• Ankunft in Dhaka, auf dem Padma-Fluss und im Nordic Club

    17.02.2018, 23.15 Dhaka, Bangladesch.

    Wir sind angekommen! Ein Flug in der Propellermaschine, eine Landung in Wasserlandschaften, Moskitoschwärme im Bus. 1000 Formulare für das Visa on arrival und Geld draußen zu holen. Nette Menschen schon bei der Grenzpolizei: „you have four kids, you have so much to do!! I feel with you!“ meinte ein junger Beamter zu mir.

    Freude Knut zu sehen, im Stau vom Flughafen und ein toller Empfang mit Lichterketten über der Einfahrt im Diplomatenviertel und einem tollen Essen, bereitet von der netten Mitbewohnerin Sabrina, die als Fotografin mit Frauen in Textilfabriken arbeitet. Fühlt sich an wie daheim in der Fremde. Danke!

    Am nächsten morgen gibt es frische Croissants, die wir mit ins Auto nehmen. Knut fährt uns. Es ist eine lange Fahrt durch die Stadt und hinaus aufs Land bis zum Padma-Fluss.

    Es wird die erste Autobahn gebaut, noch ist die Straße nach Südwest nur eine einfache Landstraße, an jeder Kreuzung gibt es den Megastau, und obwohl es Freitag und damit im islamischen Bangladesch Feiertag ist, ist alles überfüllt. Das meiste sind uralte zerschrammte Busse und Fahrradrikschas, dazwischen Traktoren mit Ziegeln im Anhänger und Autos. Jeder überholt jeden bei jedem Stau und so gibt es kein vor und zurück weil jeder die Gegenfahrbahn zum vorbei fahren nutzen will. Wir üben uns in Geduld. Nach 3 Stunden haben wir es die 40 Kilometer aus der 17-Millionen-Metropole zum Fluss geschafft.

    Und das ist nicht irgend ein Fluss. Ich gebe zu, ich hatte auch keine Ahnung. Nach Amazonas und Kongo ist der Padma der Wassermenge nach der drittgrößte Fluss der Welt.

    Durch Zusammenfluss von Ganges und Bramaputhra transportiert er im Durchschnitt 30.000 Kubikmeter pro Sekunde. Für mich zum Vergleich: die Weser hat vor der Mündung 300 Kubikmeter pro Sekunde. Das ist hier also die hundertfache Wassermenge.

    Oder das 30 fache des Rheins an der Mündung. Und das kann bis auf das Fünffache, auf 150.000 Kubikmeter pro Sekunde ansteigen bei extremem Hochwasser.

    Es sind 6 bis 10 Kilometer bis zum anderem Ufer. Und hier ist auch die Baustelle der größten Flussbrücke der Welt. Erst mit dieser Brücke lässt sich der Südwesten des Landes und auch Indien von der Hauptstadt Dhaka aus ohne Fähre erreichen.

    Hier kommt Knut ins Spiel. Als Wasserbau-Ingenieur hat er die letzten 25 Jahre bei großen Projekten überall auf der Welt mitgewirkt. Denn man braucht viel Erfahrung für ein solches Projekt. Damit der Fluss mit seinen gewaltigen Wassermengen nicht die Pfeiler unterspült, werden diese 120 Meter in die Tiefe getrieben. Und damit der Fluss in seinem Bett bleibt, muss das Ufer auf 20 Kilometer aufwändig befestigt werden. Über Wasser mit Beton, unter Wasser mit Sandsäcken. Denn dieser Fluss wandert und ändert sein Flussbett, und reißt damit regelmäßig ganze Ortschaften mit.

    Wir steigen am Fähranleger in eines der Speedboote um, die mit dem 75kw-Motor uns auf den Fluss herausfahren. Jetzt steigt die Stimmung der Kinder schlagartig. Das Boot ist schnell. Wir fahren an unglaublich verrosteten und überfüllten Fähren vorbei. Draußen ist es herrlich, es riecht und fühlt sich an wie daheim in Sandstedt an der Unterweser, wo wir im Sommer immer Urlaub machen.

    Nur geht der Fluss bis zum Horizont.

