• Die Zukunft ist bereits unter uns

    Mittwoch, 12. September 2018

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    Die Zukunft ist bereits unter uns

    „The future is already here — it’s just not very evenly distributed” sagte der Science-Fiction-Autor William Gibson im Jahre 1993.

    Wo ist die Zukunft bereits unter uns? Wo können wir sie erkennen?

    Generalist als Beruf:Es gibt tausende von Studiengängen und Ausbildungen. Aber noch fehlt die des Generalisten. Der, der die vielen Aspekte der Welt zusammenhängend betrachtet. In der Zukunft wird er eine viel größere Rolle spielen. Weil die Welt ein Ganzes ist, und nicht nur viele kleine Einzelteile. In der Zukunft wird es diese Berufsrichtung wieder häufiger geben – als anerkannten Ausbildungsberuf. Mit theoretischen und praktischen Elementen. Und vielleicht gehört auch wieder die „Waltz“, das Gebot zu reisen, mit wenig Gepäck und mit wenig Geld dazu – und das Verbot in der Zwischenzeit nach Hause zurückzukehren, in die alte Welt.

     

    Modulares Bauen.Bauen ist heute einer der am wenigsten entwickelten Industrien. Es ist hochgradig fehleranfällig, wird von Kleinstbetrieben mit wenigen Mitarbeitern vorangetrieben. Jede Lösung für ähnliche Probleme wird immer wieder neu entwickelt. Es ist wie zu Beginn der Automobilkonstruktion, als tausende von Werkstätten in Handarbeit einzelne Fahrzeuge in geringen Stückzahlten bauten. Wir wissen heute, dass die industrielle Massenfertigung erst die Qualität und den Preis der heutigen Autos möglich gemacht hat – oder aller anderer technischer Geräte.

    Dabei verbraucht Wohnen 40% der weltweiten Energie, bindet das meiste persönliche Geld und ist der größte Posten in den monatlichen Ausgaben. Wir verbringen die meiste Zeit unseres Lebens daheim und doch – Es scheint nichts als den „Charme der Altbauten“ von vor 100 Jahren, „Plattenbauten“ oder moderne Einzelbauten zu geben. Wo sind die „Steve Jobs“, die „Ingvar Kamprads“, die „Albrechts“ des Wohnungsbaus die zeigen, dass man

    • Aus ökologisch unbedenklichen und energiearmen Baustoffen
    • Räume mit hoher Wohnqualität und langer Haltbarkeit
    • Für einen günstigen Preis
    • In großer Stückzahl und Geschwindigkeit
    • Flexibel und veränderbar
    • Die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen

    bauen kann?

     

    Es gibt sie bereits, Vordenker wie Rolf Disch (www.rolfdisch.de), die als erste das Plusenergiehaus in Deutschland eingeführt haben.

     

    Einfache Tatsachen sind ja:

    Solarzellen kosten im m2 weniger als ein klassischer Dachaufbau aus Holz, Ziegeln etc. Warum sind sie noch nicht Standard als Dachmaterial? Wo sie doch 30 Jahre haltbar sind und gegen Hagel etc. geschützt sind?

    Holz ist nachwachsend und kann Jahrhunderte überdauern. Es bindet in seiner Produktion C02. Die Waldflächen weltweit sind am wachsen.

     

     

    „Light living“Wir verbringen viel Zeit damit, Dinge anzuhäufen die wir dann als unseren Besitz „bewachen“. Ein Trend aus der Zukunft ist: nicht mehr zu besitzen als man mit dem Flugzeug ohne Aufzahlung transportieren kann. Alle wichtigen Dinge sind Erinnerungen, und diese lassen sich digitalisieren, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Wenn wir erst einmal alle Ereignisse (mehr oder weniger) auf dem Handy festgehalten haben, mit Siri oder Google mitgeschnitten, alle Menschen bei Facebook wiederfindbar, dann verstehen wir das „weniger mehr“ ist und wir sowieso nichts gewinnen oder verlieren können.

    Dazu braucht man dann mobile Wohnformen in verschiedenen Stilen und Preisklassen, die man unproblematisch buchen und wieder verlassen kann. Das „Wesentliche“ ist digitalisiert, unsere Ideen, Aufschriebe, Musik, Bilder, Filme, Bücher, sind in der „Cloud“ gespeichert.

    Wir sind wieder frei für „echte Erfahrungen“ ohne Ballast. Zu Fuß draußen im Wald, in den Bergen, mit echtem Regen und echter Sonne, geschützt durch intelligente Kleidung und Technik wie Zelte, Schlafsäcke etc,). Wir leben irgendwann alle in den Großstädten, aber die Welt besteht zu 95% nicht aus Städtern, sondern aus viel, viel Raum. Überall.

    Selbsterfahrungen, in denen wir in Gruppen oder allein unseren echten Ängsten und Hoffnungen begegnen. Unseren Geschichten, denen wir bis dahin folgen ohne es zu wissen. Wo wir dann entscheiden können, selbst entscheiden? Wollen wir unser Leben damit zu bringen, einem imaginären inneren Bild eines Vaters oder Mutters es zu beweisen? Das Problem zu lösen, dass er oder sie nicht gelöst hat? Oder wollen wir selbst neu entscheiden? Und wo müssen wir lernen, die Realität anzunehmen, mit ihren kleinen und großen Aufgaben, die sie uns gestellt hat? Vor der „Erleuchtung“: Holz holen und Wasser tragen. Und nach der „Erleuchtung“? Holz holen und Wasser tragen.

    Wenn wir dann weniger an den „Dingen“ anhaften, dann können wir sie auch mehr genießen. Wenn sie verloren gehen ist es auch egal. In der Zukunft wird es keine große Bedeutung haben, ob alles was wir besitzen weg ist oder nicht. Weil es keine große Relevanz hat.

     

    Produkte, die sich in das Leben des Menschen einfügen – unauffällig.

    Kein Mensch braucht Passwörter, Kreditkarten, Reisepässe, Formulare, Schlüssel. Updates. Unterschriften. Wir haben uns an sie gewöhnt, aber wir wollen sie nicht. Freiheit ist mit dem Shorts am Strand herumzuspringen, gedankenlos. Oder in den Dschungel der Großstadt einzutauchen, mit nichts in der Tasche.

    Es ist vollkommen klar, wo die kommenden Innovationen liegen werden. Überhaupt keine Überraschung. Man kann lange dagegen anschreiben oder es ignorieren. Wir brauchen das alles nicht. Wir wollen uns identifizieren und Erlaubnisse erteilen. Geld ausgeben, überweisen. Wir brauchen funktionierende Geräte, Systeme. Lösungen.

    Ich erkenne immer wieder, wie genial hier beispielhaft Apple die Zukunft vorbereitet hat. Für mich war jedes Gerät von Apple eine Quantensprung in meiner eigenen Entwicklung. Mit dem Macintosh Powerbook 140 (Interner Codename bei Apple: Tim lite oder Leary) begann ich 1993 mit Computer zu reisen. Nie wieder lag der Laptop weniger als einen Handgriff von mir entfernt, und von dann an habe ich meine Gedanken mitgeschrieben – immer wenn eine gute Idee kam oder abends in der Zusammenfassung oder in ganz besonders intensiven Reisezeiten nach einer Woche hinterher. Von da an war mir klar. Das ist die Zukunft. Das ist die elektronische Schreibmaschine, von der alle immer geträumt haben. Und ich kann darauf alles mitführen, was ich je gedacht und aufgeschrieben hatte.

    Typischer Moment. Morgens in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Wo anderen schlafen, habe ich die 20 Minuten hochkonzentriert genutzt, mich auf dem Tag vorzubereiten. Die innere Meditation der Bewusstseinsarbeit auf Fragen, Ziele, Glaubenssätze, Affirmationen, Einsichten. Authentisch und optimistisch zugleich. Mit dem „Powerbook“ wurde das möglich. Weil ich schon in der Schulzeit blind 10 Finger schreiben gelernt hatte. Und ich das Ding jetzt aus der Tasche ziehen, aufklappen (in 10 Sekunden ist Word offen und ich kann weiter schreiben), und wenn man in den Zielbahnhof einfährt drückt man Apfel S, klappt den Bildschirm zu und wieder rein in den Rucksack damit.

    Es war mir klar. Der nächste Schritt wir es sein, dass alle Bilder und Filme des Lebens dort auch immer in Griffweite sind. Es erschien damals an Rechenleistung unvorstellbar. Hatte das Powerbook doch 80MB Festplatte. 10 hochauflösende Bilder von heute. Doch es kam anders. Und es kam das Internet. Es wurde alles möglich. Das erste Modem zum Reisen erzeugte in Indien den Anschluss an das globale Wissensnetz.

     

    Schon Anfang 2000 war mit dem Ipod die nächste Stufe erreicht. Alle Musik des Lebens, immer dabei. Mehr, als man je gehört hatte. Alle Lieblingsplatten aller intensiven Jahre. Auf Knopfdruck.

    Schon als ich im Jahre 1999, als late adopter, mein erstes Handy in der Hand hatte, da wurde mir auch klar. Irgendwann wird uns das Handy wie Gott erscheinen. Es ist immer bei uns, kann uns immer trösten, hat auf alles eine Antwort und wird irgendwann immer für uns da sein. Mir war auch klar. Der Bildschirm, das wird die Tastatur. Bis dann Apple 2007 mit dem IPhone soweit war. Es war vollbracht. Jetzt waren alle Bilder, Filme alle Musik, alle Texte etc. meines Lebens verfügbar. Nein, noch nicht ganz. Es begann. Aber schon hatten wir Anschluss an eine größere Welt. Für mich immer das Faszinierendste: Ich hatte Anschluss an meine eigene Welt. Konnte weiter lesen und schreiben. Bilder eigener Erlebnisse mit Freunden anschauen. Bald organisierte ich mir faltbare Tastaturen, reduzierte die Schreibmaschine auf Palm-Größe. Hatte bald dem Computer in wenigen hundert Gramm, immer im Rucksack griffbereit, immer bei mir, überall auf dem Globus.

     

    Und ich konnte Augenblicke und Gedanken festhalten, Einsichten und Erfahrungen.  Auf den Felsen in Hampi in Indien im Jahre 1996. In den Ruinen von Tikal in Guatemala im Jahre 1998. In San Franscisco auf dem Dach eines alternativen Warehouse im Jahre 2000.

     

    2007 kam dann das Iphone. Es ist die Revolution, von der ich 1993 noch geträumt hatte. Nun nicht mehr 3 Stunden Akkulaufzeit und 3 Kg an Gewicht, sondern 150 Gramm und 12 Stunden.  Ein vollständiger Computer für die Hosentasche. Und gleichzeitig noch mit allen anderen Geräten, der Taschenlampe, dem Taschenrechner, dem Kompass, der Landkarte, dem Tacho, dem Höhenmesser, dem Notizzettel, dem Diktiergerät, dem Musikabspielgerät, der Videokamera, dem Tagebuch, der Enzyklopädie, der Bibliothek….

