• Sonntag, 10. September 2017, 20.43, Three bedroom Apartment at Gizeh, Cairo

    Ankuft Gizeh

    Das ist also die Zukunft Afrikas. 16 Millionen Einwohner hat die Metropolregion Kairo, damit ist sie die größte in Afrika und Nr. 17 weltweit. In diese Megastädte ziehen die Menschen, und sie sind die Zukunft für die stark wachsenden Bevölkerungen Afrikas. Die Geburtenraten sind ja weltweit am sinken, aber Afrika startet eben von einem viel höheren Niveau. Hier wird sich die Bevölkerung noch verdoppeln. Platz ist ja da, es wird darauf ankommen die Ernährung und Wirtschaft zu verbessern. Ich bleibe da optimistisch, das wird gelingen.

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    In Luxor war es schön gemütlich, hier kommen nach 700 Km Fahrt durch die Wüste auf einmal altertümliche Stahlwerke, schwarze Rauchschwaden und Baustellen über Baustellen an Hochhaussiedlungen, dazwischen die typischen Stahlbetonsäulen die in den Himmel ragen, ein Stockwerk höher als das schon bewohnte Haus darunter. Es geht schon 60 km vor Kairo los.

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    Wir sind um 4 Uhr gestartet, die Fahrt macht Spaß, die Kinder genießen es dass in Ägypten Gurte nicht verwendet werden und so machen wir ihnen ein Lager auf dem Boden und auf den Sitzen.

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    In weniger als 9 Stunden sind wir da. Plötzlich sieht man auf der Ringautobahn zwischen den oft halbfertigen Hochhäusern die Pyramiden durch.

    Wir haben dieses Mal eine Wohnung gewählt. Wir landen also richtig in Ägypten. Der Aufgang ist eine Baustelle, unter uns wohnen die Besitzer, sehr freundlich und hilfsbereit, über uns ist Baustelle, leider bis spät in die Nacht. Aber dafür sind wir direkt an den Pyramiden, auf der Dachterrasse und vom Schlafzimmer aus sind sie zum Greifen nah, sogar die Sphinx sieht man. Klein, mittel, groß, sind sie nebeneinander aufgereiht. Über 4500 Jahre alt, irgendwie gleichzeitig aus der Vergangenheit und durch ihre strenge geometrische Form aus der Zukunft. Zeitlos stehen sie da.

    Ich kenne ja aus meiner Kindheit in Lima, Peru diese Megastädte in der Wüste. Ich fühle mich wohl in dieser heißen staubigen Welt zwischen einem Häusermeer, Baustellen, Müll, Kindern auf der Straße, Krach, Chaos, umgeben von grandioser Weite der Wüste.

    Wir richten unsere große, aber eben landestypische Wohnung ein. Erst mal das weiße Neonlicht mit unseren Lichterketten ersetzen. Einen Eimer holen für die Stellen, wo das Wasser auf das Bett tropft. Den Dreck in der Küche übersehen, erst mal Essen organisieren (es gibt endlich Haferflocken für Velis!). Wir  fahren mit dem Tuktuk und unserer freundlichen Begleitung, dann kochen wir eine Suppe und stärken uns. Ich breche noch mal auf um Bier zu holen, mit dem Bruder unseres Owners laufe ich durch wilde Gassen in der Dunkelheit voller Leben.

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    Ein guter Tag. Morgen sehen wir uns die Pyramiden an.

  • Freitag, 8. September 2017, 13.37 Uhr

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    Stolz und zufrieden sind wir, dass wir alle im Tal der Könige waren. Wir fanden es eindrucksvoll und sehr schön, vor allem das Grab von Ramses VI war super detailliert geschmückt. Unter diesem pyramidenförmigen Berg und in mitten dieser heißen Wüste, eine verborgene Welt voller prachtvoller Gänge und Grabkammern. Eine erstaunliche Welt, in der man Jahrtausende so viel Aufwand betrieben hat um für eine Leiche eine Ruhestätte zu erschaffen. Es muss eine hohe Bedeutung gehabt haben, und ein stabiles System über so lange Zeiträume gewesen sein. Toll die kleinen Figuren, Vögel, Schlangen und Krüge zu sehen, die Frauen an der Decke mit ganz langem Oberkörper. All diese Hyroglyphen, die man nur von Bildern kennt, in echt.

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    Das tatsächlich die Mumie von Tutanchtamon dort ausgestellt war, ein kleiner Mann, war für alle faszinierend. 19 Jahre ist er nur alt geworden. „Aber er sah ein bißchen eklig aus, der Schwarze, der Goldene sah nicht eklig aus“, meint Morpheus.

    Das wir es alle dorthin geschafft haben, freut mich riesig. Wir leben unseren Traum, das ist das Gefühl dass ich habe.

