Kategorie: Namibia

  • Am Waterberg angekommen

    Montag, 25. September 2017, 9.20, Abschied vom Weaver’s Rock.

    Abends zu unserem Wagen zurücklaufen, wie er hier einsam in der Landschaft steht.

    Mit Nadine abends noch vor dem Wagen unter dem Sternenhimmel sitzen und einfach nur dankbar sein angesichts der Größe des Universums und unserm Glück darin einen Platz wie diese Erde zu haben in Milliarden Lichtjahre großer Leere, Kälte oder unvorstellbarer Hitze, Druck und Urgewalt. Hier ist es lieblich und lebendig, hier sind wir zuhause und hier können wir dank der Technik mit einem kleinen fahrbaren Haus stehen, indem alle unsere Kinder sicher und weich schlafen können und sich ausruhend – für das nächste Abenteuer morgen.

    Und wir sind erst ganz am Anfang und erst eine Woche im Wohnmobil unterwegs. Wir werden alle wachsen auf dieser Reise, ganz besonders die Kinder.

    17.17 Uhr, Waterberg Lodge, Swimmingpool.

    Einfach immer wieder überraschend. Nach einer staubigen Wellblechpiste, einer privaten Lodge die leider belegt war fuhren wir die 10 km zurück zur staatlichen Waterberg Lodge.

    Immer wieder gibt es Erinnerungen an die Kämpfe der deutschen „Schutztruppen“ gegen die Herero Anfang des letzten Jahrhunderts.

    Wir schlagen unser Lager mit Blick auf das Bergpanorama auf, es gibt Nudeln aus der praktischen 3 kg-Vorratspackung.

    In der Mittagspause mache ich mit den Kindern ein paar Yoga-Übungen im Schatten des Baumes.

    Die vielen Affen sind recht frech, sie klauen sogar die Isomatte, ich eile noch hinterher und kann sie wiederholen. Wir brechen auf, den Berg hinauf zum Pool. Der ist wunderbar gelegen und einfach nur idyllisch. Hier grasen Warzenschweine und in der Nachmittagssonne sind die Felsen rot angeleuchtet.

    21.00, abends noch unter dem Sternenhimmeln mit der liegenden Mondsichel.

    Die Kinder schlafen. Es war noch mal ein Trubel, Pfannenkuchen für die hungrigen Mäuler zu backen, und zu sechst mit all dem Staub nach der Wellblechpiste heute kommt das Chaos der Kinderspielsachen, Anziehsachen, Decken etc das erst einmal bezwungen werden will. Camping in Afrika mit vier Kindern ist auch schon eine fast tagesfüllende Aufgabe.

    Jetzt sind alle satt und zufrieden eingeschlafen. Hier ist es feuchter, es gibt Moskitos uns so wurden die Kinder auch noch eingesprüht.

    Nach dem Schwimmbad zum Sonnenuntergang brach Velis noch auf, die Gegend zu erkunden. Nachdem er Morpheus und Tara auch noch begeistert in die morastige Umgebung gelockt hatte, war jetzt der schwarze Schlamm als Kontrast zum gelben Staub hinzugekommen.

    Zum Glück gibt es ja Duschen. Doch noch mit nassen Schuhen hat Velis einen neuen Weg entdeckt, und mit Lysander voran ziehen sie los, wir alle hinterher.

    Es ist wirklich ein toller Weg durch die Natur hinauf zum Beginn der Felsen. Alle waren begeistert und wir wollen morgen den Aufstieg bis nach oben wagen, so gegen Nachmittag wenn es kühler geworden ist.

  • Die Weavers Rock Guest Farm ist toll!

    Die Weavers Rock Guest Farm ist toll!

    (Sonntag, 24. September 2017, Nadine)

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    Ich genieße es an so einem lebendigen Ort inmitten einer anderen Großfamilie zu sein.

    Er ist wunderschön, mit viel Liebe angelegt und man spürt wie er über die Jahre gewachsen ist. Sogar ein eigener Friedhof ist zwischen den alten Bäumen mit einem Ausblick in die weite Landschaft der Savanne zu finden. Auf einem geologisch uralten Fels auf 1600 Meter Höhe gelegen, genießt man einen Blick rundum in die weite Ferne.

    Hühner laufen gackernd herum, Schwäne zischen weil sie ihre Jungen verteidigen und hinter dem Zaun am Haus steht ein Strauß. Draußen weiden Pferde in Ihrer Koppel. Hunde gibt es viele, was die Kinder und mich freut, sogar ein Welpe ist dabei und abends besucht uns immer ein freundlicher Dackel.