    Und jetzt, ich arbeite mit dem Iphone X, 150 Gramm, 256 GB Speicher. Einer besseren Videokamera und Digitalkamera wie ich sie damals kaufen konnte, viele Kilogramm schwer. Ich habe sie auch durch Indien geschleift, in den aufregenden Jahren. Aber heute ist es leichter…

    Und ich schreibe immer noch auf dem aktuellen Macbook. Mittlerweile ist Apple mit Amazon die teuerste Firma der Welt und irgendwie kostet das Teil immer noch 2000 Einheiten der Standardwährung. In der besseren 3000. Aber es kann jetzt 12.000 mal mehr speichern, statt 80MB 1 TB. Ich speichere immer noch in Word. Es wiegt die Hälfte, der Bildschirm ist farbig. Und hochauflösend. Und habe mittlerweile natürlich alle Daten nichtlokal in der Cloud gespeichert.

    Jetzt sind vor zwei Jahren neu die AirPods, die drahtlosen In-Ohr-Kopfhörer herausgekommen. Ich kaufe mir die Sachen meist erst wenn sie etwas billiger geworden sind.  Ich habe dieses Wochenende getestet und weiß: Es ist ein weitere Schritt der Virtualisierung aller Lebensbereiche. Genial. Teuer. Und jeden Euro wert. Weil es wie ein Produkt aus der Zukunft ist. Wie Apple immer war. Man darf es nur noch nicht beim Duschen vergessen. Das kann erst die nächste Generation.

     

    In der Zukunft haben glauben wir nicht mehr an: „Big brother is watching you“ und „irgendwann werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann“. Wir Deutschen haben eine Obsession mit negativen Utopien und Indianerromantik. Verständlich. Hat man uns mit Kommunismus und Nationalsozialismus ja schon zwei Mal sehr einleuchtende Visionen als Wahrheit verkauft, die leider nichts als Enttäuschung waren.

    Haben sie deshalb recht, die großen Negativen Utopien von George Orwells (1984), ein leicht depressiver englischer Kolonialbeamter, vereinsamt in Burma, Aldous Huxley (Schöne neue Welt), nur leider ist alles nur Schein), oder Jewgeni Samjatin (WIR), enttäuscht von der Realität mit ihrer Gewalt, dem Primat der Ratio und der Leugnung des seelischen Lebens ?

    Oder spuken sie immer noch zu sehr in unseren Köpfen herum? Ich habe sie in meiner Jugend alle drei gelesen, mit 16 im Jahre 1984. Man sieht ihre Spuren im Kampf gegen die Volkszählung (1983 gescheitert, das letzte Mal 1987), oder der Idee einer zentralen Speicherung der Gesundheitsdaten (Elektronische Gesundheitskarte), ein paar Milliarden an Kosten, bisher keinerlei Erfolg. Ich spüre ihre Spuren auch noch bei mir im Kopf, diese diffuse Angst im Hintergrund, es könne doch alles so schrecklich kommen. Wenn nicht jetzt, dann sicher bald. Aber die Zukunft sieht anders aus. Heute schon.

     

    Qualitätssicherung im Gesundheitswesen

    Auch eine Vision, die noch unvorstellbar erscheint. Wir lassen lieber einzelne Menschen mit ihrem begrenzten Wissen und ihrer bekannten Fehleranfälligkeit über unser wertvollstes Gut entscheiden und vertrauen auf gut Glück unsere Gesundheit einzelnen Ärzten an, die vielleicht recht haben, vielleicht auch nicht – anstatt dass wir darüber nachdenken, dass man Qualität auch messen kann und Erfolge kein Zufall sind.

    Wer ist besser? Der, der jede Woche etwas anderes repariert, oder der, der sich auf ein Problem spezialisiert hat? Und wie können wir es herausbekommen? Es gibt die Pannenstatistik des ADAC. Und wir können sehen, welche Autos besonders anfällig sind. Wo ist die Transparenz bei den Ärzten?

    Noch schleppen wir Krankenakten von Arzt zu Arzt. Selbst wenn es um lebensgefährliche relevante Erkrankungen wie Krebs gibt, erlauben wir keine zentrale Datenspeicherung und Auswertung. Holen dann für die Forschung uns Daten aus Schweden, weil man nur dort diese Krankheiten überhaupt zentral erfassen darf. Dort, wo man mit einer Drittel der Krankenhausbetten auch erfolgreich Medizin machen kann. Weil die Verbleibenden besser spezialisiert sind.

    Wie kann es sein, dass nicht jede einzelne Krebserkrankung in Deutschland erfasst wird: Ihr Verlauf, ihre Therapie, ihr Ausgang. Im Dienste der einzelnen Gesundheit, oder vielleicht für die nachfolgenden Erkrankten?  Um nachher festzustellen was funktioniert hat und was nicht? Was hilfreich war, was Geldschneiderei, was unnötige Quälerei, was umgebracht hat?

    Nicht einmal Operationen werden in ihrem Erfolg, ihrem Ausgang statistisch erfasst. Woher wissen wir eigentlich, ob die laparoskopische Appendektomie besser ist als die klassische? Wir wissen es nicht. Wir lassen einfach ausprobieren. Und wenn es nicht gestimmt hat, haben wir ein paar tausend oder hunderttausend Menschen unnötig falsch operiert, einige umgebracht, einige nur kränker als nötig gemacht.

    In der Zukunft werden wir also unsere Gesundheit nicht dem Zufall überlassen, sondern die Daten nutzbar machen. Diese elektronisch erfassen und dem nächsten Arzt verfügbar machen. Und die richtige Therapie auf Algorithmen basieren, die dem aktuell besten verfügbaren Wissenstand, evidenzbasiert entspricht, und nicht der aktuellen Mode. Und in der Zukunft wird es sogar eine Verknüpfung geben mit unserem persönlichen Genom, weil wir uns trauen werden auch diesen Wissensschatz zu nutzen, zu unserem Wohl und der gemeinsamen Zukunft. Ist es Zufall, dass die neuen Weltmeister der Algorithmen, wie der Google Gründer Sergey Brin 8 Jahre mit Anne Wojcicki verheiratet war, der Gründerin von 23andMe, dem Pionier der persönlichen Genanalyse? Übrigens die jüngere Schwester der CEO von Youtube, Susan Wojcicki? Man kann viel über diese Pioniere und deren Firmen sagen. Nicht aber, dass die Analyse von Daten die Welt nicht verändert hat. Und verändern wird. Wir werden es erleben. In der Zukunft ist auch unser persönliches Genom Teil des Wissensschatzes, den wir für unsere Gesundheit und Heilung nutzen können.

    Dafür müssen wir sie individuell speicherbar und übertragbar machen (irgendwo da draußen in der Cloud, gut geschützt) und anonymisiert auswertbar – damit man die großen Muster überhaupt erkennen kann. Denn noch ist die Versorgungsforschung ganz in den Anfängen. Wir wissen einfach gar nicht, was eine Behandlung oder ein Euro für eine Gesundheitsinvestition an Jahren an Lebenszeit oder Tagen mit verbesserter Lebensqualität bringt. Es ist alles noch kein ganzheitliches Bild, bisher meist Einzelmeinungen.

    Wir haben weder die Daten noch den Konsens, dass wir sie auswerten müssten. Wie komme ich darauf? Auf unsere Reise um die Welt waren wir in den USA und Bangladesch. USA: die höchsten Gesundheitsausgaben der Welt. USA: Knapp 10.000 Dollar pro Kopf im Jahr, 78,8 Jahre Lebenserwartung. Bangladesch: 100 Dollar pro Kopf im Jahr, Lebenserwartung 73,2 Jahre.

    Das 100 fache an Kosten für 5 weitere Jahre Leben. Hier ist etwas nicht wirklich effizient. Funktioniert nicht wirklich gut. In der Zukunft wird das Vergangenheit sein. Weil es offensichtlich ist.

     

    Immer älter.In der Zukunft ist 100 Jahre Standard. Pro 10 Jahre steigt die Lebenserwartung um 2,5 Jahre. Unaufhaltsam. Jede Statistik, die immer wieder angekündigt hat, dass es damit bald ein Ende hat, hat sich wiederlegt. Wieder rechnen alle Prognosen damit, dass die Steigerung der Lebensdauer bald ein Ende haben muss. Ich glaube, es wird so weiter gehen. Wir haben dann die 100 Jahre als Durchschnitt schon bald erreicht – noch vor dem Jahre 2100 auf jeden Fall weltweit.

    Und entgegen allen Unkenrufen: Diese Alten sind nicht immer kränker, sondern immer gesünder. Immer fitter, intelligenter, sozialer engagiert. Wir haben kein Altenproblem, sondern eine große Chance. Sie wird unser Leben umgestalten. Wir werden es sehen. Mit 80 oder 90 etwas Neues im Leben anzufangen, wird immer häufiger Alltag.

     

    Forschungslabore für Bewusstseinsforschung.

    Was sind die Grundbausteine der mentalen Realitätsproduktion? Eine ganz einfache Frage, noch wenig erforscht? Gibt es dafür große Forschungszentren, wo Milliarden hinfließen? Ich habe davon noch nichts gehört. Wo kann man lernen, wie man den „Bewusstseinsstrom“, managed? Wir überlassen das wichtigste Feld unseres Lebens lieber dem Zufall und reden von der „Black Box“ in uns – oder überlassen sie der „Self-Help-Ecke in der Buchhandlung“, immer größer wachsend.

    Ein paar Mönche erforschen ihre Techniken weiter, geben sie weiter. Ein paar Abenteuer sitzen in den Bergen und erforschen in ihren Retreats neue Substanzen. Ein paar Steve Jobs der Zukunft haben ihren „Erleuchtungstrip“ auf einer chemischen Substanz.

    Wen interessiert es bisher? War es Zufall, dass es die gleichen Kreise waren, die parallel durch psychoaktive Substanzen die Grundzüge des menschlichen Realitätsprogramms erforscht haben und die ersten Schritte zu ihrer Simulation durch Software und PCs geleistet haben, in den gleichen Gegenden rund um San Francisco? Die Begründer der Firmen, die jetzt die Welt beherrschen?

    Nein. Wenn man dort einmal war und sich einmal ein bisschen bei den „Insidern“ umhört, ist dies nicht einmal mehr ein „offenes Geheimnis“. Und auf dem „burning man“ tummeln sich nicht nur deshalb die Milliardäre, weil es so „cool“ dort ist, sondern weil sie aus dem gleichen geistigen Hintergrund an Denken und Erfahrungen stammen. Einer Welt, in der mehr möglich ist. Weil man experimentiert. Mit sich, mit Chemie, mit Technologie. Erfolgreich. Weil ja nicht alles klar ist. Sondern ganz viel ganz spannend und neu. Und es Abläufe gibt, die man verstehen kann. Und beeinflussen kann. Es gibt mentale Programme, wie es Computerprogramme gibt. Hat man sie verstanden, kann man die Welt beherrschen. In der Zukunft wissen das nicht nur die Cracks aus dem Silicon Valley.

    Und wir nur eins wissen: Die Lösungen der Vergangenheit sind nicht optimal. Wir brauchen bessere Lösungen. Individuell, gemeinsam.

     

    In der Zukunft ist dies kein „Geheimwissen“, sondern selbstverständlich. Es ist nicht das Wissen von „Eingeweihten“, „Geheimlogen“ oder „Milliardärskreisen“, sondern Allgemeingut.

    Warum ist ein Anthony Robbins, der Motivationsguru der 90 Jahre, mittlerweile kaum noch auf seinen 10.000 Leuten-Shows anzutreffen? Weil seine Techniken nicht funktioniert haben? Oder weil er es sich mittlerweile leisten kann, vor allem von Milliardären privat gebucht zu werden?

