• Leben ist Bewegung

    Leben ist Bewegung

    Samstag, 4. August, 2018, 19.52, eine Kleingartenanlage im Norden Berlins.

    Mit einem Jahr Abstand sieht man viele Dinge in einem neuen Licht. Der über viele Jahre bearbeitete, häufig besuchte und dann etwas in Vergessenheit geratene Kleingarten mit der Laube darauf hat wieder einen ganz besonderen Reiz.

    Ok, es war eine von meinen schwungvollen Ideen, hier mit den Kindern und den Fahrrädern die 10 km durch Prenzlauer Berg und Pankow zu fahren. Bis dann alle drei Fahrräder aufgepumpt, die Sättel neu eingestellt und der Fahrradanhänger mit Tara und Morpheus beladen waren und wir aufbrechen konnten, bei Gefühlt 35 Grad im Schatten dauerte es ein wenig.

    Als dann aber schließlich alle vergnügt mit Sack und Pack die sommerlichen Straßen und Wege ins Grüne rollten, kam bei mir richtig Freude auf.

    Fahrradfahrer nimmt schließlich in meiner Lebensphilosophie einen zentralen Baustein ein. Gerne würde ich hierfür auch bei meinen Kindern die Leidenschaft wecken. Mit Stop beim Aldi fürs Eis auf halber Strecke an der großen Fußgängerbrücke über die Bahngleise haben es alle gut gemeistert – natürlich mit den üblichen kleinen und größeren Herausforderungen und Trainingssituationen zum Ruhe bewahren.

    Es hat mich schon seit klein auf begeistert, wie hier der Mensch die Evolution überboten hat. Kein Lebewesen schafft es sich mit weniger Energieaufwand pro Kg fortzubewegen als der Mensch auf dem Fahrrad. Es ist die Technik die es möglich macht.

    Seit der genialen Idee eines Deutschen vor 200 Jahren ein Laufrad aus Holz zu bauen- weiter entwickelt wurde es immer leichter zu fahren. Übrigens auch damals aus einer Klimakatastrophe entstanden: durch einen Vulkanausbruch in Indonesien kam es zur globalen Verdunklung der Erde, die Temperatur sanken und der Sommer und die Ernten fielen aus. Da es nicht einmal mehr genug Futter für Pferde gab, überlegte sich einer wie der Mensch selbst so schnell wie ein Pferd sein kann. Und das erste Laufrad entstand. Der Rest ist Fortschritt und Geschichte.

    Aber das Fahrrad fasziniert mich auch als eine Maschine, die man als Jugendlicher noch selbst verstehen und beherrschen kann. Als ich schließlich mein erstes Fahrrad vollständig aus einem Hercules- Sperrmüll- Rad und weiteren Ersatzteilen selbst neu zusammengebastelt hatte kannte ich jede Schraube. Selbst die 3-Gang Nabe von Fichtel und Sachs hatte ich bis zur letzten Feder zerlegt und wieder zusammengesetzt.

    Mit dieser Technik also kann der Mensch mit eigener Kraft sich bewegen. Gepäck transportieren, reisen. Mit Kosten von vielleicht 5 Euro pro Monat. Und schließlich wurde, als der Walkman erfunden war mit Musik im Ohr die Welt mit Gefühl „erfahrbar“.

    Und da es Sport ist, erzeugt es eine Verbindung mit dem Körper, mit den Gegensätzen der Anstrengung beim Bergauf fahren und der Freude wenn es herab rollt. Es sind Gefühle, man spürt den Körper.

    Da ich erst mit 30 den Führerschein gemacht habe war davor alles mit dem Fahrrad oder der Eisenbahn zu machen mein Credo. Und ich habe viele intensive Erfahrungen der Jugend und Studentenzeit mit dem Fahrrad erlebt oder auch beim Radfahrern verarbeitet.

    Ja, und so ganz nebenbei löst es noch ein paar weitere Grundprobleme der Moderne, so habe ich dabei immer gedacht: In einer Welt, wo wir uns zu wenig bewegen, zu viel sitzen, zu wenig unsere aufgestauten Energien ausarbeiten können, zu viel im „Kopf“ uns aufhalten und den Körper vergessen ist das Fahrrad ein ideales tägliches Training – praktisch umsonst und in den ganz normalen Alltag zu integrieren.

    Ein Großteil unserer täglichen Wegstrecken sind unter 10 Km. Statt mehr zu arbeiten um das für Auto für den Weg zur Arbeit zu bezahlen und dann abends mit dem Auto zum Fitnessstudio fahren zu können, wo man dann auf dem Fahrradtrainer Fernsehen kann, könnte man doch einfach – mit dem Fahrrad fahren.

    Und- mittlerweile ist klar und die Wissenschaftler sind sich einig: täglicher Sport verlängert nicht nur das Leben und beugt vielen Leiden vor, es schütz auch vor Depression und wirkt stimmungsaufhellend.

    Und dann ist da ja noch die Umwelt…

    Es ist also billiger, gesünder, effizienter und umweltfreundlicher. Und macht Spaß.

    Da habe ich auch die Idee her: „Effizient ist Schönheit“. Es gibt bessere Lösungen. Diese können eine innere Eleganz haben, die ausstrahlt.