    Der Garten mit Swimmingpool ist wunderschön angelegt, eine Wiese, kleine Palmen große Gummibäume, kleine Sträucher; alles ist so herrlich.

    Es gibt auch einen Spielplatz mit allerlei Autos, und einer Wippe und einem echten Kindermotorrad, auf dem alle Kinder immer gerne spielen. Velis stellt das Licht an und sagt: „Ich habe jetzt auf Lichtgeschwindigkeit geschaltet.“

    Und so geht bei den Kindern freudigst immer vom Pool zum Spielplatz über die Bar mit Pause kurz zu Mama; alles wieder von vorne los.

    Ein Familienunternehmen, seit über 100 Jahren hier mit der Rinderzuchtfarm. fand der Besitzer in Windhoek seine Frau, zusammen gründeten sie vor 9 Jahren die Guest Farm mit Bungalows und Campingplätzen. Sie haben vier Söhne, der Jüngste wurde gestern drei Jahre und bekam ein Plastik-Gewehr geschenkt, mit dem er stolz herumlief.

    Unter der Woche leben sie in Windhoek wo auch die Kinder zur Schule gehen, am Wochenende und in den Ferien sind sie hier auf der Farm.

     

    Wir sind seit einem Monat unterwegs und langsam kommt mehr Ruhe rein.

    Ich merke, dass ich für alles mehr Zeit und Raum habe.

    Zwischendurch setzte ich mich einfach hin und spüre und schaue in mich hinein, nicht mehr, dann kommt von allein der nächste Impuls, und dem folge ich dann.

    Ich ärgere mich weniger über die alltäglichen Dinge wie Aufräumen, Kochen, Wäsche ich mache es einfach, langsam und jeden Tag. Ich lese den Kindern viel vor oder bastele mit ihnen.

    Morgens mache ich oft Yoga, dann kommt Tara und macht mit. Ich habe schon fast mein erstes Buch durchgelesen und schreiben tue ich auch fast jeden Tag

    Ich genieße die Ruhe, und das mehr Zeit haben, es gibt mir eine innere Sicherheit und Klarheit weil dadurch das Wesentliche klarer wird. Und das ist eben oft einfach und nicht kompliziert.

    Gestern Abend, Samstagabend gab es ein tolles Abendessen. Wir haben uns spontan angemeldet beim Buschmanns-Fleischfondue an offener Feuerstelle mit zehn weiteren Gästen und der Familie teilzunehmen.

    Es gab rund um die Feuerstelle eine, aus steingebaute Bank, mit Kissen und in der Mitte die schon vorbereitete Glut, darin stand ein großer gußeisener Topf mit heißen Öl gefüllt.

    Die Kinder inspizierten schon mal die langen Spieße, die bereit lagen.

    Nach Sonnenuntergang wurde dann das tolle Essen bestehend aus Salaten, Springbockfleisch und Rindfleisch mit Brot gebracht und das frohe Brutzeln begann.

    Allen schmeckte es ausgezeichnet, und wir haben das Abendessen gemeinsam mit anderen Gästen in gemütlicher Runde mit Rotwein sehr genossen.

    Wir wurden neugierig nach unserem Weg gefragt und so war es auch für uns, das erste mal seit wir aufgebrochen sind, dass wir von unseren Plänen erzählt haben.

    Gegen 21 Uhr haben wir dann die schlafenden Kleinen und die müden Großen zum Wohnmobil gebracht. Es ist zur Zeit ungewöhnlich heiß hier und so kühlte sich erst gegen Morgen der Wagen etwas ab.

    Wir selber sind dann aber erfüllt von einem sehr reichen Tag schnell eingeschlafen.

    Heute ist Sonntag ein besonderer Sonntag, die Bundestagswahl, Dieters ( Leander Papa) 80gster Geburtstag, und der Berlin Marathon, wo zwei enge Freunde von uns mitlaufen.

    So sind wir heute besonders gedanklich und emotional zu Hause in Berlin und bei unseren Freuden und bei unserer Familie.

    Und ich weiß, das viele auch gedanklich heute bei uns sind!

  • Weaver’s Rock Family Guest Farm

    Freitag, 22. September 2017, 9.43 Uhr, Weaver’s Rock Guest Farm, Campingplatz, Namibia

    Nach all dem Trubel in Otivarongo (Autowerkstatt und Klimaanlagen-Spezialist konnten beide den Kühlschrank nicht reparieren) fahren wir das erste Mal an einem Ort ohne vorher reserviert zu haben. Es ist wie immer alles leer auf dem Camp.