    Dann sehen wir die Brücke. 2018 soll sie noch eröffnet werden, es wird mit Hochdruck gebaut. Die ersten 100 Meter langen Träger sind eingesetzt, oben soll eine vierspurige Straße laufen, darunter eine einspurige Eisenbahn in Meterspur und indischer Breitspur.

    Und von Dhaka dorthin die Autobahn, meist auch auf Stelzen. Überall wird gebaut. Wir sehen: dieses Land ist ein Sumpf- und Wasserland. Und es ist im Umbruch. Die Häuser stehen auf Stelzen, Land wird durch Aufspülung mit Flusssand befestigt. Steine gibt es keine, es werden aber Ziegel gebrannt, auch Straßen daraus gebaut.

    Am auf den Feldern wird mit Hand Reis umgepflanzt.

    Wir fahren auch am riesigen Gefängnis-Neubau am Stadtrand vorbei. 17.000 Oppositionelle wurden von der Regierung verhaftet, da braucht man auch Zellen.

    Auf der Rückfahrt halten wir bei Bruce aus Kanada an, der auch an der Brücke mitbaut und uns begleitet hat. Wir dürfen mit mit der Ausrede, kurz aufs Klo zu müssen mit in das umzäunt und bewachte Camp der Ingenieure. Heute ruht die Baustelle, es ist chinesischen Neujahrsfest. Und auch wie in Namibia sind es chinesische Baufirmen, die hier bauen.

    Am nächsten Tag ruhen wir uns aus. Von einem Land, das auf Platz 8 der Bevölkerungszahl in der Welt liegt, mit über 160 Mio. Menschen, und an Platz eins der Flächenländer bei der Bevölkerungsdichte. 1250 Menschen pro m2 leben hier, das ist das Fünffache wie in Deutschland.

    Und wir genießen die schöne Wohnung von Knut, besuchen den Nordic Club, wo es Wiener Schnitzel und Bier gibt in einem Land ohne Alkohol. Die Kinder springen Trampolin, es gibt viele blonde Kinder neben unseren und einen Swimmingpool. Wir lernen andere Deutsche kennen, die uns erklären dass Dhaka den Ruf hatte besonders familienfreundlich zu sein, dank guter Schulen und einer engen Community. Nach dem Anschlag auf die Holey-Bäckerei (dort kommen unser leckeren Croissants her)vor zwei Jahren zogen dann alle ab. Langsam kehren die Ausländer zurück. Aber die Straßensperren und Sicherheitskontrollen bleiben.

    Ein netter Pastor spricht uns auf Deutsch an, er sei für Nordindien und Bangladesch für den Religionsunterricht und die Gemeinde zuständig und bietet Religionsunterricht für die Kinder an, am nächsten Tag.

    So gab es heute morgen Weltreiseschule mit Geographie und Prozentrechnung und nach dem schwimmen und Trampolin springen (ja, Velis kann noch den Vorwärtssalto und Lysander den Rückwärtssalto) die Grundlage der evangelischen Religion vom Privatlehrer. Ein tolles Angebot, die Kinder finden es gut und machen eifrig mit.

  • Goodbye India

    Mittwoch, 14. Februar 2018, 18.27 Uhr, Shivaratri in Kolkata, unser letzter Abend in Indien

    Noch einmal ein intensiver Tag. Morgens zum Sonnenaufgang los zum Blumenmarkt an der Howrath-Brücke, am Morgen des Shivaratri, des höchsten Feiertags im Namen von Shiva, des Gottes der Zerstörung. Wo Brahma  erschafft und Vishnu, erhält ist er für die Vergänglichkeit zuständig. Dieser Tag wird besonders mit vergänglichen Blumen gefeiert. Hier am Hugli, dem Mündungsarm des Ganges liegt der Blumenmarkt Kalkuttas.

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    Eindrucksvolle Szenen, tolle Bilder. Wir haben zwei sehr nette Australier kennengelernt, Mutter mit Tochter aus Sidney. Sie will Regisseurin werden, startet jetzt an der Filmhochschule. Wie auch gestern sind wir von unserem Guide und Fotografen Manjit, der sich mit den Calcutta Photo Tours selbständig gemacht hat, begeistert. Ich lerne viel über die Auswahl der Motive, des Lichts, und wie man auch mit dem Iphone besondere Fotos machen kann. „Closer, closer“ meinte er bei dem Blumenbild mit den Wassertropfen.

