Kategorie: Peru

  • Es geht wieder los!!!

    In Peru begann meine Reise als Kind, jetzt bin ich zu der Heimat meiner Kindheit nach Lima zurückgekehrt. Es ist der Auftakt zum nächsten Kapitel von ourtravelspace!

    In einem Monat starten wir wieder als Familie um die Welt. 5 Monate haben wir uns Zeit genommen! Und wir haben das Glück das Freunde uns begleiten werden.

    Ganz im Sinne des Sabbaticals starten wir sieben Jahre nach unserem letzten großen Abenteuer wieder.

    „Get back to where you once belonged“ sang Paul McCartney gestern im Estadio Nacional de Lima.

    In Peru habe ich meine Klassenkameraden der Kindergarten- und Grundschulzeit wiedergetroffen- zum 40. Jahr der „Promocion“ am Collegio Alexander de Humboldt in Lima , Peru., der Deutschen Schule.

    70 ehemalige waren gekommen, viele aus der ganzen Welt, Europa, USA- für eine Woche der Feiern.

    Ich bin dankbar für so viele herzliche Begegnungen, Erinnerungen an meine Kindheit und dieses wilde tolle Land Peru.

    Gracias

  • Der letzte Abend in Peru

    Der letzte Abend in Peru

    Abschied von Peru

    8.Juli 2018, Cuzco, 15.00 und 21.00 Uhr

    Ich sitze mit Nadine auf einem kleinen Brunnen an der Straße in der Sonne, wir trinken Cappuccinos und genießen einen kurzen Moment zu zweit. Wir haben Alpakapullis für die Freunde gekauft und sind weiter inspiriert von den süßen kleinen Läden und Cafés. In der dünnen Höhenluft bekomme ich selbst etwas luftige Ideen. So etwas sollte man selbst auch machen, denke ich, ein Café und ein paar schöne Sachen zum schmücken, anziehen oder dekorieren in der Auslage dazu. Ich könnte gleich meinen Arbeitsplatz dorthin verlagern. Ich brauche nicht viel Platz, habe in Kellerräumen oder im Flur, in der Ankleide oder in der Ecke im Schlafzimmer gearbeitet. Aber es wäre toll, als ein etwas offenerer Ort als die eigene Wohnung. Und fremde Cafés sind mir wieder zu offen zum Abeiten.

    Durchs Reisen sind eh meine Vorstellungen von Arbeitsplätzen flexibler geworden, und die Werkzeuge leichter. Einer der besten Erfahrungen ist es, die Post nur noch eingescannt zu bekommen, gleich mit dem Hinweis was wichtig und dringend ist, dank unserer tollen Mitarbeiterin daheim. Und dass alles was ich an wichtigen Unterlagen habe bereits digitalisiert ist, und ich über die Cloud darauf Zugriff habe, auch wenn jemand genau ein Dokument zeitnah braucht.

    Ich sehe auch- immer mehr wird das Handy der Dreh-und Angelpunkt. Habe ich am Anfang der Reise noch versucht, Fotos auf den Rechner zu überspielen und Texte und Mails dort zu schreiben, habe ich schon seit Namibia fast nur noch mit dem IPhone gearbeitet. Weil auch die Intelligenz der Textvorschläge immer besser wird und ich merke wie ich mit den zwei Daumen fast genau so schnell schreiben kann wie mit dem guten alten Word. Aber Word hätte niemals gewusst, dass ich Sacsayhuamán meine, wenn ich sacs schreibe- keine Ahnung woher das die Notizzettel von IOS wissen. Aber es macht das schreiben leichter.

    Und auch das Bloggen mit der WordPress App läuft elegant, das einzige Nadelöhr ist das Upload der Fotos, die sich nicht einfach so verkleinern lassen und je nach Verbindung von Minuten bis Stunden dauern können.

    Man gewöhnt sich sich schnell daran, in jedem Land eine neue SIM-Karte einzulegen. Auf jeden Fall einer der bleibenden Einsichten – man kann als digitaler Nomade auf der ganzen Welt unterwegs sein – es funktioniert.

    Mit der langsam genesenden Tara war ich einkaufen, mit Velis zog ich noch zum Fußballfeld vor, mit Lysander machte ich mich auf zur Ruine von Sacsayhuamán. Ein Kilometer am Rande der Altstadt einen Fußweg, der sicher schon aus der Zeit der Erbauung der grandiosen Anlage vor 600 Jahren stammt.

    Diese riesige Anlage ist eine „Show of Force“, jeder Besucher muss zur Herrschaftszeit der Inkas beeindruckt gewesen sein, wie man so viele Steine in solcher Größe von 20 km entfernten Steinbrüchen ohne Rad, Pferd oder Wasserstraße auf diesen Berg transportiert hat um sie dann millimetergenau einzupassen. Es wird sicherlich auch religiösen oder zeremoniellen Zwecken gedient haben. Sicher wird die Forschung in der Zukunft noch viel hierzu zu sagen haben.

