• 15. Juni 2018, 20.30 Uhr, Apartementos Trendy Host, Barranco, Lima

    Wir haben uns um die wirklich wichtigen Dinge zuerst gekümmert. Einen VPN-Tunnel eingerichtet, so dass Lysander die WM-Spiele auf der deutschen Sportschau- und ZDF-Seite auf dem Laptop anschauen kann. So wird der Rechner über eine deutsche Adresse angemeldet, und die Sperre im Ausland umgangen.

    Das war meine Aktion von 6.30 bis 7.30, damit um 8.00 die WM-Eröffnung beginnen kann. Hier ist es ja 7 Stunden früher als in Deutschland. Sehr vertraut die Stimme des deutschen Kommentators zu hören.

    Und natürlich: Weltreiseschule. Jetzt ist Endspurt angesagt, und wir machen noch jeden Tag bis zur Heimreise Mathe. Die große Rettung ist Sofatutor, denn ich bin im Erklären einfach nicht gut genug und die kurzen Spots mit anschließenden Übungen erleichtern den Unterricht.

    Und ich habe jetzt auch die Geduld, mir so manchen Frust wieder und wieder anzuhören. Es ist eine der echten Fortschritte dieser Reise: Wir haben alle eine enorme Geduld entwickelt, die Launen und Eigenarten der anderen zu ertragen. Denn es gibt keinen Ausweg. Aber gute Aussichten: wenn alles klappt, können auch Tara und Morpheus wieder in ihre alte Kita zurück, so hieß es heute!

    Schließlich schaffen wir es dann endlich vor die Tür. Erste Station ist Museum für Elektrizität, wo alte Geräte die Kinder faszinieren. Und dann der Spielplatz. Auf Taxifahren hat keiner Lust, Lysi wird noch schlecht wenn er nur daran denkt. Also bleiben wir in Barranco. Hier gibt es auch viel zu sehen. Es ist wirklich sehr schön hier, und sehr trendy.

    Wir wagen das Abenteuer ins Museum für moderne Kunst zu gehen. Die Bilder und Installation laden zum anfassen ein, nur das geht eben gerade nicht.

    Hier wird es um gegen 6 Uhr abends dunkel, und wir bringen die Kinder heim in unser kleines Zuhause. Mit den an der Ecke gekauften Maracujas, die doppelt so groß sind wie in Indien, und allen super schmecken, Avocados und einem Grilljähnchen.

    Es ist feucht hier, ein Luftentfeuchter hilft nur begrenzt dagegen. Unter der Decke ist es am gemütlichsten.

    Wir gehen zu zwei noch mal los, in ein leckeres Restaurant. Der Fisch ist wirklich hervorragend. An der Wand ein Bild mit Autogramm von Paul McCartney.

    Und danach um die Ecke noch eine Bar mit einem echten Urwald-Namen. Dort ist es sehr schick und die Sours sind hervorragend. Wir testen Pisco Sour und drei Varianten mit Maracuja und anderen Früchten und Pflanzen. Herrlich.

    Heute nahmen wir die Kinder mit ins Restaurant. Erst ist Bastel- und Zeichenstunde, dann schmeckt allen der Fisch mit Reis sehr gut. Wir sind glücklich: Das Essen in Peru schmeckt den Kindern.

    Morgen spielt Peru gegen Dänemark. In diesem Fußball-verrücktem Land wurde ja schon der Tag der Qualifikation zur WM nach 32 Jahren gleich zum Nationalfeiertag ernannt. Ganz Peru ist aufgeregt und wir drücken mit die Daumen.

    Am Montag schon brechen wir ja mit eigenem Auto über die Anden auf den Weg Richtung Bergurwald, nach Oxapampa. Es wird eine aufregende Fahrt, das weiß ich. Meine erste eigene Fahrt in Peru.