    Und ich glaube auch daran: wenn wir die gesammelte Effizienz von Millionen von Jahren Evolution in uns tragen, dann sind wir auch auf das Laufen trainiert. Aufs Rennen, springen, fangen, tragen.

    Wir sollten uns über jede Gelegenheit freuen uns körperlich bewegen, anstrengen, verausgaben zu können. Die Natur ist effizient. Ich rätsle immer noch jeden Morgen warum 95% der Menschen die Rolltreppe am Bahnhof nehmen, den Aufzug im Büro oder das Förderband am Flughafen. Sie sind langsamer als ich zu Fuß. Und nutzen die Chance nicht, sich zu bewegen.

    Aber auch noch eine andere Form der Bewegung scheint mir eine ganz wesentliche Bedeutung für uns Menschen zu haben. Es ist der Tanz.

    Ich muss zugeben, ich habe dazu ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Das, was ich als „Tanzkurs“ mit 16 gemacht habe fand ich furchtbar. Nach Vorschrift Bewegungen auswendig lernen, nein, nichts für mich. Und – ich war darin miserabel.

    Aber dann kamen die ersten Abende in der Disko. Mit dem gefälschten Schülerausweis, damit ich als 16jähriger mit dabei sein durfte, wo Einlass ab 18 war. Das war eine ganz neue Welt. Dazu Bier. Und Nachts mit dem Fahrrad gerade irgendwie wieder nach Hause geschafft.

    Mein Eltern vertrauten mir und es gab keine Verbote oder Sperrstunden, und so war die Party bei einem Schulfreund aus einer höheren Klasse bald der gefühlte Höhepunkt des Jahres.

    Und dann, in Ost-Berlin Anfang der 90er Jahre angekommen gab es dann diese ganz neue Erfahrung. Da spielte man Musik, die wie aus dem Weltraum oder der Zukunft klang. In unterirdischen Katakomben im Niemandsland des Mauerstreifens. Da gab es Happenings, bei denen eine MiG der Russen in Flammen aufging, unter martialischem und elektronischen Klängen. Es war Techno, was ich da hörte. Und für mich war es klar: das ist der Klang meiner Zeit. Was Rockmusik in den 60er Jahren war, das war für mich Techno. Nicht nur Musik, ein Lebensgefühl. Unbeschreiblich und unglaublich intensiv.

    In den Nächten im Stroboskop des E-Werks und so vieler anderer wunderbarer und wieder vergessener Orte und Rauminstallationen wurde etwas zelebriert, was mit der Vergangenheit nichts mehr zu tun hatte.

    Und da kam auch meine Begeisterung her: es ist diese Musik, die aus der Zukunft zu kommen scheint, mit ihren düsteren, euphorischen und einpeitschenden rhythmischen Tönen, die mir in so mancher bis zur völligen Erschöpfung und Ekstase durchgetanzten Nacht klarmachte, dass der Tanz eine Verbindung herstellt.

    In der Dunkelheit, Nebel und Blitzgewittern, Laserstrahl und den ohrenbetäubenden Bass, der den ganzen Körper durchdringt war mein Platz ganz vorne, wo es am lautesten war. Give yourself over. Übergebe dich einer größeren Macht. Und zwischen Anstrengung, Euphorie und dem unbedingten Willen alles, aber auch alles zu geben, ganz, vollständig in jedes Gefühl zu gehen habe ich mich verändert, befreit.

    Habe durchgearbeitet und durchgestanden, den ganzen Film im Kopf den wir alle kennen. Wie soll es werden, wie werde ich es schaffen, wo ist mein Platz, warum muss ich das alles machen, was ist die Lösung?

    Und irgendwann, irgendwie war immer die Einsicht da, das Gefühl erreicht wo ich fühlte, wusste, es im Körper spürte: es wird alles werden. Es ist schon alles gut.

    Ich brauche nicht das Leben eines anderen zu führen, ich werde das machen was ich will. Ich werde mich trauen, ich selbst zu sein. Ich werde nicht mein ganzes Leben mich fühlen als müsste ich eine Schuld abarbeiten.

    War es ein Rennen, ein Kämpfen? Ein großer Teil der Kraft von Techno liegt in diesem heftigen, treibenden Bass und in diesem kämpferischen Ton: wir sind die Kinder dieser Industrie-Großstädte, das ist unsere Welt und wir werden sie uns erobern.

    „We’re not dropping our here, we are infiltrating and taking over“- so hieß in einem Stück ein Slogan – genau das war auch mein Gefühl.

    Und die Zukunft die ich dort spürte ist noch viel heftiger, moderner und futuristischer als wir es uns vorstellen können.

    Aber: und das ist entscheidend: sie ist positiv, optimistisch. Es gibt die, die sie meistern werden. Die, die in den Ruinen der Vergangenheit tanzen und wissen, es gibt einen Weg. Statt „No Future“ der 80er war sie jetzt da, die neue Zeit im Aufbruch. Bald auch immer mehr draußen, in stillgelegten Tagebaugruben, in Hangars russischer Flugplätze die jetzt verwaist waren. Wie auch immer die Zukunft aussehen mag: es gibt sie.