    Ein wunderbares Refugium hier auf dem Berg.

    Beide Werkstätten waren sehr freundlich. Man trifft andere gestrandete Reisende (Getriebschaden beim Landrover), einen freundlichen und dynamischen schwarzen Chef mit der Pistole am Halfter), gegenüber zwei deutsch sprechende Kühltechniker, Freunde des Chefs. Die Kinder waren überrascht, hochdeutsch angesprochen zu werden. Die Elektrik ist es nicht, das wurde festgestellt. Wahrscheinlich ist der Kompressor kaputt. Wir beschlossen weiter zu fahren, im Supermarkt kaufte ich eine Camping-Kühltasche und Eiswürfel satt. Das kühlt auch eine ganze Weile gut.

    Der gestrandete Schweizer mit dem Landrover zeigte mir auf seinem Handy ein Foto: Das ist der Wagen des Mechanikers. Dieser fuhr gestern nach Windhoek, um ein Ersatzteil für das Getriebe zu holen. Auf der Rückfahrt ist er eingeschlafen, Kollision mit einem Laster. Wie durch ein Wunder ist der schwere Toyota-Pickup Totalschaden, der Fahrer aber unverletzt. Ich las bei Wikipedia, dass mit 700 Verkehrstoten Namibia das gefährlichste Land der Welt im Verkehr ist, das sind pro Kopf 10 mal so viel wie in Deutschland. Wild und gefährlich.

    Um bis zum Waterberg zu fahren wie geplant ist es schon zu spät. Wir fahren dennoch los und wählen die nächste Lodge nach Google Maps. Die Abzweigung ist zwar falsch eingezeichnet, als wir wenden und zurück fahren sehen wir aber das Tor, es steht „open“ daran. Wieder steigt die Spannung, kommen wir mit unserem „Ungetüm“ da durch? Wir sehen eigentlich nur die typischen Geländewagen bei Touristen. Es ist steil und bei den Bodenrinnen und Felsen sieht es recht knapp aus mit der Bodenfreiheit. Aber am Ende stehen wir direkt nach Sonnenuntergang oben auf dem Plateau und haben einen wunderbaren Rundumblick ins Tal. Wir machen ein Feuer und grillen, danach gibt es noch Marshmellows unter dem fantastischen Sternenhimmel.

    Wir beschließen hier noch länger zu bleiben. Es gibt einen Pool, Kinderspielsachen der Guest-Familie, wo die Kinder schon Motorrad fahren dürfen und der dreijährige Spielzeug-Gewehre herumträgt. Alles wunderbar eingerichtet und bis ins Detail voller Liebe. Wir stellen wieder fest: Bisher war jedes Camp in Namibia schön. Das hier ist wieder einmal ganz besonders. Wir bleiben auch heute noch einmal.

  • Safari

    Safari

    Mittwoch, 20. September 2017, 20.30 Uhr, Mount Etjo Lodge, in der Hängematte

    Ein intensiver, aufregender Tag. Gestern noch, als wir das Camp verließen, da stand ein Ortsschild: 170 km bis Otivarongo. Nach 130 km ging es links ab, noch 42 km bis zur Mount Etjo Lodge. Bis dahin kein einziges Haus. Namibia ist wirklich das nach der Mongolei am dünnsten besiedelste Land der Welt.

    Es begann die Gravel Road, Schotterpiste. Ich übergab das Steuer an Nadine, die Lust hatte hier ihre ersten Wohnmobilerfahrungen zu machen. Ich ging nach hinten zu den Kindern. Nach kurzer Zeit fing es im ganzen Wagen an zu stauben. Als ich mich auf die Liegefläche hinter dem Fahrersitz legte, erinnerte mich das Geräusch des Rüttelns der Piste, das Schaukeln und der Geruch von Staub an meine Kindheit.

    Velis setze sich nach vorn. Tara stand neben mir und Morpheus schließlich zwischen den Fahrersitzen. Nach 30 km kam ein Zaun quer über die Straße, ein Mann schob das Tor auf und ließ und freundlich grüßend weiterfahren. Halb ausgetrocknete Wasserstellen und kleine Seen mit den ersten Tieren wurden sichtbar, dann die Einfahrt zur Lodge. Hier ein See mit Springböcken, Vögeln, und ein freundlicher Empfang. Wir dürfen im Swimmingpool mit den Kindern uns abkühlen, ein herrlicher Luxus.