    Samstag, 9. September 2017, 10.30 Uhr, Nile View Hotel, West Bank, Luxor, Egypt

    Alles hat seinen Platz. Wir sind unterwegs in die Richtung, die wir uns vorgestellt haben. Ich sitze morgens mit Nadine auf dem Balkon, trinke den ersten Kaffee und wir reden wie wir gestartet sind. Ihr ging es vor allem um das Gemeinsam sein, mit den Kindern und der Familie sein, Space haben, gemeinsam wachsen. Es realisiert sich.  Es sind viele Bälle in der Luft, wenn sechs Menschen mit ihren eigenen Ideen, Wünschen und ihrem eigenen Willen jongliert werden wollen. Es ist ein Haushalt den man führt, den man mit sich trägt. Es gilt, sich um Essen, Trinken, Schule, Spielen, Sport, Kultur, Reisen, Schreiben, Geld, Dinge daheim zu kümmern. Und es funktioniert. Jeden Tag gibt es Herausforderungen, doch wir finden gemeinsam Lösungen. IMG_5273

    Abends nach der herrlichen Flussfahrt auf dem Nil im Segelboot zur Banana Island saßen wir noch lange vorne im Garten mit Blick auf den Nil, die Kleinen schliefen ein. Redeten auch darüber, wie wunderbar kinderfreundlich, aber auch fremdartig Ägypten auch für uns ist.  Nadine meint:

    Fünf mal am Tag rufen die hier zum Gebet!
    Ich möchte nicht leben wo fünf mal am Tag gerufen wird wohin ich mich richten soll
    Das ist so alt alles hier,  ich bin überrascht!
    Wie in Indien, einzig die verschleierten Frauen erinnern daran das es ein arabisches Land ist.
    Die Menschen ja sind durchweg freundlich. Jeder ist froh uns zu sehen. Ab und an wollen sie einen reinlegen, ok.
    Ich spüre aber eine große Verunsicherung der Menschen der Männer, in welche Richtung soll es weiter gehen? Die Touristen bleiben weg,  mehr Polizei überall,  alles verfällt.
    Der modernste Ort ist in der Grabkammer von Tutanchtamon.
    Aber ein Café am heiligen Ort wo ich morgens mal kurz verschnaufen kann gibt es nicht, einzig die Alabaster-Verkäufer. 
    So muss es auf dem Land auch in Syrien ausgesehen haben bevor die IS kam und alles eingenommen hat
    Verunsicherung,  Stillstand,  keine Freiheit

    Es gibt nicht mal einen Supermarkt.
    Wir finden keine Haferflocken.
    Alles ist klein klein über all Plastiktüten
    Die Tomaten, die Gurken, alles wie vor 100 Jahren
    Keine erneuerbaren Energien obwohl die Sonne scheint und scheint
    Wie soll das hier weiter gehen?

    Aber auch hier gibt es Menschen mit dem Herz am rechten Fleck,  aber wenn sie keine Chance haben dem zu folgen?
    Gerade habe ich mich auf Facebook mit dem Manager des Hotels connected und gesagt das ich alles gute für sein Land wünsche und ich bete dafür, und da war es wieder, das Herz ❤

    Ich meine: auf jeden Fall gibt es hier viele Herausforderungen, und bei Vielem ist aus meiner Sicht auch einfach noch die schwierige Historie zu spüren. Dass Ägypten nach der Kolonialzeit lange auf Seiten der Sowjetunion war spürt man noch in vielen Dingen, eben auch darin dass Staat, Bürokratie und ein gewisser „Schlendrian“ leider auch dort zu spüren ist, wo man eigentlich mehr erwarten würde. Jeder BWL-Student würde hier den Auftritt, den Luxor mit seinen Weltkulturerbe bietet spürbar verbessern können.

    Aber ich glaube auch, dass eben die vergangenen Jahre für Ägypten schwierig waren und dies sowohl in der Wirtschaft als auch im Tourismus eben deutlich zu spüren ist. Ich denke, dass Reformen und Fortschritt Schritt für Schritt auch hier wieder kommen und die Touristen auch. Mohsen, unser Hotelmanager erzählt, wie er dieses Hotel durch den Webauftritt bei Booking.com seit zwei Jahren nach vorne gebracht hat. Auch wir kamen durch diese Seite und die guten Bewertungen hier her. Er ist freundlich und kümmert sich um alles wunderbar.

    Gerade klopft es, es ist der Einkauf. Es kostet immer 500 Pfund, das sind 25 Euro, dafür haben wir dann aber Wasser, Bier, Milch, Saft, Eier, Kartoffeln, Brot, Fetakäse, Spaghetti, Tomaten, Kaffee, Kekse, die uns gebracht werden, denn zu Fuß kommen wir hier zu keinem Laden.  Damit kommen wir gut durch den Tag. Ein gutes Gefühl, den Kühlschrank zu füllen.

    Morgens gab es schon Mango zum Frühstück und danach Spaghetti, auf der Isomatte. Ich habe jetzt beim Abspülen und Küche aufräumen weiter gemacht. Es freuen mich die Details, etwa dass wir die Lock-Lock-Dosen mitgenommen haben um die Oliven, den Käse und die Bratkartoffeln von gestern gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahren zu können. Kleinigkeiten, die aber in einem Land voller Ameisen, Trockenheit und Hitze wichtig sein können.

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    Dann überlegen wir weiter, wie wir Entspannung, Spiel und Lernen verbinden können. Es gibt immer neue Optionen: Nadine liest den Kindern ein Mittelalterbuch vor. Lysander danach Band 7 von Harry Potter auf dem Kindle. Velis läuft durch die Gegend und dreht mit Tara und Morpheus ein Zeitraffer-Video, wie sie auf dem Bett tanzen. Dann machen sie Kinderdisko an und üben die gleichen Songs und den Tanz dazu weiter, die sie im Resort gelernt haben. Auch Tara und Morpheus machen mit. Ich habe auch Spaß daran und mache mit. Ich denke an gestern Abend, wo Tara gestern auf dem Platz noch spontan zur arabischen Musikbeschallung getanzt hat, bis unser Taxi kam.

