Kategorie: Namibia

  • Rüttelpiste, Platten, Pannen

    Rüttelpiste, Platten, Pannen

    Montag, 9. Oktober 2017, Aufbruch von Khowarib

    Die Fahrt ging sehr holprig los. Als erstes suchten wir nach Trinkwasser, dass uns mittlerweile ausgegangen war. Ein Laden war aber weit und breit nicht zu sehen. Die Straße war landschaftlich schön, aber in einem miserablen Zustand.

    Nach 2 Stunden Gerüttel kam eine Tankstelle. Dort erklärte man uns auch, dass gleich eine Kontrolle käme. „They check everything“. So war es dann auch. Das Tor ging nicht auf, sondern der Wagen wurde gründlich nach Fleisch und tierischen Produkten durchsucht. Zum Glück hatten wir das gute Fleisch gestern alles noch gegrillt. Aber auch die Eier durfte man hier nicht mit hinausnehmen, aber gekocht schon. So stellten wir den Wagen an der Seite vor den Ständen der Himba-Frauen ab und kochten 10 harte Eier. Weiterhin bei laufendem Motor, denn das Startproblem des Wagens hatte sich nicht gebessert. Mit der Kombizange und viel Geduld bekam ich ihn morgens irgendwann an, aber kaum ging das Gerüttel der Wellblechpiste los, war es auch schon wieder vorbei.

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    Dafür kauften wir bei den Frauen Armbänder, für jeden zwei. Die Kinder zogen sie stolz an, eines aus Leder, eines mit Schmuck.

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    Wir hatten ja Khorixas als Ziel, eine etwa 200 Km entfernte Stadt, ja die einzige Stadt hier in der Gegend. Dort sollte es auch eine Werkstatt geben.

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    Mittlerweile war der Wagen wieder vollständig von innen eingestaubt, und jede Schublade mit einer Staubschicht bedeckt. Zwischen Inneneinrichtung und Karosserie musste es irgend eine undichte Stelle geben. Die enorme Lautstärke bei Fahren blieb eine Herausforderung für sich, man konnte sich eigentlich nur schreiend verständigen.

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    Dann fing der Wagen gefährlich an zu schlingern. Ich trat auf die Bremse. Die Kontrolle zeigte auf: Links hinten hatten wir einen Platten.

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    Wagenheber herausgeholt, unter das Fahrzeug gekrochen und nun versucht, die 3,6 Tonnen anzuheben. Alle Kinder mit dabei. Irgendwann war der Ersatzreifen drauf, wir konnten weiterfahren. Aber, wie das eben manchmal so ist mit Ersatzreifen, es sind meist nicht die Besten: 20 Km vor Khorixas, etwa eine halbe Stunde nach der ersten Panne ging das Schlingern wieder los. Noch war etwas Luft im Reifen, und ich hoffte Ihn mit der Fahrradluftpumpe (die einzige, die wir dabei hatten, das Auto hatte solche Spielereien nicht) bis zur nächsten Hütte mit dem Schild: Tire Repair durchzubringen. Schweißtreibend pumpten Nadine und ich abwechselnd.

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    Nach 5 Km kam auch eine solche Hütte. Es gab Wasser und Getränke zu kaufen, nur leider war nur eine Frau da, vom Mechaniker keine Spur.

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    Noch 15 km, wir versuchten unser Glück weiter mit halbvollem Reifen und langsamer Fahrt. Nach 1 km war es dann vorbei, der Ersatzreifen hing nur noch in Fetzen um die Felge.

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    Zum Glück gab es Handy-Empfang, und so kam nach einer halben Stunde ein verbeulter alter Golf mit drei Männern an, die beide Reifen samt Felge mitnahmen und unser Fahrzeug aufgebockt zurückließen.

    Schließlich kamen sie mit einem provisorischen Reifen wieder an. Der hatte zwar zu wenig Luftdruck, aber wir konnten fahren. Wir fuhren sicherheitshalber vor, mit Tempo 30, und schafften es, Kilometer für Kilometer hoffend bis zur Werkstatt. Die sah nicht besonders vertrauenserweckend aus. Und man hatte auch nur zwei nicht ganz passende Reifen für einen horrenden Preis anzubieten. Aber, nun gut, damit konnte es morgen weitergehen. Direkt neben dran war die Tankstelle und ein Campingplatz.

    Das Problem mit dem Blinklicht und dem Bremslicht konnten sie lösen, bei der Batterie hatten sie auch keine Ahnung und merkten nur, nachdem sie es mit dem Starthilfekabel versucht hatten, dass es an der Batterie selbst nicht liegt. Mit meiner Zange konnten wir dann wieder starten. Ich musste sie dann aber einem der Mechaniker wieder aus der Tasche holen. Am nächsten Morgen war aber das Problem schon wieder da. Wir beschlossen dennoch weiter zufahren. Mittlerweile hatte Lysander den Dreh raus und konnte mir immer beim Überbrücken per Zange helfen, während ich den Wagen startete.

    Wir fuhren mit Tempo 50 und bei üblen Stellen auch nur Tempo 20 bis Uis am Brandberg, die letzten 100 Kilometer bis zur Küste haben wir nicht mehr geschafft. Dort eine Übernachtung in einem Campingplatz, der stark an die 60er Jahre erinnerte, vom Geruch der Kneipe bis zum algengrünen Wasser des Swimmingpools. Dort wollte keiner baden.

    Hier gab es eine alte Zinnmine, Wüste und eine gnadenlose Hitze. Die 20 km entfernten Felsmalereien aus prähistorischen Zeiten waren nur über schlechte Piste zu erreichen, nichts für uns. Nachts wurde es kühl, und für den morgen freuten sich alle auf den Atlantik, jetzt nur noch 100 Km Wüste entfernt.

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  • Lysander entdeckt den Wasserfall

    Lysander entdeckt den Wasserfall

    Lysander entdeckt den Wasserfall

    Sonntag, 8. Oktober 2017, Khowarib Lodge, Namibia

    Wir verbringen den Vormittag am Camp. Es gab noch einmal Pfannenkuchen. Nadine machte Apfelkompott. Und alle ruhten sich aus. Bei der Hitze draußen ließen wir die Klimaanlage laufen, so war es drinnen erträglich. Ich hing draußen in der Hängematte, aber es war sehr heiß, auch im Schatten. Dann schließlich waren alle soweit zum Aufbruch. Statt den einfachen Weg zu laufen schlug ich vor, es über das Flussbett zum Pool zu versuchen. Erst hatte keiner Lust auf den Umweg, aber als dann Lysander sagte er kommt mit, waren die anderen auch mit dabei. Wir gingen flussaufwärts ein Stück um einen Abstieg durch die Felsen zum Fluss zu finden.

