• „Get out of here now!“

    Sonntag, 6. Mai 2018, 9.00 Uhr, Waikoloa, Kona, Big Island Hawaii

    Und auf einmal war unser Aufenthalt im magischen Pele’s Breath vorbei. Gegen 14.00 erschien ein Einsatzfahrzeug mit der Behörden mit Blaulicht bei uns. Sie fuhren Haus für Haus ab, um die verbliebenen Bewohner zum Verlassen aufzufordern. „Get out here now, the situation is getting worse!“ sagten die beiden Männer freundlich, aber bestimmt.

    Wir hatten uns schon ganz gut in die Ausnahmesituation eingerichtet. Ich war abends noch in der Dampfsauna. Bei aufgehendem Mond und den vielen Tiergeräuschen der Nacht war der Weg vom Haus herunter durch die atemberaubende Natur noch magischer. Alles sah friedlich, aber zugleich etwas unheimlich aus. Irgendwo da unter uns brodelt die Magma. Und sie sucht sich überraschend neue Wege heraus, hier ganz in der Nähe. Zugleich fühlten wir uns weiter sicher. Die reale Gefahr für uns war minimal.

    Morgens stellten wir fest, das Nachts wieder der Strom ausgefallen war. Er tat jetzt wieder, nicht aber das Internet. So fehlte das beruhigende Gefühl gut informiert zu sein. Wir haben ja beide keine funktionierende Telefonkarte, und Handyempfang gab es am Haus eh nicht.

    Erst einmal gab es Frühstück.

    Und die Kinder malten weiter Vulkanbilder. hier das von Tara: man sieht deutlich, sie versteht dass die Lava unter der schwarzen Oberfläche fließt.

    Bei Velis ist der ganze Berg aktiv:

    Nadine setzte sich um 13.00 ins Auto, um das „Civil Defence Update“ zu hören. Es sprach von zwei neuen Öffnungen und „increased activity“.

    Ich lief die Straße entlang. Es war kein Auto weit und breit zu sehen, nur die grandiose Natur. Am Ende sah ich wieder die Einsatzkräfte, die Einfahrt von der Küste hinein blieb gesperrt.

    Wir waren allein, die letzten anderen Gäste weg und Marc und Ishika auch nicht daheim. Als dann ein Pickup mit Blaulicht bei uns auf das Grundstück kam, wusste ich dass es jetzt Zeit war aufzubrechen.

    Wir verließen Pele’s Atem wehmütig und zugleich dankbar, so ein Abenteuer so hautnah erlebt zu haben.

    Mir kam das Hotel California in den Sinn: etwas erinnere mich dieses große, einsame Haus daran. War das hier das Hotel Hawaii: „such a lovely place“

    „this might be heaven or this might be hell“?

    Es hatte seine besten Tage hinter sich, so sieht es aus. Aber es hat einen magischen Charme. Natur, Ausblick, der verwunschene Garten, die aus Lavafelsen gebauten zwei Saunas, die Löcher aus denen kontinuierlich Damf aufsteigt. Blick auf das Meer, ein feuchtes Klima mit tagelang Regen. Ständige Erdbeben. Die freundlichen „Herbergseltern“ Marc und Ishika, die aber zugleich etwas abwesend erscheinen. Fühlen sie sich hier Zuhause? Dann kommt die Sonne heraus, und der Vulkan bricht nebenan aus und es gibt schwere Erdbeben.

    Wir sind zwei Nächte danach noch geblieben. Hatten eine tolle Zeit, haben uns gemeinsam der Aufgabe gestellt Ruhe zu bewahren.

    Zwei Momente waren besonders aufregend: nach dem ersten Sirenen zu lesen, dass tatsächlich ein Ausbruch stattfindet, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft! Was für eine Synchronizität, dass wir hier gerade jetzt sind!

    Und dann das Gefühl, bei wackelndem Untergrund im Bett zu liegen und einschlafen zu wollen. Und sich dabei vorzustellen, was auch hier passieren könnte wenn es doch nicht nur ein kleiner Ausbruch des unberechenbaren Kilaue ist.

    Aber alles ging gut, und Grenzerfahrung erweitern den Horizont und schweißen zusammen.

    Als wir dann in Pahoa unsere Pizza aßen und danach auf der Straße standen, fühlten wir uns etwas lost. Wohin jetzt?

    Doch dann: mit dem ersten WLAN gab es wieder Infos. Wir fanden eine neue Bleibe in einem schicken Resort in der Nähe des Traumstrands Hapuna Beach.

    Und fuhren die Nacht hinein durch Nebel über die Insel.

    Heute morgen eine ganz andere Welt. Alle sind sehr glücklich.