    Lysi und Velis spielen gegen den Schachcomputer, nachher mit mir.  Dann übt Velis Michael Jackson, Thriller: „It’s close to midnight, something evil is lurking in the dark“. Dabei tanzt er und schaut so böse wie Michael Jackson in dem Video. Dazwischen Baden. Lysander und Velis schwimmen mit mir um die Wette, sie dürfen sich am Beckenrand abstoßen, ich nicht.  Ich stelle ihnen abwechselnd Matheaufgaben aus dem kleinen und großen Einmaleins zu. 16 mal 16 ist… Die Großen machen gerne mit, ich freue mich.

    Gestern auch ein weiterer Test mit dem „Sofatutor“. Wir sind gleich begeistert, weil wir noch nie so eingängig etwa die Grundbegriffe der Geometrie gelernt haben. Schön verpackt in 10 Minuten Häppchen. Bei den Jungs schwankt es noch, mal haben sie Lust, mal nicht. Mal sind wir selbst auch flexibel, mal geben wir den Takt vor, auch gegen Widerstände. Dann finden sie plötzlich wieder alles spannend. Heute gab es gemeinsam Videos über die Pyramiden und Tutanchamon und Velis lernte Englisch: Pluralbildung, mit Online-Übungen. Und Lysander studierte berühmte Musikgruppen.

    Morgen um 4 Uhr geht es los Richtung Kairo. Und in einer Woche schon sind wir in Namibia.  Die Grillen zirpen, und über dem Nil leuchten Grün die Minarette. (21.11 Uhr)

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    Donnerstag, 7. September 2017, 19.50 Uhr, Hotel Nile View, Luxor, West Bank, Egypt.

    So haben wir uns es vorgestellt. Jeder kann machen was er will, dazwischen gibt es


    gemeinsame Aktionen: Morgens lesen, lernen und dazwischen spielen dann im Swimmingpool herumtoben, Essen kochen. Schließlich der Aufbruch wenn es kühler wird, auf die andere Seite zu den beeindruckenden Tempelanlagen und einer arabischen Stadt mit all ihrem bunten, teilweise herzlichem, teilweise fremdartigen Treiben. Wir lassen uns noch mal mit dem netten Kleinbusfahrer auf die andere Seite des Nils bringen, zum Karnak Tempel. Nicht viel los, wir sehen wenig andere Touristen, aber viele Fremdenführer und Händler möchten mit uns ins Geschäft kommen.

    Ich lese vor der Abfahrt: die Tempelanlage stammt aus dem mittleren Reich, das heißt die Anfänge liegen mehr als 2000 Jahre vor Christus. Das ist so weit zurück, dass es kaum vorstellbar ist. So weit wie für uns der Beginn unserer Zeitrechnung zurückliegt, so alt war damals schon diese Tempelanlage. Erstaunlich auch die Genauigkeit, mit der die riesigen Steinquader aufeinanderpassen. Was für Höhen die Säulen erreicht haben. Und wie viele Bilder und Monumente dort zu entdecken sind. Fast alles ist ungeschützt, und wir müssen die Kinder davon abhalten, auf die vielen Sphinxe zu klettern. Tara fragt zu Recht: Wieso sieht man hier keine richtigen Löwen, warum sind die alle nur aus Stein? Ich frage mich, gab es hier früher Löwen?

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    Alle sind glücklich und spüren, dass dies wirklich ein besonderer Moment ist. Wir haben es geschafft, sind wirklich als Familie in der totalen Hitze in Ägypten an einem so eindrucksvollen Ort. Auf Weltreise in Afrika, und alle sind happy. Nur mehr Wasser hätten wir mitnehmen sollen, inmitten der riesigen Anlage geht es uns aus und alle kämpfen um den letzten Schluck Wasser.

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    Danach müssen wir uns stärken, und finden ein schönes Restaurant mit Garten. Das arabische Essen schmeckt erstaunlicherweise allen hervorragend, die Kinder wundern sich über die vielen Katzen die vom Fisch etwas abhaben wollen und dass wieder alle Kinder ihre Freunde werden wollen. Tara will auf keinen Fall mehr fotografiert werden, das müssen wir gelegentlich auch den begeisterten Familien klarmachen, die gerne ein Foto mit ihr hätten.

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    Am nächsten Tag wache ich das erste Mal schon früh auf, um 5.20 Uhr ist es schon hell, lege mich aber noch mal hin. Zum Glück haben wir in den Schlafzimmern eine Klimaanlage, sonst wäre es bei bis zu 39 Grad draußen kaum auszuhalten. So machen wir Unterricht im Schlafzimmer. Lysander bereitet seinen Vortrag über Jacky Chan weiter vor, Velis über Michael Jackson. Morpheus versucht seinen Namen zu schreiben und Tara malt Tara und die Eltern. Und am Swimmingpool üben wir das kleine und große Einmaleins, dazu gibt es Fladenbrot, Oliven und Fetakäse und Mango.  Es wird weiter viel Lego gespielt und ständig rennen die Kinder die Treppe runter zum Swimmingpool.  Ich würde sagen, für den Anfang können wir zufrieden sein.

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    Am Nachmittag lassen wir die Großen auf eigenen Wunsch zuhause und ziehen mit den Kleinen noch mal los. Mit einem kleinen Boot geht es über den Fluss, direkt zum Luxor Tempel. Wir ziehen mit unserem praktischen „Bollerwagen“ durch die Stadt, so dass sich Tara und Morpheus immer mal wieder hineinlegen können. Wir laufen bis zum Bahnhof. Wir würden gerne mit dem Zug nach Kairo. Es gibt nur den Nachtzug für Touristen, für 70 Euro pro Kopf, das macht keinen Sinn. Die anderen Züge kosten nur 9 Euro erste Klasse, aber alle Züge die wir finden fahren nur abends ab und Fahrkarten bekommen wir als Touristen auch nicht. Also geht es am Sonntag mit dem Bus weiter.