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    Es war ein Stück klettern, aber wir kamen alle gut an. Im Flussbett ging Lysander weiter um die Biegung ein Stück weiter, als er aufrief: Schaut mal da, ein Wasserfall!

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    Schnell rannten alle und tatsächlich, da hinten sah man ihn. Jetzt war die Aufregung groß und bald lagen die drei Jungs in der Gischt und hatten einen Heidenspaß.

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    Lysander kletterte auch hoch zum oberen Flusslauf.

    Es war herrlich. Wir verbrachten Stunden dort und die Kinder spielten immer neue Spiele.

    Beglückt zogen wir dann schließlich durch das Flussbett zum Swimmingpool. Lysander und Velis waren ganz begeistert von ihrer Entdeckung und wollten gleich die nächsten Abenteuer planen. Wo kann man noch etwas entdecken? Wir sprachen über Radtouren und Wanderungen. Mal sehen, wo es passt. Und Nadine und ich setzten uns zu einem kühlen Bier unter das Palmdach, die Kinder waren schwimmen.

    Abends machten wir Feuer, und es gab noch mal große Mengen an Rumpsteak vom Feuer. Dazu Rotwein. Herrlich.

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  • Morpheus 5. Geburtstag am Fluss

    Samstag, 7. Oktober 2017, Morpheus 5. Geburtstag, Khowarib Lodge am Fluss in der Nähe von Warmquelle, Nord-Namibia

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    Viel draußen in der Natur sein. Hier ist es wirkliche Einsamkeit. Rundum Berge, am Horizont sieht man Affen über die Felsen klettern. Grüne Bäume leuchten aus der sonst kargen Landschaft heraus.

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    Vögelgezwitscher. Hier gibt es Wasser. 5 bis 10 Meter breit, aber nur ein paar Zentimeter tief fließt hier klares Wasser durch einen tiefen Einschnitt zwischen den Felsen.

    Kleine Sandbuchten am Ufer unter schattigen Bäumen locken zu verweilen. Es ist traumhaft schön.

    Eine Urlandschaft, die auch die Kinder magisch anzieht. Seit Stunden rennen sie durch das sandige Flussbett und spielen. Gerade gib es Wettfahrten zwischen der linken und der rechten Sandale von Morpheus. Es werden Wetten abgeschlossen und die beiden Teilnehmer angefeuert. Mal zieht die eine Sandale vorbei, mal wird die andere über eine günstige Strömung am Sandbett vorbeigezogen, wo die andere ins Stocken gerät.

    Heute feiert Morpheus seinen 5. Geburtstag. Er hat sich am meisten über seine sehnlich erwünschten 4 Ninja-Turtles gefreut. Er meint gleich als er sie strahlend auspackt, freundlich wie er als Sonntagskind immer ist: „Ihr dürft auch mal mit ihnen spielen“ zu seinen Geschwistern. Tara baut den Playmobil-Landrover zusammen. Und es gab ein Gepard-Kind. Das freut den Kuscheltierfreund Velis besonders. So gibt es Spielkameraden für Affi, den kleinen Affen, für Groß Affi, den großen Affen. Für George, die Eule, Karatemeister. Für Percy, der Papagei. Und für Maulwurf, seinen Liebling: der kann zaubern.

    5 Jahre, das ist ein Einschnitt. Ab dann kann man sich detailliert an die Erfahrungen erinnern, die man als Kind gemacht hat. Das weiß ich aus eigener Erfahrung: Ich wurde auf dem Schiff nach Südamerika 5, wo meine Eltern damals im Jahr 1977 Richtung Lima, Peru aufbrachen. Ich kann mich an nur wenig von Deutschland davor erinnern, kann aber noch heute detailliert das Schiff beschreiben, mit seinem tiefen Brummen und den Bullaugen durch die man aus der Kajüte heraus auf das Meer sah. Es war einer der Gründe warum ich umbedingt jetzt aufbrechen wollte: Morpheus ist in einem idealen Alter, um die Welt reisend zu erfahren: er ist noch kein Schulkind und zugleich schon offen und neugierig für alle Eindrücke.

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    Die Fahrt hier her war eine wilde Fahrt. Aufbruch nach einem Bad im Infinity-Pool mit Blick ins Tal der Opuwo Country Lodge hinein in die Stadt, wo schon an der Tankstelle der wilde Markt mit abenteuerlichen Hütten und wie aus einem Fantasy-Film aussehenden Frauen begann, mit ihrer rot mit Lehm gefärbten Haut und den zu aufwändigem Zöpfen zusammengebundenen Haaren und nackten Brüsten.

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    Nadine blieb mit der Schulter an einem herabhängenden Stück Nato-Draht hängen, der sich richtig festhakte.

    Auf der Fahrt heraus fiel Lysander ungünstig auf seinen Arm und schrie auf. Dummerweise wechselte ich nach der Behandlung von Lysander (verstaucht, nicht gebrochen meine Diagnose; zum Glück ist mein halbes Jahr Rettungsstelle als angehender Unfallchirurg im Unfallkrankenhaus Berlin bei alltäglichen Kinderverletzungen immer noch präsent und nützlich) ans Steuer und machte gleich den Fehler, den Motor erst einmal auszumachen. Der dann prompt nicht mehr anspringen wollte.

    Nun gut, Ruhe bewahren.

    Ich wackelte, hämmerte und schraubte an den Kontakten der Batterie herum, bis irgendwann der Strom wieder floss und der Wagen ansprang.

    Lysander bekam einen Verband, eine Hochlagerung, Kühlung und ein Schmerzmittel und schlief zum Glück bald ein.

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    Nadine fuhr uns durch eine kurvige Piste bergauf, bergab durch die felsige Landschaft, an alten Baumriesen vorbei und durch Täler wo man statt der üblichen Wellblechhütten die runden Lehmhütten der Himbas sah, und junge Kinder im Alter von Morpheus und Velis, die barfuß Ziegen vor sich hertrieben und uns freudig zuwinkten. Das Tal hatte grüne Bäume, hier muss es Wasser geben.

    Wir besprachen auch, wie wir vorgehen würden wenn wir hier liegenbleiben, ohne Handy-Empfang. Einer muss bei den Kindern und dem Wagen bleiben, der andere per Anhalter Hilfe holen.

    Die Straße sah oft nicht anders aus als die Umgebung, und folgte den Erhebungen der Landschaft so, dass es abenteuerlich steil bergauf und bergab ging, und manchmal in Schieflage dazu. Ich als Beifahrer machte sozusagen jeden Bewegung des Fahrzeugs mit, fühlte mich aber bei Nadines souveräner Fahrweise immer sicher. Die Kinder lieben es, den Fahrtwind zu spüren.