    Warum ist „Achtsamkeit“ mittlerweile das Standardtraining für High Potentials, Schauspieler oder hochbezahlte Spezialisten? Weil das alles esoterisches Halbwissen ist, wie uns die Tagespresse gerne weismachen möchte?

    Bei uns glauben viele immer noch lieber an Karl Marx oder die Bibel als Referenz, und beschäftigt sich mit Theorien aus der Vergangenheit über die Wirklichkeit der Vergangenheit.

    Wir sind keine Schäfer oder Schafe mehr und keine Arbeiter im Frühkapitalismus. Wir sind vielmehr das, was wir schon immer waren. Geistige Wesen, für eine Weile auf diesem Planeten materiell manifestiert, mit erstaunlichen Potenzialen und erstaunlichen Aufgaben. Es gibt über alle Jahrtausende schon wirksame Bewusstseinstrainings. Jede spirituelle Tradition hat ihren Ursprung in Mystikern, die sich die Dinge einmal zu Herzen genommen haben und zu Ende gedacht haben. Sie kommen alle auf ähnliche Ergebnisse? Ist das Zufall, esoterischen Halbwissen, irrationale Unwissenheit oder ist da doch etwas daran?

    In der Zukunft ist dies offensichtlich. Wir glauben wieder an etwas. Weil es nicht eine Fertigreligion vom Fließband sein muss, mit der wir uns zufrieden geben müssen. Standardisiert und Normiert, nach einem großen Guru der für uns alles erkannt hat damit wir nicht mehr darüber nachdenken müssen.

     

    Nein, in der Zukunft ist die Religion wieder erlaubt, und sie ist Privatsache. Man darf wieder selbst entscheiden was man glaubt, und das auch ernsthaft. Nicht nur heimlich im Verschwiegenen, wie die führenden Wissenschaftler, die alle öffentlich verkünden müssen dass sie natürlich rationale Atheisten sind weil dies ja so logisch ist und privat, wenn man sie da schließlich mal erreicht von ihrem persönlichen Glauben erzählen, der natürlich der Antrieb ist warum sie überhaupt so weit gekommen sind in der Erforschung der „höheren, universellen Gesetze“.

    Und es gibt auch ein Anrecht auf das Verfechten von sich wiedersprechenden Ansichten zur gleichen Zeit. Auch das gehört zur Zukunft, das alberne Denken in richtig und falsch, der Dualismus den uns Platon; Sokrates und Aristoteles eingebrockt haben ist Vergangenheit. Wie eine einschüchternde Schulhof-Gang haben sie alle weiteren Denkarten zum Schweigen und als „unlogisch“ gebrandmarkt. Noch muss man muss ihnen folgen, sonst ist man „draußen“.

    An dieser Stelle habe ich beschlossen, die wissenschaftliche Laufbahn in der Medizin zu verlassen. Wollten mit doch die fähigsten Köpfe weismachen, dass unser Gehirn von Molekülen, Botenstoffen und elektrischen Impulsen gesteuert wird, die wiederum durch die DNA und die Umwelt determiniert sind. Und wer etwas anderes glaubt ist „unwissenschaftlich“. Naturwissenschaft glaubt an „matter over mind“. Für mich ist mindestens genauso umgekehrt möglich. Mein Credo ist. „mind over matter“.

    Weil die Welt größer ist. Und wir spätestens seit der Quantenphysik bei den Grundlagen wissen, dass sie zugleich Teilchen und Welle sein können, dass sie verschieden Zustandsoptionen zur gleichen Zeit haben können – bis man sich entscheidet sie zu beobachten. Wir sind die Beobachter, die über die Zustände der Quanten entscheiden, die die materielle Welt determinieren.

     

    Auch dieses Wissen wird in der Zukunft selbstverständlich sein

     

    Die Zukunft ist auch eine Zukunft der geistigen Gesundheit. Wir haben das Problem der körperlichen Gesundheit noch nicht vollständig gelöst, sind aber auf dem guten Wege dorthin. Die unveränderlich steigende Lebenserwartung zeigt es. Der Kampf gegen die Mikroben ist fast schon Vergangenheit, die Herz-Kreislauferkrankungen als nächste Haupttodesursache werden seltener. Wir leben immer länger.

    Die große Herausforderung ist die psychische Gesundheit. Und das ist keine Herausforderung der Medizin. Diese bietet auch keine Lösung, denn die Perspektive ist schon falsch. Statt noch mehr Unterkategorien für Diagnosen aus dem Handbuch, die sich nicht wirklich abgrenzen lassen brauchen wir ein Verständnis dafür, was der Normalzustand ist.

    Diese lebensfrohe Begeisterung, dieses „Ja“ zum Leben, zur Existenz, mit der wir alle geboren werden. Die in unserer Seele, unsere DNA, unseren Atomen schwingt. Die bis in der kosmischen Hintergrundstrahlung vom Urknall zu spüren ist.

    Normal ist: Ein Stern, der Milliarden Jahre leuchten kann, mit unbändiger Energie. Eine Zelle, die sich milliardenfach vermehrt um ein Mensch zu werden, jede mit ihrer speziellen Aufgabe auf den Weg geschickt, vorprogrammiert in einer einzigen Samenzelle und Eizelle.

    Normal ist: ein kosmischer Tanz an Molekülen und Bewusstseinsstufen durch Milliarden von Lebewesen hindurch, Milliarden von unterschiedlichen Spezies, alle interagierend auf diesem Planeten. Und ein Mensch, der als erster in dieser erstaunlichen Abfolge (zumindest erscheint es für ihn so) dieses kosmische Wunderwerk zu versehen lernt, die abzählbaren physikalischen Naturkonstanten enträtselt. Und dabei begeisternd feststellt, dass alle, aber auch alle zufällig genau richtig vom großen Schöpfungscomputer berechnet wurden. Denn nur mit geringster Abweichung gäbe es uns nicht, das real existierende Universum.

    Aber jede Variation ist anders, jedes Lebewesen einzigartig. Es gibt keine richtige oder falsche Variante. Alle gehören dazu, alle Anteile sind Teil des großen Spiels. Auch die, die wir vielleicht weniger mögen, unsere Sorgenkinder, die Anteile, die wir gerne ausgrenzen.

     

    Normal ist nicht: Ich kann arbeiten und lieben, wie es Freud, der große Pessimist uns verkündet hat. Für ihn war normal, dass wir gesund sind wenn wir nur erfolgreich arbeiten und lieben können – egal wie dreckig es uns dabei geht. Wir glauben das immer noch. Und so bilden wir Kategorien von denen, die nicht arbeiten oder lieben können. Wie immer hatte Freud auch recht. Aber es gibt etwas Größeres. Er gibt es ja selbst zu:  „Der Künstler heilt seine Neurose selbst“. Aber wir sind alle Künstler. Unser Leben ist unser Kunstwerk, unser Bewusstsein ist unsere Produktion.

     

    Normal ist auch nicht: Wie es früher einmal war. Unbewusst, automatisch vor sich her vegetierend, haben wir reagiert, in Halbbewusstsein als Sklaven gelebt: Über Jahrmillionen. Ein Stamm gegen den anderen, der Große Anführer und sein Priester werden es schon wissen.

    Nein, auch das ist nicht normal. Das ist Vergangenheit. Wir erleben erst das Bewusstwerden des Menschen, das frei werden. Es ist ein historisch sehr junges Phänomen, es breitet sich erst langsam aus. Aber es ist ein allgemeines Menschenrecht. Und glücklich sein funktioniert. Weil es logisch ist und weil es gefühlt wahr ist, wenn man Anschluss an die Liebe findet.

    Und weil jeder Mensch diesen Weg dorthin finden kann, er ist in ihm angelegt, davon bin ich überzeugt. Gesund sein heißt diese Verbindung zu spüren. Zu wissen, dass es eine Verbindung gibt. Zu etwas Zeitlosem, Höheren. Einer größeren Kraft, Macht. Die ein Teil von uns ist und von der wir ein Teil sind.

    Sonst ist alles nur Therapie. Problemlösung. Eine weitere Kategorie.

     

    In der Zukunft wird deshalb Glaube die Regel sein. Aber ein Glaube, den sich jeder selbst aussuchen durfte. Keine Vorgabe meiner Eltern, des örtlichen Priesters. Keine Indoktrination durch verpflichtende Glaubenssysteme, die Kleinkindern mit Behauptungen für ihr Leben prägen. Aber natürlich auch kein relativistischer Pessimismus, bei dem die eigenen Kindertraumas und nicht integrierte Enttäuschungen hinter großen Worte rationalisiert werden und auf die Welt projiziert, wie es in der Zeit in der wir Leben so häufig geschieht. Und in der alles anzuzweifeln und nichts zu vertrauen als erwachsen gilt. Weil man dann vor Enttäuschungen geschützt ist.

     

    Glaube ist dann selbstverständlich, wenn er auf persönliche Erfahrungen basiert. Ein Recht, das jeder Mensch hat, davon bin ich überzeugt. Luther hatte Recht, wir brauchen keinen Vermittler, der uns das Wort Gottes übersetzt. Aber er hatte unrecht, wir brauchen auch keine heilige Schrift, niemand der uns Gottes Wort in Sprache übersetzt. Wir haben selbst in uns die Empfänger und Sensoren für die Wahrheiten und die Wunder und die Sprache der Existenz.

     

    In der Zukunft werden wir mehr wieder gelernt haben, diese Verbindung herzustellen: Durch intelligente Rituale, selbst erprobt und erforscht. Verfeinert. Mit allen notwendigen Zutaten, wie Ort, innerer und äußerer Vorbereitung, Gemeinschaft, der Bereitschaft sich zu öffnen. Und Zutaten die dabei helfen. Mit allem was die Schöpfung uns offenbart und was wir selbst entdecken. Entdeckungen der Indianer aus uraltem Wissen oder Chemiker aus dem Labor.  Musik. Licht. Räumen in Natur oder Kunst.  Alles war man für eine perfektes Erlebnis braucht. Initiation. Offenbarung. Auch dieses Wissen ist Teil der Zukunft.

     

    Die Zukunft ist bereits unter uns: Es liegt an uns, unsere Fühler auszustrecken. Denn eines ist sicher: Sie wird kommen.

  • Capitana Fantastica

    Liebe Freunde

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    Ich (Nadine) werde viel gefragt wie es war und wie es mir oder uns jetzt geht nach der Reise,  ob wir schon wieder angekommen sind. Ja ich bin angekommen ⭐

    Das ist schön! Ich freue mich über jede Frage auch über die wo es am schönsten war. :). Oft antworte ich dann „In Indien“ weil wir dort auch mal Zeit für uns hatten und die Großstädte weil das immer so abenteuerlich war. Natürlich hatte jedes Land seine ganz besonderen Momente und Geschichten zu erzählen.

    Meistens gehe ich kurz drauf ein was mich besonders geprägt hat, und das war dieser Reise Raum der „Travel Space“ als Familie diese:  kleine Gruppe von sechs Menschen reisend einmal um die Welt.

    Ich habe eine ständige Hingabe geübt, durch den dauernden Wechsel im außen und eine Hingabe ans Dauer Mutter sein. Ein Innerliches Ja zu dem jetzigen Moment als neue Lebensform.