    Im riesigen Reich der Inkas spielten ja die vier Himmelsrichtungen eine große Rolle, und so war vom zentralen Platz in Cuzco (dem „Nabel der Welt“) aus vier Straßen in vier Teile des Reiches ausgelegt. Und Sacsayhuamán war sicherlich eine zentrale Stätte.

    Für mich auch hier wieder interessant zu sehen, wie schwach unser Gedächtnis ist, jedenfalls das meine. Ich war hier schon zwei Mal, mit 8 und mit 19 Jahren, aber habe eigentlich nichts wiedererkannt. Ein, zwei „mentale Fotos“ vielleicht, die meist am ehesten wirklich Fotos waren, sind von damals geblieben. Aber eigentlich war alles neu. Es lohnt sich, so sehe ich es mehrfach am gleichen Ort zu sein -und auch von wichtigen Erlebnissen nicht nur Fotos, sondern auch Tagebuch-Aufschriebe zu machen, wenn man den Erinnerungen einen dauerhaften Platz im Gedächtnis geben will.

    Und so war meine dritte Zeit in Peru eigentlich in jeder Weise neu – man steigt tatsächlich nicht zwei Mal in den selben Fluss. Das Peru das ich besucht habe hat sich ungeheuer entwickelt. War vor 30 Jahren die typische Frage: „kannst du mir helfen nach Deutschland zu kommen?“, so habe ich dieses Mal von Niemand gehört, das er weg wollte- eher haben die Peruaner von ihrer Deutschlandreise erzählt und wie schön es in Heidelberg war…

    Und so bleibe ich optimistischer Mensch auch dabei, dass die wenigsten eigentlich von daheim weg wollen und das Frieden und wirtschaftlicher Fortschritt die wichtigste Antwort ist.

    Und natürlich bin ich auch ein anderer als vor 30 Jahren. War ich damals auch eher noch auf der Suche nach meiner Heimat und fand sie in Peru nicht, so sehe ich jetzt mit Freude wie mich dieses Land mit seiner Vielfalt, Freundlichkeit und seiner Sprache und Kultur mit geprägt hat, ich aber in Deutschland und ganz besonders Berlin zu Hause bin.

    Das Taxi ist bestellt, morgen früh um 8 geht es los nach Bolivien. Ich werde wieder nach Peru kommen, dieses Mal nicht erst in 30 Jahren.

  • Abschiedsstimmung

    Abschiedsstimmung

    7.Juli 2018, 21.47, Cuzco

    Cuzco hat wunderschöne Ecken, die zum Verweilen auffordern, romantische Plätze mit Brunnen an einer alten Kirche, enge Gassen mit alten Holztüren und süße Cafés, in denen es spottbillig trendige Ethno-Kleidung gibt und die Sonne scheint fast immer.

    Ich mag besonders die kleinen Mini-Läden, die überall in großer Enge alles lebenswichtige verkaufen, und den Gemüsemarkt hinter unserem Haus, wo es verwirrend viele Kartoffelsorten zu kaufen gibt. Die kleine Wäscherei mit der freundlichen Angestellten wäscht alles am gleichen Tag, das Kilo für 1.20 €. Ein Luxus nach den Waschsalon- Monaten in USA und Australien. Nebenbei bietet sie auch noch Touren an – je kleiner der Laden, umso vielseitiger das Angebot, so kommt es mir vor. Es gibt auch Apotheken mit Reisebüro, Gemischtwaren, die Pille und Kondome im Angebot. Fortschrittlich für das katholische Peru, finde ich.

    Man muss sich an die Kälte nachts und in den Häusern gewöhnen, morgens aus der Tür zu treten ist wie im Winter in den Bergen. Aber ich verstehe, warum Cuzco für viele so attraktiv ist – ich erinnere mich, unser Gastgeber in Hawaii, gebürtiger Engländer hatte vor Big Island ein paar Jahre in Cuzco gelebt. Ich komme wieder her.

    Aber wenn man wenig Zeit hat und der Abschied naht, ist es oft an schönsten. “Verweile doch, oh Augenblick, du bist so schön“- und so war unsere kleine Runde heute Nachmittag nur mit Nadine so gut.

    Unsere süßen Kinderlein nach dem kurzen Ausflug zum Spielplatz wieder mit fiebrigen Augen zurück auf die Sofalandschaft und unter die Decke gebracht. Russland ist in der WM ausgeschieden, unsere Großen haben für Kroatien mitgefiebert und sind glücklich, Tara und Morpheus fiebern weiter und schlafen mal richtig aus.