    Als wir dann unseren Platz auf der Khowarib-Lodge gefunden hatten und Lysander den Arm schon wieder besser bewegen konnte, begannen wir schon bald die Gegend zu erkunden. Frisch gestärkt durch die schon von Nadine morgens gekochten Nudeln, die es jetzt frisch mit Ei angebraten gab.

    Nachts stieg der Vollmond über dem Fels auf, und erstrahlte diese grandiose Landschaft auf magische Weise. Wir hingen noch lange in den Hängematten, die wir uns noch an unserem Lager aufgehängt hatten und waren einfach nur dankbar und glücklich für so viel Schönheit und dem Geschenk, hier mit den Kindern sein zu können.

  • Fahrt ins Himba-Land

    Donnerstag, 5. Oktober 2017, 15.24, auf der C41 Richtung Opuwo

    Schon vor dem Frühstück saß Lysander vor dem Ipad und studierte die Länder Afrikas. Er hatte mit Rolf gewettet, dass er sich 25 Länder Afrikas merken könnte. Am Ende waren es 22, Rolf ließ sie sich alle auf einer Skizze von Afrika zeigen. Velis übte weiter im Matheübungsbuch.

    Auf dem Spar-Parkplatz später mit vollem Einkaufswagen wartete schon der Oberaufseher mit seinem Kollegen. Wir hätten das Wohnmobil falsch geparkt. Auf dem großen Parkplatz mit ein paar hundert freien Plätzen hätten wir zwei Plätze beansprucht, außerdem rage das Heck zu weit heraus. Ich glaube, es lag am südafrikanischen Kennzeichen. Als klar wurde, dass wir aus Deutschland kommen, wollte man dann doch auf die Strafe von 750 N$ (ca. 50 €) verzichten und es bei einer Verwarnung belassen. Als dann zu unserem Verdruss der Wagen wieder nicht startete und ich die Motorhaube öffnete, wollten beide schon helfen und ein Starthilfekabel organisieren. Ich bearbeitete mit der gerade gekauften Zange wieder den nicht richtig leitenden Batteriekontakt, das half. Auch ein Blinklicht und ein Bremslicht waren ausgefallen, aber die Lampen waren es nicht. Wo sind nur die Sicherungen? Ich habe sie nicht gefunden. Wir fuhren so weiter, wir müssen beizeiten mal eine Werkstatt suchen.

    Wir suchten als Nächstes nach einer Gasfüllstation, um unsere Gasflasche wieder aufzufüllen. In einer Blechhütte wurden wir fündig, mit einer Pumpe wurde von einer großen Gasflasche zu unserer Campingvariante umgefüllt. Ein gutes Gefühl.

    Unterwegs dann klappte die Weltreiseschule gut. Lysander und Velis durften beide nebeneinander vorne sitzen und wir machten Fragestunde. Warum fällt man auf der Antarktis nicht herunter? Welches waren die größten Erfinder und Entdecker? Ich habe selbst sehr viel in meiner Kindheit auf den langen Fahrten von meinem Vater gelernt, und liebe diesen Austausch.

    Dabei konzentrierte ich mich aber zu wenig auf das Iphone, und so verpasste ich eine Abzweigung nach Opuwo. Es ging ja schon ewig geradeaus. Das Navi aber leitete mich in die Irre und suchte einen Alternativweg, eine D-Straße. Keine gute Idee. Erst wurde es 40 km eine Wellblech-Schotterpiste, die alles einstaubte und durchrüttelte. Dann ging diese in eine Sandpiste über. Diese wurde zu einem Feldweg zwischen Gebüsch hindurch. Langsam wurde es abenteuerlich, weil immer längere Sandstücke den Wagen forderten und ich um nicht steckenzubleiben mit Tempo weiterfuhr, was alles ganz schön zum schlingern und wackeln brachte.

    Die Kinder schrien hinten begeistert auf und spielten „Raumschiff“, Nadine war weniger begeistert und hatte Angst, schon wieder in der Wildnis steckenzubleiben. Ich versuchte das Beste daraus zu machen.

    Irgendwann gab ich zu, dass wir hier besser umdrehen sollten. Im sandigen Gestrüpp zu wenden war gar nicht so einfach und beim Anfahren drehten die Räder ganz schon durch.

    Es machte Spaß, war aber auch etwas schweißtreibend unser überdimensioniertes Fahrzeug die ca. 5 km wieder heil zur Schotterpiste zurückzufahren. Noch 42 Kilometer zurück zur Hauptstraße. Google Maps ist erstaunlich, aber man sollte nicht einfach versuchen einer Empfehlung zu folgen – möglicherweise ist es nur ein besser Pfad und keine wirkliche Straße.

    Die Gegend ist menschenleer. Man sieht gelegentlich Wellblechhütten, Kühe und Ziegen und dann und wann einen Fußgänger. Die Hauptstraßen sind weiter in einem erstaunlich guten Zustand, asphaltiert ohne Schlaglöcher, wir kommen gut voran. Wir sind unterwegs in das Land der Himba, ein Nomadenvolk im Nordwesten Namibias.

    Wir haben die zwei Tage mit WLAN genutzt und unsere Indien-Flüge gebucht. Wir bleiben nur eine Nacht in Johannesburg, um unseren Wagen abzugeben und fliegen am 15. November 2017 mit Emirates über Dubai nach Mumbai. 9.15 Uhr bis 2.15 morgens Ankunft in Indien. Ab Dubai mit der A380, da freue ich mich darauf, ich bin den größten Airbus noch nie geflogen. 250 € pro Person, da kann man nichts sagen. Den Weiterflug nach Goa müssen wir noch buchen, wenn Zeit ist.

    Wir durchqueren gegen 17.30 Opuwo und kommen in der Country Lodge an, unserem Ziel für heute.

    Erstaunlich, wie die Himba im Straßenbild zwischen westlich gekleideten Afrikanern aussehen. Opuwo ist eine Kleinstadt mit vielen einfachen Häusern, die Lodge auf einer Anhöhe dagegen sehr luxoriös angelegt.

    Den Swimmingpool wollen wir morgen noch testen, bevor es weiter geht.

    Alle sind erschöpft von der langen Fahrt und gehen früh schlafen.

  • Zu Gast in Ongwediva

    Ongwediva, 4. Oktober 2017, 19.11 Uhr

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    Der Norden Namibias ist anders. Die heutige Regierungspartei SWAPO, die South West African People Organization, operierte in den Jahren des bewaffneten Kampfs bis zur Unabhängigkeit von Südafrika von Angola aus. Nachdem die UN der SWAPO Anfang der 90er Jahre den Alleinvertretungsanspruch für Namibia zuteilte, wurde sie und blieb durch Wahlen bestätigt die Regierungspartei.