  • Ankunft im Lima

    Mittwoch, 13. Juni 2018, 22.12, Trendy Host Apartment, Barranco, Lima

    In Lima im Winter anzukommen ist nicht gerade die attraktivste Art, in der man in einem Land kennenlernen kann – um es mal vorsichtig auszudrücken. Es ist eine 10-Millionen-Metropole. Und ich erinnere mich – der strenge Geruch von Fisch von Hafen herüber geweht gehörte genauso zu meiner Kindheit in Peru wie der monatelange Nebel in Grau, der den Winter in Lima prägt. Dazu fröstelt es einen leicht, weil bei hoher Luftfeuchtigkeit auch 16 bis 20 Grad kühl wirken können – besonders ohne Heizung daheim.  Und ja, Lima liegt in der Wüste. Die vorherrschende Farbe ist ein grau-braun. Selbst das Meer am Pazifik sieht genauso aus. Der Verkehr ist chaotisch und schnell. Die Straße hat Löcher. Es sieht oft ärmlich aus.

    Aber meine Familie war großartig, meine dennoch auftretende Begeisterung (ja, was man aus seiner Kindheit kennt liebt man eben) nicht durch unkluge Bemerkungen zu schmälern und machte einen großartigen Job. 10 Monate zusammen zeigen Wirkung – jeder kennt den anderen und weiß, wie man am besten miteinander umgeht.

    An jeder Straßenkreuzung rief ich so etwas wie: „hier gerade aus geht es zu meiner alten Schule“ oder „die VW-Käfer gibt es immer noch!“ oder: „so sah auch der „Chino“, der Laden bei mir um die Ecke aus, bei dem ich immer Bonbons und Fußballbilder gekauft habe“.

    Fährt man vom Flughafen in die Stadt, dann sieht vieles tatsächlich wie früher aus. Aber vieles auch ganz anders. Aus den Slums aus Strohhütten entlang der Straße sind zweistöckige Ziegelhäuser geworden. Es gibt noch ein paar Käfer, aber keine VW-Busse mehr und auch keine Ikarus-Busse. Die Metro ist immer noch nicht gebaut, aber es gibt eine Busspur die getrennte Stationen hat. Es werden Bäume im Sand entlang der Panamericana angepflanzt Schaut man genauer hin, sieht man: Lima ist zu einer modernen Metropole geworden.

    Nadine meint: Es ist ganz anders hier als in allen Ländern in denen wir bisher waren. Das stimmt. Südamerika hat noch einmal eine ganz andere Note.

    Und freundlich sind sie weiter, die Peruaner. Hatten wir je eine so liebevolle „Mama“ an der Einreise? Und kaum kommen wir in die besseren Wohngegenden, wird es auch immer bunter und grüner. Barranco, ein historisches Viertel am Wasser, empfängt uns sehr gastfreundlich. Ein gerade fertiggestellter Neubau beherbergt unser Apartment, es ist klein aber perfekt eingerichtet für uns, mit Küche und drei Schlafzimmern. Es gibt einen Fernseher mit Youtube, und so schauen wir uns eine spannende Doku von National Geographic über Machu Picchu, die sagenumwobene Urwaldstadt an.

    Und kochen abends noch etwas, am nächsten morgen geht es gleich mit frischem Schwung nach der „Schule“ los Richtung Süden nach Pachacamac, dem größten Heiligtum der Küstenregion, am Fluss Lurin gelegen.  Hier gibt es schon seit 10.000 Jahren die ersten Spuren von Menschen, seit 2000 Jahren wurde hier eine Tempelstadt errichtet für den „Schöpfer der Welt“, „Pachacamac“.

    Ein neu errichtetes sehr elegantes Museum empfängt uns gemeinsam mit Busladungen peruanischer Schüler. Die Anlage ist sehr groß, wir laufen über 4 Km und haben nur einen kleinen Teil bis zum Sonnentempel geschafft.

    Es ist eine Welt in grau. Früher muss der ganze Tempel rot angemalt gewesen sein. Es gibt einen Botanik-Bereich, in dem die alten Nutzpflanzen der Inkas angebaut werden. Wir essen in der Museums-Cafeteria einen Lucuma-Kuchen, sehr lecker; schmeckt wie Karamell, diese Frucht.

    Im Museum sieht man nur eine winzige Auswahl der Schätze, die in den Gräbern dort unter dem Sandboden und Lehmziegeln verborgen lag und liegt. Und auch die Erinnerung daran, dass die so bekannten Inka nur einen sehr kurzen Zeitraum Peru geprägt haben. Es gab viele viele Kulturen vorher, die gemeinsam diese unwirtliche, raue und wilde Welt von Wüste, hohen Bergen und Urwald erobert und fruchtbar gemacht haben.