    Die Nudeln wollen bei 85 Grad Siedepunkt auf 3500 Meter Höhe nicht richtig gar werden und werden matschig dennoch verspeist, ich mache zum Frühstück Pfannkuchen und Bananenshake und freue mich weiter an den Maracujas, eigentlich Grenadillas, den unglaublich leckeren Avocados und an Streichhölzern Marke Llama, die wie früher aussehen.

    Ich habe es fast geschafft das zweite Buch (!) auf der Reise zu lesen, nach einer Biografie über Timothy Leary nun über John Lennon – ein Kindle-Kauf von Lysander. Schön, wie ich jetzt schon von den Kindern die Inspiration bekomme – ich weiß, irgendwann werden wir realisieren dass wir ahnungslos sind und sie wissen was angesagt ist. Schön dazu passend die Solo-Alben der Ex-Beatles zu hören, die Lysi mit Spotify über die Boom laufen lässt.

    Unsere Wohnung ist schon wieder ein lebendiges Chaos, unser mobiler 120-Kg- Haushalt hat alles was man braucht, aber ohne Nadines magische Gabe zu wissen wo alles ist findet keiner mehr irgendwas; mit ihrer unermüdlichen Energie kämpft sie gegen das Durcheinander an, das vier Männer und ein vierjähriges Mädchen täglich verursachen. Sie hält täglich den Laden zusammen und trägt jedes Kind 24 Stunden, seit 11 Monaten fast ununterbrochen mit – ich bin ihr so dankbar.

    Ja, es ist schon wieder Abschied zu nehmen, Abschied von Cuzco und von Peru. Übermorgen fliegen wir schon weiter nach Cochabamba, Bolivien. Die Pläne haben sich geändert, wenn alle sich erkälten ist es Zeit nach einem wärmeren Ort zu schauen – und Cochabamba liegt mit 2600 Meter tiefer als Puno oder La Paz, und zwei Tage Busfahrten müssen auch nicht sein. Ein Tip meiner Mama, die ja in jeder Stadt der Welt passend auch immer Freunde hat, die wir doch besuchen könnten. Nur gab es so kurzfristig nur noch einen Flug mit 8 Stunden Aufenthalt auf dem höchstgelegen Flughafen der Welt in La Paz- gut, das kriegen wir auch hin. Wie die netten Australier aus Melbourne, die sich auf dem Oktoberfest kennengelernt hatten, aus dem Zug gestern meinten: „macht euch keine Sorgen, wer mit vier Kindern um die Welt reist, der schafft alles“.

    So werden wir morgen noch mal Sacsayhuamán anschauen, die grandiose Inkafestung vor Cuzco, ein Dutzend Alpakapullis kaufen und hoffen, dass alle wieder gesund werden.

  • Machu Picchu

    Machu Picchu

    Freitag, 6. Juli 2018, 19.19, im PeruRail-Zug zurück nach Cuzco.

    Manche Wege sind mit Hindernissen verbunden. Um Machu Picchu zu erreichen, hatten wir zwei Tage in Cuzco und einen im Calca eingeplant um uns an die Höhe zu gewöhnen. Aber dann erwischte es Nadine mit einer Grippe, und wir mussten dennoch weiterreisen, um unser lang vorher gekauften Tickets für Machu Picchu zu nutzen.

    Ein Aufbruch ist immer schon ein Mega-Akt, bis alles Zeug aller Kinder und von uns wieder verstaut ist, einschließlich der 1000 in alle Zimmer verstreuten Lego- Teile und Taras gesammelten Mal- und Bastelsachen, und alle bereit zum Aufbruch sind.

    Wenn man 39 Grad Fieber hat und auf 3400 Meter Höhe ist, ist es eine Tortur. In Calca dann nahm ich alle Kinder zu mir ins Zimmer, damit Nadine in einem getrennt gelegenen Krankenlager sich erholen konnte. Und tatsächlich- am Morgen ging es Nadine wieder gut. So fuhren wir weiter mit Bus und Zug nach Aguas Calientes. Dort aber wurde es dann Morpheus so kalt. Jetzt hatte er den Virus. Wir überlegten hin und her, wie wir es machen sollten. Auch er hatte 39 Grad, so beschlossen wir den Morgen abzuwarten, in einer kurzen Nacht mit dem Lärm der Diesel-Lokomotiven direkt vor dem Fenster. Um 4.00 gab Nadine ihm die hohe Dosis Ibu-Saft. Als um 5 der Wecker klingelte, war er voller Schwung und wollte los.

    Gegen 7.50 Uhr hatten wir es dann geschafft, die Schlangen zum Bus gewartet, die Serpentinen heraufgefahren durch die eindrucksvolle Urwaldlandschaft in diesem steilen Tal.

