.

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    Und überhaupt bietet der Strand mit seinen weiten Sandflächen und den schönen Wellen genau das, was die Kinder sich gewünscht haben. Es ist schwer, sie aus dem Wasser herauszubekommen. Und wir müssen die 30er Sonnencreme auftragen, denn die Sonne brennt.

     

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    Tara findet eine Maske und spielt begeistert mit ihr.

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    Und ich freue mich über einen ganzen Tag am und im Wasser. Ich liebe es ja, mit den Kindern in den Wellen herumzutoben und sich immer wieder umwerfen zu lassen. Auch Tara und Morpheus sind unerschrocken mit ihren Schwimmflügeln und lassen sich nicht unterkriegen. Bei allzu großen Wellen muss ich sie dann „retten“. Velis und Lysander versuchen mit oder ohne Brett am weitesten mit einer Welle mitzureiten.

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    Am Samstag Abend sind alle erfüllt und erschöpft von soviel  Wasser und Sand. Abenteuerlich ist auch die Fahrt nachts mit dem Taxi zurück. Es ist immer kaum zu glauben, dass über die engen Straßen mit so vielen Autos, Rollern, Mopeds, Fußgängern, Kühen man heil nach Hause kommen kann. Doch man sieht auch immer wieder Autos oder Mopeds im Straßengraben.  Aber wir haben einen freundlichen, vorausschauenden Fahrer und kommen heil an.

    Sonntag starten wir gleich von zu hause aus und lassen uns vom gleichen Fahrer wieder abholen. Wir passen ja gut in den Kleinwagen hinein, wenn jeder ein Kind auf den Schoß nimmt. IMG_9342

    Wir laufen den Trampelpfad zwischen den Kokosnüssen vorbei und dann an der kleinen Kapelle vor bis zum Eingang des Flohmarkt-Geländes, wo die Straße endet.

     

    Diesmal geht es ganz in den Norden von Goa, nach Arambol. Es ist etwa 20 km Fahrt und dann wollen wir noch um den Fels herum laufen, zum Lake. Morpheus wird von der Kurverei schlecht, und wir machen einen unfreiwilligen Zwischenstop. Der Taxifahrer bleibt ganz freundlich und organisiert Wasser und Limonen, zum Hände abwaschen.

    Arambol ist weiter ein abenteuerlicher Ort, aber früh morgens ist alles noch leer.

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    Weiter geht es den Strand entlang bis zum Weg um die Felsenklippe. IMG_9352IMG_9355

    Morpheus bekommt ein Marvel-T-Shirt, dass er gleich anzieht. Wie Velis auch ist er immer mit Stock unterwegs.

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    Der Weg lohnt sich aber, denn die nächste Bucht bietet nicht nur einen sehr schönen Strand, es gibt auch einen Süßwassersee. Jetzt so früh nach dem Monsun ist er noch voller Blätter und erstaunlich warm, ja geradezu heiß.

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    Es sind wie überall viel mehr Inder und Russen unterwegs. Wir lernen ein sehr nettes Paar aus Kasachstan kennen. Sie ist ursprünglich Ukrainerin, er kommt aus Aserbaidschan. Wie so viele wurden ihre Eltern nach dem 2. Weltkrieg nach Kasachstan umgesiedelt. Sie sind länger unterwegs und wollen in Asien auch ihr erstes Kind bekommen. Wie so oft fallen wir mit unseren vier Kindern auf und werden darauf angesprochen.

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    Wenn wir dann die schlafenden Kleinen in der Dunkelheit durch die Palmen zurück zum Haus tragen fällt uns wieder auf, wie anders unser Leben hier doch ist als in Deutschland. Aber morgen früh geht es wieder in Schule und Kita.

  • Die erste Woche wieder in Goa

    Die erste Woche wieder in Goa

    Freitag, 24. November 2017, 15.00 Uhr, Anjuna, Goa, India

    Eine Woche sind wir jetzt in Goa. Unser Leben hat sich schon etwas angepasst, wir sind langsamer geworden und an die Hitze haben wir uns auch schon mehr gewöhnt.

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    Die Kinder sind gut in der Schule und Kita angekommen, und genießen auch die neuen Freiheiten, wie eine nächtliche Spritztour mit den Eltern.

     

    IMG_9221Es gab schon eine erste Party, die Saisoneröffnung des Café Artjuna. Aber sonst ist es noch ruhig und man munkelt, es sei dieses Jahr weniger los.