    Unser Camp lag noch 3 km weiter, zurück zur Hauptstraße und dann durch ein weiteres Tor, das wir selbst öffnen mussten. Die Kinder dürften Lenken üben. Der Weg war eng, und wir streiften immer wieder Bäume und Sträucher. Eine steile Kurve hinab ging es zu Camp 6, dort rannte gerade eine große Affenhorde davon. Weiße Pferde grasten an einem See.

    Wir bauten unser Lager auf, leider gab es kein Wasser. Gegen 21.00 holte uns ein offener Landcruiser ab, zur Fütterung der Löwen. Alle Kinder waren wieder hellwach. Durch die Dunkelheit war es eine aufregende Fahrt. Hinter einem Gitter in einer Lehmmauer sahen wir vor uns die Savanne, und ein totes Tier, ein Oryx. Dann kamen die Löwen, insgesamt 7. Direkt vor uns fingen sie an mit lauten Brummen und Brüllen sich auf das Tier zu stürzen und es in kurzer Zeit bis auf das Gerippe zu verschlingen. Tara fand es erst erschreckend, doch am Ende wollte sie auch auf Mamas Schoß zuschauen.

    Beeindruckt fuhren wir alle zurück. MIt Lysander hing ich noch in der Hängematte und bestaunte den Sternenhimmel.

    Am morgen dann fragte Velis: Steigen wir jetzt auf den Berg? Also beschlossen wir heute Schulausflug zu machen. Gar nicht so einfach, den Weg durch das Gestrüpp zwischen so viel Dornen zu finden, aber alle drei Jungs gaben ihr Bestes. Oben hatte man einen wunderbaren Ausblick und sah unten klein am See unseren Wohnwagen stehen.

    Ich machte den Kindern Pfannenkuchen mit viel Butter, weil unser Kühlschrank leider ausgefallen war. Gegen 16.00 wurden wir zur Safari abgeholt.

    Das war wunderschön. Wieder im offenen Pickup, Es war eine atemberaubende Fahrt bis zum Sonnenuntergang mit Zwergantilopen, Erdmännchen; Springböcken, Geiern, vielen Nashörnern, Giraffen, Zebras, Büffeln und einem Elefanten.

    Ein tolles Erlebnis, und aufregend wie der Fahrer durch Flussläufe und mitten durch die Savanne seinen Weg fand.

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    Donnerstag, 21.September 2017, 8.19 Uhr

    Mount Etjo Lodge, Camp Dino, Namibia

    Die beste Stunde des Tages. Noch ist es kühl. Rundum zwitschern Vögel. Wir sitzen in mitten einer wunderbaren Landschaft. Vorne trinken vier weiße Pferde aus dem halb ausgetrockneten See. Wir sind allein in mitten der Natur. Um uns herum Felsen und kleine Berge. Vor uns springt eine Zwergantilope vorbei. Sie läuft zwischen den trockenen und teilweise umgestürzten Bäumen in den Wald hinein.

    Ich genieße den Kaffee in meinem Trolley-Campingstuhl. Bald brechen wir von diesem herrlichen Platz wieder auf. Es geht weiter Richtung Norden, zur Waterberg Lounge.

  • Camping

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    Montag, 18.09.2017, 11.52, Okahandja Country Lodge, Namibia

    Weltreiseschule. Pioniergefühl. Zwischen Euphorie und manchmal nahe an der Verzweiflung. Ich wache schon morgens früh auf und denke darüber nach, wie ich heute wohl den Unterricht gestalten werde. Morgens ist es so kühl, dass die Kinder Mützen aufziehen. 20 Grad Unterschied von Nachmittags zu morgens. 35 Grad mittags, morgens 15.

    Es startet mit Hindernissen. Morpheus holt sich beim Spielen einen großen Spreißel, wir finden keine passende Pinzette und er mag nicht dass wir an der Hand etwas machen. Wir beschließen, den Spreißel drin zu lassen und zu warten bis er von selbst herauskommt.

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    Unterricht. Wir trennen die Kinder in zwei „Klassenräume“. Es gibt wie immer Widerstände zu überwinden. Auch ich muss mich in Geduld üben. Warum mache ich das hier? Aber es ist ein Aufgabe, die wir uns gestellt haben. Back to basics. Mit dem was wir hier draußen haben müssen wir zurecht kommen. Ich stelle mir vor, wir wären Pioniere und müssten unser Leben hier draußen selbst organisieren. Es kommt uns nicht darauf an, möglichst viel zu sehen. Wir rechnen das große Einmaleins, die Quadratzahlen. Und dann Wurzeln. Und dann gibt es zu Essen.