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    Ich war noch am Bara Bazar, dem ältesten ein wildes Chaos, faszinierend. Und dann noch zum Abschluss ins Indian Museum. Viele tolle Statuen, Tara ist allgegenwärtig.

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    Die Kinder haben noch mal alles gegeben, bis ganz unters Dach zu den Masken sind sie gestiegen.

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    Unsere herzliche Gastgeberfamilie hat uns noch zu sich auf das Dachgeschoss in den 6. Stock eingeladen. Die Kinder spielen Fangen auf der Dachterrasse mit Ausblick auf die Stadt. Unsere Gastgeber sind Anhänger von Amma, der „hugging saint“, die ihr Leben mit Umarmungen von Menschen zubringt und in Kerala einen Ashram gegründet hat. Wir kennen Amma, ich habe in Los Angeles einmal bei einem ihrer Darshans erlebt und umarmt.

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    Und in Berlin waren wir beide bei Amma im Velodrom am Abend vor Morpheus Geburt. Der pensionierte Händler, der mit Export von schwarzem Pfeffer in die USA zu Wohlstand gekommen ist erzählt, wie Amma sogar eines Abends bei ihnen zuhause gewesen sei. Ihr Sohn, der in den USA arbeitet hat ihnen vorgeschlagen, doch ihre leerstehende Wohnung im 3. Stock über Airbnb und Booking.com zu vermieten. Vor 4 Monaten fingen sie damit an; wir sind die ersten Gäste aus dem Ausland.  Eine kleine Welt.

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    Morgen geht es weiter Richtung Osten, nach Dhaka, Bangladesh.

    Indien, wir werden wiederkommen. Kalkutta, das war eine tolle Erfahrung und macht Lust auf mehr von Indien. Aber jetzt ist Abschied,  Wir freuen uns und sind dankbar für diese Zeit in Indien.

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  • 13.02.2018, 22.09, Kalkutta

    Wir sind früh um 6.15 ohne die Kids gestartet und haben echt was erlebt. Eine Tour durch das Kalkutta der Kulturen. Waren in der Altstadt, der Builder Area, dem Gebiet der Tagelöhner, Zuwanderer, dem ältesten Straßen von Kalkutta, das ursprünglich nur aus ein paar Dörfern im Sumpfgebiet bestand, bis die East India Company hier 1690 einen Stützpunkt errichteten. Daraus wurde bis 1911 die Hauptstadt Britisch-Indiens.

    Es war toll. Wir waren in Tempeln vieler Religionen, von den Buddhisten, den Christen, den Hindus, den Moslems, den Juden, den Zoroastriern und Chinesen und sahen Bäcker, Hühnerhändler, Bügler, Teeköche, Erdnussröster, Konditoren, Rikschafahrer zu Fuß, Wasserträger und zig andere Berufe bei der Arbeit.

    Hier der Bestatter mit seinen offenen Wagen:

    In den roten Backsteinhäusern lebten mal die Soldaten.

    Nach so vielen Eindrücken holten wir die tollen Kinder ab, die den Vormittag allein verbracht hatten (Danke, Lysi!) und es ging in den versprochenen Aquapark, sehr indisch.

    Zurück vom Stadtrand

    mit den neuen Hochhausvierteln ins Zentrum zur St. Paul’s Cathedral und in das Birla-Planetarium.

    18.30 auf Englisch: Cosmic Collisions. Alle waren begeistert. Und wir, als wir gegen 20.15 wieder daheim waren erschöpft aber erfüllt und glücklich. What a day!

  • Kolkata, 11.Februar 2018, 20.31 Uhr

    Morgens schien die Sonne, und wir packten die Schwimmsachen ein.

    Vor unserem Haus das vertraute Bild von Kühen, die morgens gefüttert wurden. Dann mit dem Uber ganz bequem zum Victoria Memorial, zu Ehren der 1901 verstorbenen Königin errichtet. Ein schöner Bau in einem großen Park, leider aber Montag geschlossen. So fuhren wir weiter zur Science City.