     

    Es gibt neue Dinge, wie italienisches Eis auf dem Heimweg von der Schule…

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    aber Vieles ist so wie immer, und die Kühe laufen weiter auf der Straße nach Lust und Laune spazieren.

     

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    Wir haben das Haus soweit eingerichtet, waren mit den Motorrädern in der 15 km entfernten Stadt Mapusa, auch Mopsa genannt. Der gab es leckeres Obst auf dem Markt und Tücher für unsere Veranda.

     

    Die Kita der Yellow School macht einen sehr guten Eindruck, Morpheus und Tara haben schon erste Freunde gefunden und gehen gerne hin. Noch holen wir sie schon um 13.30 ab, damit der Anfang ihnen leichter fällt.

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    Tara hat von der Kindergärtnerin einen schönen Zopf bekommen.

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    Morpheus freut sich über das Ausgraben von Dinosaurierknochen.

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    Velis und Lysander haben die ersten Bekanntschaften in der Schule geschlossen und auch schon Hausaufgaben nach Hause gebracht. Lysander wunderte sich, dass niemand in der Klasse, nicht einmal die Lehrerin je einen Füller gesehen hatte.  Es ist sehr offen und kreativ, man darf auch aufstehen und herumlaufen und es wurde viel gebastelt und gemalt, Lysander und Velis haben zwei süße Stoffmäuse mit nach Hause gebracht. Wie der Schulleiter schon meinte, Schule solle ein Abenteuer sein. Bei Mathe und Science helfe ich nachmittags noch mit. Beide üben eifrig Englisch, eine App hat es Velis besonders angetan und er sitzt noch bis in die Abendstunden und übt.

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    Wie auf einer Dorfschule sind es bisher nur 10 Kinder in Klasse 5 und 6 gemeinsam. Der Einfachheit halber kam Velis so gleich mit dazu. Stolz erzählte er: Ich gehe jetzt in die 6 Klasse. Und die Lehrerin ist wohl sehr nett.

    Die German Bakery macht einen guten Eindruck, das Essen ist weiter sehr lecker und es gibt neu einen zweiten Stock, der bald eröffnet werden soll.

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    Wir haben die freie Zeit morgens genutzt um das Haus einzurichten und waren auch auf der Suche nach einem Bett für die Veranda. Wir haben uns bei den örtlichen Tischlern umgeschaut, es gab historische Betten zu kaufen, die wieder renoviert würden:

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    Zwischen den ganzen Sachen gab es tatsächlich immer wieder schöne alte Betten zu begutachten.

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    Am Ende aber haben wir auch Michaels Rat seinen Tischler geholt, der uns jetzt ein Bett genau passend für unsere Wünsche baut. Nächste Woche solle es fertig sein.

     

    Tara und Morpheus finden viele schöne Plätze zum Spielen.

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    Aber die meiste Zeit sind wir doch am Strand. Morgens gehen wir vor unserer Haustür am Strand spazieren und länger schwimmen, sehr schön dort gemeinsam Zeit zu haben.

    Nachmittags geht es dann meist gegen 16.30 los, wir testen bisher verschiedene Strände in Anjuna aus, denn die Kinder lieben auch Wellen sehr. Aber Favorit bleibt South Anjuna und das Curlies, das Essen ist da einfach auch am besten. Und man kann von uns aus hinlaufen.

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    Wir haben schon die ersten Traveller kennengelernt und wieder festgestellt, dass Goa und Anjuna einfach weiter ein Anlaufpunkt für spannende und interessante Leute ist, die ein ungewöhnliches Leben führen.

     

    Heute morgen lief eine Schlange vor mir durch den Garten, sehr dünn, über einen Meter lang und ziemlich schnell. Es war wohl aber ein harmloses Exemplar.

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    Wie immer wollen viele Inder mit einem Fotos machen. Neu ist auch die Variante Videocall mit den Freunden daheim, wo man dann winken soll. Unter der Woche war es jetzt erstmal wieder ziemlich ruhig am Strand. Doch dieses Wochenende ist nach dem Enfield Festival jetzt die das India Bike Weekend in Vagator auf dem Hilltop. Und so sind wieder Heerscharen an Motorradfans am Anreisen.

    Ein freundlicher älterer Inder sprach mich an, ob ich nicht Briefmarken aus meinem Land hätte. Ich kam mit ihm ins Gespräch, er war sehr gebildet und interessiert. Ich hatte aber keine Briefmarken dabei, versprach aber seine Adresse weiterzugeben.