     

    Während der Reise habe ich schon bemerkt das mein Widerstand schwächer wurde gegenüber den Anforderungen der Reise , des Lebens des Seins. Aber über den Raum, den Space den das mit sich brachte wurde ich mir erst bewusst  als ich wieder zu Hause war, und ein paar Wochen Zeit hatte in meiner alten Umgebung. Ich bin so froh darüber das ich das gern teilen möchte.

     

    Ourtravelspace hat seinen Namen alle Ehre gemacht:  mein Raum ist größer und weiter geworden unendlich groß. Und es hat mit uns zu tun.

     

    Diese Raumerweiterung wie ich sie nenne ist für mich ab jetzt die entscheidende Bewegung geworden. Unbewusst war sie das glaube ich schon immer.

    Der Weg der Raumerweiterung führt uns nach innen, wir wachsen in diesem Sinne durch das Leben.

    Das Ja zum Wachsen ist ein immer wieder neu gesprochenes, gedachtes, gefühltes Wort. Es ist wie ein Kompass : beweglich nicht starr, im Fluss des Lebens seiend.

    Leben bedeutet Wachstum und Wandel ´, dies führt zur Raumerweiterung welche zu mehr Verbindung führt, dadurch wächst das Bewusstsein. Dies ist ein Weg, wie wir Menschen uns entwickeln können.

    Was es dafür braucht ist ein Hinschauen und ein Annehmen. Es braucht nichts weiter als die Einfachheit des Seins, die Selbstliebe des sich Selbst Verzeihens und das Beenden der Trennung als tägliche Übung.

    Als ich mir dieses Raumes im Inneren noch nicht vollständig bewusst war, wunderte ich mich weshalb er immer wieder verschwindet in bestimmten Situationen. Ich dachte dann immer ich habe etwas falsch gemacht und begonnen im außen das Problem lösen zu wollen.

    Was ich nicht verstanden habe war das gerade die Situationen die mich fordern,  Eifersucht, Neid, Vergleichen, sich geschwächt fühlen etc. Anteile im Raum sind die zur Erweiterung nicht gelöst sondern integriert werden wollen, angenommen wie sie sind. Sie werden nicht verschwinden den sie gehören als Schatten zum Licht welches nicht voneinander getrennt ist.

    Die Raumerweiterung als Weg begrüßt in diesem Sinne alle Anteile des Menschen um sie zu nutzen um zu wachsen. „Ja wie geil ist das denn!“ Wenn jeder Mensch seinen Raum wachsen lässt gibt er anderen auch die Möglichkeit zu wachsen wir verbinden und entwickeln uns vom individuellen Bewusstsein ins kosmische Bewusstsein.

    Unsere Aufgabe ist die der Selbsterkenntnis welche im Inneren zu finden ist. wozu wir die Raumerweiterung brauchen.

    Wenn wir uns dem zuwenden was wir wollen anstatt uns dem zuzuwenden gegen was wir sind,  integrieren wir automatisch und bleiben transzendent. Dann wächst der innere Raum der Verbunden ist mit Allem und Jedem und dadurch entsteht Heilung.

    Dann hört das Leiden auf, das Leiden des „ich will es festhalten“ „ich will es nicht mehr verlieren“ das Leiden des „ich will es nicht sehen es gehört nicht zu mir“.

    Dann sind wir mutig und gehen weiter schauend hin, es ist ein so wundervoller Weg.

     

    Eure „Capitana Fantastica“ Nadine

  • Meine sieben Bereiche des Lebens

    Mittwoch, 5. September 2018, 10.21 Uhr

     

    Meine sieben Bereiche des Lebens

     

    Es ist ein großes Geschenk, wenn man einige Stunden des Tages zur freien Verfügung hat. Aber es ist auch eine große Aufgabe: Was fängt man mit der Zeit an?

    Ich habe mir oft mehr Zeit freigenommen als es üblich war. Und hatte dann öfters genau diese Frage zu beantworten. Es ist eine der spannendsten Fragen des Lebens. Weil wir in vieler Hinsicht es noch nicht gewohnt sind, frei zu sein.

    Jeder kennt es: es gibt Vorgaben, an die wir uns halten müssen, diese strukturieren unser Leben automatisch. Es ist unangenehm, in der Schule zu spät zu kommen oder die Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Es ist unangenehm, kein Geld oder keine Ausbildung zu haben, deswegen strengen wir uns für eine Arbeit an. Und dann – wenn wir frei haben ist der erste Reflex: Endlich nichts machen müssen! Keinen Wecker stellen, keine Aufgaben erledigen.

    Und irgendwann, nach dem „Feierabend“, Wochenende, den Ferien, dem Freisemester, dem Sabbatical –  geht es wieder los. Wir müssen Dinge tun. Es gibt viel zu tun. Aber was in welcher Reihenfolge? Was ist wichtig, was kann liegen bleiben? Und wie bleiben wir motiviert?

    Ich habe mir über die Jahre dazu viele Gedanken gemacht. Einfach weil ich den „Flow“ liebe, einen perfekten Ablauf bei dem man schnell vorankommt und die Zeit für die wesentlichen Dinge nutzt. Und das Ganze auch noch Spaß macht. Weil man am Ende noch viel Zeit übrig hat.

    Denn am Ende ist es ja so: vom Aufwachen bis zum Einschlafen haben wir einen langen Ablauf vor uns, der aus sehr vielen Optionen besteht. Es ist der „Film“, den wir uns selbst drehen, wir sind darin „Drehbuchautor“,  „Regisseur“, „Hauptdarsteller“, „Kameraman“, wir suchen die Drehorte aus, wir bestimmen den Text der gesprochen wird, die Musik, wir sind für das Budget verantwortlich und an uns liegt es, ob er uns gelingt und gefällt. Am Ende schaut niemand außer uns ihn an.

    Und ob es chaotisch oder elegant zugeht, ob wir hinterherhetzen oder freudig voraneilen, ob wir mit uns oder der Welt schimpfen oder uns gemeinsam freuen können, auch das ist unsere Entscheidung. Auf einer ganz praktischen Ebene.

    Die erste und wesentliche Frage ist für mich klar:  Wo wollen wir hin? Was wollen wir mit der Chance der Zeit machen? Wie auch immer wir uns entscheiden werden, alles ist nachher eine Investition von Zeit (unserer Zeit) und Aufmerksamkeit (unserer Aufmerksamkeit), von Energie (unserer Energie) und teilweise auch Geld.

    Natürlich – es kann sich sehr entspannt anfühlen sich das alles nicht zu fragen. Aber, davon bin ich überzeugt, dann werden viele der Fragen von anderen Leuten beantwortet. Denn da draußen gibt es einen gut funktionierenden Mechanismus, der uns Vorgaben macht und der uns beeinflusst, die Dinge zu tun, die sich für andere lohnen.

    Natürlich möchte der Arbeitgeber, für den wir arbeiten von uns etwas, und er arbeitet daran es auch zu bekommen. Und natürlich sind wir Teil einer gut geölten Marketingmaschinerie, die mit Milliardeneinsatz uns dazu bringt, bestimmte Dinge zu wollen, zu machen, zu kaufen. Zu glauben, wir wären davon außen vor ist naiv. Jeder glaubt persönlich, er ließe sich nicht beeinflussen von anderen, Werbung, Nachrichten, etc. Erstaunlicherweise funktionieren die Methoden der Beeinflussung aber dennoch.

    „If you don´t have a plan, you´re part of somebody elses plan“, heißt das schöne amerikanische Zitat dazu.

    Mein System sieht folgendermaßen aus. Ich habe das Leben in sieben Bereiche eingeteilt.

     

    1. Selbstbewusstsein und Lebensfreude
    2. Familie und Freunde
    3. Ordnung, Planung und Verbesserung
    4. Finanzen, Investitionen und Wohnen
    5. Beruf und Karriere
    6. Körper, Urlaub und Gesundheit
    7. Emotionales, geistiges und spirituelles Wachstum

     

     

    Jeder Bereich ist wichtig. Und alles was ich tue, wirkt sich auf einer der Bereiche aus.

     

    Und die Reihenfolge ist auch nicht zufällig.

    Ganz oben steht mein eigenes Wohlbefinden, denn wenn es mir nicht gut geht sind alle weiteren Bereiche nachrangig. Hier gilt es zuerst meine Aufmerksamkeit zu richten. Um beim Bild des Schauspielers zu bleiben – ist dieser nicht fit für seine Rolle, wird aus dem ganzen Film nichts.

    An zweiter Stelle kommen schon die sozialen Beziehungen. Wer seine engsten Beziehungen nicht pflegt, dem fehlt etwas. Und den anderen fehlt auch etwas. Wir sind soziale Wesen, und wir blühen durch andere auf.

    An Stelle drei sehe ich schon etwas, was andere „sharpening the saw“, „die Säge schärfen“ genannt haben. Statt etwas gleich zu tun zuerst zu schauen, wie man es verbessern kann. Das, so sehe ich, hat nach den ersten beiden „grundsätzlichen“ Bereichen den größten Einfluss auf unser Leben.

    Dazu gilt es herauszubekommen, welche Ordnung die Dinge für einen im Leben haben sollen. Es gilt Routinen herauszuarbeiten, die funktionieren. Es vergeudet enorm viel Zeit und Energie, jeden Tag Dinge ohne System zu tun. Der ganze Tag besteht aus erfolgreichen oder weniger erfolgreichen Routinen.

    Das, was ich gerade hier tue ist Teil von Bereich 3: Ich frage mich: Wo will ich hin, was ist mein Plan, wie kann ich ihn verbessern, wie kann ich eine größere Ordnung erzeugen? Und wie kann ich ihn mit den anderen Bereichen verbinden? Das ist eine der Gründe, warum ich mit dem Bloggen angefangen habe und es fortsetzen werde.

    Ich könnte mir die Gedanken auch nur für mich machen. Aber so decke ich mehrere Bereiche zugleich ab. Ich tue etwas, was mir gefällt (zu schreiben): Bereich 1. Ich teile es mit anderen, die vielleicht davon auch etwas haben (Bereich 2). Und ich arbeite an der Verbesserung (Bereich 3).

    Bereich 3 ist auch aus meiner Sicht der Bereich, der das moderne Leben am meisten bestimmt. Hier sind die Techniken zu finden, die unser Leben verbessern und erleichtern. Seit wir angefangen haben, darüber nachzudenken wie etwas besser laufen kann ist hier sehr viel passiert. Und wir sind immer noch ganz am Anfang, davon bin ich überzeugt. Noch läuft ein Großteil unseres Lebens schlecht organisiert und schlecht geplant ab, und es könnte verbessert werden. Und die Techniken hierzu, ob es geistige Techniken, Software oder handfeste Geräte sind, befinden sich in einem rasanten Wachstumsprozess. Ich werde dazu ein anderes Mal mehr schreiben

     

    Bereich 4 sind die „materiellen“ Dinge. Das Geld, die Frage wo wir unser Geld und unser Arbeitszeit investieren;  und was wir uns kaufen, wo und wie wir wohnen. Auf einer Art ist es für mich wichtig herauszubekommen wie wir uns weniger abhängig machen können von den „Dingen“. Von einer anderen Seite her betrachtet ist es aber so, dass wir hier oft zu wenig hinschauen und uns nachher wundern, warum die „materiellen“ Dinge unser Leben so stark prägen. Ob wir es wollen oder nicht. Denn was vernachlässigt wird, drängt sich gerne in den Vordergrund.