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    Der Luxor Tempel ist fast noch schöner. Wirklich eine tolle Erfahrung. Wir fahren in der Dämmerung zurück über den Fluss und bringen noch frisches Obst mit. Die Läden erinnern mich an Indien: Klein, chaotisch, herzlich. Abends wird es auf den Straßen belebter, Kinder auf Eseln und Jungs auf Mopeds. Die Großen fragen per Whatsapp wann wir nach Hause kommen und freuen sich sehr über die Mangos. Morgen geht es schon früh um 7.00 Uhr los zum Tal der Könige, und abends wollen wir mit einem Segelboot auf den Nil. Wir verlängern noch mal um eine Nacht. Schöne Aussichten.

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    Dienstag, 5. September 2017, 14.11 Uhr, im Taxi auf dem Weg von Hurghada nach Luxor, noch 120 km.

    Eindrucksvolle Fahrt durch die Wüste. So viel Sand und Steine. Eine große, fremde Welt. Draußen ist es so heiß und hell. Man sieht eine Stromleitung, etwas das wie eine Wasserleitung oder ein Bahndamm im Bau aussieht, und ganz selten mal eine Hütte oder eine halbfertige Baustelle. Die einzigen Stopps sind Polizei oder Militärkontrollen. Davon gibt es viele.  Teilweise mit gepanzerten Fahrzeugen. Immer mit Wachtürmen, aus denen Gewehrläufe herausragen.  Es war früher ein unsicheres Gebiet, jetzt gibt es regelmäßig „Checkpoints“. Kein Wunder, Ägypten ist vom Militär geführt und das hier sind sichere Arbeitsplätze. Und der Tourismus muss geschützt werden. Die Straße ist gut ausgebaut, vierspurig. Die Gegenfahrbahn sieht man nicht, sie ist ein paar hundert Meter weiter links.

    Die Klimaanlage funktioniert, es ist schön leise. Auch die Musik haben die beiden Fahrer gleich wieder ausgemacht. Wir haben Platz, Lysander, Tara und Morpheus schlafen. Die Kleinen können sich auf zwei Plätzen quer hinlegen. 80 Euro für den Kleinbus, gebucht über das Internet.  Im Hotel wollten sie 50 Euro allein nach Hurghada zum Busbahnhof. Man musste eine Telefonnummer in Ägypten hinterlassen, dort rief dann eine Dame aus England an und kümmerte sich um die Details, u.a. die Daten aller Passagiere, die braucht man neuerdings vorab in Ägypten. Regel der Tourismuspolizei.

    Jetzt sieht man am Horizont eine Stadt. Plattenbauten im großen Stil, alle Baustelle. Werden sie noch fertig, oder sind es schon Ruinen?  Die ersten Vororte von Qena, 120 km vor Luxor. Wir halten dort in einem Café. Danach geht es durch wild aussehende Stadteile. Halbfertige Häuser, drei Kinder auf einem Esel, staubige Straßen. Ein uralter Laster. Bilder die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, eine fremde Welt. Dreirädrige Tuktuks wie in Indien. An jeder Kreuzung Bodenschwellen, die Kinder ärgern die „toten Polizisten“.

    Unterwegs haben wir dann dem Fahrer gefragt, ob er uns statt wie gebucht zum Flughafen Luxor zum Hotel Nile View fahren konnte. Es ist eine halbe Stunde länger, über die Nilbrücke. Man sieht sicher 20 vor sich hinrostende Nilkreuzfahrtschiffe dort liegen. Dann geht es wieder durch Felder. Ein Mopedfahrer, vom Hotel geschickt steht am Ende an der Straße um uns den Weg zu zeigen, es sieht dörflich aus.

    17.58 Uhr, Nile View Hotel, Luxor

    Ein ganz anderes Gefühl. Wir sind in Ägypten angekommen, 4 1/2 Fahrt, erst drei Stunden durch Wüste, dann die ersten Städte am Nil. Das Hotel ein Traum. So ein kleines süßes Hotel am Nil, auf der ruhigen Westseite.  Es ist Dämmerung, ein Segelboot fährt den Fluss entlang. Ich sitze auf dem Balkon und schaue auf Feldern und davor der Nil. Das Wasser hier fließt bis zu 8000 Kilometer aus Burundi und Ruanda hier her, einen großen Teil durch Wüste.

    Unten springen die Kinder begeistert in den kleinen Hotelpool. Lysander meint, es ist der beste Pool bisher, weil er so schön tief ist. Man hört den Ruf zum Gebet. Grün leuchtet der Turm der Moschee über dem Nil, daneben geht der groß leuchtende Vollmond auf. Am Ufer ein Feuer, davor Felder und Palmen.

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    Ist es in Namibia auch so cool, fragt Velis? Warum können wir hier nicht zwölf Tage bleiben?  Nur Hunger haben alle. Der Hotelbesitzer hat jemand losgeschickt, mit Nadines Einkaufsliste. Wir haben eine sehr schöne Dreizimmer-Wohnung mit Küche, für 35 Euro die Nacht. Die Kinder wünschen sich selbst gekochtes Essen. Bratkartoffeln und Spaghetti wie daheim. Man bringt uns den Einkauf, alles ist dabei, selbst unser Bier für den Abend auf dem Balkon.

    Es sind jetzt schon alle begeistert von Ägypten.