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    Dienstag, 19. September 2017, 9.25 Uhr, Okahandja Country Lodge, Namibia

    Heute läuft es schon viel besser. Pünktlich um 9.00 Uhr sitzen die Jungs und schreiben. Heute ist erste Stunde Englisch. Lysander übersetzt „Beat it“ von Michael Jackson, Velis schreibt alle englischen Wörter auf Englisch und Deutsch heraus, die er schon kennt. Dass sie gestern in Mathe gelernt haben, dass Wurzeln nichts Kompliziertes sind, freut beide offensichtlich. Nadine liest den Kleinen vor.

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    Morgens und abends ist die Temperatur ideal. Morgens um 6.00 geht es auf 15 Grad herunter, nachmittags werden es 35 Grad. So nutzen wir die Mittagsstunden zum Fahren oder ausruhen. Es ist herrlich auf unserem Camp. Wir haben einen persönlichen Wachmann, der Nachts unter unserem Essensplatz sitzt und aufpasst. Wir haben Hängematten aufgehängt.

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    Wir zogen los, um Feuerholz zu holen, alle Kinder mit. Schon nach wenigen Metern werden wir fündig. Ein umgeknickter Baum, massenhaft trockenes Holz. So trocken, dass es sich mit einem Streichholz mit etwas trockenem Gras sofort entzündet. Alle laden den Trolley voll. Auf dem Feuer grillen wir Maiskolben und T-Bone-Steaks. Das Fleisch ist nicht besonders zart, schmeckt aber hervorragend. Tara sitzt nackt auf Mama und schiebt sich ein halb blutiges Fleischstück nach dem anderen in den Mund, das ich ihr vom dem riesigen Fleischstück abschneide. Das Feuer erleuchtet die Nacht. Tara sieht richtig wild aus.

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    Ich denke: Tara muss sich fühlen wie hunderttausend Generationen von Kindern vor ihr. Sie sieht sehr glücklich aus.

    Nadine hat neue Camps reserviert. Dafür wieder ist die moderne Welt sehr praktisch. Wir haben unsere Sachen wieder eingepackt und fahren weiter. Es geht in Richtung Norden weiter, wir fahren kleine Etappen von 100 bis 200 km, gut passend für die Mittagshitze. Nach den ersten beiden Stunden Unterricht geht es los, weiter wird während der Fahrt geübt.

    Wir haben noch 59 weitere Nächte dieses Wohnmobil, bis wir es in Johannesburg abgeben müssen. Eine großartige Freiheit.

  • Ankunft in Namibia

     

     

    Sonntag, 17. September 2017, 21.25, Okahandja Country Lodge, Namibia

    Wir sind ganz allein auf diesem Campingplatz. Es ist ein schöner Platz, mit schattigen Bäumen, kleinen Essplätzen mit Strohdächern. Duschen unter freiem Himmel. Unser erster Campingplatz in Namibia, mit unserem neuen Zuhause erreicht, dem 6-Bett-Camper von Maui: Odyssee.

    Es ist Luxus mit solch einem Gefährt hier unterwegs zu sein. Einmal ist uns einer begegnet, sonst scheint das hier die Ausnahme zu sein. Die Straße von Windhoek führt durch Savanne, hin und wieder Bäume, alles am Ende der Trockenzeit.

    Velis, Morpheus und Tara springen schon leicht bekleidet mit Stöcken und Steinen herum, sie spielen mit Hölzern, schnitzen sich Stöcke, werfen Papierflieger und machen sich nass. Lysander ist noch etwas angeschlagen, hat Durchfall und noch Schnupfen, er liest im Wohnmobil. Auch Nadine ruht sich aus. Ich hatte mein Fieber gestern, Nadine wird vermutlich auch etwas erwischt haben.

    Es war eine Tour de force, morgens noch Ägyptisches Museum, danach die Pyramide, und abends zum Flughafen. Wir haben es geahnt dass es anstrengend wir, als ich schon mit Kopfschmerzen aufgewacht bin am Abflugstag wusste ich auch, das wird ein Trip.

    Mit unseren acht Gepäckstücken zum Aufgeben und vier Tagesrucksäcke an Bord sind wir eine halbe Expedition. Aber ehrlich gesagt, nichts ist unnötig und vor allem das Spielzeug kommt täglich zum Einsatz, und gekocht wird auch überall.