     

    Bereich 5 handelt von Schule, Ausbildung, Beruf, Arbeit. Ich trenne es vom Geld, weil es unterschiedliche Themen sind. Wir haben auch die „Berufung“, etwas zu tun, wenn wir genug Geld haben. Es überschneidet sich teilweise – wir tun Dinge um Geld zu bekommen. Aber meist haben wir höhere Ziele die uns motivieren uns anzustrengen.

     

    Bereich 6 beinhaltet viele der „schönen Dinge“ im Leben. Es geht um den Körper, die Erholung, die Gesundheit, den Urlaub. Um Sport und Entspannung. Um Feiern und Loslassen. Für mich ein wesentlicher Bereich, der oft die Motivation für vieles andere darstellt. Wer hat noch nicht einmal auf den „Urlaub“ oder nur auf das „Wochenende“ hingefiebert. Und sich danach wie „neu“ gefühlt. Ich habe die ganze Schulzeit gedacht, der Sinn der Schule sind die Schulpausen und die Ferien.

     

    Bereich 7 schließlich ist der Bereich, wo wir uns entwickeln wollen, den Horizont erweitern, wachsen. Ob es ein gutes Buch, faszinierende Musik, gemeinsame Erfahrungen sind. Ich habe diesen Bereich unter emotionalem, geistigem und spirituellen Wachstum zusammengefasst. Dort erfahren wir, dass wir nach Höherem streben, dass wir einen Sinn suchen und ihn erfahren können, dass wir fasziniert, begeistert, inspiriert, erfüllt und neugierig, dankbar und offen sein können.

    Es ist der Bereich, in dem wir uns oft aufhalten, wenn wir in allen anderen Bereichen bereits Zufriedenheit und Sicherheit erreicht haben. Und wo wir wissen oder ahnen können, dass es eine Verbindung gibt zwischen allem: den vielen Aspekten unseres Lebens, den anderen, der Erde, dem gesamten Universum.

    Was bringt das nun im Alltag? Mir hilft es täglich als Orientierung. Ich weiß, dass alle Bereiche Aufmerksamkeit brauchen, und ich kann erkennen, ob etwas was ich vorhabe oder mache für einen dieser Bereiche hilfreich ist. Das hilft dabei, Prioritäten zu setzen und mich richtig zu entscheiden, wofür ich ein paar Minuten meiner Zeit und Aufmerksamkeit nutzen will.  Ganz getreu des Bereichs 3 notiere ich mir deshalb häufig Anfangs- und Endzeitpunkt bei Dingen die ich tue um zu schauen, was habe ich wirklich an Zeit hereingesteckt? Was ist dabei herausgekommen? Auch das hilft um zu lernen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Oft brauchen wesentliche Dinge sehr wenig Zeit.

    Und in ruhigen Momenten, wenn ich mir einmal etwas mehr Zeit nehme, schreibe ich für alle sieben Bereiche auf was ich für Ziele habe und was ich jetzt konkret tun kann, um diesen Zielen näher zu kommen. Es hat eine erstaunliche Kraft.

    11.38. Das waren jetzt genau 90 Minuten. Sie fühlen sich wertvoll genutzt an. Jetzt kann es weiter gehen mit der Liste der Dinge, die erledigt werden wollen. Weil ich jetzt wieder einen größeren Rahmen habe.

     

  • Relax!

    Samstag, 1. September 2018

    Warum wir uns entspannen dürfen

    Auch wenn es anders aussehen mag, so ist die Geschichte der Menschheit eine Geschichte des Fortschritts und der Entwicklung. Ein Teil der Entwicklung sind bessere Lösungen für Probleme. Wie der Philosoph Raimund Popper so treffend bemerkte: „Leben ist Probleme lösen“. Dies ist aber auch kein linearer Prozess, es geht eher wie auch sonst oft im Leben zwei Schritte vor und dann wieder einen zurück.

    Generell aber ist mittlerweile den meisten Menschen klar, das Gewalt keine optimale Lösung darstellt, egal ob im privaten oder gesellschaftlichen Bereich. Das ist neu, denn noch das letzte Jahrhundert war stark vom Glauben an Gewalt geprägt. Gewalt als natürlicher Weg der Entwicklung, wie es in der Extremform im Nationalsozialismus zum grausamen Experiment führte, die Stellschraube ganz Richtung Gewalt einzustellen. Aber auch der Sozialismus war geprägt durch den Glauben an den durch revolutionäre Gewalt herbeigeführten Wandel, auch  mit dem Preis von Millionen unschuldiger Opfer.

    Grundsätzlich zeigen aber alle relevanten Forschungen, dass je „ursprünglicher“ eine Kultur war, auch Gewalt mehr Teil des Alltags war. Unter Steinzeitmenschen starb jeder siebte durch Gewalt, wenn man nur die sichtbaren Knochenschäden untersucht. Je mehr die Gewalt aber monopolisiert wurde, auf den Staat übertragen wurde, um so mehr nahm die Gewalt ab.

    Dieser Trend ist global. Ausnahmen bestätigen hier wie immer die Regel. Natürlich ist die Gewalt die derzeit im Jemen oder Südsudan ausgeübt wird grausam und erschreckend. Sie ist aber nur Teil einer älteren Geschichte, von der wir uns langsam aber sicher verabschieden.

    Denn spätestens nach dem 2. Golfkrieg, der nach 2000 Milliarden Kosten und vielen 100.000 Toten auch 15 Jahre später für die Region kein überzeugenden Verbesserung gebracht hat, sind auch die letzten Kriegsbefürworter leise geworden. Es mag noch die absoluten Ausnahmesituationen geben, wo kriegerische Gewalt sich lohnt – alternative Optionen werden auch all denen mittlerweile attraktiver erscheinen, die sich damals über den „revolutionären“ „arabischen Frühling“ zu früh gefreut haben. Manchmal, so erscheint es, ist ein Gadaffi (oder auch Assad?) immer noch das geringere Übel, wenn man die realen Alternativen der rivalisierenden Bürgerkriegsparteien oder auch nur „Warlords“ sieht, die etwa jetzt Libyen beherrschen.

    Aber: wir leben eben gerade nicht in einer Welt, die von immer mehr Gewalt bedroht wird, sondern in einer, in der die besseren Lösungen sich durchsetzen. Weil Transparenz und Aufklärung, die unveräußerlichen Menschenrechte und eine sich immer mehr differenzierende Kulturentwicklung bessere Lösungen bietet. Ein Startup ist besser geeignet, jungen Menschen die die Welt erobern wollen einen geeigneten Platz für ihre Ambitionen zu bieten als das Militär. Und Che Guevara mag weiter seinen festen Platz in der Heldenriege der bärtigen jungen Weltverbesserer neben Jesus und Marx behalten – er spielt mit seiner Idee des bewaffneten Bürgerkriegs heute nur noch in den Köpfen von Menschen eine Rolle, die fern der Segnungen der Moderne aufgewachsen sind oder ein großes Vaterthema zu bewältigen haben.

    Droht aber jetzt der rechtsradikale Mob die Städte der Welt zu erobern und müssen wir befürchten, zurück in die Barbarei zu stürzen? Ich glaube, es täte uns auch hier ein gutes Stück Gelassenheit und Entspannung gut. Angst ist kein guter Lehrmeister, und die meisten der Empörungen und Warnungen erscheinen mir gutgemeint, aber sie beunruhigen doch mehr und dienen damit denjenigen, die mit der Beunruhigung angefangen haben. Und deren Methode Angst zu schüren ist.

    Nein, es hat sich nicht über Nacht ein rechtextremes Weltbild ausgebreitet, so glaube ich. Viele Elemente wie etwa die Vorurteile gegenüber Fremden sind soziologische Phänomene, die es schon immer gab, und die ihre Wurzeln vermutlich in evolutionären Vorteilen haben. Es hilft eben für das Zusammengehörigkeitsgefühl, wenn man sich gegen den Nachbarort, die zugezogene Minderheit oder irgendeine andere „unnatürliche“ Menschengruppe verbindet – auch wenn die rationalen Gründe immer an den Haaren herbeigezogen sind. Aber – das ist kein neues Phänomen, spätestens seit der Aufklärung arbeiten die fortschrittlichen Akteure mit der Kraft der Rationalität hier gegen an. Mit erstaunlichen Erfolgen.

    Wer war „schwul“, als ich noch zur Schule ging? War es damals vorstellbar, dass der Chef der wertvollsten Firma der Welt homosexuell ist (Tim Cook von Apple)? Der Bürgermeister von Berlin? Der deutsche Außenminister? Aufklärung funktioniert, heute halten die Mehrheit der Deutschen dies für vollkommen normal. Die Forschung zeigt, dass sich hier in 30 Jahren ein fundamentaler Wandel in der Gesellschaft vollzogen hat.

    Und genau deswegen.- es gibt sie noch, die veralteten Überzeugungen. Wo die WASP, die weißen angelsächsischen  männlichen Protestanten die besseren Menschen sind, die naturgegeben auf den Rest der Welt herabschauen können. Natürlich wissen wir heute zumeist, dass dies Unsinn ist. Keine Firma von Weltruf, die nicht mittlerweile bei ihrer Talentsuche Diversity ganz oben stehen hat – einfach weil Talente normalverteilt sind und sich nicht durch Hautfarbe, Geburtsort oder sexuelle Preferenzen vorhersagen lassen.

    Das überrascht auch uns heute immer noch  – weil wir natürlich noch nicht in einer Welt leben, in der Frauen, Nicht-Weiße, Nicht-Christen, Homosexuelle etc. vor Benachteiligungen oder Vorurteilen geschützt sind. Aber – langsam aber sicher verbessert sich die Welt, die Wissenschaft und die besseren Methoden verbreiten sich und überall gibt es eine Tendenz, in die gleiche Richtung zu streben. Die Richtung, die Idealisten und Aufklärer vor einigen hunderten von Jahren in ihren aus der Zukunft kommenden Erklärungen aufgezeigt haben.  Es wird nicht überall gleichzeitig und in der gleichen Geschwindigkeit voranschreiten. Die Bewusstseinsentwicklung ist auch nicht, wie es sich einige vorgestellt haben, ein revolutionärer Prozess. Es ist die langsame Kraft der Evolution, die Verbesserung in kleinen Schritten in tausenden von Seitenästen, die auf die Dauer die Entwicklung bringt.

    Ist es also bedauerlich, dass wir noch nicht in der idealen Welt leben? Und es Menschen gibt, die aus ihrer individuellen Benachteiligung oder mangelnden Fähigkeiten heraus für sich eine schlechtere Option als Lösung wählen – ob es aus Unwissenheit, Unvernunft oder „bösem Willen“ sein mag? Ich glaube nein. Und ich glaube auch: Die Welt entwickelt sich in die richtige Richtung weiter, trotz eines Donald Trump oder Demonstrationen von Rechtsradikalen.

    Am Ende glaube ich vor allem an die individuelle psychologische Perspektive. Neueste Studien zeigen, dass sich bei den Attentätern der letzten Jahre praktisch immer ein individuelle Traumatisierung aufzeigen lässt, die zu so starker Beschädigung der Psyche geführt hat, die lange vor der intellektuellen Radikalisierung eine übertriebene Gewaltneigung zur Folge hatte. Die Ideologie war dann das Ventil, das der Gewalt auf einmal eine Erlaubnis gab – eine gefährliche Kombination. Aber was wir brauchen ist weniger Traumatisierung. Das auch dies eine große Aufgabe ist, zeigen nicht nur die „Spitze des Eisbergs“ der in so vielen katholischen Jugendorganisationen jetzt thematisierten Missbrauchsthematik, sondern vermutlich eine immer noch hohe Rate an verdeckter Gewalt dort, wo sie immer am häufigsten war: daheim.

