Kategorie: Türkei

  • Modernes Istanbul-Modern Istanbul 

    Modernes Istanbul-Modern Istanbul 

    Tag 4

    Heute ist Inyans zwölfter Geburtstag, und er wünscht sich mit seinen Freunden in das Aquarium zu gehen. Andreas nimmt unsere Kinder mit, und so haben wir einen freien Tag zu zweit, um ein paar der Tipps unserer Freundin Inci auszuprobieren. Als erstes geht es mit der Straßenbahn zum Istanbul Modern, ein eleganter Neubau von Renzo Piano mit einer Promenadenfront am Bosporus, wo es sich entspannt flaniert und in der Sonne sitzen lässt., während vor einem die Ausflugsboote und Frachtschiffe, Fähren und Tanker über die Meeresöffnung zwischen Mittelmeer und schwarzen Meer fahren.

    Es ist ein Genuss, einmal in Ruhe gemeinsam moderne Kunst zu genießen, besonders beeindruckt mich eine Installation aus Fäden der japanischen Künstlerin Chiaru Chiota, die in Berlin lebt. Morgens haben wir das erste Mal alle unser Hab und Gut wieder in die Koffer gepackt, die Lichterkette aus dem Schlafzimmer der Kinder wieder aufgerollt und das Gepäck die kleine Wendeltreppe herunter getragen. Dort lassen wir es an der Rezeption stehen.

    Während die Kinder uns Videos von Haien schicken, schlendern wir den Berg durch kleine Gassen hinauf zu einem Geheimtipp von Inci unauffällig in einer Straße verborgen befindet sich der Eingang zum Limonlu bahce, über eine enge Treppe hinab und durch einen langen Ganggang zu einem schattigen begründen Innenhof mit einem angesagten Studentencafe und Restaurant. Der Salat mit warmen Ziegenkäse, die Gemüsesuppe und die Auberginenpaste schmecken hervorragend!

    Hier ist ein moderner Flair zu spüren, und wir sehen wieder einmal, wie facettenreich Istanbul ist .

    An unserem Treffpunkt im Gülhane-Park finden wir alle wieder zusammen, holen das Gepäck ab und machen uns auf dem Weg mit der Metro Richtung Flughafen. Das klappt erstaunlich gut, man kann meistens die Fahrkarte einfach mit der Kreditkarte am Drehkreuz lösen, und wir sind nach einmal umsteigen und einer Stunde Fahrt wieder am Flughafen Sabiha Gökçen angekommen, der praktisch angelegt ist, und voller Passagiere. 3 Stunden bis zum Abflug brauchen wir auch und sind nun mit einer letzten Nudelsuppe für die Kinder und Spekulatius meiner Mama, zwei Avocados und Sesamkringel gestärkt beim Boarding für unseren vom Nachtflug von knapp 5 Stunden mit Pegasus nach Maskat– no Frills. Der Oman kann kommen- Istanbul war ein großartiger Auftakt –  es geht weiter!

    Today is Inyan’s twelfth birthday and he wants to go to the aquarium with his friends. Andreas takes our children with him, so we have a day off together to try out a few of our friend Inci’s tips. First we take the streetcar to the modern Istanbul Museum of Art, an elegant new building by Renzo Piano with a promenade front on the Bosphorus, where we can stroll and sit in the sun while the excursion boats and cargo ships, ferries and tankers sail across the sea opening between the Mediterranean and the Black Sea.

    It’s a pleasure to enjoy modern art together in peace for once, and I’m particularly impressed by an installation made of threads by a Japanese artist who lives in Berlin. In the morning, we packed all our belongings back into our suitcases for the first time, rolled up the fairy lights from the children’s bedroom and carried our luggage down the small spiral staircase. We leave it there at reception.

    While the children send us videos of sharks, we stroll up the hill through small alleyways to one of Inci’s insider tips: the entrance to Limonlu bahce is hidden away in a street, down a narrow staircase and through a long corridor to a shady, green courtyard with a trendy student café and restaurant. The salad with warm goat’s cheese, the vegetable soup and the eggplant paste are delicious!

    There is a modern flair here, and once again we see how multifaceted Istanbul is.