    Und dann, nach der dunklen Nacht gab es die Sonnenaufgangsmusik- sphärische Klänge, wunderbare Klangteppiche voller Erlösung für alle die, welche die Nacht gemeinsam durchgetanzt haben. Beglückende Momente der Gemeinsamkeit und Auflösung in Musik, Gefühl und Freude.

    Ich habe alle wesentlichen Entscheidungen in meinem Leben dort getroffen – in diesem Raum des Tanzes und der Musik, seit ich ihn kennengelernt habe. Es gibt den Moment, in dem es klar wird, wohin die Reise geht. Dann muss man es nur noch machen. So habe ich es erfahren.

    Und auch hier wieder: Rhythmus, Bewegung, Musik. Ist es ein Wunder, dass Kinder schon tanzen können, bevor sie sprechen lernen? Dass in jeder Kultur es Tänze gibt, aus den unterschiedlichsten Motiven?

    Um sich mit dem größeren Ganzen zu verbinden oder auch um die Begegnung zu ermöglichen, die unser Ursprung ist, die Begegnung von zwei Wesen die sich kennenlernen, ein Spiel spielen bevor sie möglicherweise ihre Gene austauschen. Wenn die Anziehungskraft so stark wird, wir neues Leben erzeugen können, indem sich die zwei Stränge der Desoxiribonukleinsäuren, unsere DNA in einer kunstvollen Doppelhelix umeinander winden – in einer einmaligen, noch nie dagewesenen Kombination beider Partner.

    „Creation is a dance“

    Und so führte mich die Bewegung der Rückkehr zurück nach Deutschland, gleich wieder im Chaos der Wohnung zwei Tage an den Laptop um bis zur Deadline meinen Arbeitsanteil fertig zu stellen und dann direkt loszufahren- den 40 Jahre alten Wohnwagen nach einem Jahr unter Bäumen mit Hilfe eines Freundes wieder anzuhängen und gegen Mitternacht in Polen wieder auf dem kleinen feinen Festival zu landen, dessen Bändchen ich ein Jahr am linken Arm um die Welt getragen habe. Darauf steht: Alles ist gut.

    Und es war gut, sehr gut sogar. Ein freudiges Wiedersehen von vielen lieben Menschen, herrliches Wetter und kühle Augenblicke im See. Und natürlich die Nacht vorne, links an den Boxen.

    Wir haben uns die freie Zeit geteilt: ich die ersten beiden Nächte, Nadine die zweiten. Und so war ich heute um 14.00 wieder in Berlin, übernahm die Kinder, und Nadine fuhr wieder los. Und ich brach direkt mit den Kindern in den Garten auf. Auch da noch mal viel Bewegung, zu fünft auf dem Trampolin: Kinder brauchen nicht darüber nachdenken, dass Bewegung Lebensfreude ist. Jetzt schlafen alle im Gartenhäuschen und ich gleich auch. (23.52)

    • 31. Juli 2018, 23.03 Uhr, Berlin, wieder daheim!

    „In Berlin sprechen alle Deutsch“

    Kurz: Es ist großartig wieder daheim zu sein! An der Gepäckausgabe auf die Taschen zu warten, während draußen schon Familie und Freunde standen war gefühlt die längste Zeit, die ich je auf das Gepäck gewartet habe.

    Am Ende war alles da und wir waren alle erstaunt wie heiß es hier ist. Irgendwie schien alles in einem besonderen Glanz zu strahlen in Deutschland, aber das muss sicher an meinen Augen liegen..

    Auch in unserer Wohnung war alles wiederzuerkennen, man kann also seine Wohnung an einen jungen Israeli vermieten und ihm auch Untervermietung erlauben, ohne dass alles nachher nicht wiederzuerkennen ist.

    Zuerst wollte Velis aber einmal im die Ecke zur Schule rennen, so fehlt er auf dem Foto, dafür durfte Tara’s Kusine mit drauf!

    Selbst Lysander, der schon tagelang sauer war dass jemand in seinem Bett geschlafen hat schlief abends glücklich auf seinem Hochbett wieder ein – nachdem er das große Beatles-Buch wieder aus dem Abstellraum herausgezogen hat.

    Vor allem stürzten sich die Kinder auf das eine Zimmer, in dem alle Schätze versteckt waren. Wir hatten ja all unser Zeug in einem Raum der Wohnung aufgetürmt und diesen abgeschlossen. Jetzt musste man erst mal gut darin lüften. Und alle zogen alle Kisten wieder heraus und waren einfach nur begeistert. Velis hatte sein Riesen-Glubschi wieder, baute Türme aus Kapla und Tara spielte stundenlang still mit Holzklötzen. Morpheus baute gleich die Lego-Eisenbahn auf, so dass es nach wenigen Stunden in der Wohnung nur noch ein Chaos von Taschen, Spielzeug und vielen vielen Sachen war. Und da nach kurzem auch eine Überraschungsgruppe an Freunden vor der Tür stand, waren wir mehr als baff und freuten uns, übermüdet von wenig Schlaf und 18 Stunden Reisen alle sehr. Jetzt sind wir also wieder da. Und fahren so schnell erst einmal nicht wieder um die Welt.