    Und in den Nachrichten wie in der FAZ ein seh guter Bericht über das, was wir hautnah miterlebt haben.

    http://m.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/nach-vulkanausbruch-und-beben-lava-auf-hawaii-15577001.html

    Ich nutze auch das erste Mal den Facebook Crisis Response:

    Heute morgen das Civil Defense Update:

    Jetzt sind es neun Öffnungen. Es ist gut, das wir aufgebrochen sind.

  • Im Katastrophengebiet: Die Erde bebt, die Lava fließt

    Freitag, 4. Mai 2018, 18.25, Pele´s Breath, Pahoa, Big Island, Hawaii

    Es ist eine seltene Erfahrung, mitten in einem Naturphänomen zu befinden. Wir sind ja zur „Big Island“ auch genau deswegen gekommen, um einen Vulkan zu erleben. Aber was jetzt geschieht übertrifft doch alle Erwartungen. Zugleich sind Berichte im Internet und Fernsehen immer darauf fokussiert, die dramatischsten Bilder zu wiederholen. Und damit zu übertreiben.

    Fakt ist: Wir hatten ein erstaunlich gutes Timing, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Fuhren wir doch am Tag nach unserer Ankunft zur Lava Viewing Area, um die Mondlandschaft des letzten Ausbruchs und Lavaflusses zu sehen. Am nächsten Tag bereits war dieses Gebiet gesperrt. An diesem Tag waren wir oben am Vulkankrater des Kilauea, beim Aussichtspunkt am Jaggar Museum. Es war unüblich gute Sicht, und wir sahen einen sehr aktiven Vulkan mit bloßen Augen. Gestern wurde der ganze National Vulcano Park gesperrt.

    Zwei Tage später fuhren wir an den Schwarzsand-Strand hier am östlichen Rand der Insel, ein „Geheimtip“ der Locals. Es war ein herrlicher Tag mit Sonne, selten hier. Kurz vor Sonnenuntergang dort Begann der Ausbruch in der Leilani Estate Subdivision in Pahoa, direkt nördlich von uns. Das war gestern Abend. Ich denke: Das ist doch direkt bei uns! Tatsächlich, es ist weniger als 4 km weg. Auf der Karte sieht man mit dem Stern markiert unser Haus, an den drei roten Punkten tritt die Lava aus.

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    Wir sahen im Internet Bilder von einer Drohne aus aufgenommen, die zeigen wie die Straße auf einem Abschnitt von mehreren hundert Meter aufgerissen ist und Lava austritt. Es sieht dramatisch aus.

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    Die Nacht rüttelte es weiter heftig. Insgesamt gab es über 500 Erdbeben in den letzten 24 Stunden, derzeit ist dies der geologisch aktivste Ort gerade auf der Welt. Eigentlich wackelt es alle paar Minuten. Dies ist wirklich merkwürdig, das habe ich auch noch nicht erlebt. Ich kenne ja Erdbeben aus meiner Kindheit in Peru. Aber so viele hintereinander dann doch nicht. Wir sind ziemlich genau in der Mitte all dieser Bubbles rechts unten. Rot sind die Erdbeben der letzten 2 Stunden.

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    Morgens fahren wir dann nach Pahoa, um Essen einzukaufen und Pizza essen zu gehen, wie es den Kindern versprochen wurde. Wir fahren dabei an dem gesperrten Gebiet vorbei. Man sieht schwere Laster des Militärs, Straßensperren und die Pickups mit Sachen darauf, die Leute verlassen das Gebiet. Hubschrauber kreisen über uns. Man hört Sirenen.

    Am Straßenrand stehen zwei Kinder mit einem Hund und halten den Daumen hoch. Wir nehmen sie mit, sie erzählen dass sie heute nicht in die Schule gegangen sind. Gestern sei ständig im Unterricht der Boden gewackelt und keine hätte sich mehr konzentrieren können. Jetzt würden sie sich Sorgen um den Hund machen, weil vor Schwefeldioxid gewarnt wird, das aus der Erde austritt.

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    Pahoa ist ein süßer Ort mit alternativem Lifestyle. Der größte Markt ist ein Biomarkt, es gibt viele bärtige, Dreadlocks, Shops mit Kristallen, Batiktüchern und guten Vibes. Es gefällt uns dort sofort. Aber alle reden natürlich über den Vulkan. Die Besitzerin des Thai-Restaurants erzählt, dass sie in Leilani Estates wohnt und die Nacht in ihrem Restaurant verbracht hat.