    Das war herrlich dort, eine Welt für Kinder mit vielen vielen Experimenten zum anfassen und ausprobieren.Die Kinder waren sofort begeistert und nach kurzer Zeit war klar: hier bleiben wir den ganzen Tag! Es gab so viele spannende Abteilungen und so viel auszuprobieren.

    Im Spiegelkabinett wurden wir zu einer ganz großen Familie.In der „Geisterbahn“ fuhren wir durch 3.5 Mio. Jahre Naturgeschichte und im 360 Grad Kino erlebten wir die Entwicklung der Menschen hautnah auf Hindi. Die Urmenschen sahen Goa-Gil und seinen Anhängern verdächtig ähnlich.

    Das Essen schmeckte, und im Park und Labyrinth gab es unzählige Experimente, alle in Deutschland aus Sicherheitsgründen undenkbar. Eine Art umgekehrtes Jo-Jo das einen hochzog begeisterte alle. am meisten erstaunte uns wie die Kinder bis zum Ende durchhielten und weiter wild und freudig herumsprangen. Das war wirklich Weltreiseschule as it’s best!

    Die Heimreise würde dann abenteuerlich. Man merkt ja erst was einem wichtig ist wenn man es nicht mehr hat. Mit einem funktionierenden Handy mit Datenvolumen ist Reisen vom A nach B auch für unsere Gruppe kinderleicht. Uber-App aufrufen, Ziel eingeben, Wagen-Preisklasse aussuchen und auf Start drücken. Das Taxi wird minutengenau angezeigt, man sieht Fahrer und Autonummer. Dann steigt man ein, sagt Hello und steigt entspannt am Ziel wieder aus. Kein verhandeln, kein Problem mit dem Wechselgeld. Absolut easy. Uber ist der größte Unterschied beim Reisen seit ich unterwegs bin.

    Jetzt die Erfahrung als das Datenvolumen von 2GB am Tag (kostet in Indien mit Vodacom 5 € im Monat) aus ist.

    5 Taxifahrer stehen am Ausgang bereit. Jeder behaupten sofort zu wissen wo wir hinwollen: New Alipore Market. Schon beim einsteigen gibt es fast eine Prügelei: gilt nun wer uns zu erst anspricht oder wer weiter vorne in der Schlange steht? Wir folgen dem vorderen, mit ungutem Gefühl. Als wir dann mit einem rasenden Fahrer im Ambassador das Victoria Memorial südlich hinter uns lassen wissen wir, das dieser Fahrer nicht weiß wo wir hinwollen. Dann bremst er mitten an einer 6spurigen Straße an einem Zaun und meint: Money. Da hinten auf der anderen Seite sei der New Market. Ich zücke einen 500 Rupien Schein. 300 waren vereinbart, mit Über waren es 197, ok. Natürlich hat er kein Wechselgeld. Dennoch sollen wir jetzt aussteigen. Ich mache klar, dass dies seine Aufgabe sei meinen Schein zu tauschen, nicht meine. Schließlich finden er jemand. Wir müssen aber dennoch erst einmal über den Zaun klettern und landen im Chaos irgendwo. Die Straße zu überqueren ist die erste Herausforderung, der Markt gegenüber die zweite. Wo sind wir? Und wie kommen wir hier weg und dorthin, wo wir hinwollen? Die Menschen sind freundlich und wollen eines von uns: ein Selfie.

    Wir versuchen einen Handyladen in dem Basar zu finden und dabei kein Kind zu verlieren. Zwei Läden sind da, aber sie verkaufen keine Vodacom-Pakete. Die Dämmerung bricht ein. Es hat keinen Zweck, wir müssen es mit einem weiteren Taxi versuchen.

    Der Fahrer ist freundlich und versteht Alipore. Mittlerweile können auch Tara und Morpheus fließend „New Alipore Market“ aufsagen. Er fährt auch nach Alipore. In der Dunkelheit können wir ihn überzeugen dass wir jemand fragen müssen. Einfach herumfahren hilft uns nicht weiter. Am Ende hilft jemand der alles versteht: Englisch, Hindi und wo der Market ist.