    Auf dem Weg zum Flughafen sah man ein moderneres Ägypten, dort sind die Siedlungen der Wohlhabenden, Einkaufszentren, Autobahnen, Einfamilienhäuser, elegante Wohnsiedlungen. Als gegen 2.45 Uhr morgens der Flieger startet, sind wir alle sehr erleichtert: bis zur letzten Minute im Flieger war es nicht klar, ob wir nicht wieder aussteigen müssen. Wir hatten keine Geburtsurkunden für die Kinder ausgedruckt dabei. Ich habe alles eingescannt und in der Dropbox – aber bekomme mal etwas ausgedruckt wenn du noch 30 Minuten bis Abflug hast…

    Ende gut, alles gut, wir durften mitfliegen. Ein netter Mitarbeiter von Ethiopian Airways brachte uns den Ausdruck schließlich in den Flieger; dann erst durften wir mitfliegen.

    Addis Adeba machte aus der Luft einen wunderbar grünen Eindruck, die Menschen im Flieger und am Flughafen bunt, unverschleiert, schlank und elegant. Ich las im Flugmagazin von 100 Mio. Einwohnern und einer faszinierenden Natur. Dieses Mal nicht, es wäre zu viel geworden für uns alle.

    Johannesburg war schon wie Europa, modern, kein Vergleich zu Ägypten. Bei uns allen war ein Aufatmen zu spüren, es war doch auch fremd in Nordafrika für uns bunte Berliner Crew..

    Nach unzähligen Passkontrollen, Formularen, Sicherheitskontrollen (wir hatten ja nicht durchgebucht und mussten deshalb in Johannesburg einmal einreisen, Gepäck annehmen und anschließend wieder ausreisen) und tatsächlich der Überprüfung der Geburtsurkunden:

    am Ende des dritten Flugs Ankunft in Windhoek, am nächsten Abend.

    Es war eine Strapaze. Alle sind fertig, Velis legt sich immer wieder einfach auf den Fußboden zum weiterschlafen, meine Kopfschmerzen waren kaum besser und Nadine hatte die ganze Zeit die Kleinen um sich herum und kein Auge zugemacht.

    Nadine meinte: Wie in Goa! Man steigt aus dem Flieger und läuft zum Terminal vor. Es ist kühler, ein kleiner Flughafen. Wie mittlerweile Standard eine aufwändige Einreiseprozedur , diesesmal ohne Wärmebildkamera (Lysander sah tatsächlich heller aus), aber mit Fotos. Es dauert, bis wir alle einzeln auf dem Foto sind. Am Ende kontrolliere ich alle Visa noch einmal: Nadine hat nur 30 Tage bekommen, wir alle wie gewünscht 40. Das wird zum Glück von der resoluten Grenzbeamtin als ihr Fehler anerkannt und korrigiert.

    Um 21.30 ist der Flughafen leer und es stehen keine Taxis da, aber ein netter Mitarbeiter von Europcar bringt uns mit einem neuen VW-Bus zur Airport Lodge. Ein Fahrt im leisen VW-Bus, wie daheim. Die Kinder schlafen sofort ein. Linksverkehr, ich erschrecke kurz bei den entgegenkommenden Fahrzeugen in der Nacht. 20 Kilometer Fahrt, einen Schotterpiste den Berg hinauf, ein Tor öffnet sich. Wir sind da. Werden sehr freundlich empfangen, haben einen alleinstehenden Bungalow mit Strohdach, alles sehr schön eingerichtet.

    Am nächsten Tag sehen wir das erste Mal eine namibische Savannenlandschaft. Ich breche nach dem Frühstück auf, um vom Flughafen unser Wohnmobil abzuholen und Telefonkarten zu besorgen. Velis begleitet mich. Wieder sind alle außerordentlich freundlich. Ich freue mich über das große Gefährt, halte noch am Flughafen um die Telefonkarten zu besorgen. 1,5 GB pro Woche für 5 Euro im Monat, ein Sonderangebot für Touristen. Jetzt, mittags ist der Flughafen auch richtig voll mit meist deutschen Namibia-Urlaubern.

    Erst lasse ich den Wagen unten vor dem Tor stehen, ich glaube nicht dass er unter dem Strohdach hindurchpasst. Mit Hilfe des Lodge-Eigentümers geht es dann doch, etwas Stroh fällt dabei herunter. Den steilen Weg hinauf und auch den Weg zur Hütte herunter schafft der Iveco-Kleinlaster ohne Probleme.