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    Wir gehen in die Pizzeria, sehr lecker dort. Als die große Margarita auf dem Tisch steht, wackelt der Boden so heftig, dass draußen die Autos vor der Tür hin und herschwingen und ich vorschlage, vor die Tür zu gehen. Es fühlt sich an wie auf einer schwingenden Platte zu stehen, die Strommasten wackeln, der ganze Boden schwingt hin und her. Ich schätze sofort, das ist mehr als Stärke 6.  Das war 12.31. Wir hören nachher: Es war Stärke 6,9, das stärkste Erdbeben in Hawaii seit 1975.

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    Unser nächstes Ziel ist ein Ort mit heißen Quellen, wo wir baden gehen wollen. Dazu müssen wir einmal das Zentrum des Ausbruchs umrunden. Wir sehen viele Einsatzfahrzeuge, aber man lässt uns durchfahren. So gelangen wir bis zum Meer. Dort sieht man ein altes Lavafeld und dahinter drei Rauchsäulen am Horizont, ca. 5 km weg. Wir halten an und steigen aus. Im Radio hören wir die Durchsage, dass Leilani evakuiert wird und zugleich, dass vom Erdbeben keine Tsunami-Gefahr ausgeht.

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    Das Naturbad ist leider geschlossen. Auch am schwarzen Strand 5 km weiter ist niemand. Wir nehmen zwei Tramper mit, die uns erzählen dass Felsen am Strand herabgefallen seien und dass auch ihre Häuser beschädigt seien. Sie wollen nach Pahoa, um sich mit Essen einzudecken. Einer kommt aus Florida und erzählt, er baue sich hier ein Haus um auf lange Sicht „It is a dream“ nach Hawaii ziehen zu können.

    Auch hier wieder ein Glück – waren wir doch gestern am Strand und haben es so genossen. Jetzt ist es dort zu gefährlich – ein weiteres Beben könnte einen Tsunami auslösen oder Felsen herabstürzen lassen.

    Wir haben jetzt das Lava-Gebiet einmal umrundet. Doch jetzt gibt es auch auf der Straße von Süden eine Straßensperre. Man will uns nicht weiter hineinfahren lassen. Wir können mit einem Hinweis auf unser Zuhause die Soldaten doch überzeugen. Wir wollen die Tramper noch bis zur Kreuzung bringen. Doch hinter unserem Haus ist eine weitere Kontrolle, es wird niemand mehr hereingelassen. Wir sind froh es noch bis zum Haus geschafft zu haben.

    Jetzt gerade (20.11) wackelt es wieder heftig. Das ganze Haus schwingt hin und her.

    Der nette Owner Marc empfängt uns. Es sind ein paar Vasen und Gläser herabgefallen, sonst ist alles in Ordnung. Er hat bereits die Scherben aufgekehrt. Nur in die Sauna sollen wir nicht mehr, sie riecht nach Schwefel.

    Wir bekommen regelmäßig weitere Infos per Mail. Man hört Hubschrauber kreisen. Mittlerweile sind es 6 Stellen, an denen Lava austritt. Und der ganze Ort ist von Rissen durchzogen.

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    Wir ruhen uns aus, kochen etwas zu essen. Später kommt Marc mit Ishika nach Hause. Sie erzählen, dass man sie nicht mehr mit dem Auto hat hereinfahren lassen, sie mussten es 1 km außerhalb stehen lassen.

    Jetzt ist uns klar: Wir können jetzt auch nur noch heraus, aber nicht wieder hinein. Gemeinsam beschließen wir: Wir haben noch genug Essen für die nächsten Tage. Und in drei Tagen geht unser Flieger nach Honolulu, San Francisco weiter nach Seattle.

    Die Kinder sind gut drauf und spielen eifrig Lego. Velis erzählt ausführliche Geschichten, die er sich ausdenkt und wo er die Zuhörer zu einlädt. Nadine spielt Uno mit den Kindern, während ich schreibe. Es ist ein besonderes Abenteuer.

    20.19. Schon wieder wackelt es. Wir erleben ein Naturschauspiel. Die Situation ist ähnlich wie im Jahr 1955, so berichten die Experten auf der Webseite der US-Vulkanbehörde. Ungewöhnlich ist, dass die Lava nicht am Krater austritt. Denn der Kilauea ist ja seit 1953 aktiv. Aber besonders ist, dass die Lava sich einen unterirdischen Weg gesucht hat und über zwanzig Kilometer weiter aus dem Boden austritt.