    Aber das Einkaufszentrum sieht verdächtig dunkel aus. Eine security-Frau lässt uns hinein. Darin ist es leer und schwarz verspiegelt. Stockwerk für Stockwerk. Ich komme mir wie in einem Film vor. Es ist offensichtlich noch nicht fertig, das Einkaufszentrum. Und es gibt nur ein paar Boutiquen mit Unterwäsche oder Kinderspielzeug. Wir wollten Essen und eine Telefonkarte kaufen. Fehlanzeige.

    Dann, im Erdgeschoss gibt es doch einen Markt. Mit sehr leckeren Kokosnüssen und Obst und Gemüse.

    Jetzt geht es durch die Dunkelheit weiter. Hinter der Tankstelle gibt es einen Telefonladen. Mit Vodafone. Während ich die Karte kaufe warten alle draußen. Bis auf Tara, die läuft einfach weiter und freundliche Inder helfen uns.

    Kaum sind die Daten wieder da, sehen wir auch dass es nur noch 500 Meter nach Hause ist. Herrlich! Wir schaffen das noch. Ein langer Tag voller Erlebnisse ist geschafft. Als wir alle zum Hauseingang hereinkommen rufen wir alle: GESCHAFFT!!!

    Daheim gibt es leckeres Essen von unserer Lady und alle Jungs gehen mit mir unter die Dusche. Es lohnt sich.

  • Ankunft in Kalkutta

    18.54 Uhr, Station Road, Alipore, Kalkutta, Indien

    24 Stunden sind wir jetzt in Kalkutta. Es ist anders als erwartet. Der Flughafen modern, alles sehr entspannt und ruhig. Im Taxi dann fahren wir beim Einbruch der Dunkelheit über Autobahnen, mit lila, weiß und blau mit endlosen LED-Lichterketten geschmückten Masten und Geländern, vorbei an Hochhäusern und leuchtenden Parks am Wasser. Wir stehen lange im Stau und sehen Fahrradrikschas, Hütten und Menschen unter den Brücken lebend. Aber irgendwie ist es alles vertraut und der erwartete Kulturschock setzt nicht ein. Wir wohnen in Alipore, werden von einer netten Frau begrüßt die auch dem Taxifahrer am Handy die Strecke erklärte und landen in einer schönen Wohnung im 3. Stock. Es gefällt uns gleich.

    Die Betten sind hart wie für Yogis, alles ist schön eingerichtet und natürlich etwas original indisch mit liebevollen Details und wilden Konstruktionen.

    Vom vergitterten Balkon aus sieht man in den vollgeparkten Hof. Am Eingang steht eine Schale mit vielen Autoschlüssel, und jemand steht dort und hilft.

    Nachdem die Kinder Spaghetti gegessen haben ziehen Nadine und ich noch mal um den Block, vorbei an gewaltigen Baustellen und bunten Straßenszenen zu einem Restaurant.

    Am nächsten Morgen nach einer guten Nacht und einen Kaffee auf dem Balkon

    geht es los in den Trubel da draußen.

    Wir wollen zu Fuß zum Kalighat Kali Tempel. Das ist ein Abenteuer.

    Da heute ein Feiertag ist, schaffen wir es nicht in den Tempel ganz hinein, die Schlange ist zu lang. Aber die Gegend davor und herum, wo man Blumen und Tiere kaufen kann als Opfergabe ist schon eindrucksvoll genug.

    Wir werden überall freundlich begrüßt, und als wir es schließlich mit dem Taxi bis zum Zoo geschafft haben geht es erst richtig los. Velis meinte nur: „Wir sind die Beatles“; weil alle von und mit uns ein Foto machen wollen. Als wir nach vielen Tieren im eindrucksvollen Zoo von 1875 auf einer Decke eine Rast machen werden wir umkreist von Neugierigen. Aber alle sind sehr freundlich und so gibt es SEHR viele Selfies mit uns.

    Glücklich dank wie von unser Lady empfohlen mit Uber nach Hause zurückgekehrt (herrlich die gelben alten Ambassadors, aber wie erklärt man einem Fahrer dass man zum Zoo will?) sind wir erschöpft und erfüllt von so viel Eindrücken.

    Morgen geht es wie den Kindern versprochen in den Aquapark.