    Daheim und in der Schule war Gewalt alltäglich. Unsere Kinder sind die erste Generation vermutlich seit es Menschen gibt, in der das uralte Ritual der Gewalt-Hackordnung auf der Straße oder dem Schulhof nicht mehr die Regel ist. Wo daheim nicht mehr geschlagen wird, und in der Schule mit Gewalt Ordnung durchgesetzt wird. Wir wissen heute, dass dies Kinderseelen Schaden zufügt. Und diese Traumas lebenslang ihre Folgen zeigen.

    Und keiner meiner Jungs hat mir je von einem Kampf auf dem Schulhof erzählt – als ich damals 1977 von Peru nach Deutschland kam, war eine der ersten Erfahrungen von mir dieses uralte klassische Ritual – ich im Ringkampf auf dem Schulhof, wie hätte es einem zugezogenen aus dem „Busch“ auch anders ergehen sollen…

    Gewalt nimmt ab, weil sie eine ineffiziente Lösung darstellt. Aber wo sich die körperliche Gewalt auf dem Rückzug befindet ist damit noch nicht ihre Schwester, die verbale Gewalt verschwunden. Es gibt ein wunderbares Training von Marshall Rosenberg über „Gewaltfreie Kommunikation“. Wer ihm zuhört wird klar, dass unsere Sprache noch aus der langen Tradition der Kriege geprägt ist und es zum üblichen Repertoire gehört zu verletzen, wenn wir nur glauben ganz normale Aussagen zu treffen. Jeder Streit zwischen Partnern besteht zu großem Teil aus genau diesen Fehlern – anstatt von den eigenen Gefühlen zu reden dem anderen Dinge zu unterstellen,. Wir haben es so gelernt, immer noch. Und leider sprechen wir dann auch mit uns so.

    Würden wir uns einmal in den inneren Dialoge eines Rechtsextremen hineinschalten können, würden wir sehr viele vernichtende Urteile hören – die dieser über sich selbst ausspricht. In dieser Sprache spricht er dann auch nach außen.

    Aber auch da: Es gibt eine unglaubliche Entwicklung die die Menschheit hier in den letzten Jahrzehnten zurückgelegt hat. Wir sind dabei, auch mit uns liebevoller umzugehen. Weil wir es können. Weil die Welt leichter geworden ist, und wir deshalb von dieser unerhörten Leichtigkeit etwas weitergeben können. An die Menschen um uns und an unsere Kinder.

    Aber – und da liegt, so glaube ich immer noch ein großes Problem: Auch wenn wir freundlicher, gewaltärmer geworden sind, so sind wir nicht weniger anfällig für Ängste geworden. Ängste sind evolutionär von Vorteil, weil sie uns vor Gefahren schützen. Aber, wie wir auch durch Nobelpreisträger wie den Wirtschaftspsychologen Daniel Kahneman wissen: Menschen überschätzen Risiken und unterschätzen Chancen. Dies macht sie manipulierbar und dadurch werden viele Chancen nicht genutzt.

    Und weil schlechte Nachrichten eine höhere „Klebrigkeit“ haben als gute Nachrichten – je schrecklicher oder bedrohlicher umso eindrücklicher bleiben sie haften – so erleben wir im Alltag eine einzige Abfolge von schlechten Nachrichten als Tagesschau, Tageszeitung oder Web-News-Feed. Und glauben am Ende tatsächlich daran, die Welt würde immer gefährlicher, gewalttätiger und wir sollten mehr und nicht weniger Angst haben. Dabei, so glaube ich wäre der wichtigste Schritt uns immer erst einmal aus dem allgemeinen „Alarmismus“ der Moderne zu distanzieren und uns zu entspannen. Und in Ruhe, mit einem guten Gefühl und dem nötigen Abstand zu schauen was wirklich dringend, wichtig und vorrangig ist. Und wohin sich die Welt entwickelt und was wir dafür tun können, damit es jeden Tag noch einen Schritt weiter in die richtige Richtung geht. Im Kleinen wie im Großen. Mit den richtigen Gedanken und Taten. Und immer schön entspannt.

  • Stell dir vor, alles ist gut

    Dienstag, 28. August 2018, daheim

    Stell dir vor, alles ist gut.

    Unsere Gedanken beeinflussen die Wirklichkeit. Das ist eine einfache Wahrheit, an die ich mich immer wieder neu erinnern lasse. Heute durch den Artikel im New Scientist vom 27. August 2018: „Mind over matter: You really can think yourself healthier and happier“. Und schon das zu lesen gibt mir neuen Schwung.

    Warum können wir mit dem gleichen Körper an einem Tag voller Energie sein, großartige Leistungen vollbringen und uns blendend fühlen – und am nächsten Tag nicht? Viele suchen nach den materiellen Ursachen – Ernährung, Schlaf, physikalische Ursachen. Aber – den größten Einfluss hat, was wir glauben!

    In der Medizin kennt man ihn seit langem, den Placebo-Effekt. Dennoch wird über ihn bisher viel zu wenig geforscht. Denn es bleibt rätselhaft, warum wir in fast allen Dimensionen unsere körperlichen und geistigen Zustände messbar verbessern können, allein weil wir glauben wir hätten ein Medikament eingenommen das uns hilft. Häufig sind die wirksamen Medikamente in ihrer Wirksamkeit kaum vom Placebo-Effekt zu unterscheiden. Bei Kopfschmerzen hilft Aspirin – aber auch fast genauso häufig das Placebo.

    Operationen können Schmerzen nehmen – aber auch unwirksame Operationen, sie sind bei vielen Krankheiten ähnlich wirksam wie ein Eingriff der funktioniert. Es gibt praktisch keinen Bereich, bei der der Glaube an die Wirksamkeit nicht auch schon Effekte gezeigt hat.

    Wie das funktioniert ist für die Medizin ein Rätsel. Aber wir können diese Erkenntnisse nutzen. Denn es handelt sich hier um eine Art Selbsthypnose. Wir machen uns selbst klar, dass etwas wirkt, und dann wirkt es auch.

     

    Im Artikel des New Scientist wird von einer Forscherin berichtet, die die letzten 10 Jahre mit dem Thema Placebo geforscht hat. Es gibt viele erstaunliche Erkenntnisse dabei. So ist es für die Gesundheit wirksamer, zu glauben man sei körperlich fit als tatsächlich Sport zu treiben. Nicht dass der Sport nicht wirksam ist – zu glauben man sei fit ist nur noch wirksamer. Getestet an über 60.000 Menschen mit harten Daten wie Überlebensrate und körperlichen Messwerten.

    Auch zum Thema Stress gibt es erstaunliche Erkenntnisse. Teilt man Reinigungspersonal bei ihrer Einarbeitung mit, dass ihre Arbeit nach wissenschaftlichen Empfehlungen gesundheitsförderlich sei, so verbessert sich trotz der harten Arbeitsbedingungen ihre Gesundheit. Aber nur bei denen, die vorab entsprechend informiert wurden.

    Und wer ist besonders erfolgreich als Unternehmer? Der, der die Dinge realistisch sieht und einschätzt, oder der mit der „rosaroten Brille“, der seine eigenen Fähigkeiten überschätzt und die Herausforderungen unterschätzt? Natürlich der, der seine eigenen Fähigkeiten zu hoch einschätzt.

    Oder das Thema Schlaf: Es kommt weniger darauf an, ob man schlecht oder wenig schläft, solange man selbst glaubt gut zu schlafen. Der gefühlt oder geglaubt schlechte Schlaf dagegen verschlechtert die Gesundheit – unabhängig davon ob man tatsächlich messbar weniger oder unruhiger geschlafen hat.

    Und dann die Ernährung: kaum hört man, ein Essen sei besonders kalorienarm und somit besonders gesund, so stellt sich weniger Sättigung ein – obwohl sich die Kalorienzahl gar nicht geändert hat.

    Es sind erstaunliche Studienergebnisse. Harte, belastbare Ergebnisse von renommierten Autoren, keine Infos aus dem Netz. Sie unterstützen die vielen Studien, die ich bereits gelesen habe, bestärken und erinnern mich.

    Und ich denke mir gleich: Stimmt, was denke ich denn gerade? Wo habe ich einen einschränkenden Glaubenssatz? Was glaube ich ist nicht optimal?

    Als Erstes fällt mir wieder ein, dass ich die bestärkenden Sätze aufschreiben sollte. So oft wie möglich, täglich am Besten. Denn auch das sagt die Forschung – ein großer Teil des sich schlecht Fühlens kommt aus dem Vergleichen und den schlechten Botschaften, dem Einfluss von außen.

    Ich kenne das ganz genau. Es war eine entscheidende Erkenntnis im Studium, warum ich nicht mehr zu Vorlesungen und Lerngruppen gegangen bin. Die Umgebung hat mich immer gestresst. Es war unmöglich dort zu sein und nicht von irgendjemandem angesteckt zu werden, der sich Sorgen macht oder jemand zu sehen oder von ihm zu hören der es gründlicher, ordentlicher, besser macht. Ich habe es körperlich gefühlt, ich fühlte mich nicht wohl. Daheim oder allein in der Bibliothek dagegen habe ich gut lernen können – ohne mich gestresst zu fühlen.

     

    Und was hat mich frei und stark gemacht? Ich habe es mir selbst erlaubt freundlich, positiv und unterstützend zu mir zu sprechen, indem ich schreibe. Ich habe mir die Übung gestellt, alles so positiv zu beschreiben dass es gerade noch glaubhaft ist. Wo die Grenze liegt kennt jeder ganz genau. Aber ich habe mich eben getraut, mich und die Welt positiver zu sehen als man es üblicherweise aussprechen oder lesen kann. Und ich habe mich meist auch davor gehütet, darüber zu sprechen.

    Denn ich weiß – da draußen ist immer jemand, dessen „kritischer Geist“ einen Einwand finden würde. Vor allem mein eigener kritischer Geist würde dann sich gestärkt fühlen

    Und dann ist mein schönes, friedliches Gefühl mit mir im Einklang zu sein vorbei und ich befinde mich im anstrengenden Diskussions – und Rechtfertigungsmodus. Unterstützt vom allgemeinen Negativton, der von so vielen Zeitschriften wie Spiegel und Zeit typischerweise verwendet wird, wenn es um das „positive Denken“ geht. Gefährlich, oberflächlich, amerikanisch etc…

    Denn – ich bin kein geborener Optimist, ich kann sehr gut auch alles negativ sehen. Ich kenne den Zustand, und ich weiß wie es sich anfühlt. Ich habe mich nur irgendwann dagegen entschieden und entschlossen, diesen Weg nicht einzuschlagen. Weil er mir nicht guttut.

    Aber selbst der Spiegel schreibt heute in einem Artikel: „stell dir vor, alles wird gut“ – um darauf hinzuweisen, dass die vielen Probleme vor denen wir in der Politik stehen gelöst werden können. Ja, dass dies gar nicht unwahrscheinlicher ist als das Negativszenario.