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    Michaels Frau Carmin kocht uns den ersten Goa Fishcurry zum Mittagessen, sehr lecker. Beide sind immer noch erstaunlich aktiv, Michael ist wie immer mit dem Roller viel unterwegs. Und es gibt viel zu tun, heute wurden die Kokospalmen von alten Blättern und reifen Kokosnüssen befreit. Immer eine spannende Sache, wie der Coconut-man da barfuß hochklettert. Wir bekamen frische Kokosnüsse für die Kinder geschenkt, die die jetzt schon ausgetrunken haben. Und hinter dem Haus wurde das alte Gras verbrannt, auch spannend für Tara und Morpheus. Das Hausmädchen von Carmin ist währenddessen dabei, die ganzen Kokosnüsse aufzusammeln.

    Strom und Wasser sind weiter oft aus, das ist eher schwieriger geworden. Kein Wunder, wenn es immer mehr Leute hier gibt die mehr Wasser und Strom verbrauchen, das Angebot aber nicht hinterherkommt. An einem Ort mit 3000 mm Niederschlag im Jahr kann das Wasser aber auf Dauer nicht knapp bleiben, da bin ich sicher.

    Immerhin wurde schon mit der Müllabfuhr angefangen, seit diesem Jahr kommt ein Mann mit einer original deutschen Mülltonne vorbei. Es wird sogar sortiert nach Glas und Plastik, nur macht das jemand für einen. Aber man muss den Mann auch bezahlen und ihm auch noch ein „Trinkgeld“ geben, sonst kommt er nicht vorbei. Und so wird immer noch sehr viel vor der Tür verbrannt, wie man es traditionell kennt.

     

    Doch das Wichtigste ist für diese Woche: Unsere großen Jungs haben die erste Schulwoche in Indien geschafft. Wir sind stolz auf sie.

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  • Ankunft in Indien

    Ankunft in Indien

    IMG_9026.JPGFreitag, 17. November 2017, 21.16 Uhr, Blaues Haus bei Michael de Souza, Anjuna,  Goa, India

    Es fällt mir schwer die Ankunft in Indien sachlich zu beschreiben – zu sehr liebe ich dieses Land und ganz besonders die spielerische Variante des bunten indischen Chaos,  das Goa bietet. Ich finde das neue Terminal 2 in Mumbai sehr elegant mit seinen weißen Säulen und den Wandelementen, die über Stockwerke hinweg Indien und seine Kultur künstlerisch darstellen. Wir stellen uns an der Schlange für Frauen und Kleinkinder an, das vermeidet die große, stundenlange Immigration-Warterei.

    Man lässt uns auch vor, weil wir nur gute 3 Stunden zum Umsteigen haben. Das mag großzügig klingen, ist aber in Mumbai fast unmöglich zu schaffen. Es mag an dieser Liebe für Stempel liegen, die in verschiedenen Farben mehrfach an jeder neuen Kontrolle auf alles was man bei sich hat aufgedruckt werden müssen, auf Bordkarten, Flugtickets, das Einreiseformular, den Reisepass, und dann mindestens noch zwei Mal wieder von jemand neuem kontrolliert werden müssen.

    Aber es erscheint alles wie eine Inszenierung, um ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit zu erzeugen, in einem Land in dem doch vieles recht chaotisch organisiert wird. Weil wir uns an jeder Schlange freundlich nach ganz vorne vordrängeln, gelingt es, aber wir rennen. Und schaffen es nassgeschwitzt mit überdreht-übermüdeten Kindern nach der Landung 2.15 Uhr um 5.30 Uhr nach Goa abzuheben.

    Wir landen im Nebel, es ist feuchtheiß, die Sonne versteckt sich noch. Wir brauchen zwei Taxis, Non-AC, hinter dem Flughafen ist die einzige Ampel in Goa, wie es immer hieß, verschwunden. Die Taxifahrer fahren neue alte Schleichwege an Fluss vorbei, entlang an den improvisierten Schiffswerften, wo die verrostete Eisenerzfrachter auf Land wieder auf Vordermann gebracht werden. Ich lese in der Zeitung, dass die Eisenerzminen flussaufwärts nach dem Monsun ihren Arbeit noch nicht wieder aufgenommen haben. Der Weltmarktpreis von 60 US-Dollar pro Tonne macht den Abbau derzeit nicht lohnend.

    Der Verkehr hat zugenommen, der Driver überholt wie immer auch wenn bergauf ein Laster entgegenkommt und vertraut darauf, dass alle rechtzeitig noch ausweichen werden. Sie tun es immer.