    Peru ist ein Land der Extreme. Als wir in Lima ankommen nieselt es abends leicht, aber spürbar. Eine Rarität hier in der Wüste. Wir sind neugierig auf noch mehr Überraschungen in diesem ungewöhnlichen Land.

  • Von Las Vegas nach Panama

    Montag, 11. Juni 2018, 21.29 Uhr, Panama City

    Während Trump sich mit Kim trifft, und die Kinder eingeschlafen sind finde ich etwas Zeit um über den Abschied von den USA zu berichten. Wir hatten 6 Tage in Las Vegas, und die vergingen schnell. Eine skurrile Welt, mit einem Indoor-Vergnügungspark bei dem die Kinder den Tagespass so richtig genossen haben. Draußen die ewige Hitze, überall der Geruch von Marihuana (ja, man darf mit Kindern nach den Gesetzen von Las Vegas durchs Kasino laufen, und dort darf geraucht werden, auch Marihuana), die bunte, manchmal etwas merkwürdige Mischung der eher ärmeren Weißen, Latinos und Schwarzen die im billigsten 3600-Betten Hotel mit uns abgestiegen sind.

    Unsere Kinder, die von der Security eingefangen werden weil sie allein zum Hotelzimmer laufen wollen oder Tara nur mit Badehose baden will.

    Draußen der Strip mit Baustellen, den Casinotempeln, Dope-Dispensaries, dem goldenen Trump-Tower, und einem 360 Meter Turm auf dessen Spitze man noch ein Fahrgeschäft befestigt hat.

    Wir essen bei einem Inder lecker zum Abschied (die Bedienung ist aus Goa, eingereist mit einem Touristenvisum für Portugiesen; gewusst wie!), kochen bis zur Abgabe auf dem RV-Parkplatz in unserem Wagen die Reste bevor ich das Auto zurückbringe.

    Es gibt noch mal viel Schule, so gut man das mit vier Kindern in einem Hotelzimmer hinbekommen kann, und ich buche die Reise weiter: Lima- Urwald mit Mietwagen, Besuch eines sozialen Projekts, Macchu Picchu, und wir stecken die Reiseroute über Bolivien und Chile weiter ab.

    Sechs Wochen bleiben, wir werden Freunde und Klassenkameraden aus meiner Kindheit sehen und noch einmal gemeinsam alles geben dass es ein guter Abschluss wird.

    Der letzte Kontinent unser Reise wartet: Südamerika, meine Heimat von 1973 bis 1978.

    Im März 1973 fuhr ich einen Monat mit der MS Donizetti, einem Passagier-und Frachtschiff von Genua nach Lima/Peru, meiner neuen Heimat. Ich wurde 5 Jahre auf dem Schiff, kurz bevor wir den Panama-Kanal durchquerten. Heute waren wir in Panama wieder am Kanal, es war ein schöner Ausflug. Morgen fliegen wir nach Peru. Ich war dort über 30 Jahre nicht mehr. Ich bin aufgeregt.

  • Zion Valley und Las Vegas

    Dienstag, 5. Juni 2018, 9.19 Uhr

    Zion Valley, RV Campground, Utah.

    Frisch geduscht sitze ich am noch kühlen Morgen mit dem Kaffee draußen vor dem Wagen. Man hört einen Kuckuck und viele andere Vögel, der Wind weht sanft durch die Blätter und erfrischt. Noch ist Schatten durch das Wohnmobil , die Sonne ist aber schon über die auf beiden Seiten des Tals aufragenden Felswände aufgestiegen.

    Neben uns steht ein junger Mann mit seinem Mercedes Sprinter, für amerikanische Verhältnisse ein Mini-Wohnmobil. Er erzählt, dass er vorgestern den Grand Canyon in 10 Stunden durchquert hat, vom South Rim zum North Rim, 24 Meilen. Und 1500 Höhenmeter.

    Heute will er in den Canyon hier im Zion National Park in Utah wandern. Ein „Veteran“, wie auf dem Nummernschild steht, er war im Irak im Einsatz.