    Tara erkundete den Hof mit dem Laufrad, sah dort einen Laster bei dem Baumaterial abgeladen wurde und meinte nach kurzer Zeit zu mir: „In Berlin sprechen alle Deutsch. Auch die Bauarbeiter und die Autofahrer. Nur manche sprechen Englisch.“ Als wir dann Tara und Morpheus schon gleich zur Kita mitnehmen wollten, gab es erst einmal Protest. Ein Eis an der beliebten Eisdiele an der Ecke half dann als Motivation. Dabei ging es ja nur darum, den heißbegehrten Vertrag zu unterzeichnen und einmal die Gruppen anzuschauen. Doch wir wurden sehr freundlich empfangen und in der Gruppe von Tara wusste man gleich Bescheid: Auch schon Lysander war dort vor 10 Jahren gestartet, und der Erzieher erinnerte sehr gut an ihn. Auch gibt es schon eine Tara in der Gruppe, bei ihr sind wir mit dem Namen mal im Trend gelegen…

    Nur Morpheus schaute sich sehr cool die Kinder an und wollte gleich wieder gehen. Es wird für ihn eine Umstellung nicht mehr mit den „großen Jungs“ den ganzen Tag zusammen zu sein. Aber da er Anfang Oktober geboren ist, ist er nach der neuen alten Regelung wieder erst nächstes Jahr mit der Schule dran. Und wir gönnen ihm noch das eine Jahr Spielkind sein.

    Wir sind gleich wieder im normalen Rhythmus drin, gehen kurz vor 12 ins Bett und stehen um 7 Uhr auf – als wäre es nichts gewesen. Nur nachmittags kommt dann eine Müdigkeit auf, aber die mag auch an der Hitze liegen: und daran dass so viel zu tun ist. Ich fahre gleich mit Fahrradanhänger zum Großeinkauf zu Aldi und verzichte auf beim Kauf auf Fleischprodukte – schließlich ist Sport und Ökologie kein Gegensatz und ich habe noch einiges zu tun, um den Klimawandel nicht noch weiter zu beschleunigen…

    Aber nachdem das Klettergerüst wieder aufgebaut ist im „Spielzimmer“, war ein entscheidender Schritt geschafft. Das, so meinte alle Kinder während der Reise, sei das beste Geschenk dass sie je bekommen hätten. Ich kann es auch uneingeschränkt empfehlen. Das KletterDschungel Turnset ist ein Berliner Produkt, lässt sich zwischen Fußboden und Decke einspannen und man kann daran alles machen was Kinder liebt: Klettern, Schaukeln, an Ringen hängen, Klimmzüge machen, rutschen… Ganz großes Kino, besonders mit den Hartschaummatten aus gepressten Schaumgummiresten mit denen wir das ganze Zimmer immer auslegen. Sicher ist sicher. Der beste Freund von Lysi und Velis durfte gleich über Nacht bleiben, was alle sehr glücklich machte.

    Berlin ist erstaunlich leer in der Schulferienzeit, und auch wir fuhren abends noch mit Freunden an den See heraus um den Abend gemeinsam zu genießen. Sozusagen der letzte Abend, morgen geht es auch schon bei mir wieder los mit der Arbeit. Und wie Nadine schon meinte, „Wir werden hier auch wieder gebraucht“ – auf einmal erscheint ein aufgeregter junger Mann und fragt: Ist hier ein Arzt oder Rettungssanitäter? Und siehe da, ein junger Mann mit offensichtlichen Problemen liegt da und windet sich am Boden. Er sieht bewusstlos aus, ist aber wohl doch ansprechbar als ich mich als Arzt vorstelle und versuche herauszubekommen was mit ihm los ist. Er reagiert nur mit dem Zeigefinger zwischen krampfartigen Windungen und kann mir nach und nach erläutern, er hätte vor Jahren einmal einen Pneumothorax (ein Riss in der Lunge, bei dem plötzlich Luft in den Pleuraspalt eindringt und die Atmung lebensgefährlich behindern kann) gehabt. Wie ich es schon oft in solchen Situationen erfahren habe hilft es enorm, wenn jemand dabei ist der als Arzt Ruhe ausstrahlen kann und beruhigend einwirken kann, viel mehr konnte ich auch nicht tun. So konnten wir die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken (was für ein Glück in Deutschland zu sein wo der Rettungswagen nach maximal 15 Min vor Ort ist!), und der junge Patient konnte ins nächste Krankenhaus gebracht werden. Ich dachte dann nur zurück, wie lange es wohl in Patagonien dauert, wo man stundenlang keine Menschenseele sieht bis Hilfe kommt…

    Und so fahren wir mit dem Gefühl großer Dankbarkeit nach Hause, dass wir so gesund und beschützt um die Welt reisen konnten, ohne dass wir auch nur daran denken mussten Hilfe zu suchen..

    Und was für ein Geschenk wieder daheim zu sein, in der Wohnung und auf dem Balkon noch mal die warme Sommernacht eines so langen Tages zu genießen.

    Danke an alle für den tollen Empfang wieder daheim!