    Ich bin erschöpft, als ich endlich das neue Zuhause für die nächsten zwei Monate abgestellt habe. Kein Wunder, ich habe auch 38,5° und fühle mich entsprechend schlapp.

    Aber es ist ja der Wohnwagen zu packen und vorzubereiten. Es passt unser ganzes Zeug hinein, selbst der Trolley findet Platz bei den sechs Campingstühlen. Es wird langsam dunkel. Irgendwie stimmt die Richtung der Sonne nicht, wo man Schatten erwartet hätte kommt er nicht.

    Ich muss es selbst nachschauen: Sie geht auf der Südhalbkugel auch im Osten auf, wandert aber statt mit den Uhrzeigersinn andersherum über den Norden nach Westen. Ich lese auch: Die Südhalbkugel hat viel Ozeane und ist dünn besiedelt, nur 10% der Weltbevölkerung leben südlich des Äquators.

    Ein wunderbarer Sonnenuntergang mit eine feuerroten Sonne am Horizont leitet die Nacht ein.

    Es ist immer wieder laut im Zimmer, alle sind noch erschöpft, nicht ganz fit. Es ist laut und es gibt viel Streit unter den Jungs, Lysander ärgert sein Schnupfen, es ist heiß. Ich beschließen schon mal die erste Nacht das Wohnmobil zu testen. Dort ist es kühler. Lysander kommt mit.

    Dort, oben unter dem Alkoven fühle ich mich sofort sehr wohl. Namibia ist schon viel vertrauter als Ägypten, ein Wohnmobil hier ist ein echter Genuss. Ich schlafe sehr gut.

    Heute dann brechen wir auf. Schritt für Schritt gewöhne ich mich an das Gefährt, Linksverkehr, Bodenschwellen, Schlaglöcher. Aber unser erster Stop ist Windhoek, und ein Supermarkt. Wir laden den Kühlschrank und die Fächer voll und alle freuen sich über so viel vertraue Produkte. So wie auch so viele Namen vertraut klingen, von Flussläufen, Lodges, Produkten.

    Eine nette ältere Dame mit blonden Haaren spricht mich an: Sprechen sie Deutsch? Do you speak Englisch? Wir seien ja offensichtlich nicht von hier, weil wir am heutigen Sonntag Bier und Wein in den Einkaufswagen packen. Sonntags ist der Verkauf von Alkohol in Namibia verboten.

    Aber sonst ist man in vielem lockerer als in Ägypten. An der Rezeption will keiner einen Reisepass sehen. An den Polizeikontrollen werden wir freundlich durchgewunken.

    WIndhoek schauen wir uns nur im Durchfahren an, es ist Mittags und 35 Grad, da macht es mit der Family keinen Sinn hier Sightseeing zu versuchen. Wir haben uns ein erstes, nahes Etappenziel ca. 80 km nördlich vorgenommen, Okahandja.

    Die Straße dorthin ist die ersten 20 km sogar vierspurig und im Ausbau, dann geht es auf zwei Spuren zurück. Es fährt sich gut, unser Fahrzeug. Unsere erste Etappe läuft, mit den üblichen Chaos. Der eine schnallt sich nicht an und fällt vom Sitz, der nächste hat Hunger, der nächste Durchfall und muss dringend, dem anderen ist schlecht, einem ist immer langweilig.

    Aber dann wieder spielt Velis den Animateur und alle machen mit, oder Lysi liest Kinderbücher vor, die Tara schon beim Bild auswendig aufsagen kann. Gegen die Hitze gibt es Eiswürfel aus dem Tiefkühlfach für die Kinder.

    Unser Camp ist weitläufig (in Namibia ist alles weitläufig), umzäunt (in Namibia ist alles umzäunt) und wir sind die einzigen Camper. Es dauert einige Stunden und meinen Fußmarsch zurück zur Rezeption, bis der Strom angestellt wird. Es ist ein sehr schöner Platz in toller Natur wir kochen Spaghetti mit südafrikanischem Parmesankäse und die Kinder rennen barfuß um unser Lager. Es gibt kürbisartige Früchte, die hier herumliegen und halbmondartige Samen, als man als Rasseln verwenden kann.

    Vieles Gebüsch hat Stacheln, aber die Kinder rennen trotzdem barfuß herum und freuen sich am Sand. Langsam kommen wir an, und werden auch etwas ruhiger. Ein einziger Pickup mit anderen Gästen erscheint, fährt aber weiter. Ich denke, wir waren schon immer laut und werden es wohl auch bleiben…

    Wir bleiben hier noch eine Nacht unter dem so anderen Südsternhimmel mit lauter unbekannten Sternbildern.