    Oben angekommen war Morpheus Elan wieder verflogen, wir mussten ihn tragen. Doch beim ersten Lager schon hatten die Kinder wieder großen Spaß und spielten Blinde Kuh. Doch es lag ein größerer Rundweg vor uns, um einmal die ganze Anlage zu erkunden. Wir schufen ein weiteres Lager im Schatten eines Felsen, wo Morpheus sich ausruhen könnte.

    Aber: wir haben es gemeinsam geschafft. Auch Morpheus freute sich sehr, dass er dabei sein konnte, und Ausblick und das Gefühl an einem ganz besonderen Ort angekommen zu sein machte alle froh.

    Allein schon die Natur ist einfach unbeschreiblich. Wir kommen wieder, das haben Nadine und ich schon beschlossen, das nächste Mal mit einer Wanderung verbunden. Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind.

    Unten in Aguas Calientes am Bahnhof eine schöne Stimmung. Lauter glückliche Reisende, mit dem Gefühl etwas ganz besonderes erlebt zu haben warten auf den Zug zurück nach Cuzco, 4 Stunden durch die Nacht.

  • Durchs Urubamba-Tal, das „heilige Tal der Inkas“

    Durchs Urubamba-Tal, das „heilige Tal der Inkas“

    5. Juli 2018, 16.52 Uhr, Aguas Calientes, am Fuße von Machu Picchu, Peru, im „Valle Sagrado de los Incas“

    Das “heilige Tal der Inkas” entlang des Rio Urubamba ist nicht nur klimatisch mit seinem Frühlingklima eingerahmt von schneebedeckten Bergen wunderschön.

    Es hat auch neben den bekannten Ausgrabungsstätten wie Pisac und natürlich Machu Picchu viele verborgene und versunkene Städte, die im Bergurwald noch zum großen Teil nicht ausgegraben sind und nur mit anstrengenden Trekking-Touren zu erreichen sind.

    Etwa die „kleine Schwester“ von Machu Picchu, Choquequirao, eine nur durch einen zwei Tages-Treck erreichbare Urwaldruine, die nur zu 30% bisher ausgegraben ist.

    Oder Huchuy Qosqo, von Calca oder Cuzco aus in einem Tag zu Fuß zu erreichen. Doch sehe ich hinter Calca ein Plakat mit einer Seilbahn darauf. Hier ist die erste Gondelbahn in den peruanischen Anden geplant, sie soll Huchuy Qosqo mittels österreichischer Doppelmayr – Technik leicht erreichbar machen. http://latina-press.com/news/231534-peru-vereinbarung-fuer-seilbahn-nach-huchuy-qosqo-unterzeichnet/

    Baubeginn soll im Herbst diesen Jahres sein.

    Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg! Denn: vergleicht man, was in jedem beliebigen Skiort in den Alpen an Andrang herrscht, ist es hier im berühmtesten Tal der Anden weiterhin verwaist. Ich halte das Potential für riesig und umweltfreundliche Transportmitteln für die große Mehrheit der Touristen die sich noch nicht fit für mehrtägige Bergwanderungen hält für wertvoll – insbesondere um weitere spannende Alternativen zu Machu Picchu erreichbar zu machen.

    Ich sehe ja gerade im ökologisch sensiblen Tourismus einen Megatrend, der für viele Länder der Welt die größten Entwicklungschancen bietet. Und ich glaube, dass neben der Gesundheit der Tourismus die größte „Industrie“ der Welt werden wird, mit gewaltigen Chancen. Denn beide bieten personalintensive Betätigungsfelder für die lokale Landbevölkerung, ohne dass Hightech-Produkte produziert werden müssen, die Ressourcen verbrauchen. Und sie bedienen ein prinzipiell praktisch unbegrenztes Wachstumsfeld.

    Wir etwa hätten natürlich Zeit und Geld in etwas Handfesteres stecken können als eine Weltreise von einem Jahr. Aber zugleich ist das teure Auto oder das große Haus nicht für alle das große Ziel – jedenfalls nicht für uns.

    Erfahrungen und Gesundheit im weiteren Sinne, also nicht nur körperliche, sondern auch seelische und „spirituelle“ Gesundheit , die etwa die Erfahrung der Verbindung beinhaltet ist wertvoll- am Ende für mich am wertvollsten.

    Und Verbindung mit den Menschen, der Natur und so viele wunderbare Erfahrungen, wie sie etwa Reisen ermöglicht ist kostbar.

    Denn es hilft zu sehen, wie schön die Welt ist und wie tolle Menschen auf ihr wohnen, um Mensch und Umwelt für schützenswert zu halten. Kinder spüren das noch am Ursprünglichsten- sie spielen genauso begeistert mit peruanischen Kindern Fußball wie daheim.