    Nadine Luxor

     

  • Montag, 4. September, 21.44 Uhr, Hurghada, Ägypten

    Jetzt beginnt die „Weltreiseschule“. So haben Velis und Lysander die Schule getauft, in die sie jetzt gehen. Es gibt 4 Stunden am Tag, wir haben heute als erstes gemeinsam den Lehrplan, den Stundenplan und die wichtigsten Regeln aufgestellt. Die Kleinen dürfen spielen und malen.

    Viele Vorträge, Fragestunden und Gruppenarbeit, so ihre Vorschläge. Zwischen 7 Uhr und 10 Uhr geht es los, man darf in jeder Position lernen die man mag und ein Kuscheltier darf dabei sein. Die Jungs haben Hefter beschriftet, jeder durfte sich Farben selbst aussuchen. Für die Großen gibt es Tests und Klassenarbeiten, aber keine Noten.

    Heute morgen sind schon alle früh aufgewacht, waren aufgeregt wie es werden wird. Am Ende der 3. Stunde habe auch ich auf das Handy geschaut und mich gefragt, wie lange es wohl noch ist. Ein interessanter, neuer Abschnitt hat begonnen. Der Pool danach fühlte sich für alle wie eine besondere Belohnung an.

    Gerade kommt Lysander noch mit einer Verbesserungsidee: Wir machen jeden Tag eine Stunde nur mit einem Schüler, dann hat der die volle Aufmerksamkeit. Ihm hat es heute Spaß gemacht mit mir den Rahmenlehrplan Mathe der vergangenen Jahrgangsstufen durch zu gehen und zu schauen was noch hängen geblieben ist.

    Ein letztes Mal Pool, Abendessen am Buffet, danach Minidisko und der traumhaft beleuchtete Anblick auf dem Weg zurück zu unserem Zimmer. Das wäre jetzt ein normaler Urlaub gewesen, 12 Tage all inclusive,  morgen könnte der Rückflug sein. Wie meinte der Hoteldirektor gestern bei seiner Rede: „Die Batterien aufladen“.  Wir waren noch nie in einem „Pauschalurlaub“, es war eine erstaunlich positive Erfahrung, ein echter Luxus. Doch zugleich freuen wir uns auf den Aufbruch nach draußen. Morgen um 12.00 fahren wir nach Luxor los, 320 km nach Süd-Westen.

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  • Vertrauen

    Samstag, 2.09.2017, 12.34, im Poolrestaurant.

    Die Fragen: Wie viel ist zu tun? Gefühlt befinde ich mich, befinden wir uns im Übergang. Von viel und hoher Geschwindigkeit zu weniger und langsamer. Noch ist die Liste im Kopf lang, und alles erscheint dringend.

    Doch es scheinen auch schon die ersten Strahlen der Entspannung durch. Die da heißen. „Let it be“. Einfach mal alles sein lassen, und nur das Notwendigste tun. Im Pool-Restaurant braucht man ein T-Shirt, also ist es hier anzuziehen. Sonst geht es eigentlich auch mit Shorts oder Badehose.

    Weniger zu tun heißt erst einmal, einem Gefühl zu vertrauen. Vertrauen, dass es auch so wird wie man es sich wünschst, erhofft. Dass nichts Schlimmes passiert wenn man nicht vorsichtig war, sich nicht vorab Gedanken gemacht hat.

    Gefühlt haben wir uns über alles schon vorab Gedanken gemacht. Am Ende aber hat man es nicht alles in der Hand, kann es nicht alles vorab planen. Will es ja gar nicht, sonst wäre es ja keine neue Erfahrung, sondern nur die Ausführung eines Plans.

    Und da gibt es noch dieses kleine, doch wieder wachsende Gefühl, dass hinter dem Loslassen, nicht perfekt sein eine entspanntere, ja größere Perspektive wartet. Dass man sogar aus dieser Entspannung heraus besser entscheiden kann und mehr Lust hat die Dinge zu tun, die man tun möchte. Nicht tun muss, weil sie getan werden müssen.

    Eigentlich war es sogar sehr häufig so. Sind mir nicht die Dinge dann gut gelungen, hatte ich die richtigen Einsichten, Ideen und die meiste Energie, wenn es mir gelungen ist mal richtig loszulassen? Vielleicht bin ich ja nur einfach schon zu lange wieder in der „Hochleistungswelt“ unterwegs? Es fühlt sich nach einer ersten wichtigen Einsicht an.

    Noch zwei Tage im Luxus, dann beginnt ein neuer Abschnitt.

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    Freitag, 1. September 2017, 21.38 Uhr

    Das Ende der „Ferien“ rückt näher. Am Montag beginnt die Schule wieder in Berlin. Wir werden eine Mischung aus „schooling“ (die großen Jungs sind ja an der Yellow School in Anjuna, Goa, India angemeldet, und damit konnten sie auch von der Schulpflicht in Berlin offiziell befreit werden), „homeschooling“ (zwei Stunden Pflicht, zwei Stunden Kür), das ist mit der Schule in Indien abgesprochen, und „unschooling“ (was sie unterwegs selbst lernen,  wird sie fürs Leben weiterbringen) testen.

    Wir haben mit den Jungs beschlossen den wichtigsten Stoff (Mathe, Deutsch, Englisch, Naturwissenschaften) zu unterrichten.  Von meiner Freundin Aline haben wir den Tip, es mit Sofatutor.de zu versuchen, sie hat dort selbst mitgearbeitet. Schulstoff für alle Fächer und alle Klassen bis 8. Klasse, didaktisch gut aufbereitet und als Internet-Angebot. Englisch wird schon jeden Tag geübt. Morpheus sagt immer sehr freundlich: „please“, wenn er etwas will. Als Referenz habe ich den Rahmenlehrplan Berlin aus dem Internet heruntergeladen. Wir sind alle gespannt, wie es werden wird. Aber es geht ja erst am Montag los. Noch sind Ferien.