  • Around the World (2017-2018)

    Samstag, 28. Juli 2018, 21.52 Uhr, Hotel Manquehue, Aeropuerto Santiago de Chile

    Weltreisekarte

    Am Horizont der 7-Millionen- Metropole Santiago de Chile sind die schneebedeckten Andengipfel noch einmal in ihrer vollen Pracht in der Sonne zu sehen, als wir unseren letzten Tag in Südamerika verbringen. Eine nette Siedlung von Einfamilienhäusern bot einen Chinesen der leckeres Essen für uns bereitete und einen Spielplatz, an dem sich noch mal alle austoben konnten. Fußball, Volleyball, Faules Ei, Fangen spielen. Doch über uns sieht man schon die Flugzeuge starten. Es sind viele Langstreckenflugzeuge – wer von Santiago abfliegt hat meist lange Strecken vor sich. Nach Rom sind es 14 Stunden, nach Los Angeles 11 Stunden.

    Auch unserer Heimflug wartet, nach fast einem Jahr geht es morgen früh zurück in die Heimat, nach Berlin. Wir sind alle auf eine Art glücklich und aufgeregt. Glücklich, weil wir es geschafft haben. Und weil es daheim all das gibt, was jeder auf seine Art vermisst hat. Manche das Spielzeug, das Essen, andere die Freunde, ein paar Stunden für sich. Die eigene Wohnung. Und aufgeregt, weil alle gespannt sind, wie es sein wird wieder daheim zu sein.

    Wir haben etwas Einmaliges erlebt, das ist klar. Es war ganz vorne vor allem ein Familienjahr, ein Jahr gemeinsam, Tag und Nacht, 24h auf engstem Raum und in großartigen Weiten. Ein Jahr unterwegs, mit ständig neuen Orten, neuen Ländern, unterschiedlichen Kulturen. Wir haben viel, wirklich viel gesehen. Und wir haben einen kleinen Eindruck von der Welt gewonnen.

    Es stimmt, die Welt ist wirklich groß, und mit je drei Monaten für Afrika, Asien, Australien und Amerika haben wir natürlich nur kleine Ausschnitte gesehen. Von den 55 Ländern Afrikas waren wir mit Ägypten, Namibia und Südafrika nur in drei, von den 47 Ländern Asiens waren haben wir  gerade vier gesehen, vor allem Indien, waren nur kurz in Bangladesch, zwei Wochen in Indonesien und kurz in Japan. In Australien und Ozeanien haben wir in sechs Wochen nur die Ostküste Australiens abgefahren, und in zwei Wochen zwei der acht Inseln Hawaiis besucht.

    In Nordamerika waren wir in unseren fünf Wochen in Washington, Oregon, Kalifornien, Nevada, Colorado und Arizona. Und in sieben Wochen Lateinamerika war wir neben einem Stopover in Panama vor allem in Peru, für Bolivien, Chile und Argentinien hatten wir nur 3 Wochen.

    Doch für diese Reise ist es genug. Und wir haben einen guten Eindruck gewonnen. Die Welt, die wir gesehen haben ist friedlicher, wohlhabender und ungefährlicher, als wir es uns meist vorstellen. Sie ist vertrauter und näher, als es viele Berichte erscheinen lassen. Wenn es ein verbindendes Element gibt; dann dass überall die Menschen auf ihr Handy schauen.

    Wir wurden freundlich empfangen, überall. Man hat uns nichts geklaut, es ist auch bei all den Flügen kein Gepäck abhanden gekommen oder nur verspätet angekommen. Wir waren nie richtig krank, von gelegentlichen Erkältungen wie auch daheim mal abgesehen. Und auch unsere Liebsten daheim sind gesund geblieben – was für ein Glück!

    Es gab keine Probleme bei Grenzübertritten oder mit Polizeikontrollen, ein einziges „Ticket“ wegen zu schnell fahren in den USA wurde uns mit der Erläuterung überreicht, wir sollten dies doch bitte verschweigen und einfach wegschmeißen – niemand würde uns über die USA hinaus nachverfolgen.

    Und wir hatten auch mit insgesamt fünf Wohnmobilen in vier Monaten, mit vier Mietautos, vier Rollern und über 20.000 Km auf den Straßen der Welt die wir selbst gefahren sind keinen Unfall. Wir haben keinen Arzt aufsuchen müssen und unsere Auslandskrankenversicherung wurde nicht benötigt.

    Es ist fast schon erstaunlich, wie einfach und sicher die Welt geworden ist. Man braucht keine Papierausdrucke mehr von Flugtickets oder Hotelreservierungen, eigentlich alles lässt sich mit dem Handy erledigen. Geld bekommt man fast überall auf der Welt mit der Kreditkarte aus dem Geldautomat, vorbei sind die Zeiten der Bardollar und Travellercheques. Und man kann sich problemlos flexibel und kurzfristig eine Reiseroute überlegen und Flüge, Unterkünfte, Züge, etc. von unterwegs buchen.

    Und in jedem Land in dem wir waren war es kein Problem für wenig Geld und schnell eine Telefonkarte zu bekommen – meist schon am Flughafen. Mit Whatsapp oder Facetime kann man dann auch länger mit daheim telefonieren und sich dabei sehen. Mit dem Blick auf die heimische Tageszeitung, Facebook oder die Mails ist man überall immer auch mit daheim verbunden.