    Hier in Ongwediva ist man geografisch praktisch in Angola, nur dass nördlich des willkürlich gezogenen Grenzstreifens viel weniger Menschen leben. Oshakati war Stützpunkt des südafrikanischen Militärs und wurden nach dem Sieg der SWAPO so zu einem der natürlichen Stützpunkte der neuen Regierung.

    Zugleich blieben die in der Zeit der Apartheid in Südafrika auch in Namibia praktizierte Aufteilung des Landes in Gebiete der Weißen (etwa Windhoek bis zum Etosha-Park) und das Land der Schwarzen ( etwa nördlich des Etosha-Parks). Kein Wunder, dass das Namibia, welches wir bisher sahen (und wo die meisten Touristen unterwegs sind) erstaunlich europäisch, aufgeräumt, modern aussieht. Es sind ja die Gegenden, in denen die Weißen ihre Farmen haben.

    Hier im Norden sieht es komplett anders aus. Eben wie in Schwarzafrika – allerdings auch hier einer moderneren und entwickelteren Variante. Es fehlen die typischen Zäune entlang der Straße, es sind viel mehr Menschen zu sehen und die Farmen sind häufig an Wellblechhütten zu erkennen.

    In der Zeit der Apartheid durften Schwarze nur Krankenschwester oder Lehrer als Ausbildungsberufe lernen. Heute sind hier zwei Hochschulen, ein Neubau der UNAM mit Hauptsitz in Windhoek wurde gerade fertiggestellt. Dort lehrt mein Schulfreund Freund Rolf als Bauingenieur Städteplanung für angehende afrikanische Ingenieure, viele aus den Nachbarländern.

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    So hatten wir das Glück, zwei Tage lang eine persönliche Exkursion durch Ongwediva und das benachbarte Oshakati zu bekommen. Sehr faszinierend, wir und die Kinder haben enorm viel gelernt. Interessant auch einfach viel von einem Experten für Wasser und Entwicklung zu hören, der schon auf praktisch allen Kontinenten gearbeitet hat. Seit drei Jahren arbeitet er in Namibia. Über unser Reiseziel Bangladesh hatte er sogar einen Dokumentarfilm gedreht, den wir gemeinsam anschauen konnten.

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    Der Boden ist salzig hier, die hohe Verdunstung lässt ihn  für Ackerbau ungeeignet werden. Ziegen und Kühe essen das Gras, auf den Märkten gibt es viele Zwiebeln, Tomaten und das örtliche Hauptnahrungsmittel Mahangu,  aus dem eine Art Hirsebrei bereitet wird.

    Man sieht überall die Entwicklung. Im Rahmen von 5-Jahresplänen werden meist mit chinesischen Baufirmen hier neue Stadtteile angelegt, welche die Wellblechhütten ersetzen sollen. Wir besichtigten den neuen Zentralmarkt mit Busbahnhof, der die bisherigen Provisorien an einer Stelle zusammenführte. Dort gibt es getrocknete Würmer, Pfeil und Bögen, Töpferwaren und traditionelle Kleidung aus der Region.

    Rolf kennt den Marktdirektor, so durften wir den sonst geschlossenen Aussichtsturm besteigen, der hier hoch hinausragt und ein weit sichtbares Zeichen des Fortschritts ist.

    Von dort konnte man weit ins Umland blicken, und sieht die unterschiedlichen Entwicklungsstufen rundherum.

    Und es muss ein Deich gebaut werden, in den zwei Monaten des Regens kommt es zu großen Überschwemmungen im Stadtgebiet. Diese Arbeit ist schon weiter fortgeschritten, wir sahen die Brücken, Dämme und Neubaugebiete.

    Es gibt dort einzelne Häuser und Reihenhäuser in unterschiedlichen Preisklassen, von dem einfachen Haus mit einem Zimmer über größere Mittelklassehäuser mit Parkplatz oder Garage bis hin zu großzügigen Bungalowanlagen im Bau zu sehen.

     

    Und viele Schulen und Unis sind im Bau. Das Krankenhaus und die Privatklinik zusammen mit den Aufklärungs- und Gesundheitsinitiativen haben erreicht, dass die Bevölkerung und die Lebenserwartung nach den tragischen Jahrzehnten der HIV- und Aids-Ausbreitung wieder ansteigt. War landersweit über 25% an HIV erkrankt, so konnte die Quote auf die Hälfte gesenkt werden. In vielen Gebieten hat wie hier im Norden ist aber immer noch jeder 4 bis 5. HIV-positiv.  Wie auch bei der zweiten Geißel Tuberkulose sind aber die Medikamente ein Segen und haben die Lebenserwartung der Erkrankten deutlich erhöht und die Ansteckung verringert.

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    Kondome liegen in jeder öffentlichen Toilette kostenlos aus. Plakate erinnern daran, die Therapie fortzusetzen. Aber die Infektionskrankheiten bleiben eine der großen Herausforderungen. Wenn erst die meisten ihre Wellblechhütten, bei denen Trinkwasser und Toilette unheilvoll nah beieinander liegen, verlassen haben, wird auch die Kindersterblichkeit durch Durchfälle noch weiter zurückgehen.

    Der Vorteil von Namibia ist, es hat viel Platz, wenig Menschen und durch Diamanten und Uran als auch dem Tiefseehafen Walvis Bay Deviseneinnahmen. Dennoch, ein ineffizienter und aufgeblähter Staatsapparat sorgt dafür, dass die Finanzsituation des Landes schwierig ist. Tourismus wächst, aber ist als Devisenquelle nicht ausreichend.

    Wir machten viele Ausflüge mit Rolf und Tereza und ihrer süßen zweijährigen Tochter Karla, erkundeten die schöne Landschaft mit ihren alten Bäumen (bei den Bauarbeiten werden sie alle rücksichtslos gefällt) und konnten uns wunderbar in einem Haus bei Freunden in richtigen Betten und schönen Stunden unter dem tollen Dach im Hof erholen, wo die Kinder es genossen im kühl erfrischenden Pool zu planschen.

    Die großen Jungs schliefen mutig draußen im Zelt; Nachts kündigte ein stürmischer Wind schon die kommende Regenzeit an. Herrlich, so eine wunderbare Gastfreundschaft in der Ferne zu genießen. Und die Wäsche ist endlich mal wieder richtig gewaschen.

    Morgen brechen wir erholt und gestärkt von leckerem Essen (ja, selbstgebackenes Vollkornbrot!) wieder auf Richtung Kaokofeld im Westen.