    Wir kommen nach einer Stunde Fahrt an, am Donnerstag, ein Tag nach dem Fleemarket in Anjuna.

    Die Buden stehen leer am großen Feld die Straße entlang aufgereiht, und sofort sind wir von Frauen umringt, die ich alle schon lange kenne. Sie arbeiten als Trägerinnen und lassen sich unsere 25kg-Taschen auf den Kopf heben, eine weiter noch unter dem Arm.

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    Es geht den Trampelfad durchs „Gemüse“, wie Nadine immer sagt, zickzack zwischen den Kokospalmen, vorbei an Gestrüpp und dem halbverbrannten Müllbergen von gestern, unter zu tief hängenden Stromkabel vorbei an Toilettenhäuschen bis zu Carmin und Michaels altem Haus. Daneben steht es, frisch gestrichen, das blaue Haus von Michaels Sohn Max. Der fährt zur See, als Barmann auf einem Kreuzfahrtschiff und so können wir es nutzen, wenn er nicht da ist.

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    Ich kam 1995 nach der echten „Morgenlandfahrt“ über Land das erste Mal in Goa an,  nach drei Monaten Bus und Zug durch Europa, Türkei, Iran, Pakistan und Nordindien recht erschöpft, und landete ahnungslos aber mit dem richtigen Riecher in Anjuna. Dort, wo seit den 70ger Jahren der Hippie-Flohmarkt stattfindet. Und seit dem bin ich immer wieder im deutschen Winter nach Anjuna zurückgekehrt, dieses Mal ist es das 13. Mal.

    Und direkt an diesem Flohmarkt, im alten Dorf von Süd-Anjuna wohnt Michael de Souza, der bei meinem ersten Kennenlernen 2002 schon fast 70 Jahre alt war. Ich suchte eine Unterkunft, und fragte mich bei den Einheimischen durch. Es war um die Weihnachtszeit, und damals räumten Michael und seine Frau Carmin immer ihr Wohnzimmer leer, um in Schlafzimmer und Küche zu ziehen und ihre gute Stube an Reisende zu vermieten.

    Diese klassischen Häuser im Goa-Stil haben Wände aus den roten Steinen der Gegend, eine große überdachte Veranda und ein ziegelgedecktes Dach – immer dort von Wellblech ausgebessert, wo zu Kokosnüsse zu oft von den Palmen fallen.

    Seitdem sind wir immer dort zuhause gewesen, viele Jahre in ihrem kleinen urigen Gästehaus und seit  unsere Familie gewachsen ist immer wieder im modernen blauen Haus. Über die Jahre ist eine Freundschaft entstanden, und so kennen die beiden Nadine und mich seit unserem ersten langen Aufenthalt 2005/06 auf unserer Hochzeitsreise damals, und dann erst mit einem, dann zwei und schließlich drei Kindern. Jetzt sehen sie das erste Mal Tara.

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    Am ersten Tag sind wir noch übermüdet, die feuchte Hitze ist drückend und wir erledigen nur das Notwendigste. Michael leiht mir seinen Roller, so kann ich mit Velis die erste Runde drehen, Einkaufen fahren und wir gehen alle als es kühler geworden ist den kurzen Fußweg zum Strand vor.

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    Die Obstverkäuferin ist wie immer da, freut sich uns wiederzusehen und wir bestellen gleich Maracujas für morgen vor und trinken Kokosnüsse. Essen bei Curlies Momos und den ersten Kingfisher butter garlic zu Abend, genießen alle das nach Südafrika erstaunlich warme Wasser des indischen Ozeans und feiern den ersten Sonnenuntergang mit einer Pina Colada.

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    Das ganze Abendprogramm mit Waschen und bettfertig machen gibt es dann traditionell bei Kerzenlicht;  Stromausfall. Ein Klassiker in Indien, aber kein Problem, ich habe geschaut wo die Kerzen liegen als wir ankamen, es ist sehr gemütlich; nur auch sehr heiß. Die Nacht schlafen die Kinder noch etwas unruhig als der Ventilator wieder dreht. Nach der Reisenacht schlafen aber alle lang und wachen erfrischt wieder auf.

    Heute wird es dann ernst. Ich nehme die großen Jungs auf den Roller mit. Erst noch frühstücken im legendären Mango Shade bei Avocado Mushroom Toast, Fruit Porridge und Strawberry Shake. Doch dann geht es auf zur Schule, zur Yellow School. Karl, der Schulleiter begrüßt uns freudig mit drei Tage-Bart, in Stiefeln, kurzer Armee-Hose und einem farbverschmierten T-Shirt. Er streicht gerade die Schule neu, um nach dem Monsoon für die jetzt startende Saison alles frisch in gelb, orange und hellgrün zu tünchen.