    Zu sechst zu reisen ist meist unpraktischer als mit zwei Kindern. Ein normales Zimmer mit zwei breiten Betten hätte mit zwei Kindern genügt, wir waren so oft auf zwei Zimmer oder eine ganze Wohnung angewiesen. Auch mit dem normalen Taxi kamen wir nicht immer voran, haben oft zwei genommen oder nach einem Minibus Ausschau gehalten, und wir brauchten die extra große Ausführung an Wohnmobilen und den 7-Sitzer als Auto. Aber etwa mit Uber gibt es meist die Option Uber XL- und damit hatten wir in vielen Ländern der Welt leicht und günstig ein passendes Transportmittel in der Stadt.

    Wir sind meist selbst gefahren oder geflogen und haben uns die langen Bus- oder Zugfahrten erspart, die mit den Kindern eher eine Tortur gewesen wäre. Auch das macht das Reisen einfacher – keine morgendlichen Ankünfte am Busbahnhof, übermüdet, mit dem vielen Gepäck und umwimmelt von Taxifahrern. Das habe ich nie am Reisen geliebt und dank Uber ist es meist auch nicht mehr nötig.

    Denn – wir hatten viel Gepäck dabei, und nichts davon war unnötig. Von der Schwimmweste über Fußball und Volleyball, den zwei Legokisten und den zahlreichen Kuscheltieren bis zu den Bastelsachen, Ausmalbüchern und der Festplatte mit Kinderfilmen – alles kam immer wieder zum Einsatz. Genauso wie die Espresso-Kaffeemaschine, unsere Camping-Weingläser und auch die Hängematten, Schlafsäcke, Isomatten und Kissen. Einzig das Moskitonetz haben wir nicht gebraucht. Aber den Trolley dafür täglich. Eigentlich gab es immer etwas zu transportieren damit  – von der dreckigen Wäsche zum Waschsalon bis zum Einkauf oder einfach nur Tara, die keine Lust mehr hatte zu laufen.

    Die paar Bücher waren bald ausgelesen, aber manche Kinderbücher kamen immer und immer wieder zum Einsatz. Sonst wurde vor allem auf dem Kindle oder dem Handy mit der Kindle-App gelesen. Lysander beneidete Velis immer um die Mathe-Übungshefte; hatten wir für ihn doch nur ein Mathe-Lehrbuch dabei.

    Mein Macbook leistete wertvolle Dienste – als Backup für die Photos auf dem Iphone, zum Filme anschauen und auch zum Arbeiten. Es hat sich ausgezahlt, alle wichtigen Dokumente der letzten Jahre eingescannt und in der Cloud zu haben, vor allem für die Steuer. Denn natürlich kam die Steuerprüfung genau dann, als wir gerade unterwegs waren. Aber auch das lies sich von unterwegs lösen, wie die andere kleine oder größere Herausforderung daheim. Zwischendrin zeigte es auch Macken und stürzte immer unvermittelt ab. Aber auch das hat sich zuletzt wieder gebessert. Und da ich alle Daten immer in der Cloud und per Festplatte sichere, war es auch nie bedrohlich.

    Immer wieder wurden die Displays unserer Handys repariert, das geht ja mittlerweile auch beim Iphone 6 für 60 Euro; für Tara ist es machmal einfach schwer Conny oder Petterson und Findus zu schauen und auf das Gerät zu achten… Viel Musik dabei zu haben war auch wertvoll wie auch die Boom zum Hören – und das Spotify-Abo für Hörspiele und neue Musik.

    Am Spannendsten war sicher die Frage der Plätze für die Kinder nach der Rückkehr in Schule und Kita. Gestern schließlich kam auch die letzte Zusage, und die Kleinen können wieder zurück in die alte Kita am Kollwitzplatz, wo schon Velis und Lysander gewesen waren. Das ist ein großes Glück und wir sind sehr dankbar, dass man sich hier Mühe gegeben hat für uns noch zwei Plätze zu finden. Die Zusagen für Lysander und Velis für deren Schulen hatten wir ja schon vor ein paar Wochen und Monaten bekommen.

    Somit kann es daheim in geordneten Bahnen weiter gehen. Wir können wieder wie gewohnt den Großeinkauf beim Aldi machen, morgens Milchreis für die ganze Bande kochen und am Wochenende Tiefkühlbrezeln aufbacken. Die Kinder können im  Garten auf dem Trampolin springen, auf der Marie Fußballspielen und die Freunde um die Ecke treffen.

    Und wir leben dann nicht mehr aus den Koffern, haben eigene Zimmer und den unglaublichen Luxus, uns einen großen Teil des Tages einmal einer Aufgabe zuwenden zu können, die nichts mit Kindern zu tun hat.

    Und dennoch – es war die größte Herausforderung, aber auch das größte Geschenk so viel Zeit gemeinsam mit den Kindern gehabt zu haben. Wir werden dieses Jahr nie vergessen.

    Morgen um 10.50 Uhr starten wir mit Alitalia von Santiago de Chile, nach 14 Stunden erreichen wir Rom. Von dort geht es weiter nach Berlin, wo wir am Montag, den 30.07.2018 um 11.15 Uhr landen werden.

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  • Perito Moreno Gletscher

    24. Juli 2018, 20.46 Uhr, El Calafate, Argentinien

    Schließlich also haben wir es zum Perito Moreno Gletscher geschafft. Er ist Teil des nach der Antarktis und Grönland drittgrößtem Eisfeld der Erde in Patagonien, über 300 Kilometer lang. Es erstreckt sich über Chile und Argentinien hier im Süden, auch der Gletscher den wir am Lago Grey vorgestern in Chile sahen gehört dazu.