    Morpheus berichtet an seine Kita. „Mir geht es gut, und ich habe einen Mann gesehen mit einem Kleid, der hat getanzt und sich gedreht und das Kleid hat geleuchtet“. Die gestrige Show im Theater.

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    Und wir haben die Ferien heute richtig genossen: Ausflug aufs Rote Meer. Morgens mit dem Bus abgeholt, Fahrt durch die Wüste, dann auf ein Schiff raus auf das türkisblaue Meer. Wellen, Wind, traumhafte Farben, viele Kitesurfer.  Und nach einer Weile Stop, es geht hinunter ins Unterdeck. Dort sind Scheiben angebracht, man sieht ins blaue Meer hinaus. Die Kinder finden es toll. Fische, Korallen zu Anfassen nah. Manchmal ist einem etwas mulmig: Halten die Scheiben auch? Nachdem alle satt gesehen haben an der Pracht geht es noch hinaus zum Schnorcheln.

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    Tara und Morpheus wollen mit hinaus, mutig die Leiter hinab mit Schwimmweste in die stürmische See. Ich bin nicht minder aufgeregt. Aber sie machen es großartig, gemeinsam mit den super geduldigen arabischen Tauchern, die uns begleiten. Morpheus schnorchelt und ist ganz begeistert, Tara hält sich tapfer am Rettungsring fest und trotzt den Wellen, einmal rund um das Schiff gezogen gemeinsam mit Papa. Dann geht es wieder an Bord zurück. Heimfahrt, im Wind immer wieder Brecher über Bord. Türkisblaue Perspektiven.

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    Zurück im Resort relaxen alle am Pool, danach sitzen wir zum Sonnenuntergang oben an der Bar. Traumhaftes Licht, alles in gelb. Danach gibt es Themenabend im Restaurant: „Zuckerfest“. Bunte Obstberge sind aufgetürmt, draußen gibt es ägyptische Spezialitäten vom Grill. Herrlich. Abends wie immer Kinderdisko, unsere vier sind wieder mit großer Begeisterung dabei. Eine vollverschleierte Frau filmt ihre Enkeltochter mir Korkenzieherlocken, voll dabei bei „viva la musica“. Als Morpheus sich danach kritisiert fühlt, er hätte nicht gut „socu baci vira“ getanzt, bricht er auf in die Dunkelheit und ist erst nach längerem Suchen am Strand wieder zu finden. Velis macht Rennen mit Tara im Kinderwagen, er nennt sie „Turbo-Tara. Tara ist begeistert.

    Jetzt noch sechs mal Zähne putzen. Ein schöner Tag.

     

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    Dienstag, 29. August 2017, 22.46 Uhr, Hurghada, Ägypten

    Es geht mit Lego los. Wir sitzen alle auf der Terrasse und bauen. Gut dass wir zwei Kisten mitgenommen haben. Velis baut einen Parcour, den nachher die Legomännchen in einem ausgiebigen Wettbewerb bezwingen müssen. Es gewinnt der Surfer ohne Kopf. Das ganze muss per Zeitraffer aufgezeichnet werden. Dann ziehen wir Osho-Tarotkarten. Braucht man einen neuen, nicht vorhersehbaren Input, ist das ein wunderbares Spiel. Mit der linken Hand, geschlossene Augen, gut gemischte Karten.

    Alle machen mit. Ich beginne und mische die Karten, die erste die ich dabei sehe ist „letting go“. Dann zieht Velis zu erst. „ripeness“, Reife. Er meint: Ich bin reif für die Weltreise. Morpheus zieht den Narr, „the fool“. Die erste Karte, ganz am Anfang der Reise. Offen für alles. Lysander zieht „sharing“. Velis meint, Lysander teilt auch wirklich immer gerne und kümmert sich um seine Geschwister. Dann zieht Tara: „control“ Eine Pyramide. Sie ist die Dominanteste von uns allen. Wenn es nicht nach ihrem Willen geht, dann… Nadine zieht „mind“: noch viele Sorgen. Und was ziehe ich, geschlossene Augen, linke Hand: „letting go“. Aus der Familientherapie weiß ich noch: in einer Familie kann jeder für jeden der „Symptomträger“ sein, das System ist interaktiv. Alle Karten sprechen für uns alle. Und was sagt Osho jetzt zu letting go:

    „In existence, there is nobody who is superior and who is inferior. The blade of grass and the great star are absolutely equal…“

    Ok, ich verstehe. Ich beschließe: ich lasse mehr los und versuche heute nicht alles noch weiter zu perfektionieren. Es ist nicht meine Aufgabe, besser zu sein…

    So dauert es alles ewig. Meine 7 GB Datenflat sind verbraucht. Nadines Karte ist viel zu langsam. Ich brauche ungefähr 3 Stunden, um festzustellen dass ich es nicht schaffe online eine ägyptische Vodafon-Karte mit einer deutschen Kreditkarte aufzuladen. Was ich aber dabei lerne: Das Internet hat eine globale normative Kraft. Jeder wird gezwungen, genau zu sein, sehr genau. Es gibt keinen Ausweg. Das ist ein hervorragendes Training und wird die Welt in hoher Geschwindigkeit weiter zusammenführen.