  • Panne im Etosha-Park

    Sonntag, 1. Oktober 2017, 14.04 Uhr, Halali Camp, am Swimmingpool

    Es ist feuchter geworden. Wolken sind aufgezogen. Und es sind, ganz eindeutig, gerade ein paar Regentropfen heruntergekommen. Halali. Das zweite Camp im 1907 von den Deutschen gegründeten „Etosha-National Park“. Bei der Einfahrt sieht man ein Jagdhorn als Symbol. Die Zeiten der Jagd sind zum Glück hier vorbei.

    Jetzt regnet es kurz.. Bei 20 mm Jahresniederschlag in dieser Gegend ein seltenes Ereignis. Wir genießen den Tag auf dem Camp, sind am Swimmingpool und erholen uns. Morgen geht es weiter.

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    Montag, 2.Oktober 2017, 9.43, auf der Piste im Etosha-Nationalpark.

    Nadine ist am Steuer. Wir sind pünktlich aufgebrochen. Vollgetankt, Wasser, Bier, Milch gekauft. Wassertank aufgefüllt. Alle Akkus geladen, Kontakte ausgetauscht mit Wendy und Jon  aus dem Norden Südafrikas. Der netten Großfamilie mit dem Toyota-Handel, dem ältesten in Südafrika.

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    Was für ein Lebensgefühl. In der Weite des Nationalparks mit dem eigenen Auto zu fahren. Die Südafrikaner hatten einen sehr coolen geländetauglichen Anhänger, Man konnte ihn in ein großes Zelt mit Doppelbett in der Höhe und einem Vorzeit verwandeln, und von der offenen Seite her war es eine voll ausgestattete Küche.

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    Bei den Offroad und größeren Fahrzeugen ist Toyota führend, sagte Jon: „Schau dich hier um, es sind 80% aller Autos Toyota 4×4.“

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    11.00 Uhr,  27 km vor Namutoni. Vorher große Zebraherden und Büffelherden. Ein Elefant lief gerade vorbei. Wir sitzen fest, der Wagen startet nicht mehr. Batterieprobleme. Auch alle Tricks helfen nicht. Wir warten auf Hilfe aus Namutoni, wir haben noch Handyempfang. Und Google Maps arbeitet auch zuverlässig, gibt auf Meter genau die Abzweigungen an. Eine erstaunlich Welt.

    Gut, dass wir noch mal eingekauft haben. Es gibt Kartoffeln, ich habe erst mal gekocht.

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    15.23 Uhr. Wir sitzen fest. Wir warten seit 4 1/2 Stunden. Der Handyempfang ist nur sporadisch da. Wir sehen viele Fahrzeuge an uns vorbeifahren, aber hier im Gebiet gibt es Löwen, Aussteigen ist verboten. Ich steige dennoch kurz aus, weil im Fahrzeug kein Empfang ist. Löwen sind keine zu sehen. Es ist heiß. Die Hotline der Autovermietung ist mal nicht erreichbar, mal meldet sich jemand der verspricht, es sei schon Hilfe unterwegs. Ich rufe jede Stunde wieder an. Nur es erscheint nie jemand. Wir beruhigen die Kinder, und uns selbst.

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    Dann hält ein offizielles Fahrzeug, es kommt ein Officer im Anzug sichtlich erregt auf uns zu. Ich begehe den Fehler, auszusteigen. Gleich wird er ungehalten: „What are you doing here?“ Ich versuche die Lage zu erklären. Er bleibt unfreundlich: „You are lying! Where is your permit?“. Ich reiche allmögliche Papiere, es sind immer nicht die richtigen. Leider haben wir auch nicht die richtigen Fahrzeugpapiere, denn beim Tausch der Autos fehlten im neuen Wagen die etwa 50 Seiten Kopien aller Dokumente. Das sei kein Problem, hieß es damals. Wir sollten bei Probleme einfach die Hotline-Nummer wählen. Das versuchte ich auch, aber es war natürlich kein Empfang. Als wir dann durchkamen und ich das Handy dem Officer reichte, wussten beide Seiten nicht, was der andere wollte.

    Beim nächsten „You are lying!“ stolperte unser unfreundlicher Parkwächter und fiel unsanft über einen großen, scharfkantigen Stein. Jetzt half ich ihm, die Verletzungen an den Händen zu desinfizieren und die Wunden zu verbinden. Nun wollte er nur noch weg, die Papiere waren vergessen.

    Jetzt beschließe ich, selbst mein Glück zu versuchen. Wir wollen vermeiden, hier zu übernachten. Und das Fahrzeug stehen zu lassen ist auch nicht attraktiv. Es ist schon absurd, es gibt wenig Orte an denen Liegenbleiben unangenehmer ist als umgeben von wilden Tieren. Was ist nur mit unserem Wagen los?

    Ich steige aus, krieche unter den Wagen, ein Kabel hat sich gelöst, es ist aber nur das Rücklicht. Ich überprüfe alle Sicherungen, Schalter. Es gibt einen Hebel. Start-Assist. Das Fahrzeug hat ja drei Batterien, zwei sind nur für den Wohnraum. Aber das hilft auch nichts. Der Motor macht kein Geräusch.

    Ich öffne die Motorhaube, wackle an allen Steckverbindungen der Batterie. Vielleicht kann ich ja einer Batterie von hinten ausbauen und vorne einbauen? Ein Kontakt hat etwas Spiel. Ich drücke ihn fest, schließe die Motorklappe. Ich steige wieder ein, versuche zu starten: jetzt springt alles an. Strom ist wieder da.

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    Wohin kommen wir jetzt noch vor Einbruch der Dunkelheit? Das nächste Camp im Park und das anliegende außerhalb waren beide belegt. Wir beschließen, heute noch bis nach Ongwediva zu fahren, kurz vor der Grenze nach Angola ganz im Norden. Hier arbeitet ein alter Freund von mir aus Schulzeiten, das habe ich vor ein paar Tagen erfahren, und er freut sich über einen Spontanbesuch.

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    Wir sehen weiter viele Tiere, große Tierherden. Dann kommt nur noch Grasland. Nach 50 Kilometer sehen wir den Zaun des Etosha-Parks und das Tor Richtung Norden. Dahinter beginnt ein ganz anderes Namibia. Es wird feuchter, es gibt immer wieder Wasserstellen zu sehen. Palmen wachsen. Man sieht viele Menschen am Straßenrand. Dörfer und Städte wechseln sich ab, aber ganz anders als im bisherigen Namibia. Es sieht ärmlicher, afrikanischer aus und es gibt weniger Zäune an den Straßen, mehr Ziegen und Kühe laufen frei herum. Touristen fahren hier nicht her.