    Trotz Winter hatten wir Glück mit dem Wetter und die Sonne schien. Es ist einfach ein magischer Ort, am Ende der Welt gelegen und für mich auch beim dritten Besuch (ich war mit 8 und mit 19 schon mal hier) absolut einmalig. Vorne türmen sich die Eisblöcke bis zu 70 Meter hoch auf und bis zum Horizont bilden sie eine undurchdringliche Eiswüste in weiß und blau.

    Der Gletscher staut nach links gesehen immer wieder den Flusslauf auf und der See dahinter steigt um über 20 Meter an. Vor zwei Jahren war wieder der Durchbruch, wenn das aufgestaute Wasser die Eiswand zerstört und in einer gewaltigen Flutwelle den natürlichen Stausee entleert. Derzeit ist er ganz niedrig und wird über die Jahre wieder ansteigen, bis zum nächsten Einsturz.

    Doch brechen jeden Tag Eisstücke in der Größe von Hochhäusern ins Wasser. Auch wir hatten Glück und sahen alle gemeinsam so ein Spektakel.

    Jetzt ist das letzte Ziel unsere Reise erreicht und wir werden die Rückreise antreten. Noch ein Tag in Calafate, dann die 500 km Fahrt nach Punta Arenas in Chile zurück und von dort nach Santiago. Dort haben wir noch einen Tag Puffer eingeplant, bevor es am 29.07. in 14 Stunden nonstop nach Rom geht. Von dort nur noch ein Hüpfer bis Berlin.

    Unsere Wohnung ist dann hoffentlich wieder frei, unsere Untermieter haben eine neue Bleibe gefunden. Aus der Kälte des patagonischen Winters freuen wir uns auf den Sommer in Berlin und lange Abende mit Familie und Freunden.

    Auch die ersten Anfragen für die Arbeit kommen schon, so wird es vermutlich bei mir nur ein kurzes Landen und umpacken, bevor es wieder beruflich auf Reisen geht. Aber auch ein Festival in Polen wartet noch am ersten Wochenende nach der Rückkehr und wenn alles gutgeht haben Nadine und ich zwei, drei Tage kinderfrei (dank Nadines lieber Mama) mit Freunden um die Rückkehr zu feiern – was für Aussichten!

  • Torres de Paine

    23. Juli 2018, 22.00 Uhr, Calafate, Argentinia

    Durch die ewige Weiten von Patagonien ging es zum Lago Grey im Torre de Paine Parque National.

    Die berüchtigten Stürme waren trotz Sonnenschein zu spüren und fegten mit über 100 km pro Stunde übers Land. Wir sahen viele Schafe, Guanacos und Pferde und erreichten noch vor Sonnenuntergang das Hotel Lago Grey, in der Einsamkeit am Gletscher gelegen. Ein Luxus mit Blick auf tiefblauen Eisschollen und den Gletscher und draußen Winde, die alles wegzuwehen schienen. Warm beheizt ein echtes Erlebnis, einmalig.

    Und heute weiter an türkisblauen Seen vorbei und mit unglaublichem Wind bis zur Grenze, ein Morast und Schlamm. Weiter durch die ewige Pampa bis Calafate in Argentinien. Rotwein und Spaghetti.

    Bald ist es soweit, wir haben die Welt umrundet, was für ein Erlebnis. Es geht, mit den Kindern. Ein einfacher Plan hat Halt gegeben, drei Monate pro Kontinent, Richtung Osten. Hier im tiefsten Winter träumen wir von daheim und wissen zugleich – es war für alle unvergesslich was wir gemeinsam erlebt haben. Danke.

  • Punta Arenas

    22. Juli 2018, 8.37 Uhr, Puntas Arenas, Chile

    Es ist noch stockfinster draußen und die Straße ist vereist. Hier haben die Autos Spikes an den Rädern. Sonnenaufgang ist 9.41 Uhr. Um die Dunkelheit und Kälte zu vertreiben feiern die Menschen Karneval in der südlichsten Großstadt der Welt an der Magellanstraße gelegen, die Feuerland von Patagonien trennt. Morgens beim Anflug sieht man- das Meer ist vereist hier. Mit den Kleinen klettern wir unter dem Zaun durch in den Spielplatz.

    Wir haben uns alle sofort wohlgefühlt, vor allem beim Xuan aus Santiago de Compostela, der nach 10 Jahren Weltreise hier sein Hostal Tragaluz aufgemacht hat – wunderschön selbst renoviert und eingerichtet. Wir genießen Wärme und Kaminfeuer und dass wir gleich wie Freunde abends zur Runde chilenischen Rotwein am Kamin eingeladen werden. Die Chilenen erzählen: wenn es hier im Sommer 12 Grad wird, ist Strandttag! Aber, so fühlt es sich an, wenn man so weit weg vom Rest der Welt ist rückt man zusammen und Gäste werden gleich wie Freunde behandelt.