    Und einer der besonderen Erfahrungen beim Reisen als Familie ist vor allem die viele Zeit zusammen. Tag und Nacht, in einem Wohnmobil, Auto, Zimmer oder einfach nur draußen – es ist eine Nestwärme, ein Gruppenerlebnis, eine Erfahrung fürs Leben die bleiben wird, für uns alle.

    Ich freue mich zu sehen, wie gut schon die Anreise durch das Urubamba-Tal funktioniert. Überall sieht man neue Bauten aus Adobe, den traditionellen Lehmziegeln, mit den klassischen trapezförmigen Fenstern. An einer Aufzuchtstation können die Kinder Kondore fliegen sehen, mit ihrer gewaltigen Spannweite.

    Wir halten in Pisac, einer großartigen Anlage mit ihren typischen Terrassen (Andenes) genannt. Nach ihnen wurden von den Spaniern die Berge in Peru als Anden bezeichnet.

    Weiter geht es nach Calca, wo wir in einer wunderschönen Pension ‚Casa Aida‘ übernachten. Es ist ein Künstler, ein Maler, der sich dort mit seiner Frau Aida ein kleines Idyll geschaffen hat und drei Zimmer an Gäste vermietet. Da es Freunde unserer alten Freunde aus Lima sind, ist der Empfang um so herzlicher.

    Und dann geht es schließlich nach Ollantaytambo, unserem Start der Zugfahrt nach Machu Picchu.

    Wir nehmen den dort den Zug von IncaRail, seit 4 Jahren gibt es einen Wettbewerber zum klassischen PeruRail Zug.

    Die Fahrt ist eine moderne Fahrt in die Vergangenheit. Wir reisen zu einer der wenigen Orte auf der Welt, die nur zu Fuß oder per Zug zu erreichen sind. Die über 100 Jahre alte Schmalspurbahn schmiegt sich harmonisch in immer engeren Kurven den Flusslauf des Urubamba 1000 Höhenmeter Meter hinab bis Aguas Calientes.

    Toll gemacht, gibt es einen Aussichtswagen ohne Glasscheiben , die Kinder und ich lieben ihn! Der neue 360-Grad-Zug ist wirklich gelungen , man kann durch die Dachfenster wirklich die schneebedeckten Gipfel sehen!

    Entlang des Weges sieht man den Anfang des Inka-Trails, jenem historischen Zugang zu der Urwaldstadt, der über 4000 Meter Höhe in drei Tagen führt. Damals, 1987 bin ich auch diese Strecke gewandert, damals noch ganz ohne Träger oder Führer. Und überall, auch entlang der Eisenbahn sieht man die Spuren der Inkas, die vor über 500 Jahren den Höhepunkt ihrer Blütezeit erreicht hatten, als letzte der Indianerkulturen, die seit über 10.000 Jahren Südamerika besiedelt haben.

    Sie waren herausragende Baumeister, die ihre Terrassenbauten schon mit unterirdischen Entwässerungsanlagen gegen Erosion und Überschwemmungen geschützt hatten und deren Straßen und Wege den südamerikanischen Kontinent von Kolumbien bis Chile durchzogen.

    Und natürlich sind die Indianer auch für uns moderne Menschen oft eine Inspiration, weil sie eine mit Natur und Umwelt verbundene Lebensweise pflegten, mit nachhaltiger Nutzung der Ressourcen und einem ungeheueren Wissen über die Pflanzen und Kräuter des Urwaldes. Sie haben uns die Tomaten, den Kakao, die Kartoffeln, den Mais, die Avocado und viele weitere Nutzpflanzen gebracht.

    Aber auch ihre Kenntnisse über psychoaktive Kakteen, Pilze, Lianen, Blätter, Kräuter, und sogar Frösche hat und beeinflusst unsere Wahrnehmung der Welt weiterhin nachhaltig.

    Die Wissenschaft beginnt gerade erst wieder diese Substanzen in legalen Studien zu erforschen, und es ist ein großes Potential für Heilung, aber auch für das Verständnis unseres Gehirns und des Rätsels Bewusstsein erkennbar.

    Selbsterfahrung und „spirituelle“ Sinnfindung stehen hoch im Kurs, ob im Silikon Valley oder in London oder Berlin. Auch hier werden die indianische Kulturen mit Ihrem Erfahrungsreichtum und ihrer ganzheitlichem Weltsicht weiterhin viel an Attraktivität gewinnen. Und Reisen in den Urwald, an „Kraftorte“ und ursprüngliche Gegenden für die wachsende Zahl der Großstadtbewohner der Megametropolen dieser Welt wichtiger werden, auch für Peruaner aus Lima, das haben wir auch in Gesprächen erfahren. In diesem Sinne sehe ich eine wichtige und große Zukunft für das Urubamba-Tal, das „Valle sagrado de los Incas“.