    In den Nachrichten kommen ausführliche Berichte:

    https://www.youtube.com/watch?v=K7MsmbmrVFU&ab_channel=Star-Advertiser

    https://www.youtube.com/watch?v=GNLVKhKUmMw&ab_channel=BigIslandVideoNews

    Aber zugleich: Diese Insel ist genauso entstanden. Es gibt hier weniger Gefahr von Asche, vielmehr fließt hier typicherweise eine Schicht von Lava nach der anderen. Überall wo wir auf „Big Island“ waren sieht man diese riesigen Lavafelder. So geht es weiter. Es ist nur ein Haus bisher zerstört, niemand wurde verletzt. Anders als bei uns sind die Abstände zwischen den Häusern groß, es gibt vor allem viel Natur. Die ist aber so feucht, dass es nicht zu Bränden kommt. Und auch ein Erdbeben von Stärke 6.9 scheint hier keine größeren Schäden anzurichten, sieht man mal von heruntergefallenen Gläsern im Supermarkt oder in den Häusern ab. Die typischen Holzhäuser fallen nicht zusammen, wenn man sie wackelt. Es gab zwar einen Stromausfall nach dem Erbeben, der Strom kam aber schnell wieder. Und wir haben Internet, sind informiert. Können sogar per Facetime mit Eltern und Freunden daheim sprechen. Das beruhigt alle.

    Und wir genießen jetzt die besondere Stimmung. Wir können nicht herausfahren man würde uns nicht zurück in Haus lassen. Aber unser Haus steht auf einem Hügel 100 Meter oberhalb des Grabens, der offensichtlich die unterirdische potenzielle Lava-Strecke ist. Dort steht ja auch die Dampfsauna im Garten. Aber auch in Leilani 4 km weg ist die Lava nur einige Meter weit geflossen. Wir fühlen uns sicher. Und bleiben die nächsten zwei Tage hier. Die Stimmung ist gut. Und werden weiter berichten.

  • Ausbruch des Kilauea

    3. Mai 2018, Pahoa, pele’s Breath, Big Island, Hawaii

    Um 18.30 hörten wir die Sirenen, wir saßen gerade in der Dampfsauna. Im Internet steht es: nur 5 km von uns entfernt tritt die Lava aus. Mitten in einem Wohngebiet hat sich die Erde aufgetan. Das Gebiet Leilani Estates muss evakuiert werden.

    Wir packen sicherheitshalber unsere Sachen. Unser Haus steht einsam in der Landschaft, abseits. Aber wir müssen nicht weg. Unser Haus steht höher.

    Aber die Erde bebt. Weiter. Es wird eine unruhige Nacht. Wir haben den Volcanic Eruption Update abonniert. Das letzte Update kam vor einer Stunde. Es wurden Notunterkünfte eingerichtet. Es wird vor Schwefeldioxid gewarnt, wir riechen aber hier nichts. Wer nicht reisen muss soll zuhause bleiben.

    Aufregend. Aber jetzt hört man nur das Gezwitscher des nächtlichen Urwalds um uns herum.

  • Die Erde bebt

    Donnerstag, 3. Mai 2018, 11.37 Mai, Pele´s Breath, Pahoa, Big Island, Hawaii, USA

    Die Spannung steigt. Gerade hat der Boden wieder gewackelt. Seit vorgestern gibt es immer neue Erschütterungen.

    Am Dienstag wurde auch das ganze Gebiet des „Lava Watching“ vom Vulkan bis zur Küste gesperrt, wo wir am Montag noch mit den Kindern am Eingang waren. Es droht die Öffnung eines neuen Lava-Ausgangs unterhalb des Pu’u O’o Kraters, der etwas unterhalb des Hauptkraters des Kilauea gelegen ist, wo wir unsere Fotos gemacht haben.

    Und schon wieder wackelt gerade die Erde, während ich diese Zeilen schreibe.

    Um 10.30 Uhr, vor eine Stunde war es ein Erdbeben der Stärke 5.0. Ich saß hier draußen vor der Tür, als es richtig wackelte. Ich kenne ja das Geräusch der rüttelnden Glas-Schiebefenster noch von meiner Kindheit in Peru.

    Hier in den USA ist alles extrem gut wissenschaftlich untersucht. Ich kann jetzt schon das Update im Internet lesen, die Karte mit dem derzeit betroffenen Gebiet anschauen und bleibe informiert. Wir sind ziemlich genau dort, wo die Straße 130 markiert ist – mitten in der Erdbebenzone.

    180503-Kilauae Volcano East Rift Zone

    Man kann aber Vulkane nicht vorhersagen. Zwar gleichen die Muster denen vor den letzten Ausbrüchen, aber es kann auch genauso gut anders verlaufen. Auf jeden Fall hat der obere Kratersee (an dem wir vorgestern waren)  seit gestern 30 Meter (!) an Höhe verloren. Bei 300 Meter Durchmesser des Kraters ist das eine große Menge Magma, die sich einen anderen Weg gesucht hat, über eine Million Kubikmeter.