    Wir waren eigentlich nur auf der Rückfahrt vom Monument Valley nach Las Vegas und suchten nach einem Platz für die Nacht. Aber das eher zufällig ausgewählte Zion Valley ist wieder ein absolut erstaunlicher Ort, mit Felswänden wie in den Dolomiten an denen man vorbeifahren kann und die man mit Tunnels unterqueren kann, teilweise nur in einspurigem Verkehr im Wechsel – die Wohnmobile sind zu breit für den Tunnel bei Gegenverkehr.

    Und wir können vom Platz aus nicht nur im Swimmingpool und abkühlen bei 39 Grad, es gibt auch einen schattigen Platz am Fluss, den wir alle barfuß durchqueren. Dort sitzen schon zwei nette Familien aus Deutschland mit kleine Kindern, jeweils 1 und 3 Jahre alt, die zwei Monate Elternzeit hier im schönen Westen der USA.

    5.5.2018, Hotel Circus Circus, Las Vegas, Nevada, USA

    Angekommen. Nach 3300 Meilen oder 5200 km durch den Westen der USA sind wir nun am Ziel dieses Abschnittes angekommen.

    Einen Monat mit dem Haus auf Rädern zu acht durch Nordamerika. Und mit meinen Eltern tatsächlich den Traum wahr gemacht, noch einmal gemeinsam im Auto auf große Tour zu gehen. Es war eine intensive, tolle Zeit für alle die wir nicht vergessen werden. Und wir haben uns noch mal alle mehr kennengelernt.

    Wir sind in Las Vegas stilgerecht in das älteste und billigste der großen Casino-Hotels abgestiegen. Baujahr 1968 wie ich auch, atmet es den Charme vergangener Zeiten. Man könnte auch sagen, es ist richtig „trashig“.

    Mit meinen Eltern und Nadine sind wir zum Abschied noch einmal die Tour durchs Casino, Circus, Indoor- Achterbahn und dann in der Dämmerung den „Stripe“, den Las Vegas Boulevard eine Meile herauf gegangen bis zu einem farbenfrohe Springbrunnen. Eine verrückte Welt, immer im Hintergrund der goldene Trump Tower mit einem übergroßen TRUMP ganz oben drauf.

    Tara durfte im Wasserpark mutig schon die große Wasserrutsche mit Matte herunter sausen und meinte danach- „das war zu schnell!“

    Und ich genieße nach einem Monat zu dritt im Alkoven den Genuss eines richtigen eigenen Betts. Herrlich.

  • Grand Canyon und Monument Valley

    3. Juni 2018, 23.00 Uhr, Monument Valley, Utah

    Über die Route 66 und Oatman ging es weiter nach Flagstaff. Nach der Wüste überraschend auf einmal wieder Wälder mit Nadelbäumen. Wir schliefen auf über 2000 Meter in einem Camp im Wald.

    Zwei Tage waren wit am Grand Canyon. Es war einfach fantastisch und hat unsere Erwartungen übertroffen.

    Und danach weiter zum Monument Valley, wo wir wieder wie immer ohne Reservierung direkt an den Felsen stehen konnten. Die Höhepunkte unserer USA-Zeit. Die Weite und Schönheit der Landschaft ist einfach atemberaubend. Dankbarkeit bei uns allen, das gemeinsam erleben zu dürfen.

  • Mojave Wüste und Colorado River

    Montag, 28. Mai 2018, 21.17, Mojave desert, Hole in a Wall campground

    Grillen zirpen. Mondschein. Büsche und Kakteen in einer Felslandschaft. Noch ein weiterer Wagen in der Ferne, sonst sind wir allein. Amerika wie aus dem Bilderbuch.

    Mit meinen Jungs mache ich zur Dämmerung eine Wanderung rund um die beiden Anhöhen durch markante Felslandschaften mit großen Löchern. Es gibt Kletterabschnitte mit Ringen. Die Jungs machen es gut. Und ich liebe es nach der Fahrt mich noch zu bewegen.

    31.Mai 2018, 14.11 Uhr, Pirates Bay Camp, Needles, California, am Colorado an der Grenze zu Arizona.