    At our meeting point in Gül Ahnepark, we all get together again, collect our luggage and make our way to the airport by metro. It works surprisingly well, you can usually just buy the ticket with your credit card at the turnstile, and we change again and arrive back at Sabina Göttingen Airport after a one-hour journey, as it is practically laid out and full of passengers. We also need 3 hours until departure and are now with a last noodle soup for the kids and speculoos from my mom. An avocado and sesame. Ringle strengthened at boarding for our night flight of just under 5 hours with Pegasus to Muscat – no frills. Oman can come – Istanbul was a great start – it goes on!

  • Nikolaus kommt aus der Türkei

    Nikolaus kommt aus der Türkei

    Die Sonne scheint, die Kinderschuhe hat der Nikolaus geschmückt, das Hotel lädt uns als Wiedergutmachung zum Frühstück ein, draußen begleiten uns auf Schritt und Tritt die Katzen und die erste Lektion unserer Weltreiseschule führt uns in den Gülhane Park.

    Die Kinder üben auf den Schildern die englischen Texte vorzulesen und lernen dabei, dass ein gewisser Atatürk hier eine große Rolle spielt und das deutsche Alphabet mit seinen Umlauten 1929 als offizielle Schrift eingeführt hat. 

    In den Bäumen entdeckt Morpheus grüne Vögel, die wie kleine Papageien aussehen, und mit seinem Ball gibt es immer etwas zu spielen. Am Meer angekommen  laden uns die Fähren zu einer Bootstour unter den beiden Hängebrücken durch den Bosporus in Richtung schwarzes Meer, hinauf auf der europäischen Seite und auf der asiatischen Seite zurück.  Mir zuliebe dreht der Kapitän zwei Extrarunden am Leander-Turm, was mich hoch erfreut- oder musste er wegen eines Tankers warten?

    Auch wenn es zur Landeskultur gehört, bereits Kleinkindern, fünf Tassen Tee zu verabreichen, wie uns der Kellner gestern begeistert schilderte, verzichten wir darauf und lassen die Kinder lieber Obst, gegrillte Maiskolben und Kastanien essen. Dafür gibt es für so viel großartigen Einsatz  einen Burger im Schnellimbiss. Auf der Galata- Brücke sieht man hunderte von Anglern ihre kleinen Fische fangen und beim Aufstieg zum Galata Turm gibt es einen Obstsaft. Der Tatortreiniger reinigt dort gerade die Spuren eines tragischen Sturzes, und so ziehen wir weiter in das prächtige Pera Palace Hotel und trinken dort einen Nachmittags Tee , spielen Rommee und genießen das Ambiente in den Räumen, in denen schon Agatha Christie den Mord im Orientexpress schrieb.

    In den Bazars der Unterführungen finden wir die ersten Wichtel Geschenke und Tara ihre heiß begehrte Handtasche, während Morpheus endlich eine Dubai Schokolade genießen darf. Die Kinder sind erstaunt, was man an einem Tag alles erlebt, als sie noch einen vom Weg abgekommen Kleinbus im Schaufenster entdecken. 

    Erschöpft kehren wir voller Erlebnisse abends ins Hotel zurück.

    St. Nicholas comes from Turkey

    The sun is shining, Santa Claus has decorated the children’s shoes, the hotel invites us to breakfast to make amends, outside the cats accompany us at every turn and the first lesson of our world travel school takes us to Gülhane Park. The children practise reading out the English texts on the signs and learn that a certain Atatürk played a major role here and introduced the German alphabet with its umlauts as the official script in 1929. 

    Morpheus discovers green birds in the trees that look like little parrots, and there is always something to play with his ball. Once we reach the sea, the ferries take us on a boat trip under the two suspension bridges across the Bosphorus towards the Black Sea, up the European side and back down the Asian side.  For my sake, the captain does two extra laps of the Leander Tower, which delights me – or did he have to wait because of a tanker?

    Even though it is part of the local culture to serve five cups of tea to small children, as the waiter enthusiastically told us yesterday, we refrain from doing so and prefer to let the children eat fruit, grilled corn on the cob and chestnuts. For all their hard work, we get a burger at the fast food restaurant and see hundreds of anglers catching their little fish on the Galata Bridge and a fruit juice on the way up to the Galata Tower. The crime scene cleaner is cleaning up the traces of a tragic fall, and so we move on to the magnificent Pera Palace Hotel for an afternoon tea, a game of Rommee and to enjoy the ambience in the rooms where Agatha Christie wrote Murder on the Orient Express.

    In the bazaars of the underpasses, we find the first gnome gifts and Tara her coveted handbag, while Morpheus finally gets to enjoy a Dubai chocolate. The children are amazed at what you can experience in one day when they discover a minibus in the shop window. 