    Die Welt ist in Bewegung und ändert sich. Oberhalb eines Magma-Schlots, der durch die Erdkruste tief bis zur heißen Magma im Erdinneren ragt ist dies deutlich zu spüren. Die Inseln Hawaiis sind wie auf einer Perlenkette aufgereiht. Man erkennt, die Bewegung der Kontinentalplatte geht Richtung Westen. Ganz im Westen gelegen war Kauai die erste Insel. Und jetzt ist der östlichste Teil der östlichsten Insel „Big Island“ der Ort, wo der unterirdische Schlot die Verbindung zum Erdinneren hat und das ist genau dort, wo wir jetzt sitzen.

    180503-Karte Hawaii

    Und schon wieder vibriert es.

    Dort, wo die Lava geflossen ist gibt es nach kurzer Zeit erste Pionierpflanzen, die den neuen Boden besiedeln. Und es gibt Pioniere die dort genau hinziehen. Es ist das günstigste Land das man erwerben kann. Schon für 5000 Dollar kann man ein Grundstück kaufen und ein Holzhaus daraufstellen. Am Besten eines, das sich mit dem Laster bewegen lässt, wenn der nächste Lavastrom doch wieder dort entlang gehen sollte. Wir haben zahlreiche Häuser gesehen.

    Hawaii wurde erst im ersten Jahrtausend nach Christi von den Polynesiern besiedelt, als deren Schiffe weit genug fahren konnten und um 1000 begann eine stärkere Besiedlung der Insel.

    1778 erreichte der Brite James Cook als erster Europäer Hawaii. Die mitgebrachten Infektionskrankheiten, vor allem Pocken reduzierten die Bevölkerung von 300.000 auf 20.000 im Jahre 1920. Gleichzeitig wuchs auch der Einfluss der USA, die aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen (Zuckerrohr und Ananasanbau) die Insel schließlich 1959 annektierten. Die militärische Bedeutung wurde deutlich, als am 7. Dezember 1941 der Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf O’ahu  (Honolulu liegt dort) durch einen Überraschungsangriff der Japaner zerstört wurde – der Beginn des Kriegseintritts der USA im 2. Weltkrieg.

    Hawaii liegt so einsam im größten Meer der Welt, dass erst mit dem Jetzeitalter in den 60er Jahren erste wohlhabende Touristen das ferne Eiland in größerer Zahl erreichten.

    Und das ist nicht das Ende. Der wirtschaftliche Fortschritt macht das Fliegen billiger, und so erreichten 2017 das erste Mal mehr als 10 Millionen Menschen Hawaii, mehr als die Hälfte blieb aber nach der Landung in Honolulu dort auf der Insel O’ahu. Für unter 200 Euro  kann man von der Westküste hier herkommen, und selbst von Japan gibt es für 250 Euro Return-Tickets.

    Und es ist ein attraktives Ziel für Amerikaner auf der Suche nach einem anderen Leben mit mehr Natur, oder auch der Suche nach dem großen Glück. Wie so oft ziehen sie weiter Richtung Westen. Ich mag diese Einstellung. Und sehe für Hawaii eine große Zukunft. Was sind schon 10 Millionen Touristen, wo alleine nach Mallorca im Jahr 2017 fast 14 Millionen gereist sind?

    Wem Kalifornien bereits zu etabliert ist, findet hier was er sucht. Gestern die Fahrt einmal quer zwei Stunden über die Insel durch wunderbar grüne Hügel, aber auch Lava-Mondlanschaften, absolut menschenleer vorbei am 4200 Meter hohen Mouna Kea zur trockenen Westküste mit seinen hellen Traumstränden war wunderschön.

    Hapuna Beach war nicht untouristisch, aber die Kinder fanden die sanften Wellen und den tollen weißen Sand großartig und der kritische Lysander gab dem Strand 9 auf seiner Skala von 1 bis 10.  Ich setzte nur einmal die Taucherbrille auf und schwamm etwas hinaus, zu dem kleinen Riff um das sich einige Schnorchler gruppiert hatten.

    Als ich ein paar Korallen sah dachte ich schon – na ja, die machen ja sicher Geld damit den Touristen die Sachen auszuleihen, hier gibt es ja nichts zu sehen.  In diesem Augenblick sah ich vor mir auf einmal etwas sich bewegen. Es war eine große Schildkröte, die an der Koralle versuchte etwas abzubeißen. Sie war mindestens so lang wie Tara. Es kam noch eine zweite und eine dritte Schildkröte dazu. Ich hätte sie anfassen können, sie schwammen direkt vor mir. Erstaunlich.