    Denn es unterscheidet einfach nicht zwischen Deutschland oder Ägypten. Es ist die gleiche Detaillogik, ein extrem wirksames Training in Genauigkeit. Und die Größe und das Aussehen der Smartphones unterscheidet sich auch nicht, zwischen Tourist und Hotelpersonal, auch nicht der Blick darauf, beim Arbeiten, Essen, Ausruhen. Nichts hat je die Menschen in so hoher Geschwindigkeit ähnlich gemacht wie das mobile Internet.

    Aber es ist ein Segen. Macht so vieles einfacher, ja erst möglich. Dass wir hier reisen können geht auch deswegen, weil ich die vorher digitalisierten Belege zur leider plötzlich anstehenden Steuerprüfung heute per Dropbox-Link an meinen Steuerberater freigeben kann. Ich unser Auto, dass nutzlos in der Garage steht heute per Sharing Economy an einen netten Nachbarn über Drivy, eine Verleih-App ausleihen kann. Und Nadine unsere Wohnung heute über eine Online-Plattform vermietet bekommt, an zwei junge Israelis die in der Fintech-Branche aktiv sind und frisch in Berlin sind. Ich schaue mir Ihr Profil über LinkedIn an und sage zu, klingt vertrauenserweckend.

    Das Smartphone bekam ich dann doch über den Shop in der Passage aufgeladen, und seitdem strahlen die Kinder wieder. Sie können wieder ihre Lieblingssongs über Spotify hören. Zur Zeit steht Michael Jackson ganz hoch im Kurs, nachdem es lange die Beatles waren. Lysander lädt sich über Kindle Unlimited eine Michael-Jackson Biografie auf das Kindle und liest den halben Tag begeistert am Pool.

    Heute ist letting go. Nadine hatte es ja schon gestern eingefordert, mal endlich etwas Urlaubsstimmung aufkommen zu lassen. Ich soll mal locker lassen. Sie hat recht. Jeder macht was er will. Velis will nicht frühstücken gehen, bleibt noch daheim. Morpheus und Tara haben von den großen Brüdern gelernt, dass man an der Bar die alkoholfreien Drinks bestellen kann und trinken einen „Virgin Mojito“, Blue Curacao und ähnliches buntes Zeug nach dem anderen, Tara steht auf Pink. Sie strahlen dabei und fühlen sich super cool. Auch ich liege einfach mal faul auf der Liege und kann es richtig genießen.

    Abends gibt es leckeren Fisch, Morpheus und Tara schmeckt es. Tara schaut sich die gegrillten Fische neugierig an und meint: Das ist ein echter Fisch, der kann beißen. Und danach gleich abends zur Kinderdisko, wo alle vier Kinder begeistert sich von russischen Animateuren anfeuern lassen. Tara ist ganz vorne dabei. Und danach bei der Abba-Show im Amphitheater. Jetzt liest Lysander über Abba auf dem Iphone. Die Kleinen hat Nadine mit unserem praktischen Beach-Trolley schon aufs Zimmer gebracht. Sie schlafen sofort ein, so kann Nadine noch nachkommen.

    Alle sind begeistert von all inclusive und letting go.

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    Sunday, 27 August 2017, 8.27 a.m., on the terrace with the first coffee.

    „If there is a sense of reality, there must also be a sense of possibility,“ writes Robert Musil in „The Man Without Qualities“. That made sense to me and I have trained this sense over the years.

    A space of possibilities. This is the view I like. Every morning I have the opportunity to decide for myself where the journey should take me today. It is my decision. It depends on the questions I ask myself. Lysander wanted to know yesterday: What makes success? We will include the topic in the curriculum.

    I find this lifestyle fascinating: travelling and writing together with family and friends. It is our travel space.

    12.28, in the pool restaurant.

    The children have jumped back into the water. Nadine is having a massage. It is a constant exercise not to lose sight of the children and to make sure that the little ones only go into the water with swimming wings. And at the same time to control my own stream of thoughts. If it succeeds, it creates the „flow feeling“ that I love so much and that gives me so much energy. It is activity that generates more energy than it consumes.

    Now the waiter comes and asks for the order. I run to the children in the water, three times pizza, once chicken with chips for Tara. I myself stay with soup, salad, fruit and iced coffee.

    To solve problems creatively you need it:

    Attention (awareness),
    Passion and
    Self control.
    This is what Don Koberg and Jim Bagnall write in „The Universal Traveller“, a book from California in the 70s with the subtitle: „A Soft System Guide to Creativity, Problem-Solving & the Process of Reaching Goals“.

    A gift from our friend Andreas, who read this antiquarian work himself with enthusiasm and gave it to me before the journey. I scanned it with an app and loaded it into the dropbox and now read it on the Macbook and Iphone. My travels are always accompanied by books. They come to you. I pay attention when someone I appreciate recommends a book to me.

    2.30.p.m. Was out snorkeling in the sea. It’s amazing how nature produces such a colourful variety of fish. Everyone has eaten and is swimming in the pool again.

    Everything is a journey, and we are travelers. It is the difficulties on the journey that challenge us.

    As the philosopher Raimund Popper wrote so clearly: „Life is solving problems“.  We all dream of a beautiful life from childhood on. This is important and wonderful.

    But we must also find solutions for the difficulties that arise on the way there. If we become more experienced, we are better prepared.  Have more flexibility and strength to find appropriate solutions for all situations.