    Wir schaffen es genau zum Sonnenuntergang die 200 Km bis Ongwediva. Es ist eine große Freude, als wir herzlich von unseren Freunden empfangen werden.

    Ankunft in Ongwediva

  • Etosha-Park

    Freitag, 29. September 2017, 9.11 Uhr, Camp Okaukeju, Etosha National Park, vor dem Wohnmobil

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    Es fühlt sich heute anders an. Es war entspannt alle zusammen morgens im Wagen zu frühstücken. Ich fühle mich klar und fit. Näher dran.

    Dauert es einfach einen Monat, bis ich mich umgestellt habe? Es kann sein. Liegt es daran, dass heute die Sonne nicht scheint und Wolken aufgezogen sind? Ist gut möglich, das macht so eine andere Stimmung. Tiefer und intensiver. Vielleicht liebe ich ja ein Wetter, an dem es mehr windet und die Sonne nicht scheint? Nach über vier Wochen jeden Tag Sonnenschein ist es eine Befreiung, wenn sie einem nicht gleich morgens auf den Kopf knallt.

    Ich liebe auch diesen Platz. Weiße Steine, hellweiße weite Flächen, eine weite Perspektive. Ich wusste ja, mich wird es inspirieren unterwegs zu sein und neue Wege zu gehen. Es braucht aber auch eine ganze Weile, bis man sich eingespielt hat und es eben nicht nur „Alltag“ ist, mit dem man sich beschäftigt. Alles ist Produktion, sage ich immer. Ich kann auch sagen: Alles ist Romantisierung. Es kommt immer darauf an etwas Besonderes daraus zu machen. An sich sind die Dinge nicht besonders.

    Heute Nacht hat ein starker Wind geweht. Auch das war herrlich zu hören. Ich liebe Wind, und der Savannenwind oder Wüstenwind ist ein besonderer Wind.

    Tara kam morgens die Leiter hoch geklettert und legte sich noch zu uns. Velis spielt mit der neuen Zwille, die wir auf der Tankstelle in Otjiwarongo gekauft haben. Es war auch gut noch einmal umzudrehen um nach Outjo die 15 Kilometer zurück zu fahren. Am Ende passten dann doch noch 15 Liter in den Tank. Hier in der Einsamkeit nutzen wir jede Gelegenheit, Wasser und Diesel voll zu füllen.

    Hier sind viele Touristen. Alle mit 4×4 Pickups mit Dachzelt. Ganz nette Touristen, wie die Schwaben aus dem Schwarzwald gestern, die uns erst Holz, dann ihr ganzes Essen schenkten. Eine 8-köpfige Familie. Ganz cool. Mit ihren Eltern und ihrem Onkel unterwegs, und der mit seinen drei erwachsenen Kindern. Morgen fliegen sie heim, wir haben jetzt Nahrungsmittel für die ganze nächste Woche.

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    Heute machen wir Unterricht. Ich freue mich darüber. Ich gehe die Sache positiv und entspannt an. Und danach genieße ich die Freiheit und die Optionen.

    Gestern das Fleisch zu grillen war wieder herrlich.

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    Freitag, 29.09.2017, 13.49 Uhr, im Alkoven des Wohnwagen auf dem Etosha-Park-Camp Okaukuejo.

    Nadine hat eine Auszeit bei den Tieren am Wasser. Sie hat sich etwas zum Schreiben mitgenommen und genieß die Zeit allein.

    Die Kinder sind mit mir im Wohnwagen. Sie machen es gut. Super sogar. Ich komme mir bei der weißen Perspektive draußen wie auf dem Burning Man mit Kindern vor. Ich schreibe:

    „It’s inside, not outside“

    Läuft es optimal, gibt es die Belohnung ohne Anstrengung, stellt sich die Ordnung von selbst ein. Es gibt sie, die „order for free“. Wir sehen es in der Natur, sie schafft quasi unabsichtlich, nur durch „Zufall und Notwendigkeit“ eine Optimierung des Genmaterials. Zufällige Mutationen, die Verbesserungen und höhere Komplexität und Stabilität erzeugen. So kann „unlimited reward“ entstehen, unbegrenzte Belohnung. Die Fähigkeit, etwa einen ganzen Planeten zu besiedeln. Die Fähigkeit, sich an der Existenz zu erfreuen.

    Was gibt es also zu tun? Ich sehe drei zentrale Elemente:

    1. Selbstverbesserung: Sie ermöglicht eine bessere Lösung aller Herausforderungen, Befreiung, Zeit, mehr Ressourcen und eine effizientere Nutzung
    2. Spirituelle Orientierung: Denn sie erzeugt Liebe, Anschluss, Frieden, Gelassenheit, Sicherheit und Ruhe
    3. Spiel mit Phantasie und Sprache. Denn sie erzeugen Welten der Freiheit, der Kunst, der Möglichkeiten, der Grenzenlosigkeit und bilden eine innere Heimat

    So habe ich es mir vorgestellt. Vormittags mache ich Mathe und Deutsch mit den Jungs, im Schatten des Wohnmobils sitzen wir. Diktat und Rechnen. Mal ist der eine besser, mal der andere. So inspirieren und motivieren sich beide gegenseitig. Vor allem aber vertraue ich, dass die neuronale Vernetzung funktioniert, und dass in unserem Experiment etwas realisiert werden wird, wovon ich vorher nur geträumt oder geredet habe. Wir werden es sehen.

    Vieles daran ist einfach eine Tendenz, langsamer zu sein. Wenn mich etwas fasziniert hat bei den Tieren gestern am Wasserloch, den Giraffen, Elefanten, Zebras, Nashörnern die ich sah, dann: dass sie sich so viel Zeit lassen. Sie gehen einen Schritt, dann stehen sie wieder. Sie gehen bis kurz vor die Wasserstelle, dann warten sie wieder. Sie versuchen nicht in Hektik sich an das Wasser zu drängen oder mit großer Geschwindigkeit das Wasser zu trinken.

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    Ihre Selbstoptimierung, spirituelle Orientierung und ihr Spiel mit Phantasie und Sprache ist offensichtlich. Es ist gut, langsam, abwechslungsreich, entspannt und kreativ zu sein. Was für unterschiedliche Bewegungen der Elefant mit seinem Rüssel allein angestellt hat, und wie lange die Begegnung gedauert hat zwischen den beiden Elefanten. Es war wunderschön anzusehen. Und wie langsam aus der Dunkelheit ein weiteres Tier oder eine Herde auftaucht. Sie lassen sich Zeit. Sie haben Vertrauen. Sie sind spielerisch, nicht mechanisch.