    Jetzt brechen wir auf zu einem kleinen schwarzen Sandstrand 15 km von hier. Hier treffen sich vor allem die Einheimischen, und er hat einen alternativen Touch  – Kleidung ist freiwillig.

  • Lava

    1. Mai 2018, Big Island, Hawaii

    Also: wir haben die Lava gesehen. Am Ende eines langen Tages war es soweit: Pele war uns gnädig, seit Tagen steigt der Lavasee an, es war gute Sicht und man konnte ab Einbruch der Dunkelheit wirklich aus dem Kaminschlot ständig neue Magma austreten sehen. Sie spritze heraus und füllte den See weiter an. Magisch. Dafür hat es sich gelohnt hier her zu kommen.

    Am Morgen starteten wir in Hilo im Tsunami-Museum, in einer alten Bank untergebracht. Im Tresor (erstaunlich wie dick die Tür ist) gab es einen Film, draußen waren Schulklassen beim Unterricht. Was ich mitnahm: Hawaii ist nicht nur die einsamste Siedlung von Menschen auf der Erde, auch die am meisten von Tsunamis bedroht. Der „Ring of Fire“ von dem wir schon in Osaka gehört hatten führt dazu, dass rings um Hawaii Erdbebenzonen sind: Japan, Alaska, Sibirien, Chile- von überall können Tsunamis kommen. Und am meisten ist Hilo gefährdet. Lebt man an der Ostküste von Big Island, hat man sozusagen den Vulkan im Nacken und den Tsunami vor der Tür. Ein wilder Fleck.

    Auf dem heutigen Lei-Fest in Hilo bekam Morpheus dann auch gleich sein erstes Enfield- Gewehr überreicht, von einem Soldaten. In historischer Uniform. Nach so viel anschaulichem Geschichtsunterricht waren wir bereit für das Feuer.

    Dieses wollten wir uns aber doch näher anschauen. Erst die Natur rund um den Krater, dann am Jaggar Museum den Blick hinein. Nachmittags gab es viele Infos von einem netten Ranger mit Teleskop- man sah dort schon die Lava fließen.

    Nachts dann aber das volle Schauspiel. Wir wohnen ja nur 45 min weg, wir kommen hier wieder her. Eine Erfahrung ohne Vergleich.

  • Pele’s Breath und Kalapana

    Montag, 30. April 2018, 20.27, Pele’s Breath, Big Island, Hawaii, USA

    „Big Island“ Hawaii ist ganz anders als Kauai. Hier gibt es breite Straßen und einen richtigen Walmart (wo man wirklich alles bekommt, von Lebensmittel über Schwimmwesten, Laptops, Kinderspielzeug oder Gewehre, Pflanzen, Möbel). Tara wird gleich ausgerufen, weil sie eine Minute allein herumlief. Wir sind in Hilo im regnerischen Osten gelandet und fahren weiter Richtung Süden bis kurz vor Kalapana, dem 1990 vom Vulkan Kilauea zerstörten Ort.

    Unsere Unterkunft ist ein großes altes Holzhaus, dass einsam in der Landschaft inmitten von faszinierendem Urwald steht und von Marc aus England und Ishika aus Bangladesh bewohnt wird. Sie haben drei Zimmer an Gäste vermietet, wie in einer WG teilt man sich Küche und Wohnzimmer. Wir werden herzlich empfangen, und der ganze Ort hat etwas verwunschenes Magisches. Sieht man doch beim Blick aus dem Haus Dampf austeigen. Marc zeigt Nadine den Weg zur Dampfsauna – diese ist auf einem Loch in der Erde gebaut, aus dem heißer Dampf vulkanischen Ursprungs aufsteigt.

    Auf der Karte von Hawaii kann man es sehen – dies hier ist die rote Zone, 10 auf der Skala von 0 bis 10 der Gefahren. Rund um das Haus gibt es viele kleinere und größere Löcher, die ins Erdinnere führen und aus denen heißer Dampf aufsteigt. Läuft man barfuß, merkt man wie heiß der Boden ist. Und schaut man in Richtung Meer, sind viele der Urwaldbäume abgestorben  – der Dampf war zu heiß.

    Als es dunkel ist gehen wir herunter in die aus Vulkanstein gebaute Sauna – es ist heiß und abenteuerlich dort drin, dunkel und feucht. Ich komme mir wie bei „Herr der Ringe“ vor, und man versteht, warum dieser Ort Pele´s Breath heißt, der Atem der Göttin des Feuers Pele, für die Hawaiianer die höchste Gottheit.