    Es erinnert an Heimat im Winter, und mit dem Toyota-Geländewagen fühlen wir uns gut gerüstet um gleich aufzubrechen Richtung Norden zum Torre de Paine Nationalpark, 250 Km Richtung Norden.

  • San Pedro de Atacama

    Samstag, 21. Juli 2018, 3.50 Uhr morgens, Santiago de Chile

    Unser Anschluss in Santiago war zu kurz. Mit der Verspätung von Calama aus gestartet, war der Anschluss nach Punta Arenas an der Südspitze des Kontinents schon weg – es hat nichts geholfen wie wir alle gerannt sind. Jetzt verbringen wir die Nacht auf den Flughafen, um 5.00 soll es weiter gehen.

    Chile ist ja eines der wenigen Länder auf der Welt, in den man 6 Stunden in einer Richtung fliegen kann und immer noch im gleichen Land ist.

    Vom ärmsten Land Südamerikas, Bolivien, ist es ein erstaunlicher Kontrast, es ist das reichste Land in Südamerika. Wie unser freundlicher Fahrer, ein Indio des „Likan Antay“, wie er sein Land in der Sprache der Vorfahren bezeichnete meinte: wäre damals Allende an der Macht geblieben, ginge es Chile jetzt eher wie Venezuela.

    Wir fuhren beim ungewöhnlichen Regenwetter an der Minenstadt Calama mit der größten Kupfermine der Welt Chucicamata ( ein Tagebau mit 1100 Meter Tiefe!) weiter durch Windparks und Solaranlagen zum kleinen Dorf San Pedro de Atacama, dem Touristenzentrum Chiles.

    Umgeben von weißen Andengipfeln und grandioser Natur sind die Straßen in Lehm gefüllt mit Touristen, die meisten aus Brasilien. Ein schöner Ort.

    Wir hatten nur einen Tag und nutzten ihn um ein paar der Highlights der Umgebung zu besuchen. Durch die Atacama, die trockenste Wüste der Welt ging es Richtung Norden. Unter anderem sahen wir 3500 Jahre alte Petroglyphen. Es war sehr schön.

  • Schnee in den Anden

    19.07.2018, 22.00 Uhr, San Pedro de Atacama, Chile

    Zwei intensive Tage liegen hinter uns, der Wecker klingelte heute um 4.00 Uhr. Nach der ersten Nacht im Salzhostel auf 3800 Meter freuten wir uns morgens über warmen Tee , die zweite Nacht dann auf 4350 Meter war eine echte Herausforderung. Es wurde deutlich unter Null und schneite die ganze Nacht. Warm wurde mir erst mit der Wasserflasche, die ich mit warmem Wasser vom Tee füllte und in den Schlafsack nahm; alle hatten ihre komplette Kleidung an.

    Aber die Natur dort oben im Grenzland von Bolivien und Chile war alles wert. Flamingos und ein rosaroter See, eine grandiose Natur und Einsamkeit, die man nur mit Lama oder Geländewagen bereisen kann, und dann überraschen und für die Jahreszeit unüblich Schneefall, der den Weg nach Chile versperrte. Die Chilenen schlossen die Grenze, und so ging es nicht mehr weiter.

    Heute dafür dann nach 13 Stunden wunderbarer Schneelandschaften meist zwischen 4300 und 4600 Meter Höhe schließlich über einen anderen Grenzübergang erschöpft doch noch in San Pedro de Atacama angekommen, das Ziel unsere drei- Tages-Tour. An die Höhe sind wir jetzt gewöhnt! Und unser bolivianischer Fahrer hat gezeigt, was er kann – im Schnee war für uns nicht mehr erkennbar wo es hier eigentlich langgeht. Und zwischen allem Schnee Leben: ein hasenähnliches Tier mit langem Schwanz, ein Fuchs, Vögel.

    Vor der Grenze hingen viele Laster und Busse fest, auf der Lehmpiste mit Schnee drehten die Räder einfach durch.

    Dort ist warten angesagt. Jedes (!) Gepäckstück wird geöffnet und durchsucht. Die Zollbeamten konfiszierten Nadines Redwood-Rinden, waren aber sonst sehr freundlich. Eine raunte ihrem Kollegen zu: „Capitan fantastico“. Wer den Film kennt („Captain Fantastic“) weiß, das dies ein Kompliment ist..

    Kaum hat man die Grenze überquert, wird aus der Lehmpiste eine Straße fast wie in Deutschland, mit Leitplanken und allem was dazu gehört. Der Guide war begeistert von Evo Morales, dem Präsidenten von Bolivien, und erzählt dass es wirtschaftlich bergauf gehe. Auch der Tourismus boomt, es waren viele Toyota Landcruiser unterwegs.

    Aber auf dem Land merkt man, dass Bolivien noch ein sehr armes Land ist. Doch dort wo die Touren halten, wurden Spezialitäten wie Lama-Steak mit Quinoa und Lama-Wurst im Hotdog serviert, und die Kinder freuten sich über die Wurst.

    Auf jeden Fall gab es dort oben in der grandiosen Vulkanlandschaft keine weitere Reisegruppe mit Kindern. Ein großes Danke an Nadine, wie sie hier diese drei Tage Abenteuer für uns alle mit möglich gemacht hat. Zum Glück habe ich eine „Capitana fantastica“ an meiner Seite!