    Für Lysi ist es der coolste Campingplatz. Ich bin begeistert vom klaren kühlen Wasser und dem Sandstrand mit einer schattigen Bucht direkt vor unserem Platz. Es gibt sie einfach, die traumhaften Plätze. Man muss sie nur suchen. Es sieht genau so aus wie auf der Luftaufnahme die mich gleich begeistert hat. Und es ist gut, außerhalb der Hauptsaison unterwegs zu sein.

    Ein traumhafter Ort am Wasser. Der Colorado ist kühl, super klar und hat eine türkisblaue Farbe. Und es gibt kleine Sandstrände in Buchten. Dazwischen kann man mit dem Wohnwagen direkt ans Wasser vorfahren. Es gibt Strom, Wasser und Abwasser und so kann man die Klimaanlage betreiben, die man auch braucht bei der Temperatur von um die 40 Grad. Aber es fühlt sich nicht so heiß an, da es super trocken ist, man schwitzt überhaupt nicht und es weht ein erfrischender Wind.

    Vor allem aber kann man sich im Colorado immer wieder erfrischen.

    Mit den Jungs zusammen lassen wir uns weit treiben, gehen drei Buchten weiter stromaufwärts und schwimmen dann heraus. Ist man erst einmal aus der Bucht heraus, hat es eine kräftige Strömung die einen mitnimmt. Es sieht surreal wie in einem Film aus, wenn aus dem türkisblauen Wasser heraus geschaut draußen Wüstenberge vorbeiziehen.

    Wir sind hier in Californien, auf der anderen Seite des Flusses liegt Arizona. Wasser in der Wüste, das hat mir schon immer gefallen. Es erinnert mich an den Nil in Luxor, an den Orange River in Namibia. Camps am Fluss waren auch für die Kinder immer die liebsten Plätze. Wie Velis meinte: Im Meer ist es salzig und im Swimmingpool ist Chlor. Hier ist das Wasser frisch und sauber. Und für Lysander war es gleich bei der Ankunft „das beste Camp der Reise“.

    Es ist weitläufig, zur Rezeption und dem Shop kann man einen Shuttle bestellen. Die Meile durch die Wüste in der Hitze kann man nicht wirklich laufen.

    Es gibt in einer Bucht einen Yachthafen, und so brausen schnelle Motorboote mit ihren tief brummenden Schiffsmotoren hier vorbei. Und der Nachbar mit dem man sich einen Privatstrand teilt hört gerne Rockmusik, laut. Aber es ist eine freundliche Atmosphäre und ich kann mir vorstellen dass es hier an den Wochenenden und im Sommer auf lange voraus ausgebucht ist. Denn wir sind nur 4 Stunden von LA weg und drei Stunden von Las Vegas, und man hat sozusagen einen Traumstrand am kristallklaren Wasser mitten in der Wüste für sich.

    Der erste Ort seit unserem Aufbruch in Seattle außerhalb der Städte, an dem wir auch eine zweite Nacht bleiben bisher.

    Wir sind aber auch weit gekommen in den letzten drei Wochen seit unserem Start in Seattle. Und die USA ist besonders hier an der Westküste ein großes Land mit viel Platz und viel wunderbarer Natur.

    Über 9 Monate sind wir jetzt schon unterwegs. Und zwei Monate liegen noch vor uns. Jetzt kommt bei allen die Rückkehr näher. Wie wird es sich anfühlen, in unsere alte Wohnung zurück zu kommen? Wird es wieder „unsere“ Wohnung, jetzt, wo so viele Menschen aus aller Welt darin gewohnt haben?

    Und ich welche Klasse oder Gruppe kommen die Kinder? Bei den Kita-Kindern Morpheus und Tara ist noch alles offen. Wir hoffen auf eine Rückkehr in die alte Kita, in der auch schon Velis und Lysander waren, nehmen aber auch alle anderen Möglichkeiten offen an. Sonst bleiben die Kinder eben erst mal zuhause.

    Bei Velis und Lysander hat sich alles zum Glücklichen gefügt. Velis kann in seine alte Klasse zurück, Lysander hat einen Platz in der 7. Klasse seiner Wunschschule in Weißensee bekommen. Wir sind dankbar für diese Nachrichten der letzten Tage und wissen, das war nicht selbstverständlich.