    Am Ende zählt aber das Ergebnis. Sportler, die sich für unfehlbar halten, machen nicht mehr Fehler als ihre realistischeren, kritischen Zeitgenossen. Sie machen weniger Fehler. Allein die Vorstellung perfekt zu sein hilft dabei. Und so fahre ich seit 40 Jahren mit Fahrrad, Motorrad und Auto durch den Verkehr – immer mit dem Glaubenssatz: „Ich mache keinen Unfall, ich fahre fehlerfrei und hochkonzentriert.“. Auch jetzt wieder um die Welt. Es hilft. Ich habe noch nie einen Unfall gemacht und habe es auch nicht vor.

    Am Ende geht es nicht um richtig oder falsch. Auch das ist wieder eine Entscheidung, die man eingeführt hat weil sie praktisch ist, aber nicht weil sie immer passt. Natürlich sind wir keine Magier und können alles bestimmen, so sehr wir daran glauben. Aber vor allem sind wir keine passiven Opfer der materiellen Wirklichkeit, wir haben einen großen Einfluss. Es kommt darauf an ihn so weit wie möglich zu nutzen.

    Aus meiner Erfahrung ist es am Wirksamsten, tatsächlich alles einmal aufzuschreiben was wir denken. Viele ist bereits positiv, es wird dadurch verstärkt. Es ist aber auch manches dabei was nicht positiv oder unterstützend ist. Diese behindernden Glaubenssätze gilt es mit besseren Sätzen zu ersetzen. Das ist ganz einfach. Man schreibt einfach eine bessere Version auf, eine besser Version die glaubhaft ist. Ich glaube nicht, dass die Umwelt nicht in Gefahr ist, das wäre Unsinn. Ich glaube, dass wir noch mehr Lösungen finden werden, sie wirksam zu schützen.

    Die erstaunliche Kraft der Glaubenssätze überrascht mich immer wieder von Neuem. Ich bin immer noch dabei, ihr Potenzial ganz zu nutzen. Ich weiß aber aus 30 Jahren Tagebuchschreiben, dass ein Großteil der Dinge, die ich in diesen Jahren als positivem Glaubenssatz, als Ziel, als Wunsch, als Plan aufgeschrieben habe, tatsächlich Wirklichkeit geworden sind. Oft ist die Genauigkeit kaum zu glauben. Aber in dem ich das Ergebnis überprüfen kann, ist mein persönliches Experiment eine wunderbare Bestätigung der Forschungsergebnisse.

    Und es geht damit weiter. Ich glaube, dass es sich lohnt dieses Wissen auch weiter zu nutzen und zu verbreiten. Es gibt immer noch viel zu tun. Ich freue mich darauf.

  • Wieder im Alltag angekommen

    Sonntag, 26. August 2018, 21,47, daheim

    Die erste Woche in der Schule ist also geschafft. Jetzt sind wir wieder im Alltag angekommen. Und es ist ein guter Start gewesen. Heute auf der Heimfahrt mit den Rädern aus Kreuzberg meinte Velis dann: Können wir nicht wieder auf Weltreise fahren? Morpheus stimmt ein. Aber Lysander findet es gut, wieder hier zu sein. Sein erster Satz, als er am ersten Schultag wieder nach Hause kam: „Endlich wieder normal!“

    Bei Velis war die erste Woche noch Projektwoche und er konnte sich so langsam wieder an die Regeln des deutschen Schulalltags gewöhnen. Und Lysander, der jetzt aufs Gymnasium, geht hat  festgestellt, dass auch da nicht jeder im letzten Jahr nur den optimalen Mathe-Unterricht hatte. Bei manchen war er aus Lehrermangel ausgefallen, andere kommen von freien Schulen und müssen auch Stoff wiederholen.

    Irgendwie also ganz normal, und unsere Kinder fielen gar nicht so viel weiter auf. Erleichterung auch bei den Eltern, die sich darüber doch gelegentlich Gedanken gemacht hatten. Und so ist die erste Woche wie überall davon geprägt, die vielen Hefte zu beschriften, das ganze Material zu besorgen und das Leben so zu organisieren dass wieder alles funktioniert.

    In der Kita war es eine große Freude alle wiederzusehen und beim ersten Geburtstag und einer Einschulungsfeier durften wir die eine oder andere Geschichte erzählen. Ob wir schon wieder angekommen sind? Auf eine Art geht es erstaunlich schnell, wenn man erst mal wieder mit den vielen Dingen beschäftig ist die das Leben hier so ausmachen. Auf einer anderen Art auch nicht, weil sich Dinge geändert haben in der Perspektive und doch alles mit einer größeren Gelassenheit betrachtet wird – bei mir wie bei Nadine.

    Gerade im Rückblick stellen wir fest, man hat so viel erlebt, so viel hat funktioniert, warum sollte es jetzt nicht auch so gut weitergehen?  Und natürlich gibt es auch die Dinge die man unterwegs vermisst hat und die in Deutschland, Berlin und natürlich in unserem Kiez am Schönsten sind.

    Ich freue mich wieder dass ich mehr Gelegenheit zum Laufen habe. Und darüber, dass das Wetter und die Landschaft in Deutschland im Sommer einfach wunderbar sein können. An der Weser entlang zu laufen morgens und nur Schafen oder Kühen zu begegnen ist wunderbar. Es gibt in Deutschland eben auch viele Ecken wo wenig Menschen leben und viel Natur zu sehen ist.

    Die Kinder führen weiter gerne ihre kleinen „Theaterstücke“ auf, jetzt handeln diese oft von Pannen in der Wüste, wo man das Auto reparieren muss und einen Monster angreifen können. Auf dem Wesersand lässt sich sehr gut spielen.

    Diese „unbekannten“ Ecken in Deutschland, wie die Gegend der Unterweser sind für mich tatsächlich Orte, die ich mit nichts auf der Welt tauschen wollte. Irgendwie ist auch ein Ergebnis unserer großen Fahrt dass man merkt, wie schön es daheim sein kann.

    Nach der Rückkehr von der Weser am Sonntag dann nach dem Start in Berlin ging es bei mir schon wieder am Mittwoch nach Hamburg. Im Sonnenschein auch eine schöne Fahrt, und sehr vertraut dort wieder in Meetings und vor dem Rechner zu sitzen.

    Inspiriert von unserem Freunden in San Francisco, die begeistert im Triathlon unterwegs sind bin ich nach meinen morgigen Runden von 10 km durch den Friedrichshain Stadtpark heute dann mal noch auf das Fahrrad gestiegen und zum Orankesee gefahren – möglichst schnell. Und dort dann 500 Züge Kraul geschwommen. Das Erstaunliche, fand ich: Wie so oft ist es eine Einstellungssache – ich kann mich nicht erinnern wann ich zuletzt so viele Züge kraul geschafft habe. Normalerweise bin ich nach 30 Zügen außer Puste und schaffe die 100 Züge gerade so. Irgendwie war ich so motiviert, dass es ganz leicht war. Und es fühlt sich so gut an, dass ich dieses Programm unbedingt fortsetzen und ausbauen will. Wie schreibt der neueste New Scientist:

    Slimmer. Fitter. Less stressed: How a positive mind really can create a healthier body.

    Ich freue mich schon auf den Artikel. Denn ich weiß – diese Verbindung ist für mich entscheidend, und ich glaube „mind over matter“ – unser Geist, unsere Einstellung hat die Kraft, die Materie zu beeinflussen. Positiv zu beeinflussen.

    Und ich freue mich jeden Tag über die Freunde, die ich auf der Straße wieder treffe oder mit denen wir das erste Wiedersehen feiern. Es fehlen noch ganz viele – und das sind schöne Aussichten auf viele liebe Menschen, die wir in den nächsten Wochen wiedersehen werden.

  • Unsere Vision

    Mittwoch, 22. August 2018, daheim zurück aus Hamburg

    Vor einem Jahr sind wir aufgebrochen, um mit den Kindern um die Welt zu reisen. Was hat uns angetrieben, diesen Schritt zu tun? Wir hatten eine gemeinsame Vision, die wir auch vor der Reise aufgeschrieben haben. Ich schaue sie mir jetzt noch einmal mit neuen Augen an. Und ich möchte sie teilen.

    August 2017

    Unsere Vision: 

    • Wir bauen unsere Beziehung weiter aus,  gebaut auf Vertrauen, Ehrlichkeit, Offenheit, Intensität und Wachstum;   und geben dafür alles – mit der Vision, in diesem Leben und darüber hinaus gemeinsam den Weg ganz zu gehen
    • Wir bauen unsere Familie weiter aus, und öffnen für die Kinder einen geborgenen, sicheren Raum in dem Wachstum, Liebe und die Welt entdecken möglich ist. In der diese stark, geliebt, selbständig und frei in der der Welt heranreifen und ihrer eigenen unvergleichlichen Persönlichkeit einen Ausdruck verleihen und ihren eigenen Weg gehen können.  
    • Wir bauen unseren Freundeskreis weiter aus – mit dem Ziel, zu teilen, Kraft, Liebe und Stärke zu geben und die Verbindung zum Großen, Ganzen und Wunderbaren spürbar zu lassen.  Uns zu verbinden und zu vernetzen – über das ganze globale Dorf, emotional wie technologisch. 
    • Wir bauen unsere Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit weiter aus: mit dem täglichen Fokus auf die Vision und die kleinen Schritte: durch die Projekte und Investitionen mit dem Ziel, nach unseren Vorstellungen und Interessen von überall  arbeiten zu können wie wir es wollen. Dazu bauen wir unsere Homebase für uns und unsere Kinder in Berlin aus und sind zugleich Teil der globalen „sharing economy“. 
    • Wir bauen den Weg der Befreiung weiter aus. Im Kleinen durch Selbsterfahrung und mutige Schritte, im Freundeskreis durch Teilen, mitteilen und einladen und im Großen durch schrittweisem Vernetzen, geben und aktiv den Weg gestalten, zusammen mit allen, die diese Leidenschaft teilen und darüber hinaus. 
    • Wir bleiben fasziniert und neugierig,  offen für Veränderungen, mit dem „Geist des Anfängers“ für neue Erfahrungen, Ideen, Möglichkeiten, nehmen diese an und nutzen sie und erforschen gemeinsam mit den Kindern neue Wege des Lernens, Wachsens und kreativ Gestaltens: Unseres eigenen Bewusstseins, unseres Lebens, der ganzen Welt. 
    • Wir sind Wegbereiter des universalen Bewusstseins auf seinem Weg durch die Evolution hin zu einem höheren Zustand, den wir gerade erst halb geschritten sind. 