    Am nächsten Morgen fahren wir die 15 Kilometer Richtung Kalapana. Besser gesagt in die Richtung, wo dieser Ort einmal lag. Jetzt endet die Küstenstraße und es beginnen erkaltete Lavafelder bis zum Horizont sich auszubreiten. Die Kinder springen begeistert darauf herum, die Lava sieht noch so aus als wäre sie gerade erkaltet und ist immer wieder von tiefen Rissen durchzogen.

    Der Kilauea gilt als der aktivste Vulkan der Welt. Sein jetziger Ausbruch begann im Jahre 1983, und er produziert über 200.000 m3 Lava am Tag. Gerade vor 4 Tagen ist dabei der im Krater befindliche See wieder übergeflossen und hat ein mehrere Hektar großes Gebiet überflossen. Bis letztes Jahr floss die Lava noch bis ins Meer, derzeit liegen die oberirdisch sichtbaren glühenden Gebiete 7 km im Landesinneren.

    Dorthin kommt man nur zu Fuß. Ob wir es schaffen, die 18 Kilometer mit einem Aufstieg von 800 Meter durch erkaltete Lava zu erklimmen ist unklar. Auf jeden Fall war es heute schon eine unbeschreibliche Erfahrung, auf der erkalteten Lava herumzuklettern.

    Die 500 Meter bis zur Küste vom Parkplatz sind erst in den letzten Jahren entstanden – die Insel wächst. Wir werden aber morgen die 60 Kilometer bis zum Hawaii Vulcano National Park zum Krater des Kilauea hochfahren – vom dortigen Jaggar Museum aus ist der Krater beim Sonnenuntergang zu beobachten. Wir sind gespannt.

     

  • Kauai

    Samstag, 28. April 2018, Princeville, Kauai, Hawaii

    Nach einem langen Flug und wurden wir freundlich in Hawaii empfangen. „Did you change your job?“, fragte der Grenzbeamte neugierig als er Passfoto mit meinem Gesicht verglich. Und bei Morpheus: „From the movie Matrix?“

    Als wir endlich nach einem weiteren Flug nach Kauai, und einer Stunde mit dem Mietwagen übermüdet am Ziel ankamen waren alle sehr froh.

    Den ersten Tag hingen wir noch so richtig in der Wäsche: Zeitumstellung, die intensive Zeit in Osaka, ankommen in den USA. Draußen auch viel Regen, so wurde viel mit den Kindern gepuzzelt.

    Dann aber Ausflüge an kleine und größere Strände, Hanalei Beach fanden die Jungs am besten, Anini Beach war unser Favorit. Überall liegt ganz viel Treibholz am Strand. Mit Lysander schwamm ich zu einem Baustamm heraus, der draußen vor der Brandung sich verkeilt hatte. Und viele kleinen Bäche hatten Schneisen in den Sand gegraben, das freute die Kinder.

    Heute dann der Ausflug zum „Grand Canyon des Pazifiks“ zum Waimea Canyon und dem Koke’e State Park, in dessen Regenwald die viele Urwaldszenen der Hollywoodfilme gedreht wurden, etwa Jurassic Park. Atemberaubende Schönheit. Und dort, an einer der regenreichesten Orte der Welt schien heute die Sonne!

    Dort auch Areale der NASA und der Army, die dort Himmel und den Westen beobachten. Und versteckt an der Küste liegt auch das größte Raketenabwehr-Testgelände des US-Militärs.

    Wir haben diese Insel sehr genossen und der Luxus einer eigenen Wohnung mit amerikanischen Extras wie Whirlpool fand großen Anklang.

    Kauai ist wirklich wunderschön und das grün atemberaubend. Dankbar für diese viert Tage geht es morgen weiter über Honolulu nach „Big Island“

  • Tempel, Technik und Tempo

    Mittwoch, 25. April 2018, 21.40 Osaka, Japan.

    Der heutige Tag ist der längste unserer Reise. Findet er doch gleich zwei mal statt. Wir fliegen jetzt nachts los und landen nach 10 Stunden Flug morgens wieder am 25. April 2018 in Honolulu. Wie bei Jules Verne: „in 80 Tagen um die Welt“ gewinnen wir scheinbar einen Tag, wenn wir die Erde in Richtung Osten umrunden. Weil wir die Datumsgrenze in Richtung Osten (von uns aus gesehen) überschreiten.

    Wir waren in Nara und haben Hirsche, die größte bronzene Buddhastatue der Welt ( 450 Tonnen, 14 Meter) und viele Japaner in Schuluniform gesehen, die die alte Hauptstadt von 700 bis 800 besucht haben.

    Wir waren im Aquarium, auf dem Riesenrad am Hafen und im Science Museum, sehr schön und für Kinder umsonst. Japan tut etwas, im Kinder für Wissenschaft zu begeistern. Etwa den Roboter, der den Zauberwürfel erstaunlich elegant gelöst hat fanden die Jungs toll.