    Und vom Stoff her sehen wir klar, dass sie enorm an Selbständigkeit gewonnen haben. Sie wissen, was der Lehrstoff ist und setzen sich immer wieder selbständig hin, um ihn zu erarbeiten. Aber natürlich sind wir auch glücklich, jetzt zum Abschluss noch einmal mit meinen Eltern professionelle Unterstützung zu haben. Und ein Deutsch- Privatunterricht beim Opa oder in Englisch bei der Oma mit ihren 40 Jahren Schulerfahrung hat doch eine ganz andere Intensität, wie wir sie kaum erreichen können. Und dennoch – es wird sicher auch die eine oder andere Herausforderung sein, wieder in das deutsche Schulsystem zurückzukehren. Aber die Freude überwiegt.

    Hier in der Mojave-Wüste liegen die ersten Solar-Großkraftwerke. Vor dem Solarzellenboom, der durch Deutschland ausgelöst wurde hier die größte installierte Kraftwerkskapazität erreicht. Denn die Bedingungen sind ideal, die Sonne scheint praktisch das ganze Jahr und es gibt dank der Lufttrockenheit kaum Korrosion. Deshalb werden hier auch Fahrzeuge in großen Parks aufbewahrt – und auch ausgedienten Düsenjets oder auch derzeit nicht benötigte neue Maschinen.

    Man sieht auch viele Windkraftwerke, allerdings noch der älteren Generation, eher kleinere Anlagen. Ich bin aber sicher, dass hier in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ein großer Boom an regenerativer Energie bevorsteht. Die Bedingungen sind einfach ideal.

    In Californien setzt man auch weiter viel auf die Kombination von Natur und Erholung. Neben unserem Camp hier wird ein großes Flussgebiet seitlich des Colorado wieder renaturiert. Es sind neue alte Wasserflächen, die so entstehen und für gefährdete Tierarten, aber auch Wassersport ohne Motor zur Verfügung stehen werden. Noch ist es alles Wüste mit Bulldozern. Es wird sicher sehr schön werden. Und wir genießen diese Oase in der Wüste schon den zweiten Tag.

    Morgen geht es weiter in Richtung Grand Canyon.

  • Santa Barbara, Hollywood, Joshua Tree National Park

    Montag, 28. Mai 2018, 12.30, Black Rock Canyon Campground, Yoshua Tree National Park, California

    Nadine wurde nach 5 Tagen allein in San Francisco in LA am Flughafen wieder in Empfang genommen. Große Freude bei Allen!

    Wir waren zuvor vom Dünen-Camp aus nach Santa Barbara unterwegs, trafen bei einer Kurzvisite sehr herzliche Freunde meines Bruders aus seiner Zeit in den USA und schliefen eine Nacht in Santa Barbara in einen kleinen RV-Park, auf dem letzten freien Platz.

    Es ist Memorial Day Wochenende in den USA und damit sind alle unterwegs, um das verlängerte Wochenende zu nutzen. So hatten wir Glück, dass uns Freunde meiner Eltern in Los Angeles anboten, mit dem RV vor dem Haus zu stehen. Wir wurden herzlich empfangen, für die Kinder gab es eine Whirlpool, ein großes Haus zum Entdecken, leckeres Essen und Toystory 3. Einfach spannend, so kurz in das Leben so gastfreundlicher Amerikaner einzutauchen, wir haben viel dabei gelernt. Thank you so much!

    Recht problemlos ging es dann über Berge und Autobahnen weiter in die Metropolregion Los Angeles hinein, mit 17 Millionen Menschen die zweitgrößte Stadt der USA und unter den Top 20 auf der Welt.

    Hollywood war Kinderwunsch und unser Ziel, ich fand es recht lustig und unterhaltsam für einen kurzen Halt. Seit in den meisten Staaten der Westküste (auch California) Marihuana legal ist, gibt es auch überall Werbung dafür. Auch in Hollywood.

    Danach weiter um Joshua Tree Park. Trotz Feiertag ließ uns unser Glück nicht im Stich und wir fanden auch hier den letzten Platz in herrlicher Natur. Jetzt ist es wieder Wüste, die Kinder sind an Namibia erinnert und es ist heiß. Wir saßen noch lange abends am Lagefeuer.