    Morgen früh geht es um 5.30 hinauf nach Machu Picchu.

    Abfahrt in Ollantaytambo

    Ruinen von Pisac

    Casa de Aida in Calca

    Fahrt nach Machu Picchu

    Einstieg zum Inka-Weg

  • Cuzco

    Cuzco

    3. Juli 2018, 16.52, Apartamentos Quewe, Cuzco

    Nach einem sehr schönen Wiedersehen mit fünf Klassenkameraden aus meiner Grundschulzeit, die ich 40 Jahre nicht gesehen hatte – herzlich und mit leckerstem Essen zuhause in einer tollen Wohnung in Surco machten wir noch einen kurzen Abstecher zu meinem alten Haus in Lima und dem Viertel wo ich gewohnt habe. Das Haus sieht fast unverändert aus, die Gegend ist grün geworden und die örtliche Schule an der Ecke war auch gleich wieder zuerkennen.

    Und dann ging es auch schön weiter nach Cuzco. Wieder einmal eine Wohnung räumen, das Spielzeug zusammenpacken und alles in die Taschen und Säcke hinein.

    Cuzco (oder Cusco, wie es in Peru heißt) hat uns gleich freundlich empfangen, es ist eine wunderschöne Stadt. Auch hier war ich 30 Jahre nicht mehr gewesen, es macht einen guten Eindruck und ist auf jeden Fall das touristische Zentrum Südamerikas, vielleicht wie Venedig in Europa.

    Wir haben wieder eine Wohnung genommen, in Fußnähe zum Zentrum. Am ersten Tag waren wir gleich an der schönen Mauer mit dem 12zackigem Stein, in der eindrucksvollen großen Kathedrale von Cuzco und abends auf einem Spielplatz, wo die Jungs eifrig mit den Peruanern Fußball gespielt haben.

    Immer wieder große Glücksmomente, wo wir uns freuen hier an diesen tollen Ort hergekommen zu sein, mit allen Kindern.

    Heute hat die Höhe erst einmal zugeschlagen, die 3400 Meter machen alle schlapp und Nadine hat, das erste Mal auf der Reise sich ins Bett gelegt und versucht sich auszukurieren. Am Ende ist es auch die Kälte, die eine Umstellung ist – man bekommt es einfach nicht warm daheim und so sind alle viel unter der Bettdecke.

    Wir versuchen es langsam anzugehen, soweit es eben geht. Morgen fahren wir nach Calca ins „Valle sagrado“, von dort geht es übermorgen von Ollantaytambo mit dem Zug nach Aguas Calientes, um am nächsten Tag Machu Picchu zu besuchen.

    Und auch die weitere Reiseplanung steht jetzt. Es wird über Puno und den Titicacasee weiter nach Bolivien gehen, zuerst La Paz und dann die Salzwüsten von Uyuni. Von dort weiter nach Chile, zuerst San Pedro de Atacama im Norden und dann 4000 km südlich nach Punta Arenas an der Magellanstraße. Dort noch einmal das letzte „Abenteuer“, im Winter mit einem eigenen Wagen zum Nationalpark Torre de Paine in Chile und weiter zum Lago Argentino mit dem Perito Moreno Gletscher bei Calafate.

    Dann geht es zurück nach Punta Arenas, mit dem Flieger nach Santiago den Chile und am 29.07.2018 mit Alitalia über Rom nach Hause. Alle sind schon etwas aufgeregt und freuen sich sehr!

    Das zweite Halbjahr ist angebrochen, der letzte Monat unserer Reise und wir haben noch einmal zum Abschluss viel vor. Von Seattle bis nach Patagonien – nicht ganz wie von Alaska bis Feuerland, wie es auf dem blauen VW-Bus Baujahr 1972 aus Argentinien den wir auf dem Weg zum Spielplatz stehen sahen, aber fast…

  • Am Abgrund: Carretera 116

    Am Abgrund: Carretera 116

    Donnerstag, 28. Juni 2018, 20.07, Hotel Rustico, Eulalia-Tal

    Der Aufstieg war noch ein Kinderspiel. 6.45 Uhr sind wir in San Ramon auf 600 Meter Höhe gestartet und waren schon um 11.00 Uhr auf dem Ticlio- Pass, 4818 Meter. Sogar mit Pause auf einem Kinderspielplatz. Ich bin einmal herum gejoggt, war dann aber recht schlapp.

    Viele Laster waren beim Aufstieg zu überholen, aber nicht so wahnsinnig wie die Peruaner vor der Kurve.