  • Freitag, 9. Februar 2018, 18.30 Café Artjuna, Anjuna, Goa, India

    Die Jungs haben sich noch mal einen Pfannenkuchen im Café Artjuna gewünscht.

    Die Sachen sind gepackt, das Haus leer geräumt. Das Taxi bestellt. Wir saßen gestern noch mit Michael und Carmin zusammen, haben uns verabschiedet und noch mal viel aus einer ganz anderen Welt gehört. In der Michaels Mutter, wie wir hörten starb als er 10 Monate alt war. Er der jüngsten von 4 Kindern war. Seine ältere Schwester an einem Schlangenbiss umkam. Michael wurde verheiratet, mit Carmin die er vor der Hochzeit nie gesehen hatte. Sie hatten Glück miteinander. Das Haus, in dem er auch geboren wurde steht hier schon 400 Jahre. Sie haben drei Söhne und eine Tochter wie wir, ein weiteres Kind starb ihnen früh. Michael ist mit 85 Jahren der älteste in seiner Familie. Er wirkt immer noch deutlich jünger. Sein Enkel war da und hat für uns gekocht, sehr lecker Salat und Garnelen. Lysander und Velis verstanden schon viel. Heute war ihr letzter Tag, es gab Zeugnisse und Verabschiedungen. Unsere Freunde aus Assagao, im Sommer auch im Prenzlauer Berg um die Ecke wohnend haben Gulasch gekocht, mit Rotkraut. Es war ein Stück Heimat, herrlich.

    Wir waren noch mal im Schwimmbad, haben Tarotkarten gezogen. Ich war noch mal auf einer richtig vollen Party am Strand, noch voller als auf dem Photo unten aus den 70er Jahren. Michael erinnert sich an die Hippies. Sie waren arm und meistens nackt. Und sie haben Anjuna berühmt gemacht.

    Auch die 84 jährige Lady aus München, die den Winter immer im Mango Shade wohnt hat uns herzlich verabschiedet.

    Es gab noch mal Eis für alle. Wir sind soweit. Mit den Jungs bin ich ein letztes Mal durch die Nacht unterwegs, eine Einladung von der Schule. Kindergeburtstag in Vagator. Vorbei an der Polizeikontrolle (ich fahre einfach vorbei), am Hilltop ( es ist der Party-Monat angebrochen, mit DJs aus aller Welt zu Besuch und den Traveller aus Europa, die jetzt alle im Februar kommen). Wir bleiben stehen, Benzin ist alle. Zu Fuß brechen wir auf, und finden an der Kreuzung einen Grill der passend auch Benzin verkauft. Ein Liter in der Plastikflasche mitgenommen und nachgefüllt, dann geht es weiter. Die Party ist richtig Goa, voller Leute aus der Schule und mit Livemusik und buntem Trubel für Jung und Alt. Morpheus wird aufgefordert auch zu bleiben, so komme ich noch mit hinein.

    Morgen brechen wir auf auf den Teil der Reise, wo keiner von uns schon war. Wir sind aufgeregt und freuen uns. Ein halbes Jahr liegt vor uns.

    Danke für diese tolle Zeit in Anjuna!

  • And now you can relax in your hammock

    1.2.2018, Anjuna, Goa, India

    „And now you can relax in your hammock“ meinte der junge Mann recht lässig, als er von der vierten Kokospalme wieder herunter geklettert war. Mit nichts als einen Sisalseil um die Füße und einem Messer am Rücken. Wir schauten nur mit stockendem Atem zu. Was für ein Beruf. Er hat es vom Vater gelernt. Michael erzählte, es wollten immer weniger diesen Beruf ergreifen. „No mistakes“ meinte Michael und erzählte, als Kind habe er einmal gesehen was passiert, wenn das Palmblatt an dem sich der Kletter festhält nicht fest ist. „It was just blood flowing out of his head“, meinte Michael.

    Bei mir verbinden sich verschiedenste Gefühle und Gedanken miteinander: Respekt und Bewunderung vor einer Arbeit, einem Leben bei der jeder Schritt, jeder Griff fehlerfrei sein muss, ein Leben lang.