    Japan ist faszinierend. Schnell, ordentlich, genau, freundlich. Leise. Günstig. Stylisch. Ein Land, in dem wir definitiv zu kurz waren. Das Essen einfach hervorragend und absolut günstig, wenn man sich ein bisschen umschaut. Für 5 Euro bekommt man gut ein volles Menü selbst im Touristenort Nara an der Hauptstraße.

    Wenn man aus Australien kommt, ist sowieso alles günstig. Den Ruf, teuer zu sein muss Japan aus der Vergangenheit noch anheften. Meist ist es günstiger als in Deutschland.

    Es ist ein ungewöhnliches Land. Keine Ausländer, außer ein paar Touristen. Automaten für alles, auch für Bier rund um die Uhr an jeder Ecke. Verwirrend viele Bahnen, jede mit eigenen Fahrkarten und Tarifen. Unglaublich viele Produkte die wir nicht kennen.

    Im Aquarium von Osaka wurde die Gaia-Hypothese von James Lovelock als Grundlage für die Ausstellung gewählt. Die Welt ist ein lebender Organismus.

    Wir folgen dem dem „Ring of fire“, der durch die Lava und die Vulkane geprägt wird. Vom geologisch hochaktiven Japan geht es weiter nach Hawaii, 9000 Km weiter östlich zu den aktivsten Vulkanen der Erde. Zur Zeit sind dort erst einmal Überschwemmungen, in Kauai, unserem ersten Ziel gibt sowieso schon den regenreichsten Ort der Welt. Aber die letzten Wochen gab es zu viel Regen.

    Jetzt ist aber das meiste Wasser schon wieder abgeflossen. Wir freuen uns auf Hawaii. Arigato Japan, Aloha Hawaii!

  • Ankunft in Osaka

    Sonntag, 22. April 2018, 19.40 Uhr, Osaka, Japan

    Japan empfängt uns mit Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen. Alle sind gleich begeistert von diesem faszinierenden Land!

    Wir sind froh aus dem viel zu kalten Flieger wieder draußen zu sein und alle genießen die Frühlingsluft- wie daheim!

    Lysander findet unser kleines original japanisches Haus mit seiner stilvollen Einrichtung, zwei Stockwerken, Futons auf dem Boden, alles ganz klein, Toilette mit Elektronik, Mini-Wannenbad die schönste Bleibe unserer ganzen Reise bisher. Velis liebt die Udon-Suppen an den Bahnhöfen und in den kleinen Gässchen, und alles ist sauber, ordentlich und jeder ist super freundlich zu uns.

    Wir schaffen es vom auf einer künstlichen Insel im Meer gelegenen Kansai-Flughafen mit dem Zug in die Stadt. Mit unserem ganzen Gepäck kommt der Trolley richtig zum Einsatz.

    Am Bahnhof Nanda finden wir ein Taxi für unsere Großgruppe und landen in einem süßen Viertel bei unserer Bleibe. Es ist auch alles erstaunlich günstig- von der Unterkunft bis zum Essen. Gleich am Nachmittag ziehen wir nochmal los und gehen in das nahe gelegene Schnäppchen-Kaufhaus. Unglaublich was es da alles gibt. Japan ist wie ein Paralleluniversum mit einer komplett alternativen Produktpalette.

    Überhaupt: die Japaner sind einfach cool und lässig gekleidet, alles ist modern, freundlich, und voller Inspiration.

    Einzig das Internet ist ungefähr auf dem Niveau von Namibia was die Geschwindigkeit angeht…. weder WLAN noch Handykarte vom Flughafen noch Internet in der Wohnung schaffen irgend eine vernünftige Geschwindigkeit. Oder gibt es schon eine neue Technologie die wir nicht kennen?

    Abends gehen wir zu zweit noch mal in die Eckkneipe- sehr cool. Leckere Häppchen zu frisch gezapftem Bier und die ganze japanische Familie drin, mit Kleinkind spät abends.

    Heute ist der erste Ausflug zum Kindermuseum, einem eindrucksvollen Bau voller technischer Wunder, faszinierender Attraktionen und vielfältiger Inspiration für kleine und große Kinder. Nachdem wir es endlich verstanden haben mit der Tageskarte für die U-Bahn aus dem Automaten und der Beschilderung beim Umsteigen…

    Davor gibt es aber erst einmal Sushi satt.

    Hinter dem Museum liegt die große Kids Plaza, dort geht es danach weiter. Wir kehren erschöpft und erfüllt bei Sonnenuntergang zum Haus zurück.

    Japan ist toll!