    „Unlimited reward“. Das ist vielleicht die umstrittenste Aussage. Doch an ihr hallte ich besonders fest. Es gibt einen Weg, der zum Ziel führt, und zur maximalen Ausschüttung an Glückshormonen. Manche nennen ihn Flow. Ich nenne ihn Anschluss. Er ist trainierbar. In diesem Zustand klappt nicht nur alles, sondern es reagieren auch alle um ein herum im gleichen Einklang. Es ist, wenn die Kinder zugleich die Englischstunde kreativ selbstständig in eine Beatles-Singstunde verwandeln, und Lysander einen Beatles-Text nach dem anderen singt, und Velis die kleinen animiert mit Mundharmonika mitzuspielen, im Rhythmus zu klopfen und Tara als Rocksängerin eine Performance dazu macht und wild ihre blonden Haare hin und her schmeißt und selbst Songtexte anstimmt.

    Das alles, während ich mich ausruhe, meinen Kaffee mit der mitgebrachten kleinen Espressokanne koche und den Ikea-Milchschäumer dazu nutze, auch in der Etosha-Pfanne einen annährend perfekten Latte Macciato zuzubereiten. Weil ich weiß, dass mit dem Geschmack von warmer Milch und der Wirkung des Koffeins mein Geist in den optimalen leicht euphorische Betriebszustand gebracht wird, nachdem ich den 20 Minuten-Mittagsschlaf dank Schlafbrille und Ohrenstöpseln genießen konnte.

    In diesem Zustand fließen die Gedanken, sie machen Sinn und sie sind leicht zu bändigen. Es ist klar, die Richtung stimmt. Und wir lernen und entwickeln uns. Die alte Weisheit aus der Psychologie von Teams, die Abfolge von „Storming, Norming, Performing“, es ist auch hier festzustellen. Nach einem Monat den ganzen Tag zusammen hat sich ein neues Gleichgewicht eingestellt. Natürlich ist noch nicht alles optimal (wann ist schon je alles optimal?), aber wir sind auf einem guten Weg dorthin.

    Und viele, viele Momente sind absolut perfekt. Wie die vier Kinder immer neue Spielvarianten erfinden, bei denen die Großen mit den Kleinen ein kreatives Spiel gestalten, bei dem alle begeistert sind und wir nichts dazu tun müssen. Gerade ist beliebt, wie Velis und Lysander Taras Lieblingskinderbücher vorlesen, aber mit Variationen der bekannten Themen. Alle lachen darüber, wenn Conni aus den Pixi-Büchern zum Geburtstag nicht das lange gewünschte Fahrrad bekommt, und dann wütend aus dem Fenster springt.

    Das Besondere eines besonderen Tags ist oft, dass er nicht besonders ist. Wir bleiben länger auf dem Camp als andere. Alle fragen uns mehrfach, ob wir wirklich zwei Mal auf Camp Okaukuejo übernachten wollen? In allen Reiseführern ist beschrieben, dass man hier üblicherweise einmal übernachtet und früh weiterfährt. Wir sehen, abends sind wir von den Pickup-Toyota Landcruisern mit Allradantrieb und Dachzelten umzingelt, wenn wir aufstehen ist der ganze Platz leer.

    Auch die großen Safari-Laster mit den Reisegruppen sind wieder abgereist. Es bleiben die Camp-Mitarbeiter und Tiere. Velis freut sich über die Vögel, Eichhörnchen die zu ihm kommen. Und er übt mit der Zwille, von denen wir auf der letzten Tankstelle zwei von den mobilen Händlern gekauft haben. „Passt aber auf“, sagt uns selbst der Camp-Wachmann: „auf keinen Fall auf Menschen, Tiere oder Autos zielen!“ Velis ist begeistert, „so weit könnte ich nie werfen“ und zielt einen Stein nach dem anderen über den Zaun in die Savanne.

    Wir machen sozusagen „Nichts“, und das gibt erst Raum dafür, dass etwas geschieht. Kein Programm, und so gestalten alle den „Raum“, den „Space“ selbst. Das ist möglich, weil wir so viel Zeit haben und weil wir weniger danach aus sind, besonders viele Dinge einer Liste abzuhaken, sondern eine gute Zeit zu haben.

    Vielleicht liegt die gute Laune auch an der Menge an Rindfleisch, die wir hier auf dem Feuer gegrillt verzehren? Ich las gerade von einer aktuellen Studie mit 10.000 Teilnehmern, die aufzeigte dass Vegetarier, besonders aber Veganer eine höhere Depressionsrate aufweisen. Intuitiv kann ich mir das vorstellen. Ich finde Rindfleisch herrlich, besonders wenn es ursprünglich sehr knusprig und innen noch saftig auf dem Feuer bereitet wird. I

    n einer Zeit, in der eine fleischarme Ernährung ein „Megatrend“ der Avantgarde ist, ist dies eine unpassende Einstellung. Aber hier in Nambia ist ausreichend Platz, Rinder zu ernähren und wenn und das superleckere Rumpsteak beim Spar in Outjo oder Otjivarongo weniger als 5 Euro das Kilogramm kosten, kann man hier einmal wirklich Fleisch „satt“ genießen. Ich freue mich schon auf heute Abend, dazu den südafrikanischen Rotwein.

    Das „Ursprüngliche, Natürliche“ wird dann erst interessant, wenn wir es verlassen haben und dabei sind eine neue Ebene zu erreichen. Nicht umsonst beginnt das Interesse an der Schönheit der Natur, dem einfachen Leben auf dem Land erst dann, wenn dieser Zustand bereits hinter uns liegt. Die Romantik entwickelt die Fähigkeit, das „Gewöhnliche“ besonders zu betrachten.

    Ich liebe ja die Aussage des sächsischen Bergwerkdirektors und Romantikers Friedrich von Hardenberg, der sich als Schriftsteller Novalis nannte:

    „Die Welt romantisieren heißt, sie als Kontinuum wahrzunehmen, in dem alles mit allem zusammenhängt. Erst durch diesen poetischen Akt der Romantisierung wird die ursprüngliche Totalität der Welt als ihr eigentlicher Sinn im Kunstwerk ahnbar und mitteilbar.“

    So ist es klar, dass man manche Dinge erst dann mit vollem Bewusstsein betrachten kann, wenn man lange von ihnen fort war. Es ist die „Second Nature“, die von uns geschaffene Umgebung, die uns den Blick auf die „Nature“ ermöglicht, davon bin ich überzeugt. Das hier wäre so nicht möglich ohne die Fähigkeiten, eine funktionierende Umgebung zu erschaffen die aus zahlreichen System besteht, die unabhängig voneinander funktionieren müssen.