    Was für eine Achtsamkeit. Und was für eine Verbindung mit der Palme: die Füße mit dem Seil bilden die eine Stütze, die Arme um den Stamm geschränkt die Andere. Schritt für Schritt geht es hinauf und hinunter. Und oben angelangt muss man sich mit den Füßen festgeklammerten, und dann das Messer greifen und über Kopf arbeiten. Jedes Blatt das fällt, jede Nuss darf einen nicht mitnehmen. Das Messer ist nicht gesichert. Auch der Kletter nicht. Die Technik mit dem Seil um die Füße ist sicher 5000 Jahre alt. Keine Veränderung. Keine Sicherheit.

    Ich denke, wir einfach ein Haken wäre, eine Klettersicherung wie in Deutschland beim Baumklettern üblich. Es wird hier keine Vorschriften geben, aber auch kein Bewusstsein dass man Gefahren verringern könnte. Es ist eine Art Urvertrauen mit der gearbeitet wird. Faszinierend. Und zugleich etwas, was verschwinden wird. Es ist wie ein historischer Blick. Der zweite Arbeiter meinte schon: „Die Maschinen kommen“ Mit der Hebebühne geht es schneller und sicherer.

    Wir sind erst einmal dankbar. Die letzten Tage fielen immer wieder Kokosnüsse in den Garten, eine an Morpheus vorbei der in der Hängematte hing. Sieht man was für ein Abdruck im Rasen entsteht bekommt man Respekt. Wir haben die Hängematte die letzten Tage gemieden. Jetzt, dank Michaels Hilfe und dem Kletterer, können wir die letzten Tage den Garten noch mal genießen und den Kindern schmecken die Kokosnüsse aus dem eigenen Garten besonders lecker.

    Und zum Sonnenuntergang lassen wir die Kinder noch mal im Haus und gehen zum Curlies an den Strand. Es ist herrlich. Auf einem alten Buch sah ich, dass Strandabschnitt schon in den 70er Jahren der Ort war, an dem die Hippies ihre Parties feierten. Anjuna damals die Final Destination auf der „Morgenlandfahrt“ über Iran, Afghanistan und Indien.

    Ich las auch, das Anjuna und der Hafen in Chapora schon im 6. Jahrhundert Handelsplatz war, Anlaufstelle der Araber und deren Tor nach Indien. Man spürt es, dieser Ort war schon immer ein Treffpunkt der Kulturen.

    Jetzt sieht man junge indische Frauengruppen in Shorts und T-Shirt beim Selfie am Strand die mit den Händen Love schreiben. Ich freue mich und denke mir, was für ein Unterschied zu vor 20 Jahren als ich das erste Mal hier war. Unvorstellbar damals. Goa ist voller indischer Touristen diese Tage, und in Anjuna sind es eher die mit Tattoo und der Einstellung wie auf der Reklame am Straßenrand: „make memories you can’t tell mom and dad!“

  • 31. Januar 2018, 21.08. Uhr, German Bakery, Anjuna, Goa, India

    Wir brechen auf, zur German Bakery. Es ist Konzertabend, wir haben einen Tisch reserviert. Fleemarket day. Mit den drei Jungs auf der Enfield geht es wieder das Labyrinth durch die Nacht. Vorbei an den Steinen auf dem Weg, in engen Slalom um die Palmen, immer eine Gleichgewichtsübung. Es ist schwer das Bike aufrecht zu halten wenn ich in der Kurve mit Schrittgeschwindigkeit einen Kuhfladen oder einer Kokosnuss ausweichen muss. Dann an der kleinen Kapelle vorbei, es riecht nach verbranntem Müll, wie immer abends. Zeit des Einrräucherns der einen oder anderen Art. Daheim mit Kohle und Weihrauch von Carmin in der Tonschale, einmal durch die Wohnung und auf den Balkon um die Moskitos zu vertreiben.

    Draußen der Müll. Blätter und Plastik, alles was brennbar ist. Unverwechselbar indisch.