    Exhausted, we return to the hotel in the evening, full of experiences.

  • Der erste Tag – the first day

    Um vier wachen wir auf, die Straßenbahn bringt uns um 6 zum Alexanderplatz. Am Flughafen gibt es im Mövenpick Café eine Stärkung. Wir werden wild über den Flieger verteilt. Und ich komme beim Warten und Fliegen dazu die Kafka Biografie zu lesen, von meinem Lieblingsbiografen Rüdiger Safranski zum 100. Todestag 2024. Ein Vorschlag auf dem neu gekauften Kindle- E-Reader. Eine merkwürdige Faszination habe ich für diesen früh an Tuberkulose gestobenen Autor.

    Wo ich doch meist leicht und beschenkt durchs Leben schreite, kenne ich doch wie wohl wir alle diese Albträume der Verwirrungen, Bedrohungen, Ängste und die Versuche mit Ehrgeiz eine Verbindung herzustellen- mit der Welt da draußen. Mit 17, 18, da hatten seine Werk eine enorme tröstende Kraft auf mich ausgeübt, die ich aus der Ferne des erfüllten Lebens jetzt besser verstehen kann.

    Es nicht zu wissen wie es geht, das Gefühl kannte ich so genau, und den Reflex des Rückzugs aus  innerer Verunsicherung. Als das Mädchen in der 6. oder 7. Klasse in das ich offensichtlich verliebt war mich wagte zu fragen ob ich mit ihr gehen wollte antwortete ich, völlig überraschend und überfordert: „Das kannst du dir denken!“Ich meinte ja und hatte Angst, sie wollte mich auf den Arm nehmen. Sie verstand nein und es wurde nie etwas zwischen uns. Ich beschwichtige mich- zum Glück hatte ich mir die Blamage und peinliche Bloßstellung erspart nicht zu wissen was man tun sollte oder wissen müsste wenn man mit „jemandem geht“. 

    Ich sehe Parallelen- ohne das (Tagebuch)Schreiben wäre mein Leben nicht zu bewältigen, nicht zu verstehen, wäre es auf Treibsand gebaut. Mit dem Schreiben habe ich mir das Fundament erstellen können auf dem ich jetzt lebe- ich bin selbst am meisten erstaunt welche magische Kraft das Wort auf mich ausübt.

    Ich habe mich aus Verstandesgründen für eine Profession entschieden, die immer eine Herausforderung war- und ich beschloss gleich im ersten Semester nur die zu meinen Freunde zu machen, die sich wie ich weigerten ein Wort über diese Sache freiwillig zu verlieren. 

    Kafka begründete  bei mir diese Einstellung gegen alles zu sein, was da draußen erwartet wurde- weil es eine andere innere Wahrheit gab, der ich folgte. 

    Etwa auf der Abifahrt nach Prag. Ich verbrachte meine Zeit allein, auf der Suche nach Kafkas Welt. Ich reiste nachts im Regen mit der Straßenbahn durch das trübe Ostblock-Prag der 80er Jahre, und stieg in heruntergekommenen Treppenhäusern bis zum Dachgeschoss- auf den Spuren des Prozesses. Verirrungen, Verwirrung, mir war nach allein sein.

    Da einmal durch gegangen zu sein hilft bis heute, dass ich mit Herausforderungen gut umgehen kann und auch im Dunklen immer eine Wahrheit sehe. Als ich mit 23 meine eigene Tuberkulose bekam, fühlte ich mich auf eine Weise erlöst, aufgenommen in den Club der schwindsüchtigen Poeten, wie Schiller, Novalis und Kafka. Freigestellt von den unerträglichen Verpflichtungen von Arbeit, Familie und gesellschaftlichen Aufstieg.  Wenigstens für eine Weile. Aber ich erlaubte mir diese Perspektive mein Leben lang. 

    Auf eine merkwürdige Weise  folge ich auch den Spuren Kafkas, in Spindlermühle stand ich oft auf der Holzbrücke, wo Kafka das Schloss imaginierte, in Berlin-Steglitz fuhr ich täglich durch den Park, durch den er in den späten Jahren spazieren ging. Seine erste Verlobte Felice Bauer wohnte in der Immanuelkirchstraẞe in Berlin, wie ich auch, bis heute. Die AUVA, die Arbeiter-Versicherungsanstalt wo Kafka bis zu seinem Tod mit 41 arbeitete, existiert weiter, ich habe sie in Wien als Berater besucht, mein erster Arbeitgeber war die BG, das deutsche Pendant, und ja ich habe jahrelang für Krankenversicherungen gearbeitet, und kenne das Schicksal des beruflich Reisenden, über das er sich beklagt. 