    Wir bekommen eine Schulführung, eine kurze Erläuterung über die Fächer und Ablauf und dass es ihm darauf ankommt dass es den Kindern Freude bereitet, in diese bunte Schule zu gehen. Schließlich sind es Kinder aus aller Welt, deren Eltern mal kurz, mal länger hier in Goa sind, und Englisch ist für viele eine Fremdsprache. Also wird es langsam losgehen, mit viel Sport, Theater, aber auch mit den englischen Lehrbüchern für Mathe, Naturwissenschaften und Englisch. Immer von 9.00 Uhr bis 15.30 Uhr. Und gegenüber auch sehr schön die Pre-School, dort werden Tara und Morpheus hingehen.

     

    Danach finden wir noch die Maracujas für Velis, ich fahre mit Lysander und Morpheus zum Nachbarort Vagator zum Hilltop, dieses Wochenende ist dort das Enfield Festival, drei Tage lang. Deshalb sind tausende von Indern mit ihren Motorrädern angereist, und es ist laut und wild dort oben. Ich beschließe, ich werde mir auch wieder eine Enfield ausleihen. Es macht einfach zu viel Spaß mit diesem Uralt-Motorrad, einem indischen Nachbau eines englischen Nachkriegsmotorads zu fahren.

    An der klassischen Straßenkreuzung in Anjuna finde ich jemand, der mir eine organisieren will. Über Nacht wird er noch einen zweiten Sattel montieren, morgen um 10.00 treffen wir uns am Flohmarkt. Und dann steht es auch tatsächlich vor der Tür:

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    An der Tankstelle gibt es kein Benzin, also füllen wir den Tank traditionell am Straßenrand auf.

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    Dann wird auch meine neue indische Telefonkarte aktiviert, beim Laden neben dem Postamt. Wie immer kreativ-chaotisch und dabei super freundlich;  echt indisch eben. Passfotos, Visakopien, ungefähr 25 Unterschriften, man braucht eine indische Kontaktnummer die dann in den nächsten Stunden angerufen wird und die eigene Existenz bestätigen muss; Michael ist schon vorbereitet.

    Ich nehme das größte verfügbare Paket von Vodafone mit 1 GB Datenvolumen pro Tag für 84 Tage für 999 Rupien. Und der Euro steht bei 75 Rupien. Weniger als 5 Euro pro Monat für fast 30 GB Daten. Aus der Sicht des digitalen Nomaden schon einmal unschlagbar.

    Nadine hat auch einen gelben Roller bekommen und so treffen wir uns mit allen Kindern beim Mango Shade noch einmal. Unser Großfamilie wird freudig begrüßt. Danach geht es zum Strand, die Kinder sind nicht mehr aus dem Wasser herauszubekommen, nur die leckeren Momos und der Fisch locken sie heraus. Lysander und ich helfen mit, als die Fischer ihr Fischerboot mit dem frischen Fang an Land ziehen.

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    Es ist viel los, nach Sonnenuntergang sind die Verkäufer mit den Blinkelichter für unsere Kinder ein magischer Anziehungspunkt, und sie kaufen sich Fidget-Spinner mit drei-Farben LED und sammeln in der nächtlichen Brandung Leuchtstäbe ein, die ein euphorischer Inder gleich dutzendweise ins Meer geworfen hat. Am Ende sind unsere Kinder auch in der Dunkelheit am Strand gut zu sehen.

    Man merkt, die Saison beginnt. Und wir freuen uns auf die kommenden Wochen und Monate hier.

     

    Samstag, 18. November 2017, 15.43 Uhr, 

    Velis hat Geburtstag! 9 Jahre ist er heute geworden, richtig groß schon. Wir freuen uns alle mit ihm.  Begeistert ist er über die kleinen und großen Geschenke.

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    Velis kennt ja Indien praktisch genau so lange wie er auf der Welt ist, er war damals 2008 das erste Mal nach Weihnachten hier hergekommen, hier ins blaue Haus, mit nur 6 Wochen und gleich für 3 Monate.  Er hat noch nie Antibiotika bekommen und ist praktisch nie krank. Ich vermute immer, sein Immunsystem hat ein paar Trainingseinheiten mehr abbekommen hier. Heute werden wir mit ihm den Tag feiern!

    Und so geht es gleich los an den Strand.