    Dann ging es wieder herunter und nach 10 Kilometern ging nach rechts die Straße 116 ab.

    Damit wollten wir über ein Nebental, das Eulaliatal zurück nach Lima fahren. Und nicht die asphaltierte Hauptstraße.

    Hier muss man zugeben: Google Maps ist verführerisch. Es gaukelt einem vor, man könne einfach eine andere Route über die Anden nehmen.

    Das macht aber niemand. Und es gibt gute Gründe dafür. Wir haben es im wahrsten Sinne des Worts erfahren.

    Die nächsten 6 Stunden waren die anstrengendsten Fahrstunden meines Lebens. Wir haben es alle gemeinsam ausgehalten. So wurden aus den drei geplanten Stunden laut Google Maps für die 90 Kilometer über sechs.

    Es gab ja auch keinen Ausweg. Hängt man erst mal in einer in die Felswand gehauenen gerade noch einspurigen zerlöcherten und bis zum Horizont weiterführenden „Straße“, nach zwei weiteren Pässen von 4900 Metern und heftigen Kopfschmerzen und Übelkeit von der Höhe, gilt nur noch Ruhe bewahren und durchhalten.

    Es war landschaftlich eine grandiose Strecke. Mit schneebedeckten Gipfeln, tiefblauen Seen, vorbei an der zweithöchsten Eisenbahnstrecke der Welt. Mit einem malerischen Tal, durch den Fels gehauenen finsteren Tunneln, reißenden Flüssen und vielen vielen steilen Felswänden.

    Aber ohne Vierradantrieb, genügend Bodenfreiheit und guten Nerven sollte man nicht hier fahren. Zahllose Bäche sind zu durchqueren, teils ist die Straße das Bachbett. Entsprechend ist der Zustand. Und immer schön Hupen vor jeder Kurve, denn es gibt ihn, den Gegenverkehr – immer wenn man nicht damit rechnet. Dann heißt es eine Ausweichstelle suchen. Und zwischen Felswand und Abgrund in Zentimeterabstand aneinander vorbei rangieren. Es war eine Begegnung mit dem Abgrund. Erschreckend und faszinierend zugleich.

    Ich bin stolz auf Nadine und die Kinder wie sie durchgehalten haben. Dort oben waren eigentlich außer Schafen und Alpakas nur noch Bauarbeiter, die ein großes Wasserkraftwerk in die Schlucht bauen.

    Aber es gibt auch oft keine Ausschilderung, und es war immer wieder die Frage ob dieser fast unpassierbare Weg tatsächlich die Straße Richtung Lima sein kann und ob wir die richtige Seite des Tals gewählt haben. Und kaum hatte man es erschöpft und glücklich ins Tal geschafft, ging es gleich wieder eine Angst einflößende Straße wieder hinauf.

    Zuletzt suchten wir das Hotel. Auf Google Maps nicht zu finden. Am Ende hat Lysander es erkannt, am Pool vom oben aus dem Berg. Die Freude der Kinder und unsere Erschöpfung waren wohl ebensogroß.

    Aber eins ist klar: das waren die peruanischen Anden mit dem eigenen Auto. Wir haben es überlebt und die Angst ausgehalten. Jetzt schaffen wir den Rest auch noch. Morgen erreichen wir Lima, dann geht es mit dem Flieger am Sonntag weiter nach Cuzco.

    Das ist ein eher harmloser Abschnitt, die meiste Zeit hatte keiner die Nerven zu fotografieren..

    Hier die Straße 116, vor Casapalca sind wir vom Ticlio kommend rechts von der Carretera Central (22) abgebogen

    Hier auf dem Ticlio bei 4818 Meter

    Am 2. Pass knapp unter 4900 Meter

    Am Ziel der Träume angekommen!

  • Yanachaga-Chemillen National Park und Aufbruch

    Yanachaga-Chemillen National Park und Aufbruch

    Mittwoch, 27. Juni 2018, 20.51, Lodge El Refugio, San Ramon

    Und wieder sind wir unterwegs. Haben unsere lieben Freunde verabschiedet, die uns noch zu ihrem Anwesen auf der anderen Seite des Flusses eingeladen haben. Es geht durch ein Tor und dann einen kleine Straße immer weiter hinauf. Bald schalte ich die Differentialsperre zu. Dort oben, 7 km weiter und 500 Meter höher beginnt der Yanachaga Chemillen National Park. Wir machten einen kleinen Spaziergang zu einem Wasserfall und waren beeindruckt. Über 1000 Quadratkilometer erstreckt sich der Park bis auf die 3000 Meter hohen Berge.

    Unsere Freunde haben hier oben eine kleine Hütte mit Ausblick über das Tal und bei schönem Wetter bis auf die schneebedeckten Berge.