    Dafür: 

    • Nehmen wir uns ein Jahr frei, um die Welt mit den Kindern zu bereisen und uns darin neu zu entdecken
    • Arbeiten wir kontinuierlich und mit hohem Einsatz an Energie, Liebe, Aufmerksamkeit und Intelligenz an unserer gemeinsamen Vision – täglich in den kleinen Schritten
    • Üben wir uns im Annehmen, Vertrauen, Öffnen, Geben, gemeinsam Wachsen und den anderen frei sein lassen zu können
    • Sind wir dankbar, dass wir dieses Geschenk des Lebens in seiner wunderbaren Vielfalt gemeinsam mit so viel Glück und Tiefe erleben dürfen

    Konkret:

    • Besprechen wir uns regelmäßig und unterstützen uns gegenseitig
    • Fokussieren wir uns auf die wesentlichen Dinge, um diese voranzutreiben
    • Nutzen wir Werkzeuge wie To-Do-Listen, gewaltfreie Kommunikation, Meditation, Getting Things Done, Checklisten, kurzes fokussiertes Schreiben  und all die Methoden, die uns auf diesem gemeinsamen Weg unterstützen können
  • Meine 10 Gebote

    Mittwoch, 16. August 2018, 23.50 Uhr an der Unterweser

    Meine 10 Gebote

    Es muss 20 Jahre her sein, da habe ich einen kleinen „Spickzettel“ für den Geldbeutel erstellt und in kleiner Schrift augedruckt. Wie bei jedem guten Spickzettel wirkt er meist am Besten, wenn man ihn nicht nutzt. Aber er hat doch gute Dienste geleistet, war immer dabei. Und über die Jahre habe ich ihn immer mal wieder durchgelesen. Wenn ich gerade nichts anderes zu tun hatte. Oder Inspiration gesucht habe. Auf eine Art stellt er aber sehr gut das zusammen, was ich mir auch heute noch inspiriert: Und bevor der Zettel unleserlich geworden ist, habe ich ihn einfach heute Abend noch mal abgeschrieben:

     

    1. Trust in existence

    You are truly at home in the universe. You have nothing to lose, but everything to win. Alles was du befürchtest sind bloß deine eigenen Projektionen. Die Wirklichkeit ist unendlich gut. Du bist bereits erlöst. Du bist bereits erleuchtet.

    1. You create your own reality

    Every morning you decide. Every moment is your choice. You have the power. Wer erkannt hat, dass er der Schöpfer seines eigenen Universums ist, dessen Leben wird nie wieder gewöhnlich sein. 90% aller Fehler entstehen nicht durch mangelnde Logik, sondern durch die falsche Wahrnehmung, Alles hängt von deiner Perspektive ab. Alles hängt von deinem Referenzsystem ab, nach dem du deine Wirklichkeit konstruierst. Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen. Alles ist möglich,  minus X. X muss durch deine Erfahrung bestimmt werden. Mein Glaube ist unglaublich. Buddha: Alles was du bist, sind deine Gedanken. NLP: Wir reagieren nicht auf die Außenwelt, sondern auf unsere Abbildung der Außenwelt. Die Karte ist nicht die Landschaft. Das Wort ist magisch. Fuller: Experiencing is the key.

    1. Follow your nature

    Tu was du willst. Wenn du deiner persönlichen Legende folgst, wenn du deinen Traum verwirklichst, wenn du dich selbst entfaltest, wenn du dir bei deiner eigenen Entfaltung nicht in Wege stehst, wenn du dich traust du selbst zu sein, wenn du dir bei der Realisierung deines höheren Selbst hilfst, dann verschwört sich das Universum dir dabei zu helfen. Try it. Feel it. See it. Believe it.

    1. Take control and let it flow

    Handel. Übernimmt die Kontrolle über dein Leben. Fokussiere dich. Konzentriere dich. Stehe im Mittelpunkt. Sei ein Kraftzentrum. Steh im Mittelpunkt deines Lebens. Entwerfe dein Leben, deine Zukunft, dich. Trau dich. Nie waren die Chancen größer als heute. Practice life-design. Wenn du realisierst, dass du die Kontrolle, die Kraft, die Macht hast, dann kannst du sie loslassen. Dich fallen lassen. Den Fluss fließen lassen. Durchs Loslassen ans Ziel kommen. Die Geheimnisse des Tao nutzen. Zen praktizieren. Im Moment sein. Jeden Moment vollständig spüren. Realisieren wie alles wunderbar ist.

    1. Keep it simple

    Suche den einfachen, besseren Weg. Einfach für Dich oder einfach für die anderen. Einfach ist elegant. Einfach ist prägnant. Einfach ist ansteckend. Einfach hat Erfolg. Einfach ist besser. Einfach funktioniert einfacher. Einfachheit ist ein Ziel, das nicht immer leicht zu erreichen ist. Sich aber immer lohnt. Einfach spart Zeit. Einfachheit produziert mehr Energie als es verbraucht. Einfach denken bedeutet, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Einfach zu sein heißt Entscheidungen treffen können. Das Gehirn sucht nach einfachen Mustern. Einfachheit macht ruhig, sicher, frei, glücklich.

    1. Keep moving.

    Motion is emotion. Du steigst nicht zwei mal in den selben Fluss. Alles ist in Verwandlung,. Alles ist in Bewegung. In dir lebt alles. Um dich lebt alles. Alles lebt unglaublich schnell. Je mehr du dich bewegst, desto flexibler wirst du. Desto schneller wirst du. Desto flexibler bist du. Ein System wird von dem flexibelsten Element bestimmt. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Leben ist Bewegung. Dein Körper liebt elegante Bewegungen. Dein Gehirn liebt elegante Gedankengänge. Denken bedeutet, den Standpunkt ändern zu können. Bewegen hält jung. Bewegung hält offen.

    1. Don´t let another day go by without the magic touch

    Mach aus jedem Tag dein Meisterwerk. Erlaube dir das Besondere zu suchen. Spüre den Wind. Halt für einen Moment inne und schau den Sternenhimmel an. Sieh das Lächeln des Mädchens. Sieh das Kind rennen. Sieh das Wunder der Natur. Spüre die eigenen Glückgefühle. Höre den Zauber der Musik. Spüre die Liebe, die Freundschaft. Halt inne und genieße. Genieße den Schluck kaltes Wasser, den Wein, das Bier, das Stück Fleisch, den Kaffee am Morgen, die heiße Dusche, das warme Bett. Die Freuden des Körpers. Die Schönheit des Mädchens, der Frau. Danke dem Universum. Tanze. Lache. Tob dich aus. Feiere. Sei bescheiden. Sei übermütig. Sei frei.

    1. Set up your own standards and live according to them

    If you don´t have a plan, you´re just part of somebody elses plan.  Define your standards. Be proud to live according to them. Feel strong when you overachieve. Setze Dir hohe Standards und übererfülle sie. Trainiere. Hilf deinen Freunden. Werde reich, erfolgreich, erfahren, spirituell. Vielseitig. Sei besser. Sammle Erfahrungen. Lebe international. Spreche viele Sprachen. Lebe nichtlokal,. Entwickle ein höheres Bewusstsein. Schreibe Tagebuch. Schreibe Bücher. Trainiere Vorträge. Denk einfach. Schreibe, spreche mehr. Sei vorbildlich. Erlaube dir mehr und erwarte mehr von dir. Sei ehrgeizig. Sei nobel. Sei stolz. Sei weise.

    1. Creativity. Consciousness. Compassion.

    Du stehst ganz am Anfang. Versuche mit 75 die Kreativität eines Vierjährigen zu haben. Sei überraschend. Sei liebevoll. Gebe. Tausche aus. Arbeite mit an der Evolution des Bewusstseins. Sei Zukunftsagent. Suche dir große Vorbilder. Sei wählerisch und suche dir deine Information genau aus. Stell dich auf dein Gegenüber ein. Lies die Werke großer Leute. Sei mutig. Erkenne deine Fehler und verbessere dich. Wechsel den Standpunkt. Sei nachgiebig und hole nach. Spüre die kosmische Energie. Mache Meditation, autogenes Training, kreative Visualisierung. Öffne dich. Versuche mehr zu geben. Erlaube dir mehr zu nehmen. Steh zu deiner wahren Größe.

    1. Everything can be made better

    Verbessere dich täglich. Erfinde neue Werte, neue Ideen, neue Konzepte. Nimm als Motto “Das kann es noch nicht gewesen sein”. Sei maßlos. Constant and never ending improvement. Erfinde Verbesserungen, die Spaß machen. Erwarte das Paradies auf Erden. Arbeite an seiner Verwirklichung. Sei großzügig. Erkenne täglich neue beschränkende Glaubensmuster und befreie dich von ihnen. Lebe high. Lebe virtuos. Be yourself. Be better. You´re not good being anybody else. Dreh dir den Film deines Lebens. Erreiche höhere Sphären, als du zu träumen gewagt hast. Lerne zu fliegen. Beginne jetzt.

  • Sommerfreuden

    Sonntag, 12. August 2018, um Mitternacht an der Unterweser bei Bremen.

    Schon Montag Abend saß ich im Anzug im Zug nach Bayern, Dienstag spät beschleunigte der ICE schon wieder hinter Erfurt auf 300 Km/h. und brachte mich wieder vom Kunden heim. Mit der Neubaustrecke von Berlin nach München ist Deutschland wieder ein Stückchen kleiner geworden. Mein Laptop wollte nun partout nicht mehr, und so war ich bis Donnerstag damit beschäftigt, parallel zu arbeiten und den neuen Rechner einzurichten. Gutes Training zum ankommen. Nun also am Freitag den Wohnwagen wieder an der Dahme abgeholt, die Solarbatterie und das Steuergerät wieder ans Kabel angeschlossen und siehe da: auch zwei Jahre später liefern die beiden 70 Watt-Solarpanels auf dem Wohnwagendach wieder Strom. In der warmen Dahme herrlich erfrischend geschwommen und dann das ganze Gespann zurück nach Hause, die Kinder eingeladen und raus ins Grüne. Als Tara den Wohnwagen sieht leuchten ihre Augen auf und man merkt, sie denkt es geht wieder los.

    Hinter Nauen schon wird es ländlich, Kopfsteinpflaster, über alte Alleen. Schon eine Stunde von daheim ist das Umland grün und einsam.

    Das Navi führt ins Nirgendwo, bis ein Bagger vor uns erkennt das wir uns verfahren haben. Ein junger Mann steigt aus: Wollt ihr zum Festival? Ich zeige euch den Weg! Über Waldwege und Wiesen kommen wir dann gut ab, nur nicht den offiziellen Weg.

    Schön ist es hier, schön ist es in Deutschland. Auf dem kleinen kinderfreundlichen Fest sind schon viele liebe Freunde und bald ziehen unsere Jungs und Mädels in Gruppen von 10 oder mehr übers Gelände. Ich hole Nadine vom Bahnhof Nauen ab, wieder geht es über alte Betonplatten-Wege durch malerische Alleen. Als Nadine da ist will Tara schon vor mit ihr: „ich zeig Dir die Disko“meint sie.

    Und abends ist die ganze Gruppe unserer großen Kinder und deren Freunde vorne mit dabei und tanzen wild, die Kleinen schlafen im Wohnwagen. Wir freuen uns wie es allen gefällt und dass sich hier liebe kreative Menschen die Arbeit machen, so ein Fest für die ganze Familie zu organisieren.

    Und ich liebe sie weiter, die Open Airs im Sommer um Berlin, auch nach über 20 Jahren.

    Nach zwei Nächten mit Lagerfeuer und in der Natur ging es dann heute Mittag alleine mit 6 Kindern Richtung Bremen. Mit Percy Jackson und den griechischen Sagen als Hörspiel und Velis als DJ vorne der die Lieblingshits auf Zuruf spielte („wie heißt die Mutter von Nikki Lauda: Mama Lauda!‘) waren wir auch trotz Wohnwagen gefühlt schnell die 400 km bis an die Unterweser, meinem Lieblingsurlaubsort und dem Ort in Deutschland wo ich jedes Jahr immer war. Wir kamen bei Hochwasser an, und es gab ein großes Wiedersehen mit meinen Eltern, die wir vor 2 Monaten in Las Vegas verabschiedet hatten. Wir gingen noch schwimmen und die Kinder danach noch alle in den Schlick. Bis dann alle wieder sauber, satt und im Bett waren war es spät.