    Wir haben das in den letzten Tagen erfahren, als der Kühlschrank nicht funktionierte. Sicher, man kann sich an alles gewöhnen, aber auf die Dauer wurde es mit verschimmelnden Gemüse, keinem Fleisch, Wurst, Käse, Butter, keinen kühlen Getränken weniger angenehm. Wir freuten uns deshalb sehr, als es vor zwei Tagen endlich das versprochene Ersatzfahrzeug gab. Das hatte zwar einen Auffahrunfall, aber es sollte jetzt wieder alles repariert sein. In Otjivaronogo trafen wir uns also zum Fahrzeugtausch.

    Das neue Fahrzeug war leer, das bedeutet wir mussten alles herausholen, von der Gasflasche über die Campingausstattung und unseren eigenen Sachen. Als wir fertig waren stellten wir leider fest, dass der neue „Travelstar“ (wie Nadine meinte, ein passenderer Name als „Odyssee“ des ersten), zwar einen funktionierenden Kühlschrank hatte, aber leider kein Wasser, obwohl wir den Wassertank an der Tankstelle gefüllt hatten.

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    Was ist besser? Kein Wasser oder kein Kühlschrank? Wir beschlossen zu warten, ob der herbeigerufene Techniker eine Lösung findet. Der begann, Sicherungen und Bauteile aus dem alten Wagen auszubauen und in den Neuen einzubauen. Nach sechs Stunden in der Hitze auf dem Spar-Parkplatz funktionierte die Pumpe wieder. Glücklich gab ich reichlich Trinkgeld. Wir konnten losfahren. Es sind eben viele Systeme (Wasser, Strom, Gas, Kühlung, Abwasser etc.) mit denen die üblichen Lebensbedingungen für uns moderne Menschen erzeugt werden).   Dazu noch die Mobilfunkverbindung. Meistens hier nur E-Netz, deshalb versenden wir auch unregelmäßiger unsere Blog-Updates, denn ins Internet kommt man damit nicht.

    Wenn dann aber alles funktioniert, und das Fahrzeug diese kleine autonome Welt in ferne Gegenden wie diese uralte Salzpfanne des Etosha-Parks tragen kann, und man schon bei der Ankunft zwischen Zebras, Springböcken und Hyänen fährt, ist das sehr schön. Und am Wasserloch kamen abends wirklich wie versprochen Tiere: Giraffen, Elefanten, Zebras, ein Nashorn. Dann waren alle Kinder müde und wir gingen erfüllt zurück zum Wohnmobil.

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  • Angriff der Affen und Aufstieg auf den Waterberg

    Dienstag, 26. September 2017, 12.30 Uhr, unter dem großen Bambus am Waterberg

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    Der Morgen begann ruhig. Wir frühstückten draußen mit Toast, Yoghurt und Müsli. Doch irgendwie wurden es immer mehr Affen um uns herum. Als ich dann kurz in das Wohnmobil ging, klaute der erste Affe mir den Toast vom Teller.  Man hatte uns ja schon  gewarnt. Velis wollte gleich Fotos von all den Affen um uns herum machen. Doch als er draußen sich der Horde annäherte, wurde er von einem Affen attackiert. Er rannte davon, doch der Affe war viel schneller und zerrte an seinem T-Shirt. Velis schrie und man hörte auch die Affen brüllen. Weinend rette er sich in das Wohnmobil.

    Uns war der Spaß an diesem Platz vergangen. Wir packten unsere Sachen und fuhren los. Auf dem Weg ein Schild: Soldatenfriedhof. Der Weg schlängelte sich eng und staubig durch die Landschaft, die Schlaglöcher und Gräben waren beträchtlich und ich setze mehrmals mit dem Boden auf.

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    Dort dann der mit Backstein umzäunte Friedhof der deutschen Soldaten, die hier 1904 im Kampf gegen die Hereros starben. Die meisten Gräber von Männern Mitte 20.  Hier am Waterberg fand eine große Schlacht statt, der Aufstand wurde aber blutig niedergeschlagen und endete in einem der ersten Völkermorde des letzten Jahrhunderts mit der fast vollständigen Vernichtung der Herero durch die deutschen „Schutztruppen“. Noch fehlt hierzu auch eine Gedenkstätte, zumindest für die Herero-Kämpfer wurde eine Gedenktafel neben den deutschen Soldaten aufgehängt. Das Thema ist aktuell, in der deutschsprachigen Lokalzeitung die wir Otjivarongo fanden, berichtete man über die aktuellen Verhandlungen mit der deutschen Regierung über eine Wiedergutmachung.

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    Danach Schulstunde unter dem Bambus. Lysander schrieb über die Geschichte Namibias, Velis über den Affenangriff. Nadine kochte und las den Kleinen vor. Anschließend gingen alle schwimmen, und ich genoss es mich in dem gemütlichen Alkoven zu einer Mittagspause hinzulegen.

    Und dann ging es los zu unserem Ziel, oben auf den Waterberg zu steigen. Der Aufstieg war mit 40 Minuten angegeben, mit unserer Dreijährigen rechneten wir mit einer Stunde. Viel Wasser, Kekse, Bonbons, Rosinen und Nüsse wurden eingepackt. Und wir stiegen los.  Die Kinder hörten immer wieder wilde Tiere und wollten nicht weiter laufen. Doch wir sahen nur kleine Zwergantilopen und Vögel. Es ging Zickzack erst durch Gebüsch, dann steiler den Berg hinauf, einem ausgetrockneten felsigen Bachbett entlang, das immer steiler wurde.

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    Zwischendrin wurde es uns schon etwas mulmig, ob es wirklich eine gute Idee war hier mit unseren kleinen Kindern hinauf zu steigen. Aber Morpheus kletterte wie immer großartig, auch Tara wollte weiter und wurde von Nadine an schwierigen Stellen auf dem Rücken im Tuch getragen. So schafften wir es mit Pausen bis nach oben.

     

    Während des Aufstiegs gab es den noch fehlenden Unterricht für heute: Sexualkunde. Die Jungs hatten ihn ja extra im Stundenplan eingetragen, ist ja Thema der 4. Klasse. Oben angekommen hatten wir alle das Gefühl, viel gelernt und erlebt zu haben. Der Ausblick war grandios.

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    Die Ausschilderung war gefährlich, der angebliche Pfad endete immer wieder an Abbruchkanten und wir beschlossen, den gleichen Weg zurück zusteigen. Es begegneten uns immer wieder Affenfamilien, was Velis nicht lustig fand. Aber mit Stöcken bewaffnet fühlten wir uns sicher.

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    Danach noch mal Schwimmen. Alle waren erschöpft und glücklich von unserem Tag. Zu Wandern klappt immer hervorragend, da haben alle Lust darauf und ich bin immer wieder erstaunt wie sich die Kinder gegenseitig motivieren.

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