    Wir kennen uns schon seit meiner Kindheit, und auch 1987 habe ich mit Ihnen die Gegend hier besucht.

    Dort oben steht auch ein kleiner Knaus-Wohnwagen. Walter erzählt: damit waren sie in Chile unterwegs. Und Rosita ergänzt: er gehörte mal der Familie Eicher.

    Und da erinnere ich mich: das war doch das Ehepaar, die bei uns 1975 oder 1976 in Lima vorbei kamen. Sie fuhren mit einem Landrover mit Anhänger damals in mehreren Jahren um die Welt. Von ihnen hatte ich das erste Mal die Inspiration, dass man eine „Weltreise“ machen kann.

    Heute packten auch wir wieder unsere Sachen und fahren weiter. Für die Rückkehr nach Lima haben wir uns drei Tage vorgenommen, morgen kommt die Andenüberquerung über den Ticlio bis ins Eulaliatal. Es geht wieder bis knapp unter 5000 Meter.

    In der ganzen Aufregung nach dem Deutschland-Spiel gegen Südkorea vergaß ich meinen Rucksack mit Geld, Papieren und Computer auf der Farm in Huancabamba. Was für ein Glück, dass der Verwalter der Nachbar-Hacienda morgen fährt und ihn mir mitbringen kann. Er will schon gegen 6.30 hier in San Ramon sein.

    Abends sprang ich mit den Kindern noch mal in das schöne Poolbecken. Hier auf 600 Meter ist es deutlich wärmer geworden.

  • Besuch der Hacienda Yanachaga (PROSOYA) der Peru-Aktion

    Besuch der Hacienda Yanachaga (PROSOYA) der Peru-Aktion

    Mittwoch, 27. Juni 2018, 9.25 Uhr, Huancabamba, Peru

    Im Bergurwald von Peru nahe der Stadt Oxapampa gelegen, waren wir eine Woche zu Gast auf diesem „Vorzeigeprojekt“. Hier wird mit großem Einsatz der peruanischen Mitarbeiter und deutschen Freiwilligen seit bald 30 Jahren auf dem Gelände einer 1875 von deutschen Auswandern gegründeten Farm gezeigt, wie man konkret die Situation sozial benachteiligter Jugendlicher verbessern kann.

    Im Mittelpunkt steht, den Jugendlichen in einer Art Internat nicht nur eine Gemeinschaft zu bieten, sondern vor allem eine Schulausbildung mit einer praktischen Ausbildung zu kombinieren.

    Ökologische Landwirtschaft, Küche, ein Restaurant und Gästezimmer, eine Bäckerei, eine Schreinerei, Werkstätten zur Metallverarbeitung wie Bienenzucht, Forellenzucht, Hühnerhaltung, Maschinen zur Trocknung und Röstung u.a. vom Kaffee bieten praktische Gelegenheit zum Mitarbeiten und Lernen.

    Ein eigenes Wasserkraftwerk mit 35 Kw Leistung erzeugt den Strom und nutzt die hier reichlich vorhandene Wasserkraft.

    Das Gelände erstreckt sich über 7 km auf der linken Flussseite das Tal hinauf bis zum Nationalpark Yanachaga Chemillen. Hier könnte noch mit Anbau von Avocado etwa bei intensiverer Nutzung weitere Einnahmequellen erschlossen werden. Auch der Tourismus bietet Potential, ist doch für viele Einwohner von Peru, besonders von Lima Urlaub im eigenen Land zu einer realistischen Möglichkeit geworden.

    Noch wird das Projekt zum großen Teil von Spendengeldern vor allem der Peru-Aktion aus Deutschland

    http://www.peru-aktion.de

    als auch dem Einsatz von Freiwilligen unterstützt.

    Hier sind 36 männliche Jugendliche derzeit in Betreuung, eine weitere Einrichtung in der Nähe bietet ein ähnliches Konzept für junge Mädchen.

    Für unsere Kinder war es eine eindrucksvolle Zeit. Essen im Gemeinschaftsraum mit den Jugendlichen, abends Fußball auf dem Fußballplatz, Kätzchen für die Kleinen, Besuch der Werkstätten und der Gemüsegärten, der Fischzucht und des Kraftwerks waren spannend. Wir erkundeten den Aussichtspunkt und die Felder am Berg und es gab einfach ungeheuer viel zu entdecken.

    Auch für die jungen Freiwilligen aus Deutschland bietet ein Jahr hier in einer ganz anderen Welt viel Gelegenheit zu lernen und zu wachsen.

    Zum Abschied saßen wir noch am Lagerfeuer zusammen, es gab einen lauten tiefen Schlag und die Erde bebte. Und dann wieder die zahlreichen Geräusche aus dem Urwald und der Vollmond über uns.