     

     

  • Route One mit Umwegen

    Donnerstag, 24. Mai 2018, 23.18, Arroyo Grande, bei Santa Maria, California

    Ich saß ja gestern noch bis in die Nacht und plante: lässt sich die Vollsperrung der legendären Route 1 südlich von Big Sur umfahren? Wenn ja, mit unserem 32ft Wohnmobil? Die Karten-App empfiehlt ja, ganz außen herum, das ist viel schneller.

    Nach den Erdrutschen letztes Jahr ist ja die Strecke noch mach El Gordo bis Herbst 2018 gesperrt. Man kommt nicht durch. Außer – man nimmt eine winzige, meist auf Google Maps gar nicht gezeigte Straße die sich von der Küste atemberaubend in die Höhe schlängelt.

    Gemeinsam mit meinem Vater, der in mehr Abgründe in den Anden in Kolumbien, Ekuador und Chile mit dem VW-Bus mit uns in den 70er Jahren geblickt hat beschließen wir: das geht.

    Es wird eine herrliche Fährt. Ich kannte ja das klassische Stück an der Küste schon. Jetzt ging es aber wirklich steil und kurvig und meist einspurig in die Höhe. Zum Glück kamen nur wenige kleine Autos entgegen und kein Wohnmobil..

    Hinten riefen die Kinder nur: „wir wollen nicht sterben!“ Und ich erinnere mich, wie es für mich damals war, in Peru: ich hatte auch immer Angst, wenn man von Fenster aus die Straße nicht mehr sah und nur Abgrund.

    Und oben stundenlang einsame Landschaften, wunderschön.

    Schließlich eine ewige Schlange an Fahrzeugen, die uns entgegen kamen. Es sah aus wie bei der Zufahrt zum Fusion- Festival.

    Wir kamen aus der anderen Richtung und hätten einfach einbiegen können zum LIB, was auf dem Schild stand. lightning in a bottle 2018 am Lake San Antonio bei Bradley. Aber ok, 359 USD pro Person und 499 USD fürs Wohnmobil für die 4 Tage – dann wohl eher doch nicht. Aber es war ja eh schon ausgebucht.

    Das Ziel dann zur Freude der Kinder ein Platz an den Dünen. Wir kamen gerade vor Sonnenuntergang an. Während meine Eltern kochten, erkundete ich noch mit den Kindern die Dünen. Danach Mega- entsanden und große Freude über Spaghetti und Tomatensoße im warmen Wagen. Tara bearbeite noch ihr Bild und malte sich die Füße rot an. Wenn dann gegen 23.00 auch alle Kinder wirklich schlafen sind wir Erwachsen auch glücklich und bettreif.

  • Santa Rosa, Santa Cruz, Monterey

    23. Mai 2017, 23.04, Marin Dunes RV Park, nördlich von Monterey.

    Wir erleben echte Gastfreundschaft in Santa Rosa bei einer tollen Familie, die wir auf der Fähre kennengelernt haben und die uns zu Ihnen nach Hause eingeladen haben – ein deutscher Ingenieur der seit 20 Jahren in Kalifornien lebt und seine russische Frau mit ihren süßen beiden Kindern im Alter von Tara und jünger bereiten uns, meinen Eltern und den Kindern eine wundervolle Erfahrung. Frisch inspiriert ändern wir die Pläne: Nadine genießt ein paar Tage Freiheit in San Francisco und wir fahren zu siebt die Küste nach Los Angeles herunter, um sie am Wochenende dort wieder in Empfang zu nehmen.

    Das wertvollste am Reisen sind einfach die Menschen!

    Nach einem Kurzbesuch in Berkeley geht es durch das Silicon Valley über San José nach Santa Cruz, wo wir im Wald in einem Park übernachten.

    Morgens wird noch draußen gespielt, dann geht es nach Unterricht weiter zu einem schönen Strand zur Mittagspause und weiter bis zu einem Campingplatz an den Dünen. Feuer mit Fleisch, Mais und Marshmallows zum Abend nach großem Dünenwandern.

    Was für ein Geschenk in den drei Generationen hier unterwegs sein zu können. Für alle ist es eine besondere Zeit.