  • Departure – Aufbruch

    Thursday, August 24, 2017, 20.52, Makadi Bay, Hurghada, Egypt

    We’re on our way! Many dear farewells. Two short flights, a quick change in turbulent Istanbul around midnight (the children wonder about so many travelers dressed in white and wrapped in scarves) and now all of them arrived overtired and happy in Egypt. Visa for 25 dollars on entry, phone cards from Vodafone for about 1 euro per GB without paperwork. My telecom contract suggests 79 Cent per 50 KB, that would be almost 16.000 € per GB, completely absurd rip-off.   Colorful trucks decorated with green LED on the way from the airport, the boys amazed at the desert. I also like it very much.

    Tara hardly slept at all, she was so excited the whole night. But during the day on the beach she could hardly be kept awake. It is super warm (34 degrees still in the evening at eight), there is a strong wind and we are almost only surrounded by Egyptians, really little activity at the airport as well as in the hotel. For the children the first time „all inclusive“ a dream. Morpheus tests immediately and orders a Fanta in the morning at 6 at the hotel bar and gets it without further inquiry. He drinks it proudly and orders another one.

    We are still overtired and constantly forget something when we are out of the airport, so that a children’s backpack and a jacket are not included. But no problem, we find everything again.

    Swimming pool is great for everyone and you get used to the fact that many women bathe in „Burkinis“, we are welcomed very friendly by everyone. Out in the sea many have our Decathlon diving mask, Morpheus also learns to snorkel with it. You can really see a wonderful underwater world, Lysander is very enthusiastic. In between all of us get into each other from time to time, we are all still marked by fatigue and are only arriving. Very tasty dinner and now early to bed. After months of preparation we have finally made our departure!

     

     

    Donnerstag, 24. August 2017, 20.52, Makadi Bay, Hurghada, Ägypten

    Wir sind unterwegs! Viele liebe Verabschiedungen noch. Zwei kurze Flüge, ein schneller Umstieg im trubeligen Istanbul gegen Mitternacht (die Kinder wundern sich über so viele weiß gekleidete, in Tücher eingewickelte Reisende) und jetzt alle übermüdet und glücklich in Ägypten angekommen. Visa für 25 Dollar bei der Einreise, Telefonkarten von Vodafone gleich ganz einfach für ca. 1 Euro pro GB ohne Papierkram. Mein Telekomvertrag schlägt mir 79 Cent pro 50 KB vor, das wären knapp 16.000 € pro GB, vollkommen absurde Abzocke.   Bunte Laster mit grünen LED geschmückt auf der Fahrt vom Flughafen, die Jungs erstaunt über die Wüste. Mir gefällt sie auch sehr.

    Tara hat fast gar nicht geschlafen, so aufgedreht war sie die ganze Nacht. Tagsüber am Strand dann aber war sie kaum noch wachzuhalten. Es ist super warm (34 Grad noch abends um acht), es weht ein kräftiger Wind und wir sind fast nur von Ägyptern umgeben, wirklich wenig los am Flughafen als auch im Hotel. Für die Kinder das erste Mal „all inclusive“ ein Traum. Morpheus testet gleich und bestellt sich eine Fanta morgens um 6 an der Hotelbar und bekommt sie ohne Rückfrage. Mächtig stolz trinkt er sie und bestellt gleich noch eine.

    Wir sind noch übermüdet und vergessen ständig etwas, als wir aus dem Flughafen raus sind fällt auf dass ein Kinderrucksack und eine Jacke nicht dabei sind. Aber kein Problem, wir finden alles wieder.

    Schwimmbad ist für alle toll und man gewöhnt sich gleich daran dass viele Frauen in „Burkinis“ baden, wir werden von allen sehr freundlich empfangen. Im Meer draußen haben ganz viele unsere Decathlon-Tauchermaske, auch Morpheus lernt mit ihr zu schnorcheln. Man sieht wirklich eine wundervolle Unterwasserwelt, Lysander ist ganz begeistert. Dazwischen geraten alle immer mal wieder aneinander, von der Übermüdung sind wir alle noch gezeichnet und sind erst am Ankommen. Sehr leckeres Abendessen und jetzt früh ins Bett. Nach Monaten der Vorbereitung haben wir endlich den Aufbruch geschafft!