    Im Flieger las ich die Biografie zu Ende, was für ein Luxus. Ich bin wieder außerhalb der Routinen des Alltags, was für eine Freude. 

    Istanbul ist groß und chaotisch, die Sonne scheint und empfängt uns strahlend und auf der Bosporusbrücke nach Europa zurück sind wir alle erstaunt vom Anblick von Meer, Stadt und Ambiente. 

    In den engen Gassen der Altstadt gelegen, mit Blick auf das Tokapi Serail ist unser Hotel irgendwie nicht verfügbar und wir tragen die Koffer über Steintreppen und historische Stiegen in ein Ausweichquartier , das mir sofort gefällt- es ist offensichtlich alt und man spürt es, aber es hat Charme und wir sind angekommen. 

    The first day

    We wake up at four, the streetcar takes us to Alexanderplatz at 6. At the airport we have a snack in the Mövenpick Café. We are spread wildly across the plane. And while waiting and flying, I get to read the biography of Kafka by my favorite biographer Rüdiger Safranski on the 100th anniversary of his death in 2024. A suggestion on the newly purchased Kindle e-reader. I have a strange fascination for this author who died of tuberculosis at an early age.

    Although I usually walk through life light and blessed, I know, as we all do, these nightmares of confusion, threats, fears and attempts to connect with ambition – with the world out there. At 17, 18, his work had an enormous comforting power on me, which I can now understand better from the distance of a fulfilled life. Not knowing how to do it, I knew the feeling so well, and the reflex of withdrawal out of inner insecurity.

    When the girl I was obviously in love with in 6th or 7th grade dared to ask me if I wanted to go with her, I replied, completely surprised and overwhelmed: „You can guess that!“ I meant yes and was afraid she was pulling my leg. She understood no and it never became anything between us. I reassured myself – luckily I had spared myself the embarrassment and embarrassing exposure of not knowing what to do or need to know when „dating someone“.

    I see parallels – without (diary) writing, my life would be unmanageable, incomprehensible, built on quicksand. Writing has given me the foundation on which I now live – I am amazed at the magical power the word has on me.

    I chose a profession that was always a challenge for reasons of sanity – and I decided in my first semester to only make friends with those who, like me, refused to say a word about it voluntarily.

    Kafka established this attitude in me of being against everything that was expected out there – because there was another inner truth that I followed.

    For example, on the Abitur trip to Prague. I spent my time alone, searching for Kafka’s world. I traveled by streetcar at night in the rain through the gloomy Eastern Bloc Prague of the 80s, and climbed to the top floor in run-down stairwells – on the trail of the trial. Lost, confused, I felt like being alone.

    Having gone through it once still helps me today to deal with challenges well and to always see a truth even in the dark. When I got my own tuberculosis at 23, I felt redeemed in a way, accepted into the club of consumptive poets like Schiller, Novalis and Kafka. Released from the unbearable obligations of work, family and social advancement.At least for a while. But I allowed myself this perspective all my life.

    In a strange way, I also follow in Kafka’s footsteps; in Spindleruv Mlyn I often stood on the wooden bridge where Kafka imagined the castle, and in Berlin-Steglitz I drove daily through the park where he used to walk in his later years. His first fiancée Felice Bauer lived on Immanuelkirchstraẞe in Berlin, as I do to this day. The AUVA, the workers‘ insurance institution where Kafka worked until his death at 41, still exists, I visited it in Vienna as a consultant, my first employer was the BG, the German equivalent, and yes I worked for health insurance companies for years, and know the fate of the professional traveler he complains about.

    I finished reading the biography on the plane, what a luxury. I’m out of the routines of everyday life again, what a pleasure.

    Istanbul is big and chaotic, the sun shines and welcomes us brightly and on the Bosphorus Bridge back to Europe we are all amazed by the sight of the sea, the city and the ambience.

    Located in the narrow streets of the old town, with a view of the Tokapi Seraglio, our hotel is somehow unavailable and we carry our suitcases up stone steps and historical staircases to an alternative accommodation that I immediately like – it is obviously old and you can feel it, but it has charm and we have arrived.