    I like what „The Universal Traveller“ writes so much that I copy it myself:

    …think positively; develop a creative viewpoint. Turn life´s challenges and problems into adventures. Seek enjoyment from the ’simple pleasures‘ of curiosity and experimentation by maintaining a positive attitude. Open new doors; look into new corners; question the fixed and stable; experience the ‚abnormal‘.

    Now is the time to set off into the desert. This also seems extremely unusual. Leaving the resort as a jogger: One looks at us curiously, but is friendly. Please note the room number here, they say. Outside across the street you can find the simple dwellings of the employees. Unmastered dogs roam around. We are waved over friendly. The Sahara is enormous. From here it goes on for thousands of kilometres, always only sand and stones. Are the rebels sitting here?  In the evening sun it is very nice out here.

    Today everything is much easier, we return enthusiastically and have a beer at the chilled hotel bar before we return to the children.

     

    Sonntag, 27. August 2017, 8.27 Uhr, auf der Terrasse beim ersten Kaffee.

    „Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch einen Möglichkeitssinn geben“, schreibt Robert Musil in „Der Mann ohne Eigenschaften“. Das hat mir sehr eingeleuchtet und ich habe diesen Sinn über die Jahre weiter trainiert.

    Ein Raum der Möglichkeiten. Das ist die Sichtweise die mir gefällt. Ich habe jeden Morgen neu die Möglichkeit, selbst zu entscheiden wohin die Reise heute gehen soll. Es ist meine Entscheidung. Es kommt auf die Fragen an, die ich mir stelle. Lysander wollte gestern wissen: Was macht Erfolg aus? Wir werden das Thema mit in den Lehrplan aufnehmen.

    Ich finde diesen Lebensstil faszinierend: gemeinsam mit Familie und Freunden zu reisen und zu schreiben. Es ist our travel space.

    12.28, im Poolrestaurant.

    Die Kinder sind wieder ins Wasser aufgebrochen. Nadine ist bei einer Massage. Es ist eine konstante Übung, die Kinder nicht aus den Augen zu verlieren und darauf zu achten, dass die Kleinen nur mit Schwimmflügeln ins Wasser gehen. Und zugleich den eigenen Gedankenstrom weiter zu steuern. Wenn es gelingt, erzeugt es das „Flow-Gefühl“, das ich so liebe und das mir so viel Energie gibt. Es ist Aktivität, die mehr Energie erzeugt als sie verbraucht.

    Jetzt kommt der Ober und fragt nach der Bestellung. Ich laufe zu den Kindern im Wasser vor, drei Mal Pizza, einmal Hühnchen mit Pommes für Tara. Ich selbst bleibe bei Suppe, Salat, Obst und Eiskaffee.

    Um Probleme kreativ zu lösen braucht es:

    1. Aufmerksamkeit (awareness),
    2. Leidenschaft (passion) und
    3. Selbstkontrolle (self control).

    Das schreiben Don Koberg und Jim Bagnall in „The Universal Traveller“ , ein Buch aus dem Californien der 70ger Jahre mit dem Untertitel: „A Soft System Guide to Creativity, Problem-Solving & the Process of Reaching Goals“.

    Ein Geschenk von unserem Freund Andreas, der dieses antiquarische Werk selbst mit Begeisterung gelesen hat und es mir vor der Reise geschenkt hat. Ich habe es mit einer App eingescannt und in die Dropbox geladen und lese es jetzt auf dem Macbook und Iphone. Reisen werden bei mir immer von Büchern begleitet. Diese kommen zu einem. Ich achte darauf, wenn mir jemand, den ich schätze ein Buch ans Herz legt.

    14.30 War draußen im Meer schnorcheln. Erstaunlich, wie die Natur so eine bunte Vielfalt an Fischen hervorbringt. Alle haben gegessen und sind wieder am Schwimmen im Pool.

    Alles ist eine Reise, und wir sind Reisende. Es sind die die Schwierigkeiten auf der Reise, die uns herausfordern.

    Wie schrieb es der Philosoph Raimund Popper so eindeutig: „Leben ist Probleme lösen„.  Wir alle träumen von klein auf von einem schönem Leben. Das ist wichtig und wundervoll.

    Aber wir müssen auch Lösungen finden für die Schwierigkeiten, die auf dem Weg dorthin auftauchen. Werden wir erfahrener, sind wir besser vorbereitet.  Haben mehr Flexibilität und Stärke, angemessene Lösungen für alle Situationen zu finden.

    Mir gefällt es so gut, was „The Universal Traveller“ schreibt, dass ich es selbst abschreibe:

    …think positively; develop a creative viewpoint. Turn life´s challenges and problems into adventures. Seek enjoyment from the ‚simple pleasures’ of curiosity and experimentation by maintaining a positive attitude. Open new doors; look into new corners; question the fixed and stable; experience the ‚abnormal’.

    Jetzt ist Zeit für den Aufbruch in die Wüste. Auch das erscheint äußerst ungewöhnlich. Das Resort zu verlassen, als Jogger: Man schaut uns neugierig an, aber ist freundlich. Bitte die Zimmernummer hier notieren, heißt es. Draußen über die Straße hinweg sind die einfachen Behausungen der Angestellten zu finden. Herrenlose Hunde streunen herum. Man winkt uns freundlich herüber. Die Sahara ist gewaltig. Von hier geht es tausende von Kilometer weiter, immer nur Sand und Steine. Sitzen hier die Rebellen?  In der Abendsonne ist es sehr schön hier draußen.

    Heute geht schon alles viel leichter, wir kehren begeistert zurück und trinken noch ein Bier an der gekühlten Hotelbar, bevor wir zu den Kindern zurückkehren.