    Zwischen den hockenden Frauen durch auf den Fleemarket. Dort wird abgebaut. Ein gewaltiges Chaos. Ein indischer Kleinlaster auf Tata-Nano-Chassis, eher Tuktuk als Auto nach dem anderen versucht durch die eine Straße durchzukommen, auf der auch noch Händler, Fußgänger und Tiere unterwegs sind. Mit Vertrauen und Erfahrung kommt man da gut durch. Für Unerfahrene ist es unvorstellbar da durchzukommen. Dann die Abkürzung durchs „Gemüse“ wie es Nadine nennt, ein Trampelpfad auf und ab durch Wildnis und an Häusern vorbei, die Abseits liegen. Man muss mit Gegenverkehr und Tieren rechnen. Immer mit Hunden, die gerne bellen. Und mit Kühen, meistens mehrere. Wir kommen gut durch.

    Über uns ein erstaunlicher Anblick, Morpheus sieht es zuerst: eine Mondfinsternis. Ganz langsam schiebt sich die Erde wieder am Mond vorbei und der Mond wird wieder sichtbar. Als wir ankommen in der German Bakery an unserem Stammplatz mit Krishna (Velis: ich mag ihn nicht, ich mag lieber Shiva!)

    ist die Sichel schon viel größer geworden. Es ist Konzert mit Zauberkünstler und Akrobat Jyoti mit dem Ensemble Tetouze (Elektro Worldwide Groove) und Tänzerin Roksana.

    Tara kommt von Nadine geschoben mit dem Kinderwagen nach. Sie wollte doch noch mit, das Fieber lässt nach und sie kommt wieder zu Kräfte . Langsam. Aber spürbar. Fast zwei Wochen war sie richtig krank. Eine böse Virusgrippe, mit Fieber über 41. Tara brauch Mama und macht es sonst tapfer. Nach 5 Monaten so viele Länder, Eindrücke und Menschen mit 2 1/2 Monate Kita von 9 bis 4 in fremder Sprache nimmt sie sich die Zeit sich ganz zurückzuziehen. Und nur mit Mama und Papa zu liegen, malen, spielen, schlafen. Ich habe vollstes Verständnis für sie und erinnere mich an meine Kindheit in Peru und wie ich auch lange Krankheitsphasen hatte, wo gewöhnliche Virusinfekte ewig dauerten. Das Wichtigste ist es für mich den Kindern die Zeit zu geben und Geduld zu haben. Ihr geht es jeden Tag besser, aber sie möchte bestimmt noch nicht wieder in die Kita. Wir werden sie daheim lassen bis wir wieder losfahren.

    Lysander schließt neue Freundschaften. Ein Junge aus Deutschland dessen Eltern in Assagao leben lädt ihn ein. Er durfte sogar ein Moto-Cross Bike im Garten fahren. Abenteuer.

    Ich gehe sogar mal wegen meiner Hüfte zur Osteopathin Haeather. Eine Kanadierin, die mit ihrem Mann aus London mit ihrem zwei Kindern vor zwei Jahren nach Goa gezogen sind. Ein schönes Haus in Assagao im Grünen. Eine tolle Behandlung. Wo bekommt man für 20 Euro in Berlin oder London eine Stunde beim Osteopathen? Ich werde die letzten Tage noch nutzen. Bekomme Übungen um die Muskeln zu stärken.

    Und morgens weiter Yoga. Werde erleichtert und stolz sein wenn ich da fertig bin, jeden Morgen dort gewesen die letzten Monate.

    Schule steht an. Recherche, Zeugnisse, Anmeldung. Lysander ist ja nach der Heimkehr 7. Klasse. Wir erfahren von den Freunden daheim das es auch ein Thema daheim ist. Es ist fern und nah zugleich ein Thema. Ich bin stolz auf die Kinder, wie sie es alle hier in der Yellow School gemeistert haben.

    Im Hintergrund hört man wieder den Bass. Wir sind in Anjuna, hier hört man eigentlich immer Techno jede Nacht. Dazwischen das Gebell der Hunde. Und die Grillen zirpen.

    Es wird auch heißer. Mehrfach am Tag duschen hilft. Auf dem Bike ist es angenehm.

    Der Aufbruch kommt näher. Bei jedem Sonnenuntergang auf der Veranda denke ich es. Abschied. Eigentlich will man nicht weg. Aber das Visum läuft aus, und die Welt wartet darauf weiter entdeckt zu werden. Und Nadine und ich lieben Aufbrüche.